Part 4
_früher_ _Bedeutung_ _heute dafür (meistens)_ abgeholcht[62] fortgegangen schiebes[63] Baiser Wirt Beizer[64] Bomm[65] die Schweiz heute unbekannt [63.26] Fehma[66] die Hände Grifleng[67] holchen[68] kommen bosten[69] Jamm[70] Tag Schei[71] mich kohlert[72] mich hungert mich bickert('s)[73] [63.27] Mahlbosch[74] Rock Malfes[74] malochen[75] fortgehen, gehen schiebes bosten[76] Mogumle[77] Stadt Steinhäufle[78] Mokem[77] Stadt Mochum (aber auch = Dorf)[77] Palar[79] Dorf G'fahr[80] Schofelkitt[81] Zuchthaus Dofes, Lek[82] [63.28] schornen[83] stehlen schoren[83] Schücksel[84] Mädchen Model[85] zopfen[86] stehlen schniffen[87]
[Fußnote 61: ([1] auf S. 63.25) Die Mehrzahl dieser veralteten Vokabeln ist _hebräischen_ Ursprungs (vgl. schon m. »Vorbemerkung«, S. 9). Während für _Bomm_ = Schweiz überhaupt kein (neueres) Ersatzwort angeführt ist, sind für die übrigen unmodern gewordenen Bezeichnungen teils Wörter eines _anderen Stammes_ eingetreten (so für _abgeholcht_, _holchen_, _Jamm_, _mich kohlert_, _malochen_, _Mogumle_, _Palar_), teils solche, die zwar auf den gleichen Stamm zurückgehen, aber in der _Form_ geringere oder größere Veränderungen aufweisen (so für _Baiser_, _Mahlbosch_, _schornen_). Als doch _nicht völlig_ veraltet erscheinen nach dem _Vokabular_ selbst: _Fehma_ = Hand und _Schofelkitt_ = Zuchthaus (vgl. dazu auch das Vokabular unter »Arrest«); _zopfen_ ist zwar im Wörterbuch für »_stehlen_« nicht erwähnt, dagegen findet es sich unter »erwischen« sowie in der Zusammensetzung _herauszopfen_ = herausstehlen, u. zu vgl. ist ferner das von dem Zeitw. abgeleitete Subst. _Zopferei_ = Diebstahl. Auch _Schücksel_ für »Mädchen« fehlt im W.-B., aber unter »Hure« ist die Verbindg. _schofle Schüx_ (also unverkleinert) angeführt. Daß _Mochum_ (statt des älteren _Mokem_) noch jetzt sowohl »_Stadt_« wie »Dorf« bedeuten soll, ist aus dem Glossar nicht ersichtlich, da der Ausdruck dort (neben der Form _Mocham_) _nur_ unter »Dorf« — nicht auch unter »Stadt« — aufgeführt ist. Das vom Verf. im Manuskript ebenfalls als veraltet genannte _Rawine_ = Leiter habe ich hier gestrichen, da es in ganz derselben Form _und_ Bedeutung auch im W.-B. selber enthalten ist. — Über einige in das Verzeichnis von _Wittich_ selber _nicht_ mit aufgenommene veraltete oder in der Bedeutung veränderte Wörter hat er (unten S. 28) noch besondere Bemerkungen gegeben.]
[Fußnote 62: ([2] auf S. 63.26) Das Stammwort _holchen_ (= gehen) findet sich (in dem bes. _verwandten Quellenkreise_) schon im _Dolm. der Gaunerspr._ 92, ferner im _W.-B. des Konst. Hans_ 255 (= laufen, springen; vgl. 260: _abg'holcht_), bei _Schöll_ 271, 272 (= laufen, gehen) u. im _Pfulld. J.-W.-B._ 340, 342 (ebenso). Vgl. auch noch _Pfälz. Händlerspr._ 437 (_hulchen_ = springen). Zur _Etymologie_ des (schon bei G. _Edlibach_ um 1490 [20] in der Form _alcha_ bezeugten) Wortes (vom hebr. _hlak_) sowie über weitere Belege s. die Angaben in _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 213, Anm. 1 u. S. 227, Anm. 2; vgl. auch noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1762.]
