Die Jobsiade: Ein komisches Heldengedicht in drei Teilen

Part 8

Chapter 83,244 wordsPublic domain

20. That ihm dabei den Rath ertheilen, Sich nun nicht länger mehr zu verweilen, Denn ohne baares Geld hätte hier Niemals ein fremder Gast Quartier.

21. Dieses Exempel Hieronimi kann uns lehren, Wie sich die Sachen in der Welt verkehren, Und wie sich manchesmal unverhofft Das menschliche Glück verändert oft.

22. Noch gestern besaß er reiche Beute Und der Wirth hieß ihn Herr, aber heute Jug ihn fort, ohne Rock und Geld, Der fromme Wirth in die weite Welt.

23. Er konnte nun, mit Muße, unterwegen Seinen kläglichen Zustand überlegen, Und er wünschte sich fast im Augenblick Zu der Betschwester auf dem Schlosse zurück.

24. Doch, wenn er an ihre Caressen gedachte, Und ihre Person sich vorstellig machte, So überkam ihn ein Grausen schier, Und er verlangte nicht wieder zu ihr.

25. Schon einige Tage hatte er mit rohen Rüben Auf seiner Reise den Hunger vertrieben, Und wie ein irrender Ritter sich Beholfen elendig und kümmerlich.

26. Gleichwie nun, wenn die Noth ist am größten, Das nahe Glück einen pflegt zu trösten; So war auch dem armen Hieronimus da Nunmehro bald wieder Hilfe nah.

27. Denn er hörte am vierten Nachmittage In einem Wäldchen, das am Wege lage, Ein erbärmliches lautes Geschrei, Und dieses lockte ihn bald herbei.

28. Er ist schnell an die Stelle gekommen, Woher er das Jammergeschrei vernommen, Und es entdeckte sich ihm alsbald Eine Scene von traur'ger Gestalt.

29. Eine stillstehende Kutsche mit vier Pferden, Den bärt'gen Kutscher ohnmächtig auf der Erden, Eine junge Dame, welche hie Ganz erbärmlich heulte und schrie;

30. Auch einen reichgekleideten Herren, Bemüht, sich gegen zwei Räuber zu wehren, Welche, wie's schiene, waren fest Entschlossen, ihme zu geben den Rest.

31. Schon erkannte mein Held in einiger Weite In ihnen die sogenannten zwei Kaufleute, Er eilte also, wie eine Furie, Mit aufgehobenem Stocke auf sie.

32. Spitzbuben! wo ist mein Geldbeutel? Rief er, und zerschlug den Scheitel Des einen Räubers mit starker Hand, Und streckt' ihn also todt in den Sand.

33. Mit eben solchen kräftigen Schlägen Ging er drauf dem andern Räuber entgegen, Welcher aber sogleich versucht, Sich zu erretten mit der Flucht.

34. Hieronimus wollte zwar ohn' Verweilen Auch noch dem fliehenden Buben nacheilen, Allein der Räuber, schnell wie der Wind, Floh aus seinen Augen geschwind.

35. Uebrigens ist kaum zu schreiben und zu sagen, Wie freudig sich der Herr und die Dame betragen, Als die augenscheinliche Lebensgefahr Nunmehro glücklich vorüber war.

36. Sie haben beide ihn gar freundlich gegrüßet, Und die schöne Dame hätte ihn fast geküsset, Wenn sie hätte gescheuet nicht Sein lange nicht gewaschnes Gesicht.

37. Es war auch kein Lobspruch zu erdenken, Welchen sie ihm nicht thaten schenken, Denn als ihren Erretter sahn Sie nun den lieben Hieronimus an.

38. Sie nöthigten ihn mit freundlichem Muthe Mitzureisen nach ihrem adligen Gute, Wo man mit Gaben mancherlei Würde belohnen die erwiesene Treu.

39. In seinen so kümmerlichen Umständen Ergriff er die Gelegenheit mit beiden Händen, Und sofort, ohne weitere Bitt', Entschloß er sich gleich zu reisen mit.

40. Er half den verwundeten Kutscher noch tragen, Und sie legten denselben in den Wagen, Und in des erschlag'nen Räubers Rock Bestieg nunmehr Hieronimus den Bock.

41. Ehe er aber noch aufgestiegen, Suchte er, und fand mit Vergnügen Seinen Geldbeutel beinahe noch voll In des erschlagenen Räubers Camisol.

