Part 7
[Fußnote 148: ([32] auf S. 63.45) Der Ausdr. _Schmelzkitt_ gehört zu dem Stamme _schmelz-_ des Zeitworts _schmelza_ = »austreten (schwer)«, d. h. cacare. Eine ähnl. _Zus._ damit ist auch _Schmelznolle_ = Nachthafen. _Ableitungen_ davon sind: die Subst. _Schmelzer_ = After, Hinterer u. _Schmelzede_ = »Abweichung« (d. h. Diarrhöe). _Nicht_ zu _Schmelzer_ im _obigen_ Sinne zu stellen, sondern unmittelbar von dem Zeitw. _schmelzen_ abzuleiten ist die _Zus._ _Buxenschmelzer_ = Feigling, die wörtlich dem gleichbed. südd. »Hosenscheißer« (vgl. dazu _Groß'_ Archiv, Bd. 56, S. 183) entspricht. _Zu vergl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 37 (_schmelzen_ = Notdurft verrichten); _Pfulld. J.-W.-B._ 337 (_Schmelzkitle_ od. _Schmelzköhrle_ = Abtritt); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 66, 68, 74 _schmelzen_ = cacare, _Schmelzer_ = Podex, _Schmelzgusch_ = Abtritt [vgl. betr. _-gusch_, wohl zu franz. _coucher_: _Fischer_, _Schwäb. W.-B._ III, Sp. 936)); _Schwäb. Händlerspr._ 479, 480, 485 (hat ebenfalls _schmelzen_, _Schmelzer_ u. _Schmelzgusch_ [od. _-kanti_, in U. (213): _Schmelzkitt_, in _Pfedelb._ (208): _Schmelzkittle_] in gleichem Sinne). Die _Etymologie_ des Wortes ist zwar nicht ganz sicher, doch dürfte es kaum zu gewagt sein, darin nur eine Begriffsverengerung zu erblicken von unserem gemeinsprachl. _schmelzen_ = »flüssig werdend zergehen« od. vielmehr von dessen _transit._ Bedeutg. »schmelzen _machen_, in Fluß bringen«. S. Näh. bei _Weigand_, W.-B. II, Sp. 747. (bes. (für die Bedeutg. im _Jenischen_) zu beachten dort: altnord. _melta_ = »verdauen«); vgl. ferner bei _Grimm_, D. W.-B. IX, Sp. 1025 (unter »schmelzen«, Nr. IV): ndl. _smelten_ - »stercus liquidum egerere«.]
abpflücken, _abschurele_[144] [63.44]
abputzen, _abschurele_
abreißen, _abschurele_
abschaffen, _abschenegeln_[150]
[Fußnote 149: ([33] auf S. 63.46) S. (betr. _Schund_) das Näh. schon unter »abgerahmte Milch«.]
[Fußnote 150: ([34] auf S. 63.46) Richtiger dürfte die Bedeutg. wohl durch »sich abschaffen«, volkstüml. für »sich abarbeiten«, wiederzugeben sein, da _schenegeln_ = arbeiten ist; vgl. dazu als Gegensatz: _nobis schenegla_ = faulenzen (eigtl. »nichts arbeiten«). Das Zeitw. stammt her von dem Subst. _Schenagel_ = Arbeit (auch Beruf, Geschäft, Gewerbe). Weitere _Ableitungen_ davon sind: das Subst. _Schenegler_ = Arbeiter (Dienstbote, Dienstknecht, Gesinde, Knecht. Lohndiener), fem.: _Scheneglere_ = Magd u. das Adj. _scheneglich_ = fleißig. Mit den Hauptw. _Schenagel_ u. (bes.) _Schenegler_ sind mancherlei _Zus._ gebildet worden, so a) mit _Schenagel_: [Griechisch: a]) _am Anfang_: _Schenagelskitt_ = Arbeitshaus, _Schenagelsbich_, _-lobe_ od. _-kies_ = Lohn (eigtl. »Arbeitsgeld«); [Griechisch: b]) _am Ende_: _Griflingschenagel_ = Handarbeit, _Leileschenagel_ = Nachtarbeit; b) mit _Schenegler_ (_nur_ am Ende u. bes. für Gewerbe od. Berufe beliebt): _Stradeschenegler_ = Chausseearbeiter, Straßenarbeiter, _Rutschenegler_ = Eisenbahnarbeiter, _Glansertschenegler_ = Glaser, _Kittschenegler_ = Hausknecht (fem.: _-ere_ = Hausmagd), _Bichschenegler_ = Münzarbeiter, _Hitzlingschenegler_ = Ofensetzer, _Trabertschenegler_ = Pferdeknecht, _Jerusalemsfreundschenegler_ = Schäferknecht (zur Erklärg. s. d. Näh. unter »Hammel«). