Die Jobsiade: Ein komisches Heldengedicht in drei Teilen
Part 23
8. Auch zu Kaisers Caroli magni Zeiten Thaten ihn einige Schöpse im Kriege begleiten, Und einer, genannt _German von Schöps_, war Titularhofrath beim ersten Lothar.
9. Dessen Sohn _Bruno_ heirathete an Ludwigs Hofe Eine artige kaiserliche Kammerzofe, Und bekam im ersten Vierteljahr schon Von ihr einen unerwarteten Sohn.
10. Die Geschichte verschweiget seinen Taufnamen; Aber zur Zeit, als die Hunnen nach Deutschland kamen, Lebte er auf einem eignen Gut Und zahlte geduldig Schatzung und Tribut.
11. Er hinterließ einen Sohn, der war Fähnrich Unterm berühmten Vogelfänger Kaiser Henrich; Ob er vielleicht weiter avancirt, Wird in der Stammgeschichte nicht berührt.
12. Er hieß _Wilhelm_ und blieb unter zwei Ottonen Ruhig und still auf seinem Gute wohnen; Im übrigen weiß man von ihm gewiß: Er erzielte mit seiner Gemahlin Margaris
13. Verschiedene Kinder, sowol Söhne als Töchter; Davon entsprossen viele Nebengeschlechter Des uralten Schöpsenstamms, die nach der Zeit Sich durch's ganze Europa befinden zerstreut.
14. Dieser obgedachte Herr Wilhelmus Hatte unter andern 'nen Sohn, genannt _Anselmus_; Diesem gab man aus dringender Noth schon früh Eine kluge Gattin zur Compagnie;
15. Denn nach dem Bericht des Stammbaums befande Er sich sehr schwach und elend am Verstande. Dieses war dann auch wol mehrmal In der von Schöpsschen Familie der Fall.
16. Herr Anselm ließ, ohne sich zu geniren, Von seiner Frau in allem sich leiten und führen, Und aus dieser Ehe kam ein Sohn herfür, Den nannte man in der Taufe _Kasimir_.
17. Dieser half dem Kaiser im Feldzug gegen die Vandalen Durch Verproviantirung der Armee damalen Mit zweihundert Stück fetten Hämmeln aus, Er für seine Person blieb aber zu Haus;
18. Kam deswegen sehr beim Kaiser in Gnaden, Hat ihn gar einmal selbst zu Gaste geladen, Und dieser that ihm dafür die Ehr', Dem Schöps im Wappen zu geben ein Horn mehr.
19. (Denn im uralten Familienschilde War auf'm rothen Balken ein Schöpsgebilde Zierlich bis zur Hälfte aufgestellt, Von schwarzer Farbe im silbernen Feld.)
20. Dieser Vorzug läßt, jedoch in allen Ehren, Sich vielleicht aus Nebenursachen erklären, Denn die Geschichte sagt, Casimirs Hausfrau Seie gewesen sehr schön und schlau.
21. Dessen Sohn _Guido_ war fast immer kränklich; Dies machte nun das Kinderzeugen etwas bedenklich, Jedoch der brave gesunde Burgpastor Sorgte mittlerweile davor.
22. Denn Guido's Gemahl _Hedwig_ war desto gesünder, Und sie brachte ein Stück oder sieben Kinder, Außer dem ältesten Sohne _Christheld_, Ohne sonderliche Wehen zur Welt.
23. Christheld ist vorzüglich im Stammbaum wichtig, Denn er wog im vierundzwanzigsten Jahre richtig 328 Pfund, und weder vor- noch nachher Ward kein Schöps erfunden so schwer.
24. (Zwaren war's der Familie schier eigenthümlich, Denn alle aus ihr, besonders die Männer, waren ziemlich Fett, und diese Constitution Erbte immer vom Vater auf'n Sohn.)
25. Sein Bauch glich schon früh einem Braukessel; Er trauete sitzend in einem Polstersessel Die durch ihre Schönheit berühmte _Gordoin_, Aus welcher Ehe ein Sohn erschien,
26. Namens _Peter_, ihm fast gleich an Dicke; Seine Gemahlin aber hieße _Friederike_, Welche ihm einen Sohn hinterließ, Der ebenfalls, wie sein Vater, _Peter_ hieß.
27. Ich kann übrigens von diesen beiden Helden Eben nichts Rühmliches sagen oder melden, Als daß des letztern Gemahlin 'nen Sohn gebar, Der Großvaters und Vaters Bilde ähnlich war.
