Die menschliche Familie nach ihrer Entstehung und natürlichen Entwickelung
Part 11
Unwillkürlich fragen wir nach Gründen, geeignet, die Lieblosigkeit der Urzeit einigermassen zu erklären. Einer darunter mochte wohl darin liegen, dass die Geschlechter von einander noch zu wenig differenziert, einander noch in jeder Hinsicht zu ähnlich waren, um jene tiefere Neigung des Gemütes zu erwecken, welche nicht zum wenigsten auf dem „Anderssein“ des geliebten Gegenstandes beruht. So weit ich sehe, ist der von mir schon im ersten Kapitel hervorgehobene Umstand noch nicht gehörig gewürdigt worden, dass bei niedrigen Stämmen Mann und Weib auch leiblich nur wenig unterschieden sind. Dies spricht sich zunächst deutlich in der Bekleidung aus; beschränkt, wie sie ist, zeigt sie fast gar keine Abweichung für die beiden Geschlechter. Die Haartracht, auf welche namentlich Unbekleidete hohes Gewicht zu legen pflegen, ist nicht selten bei Männern und Weibern eine sehr ähnliche, und auch die Unterschiede in Lebensweise und Beschäftigung, obwohl sehr frühzeitig auftretend, doch noch nicht gross genug, um die weibliche Individualität in ihrer so anziehenden leiblichen und seelischen Eigenart voll auszuprägen. Mit +einem+ Worte: das Weib ist noch zu wenig Weib, um die Geistesthätigkeit des Mannes herauszufordern, sich mit ihr zu beschäftigen, und in gleichem Masse ist auch der Mann unter seinesgleichen noch zu wenig individualisiert. Klagen doch europäische Reisende selbst bei höheren Rassen, wie bei Chinesen, Japanern oder Mongolen, dass ein Einzelwesen aussehe wie das andere und dass es langer Übung bedürfe, um die Physiognomien unterscheiden zu lernen.
Die wie in der Tierwelt nur schwach mit den Kennzeichen der Weiblichkeit ausgerüsteten Wesen lassen auch in psychischer Beziehung alles vermissen, was gesitteten Epochen als ureigentümlich gilt. Von Natur ist der Mensch nicht +gut+ im modernen Sinne, und seine Laster, wieder im modernen Sinne, sind keine Störungen einer göttlichen Weltordnung, sondern umgekehrt die Ordnung der Welt, die sich allerdings, aber langsam, zum Bessern entwickelt, ist Mord, Raub und Unzucht. Insbesondere ist der Mensch ein +grausames Geschöpf+, ein fleischfressendes Tier und somit vielfach mit Roheit und Gleichgültigkeit gegen die Leiden anderer behaftet. Nährungsweise und Erziehung vermögen eine Milderung zu bewirken,[204] aber bei vielen Wilden und Halbwilden ist eine solche Veränderung noch nicht eingetreten, und selbst in Mitte der gesitteten Gesellschaft giebt es bekanntlich noch, wie +John Stuart Mill+ mit Recht betont, „Personen, welche von Charakter oder, wie man zu sagen pflegt, von Natur aus grausam sind, welche ein wirkliches Vergnügen daran empfinden, Schmerz zu bereiten oder bereiten zu sehen. Diese Art von Grausamkeit ist nicht blosse Hartherzigkeit oder Mangel an Mitleid oder Gewissensbissen; sie ist eine ganz positive Erscheinung, eine Art von wollüstiger Erregung.“ Dies erklärt auch, wie ich schon an einem andern Orte[205] bemerkte, warum sie in der Regel stärker aufzutreten scheint bei männlichen als bei weiblichen Individuen, und in warmen Himmelstrichen intensiver als in kälteren. Bemerkenswert bleibt auch, worauf ich bei den uns beschäftigenden Untersuchungen besonderes Gewicht legen möchte, dass, obwohl so nahe verwandt mit der Leidenschaft der Liebe, +die Grausamkeit weit früher in der Lebensgeschichte des Individuums sich entwickelt+. In der That sind die Kindheit und das Jünglingsalter, wenigstens in der gesitteten Gesellschaft, jene Stadien, worin die Grausamkeit am auffallendsten sich äussert. Die Ursache dafür liegt wohl darin, dass in jenem Lebensalter die einschränkende Kraft, welche in späteren Jahren die Überlegung ausübt, noch nicht zur Thätigkeit wachgerufen ist. Ebenso sind die das Jugendalter der Menschheit darstellenden Naturvölker deshalb grausam, weil die die Reflexion vertretende Kultur an ihnen noch nicht wirksam gewesen ist. Dass die Grausamkeit eine positiv tierische Seite der menschlichen Natur bildet, dürfte kaum irgend jemand in Zweifel zu ziehen gesonnen sein, und es ist interessant zu wissen, dass dieselbe am ähnlichsten beim Affen sich äussert.[206] Insbesondere von den Anthropomorphen hat +Broderip+ in seinen _Zoological recreations_ nachgewiesen, dass sie andere Tiere prügeln, ja selbst töten, obwohl sie selbst keine Fleischfresser sind.
