Die Radierung: Ein Leitfaden und Ratgeber
Part 6
Endzweck einer geätzten Platte ist und bleibt: den für die Öffentlichkeit bestimmten Abdruck zu liefern. Angesichts dessen ist es auch von hohem Interesse, über die Aufmachung der Blätter im Klaren zu sein, denn ein geschmackvolles Äußeres hebt das Ansehen einer Radierung ganz beträchtlich. Weit entfernt, hier Regeln aufzustellen oder dem Leser gar Formeln an die Hand zu geben, nach denen Blattgröße, Bildgröße und Plattengröße mathematisch festzulegen sind, möchte ich in solchen Fragen mit Vertrauen an den guten Geschmack meiner lieben Leser appellieren, und ich fürchte nicht, fehlzugehen. Ob man nun das Bild klein in die Mitte der Platte setzt, oder die ganze Platte für das Bild benutzt, das hängt vom Geschmack des Radierers ab, auf alle Fälle macht ein bis knapp an die Facette radiertes Bild einen sehr gediegenen Eindruck, da ja das Druckpapier mit seinem eingepreßten Plattenrand eine vornehme Umrahmung dazu abgibt. Ist das Papier selbst ziemlich stark, so wählen wir sein Format recht groß, denn breite Ränder um die Radierung tragen zur edlen Wirkung viel bei. Zartes Druckpapier kann klein gehalten werden, das Bild wird dann auf weißen Karton mit den zwei oberen Ecken aufkaschiert. Japanpapier ist so dünn, daß es einer festen Unterlage bedarf. Aus weißem, starkem Papier oder Karton werden große Blätter geschnitten, damit ein recht breiter Rand um den Druck erhalten werde. Das Papier wird mit Stärkekleister ganz bestrichen (doch nicht allzunaß); dann wird der Japandruck daraufgelegt und mit Filtrierpapier oder einem reinen Handtuch bedeckt. Obendrauf kommt irgend ein starkes Papier; sodann wird mit einem Leinwandballen kräftig gerieben; das Bild haftet dann sehr fest auf der Unterlage. Dieser Vorgang entfällt bei Anwendung der Walzenpresse; dort erfolgt Drucken und Aufkaschieren gleichzeitig. Name oder Zeichen des Radierers kann am unteren Bildrand, natürlich in Spiegelschrift, radiert und geätzt werden. Schließlich kann man einen breiten Rahmen aus Karton schneiden, dessen Öffnung so groß ist, daß der gepreßte Platten-Rand des Abzuges sichtbar bleibt, wenn man das Bild mit Klebestoff _hinter_ diesen Karton mit zwei Ecken befestigt. Eine solche Aufmachung hebt das Ansehen einer Radierung außerordentlich.
Zum Aufmachen an der Wand eignen sich am besten zarte Rähmchen, welche entweder ein sehr flaches oder noch besser gar kein Relief haben. Rähmchen aus halbrunden oder ganz flachen, schmalen Leisten wirken sehr vornehm.
Die zum Verlag bestimmten Blätter erhalten dann noch einen Aufdruck unterhalb des Bildes, welcher den Titel desselben sowie die Bemerkung »Originalradierung von N. N.« enthält.
Schlußwort.
Wenn ich mich nun vom Leser verabschiede, so möchte ich mir die Freude nicht versagen, dies Büchlein mit dem Bewußtsein zu beschließen, in so mancher schaffensfrohen Brust angeregt zu haben zu frischer Kunstbetätigung.
Mein Bestreben ging dahin, den Anfänger gleich ins Praktische der Technik einzuführen, damit der erziehliche Wert des Selbsterprobens dem Lernenden so bald als möglich zu gute komme.
Wie schon erwähnt, ist das Inhaltliche dieses Buches die Lehre von etwas bereits Bestehendem und kann, ohne das Wesen des Ganzen anzutasten, nicht abweichen von den bereits bekannten Lehrbüchern aus älterer und neuerer Zeit über dieses Gebiet. Was ich aber als wesentlich bei der Radierung erblicke, das sind in noch viel höherem Maße als Virtuosität in der Technik: rein künstlerische Momente, wert der besonderen Aufmerksamkeit des Lernenden, der nicht nur in technischem Können es zur Meisterschaft bringen sondern auch mit künstlerischem Takte sich der errungenen Ausdrucksweise bedienen will.
