Part 25
Hühnerfuß, _Gachnetritt_, _Stenzel-_ od. _Stierertritt_[1133]
Hühnerhaus, _Gachnekitt_, _Stenzel-_ oder _Stiererkitt_[1134]
Hühnerhund, _Gachnekeiluf_, _Stenzel-_ od. _Stiererkib_[1135]
Hühnerstall, _Gachne-_ od. _Stiererstenkert_[1136]
Humpen, _Glansert_[1137], _Nolle_[1138]
humpeln s. lahm gehen
[Fußnote 1119: ([152] auf S. 64.311) S. Substantivierung des Adjektives _grandich_; vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 38.]
[Fußnote 1120: ([153] auf S. 64.311) S. Geistlicher.]
[Fußnote 1121: ([154] auf S. 64.311) S. Bischof.]
[Fußnote 1122: ([155] auf S. 64.311) S. abtragen.]
[Fußnote 1123: ([156] auf S. 64.311) S. anfassen.]
[Fußnote 1124: ([157] auf S. 64.311) S. Baumholz.]
[Fußnote 1125: ([158] auf S. 64.311) S. (betr. _Kaffer_) Bauer.]
[Fußnote 1126: ([159] auf S. 64.311) S. (betr. _Rande_) Bauch.]
[Fußnote 1127: ([160] auf S. 64.311) S. aufhören.]
[Fußnote 1128: ([161] auf S. 64.311) S. (zu beiden Ausdr.) Beinkleid.]
[Fußnote 1129: ([162] auf S. 64.311) S. Adler, absterben u. Abort.]
[Fußnote 1130: ([163] auf S. 64.311) S. Füllen und Ferse.]
[Fußnote 1131: ([164] auf S. 64.311) S. Hahn.]
[Fußnote 1132: ([165] auf S. 64.311) S. (zu beiden Ausdr.) Henne.]
[Fußnote 1133: ([166] auf S. 64.311) S. (betr. _Tritt_) Entenfuß.]
[Fußnote 1134: ([167] auf S. 64.311) S. (betr. _Kitt_) Abort.]
[Fußnote 1135: ([168] auf S. 64.311) S. (betr. _Keiluf_ u. _Kib_) Haushund.]
[Fußnote 1136: ([169] auf S. 64.311) S. (betr. _Stenkert_) Entenstall.]
[Fußnote 1137: ([170] auf S. 64.311) S. Bierglas.]
[Fußnote 1138: ([171] auf S. 64.311) S. Fleischhafen.]
Hund, _Keiluf_, _Kib_ (Dimin.: _Kible_ [Spr.])[1135], _Tschuggel_[1139] [64.312]
Hundefleisch, _Kibe(n)bossert_, _Tschuggelmass_[1140]
Hundestätte, _Keilufkitt_ od. _Kibekitt_[1134]
Hundemetzger, _Kibekafler_[1141]
Hundestall, _Keiluf-_ od. _Kibestenkert_[1136]
Hundezitzen, _Kibeschwächerle_[1142]
Hunger, _Bog(g)elo_, _Put(t)lack_, _Ruf_[1143]
hungern, mich hungert's, _mich bikert's_[1144]
hungrig, _bikerich_ (Spr.)[1144]
Hure, _Lubne_, _schofle Model_[1145], _schofle Schüx_[1146]
[Fußnote 1139: ([172] auf S. 64.312) Im Gegensatz zu dem Synon. _Keiluf_ u. bes. _Kib_, die mehrfach in _Zusammensetzgn._ erscheinen, tritt _Tschuggel_ bloß in der _Zus._ _Tschuggelmass_ = Hundefleisch auf. Unter den _verw. Quellen_ kennt schon der _Dolm. der Gaunerspr._ 94 die Vokabel in der Form _Schokel_ sowie noch jetzt die _schwäb. Händlerspr._ in _Lütz._ (214) in der Form _Tschŭglo_, weiter findet sie sich auch im sonst. neuern Rotw. (seit d. 19. Jahrh.) öfter (in verschied. Formen) angeführt (vgl. z. B. _Pfister_ 1812 [305, 307: _Schukel_ od. _Tschukel_]; _Christensen_ 1814 [323, 324: _Juckel_]; _v. Grolman_, 31, 64, 72 u. T.-G. 102 [hier alle drei Formen]; _Karmayer_ G.-D. 202, 218 u. 222 [im wes. ebenso] u. a. m.) Zur _Etymologie_ aus der Zigeunerspr. (vgl. »Einleitung«, S. 31) s. Näheres bei A.-L. 605 (unter »Schuckel«) und _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 432 (unter »Tschuckle«) [wo übrigens _auch_ das mhd. _zohe_ = Hündin herangezogen]) vbd. mit _Pott_ II, S. 213/14 (unter »Xukel«), _Liebich_, S. 166 u. 211 (_tschukklo_), _Miklosich_, Beitr. I/II, S. 13, III, S. 9, 22 u. Denkschriften, Bd. 26, S. 209 (unter »džukel«: bei d. deutsch. Zig.: _čukklo_), _Jühling_ (S. 207 (_Tschukäl_) u. _Finck_, S. 56 (_dšuklo_ od. _dšukel_). Das Wort ist (nach _Pott_ u. _Miklosich_, a. a. O.) bis aufs Altindische zu verfolgen.]