28. Er hieß _Florenz_ und war ein Gebieter Ueber verschiedene sehr ansehnliche Güter, Lebte, aß, trank, schlief als ein Dynast, Und war andern und sich selbst zur Last.
29. Doch erweckte er seiner Hausfrau _Magdalene_ Nebenbei einige Töchter und Söhne; Vor allen bemerkt die Geschichte davon Den ältesten Sohn, genannt _Gideon_.
30. Der ging als Schildknapp' zum Herzog _Welfen_, Um dem Papst wider die Ghibelliner zu helfen; Er machte auch jenen berühmten Ritt Auf einem Mädchen aus Weinsberg mit.
31. Dieser Ritt war lieblich anzuschauen; Er nahm es hernach zu seiner Hausfrauen, Denn das Mädchen war zärtlich und fein Und gebar ihm gar bald ein Töchterlein.
32. Er hinterließ auch noch vor seinem Absterben Einen Sohn, genannt _Reimarus_, zum Erben; Der ward getauft, nahm eine Gemahlin Und ward versammelt zu seinen Vätern hin.
33. War aber bei Leibes Leben lustig und gutes Muthes; Seine Gattin, eine adlige Wittwe, hieß _Gertrudes_, Und er zeugte mit ihr auf gewöhnliche Art Einen gesunden Sohn, genannt _Gerhard_.
34. Dieser saß gern bei vollen Humpen und Kannen, Hatte im Solde viele streitbare Mannen, Vermehrte, wo er konnte, stattlich sein Gut Und vergoß durch Faustkriege vieles Blut.
35. Er beraubte auß- und innerhalb seiner Veste Sowol reisende Fremde als einkehrende Gäste, Und wurde deswegen zugenannt: Junker Gerhard _mit der eisernen Hand_.
36. Er entführte einst zu seinem Ehebette Ein sehr hübsches Fräulein, genannt _Hette_, Vergaß eine Zeitlang das Waffengeklirr Und zeugte mit ihr den Sohn _Lodomirr_.
37. Gerhard war sonderlich ein Feind der Pfaffen, Machte benachbarten Klöstern viel zu schaffen, Fing mit Nonnen allerlei Streiche an, Und kam darüber sogar in Bann.
38. Um nun wegen begangner vielen Sünden Beim annahenden Alter Absolution zu finden, Ergriff er in der Angst den Pilgerstab Und wallte nach Jerusalem zum heil'gen Grab.
39. Mittlerweil er wiederkam von der Pilgerstraßen, War, außer dem Sohn, den er hinterlassen, Mirakulöser Weise von Frau Hetta Noch ein vierteljähriges Söhnlein da.
40. _Lodomirr_ war ein gar frommer Herre, Stiftete viel Heiligenhäuser und Altäre, Gab Mönchen und Nonnen reichlich Brod, Und litte darob fast selber Noth.
41. Seine adlige Hausfrau, _Anna_ mit Namen, Ware gleichfalls eine der frömmsten Damen Und hielt für ihren Leibs- und Seelenzustand 'nen Beichtvater auf ihre eigne Hand.
42. Aus dieser gar frommen Ehe entsprosse _Florian_, mit dem Zunamen _der Große_; Denn er maß richtig 14 Zoll Und war täglich toll und voll.
43. Dieser hatte mit seiner Gemahlin _Otilie_ Eine ziemlich zahlreiche Familie, Und unter andern einen artigen Sohn, Der ward genannt _der galante Leon_.
44. Er pflegte sich in Waffen und Turnieren Fleißig in damaliger Zeit zu exerciren, Und zerbrach dem schönen Geschlecht zur Ehr' In Scherzritterspielen manchen Speer.
45. Dieses, sowie sein Tanzen und Courtesiren, Mußte die Schönen der Zeit sehr charmiren, Und ob er gleich weiter nichts verstand, Bekam er doch eines reichen Fräuleins Hand.
46. Denn in einer reizenden Schäferstunde Gab ihm die extraordinärschöne _Kunigunde_ Mit allen ihren Gütern zugleich ihr Herz. Der Sohn aus dieser Ehe hieß _Adelberts_.
47. Der hatte nach und nach vier Gemahlinnen, Sie schieden aber alle zeitig von hinnen; Von der ersten, genannt _Rosemon_, Blieb ein Sohn zurück, der hieß _Anton_.
