Die Jobsiade: Ein komisches Heldengedicht in drei Teilen
Part 5
22. Da ich nun dies alles nicht kann entbehren, Wollt ihr mir noch a part 4 Louisd'or verehren, Welche alsdann zur Nothdurft mein Vielleicht möchten hinreichend sein.
23. Ich bin auch kürzlich todtkrank gewesen, Und kaum mit genauer Noth wieder genesen, Doch versich're ich euch mit Hand und Mund Daß ich itzo sei wieder ziemlich gesund.
24. Der Medicus, welcher mich curiret, Hat dafür 18 Gulden aufgeführet, Und die aus der Apotheke gebrauchte Arznei, Machet, laut Rechnung, zwanzig und drei.
25. Damit nun Arzt und Apotheker kriegen Das Ihre, werdet ihr gütigst fügen, Diese ein und vierzig Gulden dazu. Seid übrigens wegen meiner Gesundheit in Ruh.
26. Die Aufwärterin, welche mich that laben In der Krankheit, möchte auch wol was haben. Drum sendet noch sieben Gulden dafür Und addressirt's mit dem übrigen an mir.
27. Für Citronen, Geleen und Confituren, Zur Stärkung kranker und schwacher Naturen, Steht auch noch als ein kleiner Rest, Acht Gulden bei dem Conditor fest.
28. Diese bemeldte Posten allzumalen Möchte ich gerne nächstens richtig bezahlen, Denn ich liebe Ordnung und hüte mich Vor allen Schulden sorgfältiglich.
29. Ich traue also zu euern milden Händen, Daß sie mir Alles, nebst den 30 Ducaten senden, Sobald als euch es möglich wird sein. Noch fällt mir eine Kleinigkeit ein:
30. Vor 15 Tagen hatte ich's Ungelücke, Und fiel hoch von der Treppe zurücke, Als ich ging ins Collegium, Und stieß mir den rechten Arm fast krumm.
31. Der Chirurgus verlanget derohalben Zwölf Thaler für Balsam, Pflaster und Salben, Spiritus und sonstige Schmiererei; Drum thut auch diese zwölf Thaler noch bei!
32. Doch, damit ihr euch nicht alteriret, Ich bin, Gottlob! ganz wieder curiret Und geh' mit gesundem Arm und Bein Täglich in das Collegium ein.
33. Nur habe ich einen sehr schwachen Magen, Die Aerzte, die ich consulirt habe, sagen, Das käme vom vielen Sitzen her, Und weil ich so erstaunlich fleißig wär.
34. Sie haben mir dieserhalben angerathen: Warmen Burgunderwein, mit Zimmt und Muskaten, Des Morgens zu trinken statt des Thee, Das wäre gut für's Magenweh.
35. Leget also noch bei zwei Pistolen, Um dafür Burgunder und Würze zu holen; Gewiß, liebe Eltern! ich trinke es nur Blos zur verordneten Magencur.
36. Endlich habe ich noch einige Schulden Von etwa 30 bis 40 Gulden, Schicket mir also auch, ohne Fehl, Liebe Eltern! dies Bagatell.
37. Könnte ich, neben bei, für andere Ausgaben Auch etwa noch ein Dutzend Louisd'or haben, So käme mir dieses recht bequem, Und wäre mir wirklich auch angenehm.
38. Wenn ihr euch übrigens gesund befindet Und nächstens im Briefe mir verkündet, So wird mir dieses erfreulich sein, Schließt aber auch ja das Geld mit ein.
39. Hiemit will ich also mein Schreiben beschließen, Meine Geschwister thu ich freundlich grüßen Und verharre hierauf zum Schluß Euer gehorsamer Sohn _Hieronimus_
40. Ich setze noch eilig zum Postscripte: Meine hochgeehrte und sehr geliebte Eltern! ich bitte kindlich, Schicket doch bald das Geld an mich.
41. Denn, lieber Vater! ich legte 14 französische Kronen Zurück, sie bis zur äußersten Noth zu schonen, Allein zum größten Schmerz und Verdruß Stahl mir solche gestern ein Anonymus.
42. Ich weiß, ihr ersetzt mir, ohne drum zu bitten, Den Schaden, den ich unschuldig erlitten, Denn Ihr, als ein hochvernünftiger Mann, Begreift leicht, daß ich solchen nicht tragen kann.
