Part 24
[Fußnote 1016: ([49] auf S. 64.302) S. dazu auch die Bemerkgn. in d. Anm. zu »Bischof«. — _Lanenger_ = Soldat (Krieger, Kriegsmann), plur. _Lanengere_ = Soldaten (Militär, Truppen), ist im W.-B. auch für »Husar« und »Infanterist« angeführt worden (vgl. _Wittichs_ Bemerkg. oben im Text). — Die _Verbindg._ _grandich Lanenger_ (mit der Bedeutg. »[sehr] viele Soldaten«) wird für »Heer« gebraucht (vgl. schon oben unter »Bischof« sowie betr. die Übereinstimmg. mit d. Zigeun. noch weiter unten unter »Heer«). Als _Zusammensetzgn._ mit dem Wort erscheinen: _Lanengeroberman(n)_ (d. h. eigtl. »Soldatenhut«) = Helm, _Lanengerlechem_, _-lehm_ oder _-maro_ (d. h. »Soldatenbrot«) = Kommißbrot (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.), _Lanengerbegerkitt_ (d. h. »Soldatenkrankenhaus«) = Lazarett, _Lanengerkluft_ (d. h. »Soldatenkleidung«) = Montur, _Lanengermoss_ = Soldatenfrau, _Lanengerbeiz_ od. _-kober_ = Soldatenwirtschaft. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 99 (_Laninger_ = Soldat); _Schöll_ 271 (_Launinger_); _Pfulld. J.-W.-B._ 338, 339, 344 (_Laninger_ = Soldat, aber auch Bettelvogt, _Schmirlaninger_ = Wache, _Haurigerlaninger_ = Schildwache); _Schwäb. Händlerspr._ 483, 486 (_Laninger_ od. _Lanenger_ = Soldat, erstere Form [neben _Lner_] auch = Landjäger). Über weitere Belege im Rotwelsch sowie die (nicht sichere) _Etymologie_ des Wortes s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 26 ff. (unter »Lenninger«); vgl. auch noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 989 (der auf einen ev. Zusammenhang mit »Land«, wie in »Landsknecht [Lanzer, Landel]« hinweist).]
Haus, _Kitt_[1017] [64.303]
Hausfrau, _Kittmos(s)_[1018]
Hausherr, _Kittkaffer_[1019]
Haushund, _Kittkeiluf_[1020] od. _Kittkip_[1021]
hausieren (gehen), _schenzieren_ (_bosten_ od. _pfichen_) (Spr.)[1022]
[Fußnote 1017: ([50] auf S. 64.303) S. Abort.]
[Fußnote 1018: ([51] auf S. 64.303) S. (betr. _Mos[s]_) Bauernfrau; vgl. auch die Anm. zu »Hauswirt«.]
[Fußnote 1019: ([52] auf S. 64.303) S. Bauer.]
[Fußnote 1020: ([53] auf S. 64.303) Mit _Keiluf_ = Hund, auch spezieller Pudel, sind noch folgende _Zusammensetzgn._ gebildet: a) _im Anfang_: _Keilufkitt_ = Hundehütte, _Keilufstenkert_ = Hundestall; b) _am Ende_: _Gachnekeiluf_ = Hühnerhund, _Bu(t)zekeiluf_ = Polizeihund. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 94 (_Keluf_); _W.-B. des Konst. Hans_ 254 (_Kohluf_); _Schöll_ 271 (ebenso): _Pfulld. J.-W.-B._ 340 (_Gilof_); _Schwäb. Händlerspr._ 482 (_Kailuf_); s. auch _Pfälz. Händlerspr._ 438 (_Kêluf_). Über noch weitere rotw. Belege sowie die _Etymologie_ des Wortes (vom gleichbed. hebr. _keleb_) s. Näh. bei _Weber-Günther_, S. 156 (unter »Keilef«); vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 309 (unter »Kailuf«).]
