Die Jobsiade: Ein komisches Heldengedicht in drei Teilen
Part 21
17. Da kommt oft vor: Stella, Minna, Reta, Imgleichen: Bella, Zinna und Meta; Namen, welche bisher in Deutschland Außer in Romanen, sind unbekannt.
18. Ferner lieset man statt Klara Kläre, Und wie im gegenwärt'gen Casus, statt Esther Stehre, Statt Wilhemina, Mina und sofort, Wie zu sehen am gehörigen Ort.
Zwanzigstes Kapitel.
Anweisung zum neuesten verliebten Briefstyle, in feinen Exempeln nach Siegwart und Werther; oder von der Liebescorrespondenz des jungen Barons und der Mamsell Esther ^in specie^.
1. In dem vorherbeschriebenen Kraftstile Klagte nun auch der Baron seine Gefühle Und der vorstehenden Trennung Ungemach Mit untermengtem manchen Oh! und Ach!
2. Denn er hatte viele Romane studiret, Hier und da auch vielleicht excerpiret, Wo er was Herzzerbrechendes las, Und dieses kam ihm nun trefflich zu paß.
3. Esther aber, nicht in dergleichen belesen, Machte mit ihren Briefen weniger Wesen, Und antwortete gewöhnlich kurz nur, Ohne Kunst, blos nach der Natur.
4. Hier erfolgen einige genaue Copeien; Der Leser wird mir dieses hoffentlich verzeihen, Weil mancher verliebter junger Mann Sie als Briefmuster weiter gebrauchen kann.
5. »Ach, meine Stehra! Auserwählte! Geliebte! Denke, wie mich der Donnerantrag betrübte: Meine Eltern sagten mir gestern, ich soll mich Trennen, o wer weiß wie lange? von Dich!
6. Mir ist zugleich der Blitzbefehl ernstlich geschehen: Dein Engelsgesicht nicht mehr so oft zu sehen -- Dich, meine Beste! -- Du Einzige! Gar nicht mehr persönlich zu sprechen -- Au weh!
7. Aber ich will's hoch und theuer beschwören, Dich ewig zu lieben, soll mir niemand wehren, Und meines Herzens treue Sympathie Soll für Dich -- Du Himmlische! verlöschen nie.«
8. _Antwort_: »Mein Schatz! Was Du mir hast geschrieben, Thut mich innerlich in der Seele betrüben; Denn ich halte der künft'gen Trennung Graus Gewißlich keine acht Tage Dir aus.
9. Mein Herz ist krank und meine Augen fließen, Ich thue Dich hunderttausendmal begrüßen Und bleibe immer und ewig dabei: Lieber gestorben als ungetreu.« --
10. »O mein Engel! Mein Seraph! Meine Stehre! Vormals schwamm ich in 'nem Wonnemeere, Und ein Blick aus den blauen Augen von Dir War mehr als Gold und Seligkeit mir.
11. Aber bald, ach bald soll ich Dich verlassen, Mein banges Herz vermag dies nicht zu fassen, Es tobt wüthend, und ich erliege fast Unter dieser schweren Centnerlast.
12. Draußen wall' ich in Wäldern auf und nieder, Horche nicht mehr auf der Vögel zärtliche Lieder, Mir duftet nicht mehr das Blümchen im Thal, Mir lächelt nicht mehr der freundliche Mondstrahl.«
13. _Antwort_: »Wenn der ganze Himmel Papier wäre, Und alle Sterne Schreiber und Secretäre, Und schrieben fort bis zum jüngsten Gericht, So klecksten sie doch zur Beschreibung meiner Liebe nicht.
14. Darauf kannst Du Dich gar sicher verlassen; Wir wollen uns also in Geduld fassen; Du bleibest trotz aller Trennung mein, Und ich will ewig Deine Stehra sein.« --
15. »O wie war die Nacht so schlaflos, so traurig! Wie heulte der Sturm draußen so schaurig! In meiner geängstigten Seele brüllt Ein Sturm, noch weit schauriger und wild.
16. Ach, meine einzige Göttin! meine Cythere! Du, mir mehr als Himmel! meine Stehre! Schwebst im reizenden Bilde immer vor mir -- Ach, wär' ich heute ein Stündchen bei Dir -- --
17. Ich wollte gerne, um Dich persönlich zu sehen, Durchs Feuer und über Eisgebirge gehen -- -- Denn Dein lieblich lächelndes Angesicht Erquickt mich mehr als des Monds Silberlicht.«
18. _Antwort_: »Mein Liebster! Freilich die Nacht war böse, Ich hörte auch des Sturms Brüllen und Getöse, Und ich habe auch, wie Du, die ganze Nacht An Dich denkend schlaflos zugebracht.