43. Ich werde indeß möglichst dafür sorgen, Daß der Anonymus heute oder morgen Zu eurer Beruhigung und Satisfaction Bekomme den hanfenen Strick zum Lohn.
Funfzehntes Kapitel.
Folget auch die Kopei der schriftlichen Antwort des alten Senator Jobs auf vorgemeldeten Brief.
1. Was hierauf des Vaters Antwort gewesen, Das soll man gleichermaßen nun lesen: _Mein herzvielgeliebtester Sohn!_ Dein Schreiben hab' ich erhalten schon,
2. Und deine Gesundheit und Wohlergehen Mit Vergnügen aus demselbigen ersehen, Jedoch vergnügt es mich eben nicht, Daß dein Brief wieder von Geld spricht.
3. Es sind noch nicht drei Monate vergangen, Da du hundert und fünfzig Thaler empfangen, Fast weiß ich nicht, wo in der Welt Ich hernehmen soll alle das Geld.
4. Ich höre gern auch, daß du studirest Und dich fleißig und ordentlich aufführest, Aber höchst ungern vernehme ich von dir, Daß du 30 Ducaten forderst von mir.
5. Fast, mein Sohn! sollte ich sagen und glauben, (Du wirst mir meine Anmerkung erlauben) Daß, wenn man auf der Universität Sparsam ist, nicht so viel nöthig hätt'.
6. Zwaren ist es wol gewiß und sicher, Man hat nicht umsonst Collegia und Bücher, Jedoch bekommt man für solche Summ' Manches Buch und Collegium.
7. Tisch, Stube, Wäsche, Licht und Feuer Kann auch unmöglich sein so theuer, Auch Federn, Bleistift, Tinte, Papier Kaufst du für wenige Groschen g'nug dir.
8. Ich vernehme es zwar auch sehr gerne, Daß du dich von böser Gesellschaft ferne Hält'st, und auf der Studirstube sitzst Und bei den geliebten Büchern schwitzst;
9. Auch daneben nur Thee thust trinken: Indessen will's mir wahrscheinlich dünken, Daß, wenn man über den Büchern ruht Und Thee trinkt, nicht 30 Ducaten verthut.
10. Wenn dich Andre einen Knicker schelten, So mag dir dieses gleich viel gelten; Doch, wer so viel Geld verschwendet als du, Dem kommt der Name Knicker nicht zu.
11. Weil du übrigens von deinem Fleiße schreibest, So rathe ich, daß du fein dabei verbleibest, Damit das Geld und die edle Zeit Angewandt werde in Nützlichkeit.
12. Doch mußt du dich nicht so sehr angreifen Und im Kopf so viel Gelehrsamkeit häufen, Denn es trifft, leider! mannichmal ein, Daß große Gelehrte meist Narren sein.
13. Dein Vorsatz, zu predigen, thut mir gefallen, Drum übe dich fleißig darin vor allem; Aber, bei vieler Disputation Kommt eben nichts Kluges heraus, mein Sohn!
14. Wozu auch das Privatissimum nützet, Wenn man schon zehn Stunden im Collegio sitzet, Das begreif' ich um destoweniger wol, Da es 20 Reichsthaler kosten soll.
15. Doch lasse ich's vor allen andern passiren: Denn das Geld, welches du zum Studiren Gebrauchest, gebe ich gerne her, Und wenn's auch noch dreimal so viel wär.
16. Da auch, wie du schreibst, dein Rock zerrissen, So kannst du freilich einen neuen nicht missen; Jedoch das Tuch würde suprafein Für die verlangten zwölf Thaler sein.
17. Wer aber zum Pfarrherrn will studiren, Muß nicht mit kostbaren Kleidern stolziren; Drum wäre ein etwas gröberes Tuch Zum neuen Rocke dir gut genug.
18. Auch für noch sonstige Kleidungsstücke Willst du, daß ich vier Louisd'or schicke, Nämlich für Schlafrock, Pantoffel und Hut, Weil sie nicht zum Gebrauche mehr gut.
19. Wenn ich aber solches allzumalen Posten für Posten sonders soll bezahlen, Wozu sollen dann, lieber Hieronimus mein! Die verlangten dreißig Ducaten sein?
20. Ich habe es mit Mitleiden gelesen, Daß du jüngsthin todtkrank gewesen; Aber du hast nicht wol gethan, Daß du viele Arznei gewendet an.