[Fußnote 1140: ([173] auf S. 64.312) S. (betr. _Bossert_ u. _Mass_) Aas.]
[Fußnote 1141: ([174] auf S. 64.312) S. Fleischer.]
[Fußnote 1142: ([175] auf S. 64.312) S. (betr. _Schwächerle_) Amme.]
[Fußnote 1143: ([176] auf S. 64.312) S. (zu allen drei Ausdr.) Appetit.]
[Fußnote 1144: ([177] auf S. 64.312) S. Abendessen.]
[Fußnote 1145: ([178] auf S. 64.312) S. (zu beiden Ausdr.) Beischläferin, vgl. arg.]
[Fußnote 1146: ([179] auf S. 64.312) _Schüx_, früher wohl auch _Schücksel_ (= Mädchen; vgl. »Einleitung«, S. 28) ist natürlich nur eine mundartl. gefärbte Nebenform zu den im Rotw. u. in der Kundenspr. sehr verbreiteten Ausdr. _Schix_, _Schi(c)kse_, _Schicksel_ usw. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 96 (_Schickse_ = Mädchen); _W.-B. des Konst. Hans_ 255 (_Schikse_ = ein Mägdlein); _Schöll_ 271 (_Schikse_ = Mädchen, Beischläferin); _Pfulld. J.-W.-B._ 342, 345 (_Schix_ = Mädchen, Tochter; vgl. [340]: _Fingelschize_ = Hexe); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 68, 77 (_Schix_ = Dirne, Weibsperson, dazu versch. _Zus._ wie z. B. _Dippelschix_ = Landfahrerin, _Gallachschixe_ = Pfarrköchin); _Schwäb. Händlerspr._ 483 (_Schix_ = Mädchen [in _Pfedelb._ (214): = Weibsbild, ebds. (209): _lacke Schix_ = Dirne, eigtl. »schlechtes Weibsbild« (vgl. betr. _lack_: Bd. 63, S. 119, Anm. 217 zu _Put[t]lak_)]); s. auch _Metzer Jenisch_ 216 (_Schicksi_ = Mädchen). Über weitere Belege im Rotw. usw. sowie die _Etymologie_ (aus dem Hebräischen) s. ausführl. _Groß'_ Archiv, Bd. 48, S. 341 ff.; vgl. auch »Anthropophyteia«, Bd. IX, S. 15 ff., _Weber-Günther_, S. 160/61 (unter »Schecks«) u. _Seiler_, Lehnwort IV, S. 493.]
huren, _lubnen_[1145], _schofle Falle pflanzen_[1147] [64.313]
Hurenkerl, _Lubnebenges_[1148], _schofler Fi(e)sel_[1149], — _Freier_[1150] od. — _Kaffer_[1151]
Hurenkind (uneheliches Kind), _Stratz_ (plur.: _Stratze_). Dieses Wort ist aber auch für Kind im _allgem._ gebräuchlich[1152]
hurtig, _g'want_[1153]
Husar, _Lanenger_ (d. h. eigtl. nur »Soldat«)[1154]
Hut, _Oberman(n)_[1155]
Hutmacher, _Oberman(n)pflanzer_[1156]
I.
Igel, _Stupfel_ od. _Stupfleng_ (plur.: _Stupfl¶i¶ng_)[1157]
[Fußnote 1147: ([180] auf S. 64.313) S. unter »böse Sachen machen«; vgl. auch anbrennen.]
[Fußnote 1148: ([181] auf S. 64.313) S. (betr. _Benges_) brauchbarer Bursche.]