19. Komme heute Abend um eilf Uhr in'n Garten, Da will ich Dich mit offnen Armen erwarten; Brauchst da nicht über Eisgebirge zu gehn, Denn der Weg dahin ist grün und schön.«
20. »Amor hüpft um mich mit seinen Gehilfen, Göttliches Mädchen! mich umtanzen Sylphen, Und wie der silberne Wasserquell, Ist nun meine düstre Seele hell.
21. Der heil'ge keusche Mond wird uns lächeln, Zephyr wird uns in den Abendstunden fächeln; Ich eile auf der Liebe schnellem Fittich Und bin um eilf Uhr präcis bei Dich.
22. Hoch pocht mein Herz voll von tausend Dingen, Ich kann Dir mein' Gefühle nicht alle singen; Aber dann sink' ich für seligen Schmerz, Du meine Auserwählte! an Dein Herz.«
23. _Antwort_: »Ich hoff', es werd' nicht an Gelegenheit fehlen, Mich langsam aus dem Pfarrhause zu stehlen. Es bleibet dabei, mein Schatz! komm nur Im Garten zu mir um eilf Uhr.« --
24. »Schon in beinah anderthalb bangen Tagen Habe ich's Dir mündlich nicht können sagen, Wie, meine Grazie! Dein göttliches Bild Meine liebevolle Seele erfüllt.
25. Kronen und Reiche wollte ich gerne hingeben, Um mit Dir ewig verbunden zu leben, Und weder Teufel noch die ganze Höll' Tilget Dein Bild aus meiner Seel' -- --
26. Ach, die Fühllosen! Ach, die Tyrannen! Die mich von Deiner Seite wollen verbannen!! Aber ^posito^, man trennte auch Dich und mich, So schlägt doch immer mein Herze für Dich -- --«
27. _Antwort_: »An Deiner Liebe hab' ich keinen Zweifel, Aber ich bitte Dich, sprich nicht so viel vom Teufel; Denn mir grauset jedesmal recht sehr, Wenn ich seinen Namen nur nennen hör'.
28. Hoffnung auf künftige günstige Zeiten Soll uns in der Liebe immer begleiten; Das übrige sag' ich diesen Abend mündlich Und erwarte am gewöhnlichen Orte Dich.« --
29. »Morgen -- ach! Morgen droht die fürchterliche Stunde, Lange Trennung unserm zärtlichen Bunde; Denn, himmlisches Mädchen! ach! es ist Alles zur Abreise zugerüst't.
30. Laß mich noch einmal beim keuschen Mondlichte Sehn Dein unvergeßlich Seraphinsgesichte, Und gib, weil es nun so sein muß, Mir zur Stärkung den Abschiedskuß.«
31. _Antwort_: »Ach, ach! werd' ich's auch können ertragen, Dir das letzte Lebewohl mündlich zu sagen, Ohne daß mein empfindliches Herze nicht In hunderttausend Stücke zerbricht!!
32. Indessen, mein Geliebter! ich will im Garten Dich zur gewöhnlichen Stunde erwarten, Und da nehm' ich, weil's so sein muß, Deinen zärtlich getreuen Abschiedskuß.«
33. Es sind dergleichen Billetsdoux noch mehre Gewechselt zwischen dem Baron und seiner Stehre; In des Barons seinen war lauter Unsinn, Und in Stehrens ihren nicht viel Vernünftiges drin.
34. Ich will also diese Materie enden Und mich lieber zu einer andern wenden, Und verweise allenfalls über dies Stück Auf Siegwart, Werther und Consorten zurück.
Einundzwanzigstes Kapitel.
Ade! der junge Herr reiset ab.
1. Nicht immer kann man in Rosen sich baden, Man muß auch oft durch dick und dünne waten; Denn so ist es auf unsrer Lausewelt Leider von Alters her bestellt.
2. Das heißt: wir können manch angenehmen Bissen In unserm Erdenleben hier und da genießen, Und der thut gar nicht übel dran, Der's Gute mitnimmt, wenn er's kriegen kann;
3. Aber es ist uns auch manches bitteres Essen, Mancher Kummer, manches Leid zugemessen, Und da ist nun mein Rath unmaßgeblich, Daß man geduldig drin ergeb' sich.