Darnach wird es wohl niemanden in Erstaunen setzen, zu vernehmen, dass das Weib des Wilden heute noch vielfach, wie die Tigerin, den Instinkt der Grausamkeit besitzt und, wie die Löwin oft teilnimmt an den blutigen Kämpfen der Männer. Ungesprochen ist für das Weib des Wilden das schöne Frauenwort, welches +Sophokles+ seine Antigone sagen lässt: „Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da!“ Die französischen Schwestern der katholischen Mission in Weidah klagen, dass der jugendliche Teil der weiblichen Bevölkerung Dahomehs aus wahrhaften Tigerkatzen bestehe und weit schwerer zu erziehen sei als die Knaben.[207] +Wilfried Powell+ erzählt von den entsetzlichen Martern und Qualen, welche die Neubritannier ihren Kriegsgefangenen aufzuerlegen pflegen. „Eine Art solcher Martern besteht darin, dass man Hände und Beine des Opfers an Stöcke im Boden festbindet und ihm Feuer auf den Leib legte. Diese teuflische Quälerei wird durch die Frauen vorgenommen, welche weit grausamer sind, als die Männer; letztere erlösen bisweilen den armen Gefangenen durch einen Speerstoss oder Beilhieb von seiner Pein, aber die Weiber lachen und jubeln dabei, stossen auch wohl den Dulder mit einem Speere, um ihn aufzustören, falls er ihnen nicht genug zuckt und heult.“[208] Wer dächte dabei nicht an die verschiedenen Sippen der Katzen, deren Weibchen an Grausamkeit den Männchen nichts nachgeben! Sogar unter Kulturnationen fehlt es nicht an Beispielen, dass Frauen blutgieriger sich zeigen als Männer.[209] Zwar verfehlt die vorwiegendere Pflanzenkost, auf welche das Weib sich im Laufe der Entwicklung bald angewiesen sieht, nicht, eine grössere Differenzierung der Geschlechter zu bewirken und aus dem Weibe im Durchschnitt eine immer schwächere Genossin des Mannes auf seinen rauhen Lebenspfaden zu machen; dagegen sehen wir auf tieferen Kulturstufen dasselbe ihn noch in den Krieg begleiten, Speere, Steine u. dergl. tragend und durch Zuruf aufreizend. +Powell+ berichtet von einem Kampfe mit den Eingebornen Neubritanniens, welche standhielten, ermutigt durch die Weiber, die wie die Teufel herumsprangen und tanzten und Hohn- und Schimpfreden der ekelhaftesten Art dem Feinde entgegenschleuderten.[210] Das Gleiche berichtet der englische Forscher +Joseph Thomson+ von dem bislang noch wenig bekannten Volke der wilden Massai in Ostafrika. Auch dort spornen die mit ins Feld ziehenden Weiber auf beiden Seiten die kämpfenden Krieger zu den kühnsten Thaten an.[211] Wie die Frauen der alten Germanen reizen auch die Kabylenweiber in Algerien durch Geschrei und Gesang zum Kampfe; bei diesem kriegerischen Volke muss das Weib eben so viel wagen und dulden als der Mann; ihr Scharfblick begleitet ihn in das Schlachtengetümmel, um über sein Betragen zu urteilen und zu richten. Die Weiber der Hesareh im Hindukusch, deren Männer keine Eifersucht kennen und welche sich dies zu nutze machen, sind stolz darauf, ein Ross mit Gewandtheit reiten und das Schwert mit gleicher Tapferkeit gebrauchen zu wissen, wie ihre kriegerischen Brüder und Gatten;[212] ihre Gegner fürchten sogar die Grausamkeit der Weiber mehr als jene der Männer.[213] Diese kühnen Reiterinnen nehmen stets Anteil am Kampfe und kein Mädchen heiratet, ehe es nicht eine Heldenthat vollbracht.[214] In der für Muhammed so unglücklichen Schlacht am Berge Ochod erschienen die ungeordneten aber frohmutigen Haufen der arabischen Heiden mit den Scharen der Weiber vor sich, welche ihre Pauken schlugen und das alte Kriegslied sangen:
Wir Kinder eines Recken Ruhen auf weichen Decken, Vordringende zu wecken, Rückweichende zu schrecken.[215]
Solcher Beispiele liessen sich noch gar viele anführen.