[Fußnote 1149: ([182] auf S. 64.313) S. Bettelbube.]
[Fußnote 1150: ([183] auf S. 64.313) S. Fremder.]
[Fußnote 1151: ([184] auf S. 64.313) S. Bauer.]
[Fußnote 1152: ([185] auf S. 64.313) Die Vokabel findet sich (in der Form _Stratze_ als sing. für »Kind« schlechthin) auch in der _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 71, sonst aber m. Wiss. nicht in den Geheimsprachen. Die _Etymologie_ ist unsicher, falls man nicht annehmen will, daß es sich bloß um eine Nebenform oder Entstellung von _Schraze_ handelt, das — gleichfalls für »Kind« — sowohl im Rotw. überhaupt als auch speziell in dem _verw. Quellenkr._ vorkommt. Vgl. _Pfullend. J.-W.-B._ 341 (_Schraze_ = Kind [s. auch _Schrada_ = Knabe]); _Schwäb. Händlerspr._ 483 (_Schrtze_ = [kleinere] Kinder [in _Degg._ (215): auch als sing. = Kind], (_Schratzesknippler_ [in _Pfedelb._ 211): _Schrazeskneppler_], d. h. eigtl. »Kinderprügler«, = Lehrer [in _Pfedelb._: spez. Unterlehrer im Gegens. zu _Galmenguffer_, dem Oberlehrer (vgl. dazu schon oben unter »brauchbares Kind« u. »aufschlagen«)]). Über weitere rotw. Belege für _dieses_ Wort sowie seine (gleichfalls _nicht_ ganz sichere) _Etymologie_ s. d. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 140 u. Anm. 3; vgl. auch _Weber-Günther_, S. 168.]
[Fußnote 1153: ([186] auf S. 64.313) S. anmutig.]
[Fußnote 1154: ([187] auf S. 64.313) S. Hauptmann.]
[Fußnote 1155: ([188] auf S. 64.313) S. Fingerhut]
[Fußnote 1156: ([189] auf S. 64.313) S. (betr. _-pflanzer_) anbrennen.]
[Fußnote 1157: ([190] auf S. 64.313) S. dazu die _Zusammensetzgn._: _Stupfelbikus_ = Igelessen, _Stupfelmass_ od. _Stupflengbossert_ = Igelfleisch, _Stupfelkib_ = Igelhund (Spr.), _Stupfelkafler_ = Igelmetzger, _Stupfel-_ od. _Stupflengrande_ = Igelsack. Sowohl in der Form _Stupfel_ wie auch _Stupfling_ ist die Vokabel auch der _schwäb. Händlerspr._ 482 bekannt (in _Lütz._: [215] daneben noch _Stachling_, während in _Matzenbach_ dafür die latinisierte Form _Stachelinus_ gebräuchlich ist, ähnlich wie sich bei den Zigeunern (bei denen der Igel eine große Rolle, bes. auch als beliebte Speise, spielt [s. _Liebich_, S. 39, 85, 86]) dafür (u. a.) wohl _stachlino_ (bei den deutsch. Zigeun. allerdings meist _stacheléngĕro_) findet (vgl. _Pott_ II, S. 245 [unter »Stàchlo«], _Liebich_, S. 160 u. 212 [_stachélengĕro_], _Miklosich_, Beitr. III, S. 19 [ebenso], _Jühling_ 226 [hier: _Stachlino_, dagegen plur.: _Stachlingäre_], _Finck_, S. 87 [_štaxeléngero]_). Der _Etymologie_ nach gehört _Stupfel_ od. _Stupfleng_ (-ling) zu dem gauner-, kunden- und geheimsprachl. sowie auch allgem. mundartl. _stupfen_ = stechen mit Rücks. auf die Stacheln des Igels (vgl. jen.: _Stupfle_ = Stachel [s. dazu Näh. schon oben unter »Dorn«]), denen natürlich auch die Syn. _Stachling_, _Stachelinus_ u. die ähnlichen Zigeunerwörter ihre Entstehung verdanken.]