48. Nach dem Absterben seiner letzten Frauen Ließ Adelberts ein Nönnchenkloster bauen, Und hat dasselbe reichlich begabt, Und starb drinnen als der Nonnen Abt.
49. Man sprach viel von seiner Canonisirung, Aber bei der geistlichen Proceßführung Hinderte Advocatus Diaboli Durch manchen wichtigen Einwand sie.
50. Von Herrn Anton kann ich nichts sonders melden; Er gehörte nicht unter die Kriegshelden, War auch weder Abt noch Bischof, Weiß auch nicht, daß er übermäßig soff.
51. Er blieb immer in der adligen Hütte, Heirathete nach der väterlichen Sitte, Sorgte für seinen eigenen Mund Und starb nach dem bewußten alten Bund.
52. Er hinterließ einen Sohn, der hieß _Steffen_, Dieser blieb zu Mühldorf beim bekannten Treffen Unter Seyfried Schweppermann als Officier, Weil er's Fieber hatte, ruhig im Quartier;
53. Verließ gleich darauf gänzlich die Fahnen, Kehrte zurück zum Herde seiner Ahnen, Schritte demnächst fort zur Heirath, Und einer seiner Söhne hieß _Vollrath_.
54. Von diesem Vollrath sagen die Stammbaumsautoren, Daß er seine untergebenen Bauern baß geschoren, Und übrigens unterm Kaiser Wenceslas Nichts thate, als daß er soff und fraß.
55. Seine Gattin, die gute _Adelheide_, Hatte mit ihm in der Ehe wenig Freude; Denn er prügelte sie oft und viel, Und trieb mit andern Weibern sein Spiel.
56. Sein Sohn _Balthsar_ ware zwar frümmer, Aber bei dem allen doch ungleich dümmer; Er theilte Mönchen und Klöstern reichlich mit Und starb endlich im Franciskanerhabit.
57. Seine gottesfürchtige Gemahlin _Susanne_ Lebte gar friedlich mit dem frommen Manne, Und aus dieser keuschen Ehe erschien Ein wackerer Sohn, genannt _Augustin_.
58. Dessen Gemahlin hieß Frau _Petronelle_, Den mit ihr erzielten Sohn hieß er _Nölle_, Und er starb im neunzigsten Jahre als Greis, Dies ist das einzige, was man von ihm weiß.
59. Aber sein gedachter Herr Sohn Nölle Bekleidete eines Landvogtes Stelle, Und zog diese Einkünfte wohlgemuth Ruhig wohnend auf seinem Landgut.
60. Er hatte durch Umgang mit einer Landschöne Zwar verschiedene unächte Töchter und Söhne, Hinterließ aber doch einen Sohn ohnehin Von Frau _Irmgard_, seiner Gemahlin.
61. Der ward nach seiner Geburt genannt _Heine_, War ein Liebhaber vom Wildpret und vom Weine, Und obgleich sonst nicht zur Arbeit geneigt, Hat er doch einen Sohn, _Philipp_, gezeugt.
62. Seine Gemahlin, die Dame _Sophie_, Verstund sich baß auf Oekonomie, Hielt alles im Hause sauber und rein, Trank auch wol ein Gläschen Branntewein.
63. Herr Philipp war ein guter Haushalter, Ward sogar geizig in seinem Alter, Trieb oft mit eigener Hand den Pflug Und trank sich und aß sich kaum satt genug.
64. Seine Gattin, die geduldige Frau _Jütte_, Starb an der Zehrung in ihrer Jahre Blüte, Hinterließ doch, der Familie zum Glück, Nach ihrem Tode einen Sohn zurück.
65. Indeß heirathete der junge Wittwer Philipp Abermals, und zwar eine alte Wittib, Die hungerte er bald hin zur andern Welt Und erbete ihre Güter und Geld.
66. Sein Sohn hieß _Weinrich mit der kupfernen Nase_, Der trank viel und ehelichte seine Base _Käthe_, und kaum war _Robert_, sein Sohn, da, So starb er am Zurücktritt des Podagra.
67. Gedachter Sohn Robert bekam Lust zum Kriege, That als Freiwilliger einige Feldzüge, Und ließ in 'nem Scharmützel ritterlich Den Haarzopf und 'nen halben Finger im Stich.