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 89 (_schinnageln_ = arbeiten); _Schöll_ 271 (_schönegle_); _Pfulld. J.-W.-B._ 337-348 (_schinepeln_ [sic] u. _Schineplerei_ = Arbeit, aber [richtig] _Schinegglerei_ = Handwerk; vgl. auch _Schiankterei_ = Kanzlei; für: »_Manobisch, schinegeln_« = »Faulenzer« [339] ist wohl zu lesen: »_[ma] nobisch schinegeln_« = »faulenzen«; vgl. noch _Schineller[in]_ = [Bauern] Knecht [bzw. -Magd], _Fuchsschineller_ = Goldarbeiter); _Schwäb. Gaun. u. -Kundenspr._ 66, 67 (_schenägeln_, _Schenagel_ = Arbeit, _Schenagelswinde_ = Arbeitshaus); _Schwäb. Händlerspr._ 479 (_schenig[e]len_ oder [seltener] _schineg[e]len_ [in _Pfedelb._ (208): auch _schenegln_], _Schenachel_ = Arbeit, auch Handwerkszeug, vgl. dazu in _Degg._ [215]: _de[n] Schenagel reiße[n]_ = arbeiten; in U. [214]: _Schenal-penk_ u. _-mŏs_ = Knecht u. Magd). Vgl. auch noch _Pleißlen der Killertaler_ 416 (_schenēge[n]_), _Pfälz. Händlerspr._ 438 (_Schineggel_ = Arbeit, _schenigle_ = arbeiten) u. _Metzer Jenisch_ 216 (_schinnegle_ = arbeiten). Zur _Etymologie_ (vom rotw. _Schinagole_ = Schubkarren, Zus. vom _Schin_ = hebr. _schîn_, dem Anfangsbuchstaben des Wortes »Schub« und _Agole_ = »Karren, Wagen«, vom gleichbed. hebr. _agl[h]_, jüd. _agôlô_) s. das Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 46, S. 304 ff. vbd. mit Bd. 38, S. 22 (unter »Aglon«) u. 283 (unter »Schien«); vgl. auch _Weber-Günther_, S. 164 (unter »schenägeln«).]
abschießen, _abschnellen_[151] [63.97]
abschirren, _abschurele_[152]
abschließen, _beschrenken_ (abgeschlossen, _b'schrenkt_)[153]
[Fußnote 151: ([1] auf S. 63.97) Mit _schnellen_ = schießen (auch knallen) sind noch zusammengesetzt: _herab-_ und _niederschnellen_, ferner — als Substantivierung — _Fläderlingschnellen_ = (das) Vogelschießen. _Ableitungen_: _Schnelle_ oder _Schneller_ = Büchse, Flinte, Gewehr (Schießgewehr), Pistole (dazu _Schnellepflanzer_ = Büchsenmacher). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 99, 101 (_schnellen_ = schießen, _geschnellt_ = geschossen, _verschnellen_ = verschießen); _W.-B. des Konst. Hans_ 255 (_g'schnellt_ = geschossen); _Pfulld. J.-W.-B._ 344 (_schnellen_ = schießen, als Subst. _Schnellen_ = Schuß); _Schwäb. Händlerspr._ 485 (_schnellen_, in _Lütz._ [214]: _Schneller_ = Gewehr). Zur _Etymologie_ des (schon seit dem 17. Jahrh. im Rotw. auftretenden) Wortes s. A.-L. 602 vbd. mit _Grimm_, D. W.-B. IX, Sp. 1296 unter »schnellen«, Nr. I, 1, bes. lit. [Griechisch: d] sowie _Weigand_, W.-B. II, Sp. 764, wonach _schnellen_, mhd. _snellen_ (Ableitg. vom Adj. _schnell_) = »durch starken Widerdruck in hohem Grade sich fortbewegen machen« besonders von Bogen und Pfeilen, dann auch von Kugeln gebräuchl. gewesen; vgl. auch _Schneller_ u. a. = »die Vorrichtung zum Abdrücken am Schießgewehr« (1691 bei _Stieler_).]