Igelessen, _Stupfelbikus_[1158] [64.314]
Igelfleisch, _Stupfelmass_, _Stupflengbossert_ od. _Stupfelbossert_ (Spr.)[1159]
Igelhund, _Stupfelkib_ (Spr.)[1160]
Igelmetzger, _Stupfelkafler_[1161]
Igelsack, _Stupfel-_ od. _Stupflengrande_[1162]
Infanterist, _Lanenger_ (d. h. »Soldat«)[1163]
ingrimmig, _stumpfich_[1164]
Insel, _Flu(h)tekies_ (d. h. eigtl. »Wasserstein«, als Stein = Gebirge, das aus dem Wasser hervorragt[1165]
irr, irrsinnig, _ni(e)sich_, _nillich_, _nuschich_[1166]
Irrenhaus, _Hegelkitt_[1167] od. _Ni(e)sekitt_, _Nillekitt_, _Nuschekitt_[1168]
Irrlicht, _Schuberleschein_ (d. h. »Gespensterlicht«[1169]
Irrsinn s. Wahnsinn.
J (= Jod).
ja, _kenn_[1170]
[Fußnote 1158: ([191] auf S. 64.314) S. (betr. _Bikus_) Abendessen.]
[Fußnote 1159: ([192] auf S. 64.314) S. (betr. _Mass_ u. _Bossert_) Aas.]
[Fußnote 1160: ([193] auf S. 64.314) S. Haushund.]
[Fußnote 1161: ([194] auf S. 64.314) S. Fleischer.]
[Fußnote 1162: ([195] auf S. 64.314) S. Bauch.]
[Fußnote 1163: ([196] auf S. 64.314) S. Hauptmann.]
[Fußnote 1164: ([197] auf S. 64.314) S. Ärger.]
[Fußnote 1165: ([198] auf S. 64.314) S. abbrühen u. Apfelkern. — Ähnlich heisst bei den Zigeunern (nach _Liebich_, S. 149 u. 212) die Insel _paninjākri montaia_, d. h. »Wasserberg« od. »Wassergebirge«.]
[Fußnote 1166: ([199] auf S. 64.314) S. aberwitzig.]
[Fußnote 1167: ([200] auf S. 64.314) S. Dummheit u. Abort.]
[Fußnote 1168: ([201] auf S. 64.314) Vgl. Anm. 1166 u. 1167 a. E.]
[Fußnote 1169: ([202] auf S. 64.314) S. Geist u. alltäglich. — Ähnlich ist die Bezeichnung des Irrlichts bei den Zigeunern, näml. _muléskĕri momelin_, d. h. eigtl. »Totenlicht« (Syn. auch: _dschapáskĕri momelin_, d. h. »wanderndes Licht«) nach _Liebich_, S. 147 u. 212.]
[Fußnote 1170: ([203] auf S. 64.314) _Vgl._ dazu (aus dem _verw. Quellenkr._): _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. _71 (_kenn_ = ja, _kenn Mathilde_ = ganz richtig); _Schwäb. Händlerspr._ 481, 482 (_kenn_ = ja, _kenn Mathilde_ = »grüß Gott«); s. auch _Pfälz. Händlerspr._ 438 (_kent_ = ja) sowie d. _Winterfelder u. Eifler Hausiererspr._ 441, 491 (_kenn_). Über weitere Belege im Rotw. u. in der Kundenspr. s. _Schütze_, S. 73, vbd. mit _Groß'_ Archiv, Bd. 51, S. 162 (unter »Mathilde«) und Anm. 2 (betr. _kenn Kunde_, wozu auch zu vgl. Bd. 59, S. 267, 287). Über die _Etymologie_ (vom hebr. _kên_ od. _ken_ = »so [richtig], ja«) s. A.-L. 556 und _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 330, vgl. jedoch auch Archiv, Bd. 51, S. 162, Anm. 2 a. E. (über einen Einfluß auch des deutschen Zeitw. »kennen« bei dem Ausdr. _kenn Kunde_ od. _Mathilde_).]
Jacke, _Malfes_[1171] [64.315]
jagen, _Jahre_ od. _Kracher bosten_ (d. h. eigtl. »[in den] Wald gehen [zum Jagen]«)[1172]
Jäger, _Grünleng_[1173]
Jahr, _Ja(h)ne_[1174]
Jahrestag, _Ja(h)neschei_[1175]
jammern, _glemsen_[1176]
jucken, _näpfen_[1177]
Jude, _Kaim_ (plur.: _Kaimen_[1178] od. _Dibolde_[1179])
[Fußnote 1171: ([204] auf S. 64.315) S. Frauenrock.]
[Fußnote 1172: ([205] auf S. 64.315) S. Ananas u. abgehen.]
[Fußnote 1173: ([206] auf S. 64.315) S. Flurschütz.]