4. Auf diese sehr vernünftigen Reflexionen Hat mich zum Glück die Abreise des Baronen Und seine Trennung von Stehre gebracht; Ich hätt' sie sonst nicht aus mir selbst gemacht.
5. In der Nacht vor seiner Abreise Hatte er und seine Geliebte verstohlnerweise Noch eine Zusammenkunft zuguterletzt, Wie wir oben gehört haben, angesetzt.
6. Da gab's ^hinc inde^ ein Gewimmer, ein Gewimmer, Ein Gewimmer, wie es vielleicht nimmer Zwischen zwei Verliebten je geschehn, Welche sich zu Nacht alleine sehn.
7. Ich vermag's nicht ^in extenso^ zu beschreiben, Wie weinerlich es sie allda mochten treiben, Meine Augen würden dabei zu naß, Und zu leer an Tinte mein Tintenfaß.
8. Es ward da noch einmal mit den feierlichsten Eiden Die ew'ge Treue befestigt zwischen beiden, Und Frau Echo mit ihrem Widerhall Bekräftigte alles dazu noch dreimal.
9. Auch hat man unverbrüchlich abgesprochen, Sich Briefe zu schreiben wenigstens alle vier Wochen Durch die bishero gebrauchte Adress', Damit einer den andern nicht vergess'.
10. Schon öffnete die alte Jungfer Aurore Droben die schönblauen Himmelsthore Und erschien im Rosenkleide hübsch und fein, Und Herr Phöbus kutschirte hinterdrein;
11. Das ist verdolmetschet in der gewöhnlichen Sprache: Man blieb beisammen bis der Morgen anbrache, Und endlich unter vielem Ach und Weh Erfolgte das schmerzlichste Adieu.
12. Ach, ach! das letzte Küssen und Umarmen War eine Scene jämmerlich und zum Erbarmen, Bis zuletzt ein jeder für sich Mit rothgeweinten Augen nach Hause schlich.
13. Als hernach, circa ein Viertel nach neun auf der Uhre, Der junge Baron von Ohnewitz wegfuhre Und Esther ihm im Wagen nachsah, Fiel sie in eine Ohnmacht beinah.
14. Sie ist auf ihr Zimmer alleine gegangen, Thränen rollten reichlich von ihren Wangen, Ein Schnupftuch verhüllte Stirn und Gesicht Und sie aß und trank den ganzen Tag nicht.
15. Klagte auch schrecklich über Kopfschmerzen Und winselte über Drücken und Noth am Herzen, Sodaß ihr Bruder fast drob erschrak, Obgleich er merkte, was dahinter stak.
16. Auch der junge Herr im Reisewagen War ^similiter^ sehr zu beklagen, Denn man sah's ihm gar deutlich an, Es sei ihm innerlich was angethan.
17. Ich selbst habe ihn zwar nicht gesehen, Doch kann ich es wol von selbst verstehen, Und jeder andrer Vernünftiger schließt dies Aus den vorhergegangenen ^Prämissis^.
18. Indessen bekam er bald wieder Courage, Denn er hatte eine schöne Equipage Und gutes Reisewetter, und saß bequem, Und hatte in seiner Chatoulle noch außerdem
19. Nicht allein baares Geld wie Häcksel, Sondern auch noch manche wichtige Wechsel, Sammt und sonders so eingericht't, Daß sie gleich bezahlt wurden nach Sicht;
20. Ja sogar schriftliche Recommandationen An viele hohe und berühmte Personen; Und so hätte ich ohne eigenes Geld Mit ihm reisen mögen durch die halbe Welt.
Zweiundzwanzigstes Kapitel.
Hier wird kürzlich erzählet, was sich auf der Reise mit dem jungen Herrn hätte zutragen können.
1. Hier könnte ich nun vieles herleiern Von seinen auf der Reise gehabten Abenteuern, Und was er in jeder fremden Stadt Merkwürdigs gehört und gesehen hat.
2. Ich könnte, um dieses Kapitel gemächlich zu füllen, Aus manchen alten und neuen Reisepostillen Und aus Berkenmeyer und Büsching Hervorsuchen manch geographisches Ding.
3. Ich könnte erzählen, daß er zum Vergnügen In der Schweiz die gefährlichen Gletscher bestiegen, Und daß er in diesem arkadischen Land Manche reizende Alpenschäferin fand.