[Fußnote 152: ([2] auf S. 63.97) S. abbiegen.]
[Fußnote 153: ([3] auf S. 63.97) _Beschrenken_ bedeutet auch schließen (oder sperren) schlechthin sowie ver- od. zuschließen (daher _b'schrenkt_ auch = verschlossen); dazu die _Zus._ _anb'schrenke_ = anschließen und die _Ableitg._ _Beschrenker_ = Schließer. Dagegen setzt _zuschrenken_ = zuschließen ein einfaches _schrenken_ = schließen voraus, das aber im Vokab. fehlt. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Schöll_ 272 (_aufschrenken_ = aufmachen); _Pfulld. J.-W.-B._ 339, 344 (_schränken_ = schließen, einschließen, _aufschränken_ = eröffnen); _Schwäb. Gaun.- und Kundenspr._ 73 (_Schränker_ = Hausdieb); _Schwäb. Händlerspr._ (in _Lütz._ [215]: _schränke[n]_ = schließen, _Schrenke_ = Tür, in U. [214]: _abschränke[n]_ = verschließen). Zur _Etymologie_ des zweifellos rein deutschen (mit »Schrank« und »Schranke« verwandten) Wortes _schränken_ usw., das schon im Rotw. des 17. Jahrh. bekannt gewesen, s. d. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 73, 74 (unter »Schränker«).]
abschreiben, _abfeberen_[154] [63.98]
absingen, _abschallen_[155]
absondern, _abschurele_[152]
abspringen, _abbosten_[156]
absterben, _abbegeren_[157]
[Fußnote 154: ([4] auf S. 63.98) Das Zeitwort _febere(n)_ (-ra) = schreiben oder beschreiben (daher _gefebert_ = schriftlich) kommt noch vor in den _Zus._: _auf-_, _aus-_, _ein-_, _heraus-_, _nach-_, _nieder-_, _über-_, _unter-_ und _vorfebern_. Mit dem Stamm _feber-_ sind gebildet die Subst. _Feberschure_ = Bleistift (eigentl. »Schreibding«) und _Feberklettert_ = Schreibtisch. _Ableitungen_ sind: _Feberer_ = Schreiber (dazu _grandicher Feberer_ = Schriftgelehrter) und _Feberei_ = Schrift oder (das) Schreiben. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._) _Dolm. der Gaunerspr._ 98 (_febren_ und _Febrer_); _W.-B. des Konst. Hans_ 254, 257 (_febere_ und _Feberer_, _ausfeberen_ = ausschreiben); _Schöll_ 274 (_febern_ = schreiben [in der Bettlerspr.]); _Pfulld. J.-W.-B._ 337, 341, 344 (hier ebenfalls _febern_, _Feberer_ und _ausfebern_, ferner noch _Feberei_ = Schreibzeug); _Schwäb. Händlerspr._ 480, 486 (_f[^æ]beren_ oder _fêberen_ und _Pfeberei_ = Brief). Vgl. auch _Pfälz. Händlerspr._ 437 (_fêwere_ = schreiben). Zur _Etymologie_, die _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 996 als »unklar« bezeichnet, s. Hypothesen (betr. nordischen Ursprungs) in _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 64 ff. unter »Feberer«; vgl. dazu auch weiter unten über _Fehma_ (unter »Hand«).]
[Fußnote 155: ([5] auf S. 63.98) Mit _schallen_ = singen sind noch zusammengesetzt: _nach-_ und _vorschallen_. _Ableitungen_: _Schaller_ = Sänger (fem.: _-erin_, _Zus._: _Schallerfläderling_ = Singvogel, insbes. Amsel, Kanarienvogel) und _Schallerei_ = Gesang. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 99 (_schallen_ = singen); desgl. _W.-B. des Konst. Hans_ 254 und _Pfulld. J.-W.-B._ 343 (hier [340, 342] auch: _Schallen_ = Gesang und _Schaller_ = Sänger); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 73, 74 (_schallen_, _Schaller_ = Sänger, _Schallerle_ = Organist, _Schallerkasten_ = Kirche); _Schwäb. Händlerspr._ 483, 486 (_schallen_, _Schaller_, _Duftschaller_ [d. h. »Kirchensänger«] = Lehrer). Zur _Etymologie_ (von unserm deutsch. Zeitw. _schallen_) sowie über weitere Belege s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 69-71; vgl. auch _Weber-Günther_, S. 180 u. 188.]