[Fußnote 1174: ([207] auf S. 64.315) S. alljährlich.]
[Fußnote 1175: ([208] auf S. 64.315) S. (betr. _Schei_) alltäglich.]
[Fußnote 1176: ([209] auf S. 64.315) S. ausweinen.]
[Fußnote 1177: ([210] auf S. 64.315) S. abbeißen.]
[Fußnote 1178: ([211] auf S. 64.315) S. Hebräer.]
[Fußnote 1179: ([212] auf S. 64.315) Zu _Dibolde_ = Juden gehören die _Zusammensetzg._ _Dibolde-Gallach_ (d. h. »Judenpriester«) = Rabbiner (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.) u. die _Ableitg._ _diboldisch_ = jüdisch (Gegensatz: _nobis diboldisch_ [eigtl. nicht-jüdisch] = ungläubig [vom jüd. Standpunkt aus; Syn. _nobis gril(l)isch_, — _wonisch_, d. h. eigtl. »nicht-evangelisch, -katholisch«]). Die Vokabel, die in dem _verw. Quellenkreise_ unbekannt ist, kommt im sonstig. Rotwelsch (d. 19. Jahrh.) vereinzelt vor, jedoch mit anderem Anlaut (_Ba-_, _Bi-_, _Pi-_); s. z. B. _Pfister_ 1812 (295: _Babolde_); _v. Grolman_ 5 u. T.-G. 103 (ebenso); _Karmayer_ G.-D. 190 (desgl.); _Derenbourgs Glossar_ 1856 (414: desgl.); A.-L. 584 (_Pipolte_, fem. _Pipoltiza_); _Groß_ 458 (_Biboldo_). Der _Etymologie_ nach stammt der Ausdr. aus der Zigeunersprache her (vgl. »Einleitung«, S. 29), in der _biboldo_ (od. bipoldo) eigtl. »der Ungetaufte« bedeutet (von _boldo_ [od. poldo], zu _[me] polāwa_ = »[ein]tauchen, taufen« [s. _Liebich_, S. 152 u. 245; vgl. _Finck_, S. 52 (Stamm: _bōl_ [od. bold] = »[ein]tauchen, taufen«, das sich bis ins _Hind._ [_bōrnā_ = »eintauchen«] verfolgen läßt)] u. dem Negativpräfix _bi-_). S. Näh. bei _Pott_ II, S. 422 (unter »Bolaw«), _Liebich_, S. 128 u. 213 (_bipoldo_), _Miklosich_, Beitr. III, S. 8 u. Denkschriften, Bd. 26, S. 181 (unter »bol«: bei den deutsch. Zig.: _bipoldo_), _Finck_, S. 51 (_bibóldo_); bei _Jühling_ nicht angeführt. — Über die Veränderung des Anlauts im Jenischen s. auch _Pott_, a. a. O.]
Jüdin, _Kaime_[1178] [64.316]
jüdisch, _diboldisch_[1179]
Junge, _Bengesle_[1180], _Fi(e)sele_[1181], _Freierle_[1182]
junges (kleines) Mädchen, _Mödele_[1183]
Jungfrau, _Mössle_[1184]
Junggeselle, _Käfferle_ (d. h. eigtl. »Männchen«)[1185] od. (genauer) _nobis vergröntes Käfferle_ (d. h. »nicht verheiratetes Männchen«)[1186]
Jüngling, _Benges_ od. _Benk_[1180], _Fi(e)sel_[1181], _Freier_[1182]
Junker, _dofer Benk_[1180] od. _Fi(e)sel_[1181] (d. h. etwa ein »guter [od. besserer] junger Mann«) od. _Sinsle_ (d. h. »Herrchen«)[1187].
K.
Kadaver, _mufiger Bossert_ od. — _Maas_[1188]
Kaffee, _Süs(s)leng_ (-ling [Spr.])[1189]
Kaffekanne, _Süs(s)lengnolle_[1190]
Kaffeetasse, _Süs(s)lengschottel_[1191]
[Fußnote 1180: ([213] auf S. 64.316) S. brauchbarer Bursche.]
[Fußnote 1181: ([214] auf S. 64.316) S. Bettelbube.]
[Fußnote 1182: ([215] auf S. 64.316) S. Fremder.]
[Fußnote 1183: ([216] auf S. 64.316) S. Beischläferin.]
[Fußnote 1184: ([217] auf S. 64.316) S. Bauernfrau.]