Endlich ist es bekannt, dass heute noch in einem Reiche des äquatorialen Afrika Weibersoldaten nichts Ungewöhnliches sind. Der König der Dahomehneger, deren eigentlicher Name Ffons ist, besitzt nämlich eine Leibgarde weiblicher Krieger, die früher 3000-8000 Köpfe stark, jetzt bloss noch 1500 Köpfe zählt, immerhin aber noch den Kern des mit Kanonen und Schiesswaffen versehenen Heeres bildet. Ich habe nach +Richard Burton+ eine ausführliche Schilderung dieser Weibertruppe an anderer Stelle[216] gegeben und begnüge mich hier auf dieselbe zu verweisen. Dass diese Weiber tapfer sind und von ihren Waffen einen tüchtigen Gebrauch zu machen wissen, das haben anfangs der siebziger Jahre die Engländer erfahren, welche von der Meeresküste nach Dahomeh mit einem kleinen Heere einzudringen versuchten, aber von den schwarzen Weibersoldaten mit grossem Verluste zurückgeworfen wurden. Meiner Ansicht nach sehr richtig erklärt +Zöller+ diese Vereinigung des Weiblichen mit dem Kriegerischen aus der eigentümlichen männlichen Bildung des Negerskelettes, dem nichts weniger als üppigen Körperbau und besonders der Schmalheit des weiblichen Negerbeckens, wozu dann noch das kurz geschorene Haar und die von jener der Männer durchaus nicht abweichende Kleidung kommen.[217]
Dass es solche Weiberregimenter auch in Indien giebt oder wenigstens noch bis in die Hälfte unseres Jahrhunderts gab, ist weniger bekannt. Eine aus jener Zeit stammende Quelle sagt vom damals noch unabhängigen Nizam von Haiderabad: „Ausser den gewöhnlichen prätorianischen Banden, die man aus Misstrauen gegen die englische Herrschaft im Solde behielt, hatte der Nizam noch vor wenigen Jahren und, so weit wir immer wissen, noch jetzt eine eigentümlich zusammengesetzte, nämlich ganz aus Weibern bestehende Wache. Diese Amazonen heissen Gardonis -- wahrscheinlich aus dem europäischen Worte Garden verderbt -- und sind oder waren zu der Zeit, von der wir sprechen, nämlich vor zwanzig oder dreissig Jahren, wie Sipahis gekleidet, mit Musketen versehen und bis zu einem gewissen Grade diszipliniert. Dass sie zum mindesten nicht schlechter waren als andere Haustruppen des Nizam, ergiebt sich aus dem Umstande, dass sie oft thätigen Anteil an den kriegerischen Operationen nahmen, deren Schauplatz das Gebiet des Nizam so häufig gewesen. Während des Krieges mit den Mahratten am Schlusse des vorigen Jahrhunderts nahm der Nizam Ali, als er ins Feld zog, zwei dieser weiblichen Bataillone, jedes tausend Köpfe stark, unter dem Namen _Zaffer Pultuns_, d. h. Siegesbataillone, mit sich. Sie nahmen Teil an dem Gefecht von Kurdlah, wo der Nizam von Daulet Rao Scindia geschlagen wurde und sie, wie die Geschichte jener Zeit meldet, zum mindesten nicht schlechter fochten, als der übrige Teil der Armee.“[218] Ja, selbst im Jahre 1885, als ein englisch-russischer Krieg auszubrechen drohte, machte die verwittwete Maharani von Baroda dem Vizekönig von Indien das Anerbieten, auf eigene Kosten ein Amazonenkorps aus Maharattifrauen bestehend aufzustellen und zu unterhalten.[219]