[Fußnote 156: ([6] auf S. 63.98) S. abgehen.]
[Fußnote 157: ([7] auf S. 63.98) _Begeren_ bedeutet: sterben, umkommen, auch spezieller ersticken. Dazu das Partiz. _begert_ = gestorben, verstorben (entleibt, entseelt, leblos, starr, tot) sowie die Negation _begert nobis_ (eigtl. »stirbt nicht«) = unsterblich und die Zus. _Begertflössling_ (d.h. »toter Fisch«) = Hering. Als Subst. gebraucht ist _Begert_ = Leiche. Die dafür sonst im Rotwelsch vorkommende Vokabel _Beger_ u. ähnl. (auch = Tod), das Stammwort für das Zeitw. _begern_ (vgl. unter »Etymologie«), ist für sich _allein_ in _Wittichs_ Vokabular _nicht_ angeführt, wohl aber sind _damit_ (od. vielleicht auch bloß mit dem Stamme _beger-_ des Zeitw. _begeren_) zahlreiche _Zusammensetzgn._ gebildet worden, so _Begersins_ = Arzt (Doktor), auch bes. Wundarzt (u. dazu die Verbdg. _schofler Begersins_ = Quacksalber), _Begerschure_ = Gottesacker (Kirchhof), auch Grab, Gruft, _Begerkies_ = Grabstein, Leichenstein, _Begerfläderling_ = Käuzchen, Steineule (vgl. dazu betr. die Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr. schon »Vorbemerkung«, S. 18 sowie unter »Käuzchen«), _Begerkitt_ = Krankenhaus (Siechenhaus, Spital) u. Leichenhaus (vgl. _grandiche B._ = Hospital, _Lanenger B._ = Lazarett, u. das Dim. _Begerkittle_ = Sarg [s. dazu schon oben S. 44, Anm. 147 unter »Abort«]), _Begergadscho_ od. _Begerkaffer_ = Leichenbeschauer, letzteres auch Totengräber, _Begersauft_ = Leichenbett (Sterbe-, Totenbett), _Begermoss_ = Leichenfrau, _Begerbikus_ = Leichenschmaus, _Begerbochdam_ = Leichentuch, _Begerkluft_ = Sterbekleid, _Begersore_ = Totenbahre, _Begerkritzler_ = Totenschein. _Ableitungen_ (von _begeren_) sind: das Subst. _Begerei_ = (das) Sterben, Krankheit, auch speziell Seuche, u. das Adj. _begerisch_ = sterblich, krank (gebrechlich, leidend, unpäßlich) u. speziell lahm (daher: _begerisch bosten_ = lahm gehen; vgl. ferner die Negat. _nobis begerisch_ = wohl [gesund], die Verbdg. _begerische Mufferei_ = Totengeruch u. die Zus. _Begerischsauft_ = Krankenbett). Auch als Subst. wird _Begerisch_ gebraucht = Siechtum oder spezieller: Epilepsie (Fallsucht), während _grandich Begerisch_ die Schwindsucht bedeutet. _Zu vergl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 95 (_begerisch_ = krank, vgl. auch 98: _begerisch gekeilt werden_ = hart geschlagen werden); _Schöll_ 271, 273 (_Beger_ = Tod, _begern_ = sterben); _Pfulld. J.-W.-B._ 341, 345 (_bäkeren_ = sterben, _bägeret_ = gestorben, _bäkeret_ = tot, _Bäkerei_ = Krankheit, _bäkerisch_ = krank, _Bäkerischkitt_ = Krankenhaus); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 67, 72, 76 (_begern_ = sterben od. krank sein [hierfür auch _bechern_], _abgebegert_ = gestorben, _Begerer_ = Arzt, _Begerwinde_ = Krankenhaus); _Schwäb. Händlerspr._ 486, 487 (_bêkeren_ = sterben [vgl. in _Pfedelb._ (213): _bägert_ u. _beechert_ = gestorben], _bêkerisch_ [in _Pfedelb._ (213): _beecherisch_] = sterbenskrank, todkrank, _Bêkerwinde_ = Spital). Zur _Etymologie_ (vom hebr. _peger_ = »Leichnam«) sowie über weitere Belege im Rotw. s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 69 u. Anm. 1 (unter »Begerschaberer«) vbd. mit Bd. 43, S. 29 (unter »Pöckerer«). Vgl. auch noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 576 vbd. mit Sp. 363/64 (unter »auf-bägere[n]«).]