4. Ich könnte erzählen von prächtigen Kunstwerken, Welche damals in Rom waren zu bemerken, Ob sie gleich von den Herrn Franken nachderhand Wurden nach Paris ins Museum gesandt.
5. Ich könnte erzählen von Cardinälen und Prälaten, Von schönen Sängerinnen und von Castraten, Von dem großen Sanct-Peters-Dom Und raren Antiquitäten in Rom.
6. Ich könnte erzählen von den Pontinischen Sümpfen Und von den italienischen Freudennymphen Und vom feuerspeienden Vesuv, Alle drei im ungesunden und schmutzigen Ruf.
7. Ich könnte erzählen von Redouten und Maskeraden, Wozu man ihn zum öftern eingeladen, Und von Gondelfahrten und vom Carneval Und manchem prächtigen Concert und Ball.
8. Ich könnte erzählen von großen Bibliotheken, Von gelehrten Denkmälern und alten Schartäken, Welche er im Lande Italia Oder sonstwo mir nichts dir nichts besah.
9. Ich könnte erzählen, wie er nach anderthalb Jahren Erst nach Frankreich, dann nach England gefahren, Und wie er nach manchem begafften Ding So klug als vorher wieder nach Hause ging.
10. Ich würde noch viel mehr erzählen können; Allein ich muß es offenherzig bekennen, Daß ich während seiner ganzen Reis' Von dem jungen Herrn nichts weiter weiß,
11. Als daß er fleißig an seine Stehre geschrieben, Ihr auch abwesend immer getreu verblieben, Und daß in langer Zeit kein andrer Mensch Etwas erfuhr von dieser Correspondensch.
Dreiundzwanzigstes Kapitel.
Wie die Correspondenz der beiden Liebenden an den Tag kommt, und wie Jürgen zur Verantwortung gezogen wurde und Esther nach Rudelsburg verschickt wurde.
1. Jedoch fiele einmal von ohngefähre Ein Brief des Barons an seine liebe Stehre Dem alten Herren in seine Hand, Und da wurde die Correspondenz bekannt.
2. Er mußte drin mit großem Verdrusse lesen, Daß alles noch war, wie es vormals gewesen, Und daß der Briefwechsel, je länger je mehr, Die Liebe des einen zur andern nähr'.
3. Der Veteran Jürgen mußte sein Vergehen Vorab bereuen und umständlich gestehen, Und kam zum Liebesbotenlohn Mit achttägigem Arreste davon.
4. Um aber den fernern Briefwechsel bei Stehren Für die Zukunft völlig abzuwehren, Beschloß man, dieselbe heimlich allsofort Zu verschicken an einen andern Ort.
5. Zwölf Meilen von Ohnwitz lag ein kleines Gütchen, nahe am Ufer diesseit des Rheines, Wo, mit dem Ohnwitzer Hause verwandt, Frau von Rudelsburg sich seßhaft befand.
6. Dahin ward dann Esther recommandiret (Ihr Herr Bruder selbst hat sie escortiret) Als eine Jungfer Gesellschafterin, Und Esther ergab sich geduldig drin.
7. Ob alle Fehde sich hiemit geendet, Oder das Blatt sich etwa anders gewendet, Und was sonst Wichtiges noch geschehn, Das alles wird man in der Folge sehn.
Vierundzwanzigstes Kapitel.
Wie die Revolution der Neufranken einen Einfluß hat auf das Schicksal des Herrn Jobs und der adeligen Herrschaft zu Ohnwitz, und wie sie emigriren müssen.
1. Nichts ist wunderlicher als das menschliche Glücke, Es verändert sich oft in einem Augenblicke, Es ist, nach dem Sprüchwort, kugelrund, Und bald oben, bald unten, bald weiß, bald bunt.
2. Das haben besonders seit ein halb Dutzend Jahren Viele große Herren hier und da erfahren, Könige, Prinzen, Grafen und Dücs Fühlten bekanntlich den Wechsel des Glücks.
3. Es erniedrigt und stürzt bald jenen, bald diesen, Macht Sprachmeister aus ehmaligen Marquisen Und aus Comten, Chevaliers und Messieurs Tanzmeister, Friseurs und Serviteurs.
4. Es necket Großmeister, Dogen und Hohepriester, Favoritinnen und fromme Staatsminister, Und es ist ihm durchaus einerlei, Weß Standes oder Würden jemand sei.