[Fußnote 1185: ([218] auf S. 64.316) S. Bauer.]
[Fußnote 1186: ([219] auf S. 64.316) S. (betr. _nobis vergröntes_) Dietrich u. Ehe.]
[Fußnote 1187: ([220] auf S. 64.316) S. Amtmann.]
[Fußnote 1188: ([221] auf S. 64.316) S. Aas.]
[Fußnote 1189: ([222] auf S. 64.316) _Süs(s)leng_ (od. _-ling_) bedeutet außer Kaffee (Zichorie) auch noch: Tee, Zucker u. allgem. Süßigkeit. Dazu folgende _Zusammensetzgn._: _Süs(s)lengnolle_ = Kaffeekanne, _Süs(s)lengschottel_ = Kaffeetasse, auch Zichorienbüchse, _Süs(s)lingbrandling_ = Lebkuchen, _Süs(s)linglehm_ = Zuckerbrot, _Süs(s)lingoberman(n)_ = Zuckerhut, _Süs(s)lingflu(h)te_ = Zuckerwasser. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 94 u. 101 (_Süsling_ = Zucker, auch Honig); _Schwäb. Händlerspr._ 488 (_Süßling_ = Zucker). Im _Pfulld. J.-W.-B._ 340 bedeutet _Süß_ den Honig, im _Pleißlen der Killertaler_ 436 _Süessler_ od. _Süssholz_ den Zucker. Über weitere Belege im Rotw. (s. schon _Hildburgh. W.-B._ 1753 ff. [222, 232: _Süßling_ = Honig oder Bienenstock] u. dann öfter [mit versch. Bedeutgn.]) sowie über die Nebenform _Süssert_ s. noch _Weber-Günther_, S. 188 (unter »Zosset«). Der Stamm des Wortes ist natürlich unser Adj. »süß«; vgl. _Pott_ II, S. 10; A.-L. 612; _Günther_, Rotwelsch, S. 60. — Zu der Bedeutg. »Kaffee« sei noch bemerkt, daß (nach _Liebich_, S. 138 u. 213) auch bei den Zigeunern der Kaffee _gudli_, d. i. etwa »der Süße« (vgl. _gudlo_ = Zucker), heißt (neben _mellĕli_, d. i. »der Schwarze«;) vgl. auch _Finck_, S. 59.]
[Fußnote 1190: ([223] auf S. 64.316) S. (betr. _Nolle_) Fleischhafen.]
[Fußnote 1191: ([224] auf S. 64.316) S. Aschenbecher.]
Käfig, _Kitt_ (d. h. »Haus«)[1192], _Stenkert_ (d. h. »Stall«)[1193]; [64.317] vgl. Vogelbauer
kahl, _nobis Strauberts_ (d. h. »keine Haare«)[1194]
Kahlkopf, _nobis Strauberts auf'm Ki(e)bes_ (d. h. »keine Haare auf dem Kopf«[1195]
Kalb, _Horbögle_[1196]
Kalk, _näpfiger Schund_ (d. h. »beißender Dreck«)[1197]
kalt, _biberisch_ (_bibrisch_ [Spr.])[1198]
Kälte, _Biberisch_ (subst. Adj.)[1198]
[Fußnote 1192: ([225] auf S. 64.317) S. Abort.]
[Fußnote 1193: ([226] auf S. 64.317) S. Entenstall.]
[Fußnote 1194: ([227] auf S. 64.317) S. Dietrich u. Augenbrauen,]
[Fußnote 1195: ([228] auf S. 64.317) S. (betr. _Ki[e]bes_) Angesicht.]