Abt s. Priester, [63.99]
abtragen, _abbugle_[158]
Abtritt s. Abort
[Fußnote 158: ([8] auf S. 63.99) Mit _bugle_ (-la) od. _buk(e)le(n)_ (-la) = tragen, bringen, holen (Spr.) finden sich noch die _Zusammensetzungen_: _fortbugla_ = fortbringen, forttragen, _herausbukla_ = heraustragen, _mitbukle_ = mitbringen, _umher-_, _wegbukle_ = umhertragen, wegtragen sowie die Verbindung _schiebes bukle_ = davontragen. _Ableitungen_ sind: die Subst. _Bukler_ (in der Zus. _Kritzlerbukler_ = Briefträger, Postbote) u. _Buklete_ = Last, Traglast. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 100 (_buckeln_ = tragen); _Schöll_ 272 (_buklen_); _Pfulld. J.-W.-B._ 345 (ebenso); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 76 (_buckeln_); _Schwäb. Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [213] _bukeln_, in _Lütz._ [215] _buckle[n]_). Zur _Etymologie_ (vom deutsch. _Buckel_ od. _Puckel_) sowie über weitere rotw. Belege s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 209 u. Anm. 2. Vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1504 (mit weiteren Angaben).]
abwaschen, _abpfladeren_[159] [63.100]
abwerfen s. abfallen
Abweichung (Diarrhöe), _Fu(h)lete_[160], _Schmelzede_[160]
abwischen, _abschurele_[161]
abzahlen, _abpfreimen_[162], _abzaine_[163]
abziehen, _abschurele_[164]
Achsel, _Schure_[164]
Acker, _Schure_[164]
Adler, _grandicher Flederling_[165]
[Fußnote 159: ([9] auf S. 63.100) Mit _pfladere(n)_ (-ra) = waschen (auch: baden, ferner putzen, reinigen, säubern, wischen) sind noch zusammengesetzt: _auf-_ u. _auspfladere(n)_ (-ra) = auf- u. auswaschen (ausspülen). Mit dem Stamme _pflader-_ zusammenges. Hauptwörter sind _Pfladerschottel_ = Waschbecken, _Pfladersore_ = Wäsche, _Pfladermoss_ = Wäscherin, _Pfladerkitt_ = Waschhaus, _Pfladerflu(h)te_ = Waschwasser. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 89, 91, 101 (_Fladerei_ = Wäsche, _Fladerer_ = »Balbierer«, Doktor); _Pfulld. J.-W.-B._ 343, 346 (_fladeren_ = waschen, _Flader-Schury_ = Schermesser); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 77 (_flattern_ = waschen); _Schwäb. Händlerspr._ 488 (_pfladere_); vgl. auch _Pleißlen der Killertaler_ 435 (_fladere[n]_) u. _Metzer Jenisch_ 207 (_flādere_). Zur (nicht ganz sichern) _Etymologie_ sowie über weitere rotw. Belege s. _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 44, 45 u. Anm. 1, 2. — _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1537 gibt keine Erklärung.]
[Fußnote 160: ([10] auf S. 63.100) S. Abort.]
[Fußnote 161: ([11] auf S. 63.100) S. abbiegen.]
[Fußnote 162: ([12] auf S. 63.100) Mit _pfreimen_ (-ma) = bezahlen (zahlen), vergüten ist noch zusammenges. _auspfreimen_ = auszahlen; als Subst. gebraucht: _Pfreimen_ = Steuern. _Ableitung_: _Pfreimerei_ = Zahlung (Sold, Verdienst). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 337, 338, 346 (_pfräumen_ = auszahlen, bezahlen, zahlen); _Schwäb. Händlerspr._ 479, 488 (_pfreimen_ = bezahlen, zahlen). Zur _Etymologie_: Nach _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1078 ist _pfreimen_ wohl nur eine Nebenform von _bereimen_ (s. darüber das Näh. weiter unten unter »bezahlen«), wozu die (z. B. bei _Karmayer_ 17 vorkommende) Form _bepreimen_ (vgl. _Groß'_ Archiv, B. 33, S. 305, Anm. 3, lit. a) den Übergang zu vermitteln scheint.]