Von diesem Standpunkte aus beurteilt wird auch die beabsichtigte Hinweglassung der Aufzählung und Beschreibung der vielen anderen Sticharten dem Buche nicht als Mangel vorzuwerfen sein, da diese entweder mit der Ätzkunst nichts zu tun haben (wie z. B. die Grabsticheltechnik, die Linienmanier, die Schabkunst usw.), da dort das Vertiefen der bilderzeugenden Elemente auf mechanischem Wege geschieht, oder wenn sie auf Ätzung beruhen wie z. B. die verschiedenen Arten der »Aquatinta« (im Absatz »_Strich und Ton_« ist das Prinzip einer solchen Aquatintatechnik, nämlich derjenigen mittelst Steinsalzpulver, gelegentlich erörtert), die Reservagenmethoden, die Crayon- und Korntechniken doch für den freischaffenden Künstler nicht gerade den Königsweg bedeuten, da bei ihnen meistens feine, minutiöse Ausführung ihren Wert und ihren Selbstzweck bilden.
Von alledem sei bloß die »_kalte Nadel_« oder »Schneidenadel« erwähnt, da sie ein wertvolles Mittel bei Retouche und Nacharbeit der geätzten Platte ist.
Dieses Werkzeug ist eine Radiernadel, welche jedoch nicht kegelförmig sondern schneidig geschliffen ist. Die photographische Schneidefeder leistet auch hierin vorzügliche Dienste. Sie wird auf der fertigen Ätzung, auf blankem Kupfer verwendet und ermöglicht, in zarten Strichlagen geführt, duftige lasurartige Töne. Zu bedenken ist hierbei, daß die kalte Nadel einen ganz anderen Strich-Charakter ergibt als die Ätzung, daß also ihre Anwendung vorsichtig und sparsam erfolgen muß, damit der Gesamtcharakter der Arbeit dadurch nichts von seiner harmonischen Wirkung einbüße. Die Schneidefeder (kalte Nadel) erzeugt neben den feinen Furchen auf der Kupferplatte auch aufstehende Kanten, die sogenannten »Grate«. Man fühlt sie leicht heraus, wenn man mit der Fingerspitze über die Platte streicht. An diesen Graten würde beim Abziehen die Druckfarbe hängen bleiben und im Abzug klecksartige Stellen verursachen. Deshalb muß man diese Grate vor dem Einschwärzen mit dem Schabstahl abnehmen. Nur darf man diesen nicht senkrecht zur Strichrichtung der Grate führen, da man sie sonst nicht entfernen, sondern nur umlegen und die Furchen dadurch wieder schließen würde.
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Manchen meiner lieben Leser wird es vielleicht willkommen sein, die Radierung, wenigstens die Anfänger-Arbeiten mit billigeren Mitteln betreiben zu können. Einen solchen wirklich guten Ersatz bietet die im Vergleich zur Kupferplatte viel billigere Zinkplatte. Ihre Bearbeitung unterscheidet sich nicht von der der Kupferplatte. Nur das Ätzwasser muß für Zink bedeutend schwächer sein als für Kupfer. Ein sehr gutes Ätzwasser für Zinkplatten stellt man sich wie folgt her: In eine _gesättigte_ Kochsalzlösung gießt man gewöhnliche Salzsäure, schüttelt gut durch und nimmt davon in die Eprouvette. Der blanke Probestreifen aus Zinkblech wird hineingesenkt. Er soll sich nach etwa einer Minute mit sehr kleinen Bläschen belegen. Das rasche Entstehen von großen Blasen ist ein Zeichen eines zu starken Ätzwassers. Verdünnt wird dann grundsätzlich mit gesättigter Kochsalzlösung, nicht mit reinem Wasser. Diese Kochsalzlösung hält man in einer großen Flasche auf Vorrat. (Man schüttet soviel Kochsalz in die Flasche, daß sich stets ein ungelöster Rest davon im Wasser unten befindet).
Wenn man bemerkt, daß sich von den Kanten des Probestreifens feine glitzernde Fäden in der Eprouvette niedersenken, dann ist das Ätzwasser bereits stark genug, auch wenn noch keine deutliche Blasenbildung auftritt. Man vermeide es, Ätzwässer für Zink und solche für Kupfer in Mischung zu bringen. Die blaue Färbung des Kupferätzwassers läßt ja nicht leicht Verwechslungen zu. Das Zinkätzwasser wird gelb und soll doch durch eine Aufschrift gekennzeichnet werden, da es sich von neuen, ungebrauchten Ätzwässern nicht merklich unterscheidet.