21. Denn ich habe oft und viel erfahren, Daß, besonders in den jüngeren Jahren, Die sich selbst überlaßne Natur Mehr wirkt, als die beste Mixtur.
22. Dein gebrauchter Arzt und Arzeneien, Sind fast theuer zum Verabscheuen, Und wie mir dünken sollte, so ist Weder Apotheker, noch Arzt ein Christ.
23. Da auch eine Wärterin, wie ich gelesen, In der Krankheit bei dir ist gewesen; So reichte für diese Aufwärterin, Statt sieben, ein einziger Gulden hin;
24. Wenn sie nicht etwa sonst, vor diesen, Liebesdienste andrer Art dir erwiesen, Denn, lieber Sohn! ich schließe dies Schier aus den sieben Gulden gewiß.
25. Was auch nun den Conditor anlanget, Welcher ebenfalls acht Gulden verlanget, So wäre gewesen ein Thaler genug, Und du warest gewißlich nicht klug.
26. Denn Citronen, Confituren und Leckereien Geben eigentlich dem Kranken kein Gedeihen, Aber ein Hafer- oder Gerstentrank Nutzet weit mehr, wenn man ist krank.
27. Es ist nicht gut, daß du bist gefallen Von der Treppe, drum sorge ja für allen, Daß du hinfüro nicht wieder fällst, Denn die Cur beträget viel Gelds.
28. Dein Wundarzt hat dich recht hergenommen, Denn für zwölf Thaler, wie ich vernommen, Heilt unser berühmter Stadtbalbier Einen Arm- oder Beinbruch schier.
29. Doch freut's mich, daß dein Arm wieder curiret; Denn wenn ein Pfarrer auf der Kanzel peroriret, So muß der Arm geschmeidig und fein Beim Klopfen und Gestusmachen sein.
30. Ich muß dich ferner auch herzlich beklagen Wegen deinem sehr schwachen Magen; Mein Magen ist, leider! auch nicht viel nütz, Weil ich sehr öfters zu Rathe sitz.
31. Indeß thut Burgunder mit Gewürzen Dich nur unnöthig in Kosten stürzen; Schlucke lieber oft ein Pfefferkorn ein, Das soll sehr gut für den Magen sein.
32. Du willst auch noch 30 bis 40 Gulden Haben, zur Bezahlung einiger Schulden; Ich sinne nun hin, die Kreuz und die Queer, Beim Himmel! wo kommen die Schulden doch her?
33. Du hast ja schon Alles specificiret Und Posten für Posten zum höchsten aufgeführet, Und vierzig Gulden, bei meiner Seel! Sind nicht, wie du glaubst, ein Bagatell.
34. Endlich soll ich gar noch ein Dutzend Pistolen Zu andern Ausgaben für dich herbei holen; Es wäre dir vielleicht zwar angenehm, Mir aber kommt's höchst unbequem.
35. Denn mit den verlangten 30 Ducaten Kannst du dich wegen der Ausgaben schon berathen, Dieses letztere Dutzend Louisd'or Kommt mir also als Ueberfluß vor.
36. Auch mit dem Ersatz der dir gestohlnen 14 Kronen Hättest du mich billig sollen verschonen, Denn, wahrlich! der Ersatz schmerzet mir Weit mehr, als der angebliche Verlust dir.
37. Daß du übrigens zu meinem Troste willst verlangen, Man solle den Dieb ^sans façon^ drum aufhangen, Dieses wäre gewiß gar nicht christlich, Vielleicht bessert der Anonymus einst noch sich.
38. Ueberhaupt muß ich dir im Vertrauen sagen: In unsern heutigen aufgeklärten Tagen Ist Gottlob! die heilige Justiz Nicht wie ehemals so scharf und spitz.
39. Und um den Raub solcher Kleinigkeiten Braucht Keiner mehr die doppelte Leiter zu beschreiten, Wenigstens in unserm klugen Schildburg Gehen viel größere Diebe frei und frank durch.
40. Wenn du künftig Gelder willst aufsparen, So rathe ich, solche vorsicht'ger zu bewahren; Denn auf keinem Dinge in der Welt Wird so allgemein speculirt als auf Geld.