[Fußnote 163: ([13] auf S. 63.100) Mit _z¶a¶ine[n]_ (od. _z¶e¶ine[n]_) = bezahlen (zahlen) sind noch zus. _an-_ u. _auszeine[n]_ (-na). Als Subst. gebraucht ist _Zeine_ = Zahlung. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 259 (_zainen_ = zahlen); _Schwäb. Händlerspr._ in U. [214]: _zaine[n]_= bezahlen). Die _Etymologie_ ist unklar.]
[Fußnote 164: ([14] auf S. 63.100) S. abbiegen.]
[Fußnote 165: ([15] auf S. 63.100) _Grandicher Flederling_ heißt wörtlich »großer Vogel«, während _¶grandich¶ Flederling_ = Storch, eigentlich wohl durch »größter Vogel« (d. h. der in Deutschland bekannte größte Vogel) wiederzugeben sein dürfte mit Rücksicht auf das, was _Wittich_ an anderer Stelle (s. unter »Bischof«) über den Gebrauch von _grandich_ (im Gegensatz zu _grandicher_) als Superlativ im Jenischen ausgeführt hat (vgl. dazu auch schon »Vorbemerkung«, S. 17, Anm. 42 u. Näh. noch in m. Anm. zu »Bischof«). — Mit _Flederling_ (od. _Fläderling_) schlechthin werden auch einzelne Vogelarten bezeichnet, so die Elster, der Kuckuck, der Star und die Taube (vgl. dazu »Vorbemerkung«, S. 16). Aber auch manche _Zusammensetzungen_ mit dem Worte finden sich sowohl für bestimmte _Gattungen_ von Vögeln (s. _Schallerflederling_ = Singvogel, _Flu[h]teflederling_ = Wasservogel) als auch für einzelne _Arten_. So kommt _Schallerflederling_ auch spezieller für die Amsel und den Kanarienvogel und _Flu(h)teflederling_ für die Bachstelze (als e. Art Übersetzung) vor (neben der Bezeichng. _jenischer Flederling_, worüber das Näh. noch weiter unten bei »Bachstelze«); vgl. ferner: _Stämpfflederling_ (eigtl. »der schimpfende Vogel«) = Elster (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr.), _Leile-_ od. _Ratteflederling_ (d. h. »Nachtvogel«) = Eule (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeunerspr., vgl. auch oben S. 37, Anm. 127), _Begerflederling_ (d. h. »Totenvogel«) = Käuzchen, Steineule (vgl. dazu schon oben S. 98, Anm. 157), _Schmuserflederling_ (d. h. »der sprechende Vogel«) = Papagei (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeunerspr., vgl. auch schon »Vorbemerkung«, S. 18), _Dofeflederling_ (d. h. »der schöne Vogel«) = Pfau (s. d. betr. Analogie im Zigeun., vgl. auch »Vorbemerkung«, S. 18, Anm. 47), _Schofeleiflederling_ (d. h. »Unglücksvogel«) = Rabe (vgl. »Vorbemerkg.«, S. 19, Anm. 49) u. _Furschetflederling_ (d. h. »Gabelvogel«) = Schwalbe (nach deren gabelförmigem Schwanze; s. betr. die Übereinstimmg. mit d. Zigeun. unter »Schwalbe«). Beachtenswert ist, daß _Flederling_ in gewiss. Zus. auch für _andere_ Tiere (Insekten) vorkommt, so in _Kupferflederling_ = Heuschrecke und _Schundflederling_ = Mistkäfer. Seltener sind endlich Zus., in denen das Wort _vorangesetzt_ ist, so: _Flederlingskitt_ = Vogelbauer, _Fl.-bäzeme_ = Vogeleier, _Fl.-nolle_ = Vogelnapf u. _Fl.-schnellen_ = Vogelschießen. — _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 101 (_Fletterling_ = Vogel); _Schwäb. Händlerspr._ 488 (_Fläterling_ = Vogel [in _Pfedelb._ (213): _Flätterling_ auch spezieller = Taube, wozu noch bemerkt sei, daß gerade _diese engere_ Bedeutg. im alten Rotw. zuerst vorkommt; s. z. B. _Hildb. W.-B._ 1753ff (227) u. _Rotw. Gramm._ n. 1755 (18. u. D.-R. 47)]). Seiner _Etymologie_ nach gehört das Wort natürlich zu »_flattern_«; s. _Günther_, Rotwelsch, S. 60 vbd. mit _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1545 (unter »Flätterling«). —