42. Das sonderbarste von der ganzen Geschichte, Betraf des Todten sein Angesichte; Denn es war kein Pflaster mehr da, Und, als ihn Hieronimus genau besah,

43. Erkannte er in ihm, im Augenblicke, Den Herrn von Hogier mit der großen Perücke, Welcher ihn einstmals um vieles Geld Beim Spiel auf seiner Reise geschnellt.

44. So nahm dann dies Abenteuer behende Für unsern Helden ein erwünschtes Ende, Und gleich dem Ritter von der traur'gen Gestalt, Fuhr er mit der Kutsche davon alsbald.

45. Uebrigens, eh ich dies Kapitel will schließen, Thu ich dem Leser kund und zu wissen, Dies sei die einzige rühmliche That, Die bisher Hieronimus verrichtet hat.

Siebenundzwanzigstes Kapitel.

Wie Hieronimus vergnügt zu Ohnewitz ankam, und wie er da Schulmeister ward, in einer Schule von kleinen Knäblein und Mägdlein.

1. Derjenige Herr und die junge Dame, Zu deren Rettung Hieronimus herbei kame, Waren ein liebes artiges Paar, Welches kürzlich erst getrauet war.

2. Der Herr hatte unter sein adliges Gebiete Dörfer und Schlösser von mancherlei Güte, Aber im Dörflein _Ohnewitz_ War eigentlich sein Rittersitz.

3. Um seiner Gemahlin den Gefallen zu erweisen, That er oft mit ihr kleine Reisen, Denn er hielte große Freundschaft Mit allen in seiner Nachbarschaft.

4. Damalen hatte er auch eben Einem benachbarten Edelmann den Besuch gegeben, Und wurde bei der Rückkehr im Wald Angegriffen von den Räubern bald.

5. Sogleich warfen sie den Kutscher zu Boden, Daß er da lag fast ohne Odem; Drauf forderten sie mit Ungestüm Sein Geld und sonstige Sachen von ihm.

6. Sie rissen ihn auch aus dem Wagen Und fingen an auf ihn loszuschlagen; Als auf das ängstlich Geschrei der Dam' Hieronimus, wie gesagt, zur Rettung kam.

7. Diese Geschichte erzählten sie unter- wegens ihrem Erretter, der nun munter Daher fuhr mit gar leisem Schritt, So gut es der gehabte Schrecken litt.

8. Hieronimus hat ihnen gleichfalls erzählet, Wie ihn das Schicksal bishero gequälet, Und so gelangten sie, wie der Blitz, Endlich an zu Ohnewitz.

9. Hier vergaß man bald alles Leiden, Lebete herrlich und in Freuden, Und für den ehrlichen Hieronimus ward Gesorget auf die liebreichste Art.

10. Neue Kleider, Essen und Trinken, Wein, Tabak, Braten und Schinken Waren da, alles in Ueberfluß, Zum Dienste unsers Hieronimus.

11. Nach einigen so vergnügt verstrichenen Wochen Hat auch der Herr dem Hieronimus versprochen, Für seinen zukünftigen Unterhalt Zu sorgen ferner bester Gestalt.

12. Nun ist auch grade dazumalen Ein absonderlicher Umstand vorgefallen, Welcher für unsern Hieronimus gar Sehr erwünscht und gelegen war.

13. Nämlich, die Ohnewitzer Bauern haben Eine Schule für kleine Mägdlein und Knaben, Und der Herr, als des Dorfes Patron, Hatte darüber die Collation.

14. Das A, B, C, D zu studiren, Und zu lernen Lesen und Buchstabiren, Waren alleinig die Studia, Welche man hieselbsten treiben sah.

15. Alle Gelegenheiten, mehrers zu lernen, That der Herr Patron weislich entfernen, Denn ein Bauer, welcher gelehrt Ist, wird hochmüthig und höchst verkehrt.

16. Ja, die Erfahrung lehrt es, wenn der Bauer schon versteht seinen Kalender Und sein Katechismus-Büchlein, So bildet er sich schon was Rechtes ein.

17. Hat er sich nun noch höher verstiegen, So läßt er gemeiniglich die Arbeit liegen, Und dann sieht's höchst elendig und kraus Mit den Pächten und Abgaben aus.

18. Außer dreißig Thaler Fixum trug dies Dienstchen Dem Herren Schulmeister noch manches Gewinnstchen An Eiern, Butter, Hühnern und Gäns Und manchem ähnlichen Accidens.