Wenden wir den Blick nach unserem eigenen Weltteile, so fällt selbst in der Gegenwart dem Weibe des Tschernagorzen im Kriege noch eine besondere Rolle zu, denn es wird zum Transport der Bagage, selbst bis mitten ins Feuergefecht hinein, verwendet. Die Heldengesänge der Südslaven vollends haben das Charakteristische, dass sie das verherrlichte Weib immer auch als Heldin darstellen. Sie muss Türken massakrieren und Köpfe abschneiden und auf das Schlachtfeld gehen wie unsere Frauen auf den Marktplatz. Bei den Bulgaren vermag manches junge Mädchen dem Drange zum Haidukentume nicht zu widerstehen. Sie legen dann Männerkleider an, ergreifen die Waffen und teilen, manchmal gekannt, manchmal auch nicht gekannt, mit ihren männlichen Genossen getreulich Kampf und Ungemach, und manche von ihnen, wie die heldenmütige Syrma aus dem bulgarischen Dorfe Tresanatz, schwang sich durch hervorleuchtende Tapferkeit sogar zur Harambaschenwürde empor.[220] Als letzte Ausläufer dieser dem Manne es gleichthuenden kriegerischen Thätigkeit der Weiber mögen jene zwar sporadischen, aber immerhin zahlreich genug auftretenden Beispiele von Frauen und Mädchen sein, welche aus Begeisterung fürs Vaterland die Waffen ergriffen. Spanien, Italien und Frankreich -- man darf nur an +Jeanne d'Arc+ erinnern -- haben mehrere solcher Heldinnen aufzuweisen. Weibliche Soldaten der Fortuna fehlen auch bei den Deutschen nicht ganz und auch hier hat die Zeit der Befreiungskriege die meisten und bekanntesten der grösstenteils unter Verheimlichung ihres Geschlechtes kämpfenden „Frauen in Reih und Glied“ hervorgebracht.[221]
Wenn wir in der Tierwelt Umschau halten, so zeigt sich gar bald, dass in dieser den weiblichen Individuen es keineswegs an Mut gebricht, und zwar nicht etwa bloss da, wo die Sorge um die Brut in Frage kommt. Im Angriff wie in der Verteidigung steht das weibliche Tier dem Männchen an Kampfeslust nur wenig nach. Das Weib des Wilden bewegt sich vielfach noch auf dieser, von der Natur gegebenen Stufe. Wie die Liebe ist auch der durchschnittliche Mut- und Tapferkeitsmangel des Weibes nichts Ursprüngliches, sondern erst ein künstliches Erzeugnis, eine Folge der Gesittung, welche, wie in so vielen anderen Dingen, schliesslich als unweiblich brandmarkte und durch Vererbung unterdrückte, was meist natürlich war, in der Heranbildung anderer, sekundärer Eigenschaften Ersatz suchend und findend. Überbleibsel „barbarischer“ Sitten, wie wir jetzt sagen, haben sich aber, wie das Vorstehende lehrt, selbst noch zu höher stehenden Völkern und in uns nahe gerückte Epochen hinübergeflüchtet, und zahlreiche Sagen weisen in den verschiedensten Gegenden auf eine ähnliche Vergangenheit zurück. Weil die scheinbare Umkehrung der Gesetze, welche die Geschlechtsverschiedenheit der menschlichen Kulturentwicklung vorschreibt, immer lebhaft die Phantasie beschäftigt hat, so haben schon die Alten einen Staat kriegerischer Weiber erdichtet, dessen Heimat freilich nach Massgabe der Zunahme geographischer Kenntnisse immer weiter zurückweicht, in welchem aber, wie sich zeigen wird, wenn auch durch die Sage verhüllt und entstellt, das Spiegelbild eines längst entschwundenen Gesellschaftszustandes sich erkennen lässt. Bedenkt man nun, wie selbst Europäerinnen, die sich männlichem Sport hingeben, dadurch an weiblicher Anmut verlieren, um einigermassen _Viragines_ zu werden, bedenkt man, wie sehr und wie oft dies der Annäherung hinderlich wird, so begreift sich, dass das vom Manne körperlich noch wenig differenzierte Weib der Urzeit, kräftig, mutig und grausam wie er, seinem geistig entwickelten männlichen Genossen in keiner Weise begehrenswerter erschien, als es die Natur zur Erfüllung ihrer Zwecke, hier wie im Kreise aller Lebewesen, gebot. Damit erklärt sich aber auch, wie ich glaube, +die Liebelosigkeit der Urzeit+.