[Fußnote 1196: ([229] auf S. 64.317) _Horbögle_ (= Kalb) ist Dimin. zu _Horboge_ (-boga) oder (abgekürzt in der Form der Aphärese) bloß _Boga_ = Kuh, Rind. Von _Zusammensetzgn._ mit _diesen_ Wörtern vgl. a) _am Anfang_: _Horbogaschwächerle_ = Kuheuter, _Horbogebossert_ od. _-mass_ = Kuh- od. Rindfleisch, _Horbogekafler_ od. _Bogakafler_ = Kuhmetzger (letzteres auch Rindermetzger), _Horbogestenkert_ = Kuh- od. Rinderstall, _Horbogeschmunk_ = Rinderfett, auch Unschlitt (s. d. betr. Analogie mit der Zigeunerspr.), wogegen _Bogaschmunk_ nur durch »Kuhbutter« wiedergegeben; b) _am Ende_: _Mufferhorboge_ (d. h. eigtl. »Nasenkuh«) = Nashorn (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 95, 97 (_Hobogen_ = Kuß [wofür jedenfalls zu lesen: Kuh, argum.: _Hohrbogen_ = Ochs); _W.-B. des Konst. Hans_ 254 (_Hohrboge_ = Stück Rindvieh); _Schöll_ 271 (_Haarbogen_ = Rindvieh); _Pfulld. J.-W.-B._ 340, 342, 343 (_Horboge_ = Kuh, Ochs, Rind, _junge Horboge_ = Kalb, _Horbogemaß_ = Ochsenfleisch); _Schwäb. Händlerspr._ 482, 483, 485, 487 (_Hôrbôg[e]_ [in _Pfedelb._ (211): _Hobuche_] = Kuh, Rind, Stier, _Hôrb[^oe]gle_ = Kalb, _Hôrbôgmost_ = Rindfleisch); s. auch _Regensb. Rotw._ 489 (_Haarbogen_ = Kuh). Über weitere Belege im Rotw. s. _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 31/32, Anm. 3. Der _Etymologie_ nach handelt es sich wahrscheinl. um eine Verunstaltung aus dem älteren Synon. _Hornbock_, das schon im _Lib. Vagat._ (54) vorkommt. S. Näh. darüber im Archiv, Bd. 43, S. 32 u. Anm. 1 u. dazu noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1822 unter _Ho(r)nbog(e[n])_, der zwar die Silbe _Hor-_ ebenfalls als »Horn« auslegt, dagegen _-boge(n)_ »eher zu hebr. _bakar_ = Rindvieh«, poln.-jüd. _boker_ (vgl. _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 32) »als zu Bogen« in Beziehung setzen möchte. Die kürzere Form _Boga_ könnte natürlich _unmittelbar_ von der hebr. Vokabel hergeleitet werden, doch halte ich die Auffassung derselben als Abbreviatur von _Horboga_ für richtiger (vgl. »Vorbemerkung«, S. 8). Über das ähnl. _Hornikel_ = Ochse s. schon oben unter »Bulle«.]
[Fußnote 1197: ([230] auf S. 64.317) S. abbeißen und abgerahmte Milch. — Dieselbe Umschreibung (näml. _danterpaskĕro tschikk_) kennt auch die Zigeunersprache; s. _Liebich_, S. 131, 164 u. 213 sowie auch _Finck_, S. 91 (_danderpáskero tšik_) vbd. m. S. 54 (_danderpáskero_ = »ätzend, beißend«); vgl. auch schon »Vorbemerkg.«, S. 17.]
[Fußnote 1198: ([231] auf S. 64.317) S. eisig; über _Biberisch_ als subst. Adj. vgl. auch »Vorbemerkg.«, S. 15, Anm. 38.]
Kamerad, _Benges_ od. _Benk_[1199], _Fi(e)sel_[1200] [64.318]
Kamm, _Straubertsschure_[1201]
Kammacher, _Straubertsschurepflanzer_[1202]
kämmen, _Strauberts pflanzen_ (d. h. »die Haare machen«)[1202]
Kampf, _Hamore_[1203]
Kanapee, _Sitzleng_[1204]
Kanarienvogel, _Schallerfläderling_ (d. h. »Singvogel«)[1205]; vgl. Amsel
Kaninchen, _Langohr_[1206]
Kanne, _Nolle_[1207]
Kapelle, _Duft_[1208]
Kappe, _Oberman(n)_[1209]
Kappenmacher, _Oberman(n)pflanzer_[1202]
Karfreitag, _Bäzamaschei_ (d. h. »Eiertag«)[1210]; vgl. Ostern
Karpfen, _Flössling_, _Matsche_, _Schwimmerling_ (d. h. eigentl. nur »Fisch«)[1211]
Karren, _Rädleng_[1212], _Ruadel_[1213]
Kartoffeln, _Bolla_ od. _Schundbolla_[1214], _Matrele_[1215]
" , gebratene s. Bratkartoffeln.
Kartoffelsalat, _Bolleblättling_ (Spr.)[1216]
Kartoffelschüssel, _Bolleschottel_ (Spr.)[1217]
[Fußnote 1199: ([232] auf S. 64.318) S. brauchbarer Bursche.]
[Fußnote 1200: ([233] auf S. 64.318) S. Bettelbube.]