19. Auch ging er, wenn die Herrschaft zu Hause, Am Neujahrstag bei ihr zu Schmause Und bekam dann für die Gratulation Noch ein Geschenk, nach Proportion.

20. Nun hat es sich damals just begegnet, Daß der Schulmeister dies Zeitliche gesegnet; Und also war man weislich bedacht, Daß ein neuer würde gemacht.

21. Sobald dies der Herr Patron gehöret, Hat er dem Hieronimus den Dienst verehret; Und folglich trat Hieronimus dann Das Amt des Dorfschulmeisters an.

22. Zwar wollte nun anfangs das Schulleben Ihm kein sonderliches Vergnügen geben, Denn er hielte von Müßiggang mehr, Als von solcher beschwerlicher Lehr'.

23. Doch, da er auf dem herrschaftlichen Schlosse Manche Wohlthat und Mahlzeit genosse, Und sich nach geendigter Schule erquickt; So hat er sich in das Lehramt geschickt.

24. Und sich nunmehr ernstlich vorgenommen, Seinen Pflichten möglichst nachzukommen, Damit er nun lebenslang hinfort Bleiben möchte an diesem Ort.

25. Auch gedachte er, in verschiedenen Sachen Einige wichtige Aenderungen zu machen, Weil er im hiesigen Schulstand Viele eingerissene Fehler fand.

26. Er fing auch, nach langem Deliberiren, Wirklich an, manches zu reformiren, Jedoch bekam ihm dieses nicht wohl, Wie der geneigte Leser bald hören soll.

Achtundzwanzigstes Kapitel.

Wie Hieronimus ein Autor ward, und wie er ein neues A-b-c-Buch heraus gab, und wie er darob von den Bauern bei dem gnädigen Herrn hart verklagt ward.

1. Gleich bei dem Antritt der Schulregierung, Fand Hieronimus, mit äußerster Rührung, Daß das eingeführte A-b-c-Buch Nicht für Kinder sei faßlich genug.

2. Denn da bisher die Mädchen und Knaben Gebraucht hatten die Ballhornschen Ausgaben, So nahm Hieronimus hier und da Darinnen verschiedene Fehler wahr.

3. Nachdem er nun bei sich zu Rathe gegangen, Hat er zu veranstalten angefangen, Unter folgendem Titel, davon Eine nagelneue Edition:

4. _Neues A-b-c-Buch, verbessert Und mit verschiedenen Zusätzen vergrößert Von dem Autor Hieronimus Jobs, Theologiä Candidatus._

5. Zu den schon längst bekannten Buchstaben, Welche wir im Alphabete haben, Setzte er noch das _fft_, Imgleichen das _sch_, und _sp_.

6. Die Sporen des Hahns auf der letzten Seiten, Und mehr andre solche Kleinigkeiten, Ließ er hingegen, weislich und klug, Aus dem nagelneuen A-b-c-Buch.

7. Er fügte aber unterdessen nicht minder, Zur Ergötzung der lernenden Kinder, Ein Nestlein mit einem großen Ei Dem ungesporneten Hahne bei.

8. Kaum war dies Buch zu Ohnewitz eingeführet, So ward es von den Bauern recensiret, Und gab zu einem grimmigen Streit Die allererste Gelegenheit.

9. Denn es wollte keinem einzigen von allen Recensenten die Einrichtung gefallen, Und sie sahen alle, Mann für Mann, Die Aenderung als höchst gefährlich an.

10. Selbst den allerklügsten unter ihnen Hat's beim neuen A-b-c-Buch geschienen, Als hätte Hieronimus dadurch gezeigt, Wie sehr er zur Autorsucht geneigt.

11. Wie wenn im Sommer von schwülen Düften Ein Ungewitter entsteht in den Lüften, So geht vor dem Donner ordinär Erst ein gelindes Murmeln vorher.

12. Gleichermaßen entstund unter den Leuten Erst ein leises Gemurmel von allen Seiten Und es zoge sich bald darauf Ein Gewitter über Hieronimus auf.

13. Er konnte nun zwar in Worten und Werken Den Unwillen der Ohnewitzer leicht merken, Doch verließ er, den Bauern zum Trutz, Sich auf des gnäd'gen Patron seinen Schutz.

