Die Radierung: Ein Leitfaden und Ratgeber

Part 6

Chapter 62,025 wordsPublic domain

Endzweck einer geätzten Platte ist und bleibt: den für die Öffentlichkeit bestimmten Abdruck zu liefern. Angesichts dessen ist es auch von hohem Interesse, über die Aufmachung der Blätter im Klaren zu sein, denn ein geschmackvolles Äußeres hebt das Ansehen einer Radierung ganz beträchtlich. Weit entfernt, hier Regeln aufzustellen oder dem Leser gar Formeln an die Hand zu geben, nach denen Blattgröße, Bildgröße und Plattengröße mathematisch festzulegen sind, möchte ich in solchen Fragen mit Vertrauen an den guten Geschmack meiner lieben Leser appellieren, und ich fürchte nicht, fehlzugehen. Ob man nun das Bild klein in die Mitte der Platte setzt, oder die ganze Platte für das Bild benutzt, das hängt vom Geschmack des Radierers ab, auf alle Fälle macht ein bis knapp an die Facette radiertes Bild einen sehr gediegenen Eindruck, da ja das Druckpapier mit seinem eingepreßten Plattenrand eine vornehme Umrahmung dazu abgibt. Ist das Papier selbst ziemlich stark, so wählen wir sein Format recht groß, denn breite Ränder um die Radierung tragen zur edlen Wirkung viel bei. Zartes Druckpapier kann klein gehalten werden, das Bild wird dann auf weißen Karton mit den zwei oberen Ecken aufkaschiert. Japanpapier ist so dünn, daß es einer festen Unterlage bedarf. Aus weißem, starkem Papier oder Karton werden große Blätter geschnitten, damit ein recht breiter Rand um den Druck erhalten werde. Das Papier wird mit Stärkekleister ganz bestrichen (doch nicht allzunaß); dann wird der Japandruck daraufgelegt und mit Filtrierpapier oder einem reinen Handtuch bedeckt. Obendrauf kommt irgend ein starkes Papier; sodann wird mit einem Leinwandballen kräftig gerieben; das Bild haftet dann sehr fest auf der Unterlage. Dieser Vorgang entfällt bei Anwendung der Walzenpresse; dort erfolgt Drucken und Aufkaschieren gleichzeitig. Name oder Zeichen des Radierers kann am unteren Bildrand, natürlich in Spiegelschrift, radiert und geätzt werden. Schließlich kann man einen breiten Rahmen aus Karton schneiden, dessen Öffnung so groß ist, daß der gepreßte Platten-Rand des Abzuges sichtbar bleibt, wenn man das Bild mit Klebestoff _hinter_ diesen Karton mit zwei Ecken befestigt. Eine solche Aufmachung hebt das Ansehen einer Radierung außerordentlich.

Zum Aufmachen an der Wand eignen sich am besten zarte Rähmchen, welche entweder ein sehr flaches oder noch besser gar kein Relief haben. Rähmchen aus halbrunden oder ganz flachen, schmalen Leisten wirken sehr vornehm.

Die zum Verlag bestimmten Blätter erhalten dann noch einen Aufdruck unterhalb des Bildes, welcher den Titel desselben sowie die Bemerkung »Originalradierung von N. N.« enthält.

Schlußwort.

Wenn ich mich nun vom Leser verabschiede, so möchte ich mir die Freude nicht versagen, dies Büchlein mit dem Bewußtsein zu beschließen, in so mancher schaffensfrohen Brust angeregt zu haben zu frischer Kunstbetätigung.

Mein Bestreben ging dahin, den Anfänger gleich ins Praktische der Technik einzuführen, damit der erziehliche Wert des Selbsterprobens dem Lernenden so bald als möglich zu gute komme.

Wie schon erwähnt, ist das Inhaltliche dieses Buches die Lehre von etwas bereits Bestehendem und kann, ohne das Wesen des Ganzen anzutasten, nicht abweichen von den bereits bekannten Lehrbüchern aus älterer und neuerer Zeit über dieses Gebiet. Was ich aber als wesentlich bei der Radierung erblicke, das sind in noch viel höherem Maße als Virtuosität in der Technik: rein künstlerische Momente, wert der besonderen Aufmerksamkeit des Lernenden, der nicht nur in technischem Können es zur Meisterschaft bringen sondern auch mit künstlerischem Takte sich der errungenen Ausdrucksweise bedienen will.