[Fußnote 1201: ([234] auf S. 64.318) S. Augenbrauen und abbiegen.]
[Fußnote 1202: ([235] auf S. 64.318) S. (betr. _-pflanzer_ [pflanzen]) anbrennen.]
[Fußnote 1203: ([236] auf S. 64.318) S. Fehde.]
[Fußnote 1204: ([237] auf S. 64.318) S. Bank.]
[Fußnote 1205: ([238] auf S. 64.318) S. absingen u. Adler.]
[Fußnote 1206: ([239] auf S. 64.318) S. Hase.]
[Fußnote 1207: ([240] auf S. 64.318) S. Fleischhafen.]
[Fußnote 1208: ([241] auf S. 64.318) S. Dom.]
[Fußnote 1209: ([242] auf S. 64.318) S. Fingerhut.]
[Fußnote 1210: ([243] auf S. 64.318) S. Ei u. alltäglich. — Auch in der Zigeunersprache heißt der Karfreitag (aber auch wohl das Osterfest) _jāréngĕro_ (od. jāríngĕro) _diwes_, d. i. gleichfalls der »Eiertag«; s. _Liebich_, S. 140 u. 188 vbd. m. _Finck_, S. 55 (hier nur = Ostern); vgl. »Vorbemerkg.«, S. 18. Über eine der _jenischen_ Umschreibg. für _Ostern_ genau entsprechende zigeun. Bezeichnung s. noch weiter unten (unter »Ostern«).]
[Fußnote 1211: ([244] auf S. 64.318) S. Fisch. Das Synm. _Flotscher_ ist hier nicht angeführt.]
[Fußnote 1212: ([245] auf S. 64.318) S. Eisenbahnwagen.]
[Fußnote 1213: ([246] auf S. 64.318) S. abfahren.]
[Fußnote 1214: ([247] auf S. 64.318) S. Bratkartoffeln; vgl. abgerahmte Milch.]
[Fußnote 1215: ([248] auf S. 64.318) S. Erdäpfel.]
[Fußnote 1216: ([249] auf S. 64.318) S. Gulasch.]
[Fußnote 1217: ([250] auf S. 64.318) S. Aschenbecher.]
Käse, _Girall_[1218], _Räsleng_[1219] [64.319]
Käskuchen, _Girall-_ od. _Räslengbrandleng_[1220]
Kater s. Katze
Katholik, _Wo(h)nischer_[1221]
katholisch, _wo(h)nisch_
[Fußnote 1218: ([251] auf S. 64.319) Zu _Girall_ s. die _Zus._ _Girallbrandleng_ = Käskuchen. Die Vokabel ist _sonst_ m. Wiss. in den Geheimsprachen _nicht_ bekannt. Der _Etymologie_ nach stammt sie aus der _Zigeunersprache_ (vgl. schon »Einleitg.«, S. 30). Näh. s. darüber bei _Pott_ II, S. 257/58 (unter »Giral«); _Liebich_, S. 142 u. 213 (_kīral_); _Miklosich_, Beitr. I/II, S. 12 u. Denkschriften, Bd. 26, S. 234 (unter »keral«: bei den _deutsch._ Zig.: _kiral_) vbd. mit S. 238 (unter »khil«); _Jühling_, S. 222 (_Girall_); _Finck_, S. 64 (_kiral_). Das Wort läßt sich (nach _Pott_ und _Miklosich_, a. a. O.) bis ins Altind. (_kšīra_ = Milch) zurückverfolgen.]
[Fußnote 1219: ([252] auf S. 64.319) Mit _Räsleng_ ist (außer _Räslengbrandleng_ = Girallbrandleng) noch _zusammengesetzt_: _Bosserträsleng_ (eigtl. »Fleischkäse«) = Leberkäse. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): nur _Schwäb. Händlerspr._ 482 (_Ræßling_ = Käse, aber [485] auch = Rettich). Sonst nirgends erwähnt. Zur _Etymologie_: Vermutlich handelt es sich um eine durch Anhängung der typischen rotw. Endung _-ling_ (= leng) vorgenommene Substantivierung des mundartl., insbes. schwäbischen Adj. _räs_, das (nach _v. Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 425) u. a. etwa bedeutet was »die Zunge reizt«, im Geschmack »scharf« (wie Rettich) oder »herb« ist.]
[Fußnote 1220: ([253] auf S. 64.319) S. (betr. _Brandleng_) Apfelkuchen.]