Ungemein wichtig erschien mir, die Erörterung des Abdruckens mit einfachen Mitteln meinen lieben Lesern vorzuführen, denn, wenn wir das Drucken mit dem Beinstab beherrschen, dann haben wir in diesen Produkten zuverlässige, nimmerversagende Ratgeber gefunden, Ratgeber, die stets zur Hand sind, wenn man ihrer bedarf und eine Arbeit begleiten bis zu ihrer Vollendung. Schon das fortwährende Hin- und Widerlaufen zum Kupferdrucker, das Warten auf die Abzüge usw. ist nicht besonders angenehm; hat aber jeder Ort einen Kupferdrucker? wenn nicht, dann spielt sich die Sache obendrein auch noch per Post ab, -- vom Kostenpunkt ganz abgesehen! Und dann muß erwogen werden: Es sind Probedrucke, für welche all die Müh’, Zeit und Kosten verwendet werden soll!
Allerdings sehr empfehlenswert ist die Anschaffung einer nicht gar zu kleinen Handwalzenpresse; namentlich dann, wenn man beabsichtigt, selbst auch eine kleine Auflage von Abzügen für den engeren Verkehr zu drucken. Man ist durchaus nicht an große Firmen gebunden, ein vertrauenswürdiger, intelligenter Maschinenschlosser wird eine solche Walzenpresse mit Bessemerwalzen samt Gestell und den zwei Tischblättern mit gewiß geringeren Kosten und ganz exakter Leistung herzustellen wissen; nur darf die Federung und die Verstellbarkeit der oberen Achsenlager nicht vergessen werden.
Handwalzenpressen von sehr hoher Leistungsfähigkeit erzeugt die Pressenfabrik Gärdtner & Knopp in Wien.
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Am Ende meiner Ausführungen angelangt erübrigt mir nur noch dem Wunsche Ausdruck zu geben, daß das Büchlein, so anspruchslos es auch sei, allen denen, die sich ihm anvertrauen, ein treuer Ratgeber bei ihren ersten Versuchen werde, sowie, daß es auch nicht sobald aus der Hand des Fortgeschrittenen gelegt werde. Seine Knappheit möge ihm nicht zum Vorwurf gemacht werden, denn nicht umfassen soll es und erschöpfen, nur anregen, nur die Wege zeigen will es den Lernenden, die ihren Fleiß dieser edlen Technik widmen und im Lernen, im Fortschreiten deren berufene Pfleger, ihre eifrigen Schätzer werden wollen.
Alphabetisches Verzeichnis.
Abblättern des Ätzgrundes 12, 71
Abdecken mit Pinselfirnis 38, 82
Abfärben der Rauchschicht 18
Abgestuftes Ätzen 38, 82
Abschleifen der Platte 74
Anrauchen der Platte (Abb. 3 und 4) 15
Aquatinta 81, 95
Arbeitsprogramme 41
Asphalt 9
Asphaltlack 32, 33, 63
Ätzdamm 31
Ätzgruben-»Nester« 27
Ätzgrund, dessen Eigenschaften 8
Ätzprozeß 2, 28
Ätzschalen 32, 35
Ätzwachs 34
Ätzwasser für Kupfer 28, 37
Ätzwasser für Zink 96
Aufätzen 61
Aufpausen der Zeichnung 21
Aufbewahren von Ätzgrund 11
Aufbewahren von Ätzwachs 35
Aufbewahren von Druckfarbe 49
Aufbewahren von Pinselfirnis 39
Aufbewahren der Platten 8, 19
Aufbewahren des Polierstahls 67
Aufbringen des Ätzgrundes 12, 62
Aufbringen der Konturen 21
Auflagetuch (Abb. 14) 59
Aufmachen des fertigen Bildes 93
Ausprobieren des Ätzwassers 30, 97
Beinstab (Abb. 13) 22, 56, 81
Beißzange 12
Beizemittel 78
Bequeme Plattengröße 6
Bienenwachs 9, 35
Bildgröße 89, 92
Bimsstein 75
Blasenbildung 36, 71
Blattrand und Blattgröße 92
Blaustein 75
Böttchers Ätzwasser 37
Brennöl 35
Chlorsaures Kali 29, 37
Deckfirnis 38, 70, 82
Druck 45
Druckballen (Abb. 8 und 9) 50, 51