[Fußnote 63: ([3] auf S. 63.26) S. Näh. im W.-B. unter »davongehen«.]
[Fußnote 64: ([4] auf S. 63.26) S. Näh. im W.-B. unter »Gasthaus«.]
[Fußnote 65: ([5] auf S. 63.26) Übereinstimmend schon: _Dolm. der Gaunerspr._ 99 u. _W.-B. des Konst. Hans_ 256; im _Pfulld. J.-W.-B._ 346: _Bum_ u. noch in der _schwäb. Gauner- u. Kundenspr._ 75: _Pumps_ (od. Pummerkessel). Zur _Etymologie_ (Abkürzung nach den Anfangsbuchstaben von _Bores-Medine_ u. ähnl. [d. h. »Land der Kühe«] aus hebr. _pr[h]_, jüd. _pôrô_ = »Kuh« und _medîn[h]_ = »Landschaft, Gerichtsbezirk, Provinz«) sowie über weitere Belege s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 30 (unter »Pumser«) u. Anm. 1.]
[Fußnote 66: ([6] auf S. 63.26) S. Näh. im W.-B unter »Hand«.]
[Fußnote 67: ([7] auf S. 63.26) S. im W.-B. unter »Daumen«.]
[Fußnote 68: ([8] auf S. 63.26) Vgl. oben Anm. 62.]
[Fußnote 69: ([9] auf S. 63.26) S. im W.-B. unter »abgehen«.]
[Fußnote 70: ([10] auf S. 63.26) Übereinstimmend schon: _Dolm. der Gaunerspr._ 100, _W.-B. des Konst. Hans_ 256, 257 u. _Schöll_ 271; vgl. _Pfulld. J.-W.-B._ 339 (_Jum_ [wie auch schon im _Basl. Gloss._ v. 1733 [202]). Dagegen hat auffälligerweise in der _schwäb. Gauner- u. Kundenspr._ 71 (in Übereinstimmung mit neueren Sammlungen der Gauner- u. Kundenspr. überhaupt [vgl. z. B. _Rabben_ 65 u. _Ostwald_ (Ku.) 71]) das Dimin. _Jämchen_ (od. Jem[m]chen) die Bedeutung »Jahr« (daher z. B. _ein Jemmchen abreißen_ = ein Jahr im Gefängnis zubringen [_Ostw._, a. a. O.]). Zur _Etymologie_ (vom hebr. _jôm_ = »Tag«) sowie über weitere Belege s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 249, lit. f (unter »Jomschmi[e]r[e]«); vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 71 (unter »Jam«), der jedoch über den Bedeutungswechsel bei _Jämchen_ keine Auskunft gibt. Möglicherweise handelt es sich hierbei um eine Verquickung von _Jamm_ = Tag mit _Jann_ = Jahr (s. z. B. _Pfister bei Christensen_ 1814 [322]) u. ä., das etymolog. gleichfalls unsicher (vgl. Näh. im W.-B. unter »alljährlich«), vielleicht aber als bloße Entstellung des Auslauts von »Jahr« anzusehen ist. Auf gleiche Weise könnte ev. auch _Jämchen_ selber entstanden sein.]
[Fußnote 71: ([11] auf S. 63.26) S. Näh. im W.-B. unter »alltäglich«.]