Von diesem Standpunkte aus beurteilt wird auch die beabsichtigte Hinweglassung der Aufzählung und Beschreibung der vielen anderen Sticharten dem Buche nicht als Mangel vorzuwerfen sein, da diese entweder mit der Ätzkunst nichts zu tun haben (wie z. B. die Grabsticheltechnik, die Linienmanier, die Schabkunst usw.), da dort das Vertiefen der bilderzeugenden Elemente auf mechanischem Wege geschieht, oder wenn sie auf Ätzung beruhen wie z. B. die verschiedenen Arten der »Aquatinta« (im Absatz »_Strich und Ton_« ist das Prinzip einer solchen Aquatintatechnik, nämlich derjenigen mittelst Steinsalzpulver, gelegentlich erörtert), die Reservagenmethoden, die Crayon- und Korntechniken doch für den freischaffenden Künstler nicht gerade den Königsweg bedeuten, da bei ihnen meistens feine, minutiöse Ausführung ihren Wert und ihren Selbstzweck bilden.

Von alledem sei bloß die »_kalte Nadel_« oder »Schneidenadel« erwähnt, da sie ein wertvolles Mittel bei Retouche und Nacharbeit der geätzten Platte ist.

Dieses Werkzeug ist eine Radiernadel, welche jedoch nicht kegelförmig sondern schneidig geschliffen ist. Die photographische Schneidefeder leistet auch hierin vorzügliche Dienste. Sie wird auf der fertigen Ätzung, auf blankem Kupfer verwendet und ermöglicht, in zarten Strichlagen geführt, duftige lasurartige Töne. Zu bedenken ist hierbei, daß die kalte Nadel einen ganz anderen Strich-Charakter ergibt als die Ätzung, daß also ihre Anwendung vorsichtig und sparsam erfolgen muß, damit der Gesamtcharakter der Arbeit dadurch nichts von seiner harmonischen Wirkung einbüße. Die Schneidefeder (kalte Nadel) erzeugt neben den feinen Furchen auf der Kupferplatte auch aufstehende Kanten, die sogenannten »Grate«. Man fühlt sie leicht heraus, wenn man mit der Fingerspitze über die Platte streicht. An diesen Graten würde beim Abziehen die Druckfarbe hängen bleiben und im Abzug klecksartige Stellen verursachen. Deshalb muß man diese Grate vor dem Einschwärzen mit dem Schabstahl abnehmen. Nur darf man diesen nicht senkrecht zur Strichrichtung der Grate führen, da man sie sonst nicht entfernen, sondern nur umlegen und die Furchen dadurch wieder schließen würde.

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Manchen meiner lieben Leser wird es vielleicht willkommen sein, die Radierung, wenigstens die Anfänger-Arbeiten mit billigeren Mitteln betreiben zu können. Einen solchen wirklich guten Ersatz bietet die im Vergleich zur Kupferplatte viel billigere Zinkplatte. Ihre Bearbeitung unterscheidet sich nicht von der der Kupferplatte. Nur das Ätzwasser muß für Zink bedeutend schwächer sein als für Kupfer. Ein sehr gutes Ätzwasser für Zinkplatten stellt man sich wie folgt her: In eine _gesättigte_ Kochsalzlösung gießt man gewöhnliche Salzsäure, schüttelt gut durch und nimmt davon in die Eprouvette. Der blanke Probestreifen aus Zinkblech wird hineingesenkt. Er soll sich nach etwa einer Minute mit sehr kleinen Bläschen belegen. Das rasche Entstehen von großen Blasen ist ein Zeichen eines zu starken Ätzwassers. Verdünnt wird dann grundsätzlich mit gesättigter Kochsalzlösung, nicht mit reinem Wasser. Diese Kochsalzlösung hält man in einer großen Flasche auf Vorrat. (Man schüttet soviel Kochsalz in die Flasche, daß sich stets ein ungelöster Rest davon im Wasser unten befindet).

Wenn man bemerkt, daß sich von den Kanten des Probestreifens feine glitzernde Fäden in der Eprouvette niedersenken, dann ist das Ätzwasser bereits stark genug, auch wenn noch keine deutliche Blasenbildung auftritt. Man vermeide es, Ätzwässer für Zink und solche für Kupfer in Mischung zu bringen. Die blaue Färbung des Kupferätzwassers läßt ja nicht leicht Verwechslungen zu. Das Zinkätzwasser wird gelb und soll doch durch eine Aufschrift gekennzeichnet werden, da es sich von neuen, ungebrauchten Ätzwässern nicht merklich unterscheidet.