[160] +Aristoteles.+ Rhetor. 2, 4.
[161] +Leibniz.+ _Nouv. Essais_ II. 20 § 4.
[162] +Karl Bleibtreu.+ Schlechte Gesellschaft. Realistische Novellen. Berlin, 1886. S. 33.
[163] Dr. +H. Ploss+. Das Weib in der Natur- und Völkerkunde. Bd. I. S. 240.
[164] +Henri Rabusson+ in der _Revue des deux Mondes_ vom 15. Oktober 1883. S. 746.
[165] +Leopold von Sacher-Masoch.+ Vermächtnis Kains. Die Liebe. Marzella. Stuttgart, 1870. Bd. II. S. 409.
[166] Dieselbe schrieb in ihrem Tagebuche: „Am 20. Mai küsste mich R. zum erstenmale. Ich fühlte mich wie in einem Kübel mit Rosen, die in Honig, +Eau de Cologne+ und Champagner schwammen; als ob etwas auf Diamantenfüssen über meine Nerven liefe und viele kleine Gondeln mit Engeln durch meine Adern strömten und als ob durch meinen ganzen Körper ein magisches Regenbogenlicht sich ergösse!“ --
[167] Hosea 13, 2.
[168] +Bernhard Stade.+ Geschichte des Volkes Israel. Berlin, 1887. Bd. I, S. 489.
[169] +Adolphe Belot+. _La bouche de Madame X._ Paris, 1883. S. 106-117.
[170] +H. de Molière+. _Code l'amour ou corps complet de définitions, lois, règles et maximes applicables à l'art d'aimer et de se faire aimer._ Brüssel, 1829. S. 14. Im Deutschen giebt es „Das Buch vom Küssen“, ferner: „Der Kuss und das Küssen. Eine Studie von +Liebrowicz+“, Schriften, die ich jedoch nicht selbst kenne. Eine gelungene Charakteristik der Kussarten gewährt endlich +Lessings+ Gedicht: „Der Kuss“.
[171] Jos. +V. von Scheffel+. Der Trompeter von Säkkingen. Stuttgart, 1872. S. 195.
[172] +Globus+. Bd. XVII. S. 297.
[173] +Peschel+. Völkerkunde. S. 236.
[174] +Zöller+. Forschungsreisen in Kamerun. Bd. II. S. 60. Bloss an einzelnen Orten, wie z. B. Lagos, Gabun u. s. w. ist durch den Einfluss der Europäer die Sitte des Küssens auch unter den Schwarzen verbreitet worden. A. a. O. S. 71.
[175] Ausland. 1871. S. 832-833.
[176] +Darwin+. Der Ausdruck der Gemütsbewegungen. S. 196.
[177] Siehe darüber: +Richard Andree+ im „Globus.“ Bd. XXXI. S. 151.
[178] Globus. Bd. XVIII. S. 64.
[179] +James Sibree+. Madagaskar. Geographie, Naturgeschichte, Ethnographie der Insel. Autorisierte deutsche Ausgabe. Leipzig, 1881. S. 233.