[Fußnote 72: ([12] auf S. 63.27) S. dazu schon _Dolm. der Gaunerspr._ 94 (_es kollert mich_ = es hungert mich); _W.-B. des Konst. Hans_ 258 (_es kohlert mi_); vgl. auch _Schöll_ 272 (_Koler_ = Hunger, _kolerig_ = hungrig); _Pfulld. J.-W.-B._ 337, 340 (_Kolter_ = Hunger; _kolderig_ = ausgehungert, _kolterik_ = hungrig). Zur _Etymologie_: Nach _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 574 (unter »koldere[n]«), vbd. mit Sp. 575 (unter »kolderig«) und Sp. 574 (unter »Kolder«) dürften die Vokabeln in Beziehung zu setzen sein zu griech.-lat. _cholera_ = »Galle«, wozu auch das nhd. »Koller« gehört (vgl. darüber _Weigand_, W.-B. I, Sp. 1095/96). Dagegen ist in _Kohldampf_ u. ä. = Hunger (vgl. _Schütze_, S. 75, 76), das auch der _schwäb. Gauner- u. Kundenspr._ (71) sowie der _pfälz._ u. _schwäb. Händlerspr._ (438, 482) geläufig ist, die erste Silbe doch wohl zu unserem nhd. Kohl zu stellen; s. _Fischer_, a. a. O., Sp. 574; vgl. auch _Weber-Günther_, S. 191.]
[Fußnote 73: ([13] auf S. 63.27) S. im W.-B. unter »Abendessen«.]
[Fußnote 74: ([14] auf S. 63.27) S. unter »Frauenrock«.]
[Fußnote 75: ([15] auf S. 63.27) Wahrscheinlich ist diese Bezeichnung nur aufzufassen als eine Kürzung von _schiebes malochen_ (vgl. _Groß'_ Archiv, Bd. 46, S. 291, Anm. 2), das z. B. schon im _W.-B. des Konst. Hans_ vorkommt (258: _Jetzt maloch i' schiabes_ = jetzt gehe ich fort). Zur _Etymologie_ von _malochen_ (aus dem hebr. _mel'k[h]_ = »Arbeit, Verrichtung«) s. _Groß'_ Archiv, B. 46, S. 289 ff.; vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1426.]
[Fußnote 76: ([16] auf S. 63.27) S. über _schiebes_: oben S. 26, Anm. 63, über _bosten_: oben S. 26, Anm. 69.]
[Fußnote 77: ([17] auf S. 63.27) S. unter »Dorf«.]
[Fußnote 78: ([18] auf S. 63.27) S. unter »Stadt«.]
[Fußnote 79: ([19] auf S. 63.27) Übereinstimmend hiermit hat schon das _W.-B. des Konst. Hans_ 256, 257 (in den »Schmusereyen«) _Palar_ u. _Balar_ = Dorf, während das eigentl. Vokabular (254) dafür nur _Ballar_ anführt, das auch der _Dolm. der Gaunerspr._ 91 hat; ganz ähnlich ferner _Schöll_ 272 u. das _Pfulld. J.-W.-B._ 339 (_Balar_) sowie andere Quellen des 19. Jahrb. (so z. B. v. _Grolman_ 5 u. T.-G. 90). Die _Etymologie_ bleibt (nach _Fischer_, _Schwäb_. W.-B. I, Sp. 581) »unklar«. Einen Zusammenhang mit dem für »Wald« vorkommenden kundensprachl. _Ballat_ (s. z. B. _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 77; vgl. auch _Groß'_ Archiv, Bd. 59, S. 264, 268 u. 281) oder _Ballert_ (s. dazu Archiv, Bd. 50, S. 360, Anm. 1) anzunehmen, erscheint wohl zu gewagt.]
[Fußnote 80: ([20] auf S. 63.27) S. Näh. unter »Bauerndorf«.]
Die ältere Zusammensetzung _Gefinkelterjohle_ = Branntwein[88] ist heute in zwei Wörter getrennt worden: _Gefinkelter_ und _Johle_, indem man unter ersterem den Branntwein, unter letzterem den Wein versteht[89]. _Grandscharrle_ (= »Hatschier«) wurde früher (bei den jenischen Leuten) eine Art Landjäger (Gendarm) genannt[90]. Sowohl »Hatschier« wie das jenische _Grandscharrle_ sind jetzt nicht mehr gebräuchlich, aber ohne Zweifel stammt von letzterem das heutige kürzere jenische _Scharrle_ für »Schultheiß« (Bürgermeister) her[90]. _Kochem_, früher so viel wie der Gauner, Dieb, bedeutet jetzt nur »schlau, gescheit« (z. B. _kochemer Kaffer_ = ein gescheiter, kein dummer Mann, _sei kochem_ = sei gescheit usw.)[91]. _Zwiss_ = zwei war früher das einzige Zahlwort in unserem Jenisch[92], heute ist überhaupt keines mehr bekannt. Über das jetzt gleichfalls veraltete _tschi_ = ja s. das Nähere noch unten S. 31, Anm. 118.