5. Ja wahrlich, man muß billig erstaunen Ueber der Frau Fortunens Wechsellaunen; Wir machen indessen nur hievon Auf Herrn Pfarrer Jobs Application.
6. Daß dieser ein wahrer Glücksball gewesen, Haben wir im ersten und zweiten Theile gelesen, Und dasselbe ist nun abermal Im jetzigen dritten Theile der Fall.
7. Nämlich es war damals die Epoche der Ohnehosen, Und in Deutschland hausete ein Heer von Franzosen; Auch predigte man zu derselbigen Zeit Ueberall von Freiheit und Gleichheit.
8. Auch in Ohnwitz schien unter einigen Leuten Sich der Sansculottismus hier und da zu verbreiten, Und Herr von Ohnwitz fürchtete für sein Theil Daraus endlich ein großes Unheil;
9. Hat drum dem Herrn Pfarrer Jobs aufgetragen, Auf der Kanzel einmal der Gemeinde zu sagen, Sie sollten sehn den biblischen Spruch an: Ein jeder sei der Obrigkeit unterthan.
10. Dieser hat dann auch dergestalten Bald drauf eine scharfe Predigt gehalten, Welche, als einzig stark in ihrer Art, Gleich auch im Drucke gegeben ward.
11. Nicht allein in der Ohnwitzer Gemeine, Sondern auch in der ganzen Gegend am Rheine Wurde dieselbe verbreitet im Land, Folglich auch den Herren Franken bekannt.
12. Sie haben sich dieses ^ad notam^ genommen, Und als sie ^ex post^ nach Ohnwitz gekommen, So hieß es: »^Le diable emportera Le curé d'Ohnwitz, ce coquin là!^«
13. Kaum konnte er in diesen dringenden Nöthen Sich eilig genug aus dem Dorfe retten Und brachte nichts auf der Flucht davon Als mit genauer Noth seine eigne Person.
14. Hätte man ihn damals selbst gefangen, Er wäre guillotinirt oder aufgehangen, Doch vorläufig plünderte man das Pfarrhaus Von oben bis unten rein und gar aus.
15. Auch Herr von Ohnwitz war damals in Großer Gefahr mit seiner Gemahlin, Denn auch ihm wenigstens hätte man Vielleicht am Halse was angethan.
16. Aber seine Unterthanen wagten Leib und Leben, Für ihre gute liebe Herrschaft hinzugeben, Und retteten sie mit Gewalt für diesmal; Denn der Franken war keine große Zahl.
17. Indessen war keine Zeit zu verlieren, Herr und Frau mußten schleunig emigriren, Und höchstens ein paar hundert Gulden baar War alles, was noch mitzunehmen war.
18. Die Franken sind bald stärker wiedergekommen, Haben die Ohnwitzer erschrecklich mitgenommen, Und auf dem Schlosse ward unversäumt Alles, was vorräthig war, ausgeräumt.
19. Auch wurde ein Freiheitsbaum aufgepflanzet Und lustig ein' Runde darum her getanzet, Und jeder im Dorfe nahm alsdann Theils gern, theils ungerne theil daran.
20. Auch alle übrige Güter und Schlösser Des Herrn von Ohnwitz hatten's nicht besser, Man machte es überall, in groß und klein, Wo er was besaße, besemrein.
Fünfundzwanzigstes Kapitel.
Wie Herr Jobs ärmlich herumwandert, und wie er endlich im Dorfe Schönhain ankommt.
1. Weil Herr von Ohnwitz sich im neutralen Lande Mit seiner Gemahlin bald sicher befande Und nun auch, wie gesagt, mit einem paar Hundert Gulden baar noch versehen war:
2. So wollen wir diesmal von ihm abbrechen Und nur vorerst vom Herrn Pfarrer Jobs sprechen, Denn dieser war bei seiner Flucht durchaus So blutarm wie eine Kirchenmaus.
3. Er setzte tagtäglich seinen Wanderstab weiter, Blieb aber dabei immer ruhig und heiter, Schlief sanft und tröstete damit sich: Der Himmel läßt die Seinen nicht im Stich.
4. Erst besuchte er auf der Reise hin und wieder Die Herren Geistlichen als seine Amtsbrüder, Aber fast alle schickten ihn ohne Geld und Kost fort, Blos mit einem geistlichen Trostwort.