68. Um nun nicht noch was mehr zu verlieren, That er sich auf seine Güter retiriren, Heirathete im sechsundzwanzigsten Jahr, Und starb, als er dreißig und ein halbes alt war.
69. Seine Ehegenossin hieße Frau _Ide_; Er hatte gelebt ziemlich mit ihr in Friede, Denn er war von tolerablem Gemüth. Sein hinterlaßner Sohn hieße _Siegfried_.
70. Siegfrieds Umgang mit den Bauern war vertraulich, Und mit den Bäuerinnen noch mehr erbaulich, Und nie waren im Revier des von Schöps'schen Gebiets So viel Hahnreie als zur Zeit Siegfrieds.
71. Doch suchte er auch mit seiner Hausfrauen Sein grades adliges Geschlecht zu erbauen, Denn seine Gattin _Fredegund_ gebar Einen wohlgebildeten Sohn ihm dar.
72. Dieser war ein sehr gewaltiger Jäger, _Hubertus_, zugenamset _der Schläger_, Denn er erschlug einst einen Wilddieb, Welcher das verbotene Jagen trieb.
73. Seine Gattin, die schmutzige _Gertrude_, War sehr filzig und karg wie ein Jude, Sie molke die Kühe und fegte den Stall, Und ihre Hand war im Hause überall.
74. Huberts Sohn, _Werner_, erbte Flinte und Büchse Nebst den übrigen Gütern, prellte Füchse, Und verdarb mit Hasenjagen rund herum Der Bauern Aecker und Eigenthum.
75. Aber seine Ehefrau, die bärtige _Trine_, Machte ihm zu Hause manche böse Miene, Und fing oft mit ihm Gezänke an, Und er blieb ihr gehorsamster Unterthan.
76. Jedoch erzeugte mit ihr Herr Werner Erst einige Töchter, und demnächst ferner Einen artigen Sohn, und dieser ward In der Taufe genennet _Eberhard_.
77. Auch dieser blieb treu der väterlichen Sitte, Und heirathete eine Frau, genannt _Brigitte_, Bekam unter andern den Sohn _Johann_, Der war ein stattlich gelehrter Mann.
78. Er ist der erste des von Schöps-Geschlechts gewesen, Der da selbst konnte schreiben und lesen, Hat auch durch dieses Stammbaums Geschrift Sich bei der Nachwelt ein Denkmal gestift't.
79. Vormals war es wenigstens unerhöret, Daß man in der Familie hätte schreiben gelehret, Und selbst bei Documenten kleckste man Statt Unterschrift blos ein Wachssiegel an.
80. Er conversirte gern mit studirten Leuten, Machte gar zu gewissen launigten Zeiten Bei seiner Hausfrau _Lina_ daheim Einen nach damal'ger Art feinen Reim.
81. Er las Zeitungen und hatte eine große Kenntniß von Staatssachen, und schlosse Im Großvaterstuhl für sich als Politicus Den berühmten westphälischen Friedensschluß.
82. Notabene! als ein vernünft'ger Gelehrter Haßte er den Schöpsnamen, darum kehrt' er Das ö im Wort Schöps, in o ohne Strich Und schrieb am ersten _von Schops_ sich.
83. Er zeugte succesive nicht mehr noch minder Als siebenundzwanzig eheliche Kinder, Sowol Töchter, als Söhne; davon Erwähn' ich nur _Kunz_, den ältesten Sohn.
84. Dieser ward gleichfalls gelehrt unterweiset, Und nachdem er viel Geld hatte verreiset, Brachte er mit nach Hause als Gemahlin Eine großvornehme Donna Italienerin.
85. Sie liebte hohe Spiele und Assembléen, Hatte viele Lakaien und Cicisbeen, Prätendirte auch im gemeinen Umgang Ueber alle andre Damen den Rang.
86. Zu dieser hochgedachten Donna Zeiten Entstunden schon allerlei Verdrießlichkeiten, Denn es ging manches Familiengut Durch die zu große Verschwendung caput.
87. Herr Kunz, um sich aus dem Verderben zu ziehen, Spielte fleißig hoch in Lotterien, Suchte auch hier und da überall In neuangelegten Bergwerken Metall.
88. Das war aber noch lange nicht das Schlimmste; Sondern unter allen war dies das Dümmste, Daß er sich mit Advocaten abgab, Denn diese brachten ihn noch tiefer herab.
89. Auch legte er sich mit vielen Kosten und Wachen Auf den Stein der Weisen und das Goldmachen, Und verwendete also des Vermögens Rest Vergeblich auf'm chimischen Alkahest.