Ungemein wichtig erschien mir, die Erörterung des Abdruckens mit einfachen Mitteln meinen lieben Lesern vorzuführen, denn, wenn wir das Drucken mit dem Beinstab beherrschen, dann haben wir in diesen Produkten zuverlässige, nimmerversagende Ratgeber gefunden, Ratgeber, die stets zur Hand sind, wenn man ihrer bedarf und eine Arbeit begleiten bis zu ihrer Vollendung. Schon das fortwährende Hin- und Widerlaufen zum Kupferdrucker, das Warten auf die Abzüge usw. ist nicht besonders angenehm; hat aber jeder Ort einen Kupferdrucker? wenn nicht, dann spielt sich die Sache obendrein auch noch per Post ab, -- vom Kostenpunkt ganz abgesehen! Und dann muß erwogen werden: Es sind Probedrucke, für welche all die Müh’, Zeit und Kosten verwendet werden soll!

Allerdings sehr empfehlenswert ist die Anschaffung einer nicht gar zu kleinen Handwalzenpresse; namentlich dann, wenn man beabsichtigt, selbst auch eine kleine Auflage von Abzügen für den engeren Verkehr zu drucken. Man ist durchaus nicht an große Firmen gebunden, ein vertrauenswürdiger, intelligenter Maschinenschlosser wird eine solche Walzenpresse mit Bessemerwalzen samt Gestell und den zwei Tischblättern mit gewiß geringeren Kosten und ganz exakter Leistung herzustellen wissen; nur darf die Federung und die Verstellbarkeit der oberen Achsenlager nicht vergessen werden.

Handwalzenpressen von sehr hoher Leistungsfähigkeit erzeugt die Pressenfabrik Gärdtner & Knopp in Wien.

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Am Ende meiner Ausführungen angelangt erübrigt mir nur noch dem Wunsche Ausdruck zu geben, daß das Büchlein, so anspruchslos es auch sei, allen denen, die sich ihm anvertrauen, ein treuer Ratgeber bei ihren ersten Versuchen werde, sowie, daß es auch nicht sobald aus der Hand des Fortgeschrittenen gelegt werde. Seine Knappheit möge ihm nicht zum Vorwurf gemacht werden, denn nicht umfassen soll es und erschöpfen, nur anregen, nur die Wege zeigen will es den Lernenden, die ihren Fleiß dieser edlen Technik widmen und im Lernen, im Fortschreiten deren berufene Pfleger, ihre eifrigen Schätzer werden wollen.

Alphabetisches Verzeichnis.