5. Drum suchte er hernächst die Priester und Leviten Auf seiner Wanderung möglichst zu verhüten, Denn er traf durchgehends beim Samaritan Größers Mitleid und mehr Theilnahme an.
6. Auch fand er in kleinen ländlichen Hütten, Ohne lange drum zu betteln und zu bitten, Ein freundlicher Gesicht und besser Quartier Als beim reichen Bürger oder Cavalier.
7. Zwar versäumte er nicht, in Schlössern und Städten Bei Vornehmen anfänglich einzutreten, Und bote seine Dienste als Kapellan Oder etwa als Informator an.
8. Aber er hat nirgend Aufnahme gefunden, Man hielt ihn vielmehr für 'nen Vagabunden, Fragte nach seinem Reisepaß, Und sagte ihm, ich weiß nicht alles was.
9. Am sechzehnten Tage der Jobsischen Hegire Kam er Nachmittags zwischen drei und viere Bei einem an der Thür sitzenden alten Mann Hungrig und durstig in 'nem Dorfe an.
10. Der hat ihn sehr treuherzig invitired, Ihn zu seiner Gattin ins Häuslein geführet, Und diese machte freundlich alsbald Zu seiner Erquickung einige Anstalt.
11. Er bekam Milchsuppe, Brod und gekochte Eier, Erzählte mittlerweile seine Abenteuer, Und sowol der Mann als seine Frau Horchten drauf, was er erzählte, genau.
12. Beide waren schon grau von Haaren, Hatten selbst manches Ungemach erfahren Und lebten höchst einförmig und knapp Von dem, was ihre kleine Hufe gab.
13. Doch baten sie ihren Gast, sich zu bequemen, Auch das Nachtquartier bei ihnen zu nehmen, Und daß eine sammetweiche Moosstreu Ihm in ihrer Hütte schon zu Dienste sei.
14. Dies hat er ihnen dann auch zugesaget, Weil ihm ihr Betragen außerordentlich behaget; Ja, es kam ihm natürlich vor, es sei dies Ein Paar, wie weilend Philemon und Baucis.
15. Der fromme Greis mit seinem guten Weibe Erzählten ihrem Gaste zum Zeitvertreibe Manches aus alter und neuerer Zeit, Auch sprach man von des Dorfes Gelegenheit.
16. Besonders vom Schloß Schönhain, das man in der Nähe Zwischen dem Lindengebüsch auf'm Hügel dort sähe, Und daß allda der vorige Schössermann Den Bauern viel Herzeleid angethan.
17. Aber der jetzige Herr Amtsschösser Sei kein solcher Schinder noch Bauernfresser; Sondern, grade als wenn man Seinesgleichen sei, Könne jeder Bauer mit ihm sprechen frei.
18. Als Herr Jobs nach dem Gutsbesitzer gefraget, Haben die alten Leutchen ihm zur Antwort gesaget, Eine Dame von gar vortrefflichem Sinn Seie davon die Besitzerin.
19. Sie erzählten zu ihrem Ruhme und Lobe Manche preiswürdige schöne Probe, Versicherten ihm dabei zugleich, Man halte sie für unermeßlich reich.
20. Aber leider sei sie schon lange kränklich Und ihr Zustand werde täglich mehr bedenklich, Und schon habe man ein Vorgeschäft gesehn, Daß sie bald würde von hinnen gehn.
21. Herr Jobs spürte die herzlichste Theilnahme An dem Schicksale dieser so würdigen Dame Und nahm sich alsbald fest für, Morgen einen Besuch zu machen bei ihr.
22. Er vermied zwar gern große Häuser und Schlösser, Trauete auch keinem herrschaftlichen Schösser; Aber man hat doch nie eine Regulam, Oder sie leidet wol eine Ausnahm'.
23. Unter solchen und dergleichen Gesprächen Sah man endlich die Nacht hereinbrechen, Und Hieronimus ruhte auf der Streu von Moos So sanft, als läg' er in Abrahams Schooß.
24. Als er Morgens etwas späte erwachet, Hat er sich aus dem Moose aufgemachet, Ergriff seinen knotigen Wanderstab, Drückte dem Wirth dankbar die Hand und reisete ab.
25. Er wandte sich zum Schlosse zwischen den Linden, Um sich wegen der Dame näher zu erkünden; Denn es ware, als zöge ihn Ein unwiderstehlicher Trieb dahin.
Sechsundzwanzigstes Kapitel.