90. Er kam also in kurzem um das Seine, Und ware nunmehr gar blank auf das Reine, Und im unersetzbaren Ruin Sank dies sonst reiche Geschlecht dahin.
91. Sein Sohn _Fritz_ erwählte das Militäre, Erlangte wegen seiner Bravour viel Ehre, Bis er zuletzt gar ein Bein und ein Ohr Ehrenvoll in einer Schlacht verlor.
92. Er bekam drauf den Abschied und einen Orden, Ist aber dabei arm und dürftig geworden, Und ernährte ^ex post^ kümmerlich Auf einem gar kleinen Gütchen sich.
93. That jedoch, obgleich mit hölzernem Beine, Bei der Fortpflanzung des Geschlechts noch das Seine, Und erzeugte zu seines Alters Trost Einen Sohn mit seiner _Suse_, den nannte er _Jost_.
94. Der ist noch dem Adelstande getreu geblieben, Und hat keine bürgerliche Nahrung getrieben; Denn noch im Jahr tausendsiebenhundertacht Hatte Jost eine kleine Hufe in Pacht.
95. Er war übrigens der leibliche Vater Von dem berühmten Schildburger Senater, Hielt indeß auf gute Oekonomie Mehr als auf die adlige Genealogie.
96. Vergaß deswegen bei seiner Frau _Marianen_ Seinen vornehmen Stand und alle seine Ahnen, Und wandelte den bisherigen Namen von Schops In den schlichtbürgerlichen Namen _Jobs_.
97. Als ein Feind aller Pracht und neuen Mode Zeugte er nach der wohlbekannten Methode Eines jeden andern bürgerlichen Manns Den gedachten Schildburgschen Senater _Hans_.
98. Dieser wurde sehr gut bürgerlich erzogen, War klein, hat aber schwer gewogen, So wie seine meisten Ahnen, denn es war dies, Wie schon oben bemerkt ist, ein Fideicommiß.
99. Daß Herr Hieronimus sein Sohn gewesen, Und seine Frau mehrerer Kinder genesen, Das alles, wie auch sein Rathsherrnstand, Ist uns allerseit'gen Lesern bekannt.
100. Ich habe die Geschichte der Jobsschen Lebensläufen Mit zu viel Nebensachen nicht wollen häufen, Weil ich beim nähern Nachsehen find', Daß schon hundert Verse drüber da sind.
Vierunddreißigstes Kapitel.
Genealogie der Frau Senatorin Jobs nach aufsteigender Linie.
1. Die Ehegenossin des Schildburgschen Senaters, Als unsers Herrn Hieronimi würdigen Vaters, Der ^notorie^ mehr Kinder hatte, war Eine geborne Mammesell _Plappelplar_.
2. Ihre Stammtafel ist weniger weitläufig, Und die Merkwürdigkeiten drin sind nicht so häufig; Indessen wollen wir doch ordentlich gehn, Und dieselben in diesem Kapitel durchsehn.
3. Ihre Familie war zwar nicht von Adel, Aber doch ohne allen Vorwurf und Tadel, Und unter dem schwäbischen Plebejerstand Eine der ersten im ganzen Land.
4. Sie war ansehnlich, groß und lang von Leibe, Und ein Muster von 'nem schönen und guten Weibe, Und ihr eheleiblicher Vater war Der Consistorialrath Herr Plappelplar.
5. In seinen Handlungen und Reden war er eifermüthig, Von Temperament etwas cholerisch und vollblütig, Er zerklopfte oft im Affect die Kanzelbank, Denn er war von Person robust und lang.
6. Er war mächtig in Lehr' und reich an Worten, Stund erst als Pfarrer an verschiedenen Orten, Ward im vierzigsten Jahre Consistorial, Und starb im funfzigsten Knall und Fall.
7. (Von seiner Suade im Peroriren Scheint es als Erbtheil herzurühren, Daß die ehmalige Mamsell Plappelplar, Nachherige Frau Jobs, so wortreich war;
8. Auch daß sie an dem geistlichen Stande Ein so außerordentliches Vergnügen fande, Und den Hieronimus, den sie gebar, Schon früh bestimmte zum Dienst der Pfarr'.)
9. Er hinterließ nicht blos Kindertücher Oder eine Sammlung alter Schriften und Bücher, Sondern auch viel Gut immobil und movent, Denn er war ziemlich reich und potent.