41. Ich und deine Mutter verstehn es besser, Wir bewahren unsre Baarschaft hinter Riegel und Schlösser Und geben sowol bei Tag als bei Nacht Darauf sehr sorgfältig und ängstiglich Acht.
42. Doch um deinen Geldmangel zu stillen, Will ich noch einmal dein Verlangen erfüllen, Und ich sende die Gelder mancherlei Im versiegelten leinenen Sacke hiebei.
43. Jedoch muß ich dir hienebst andeuten, Es sind heur gar nahrlose Zeiten, Und es fällt mir wahrlich gar schwer, Alle Gelder zu nehmen woher.
44. Mit dem Handel gibt's nur Kleinigkeiten, Denn es ist kein Geld unter den Leuten, Und die Rathsherrnschaft wirft auch nicht viel ab, Drum sind meine Einkünfte so knapp.
45. Ich werde es also sehr gerne sehen, Wenn du von der Universität thust gehen, Zumalen da du, zu dieser Frist, Gewißlich schon ausgelernet bist.
46. Denn wenn du noch länger alda bleibest Und das kostbare Studiren forttreibest, So werde ich noch zum armen Mann Und keine Gelder mehr schaffen kann.
47. Wir werden dich hier mit großem Verlangen Als einen gelehrten Sohn stattlich empfangen, Besonders freut deine Mutter sich Auf deine Zuhausekunft inniglich.
48. Ich möchte dir gern etwas Neues schreiben, Es thut aber Alles hier beim Alten bleiben; Ich bin indessen früh und spat Nach Gewohnheit gewesen oft im Rath.
49. Da haben wir, in Pleno, thun dichten, Um verschiedene Aenderungen einzurichten, Damit in der hiesigen Polizei Alles fein sauber und ordentlich sei.
50. Deine Mutter hat an Zähnen viel ausgestanden; Aber ein großer Wundarzt aus fremden Landen Vor einigen Tagen hier kam Und die bösen Zähne wegnahm.
51. Deine Schwester Gertrud hat einen Freier, Es ist der Procurator Herr Geier, Die Sache ist schon gekommen sehr weit, Und die Gertrud ist schon ziemlich breit.
52. Unser Pfarrer ist immer kränklich, Man hält seinen Zustand für bedenklich, Stürbe einst dieser rechtschaffene Mann, So würd'st du vielleicht unser Pfarrer dann.
53. Unsers reichen Nachbars sein Lieschen Vermeldet dir ein herzliches Grüßchen, Das Mädchen wird wirklich artig und fein Und könnte einst deine Frau Pfarrerin sein.
54. Endlich grüßen dich allesammt wieder Deine sämmtlichen Schwestern und Brüder, Sie freuen sich über dein Wohlergehn Und hoffen schier baldigst dich hier zu sehn.
55. Ich beharre übrigens Dein treuer Vater Hans Jobs, ^pro tempore^ Senater. N. S. Dein Schreiben mir zwar gefällt, Aber verschone mich weiter mit Geld.
Sechszehntes Kapitel.
Wie Hieronimus ausstudirt hatte, und wie er nach seiner Heimat reisete, und wie es mit seiner Gelehrsamkeit bewandt war; fein artig im gegenwärtigen Kupfer vorgestellt.
1. Sintemal man nicht ewig auf Universitäten Bleiben kann, so war's endlich vonnöthen, Daß nach verflossener drei Jahren Zeit, Sich Hieronimus machte zur Abfahrt bereit.
2. Um seiner Eltern Verlangen und Willen, Die nun seine Heimkunft begehrten, zu erfüllen, That er Alles zu dieser Frist, Was zum Abmarsche nöthig ist.
3. Zwar brauchte er nicht viel einzupacken; Denn außer Stiefeln, Degen, Weste und Jacken, Und was man an seinem Leibe sonst sah, War nicht 's mindeste Geräthe da.
4. Nach Büchern brauchte man gar nicht zu fragen, Denn diese thaten ihm niemals behagen, Und außer einer einzigen Predigt nur Besaß er nicht die geringste Scriptur.
5. Ein Freund hatte ihm selbige verehret Und sie ihm nach und nach auswendig gelehret, Damit er doch einmal ohne Beschwer Zu Hause könnt' predigen, wenn's nöthig wär.
6. Es that also der Gedanke bei ihm aufsteigen, Wie er sich daheim den Eltern könnt' zeigen, Damit man nicht auf diese Manier Den kahlen Zustand der Sache erführ.