[Fußnote 81: ([21] auf S. 63.28) S. Näh. unter »Abort«, »arg« und »Arrest«.]
[Fußnote 82: ([22] auf S. 63.28) S. im W.-B. »Arrest«, vgl. auch »Gefängnis« und »Zuchthaus«; unter letzterem Wort ist jedoch _Dofes_ nicht angeführt.]
[Fußnote 83: ([23] auf S. 63.28) S. unter »ausstehlen«.]
[Fußnote 84: ([24] auf S. 63.28) S. Näh. unter »Hure«.]
[Fußnote 85: ([25] auf S. 63.28) S. unter »Beischläferin«.]
[Fußnote 86: ([26] auf S. 63.28) S. unter »Diebstahl«.]
[Fußnote 87: ([27] auf S. 63.28) S. unter »anfassen«.]
[Fußnote 88: ([28] auf S. 63.28) S. Näh. im W.-B. unter diesem Worte.]
[Fußnote 89: ([29] auf S. 63.28) S. Näh. im W.-B. unter »Branntwein« und »Apfelwein«. Die Trennung der beiden Wörter hat übrigens schon das _Pfulld. J.-W.-B._ (338 u. 346).]
[Fußnote 90: ([30] auf S. 63.28) S. Näh. unter »Bürgermeister«.]
[Fußnote 91: ([31] auf S. 63.28) Mit dieser Bedeutungserweiterung ist das Jenische wieder zu dem Begriffe des _hebr._ Stammwortes zurückgekehrt; s. schon oben »Vorbemerkung«, S. 5, Anm. 8; vgl. auch das W.-B. unter »besonnen«.]
[Fußnote 92: ([32] auf S. 63.28) _Zwis_ = zwei haben schon der _Dolm. der Gaunerspr._ 102, das _W.-B. des Konst. Hans_ 256, 257 u. das _Pfulld. J.-W.-B._ 346 (hier [346] auch als Subst. = Paar), ja bereits der _Niedd. Lib. Vagat_ (78) kennt die Form _swis_. Vgl. dazu _Kluge_, Unser Deutsch (2. Aufl. 1910), S. 84; dort auch über das (ebenfalls in dem _schwäb._ Quellenkreise bekannte) Zahlwort _tribis_ oder _dribis_ = drei.]