[180] +Gustav Kreitner+. Im fernen Osten. Reisen des Grafen Béla Széchenyi in Indien, Japan, China, Tibet und Birma in den Jahren 1877-80. Wien, 1881. S. 522.
[181] +Jules Arène+. _La Chine familière._ Paris, 1883.
[182] +J. J. Rein+. Japan nach Reisen u. Studien. Leipzig, 1881. Bd. I. S. 494.
[183] +Bousquet+. _Le Japon de nos jours._ Bd. I. S. 93.
[184] Ausland. 1862. S. 471. 472.
[185] In einem Hochzeitsgedichte der siebenbürgischen Zigeuner ist vom „Kuss auf den weissen Mund“ die Rede. (Globus Bd. XXXVI. S. 91.) Auch finde ich von ihnen ein Sprichwort verzeichnet, welches lautet: „Das ist wie ein Kuss, nichtsnütz, wenn es nicht zwischen zweien geteilt wird.“ (Beilage zur Wiener Abendpost vom 18. Juli 1876. S. 647)
[186] Globus. Bd. XVII. S. 170.
[187] +Friedrich Ewald+ im Globus Bd. IX. S. 267: Wie eigentümlich lautet nicht z. B. die (buchstäblich wahre) Geschichte von jenem Bauern, der gegen seinen Prediger sich über das schamlose Benehmen seiner Frau beklagte und auf die Frage, worin sich denn dasselbe äussere, zögernd zur Antwort gab: „Ja, sehn Se, neelich, als ick ruhig in de Kök (Küche) seet, do geef si mi mit eenmal, mit Erlaubnis to seggen, 'n Kuss!“
[188] +Zöller+. Pampas und Anden. S. 392.
[189] +Sir Samuel White Baker+. _The Albert Nyanza, great basin of the Nile._ London, 1866. Bd. I. S. 219.
[190] Ausland. 1871. S. 832-833.
[191] +Zöller+. Forschungsreisen in Kamerun. Bd. II. S. 60.
[192] +Helmuth von Moltke+. Briefe über Zustände und Begebenheiten in der Türkei aus den Jahren 1835-1839. Berlin, 1876. S. 34.
[193] +Kuntze+. Um die Erde. S. 253.
[194] Ausland. 1860. S. 64.
[195] Die Natur. Halle, 1866. S. 30 ff.
[196] +Brodie Cruickshank+. _Eighteen Years on the Gold Coast of Africa._ London, 1853. Bd. II. S. 208-210: Ein Fantivater verweigert seinem Sohne ein Mädchen, das ihm verpfändet war, und entschliesst sich endlich sie selbst zum Weibe zu nehmen. Er quält sie nunmehr mit Eifersucht hinsichtlich seines Sohnes, den er bevorzugt glaubt, und infolge dessen lässt sich letzterer von seiner Stiefmutter bewegen, ihrem Leben zugleich mit dem seinigen ein Ende zu machen: er erschiesst sie und versucht sich selbst den Hals abzuschneiden; doch misslingt ihm dies und er stirbt durch den Strang. Ein anderer erdolcht Weib und Kind und bringt zuletzt sich selbst um, aus Verzweiflung darüber, jene an seinen Gläubiger verpfänden zu müssen, den er nicht zu befriedigen vermochte.
[197] +Davis+. _Evenings in my tent or wanderings in Balad Ejjareed._ London, 1854. Bd. I. S. 232.
[198] Ausland. 1857. S. 888.
[199] Globus. Bd. XLIII. S. 185.
[200] +H. H. Johnston+. Der Kongo. Reise von seiner Mündung bis Bolobo. Leipzig, 1884. S. 375.
[201] A. a. O. S. 376.
[202] +Zöller+. Forschungsreisen in Kamerun. Bd. II. S. 69.
[203] H. +Wachenhusen+. Geschichten aus dem Badeleben. Stuttgart, 1875. S. 165-166.
[204] Globus. Bd. XXI. S. 335.
[205] +Hellwald+. Kulturgeschichte. Dritte Aufl. Bd. II. S. 355-356.