7. Zuletzt fiel es ihm ein zu sagen, Wenn man nach Koffer und Mantelsack wollt fragen, Daß ihm Alles gestohlen wär Auf seiner Reise gen Hause her.
8. Auch thaten einige Seufzer entstehen; Armer Hieronime! wie wird's dir ergehen, Wenn man dich einmal examinirt? Denn du hast nichts gelernt noch studirt.
9. Zwar hat's ihm herzlich gereut und verdrossen, So daß er fast Thränen darob vergossen, Weil er für alle Kosten und Zeit Nicht erworben mehrere Gelehrsamkeit.
10. Aber alles sein Trachten, Dichten und Denken, Wünschen, Seufzen, Jammern und Kränken Brachten ihm itzo keinen Gewinn, Denn die Zeit war einmal dahin.
11. Um also seine Grillen zu verlieren, Ließ er formaliter invitiren Seine Freunde auf der Universität, Und gab ihnen den Schmaus zum Valet.
12. Hier wurde dann tapfer nochmal geschmauset, Getrunken, gelärmet und gesauset, Bis endlich der traurige Morgen kam Und Hieronimus Abschied nahm.
13. Dieser ging ihm recht sehr zu Herzen Und erregte ihm fast herbe Schmerzen, Ja, er hat wirklich laut geweint Und im Arm seiner Freunde gegreint.
14. Eh er aber sein Ade genommen, Ist er vorher zum Professor gekommen, Dieser hat ihm für baares Geld, Ein academisch Zeugniß zugestellt.
15. Es ist zwar nicht gar löblich gewesen, Doch Hieronimus, ohne es zu lesen (Denn es war gesetzt in Griechisch und Latein) Steckte es in den Schubsack hinein.
16. Ich lasse ihn also nach Hause reisen, Und vorher will ich noch dem Leser weisen Im oben bevorstehenden Kupferblatt, Wie's um seine Gelehrsamkeit gestanden hat.
Siebzehntes Kapitel.
Wie Hieronimus mit Stiefeln und Sporen bei den lieben Seinigen wieder angelanget ist.
1. Als einst nach eingenommener Mittagsspeise Der Senator Jobs (denn es war so seine Weise) Mit seinem Pfeifchen im Lehnstuhl saß Und die politische Zeitung las;
2. Indeß Frau Jobs einiger Sachen wegen In der Küche ein kleines Lärmen that erregen, Auch sonst einige Ordnung gemacht Und keine Seel an was Böses gedacht;
3. Kam ein stolzer Reiter mit starken Schritten Auf der Straße eilig daher geritten, Und gleich hörten sie, Knall und Fall Vor der Hausthür einen Karbatschenschall.
4. Ob diesem fast fürchterlichen Knallen Ließ Jobs die Zeitung aus der Hand fallen, Und die Pfeife selbst war in Gefahr; Frau Jobs aber verstummte gar.
5. Aber aus diesem recht panischen Schrecken That sie der Reiter bald aufwecken; Weil er, im völligen Reisestaat, Zu ihnen in die Stube trat.
6. Die Alten schienen beide ihn nicht zu kennen, Er wollte sich auch vorerstlich nicht nennen, Bis endlich der gute Vater da In ihm seinen lieben Hieronimus sah.
7. Es fehlt mir schier an allen nöthigen Dingen, Die gewaltig große Freude zu besingen, Welche der fromme Senator empfand, Fast entging ihm aller Verstand.
8. Auch die Mutter konnte sich nicht fassen, Noch vor Freude Händ' und Füße lassen, Als sie eben itzt und nunmehr Sah, daß es Hieronimus wär.
9. Fast hätten im Uebermaß der Freude Klare Thränen geweinet alle beide, Und das Willkomm! und dem Himmel sei Dank! Und so weiter, währete lang.
10. Es waren auch darauf nicht minder Des Senators Jobsens übrige Kinder Alle zusammen bei der Hand, Und kein einziges hat ihn gekannt.
11. Es war recht spaßhaft anzusehen, Wie sich die Kinder thaten begehen: Eins hielt ihn für'n großen Herrn, Welcher gekommen wär von fern;
12. Das andere hielt ihn, wegen dem Degen Und der übrigen gefährlichen Kleidung wegen, Für einen, der Kinder im Sack steckt, Besonders wurden die jüngsten erschreckt.