IV. Verzeichnis der jenischen Wörter, die aus der Zigeunersprache [63.29] stammen.[93]
_jenisch_ _Bedeutung_ _zigeunerisch_[94] Babing Gans Babi[95] Balo Schwein Bali[96] Bellel Kropf Bälel[95] Bet Mark (Geldstück) Beti[95] bleisgeren bezahlen bleisern[97] Bochdam Leinwand, Tuch Pochtann[98] Bogeia Fischbein Gogeia (d. h. Knochen, Bein)[95] Bog(g)elo Hunger Bock, Bockelo[99] butsche fragen putsche[100] Dibolde Juden Bipolte[95] Dober Axt Tower[95] Doberle Beil zu Tower[101] Feneter Fenster Fenetra[95] Fu(h)l Kot (menschl.od. Ful[102] tierische Exkremente) Furschet Gabel Forschreta[95] [63.30] Gachne Huhn Kachni[103] Garo, Gari penis Gar[104] Gasche Menschen, Leute Gatsche[105] Gaschele Kinder (eigtl. zu Gatschen[105] »kleine Leute«) Gib Frucht, Getreide Gib[95] Girall Käse Girall[95] Glitschin Schlüssel Gliten[106] Jak Licht Jag (= Feuer)[95] kahla essen chala[107] Katschete Branntwein Chatscherti[95] Kopel Hose Cholep[108] Kuiete bes. Viehpulver, aber Chuerti[109] auch Pulver überhaupt, z. B. Schießpulver Lobe Geld Lowe[110] Loli, Lolo Gendarm vgl. lolo (d. h. rot)[95] Lomel Messerklinge Lommla[111] Lubne Dirne (= Hure) Lubni[112] manga betteln manga[95] Maro Brot Maro[95] Mass Fleisch Mass[113] Matrele Kartoffeln Maträli[114] Matsche Fisch Matscho[95] naschen fliehen, gehen nascha[95] Rat Blut Ratt[95] Ratte Nacht Rati[115] Romane Frau Romni[95] schoren stehlen vgl. Tschoraben, d. h. das Stehlen[116] Sende (die) Zigeuner Sinte (sing. Sinto)[95] Tschai Mädchen Tschai (Tochter, Mädchen)[95] tschanen fliehen, gehen (auch tschantamenge[95] [63.31] kommen) Tschuggel Hund Tschukel[95] Tschure Messer Tschuri[95]
[Fußnote 93: ([1] auf S. 63.29) Zu diesem Verzeichnis sei bemerkt, daß ich es nach dem »deutsch-jenischen Wörterbuche« (sowie nach einzelnen Stellen von _Wittichs_ »Einleitung«) noch vervollständigt habe (es fehlten in ihm ursprünglich die Wörter _Bellel_, _Gib_, _Loli_ [Lolo], _Maro_, _Rat_, _schornen_ und _Tschai_); _nicht_ darin aufgenommen sind dagegen die _bloßen Ableitungen_ _bogelich_ = gierig, _lubnen_ = huren, _matschen_ = fischen u. _Matscher_ = Fischer (s. oben S. 9) sowie solche Vokabeln, bei denen nur _vermutungs_weise auch zigeunerischer Ursprung angenommen werden könnte (wie z. B. bei _Ki[e]bes_ = Kopf [s. Näh. unter »Angesicht«), _Kritsch_ = Bürgermeister [s. d.] u. _Toberich_ = Tabak, auch Pfeife [s. d.]). Zu _Feneter_ u. _Furschot_ ist zu sagen, daß sie zwar ins Jenische durch Vermittlung der Zigeunersprache eingedrungen sein mögen (s. Näh. im W.-B. unter »Fenster« u. »Gabel«), eigentlich aber natürlich, aus dem _Französischen_ herstammen, von dem sie ev. auch direkt entlehnt sein könnten (vgl. »Vorbemerkung«, S. 10, Anm. 26). _Lomel_ = Messerklinge kann wahrscheinl. unmittelbar auf ein deutsches Lehnwort (aus dem Latein.) zurückgeführt werden (s. Näh. im W.-B. unter »Klinge«). — Über den auffälligen Wechsel der Konsonanten im Anfang der Wörter _Bogeia_ u. _Dibolde_ (statt zigeun.: _Gogeia_ u. _Bipolte_) s. d. Näh. im W.-B. unter den deutschen Bedeutungen.]
[Fußnote 94: ([2] auf S. 63.29) Da _Wittich_ die Zigeunerwörter durchweg in der Form angeführt hat, die sie in dem von ihm gesammelten, durch _Jühling_ in _Groß'_ Archiv, Bd. 32, S. 219 ff. herausgegebenen »alphabet. Wörterverzeichnis der Zigeunersprache« (vgl. »Vorbemkg.« S. 2, Anm. 2) zeigen, habe ich die Ergänzungen (s. oben Anm. 93) ebenfalls _danach_ angeführt.]
[Fußnote 95: ([3] auf S. 63.29) S. das deutsch-jenische W.-B. unter der deutsch. Bedeutg.]
[Fußnote 96: ([4] auf S. 63.29) S. das W.-B. unter »Eber«.]