Abblättern des Ätzgrundes 12, 71

Abdecken mit Pinselfirnis 38, 82

Abfärben der Rauchschicht 18

Abgestuftes Ätzen 38, 82

Abschleifen der Platte 74

Anrauchen der Platte (Abb. 3 und 4) 15

Aquatinta 81, 95

Arbeitsprogramme 41

Asphalt 9

Asphaltlack 32, 33, 63

Ätzdamm 31

Ätzgruben-»Nester« 27

Ätzgrund, dessen Eigenschaften 8

Ätzprozeß 2, 28

Ätzschalen 32, 35

Ätzwachs 34

Ätzwasser für Kupfer 28, 37

Ätzwasser für Zink 96

Aufätzen 61

Aufpausen der Zeichnung 21

Aufbewahren von Ätzgrund 11

Aufbewahren von Ätzwachs 35

Aufbewahren von Druckfarbe 49

Aufbewahren von Pinselfirnis 39

Aufbewahren der Platten 8, 19

Aufbewahren des Polierstahls 67

Aufbringen des Ätzgrundes 12, 62

Aufbringen der Konturen 21

Auflagetuch (Abb. 14) 59

Aufmachen des fertigen Bildes 93

Ausprobieren des Ätzwassers 30, 97

Beinstab (Abb. 13) 22, 56, 81

Beißzange 12

Beizemittel 78

Bequeme Plattengröße 6

Bienenwachs 9, 35

Bildgröße 89, 92

Bimsstein 75

Blasenbildung 36, 71

Blattrand und Blattgröße 92

Blaustein 75

Böttchers Ätzwasser 37

Brennöl 35

Chlorsaures Kali 29, 37

Deckfirnis 38, 70, 82

Druck 45

Druckballen (Abb. 8 und 9) 50, 51

Drucken (maschinelles) 57

Druckfarbe 48

Druckpapier 46

Duplikatplatten 61

Einleiten der Ätzung 35

Einschwärzen der Platte (Abb. 9) 50

Engelrot 76

Entfetten 11

Facette, Facettieren 8

Farbkissen 4

Feilklobe 12

Fetthauch auf der Platte 11

Fettrötel 21

Filtrierpapier 37, 46, 47, 72

Filzfeile 76

Fisch- oder Marderpinsel 39

»Flammen« 78

Flanelltuch 8, 19, 58

Flecken im Abdruck (blinde F.) 27, 73

Flüssiger Ätzgrund 63

Führung der Nadel 25, 65

Führung des Beinstabes (Abb. 13) 56

Führung des Druckballens (Abb. 9) 51

Gänsefeder 36

Gasentwicklung (schädliche) 36

Glasmensur 29

Glastafelmethode (Abb. 6) 33

Globuspasta 67, 76

Graphische Künste 5

Graphit 18, 56

Grate 96

Gravieren 25

Griffel zum Pausen 22

Grundieren 11, 68

Grundierwalze (Abb. 2) 14

Handabzug 45

Handbänkchen (Abb. 7) 43

Handwalzenpresse 98

Herrichten und Prüfen der Nadeln 24

Hochdruck 4, 61

Japanpapier 47, 93

Kalte Nadel 95

Kampmann: »Die graphischen Künste« 5

Karborundstein 75

Klecksige Abzüge 72

Kochsalz 96

Kolophonium 9

Körnchen und Knötchen im Ätzgrund 10

Kupferdruckfarbe 48

Kupferdruckfirnis 49

Kupferdruckpapier 46

Kupferplatte 6

Leinöl 49

Manierismus 85

Marder- oder Fischpinsel 39

Maschinelles Drucken (Abb. 14) 57

Maschinelle Tonungsmittel 79

Mastix 9, 70

Mißerfolge 68

Modellierholz 33

Nadelführung 25, 64

Nadel (Herrichten und Prüfen) 24

»Nester« = Ätzgruben 27

Offenhalten der Strichlagen 26

Papprahmen (Abb. 11 und 12) 54

Pausen 21

Photographie 20, 87

Photographische Schneidefeder (Abb. 15) 64, 95

Pinselfirnis 38, 70, 82

Plattenrost mit Handhabe (Abb. 1) 12

Plattieranstalt 7, 76

Polieren 8, 66

Polierpasta 78

Polierstahl 66

Probedrucke 65, 67

Radiernadel (Abb. 5) 24

Reinigen der Platte 43

Retouche-Arbeiten 62

Rezept für Ätzgrund 8

Rezept für Ätzwachs 34

Rezept für Ätzwasser 28

Rezept für Deckfirnis 38

Rezept für Druckfarbe 48

Rost mit Handhabe (Abb. 1) 12

Salpetersäure 28

Salzsäure 37, 96

Säureflaschen 28

Schabeisen 74

Schadenätzungen 33, 63

Schlemmkreide 11

Schlichtfeile 74

Schmierseife 49

Schmirgelpapier 81

Schneidefeder (Abb. 15) 64, 95

Schräge -- Facette 8

Schreibfeder 85

Schwefelmilch 78

Sodalösung 31

Spachtel (Abb. 10) 52

»Springende Nadel« 77, 78

Stahldrahtbürste (Abb. 16) 76, 82

Steinsalzmethode 81

Strichlagen 26

Strich und Ton 77

Teilätzungen 38, 40, 82

Terpentin 38, 44

Terpentinessenz 38

Tiefdruck 3

Tonen beim Drucken 61

Tonungsmittel (auf der Platte) 79, 81

Überhitzen der Platte 13

Unschlitt 35

Unterfressen der Stege 27, 71

Unterschied zwischen Zartheit und Helligkeit 27

Verstählen 62

Vorsichtsmaßregeln bei Bereitung des Ätzgrundes 10

Vorsichtsmaßregeln beim Anrauchen der Platte 16

Vorsichtsmaßregeln beim Hantieren mit Säuren 31

Wachsfackel 16

Wahl des Motivs 20

Walze -- Grundierwalze (Abb. 2) 14

Walzendruck 58

Walzenpresse 59, 99

Wasserdichter Ätzdamm 31

Wasserdichtes Aufmachen der Platte auf die Glastafel 34

Wechselbeziehungen zwischen Nadelstärke, Ätzwasserstärke und Ätzdauer; ihr Einfluß auf den Charakter des Bildes 27

Weißer Ton 11

Wischer 59

Zahl der erreichbaren Abzüge 61

Zahl der Teilätzungen 40

Zeitungspapier 44

Zerkratzen der Platten und des Ätzgrundes (Schutzmittel) 8, 18

Raum für Bemerkungen.

Weitere Anmerkungen zur Transkription

Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die wiederholten Seiten »Raum für Bemerkungen« wurden entfernt.