14. Jedoch die Ohnewitzer wollten nun zeigen, Daß sie länger nicht gesonnen zu schweigen; Denn sie spürten je länger, je mehr, An dem Schulmeister neues Beschwer.

15. Sie traten also sämmtlich zusammen, Und der Küster verfertigte in ihrem Namen Eine Klagschrift in folgendem Ton: _Hochwohlgeborner, gnädiger Patron!_

16. _Wir sämmtliche Bauern und Kossathen_ In Hochderoselben Ohnewitzer Staaten Nehmen in aller Unterthänigkeit Unsern Schulmeister zu verklagen die Freiheit.

17. Sintemal sich derselbe leider vergangen, Und verschiedene Neuerungen angefangen, Alles unter dem nichtigen Vorwand, Zu verbessern den hiesigen Schulstand.

18. Sich auch dabei nicht so aufführet, Wie's einem frommen Schulmeister gebühret, Sondern vielmehr, ofte und viel, Uns Bauern gibt ein böses Beispiel.

19. Um von den Punkten, worüber wir queruliren, Nur die vornehmlichsten anzuführen, So hat er ^pro primo^ und erstens sich Unterfangen eigenmächtiglich,

20. Ein neues A-b-c-Buch zu verfassen Und drin die Sporen des Hahnes auszulassen, Da doch der Sporen, zu jeder Frist, Ein wesentlich Stück des Hahnes ist.

21. Dagegen hat er das Lernen selbst beschweret, Weil er das Alphabet hat vermehret; Denn _fft_, _sp_ und _sch_, Steht wider alle Gewohnheit da.

22. Auch, obgleich die Hähne niemals pflegen Hühnereier in Nester hinzulegen, So liegt doch ein Ei nun bei dem Hahn, Gleichsam als hätt' es der Hahn gethan.

23. Nun können solche Dinge beim Studiren Die Kinder leicht auf Irrthümer führen, Und ein neues A-b-c-Buch ist überhaupt Eine Neuerung und unerlaubt.

24. ^Pro secundo^ lassen wir nicht unberühret, Daß von Alters her ein Eselskopf eingeführet, Welchen in unsrer Schule zur Buß' Jedes muthwillige Kind tragen muß.

25. So hart und empfindlich nun diese Strafe Sonst demjenigen war, den sie trafe, So trugen die Kinder doch gern und mit Lust Den Eselskopf an ihrem Hals und Brust.

26. Herr Jobs ist aber nicht damit vergnüget, Sondern er hat jetzt zum Kopfe gefüget Einen Hals, Leib, Beine und Schwanz, Und so ist es nun ein Esel ganz.

27. Wie jämmerlich indeß die Kindlein klagen, Wenn sie den ganzen Esel müssen tragen, Und stehen da gleichsam zum Spectakel so, Ist kaum zu glauben. ^Pro tertio^

28. Thut Herr Jobs mit mächtigen Ohrfeigen Sich gar zu barbarisch in der Schule bezeigen, Und einige Knaben sind wirklich schon Taub und gehörlos worden davon.

29. ^Pro quarto:^ sind die Kinder der ärmern Bauern, Ob der vielen Prügel, höchlich zu bedauern; Denn, wegen Ansehen der Person, Kriegen sie meist doppelte Portion.

30. ^Pro quinto:^ sucht er in den Taschen Der Kinder nach, ob sie auch naschen, Und findet er Aepfel und Nüsse allhie, So nimmt er sie weg und isset selbst sie.

31. ^Pro sexto:^ ist von seinem sonstigen Betragen Noch allerlei Besondres zu sagen, Denn mit des Schulzen Einliegers Frau Lebt er, wie es heißt, gar zu genau.

32. Auch besucht er fast täglich die Dorfschenke Und genießt da allerlei hitziges Getränke, Hat auch oft bis um Mitternacht Mit dem Schulzen beim Spiel zugebracht.

33. Wir hätten zwar noch mehrere Klagen Allerunterthänigst vorzutragen; Denn es sind noch viele Gravamina Neben den schon erwähnten da.

34. Wollen sie aber diesmal nicht berühren, Sondern nur unterthäniglich suppliciren: Daß Sie, lieber gnädiger Herr! Uns geben einen andern Schulmeister.

35. Beharren übrigens _Eure Hochwohlgeborne Gnaden_ Allerunterthänigste Bauern und Kossathen. Im Dorfe Ohnewitz gegeben. N. N. N. N. N. N.

Neunundzwanzigstes Kapitel.