[Fußnote 97: ([5] auf S. 63.30) S. das W.-B. unter »anzahlen«.]
[Fußnote 98: ([6] auf S. 63.30) S. unter »Barchent«.]
[Fußnote 99: ([7] auf S. 63.30) S. »Appetit«.]
[Fußnote 100: ([8] auf S. 63.30) S. »anfragen«.]
[Fußnote 101: ([9] auf S. 63.30) S. »Axt«.]
[Fußnote 102: ([10] auf S. 63.30) S. »Abort«.]
[Fußnote 103: ([11] auf S. 63.30) S. »Hahn«.]
[Fußnote 104: ([12] auf S. 63.30) S. »Glied (männliches)«.]
[Fußnote 105: ([13] auf S. 63.30) S. »Kerl«.]
[Fußnote 106: ([14] auf S. 63.30) S. »Dietrich«.]
[Fußnote 107: ([15] auf S. 63.30) S. »Abendessen«.]
[Fußnote 108: ([16] auf S. 63.30) S. »Beinkleid«.]
[Fußnote 109: ([17] auf S. 63.30) S. »Mastpulver«.]
[Fußnote 110: ([18] auf S. 63.30) S. »Bank«.]
[Fußnote 111: ([19] auf S. 63.30) S. »Klinge«.]
[Fußnote 112: ([20] auf S. 63.30) S. »Beischläferin«.]
[Fußnote 113: ([21] auf S. 63.30) S. »Aas«.]
[Fußnote 114: ([22] auf S. 63.30) S. »Erdäpfel«.]
[Fußnote 115: ([23] auf S. 63.30) S. »Abend«.]
[Fußnote 116: ([24] auf S. 63.30) S. »ausstehlen«.]
_Besondere Bemerkungen (Wittichs) zu einzelnen dieser Vokabeln_: In der Zigeunersprache bedeutet _lolo_ rot, der Rote, im Jenischen wird mit _Loli_ oder _Lolo_ der Gendarm bezeichnet, wahrscheinlich nach den früheren roten Aufschlägen der Landjäger. _Gaschele_ = Kinder (d. h. eigentl. »kleine Leute«) im Jenischen ist abzuleiten vom zigeun. _Gatsche_, sing. _Gatscho_, der Nichtzigeuner, Mann, Bauer, im Gegensatze zum zigeun. _Rom_, der Mann überhaupt[117], und _Sinto_, der Zigeuner. _Tschai_ ist der jenische Ausdruck für jedes Mädchen (einerlei ob Stadtfräulein, Kellnerin oder Bauernmädchen) sowie auch für die Geliebte, während damit im Zigeunerischen nur ein Zigeunermädchen (Tochter) oder eine Zigeunerfrau (Gattin) niemals aber eine Nichtzigeunerin bezeichnet wird[118].
[Fußnote 117: ([1] auf S. 63.31) Über das fem. _Romane_ s. Näh. im W.-B. unter »Frau«.]
[Fußnote 118: ([2] auf S. 63.31) An einer anderen Stelle der »Einleitung« hatte der Verf. auch die heute in der »jenischen Sprache« veraltete Vokabel _tschi_ = ja (vgl. übereinstimmend u. a. schm. _Dolm. der Gaunerspr._ 94, _W.-B. des Konst. Hans_ 255, 256 [_t'schi_] u. _Pfulld. J.-W.-B._ 349) in Beziehung gesetzt zu dem zigeun. Ausdruck _tschi_ = nicht(s) (nein) (vgl. _Pott_ I, S. 274, 323; _Liebich_, S. 164, 225 [_tsi_, _tschi_ = nicht, nichts]; _Miklosich_, Beiträge l/II, S. 26 u. Denkschriften, Bd. 26, S. 189 [_či_ = nicht(s)]; _Finck_, S. 91 [_tši_ = nicht]), das auch in die _schwäbische Händlersprache_ eingedrungen ist (s. U. [214]: _tschi_ = nein). Danach würde es sich dann hierbei um einen — bes. merkwürdigen — Fall der sog. _Enantiosemie_, d. h. der Umkehrung der Bedeutung in das gerade Gegenteil (vgl. _Günther_, Rotwelsch, S. 20, 21, Anm. 14) handeln. Es dürfte jedoch _richtiger_ sein, mit _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 432 das italienische _si_ (dial. _ši_ [spr. schi]) = »ja« (das auch in deutsche Mundarten eingedrungen ist [vgl. _Lexer_, Kärnt. W.-B., Leipz. 1867, S. 216: _schi_ = ja]) als die Quelle zu vermuten.]