Drucken (maschinelles) 57
Druckfarbe 48
Druckpapier 46
Duplikatplatten 61
Einleiten der Ätzung 35
Einschwärzen der Platte (Abb. 9) 50
Engelrot 76
Entfetten 11
Facette, Facettieren 8
Farbkissen 4
Feilklobe 12
Fetthauch auf der Platte 11
Fettrötel 21
Filtrierpapier 37, 46, 47, 72
Filzfeile 76
Fisch- oder Marderpinsel 39
»Flammen« 78
Flanelltuch 8, 19, 58
Flecken im Abdruck (blinde F.) 27, 73
Flüssiger Ätzgrund 63
Führung der Nadel 25, 65
Führung des Beinstabes (Abb. 13) 56
Führung des Druckballens (Abb. 9) 51
Gänsefeder 36
Gasentwicklung (schädliche) 36
Glasmensur 29
Glastafelmethode (Abb. 6) 33
Globuspasta 67, 76
Graphische Künste 5
Graphit 18, 56
Grate 96
Gravieren 25
Griffel zum Pausen 22
Grundieren 11, 68
Grundierwalze (Abb. 2) 14
Handabzug 45
Handbänkchen (Abb. 7) 43
Handwalzenpresse 98
Herrichten und Prüfen der Nadeln 24
Hochdruck 4, 61
Japanpapier 47, 93
Kalte Nadel 95
Kampmann: »Die graphischen Künste« 5
Karborundstein 75
Klecksige Abzüge 72
Kochsalz 96
Kolophonium 9
Körnchen und Knötchen im Ätzgrund 10
Kupferdruckfarbe 48
Kupferdruckfirnis 49
Kupferdruckpapier 46
Kupferplatte 6
Leinöl 49
Manierismus 85
Marder- oder Fischpinsel 39
Maschinelles Drucken (Abb. 14) 57
Maschinelle Tonungsmittel 79
Mastix 9, 70
Mißerfolge 68
Modellierholz 33
Nadelführung 25, 64
Nadel (Herrichten und Prüfen) 24
»Nester« = Ätzgruben 27
Offenhalten der Strichlagen 26
Papprahmen (Abb. 11 und 12) 54
Pausen 21
Photographie 20, 87
Photographische Schneidefeder (Abb. 15) 64, 95
Pinselfirnis 38, 70, 82
Plattenrost mit Handhabe (Abb. 1) 12
Plattieranstalt 7, 76
Polieren 8, 66
Polierpasta 78
Polierstahl 66
Probedrucke 65, 67
Radiernadel (Abb. 5) 24
Reinigen der Platte 43
Retouche-Arbeiten 62
Rezept für Ätzgrund 8
Rezept für Ätzwachs 34
Rezept für Ätzwasser 28
Rezept für Deckfirnis 38
Rezept für Druckfarbe 48
Rost mit Handhabe (Abb. 1) 12
Salpetersäure 28
Salzsäure 37, 96
Säureflaschen 28
Schabeisen 74
Schadenätzungen 33, 63
Schlemmkreide 11
Schlichtfeile 74
Schmierseife 49
Schmirgelpapier 81
Schneidefeder (Abb. 15) 64, 95
Schräge -- Facette 8
Schreibfeder 85
Schwefelmilch 78
Sodalösung 31
Spachtel (Abb. 10) 52
»Springende Nadel« 77, 78
Stahldrahtbürste (Abb. 16) 76, 82
Steinsalzmethode 81
Strichlagen 26
Strich und Ton 77
Teilätzungen 38, 40, 82
Terpentin 38, 44
Terpentinessenz 38
Tiefdruck 3
Tonen beim Drucken 61
Tonungsmittel (auf der Platte) 79, 81
Überhitzen der Platte 13
Unschlitt 35
Unterfressen der Stege 27, 71
Unterschied zwischen Zartheit und Helligkeit 27
Verstählen 62
Vorsichtsmaßregeln bei Bereitung des Ätzgrundes 10
Vorsichtsmaßregeln beim Anrauchen der Platte 16
Vorsichtsmaßregeln beim Hantieren mit Säuren 31
Wachsfackel 16
Wahl des Motivs 20
Walze -- Grundierwalze (Abb. 2) 14
Walzendruck 58
Walzenpresse 59, 99
Wasserdichter Ätzdamm 31
Wasserdichtes Aufmachen der Platte auf die Glastafel 34
Wechselbeziehungen zwischen Nadelstärke, Ätzwasserstärke und Ätzdauer; ihr Einfluß auf den Charakter des Bildes 27
Weißer Ton 11
Wischer 59
Zahl der erreichbaren Abzüge 61
Zahl der Teilätzungen 40
Zeitungspapier 44
Zerkratzen der Platten und des Ätzgrundes (Schutzmittel) 8, 18
Raum für Bemerkungen.
Weitere Anmerkungen zur Transkription
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