Wie die klagenden Bauern zu Ohnewitz von dem Herrn Patron eine gnädige Resolution bekamen, und wie sie zur Ruhe verwiesen wurden, und wie sie mit dem Loche bedrohet wurden. Alles im Canzlei-Stil.

1. Es war nun durch zwei Deputaten Die Klagschrift übergeben an Ihro Gnaden, Und vom hochgedachten Herrn Patron Erfolgte folgende Resolution:

2. _Wir haben mißfällig wahrgenommen_ Aus der Vorstellung, womit ihr eingekommen, Wasmaßen ihr gar große Beschwer Führt über euern Schulmeister her.

3. Ob _Wir_ nun gleich höchst ungerne sehen, Daß solche Streitigkeiten bei euch entstehen; So haben _Wir_ doch nach der Breite und Läng' Erwogen eurer Beschwerden Meng'.

4. Können indeß bis dato nicht finden, Daß Beklagter Schuld sei großer Sünden, Und daß man mit Recht, über die Sach' Ein solches großes Allarm mach'.

5. Zwaren ist es dermalen nicht ohne, Herr Jobs hat in seiner Schule schone Ein neues A-b-c-Buch eingeführt Und _Uns_ unterthänigst dedicirt.

6. Auch ist von ihm, wie vor Augen lieget, Einiges drin weggelassen, einiges beigefüget, Jedoch leuchtet es gar nicht ein, Wie dieses so schädlich könne sein.

7. Denn obgleich hier der Hahn die Sporen Aus Versehen des Kupferstechers verloren, So kann man bei der zweiten Edition, Den Fehler leichtlich verbessern schon.

8. Auch die wenigsten Recensenten heutiger Zeiten Merken in den Büchern auf solche Kleinigkeiten, Sondern die guten lieben Herrn Uebersehen solche kleine Fehler gern.

9. Was betrifft die zugefügten Buchstaben, So stehn selbige schon in ältern Ausgaben; Wenigstens _fft_, _sp_ und _sch_ Dienen als Varianten da.

10. Es scheint zwar sich weniger zu schicken, Bei dem Hahn ein Ei auszudrücken; Doch braucht drum das Ei vom Hahn Eben nicht zu werden weggethan.

11. Denn vom Ei gleich aufs Legen zu schließen Wäre unvernünftig und gegen Gewissen; Denn es beweiset weiter nichts in der That, Als bei Menschen der Titel und's Prädicat.

12. Ueberdem weiß man ja auch gar eben, Daß Hähne sich oft mit Eierbrüten abgeben, In ^hoc casu^ wäre also, traun! Der Hahn eigentlich ein Kapaun.

13. Wenn ihr ^pro secundo^ proponiret: Daß Herr Jobs einen ganzen Esel eingeführet, So hat er, _Unsers_ Bedünkens, dran Als ein vernünftiger Mann gethan.

14. Denn er zeigt damit nichts mehr, nichts minder, Als daß sowol ihr selbst als eure Kinder, Alte und junge, groß und klein, Leibhaftig vollkommene Esel sein.

15. ^Pro tertio:^ wegen der Schläge an die Ohren, Worüber einige Knaben ihr Gehör verloren; Halten _Wir_ es gar nicht für gut, Daß euer Schulmeister solches thut.

16. Auch was ihr ^pro quarto^ zu klagen findet, Halten _Wir_ in so weit für gegründet, Denn ein Richter und Schulmann Muß niemals sehn die Person an.

17. Sondern Arme sowol als Reiche Verdienen, wenn sie böse sind, gleiche Streiche, Und man muß zu jeglicher Zeit Strafen mit Unparteilichkeit.

18. Jedoch, wenn er die Kinder visitiret Und ihnen das Obst aus der Tasche entführet: So zeigt er, ^pro quinto^, artig und wohl, Daß ein Kind in der Schule nicht naschen soll.

19. Weil auch die Kinder im zarten Magen Nicht zu viel Aepfel und Nüsse können vertragen, So ist ja des Schulmeisters Absicht hier gut, Wenn er selbst alles verzehren thut.

20. Was ihr da noch, ^pro sexto^, klaget, Und von des Schulzen Einliegers Frau saget, ^Item^ von der Schenke und Kartenspiel, So wäre zwar dies von Herrn Jobs zu viel.