V. Deutsch-jenisches Wörterbuch.
A.
Aas, _mufiger Bossert_ oder _mufiger Mass_, d. h. stinkendes Fleisch[119]
[Fußnote 119: ([3] auf S. 63.31) a) Über die Analogie in der Zigeunerspr. (_mulo mass_, eigtl. »totes Fleisch« [s. _Liebich_, S. 147, 171]) vgl. schon »Vorbemerkung«, S. 18, Anm. 47. Das Adj. _mufig_ od. _muffich_ = stinkend gehört zu dem Zeitw. _muffen_ = riechen (»schmecken«), stinken; vgl. auch die Verbdgn. _dof muffen_ (eigtl. »gut riechen«) = duften u. _Toberich muffen_ (eigtl. »Tabak riechen«) = schnupfen (vgl. »Pfeife«). Eine _Zusammensetzg._ mit dem Stamme (_muff-_) des Zeitworts ist _Muffkenem_ = Wanze (eigtl. »Stinklaus«; vgl. über Analogie im Zig. »Vorbemerkg.«, S. 18, Anm. 47 u. Näh. unter »Wanze« bezw. »Filzlaus«). Als _Subst._ gebraucht ist _Muffen_ = Geruch. Weitere Ableitungen sind: _Muffer_ (eigtl. »Riecher«) = Nase (vgl. dazu _Mufferhorboge_, eigtl. »Nasenkuh« = Nashorn [s. d. betr. Übereinstimmung mit d. Zigeun.; vgl. auch schon »Vorbemerkg.« S. 18]) und _Mufferei_ = Gestank, Witterung (daher: _begerische Mufferei_ = Totengeruch; vgl. Näh. unter »absterben«). Ein Zeitw. _vermuf(f)en_ setzt voraus das Partizip _vermuft_, eigtl. = verfault, dann (im übertragenen Sinne) = arm (ärmlich, armselig), heruntergekommen, bankerott, auch als Subst. gebraucht für Armut, Bedrängnis, Konkurs. _Zu vgl. (aus dem bes. verwandten Quellenkreise)_: _Dolm. der Gaunerspr._ 96 (_Muffer_ = Nase); _Schöll_ 271, 272 (_muffen_ = riechen, _Muffer_ = Nase); _Pfulld. J.-W.-B._ 338, 340, 342, 343 (_muffen_ = riechen, _Muffer_ = Nase); _Schwäb. Händlerspr._ 479, 488 (_Muffer_ = Nase, _vermuft_ = bankerott, in _Pfedelb._ [210, 212] auch: _muffen_ = riechen und _Muffert_ = Mist, in _Lütz._ [215]: _muffen_ = riechen, _vermuffen_ = im Spiel verlieren u. _Muffnagel_ = Zigarre, in _Degg._ [215]: _Mufferling_ = = Schnupftabak). _Zur Etymologie_ (von dem deutsch., mundartl. weit verbreiteten Zeitw. _muffen_ = »übel, insbes. nach Moder oder Fäulnis riechen« bezw. d. Adj. _muffig_ od. _mufficht_) s. _Pott_ II, S. 18 u. A.-L. 576 vbd. mit _Grimm_, D. W.-B. VI, Sp. 2625 und Sp. 2623 (unter »Muff«, I, Nr. 3), _Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp. 1573 ff. u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1784; vgl. auch _Weigand_, W.-B. II, Sp. 326.