10. Von seinen sonstigen Lebensumständen Habe ich nicht viel Nachricht in Händen, Doch merke ich noch von ihm an, daß Er gerne gebratne Truthähne aß.
11. Daher entstand vermuthlich die Sitte und Regel, Daß man die Truthähne Consistorialvögel Seitdem im schwäbischen Lande heißt, Und sie gern bei Pfarrschmäusen speist.
12. Doch dem sei übrigens wie ihm seie, Er verwaltete sein Amt mit aller Treue, Und sein eheleiblicher Vater war Fürstlicher Amtmann und Justitiar.
13. Der war in seinen Aemtern und Pflichten strenge, Machte weder große Umstände noch Gepränge, Wenn einer nicht gleich seinem Mandat Oder der Citation pariren that.
14. Er stund wegen seinem ernsthaften Amtsgesichte Rund herum in sehr gutem Gerüchte, Und sein eheleiblicher Vater war Fürstlicher geheimer Consiliar.
15. Man muß aber eben nicht meinen oder träumen, Es hätte der Fürst wegen 's Prädicat 'nes _Geheimen_ Rathes nichts ohne ihn gethon; Er kannte nicht einmal seine Person.
16. Er starb als ein treuer Diener des Staates, Ohngeachtet des Titels eines geheimen Rathes, Und sein eheleiblicher Vater war Bei 'ner verwittweten Fürstin Leibhusar.
17. Dieser stand bei Hofe sehr hoch in Gnaden, War ein hübscher Husar von Bart und Waden, Und sein eheleiblicher Vater war In Schildburg der zweite Consular.
18. Im Stadtarchiv findet man oft seinen Namen; Er sagte zu allen Rathsdecreten: Amen! Und sein eheleiblicher Vater war Seligen Andenkens Landcommissar.
19. Jedoch zur Zeit seines Commissariats stand es Eben nicht zum besten um die Wohlfahrt des Landes, Und sein eheleiblicher Vater war Commerzienrath titular.
20. Der legte sein ganzes väterliches Erbe An Fabriken und weitläufiges Gewerbe, Brachte es aber durch Ehrlichkeit Anfangs bei aller Mühe nicht weit.
21. Er rettete sich jedoch noch bei zeiten, Wie es Sitte ist bei viel Handelsleuten, Denn ein starker honneter Bankrott Half ihm aus aller seiner Noth.
22. Man saget aber, seine Creditoren Hätten dabei mehr als er verloren, Und sein eheleiblicher Vater war Adliger Verwalter und Secretar.
23. Der konnte succesive etwas Vermögen Extra ^per fas et nefas^ zurücke legen, Und sein eheleiblicher Vater war Der sieben freien Künste Baccalar.
24. Dieser mußte sich sehr kümmerlich ernähren, Hatte blutwenig oder nichts zu verzehren, Und sein eheleiblicher Vater war Ein kaiserlicher gekrönter Poete gar.
25. Zwar erfahren in allen Dichterkünsten, Hungerte er doch bei seinen Verdiensten, Und wohnte mit Frau und Kinderlein In einem kleinen Dachstübelein.
26. Seinem leiblichen Vater ging es noch trister, Er war der Weltweisheit Magister, Wovon er sich höchst erbärmlich ernahr; Wer aber des Magisters Vater war,
27. Davon schweigen die vorhandnen Nachrichten; Ich kann also davon weiter nichts berichten, Als daß er auch ein Herr Plappelplar Und vermuthlich ein redlicher Mann war.
Fünfunddreißigstes Kapitel.
Wie nunmehr nach wohlerwogenen Umständen der Consens zu der Vermählung des jungen Herrn Barons mit seiner Stehre erfolgt ist.
1. Man fande bei wohlerwogenen Umständen Nun wegen der Heirath nichts weiter einzuwenden; Denn aus dem gelesenen Bericht war klar, Daß Jungfer Esther von berühmter Familie war.
2. Um damit zum erwünschten Ende zu kommen, Hat Herr Jobs seiner Schwester Ausstattung übernommen, Und diese fiele weit reichlicher aus, Als bei manchem Fräulein aus 'nem großen Haus.
3. Der beiden Liebenden Wonne und Entzücken Vermag meine Feder nicht auszudrücken; Sie hätten, von ihrem Glücke berauscht, Mit keinem Monarchen der Erde getauscht.