[206] Londoner _Nature_. Bd. IX. S. 149.
[207] +Zöller+. Forschungsreisen in Kamerun. Bd. I. S. 28.
[208] +Powell+. Unter den Kannibalen von Neubritannien. S. 80.
[209] Als 1880 der amerikanische Sozialistenführer +Kearny+ an der Spitze der „Arbeiterpartei“ in San Francisko eine wilde Chinesenhetze zu Wege brachte und Geld sammelte für die Errichtung ständiger Chinesengalgen auf den Sandlots, schien seine Parteigängerin +Anna Smith+ selbstloser zu sein, denn sie forderte in öffentlicher Rede auf, nicht bis zu Fertigstellung jener Galgen zu warten, sondern die schon vorhandenen Laternenpfähle sofort zu benutzen. Frauen sind aber immer auch sparsamer. Siehe: Newyorker Staatszeitung vom 6. März 1880.
[210] +Powell+. A. a. O. S. 122.
[211] +Thomson+. Durch Massailand. S. 391.
[212] +J. P. Ferrier+. _Caravan Journeys and Wanderings in Persia, Afghanistan, Turkistan and Beloochistan._ London, 1857. S. 194.
[213] A. a. O. S. 237.
[214] A. a. O. S. 252.
[215] A. +Müller+. Der Islâm im Morgen- und Abendlande. Berlin, 1885. Bd. I. S. 123.
[216] +Hellwald+. Naturgeschichte des Menschen. Stuttgart, o. J. Bd. II. S. 149. Die neueste Schilderung der Dahomeh-Amazonen verdanken wir +Hugo Zöller+. Forschungsreisen in Kamerun. Bd. I. S. 42-46.
[217] +Zöller+. Forschungsreisen in Kamerun. Bd. I. S. 43. Bd II. S. 82.
[218] _United Service Magazine_ vom April 1870.
[219] Schwäbischer Merkur vom 23. Mai 1885.
[220] Von ihr wird heute noch im Volke gesungen:
Ward dergleichen je vernommen, Dass ein Mädchen siebzig sieben Trotzigen Haiduken herrsche? Dort auf jenen grünen Bergen In den Forsten dort geschah's so! Also zu den siebzig sieben Männern sprach alsdort das Mädchen: „Nicht bedarf es hier der Herbheit, Nicht des Neides, nicht des Zornes! Zieh' den Ring vom Finger einer, Häng' ihn dort an jene Buche, Und der Reih' nach, Freunde, mögt ihr Alle nach dem Ringe schiessen! Wer den Ring schiesst von der Buche, Der fortan mag uns gebieten, Ihm als Weib füg' ich mich selber!“ Und sie schossen nach dem Ringe Und den Ring traf auch nicht einer. Und das Mädchen drauf sprach weiter, „Gebt das Rohr, dass ich nun schiesse!“ Schoss -- und von der Buche nieder Fiel das Ringlein auf den Rasen. Weiter sprach darauf das Mägdlein: „Nehmt nun einen Stein und werfet! Wer den bessern Wurf, denn ich, thut, Gern als Weib will ich ihm dienen Und fortan sei er uns Führer!“ Und sie warfen all' der Reih' nach, Einer besser als der andre; Doch den besten Wurf von allen, Volle zehn Schritt über alle, That das Mädchen. Und so blieb's denn, Dass ein Mädchen siebzig sieben Trotzigen Haiduken herrschte.
[221] Am bekanntesten ist vielleicht jene +Eleonore Prohaska+ (geboren zu Potsdam am 11. März 1785), welche unter dem Namen +August Benz+ als freiwilliger Lützowscher Jäger diente und in der Schlacht bei der Göhrde am 16. September 1813 tötlich verwundet mit dem Ausrufe fiel: „Herr Lieutnant, ich bin ein Mädchen!“ Zahlreiche Beispiele solcher Fälle finden sich gesammelt bei: Dr. +Wilhelm Stricker+. Die Amazonen in Sage und Geschichte. Berlin, 1868.
VIII.
Der Geschlechtsverkehr in der Urzeit.