21. Indessen ist es _Unser_ gnädiger Wille, Daß man von solchen Dingen schweige stille, Denn wer davon etwas saget noch, Der soll zur Strafe zwei Tage ins Loch.

22. Uebrigens sollen sämmtliche Beschwerden Künftig genauer untersuchet werden, Wenn von der vorhabenden Reise _Wir_ Glücklich sind retourniret allhier.

23. Bis dahin befehlen _Wir_, bei Hals und Kragen! Euch ruhig und stille zu betragen. _Gegeben auf Unserm Rittersitz._ Resolution für die Bauern in Ohnewitz.

Dreißigstes Kapitel.

Wie zu Ohnewitz an einem Mittwochen ein Aufruhr entstand und allerlei Wunderzeichen vorhergingen, und wie Herr Hieronimus mit Prügeln u. s. w. fortgetrieben wurde.

1. Und diese Resolution machte durchgehends Im ganzen Dorfe viel Aufsehens, Und es entstand überall herum Unter den Bauern ein mächtig Gebrumm.

2. Denn sie sahen itzo offenbare, Daß der Patron Jobsens Gönner ware, Und daß nichts auszurichten mit Glimpf Und sie schwuren also zu rächen den Schimpf.

3. Dieser wichtigen Ursache wegen kamen Sie oftmals in der Schenke zusammen, Und überlegten bei Tabak und Bier, Wie die Sache anzugreifen allhier.

4. Sie haben auch sämmtlich alsobalden Ihre Kindlein alle zu Hause gehalten, Und kein's von ihnen, weder groß noch klein, Ferner geschickt in die Schule hinein.

5. Aber die Vernünftigsten von den Bauern Riethen, auf gute Gelegenheit zu lauern, Da alsdann alle mannichfalt Gebrauchen könnten Ernst und Gewalt.

6. Dieser gar kluge Vorschlag hat ihnen Sämmtlich gut und thunlich geschienen, Und man bestimmte dazu nunmehr Die Zeit, wenn der Patron verreiset wär'.

7. Zwar wurden alle diese Anstalten Noch zur Zeit höchst geheim gehalten, Bis endlich der erschreckliche Tag kam, Da die Unruhe den Anfang nahm.

8. Ehe aber dieses alles geschehen, Sind zu Ohnewitz große Zeichen gesehen, Wie denn vor wicht'gen Begebenheiten sich Vorbedeutungen zeigen gemeiniglich.

9. So hat zum Exempel eine kleine Weile Vorhero eine sehr große Eule Auf dem Kirchthurm, um Mitternacht, Ein erschrecklich Geschrei gemacht.

10. Auch hat einer von den Ohnewitzer Leuten, Als er aus der Schenke kam, die Glocke hören läuten, Auch fiel der sehr alte Schornstein Auf der Schule mit Geprassel ein.

11. Auch hat des Küsters Kuhe geboren Ein Kalb mit ungewöhnlich langen Ohren, Auch viel Hunde führten zum Theil In dem Dorfe ein gräßlich Geheul.

12. Auch sah man hier und da Irrlichter, Und sonst bei Nacht wunderbare Gesichter, Auch trug sich's zu, im hellen Mittag, Daß des Müllers Esel ein Bein brach.

13. Dieses alles schiene anzuzeigen, Daß sich bald etwas werde ereigen; Doch merkte man da erst die Gefahr, Als schon alles erfüllet war.

14. Nun war es gerade ein Mittwochen, Da der Aufruhr endlich ausgebrochen Und jeder Bauer, um Glocke acht, Hat sich Morgens aus dem Hause gemacht.

15. Es war recht gräulich anzusehen, Wie sich ein jeder mit Waffen versehen, Prügel und Flegel in großer Zahl Hatten die Zusammenverschwornen all'.

16. Alles ward nun in dem Dorfe rege, Und man weissagte Tod und Schläge, Und jeder Hund und jeder Hahn Fing zu bellen und zu krähen an.

17. Auf der Haide, die beim Dorfe ware, Versammelte sich die ganze Schaare, Und nun gingen sie in Procession Nach des Schulmeisters Wohnung schon.

18. Ihnen folgten zu beiden Seiten Viele Kinder, welche sich sehr freuten, Daß sie nunmehro würden heut Vom bösen Schulmeister befreit.

19. Noch lag Herr Jobs ruhig in seinem Bette, Als wenn alles sicher gestanden hätte, Bis da plötzlich der ganze Schwarm Hereinbrach mit großem Allarm.