13. Aber sehr lustig ging es mit der Esther, Unsers Hieronimi allerjüngsten Schwester, Denn sie hielt ihn noch lange hernach Für'n fremden Oheim von Gengenbach.
14. In den drei Jahren, die er dort verschlendert, Hatte sich seine Person sehr verändert, Und er war dick geworden am Bauch, Sein Bart ziemlich gewachsen auch.
15. Es war also eben kein Wunder zu nennen, Wenn ihn anfangs niemand mochte kennen, Besonders, da sein Studentenhabit Auch nicht, wer er eigentlich war, verrieth.
16. Ein sehr großer Hut mit einer Feder, Hosen und Weste von gelbem Bocksleder, Ein kurzes Collet von grauem Tuch Verstellte den Hieronimus genug.
17. Dabei kam ein mächtig großer Degen, Welcher, der mehreren Sicherheit wegen, Sowol zum Stich, als Hiebe im Streit Eingerichtet war spitz und breit.
18. Imgleichen die martialische Miene, Welche Tod und Wunden zu drohen schiene; Die Haare hingen struppicht am Kopf Und den Nacken drückte ein dicker Zopf.
19. Diese und mehr seltsame Kleidungsstücke Zogen bald auf sich des Vaters Blicke, Denn ein sittsames schwarzes Kleid Hätte den Alten weit mehr erfreut.
20. Auch wollte des Hieronimus übriges Betragen Dem alten Vater Jobs nicht zum besten behagen, Weil bei dem Hieronimus fort und fort Flüche erfolgten auf jedes Wort.
21. Er gab ihm also deutlich zu verstehen, Daß er nun anders sich möchte begehen, Denn ein junger Theologus Müsse leben nach geistlichem Fuß.
22. Als er kurz darauf nach dem Koffer gefraget, Hat Hieronimus alsobald gesaget Und dabei kräftig geschworen: daß er Vom Postwagen jüngst ihm gestohlen wär'.
23. Diese Nachricht, daß er den Koffer verloren, Klang unangenehm in des Vaters Ohren Und er fing zu knurren drob an, Hätte es nicht die Mutter gethan.
24. Denn sie hielte den Alten zurücke, Sprach, das ist ja ein Ungelücke, Woran unser lieber Sohn nicht schuld; Er ergabe sich also in Geduld.
25. Indessen verbreitete auch das Gerüchte, Des Hieronimus Wiederkunftsgeschichte Ueberall in dem Städtelein aus Und wälzete sich von Haus zu Haus.
26. Der ganzen Bürgerschaft schien dran gelegen, Und überall that sich Verwunderung erregen, Und wo ein Mensch nur den andern sah, So hieß es: Hieronimus ist wieder da.
27. Es wurde übrigens angenehm und freudig In Senator Jobsens Hause allerseitig Der Rest des übrigen Tages verbracht Und weiter nicht an den Koffer gedacht.
28. Hieronimus labte sich an Trank und Speise Weidlich, denn er war matt von der Reise, Rauchte dabei auch ohne Beschwer Des Vaters großen Tabaksbeutel leer.
Achtzehntes Kapitel.
Wie Hieronimus nun anfing geistlich zu werden und wie er ein schwarzes Kleid und eine Perücke bekam, und wie er auf der Kanzel zum ersten Mal predigte, u. s. w.
1. Als nun der andere Morgen vorhanden Und alles im Hause war aufgestanden Und beim Frühstück und Kaffeetisch Jeder sich befande munter und frisch,
2. Hub der Vater an zu discuriren: Mein lieber Sohn! es will sich gebühren, Daß deine bisherige Kleiderei Anders in Zukunft beschaffen sei.
3. Vorab mußt du den schrecklichen Degen Von deiner Seite, von nun an, legen, Weil ein Geistlicher niemals nicht Anders als mit der Bibel ficht;
4. Auch das graue Collet und die lederne Weste Nebst Hosen, Stiefeln und dem übrigen Reste, Wie auch den mächtigen Federhut; Denn alles dies steht keinem Geistlichen gut.
5. Denn wenn Jemand diesen Anzug sähe, Möchte er billig denken: o wehe, Das könnte eher ein Kürassier Sein, als ein künftiger Pfarrer hier!