[Fußnote 1021: ([54] auf S. 64.303) Mit _Kip_ oder (häufiger) _Kib_ (plur. _Kibe_, Dimin. _Kible_ [Spr.]), Synon. zu _Keiluf_ (daher _auch_ = Pudel), sind noch mehr _Zusammensetzgn._ gebildet als mit letzteren, nämlich: a) _im Anfang_: _Kibe(n)bossert_ = Hundefleisch, _Kibekitt_ (= Keilufkitt), _Kibekafler_ = Hundemetzger, _Kibestenkert_ (= Keilufstenkert), _Kibeschwächerle_ = Hundezitzen; b) _am Ende_: _Stierer-_ od. _Stenzelkib_ (= Gachnekeiluf), _Stupfelkib_ = Igelhund (Spr.), _Bu(t)zekib_ (= Bu(t)zekeiluf), _Jerusalemsfreundkib_ = Schäferhund, _Flu(h)tekib_ = Seehund, _Schmelemerkib_ = Zigeunerhund. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 254 (_Kipp_ = Hund [wohl zugleich erster Beleg im Rotw. überhaupt]); _Pfulld. J.-W.-B._ 340 (_Kib_); _Schwäb. Händlerspr._ 482 (_Kipp_); s. auch _Metzer Jenisch_ 216 (ebenso). Die _Etymologie_ des (auch in sonst. rotw. Quellen des 19. Jahrh. noch vereinzelt anzutreffenden) Wortes bleibt dunkel; auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 388 gibt keinen Aufschluß darüber.]
[Fußnote 1022: ([55] auf S. 64.303) Betr. _bosten_ u. _pfichen_ s. abgehen. — Zu _schenzieren_ = hausieren finde ich keinen Beleg in anderen Quellen. Dagegen kennt das _Metzer Jenisch_ 216 _sch¶r¶anze_ in gleicher Bedeutung, während schon _Schöll_ 269 ein Subst. _Sch¶r¶enzierer_ als Synon. für die sonst als _Scheinspringer_ bezeichneten Gauner (die sich bei Tage in Wohnungen einschleichen, um zu stehlen) anführt, das auch A.-L. 604 neben der Form _Sch¶ra¶nzierer_ (zu dem Zeitw. _schr¶a¶nzieren_ od. _schrenzieren_ = »sich [unter irgendeinem Vorwande] in Häuser [bes. Gasthöfe] einschleichen, um zu stehlen [oder zu baldowern]«) erwähnt u. vom ahd. _schr¶a¶nz_ = List hergeleitet hat. Indessen liegt es wohl mindestens ebenso nahe, das rotw. _Schrende_ (Schr¶a¶ntz, Schren[t]z[e] u. ä. = Stube (vgl. _Groß'_ Archiv, Bd. 54, S. 165/66, Anm. 3) als Quelle dafür heranzuziehen, das zugleich auch für _schranze_ = hausieren passen würde. Danach aber dürfte dann vielleicht auch in _Wittichs_ Jenisch statt _schenzieren_ richtiger _sch¶r¶enzieren_ zu lesen sein.]
Hausknecht, _Kittschenegler_[1023] [64.304]
Hausmagd, _Kittscheneglere_
Hausmutter, _Kittmamere_[1024]
Hausschlüssel, _Kittglitschin_[1025]
Hausvater, _Kittpatris_[1026]
Hauswirt, _Fehtekaffer_ (Dimin.: _-käfferle_ [Spr.])[1027]; vgl. Herberge
Hebamme, _Deiselmos(s)_ od. _Disselmos(s)_[1028]
Hebräer, _Kaim_[1029]; vgl. Juden
[Fußnote 1023: ([56] auf S. 64.304) S. (betr. _Schenegler_) abschaffen.]
[Fußnote 1024: ([57] auf S. 64.304) S. Amme.]
[Fußnote 1025: ([58] auf S. 64.304) S. Dietrich.]
[Fußnote 1026: ([59] auf S. 64.304) S. Eltern.]
[Fußnote 1027: ([60] auf S. 64.304) Betr. _Kaffer_ s. Bauer. — Mit _Fehte_ = Herberge (Quartier, Wohnung) sind (außer _Fehtekaffer_, das auch durch »Herberggeber«, »Herbergsvater« und »Quartierherr« wiedergegeben) noch zusammengesetzt: _Fehteulme_ = Herbergsleute (Spr.), _Fehtefi(e)sel_ od. _-freier_ = Quartierbursche, _Fehtemos(s)_ od. _-sinse_ = Quartierfrau (ersteres in den Spr. durch »Hausfrau« wiedergegeben), _Fehtesins_ = Quartiersherr (also Syn. zu _Fehtekaffer_) u. _Fehtemodel_ = Quartiermädchen. _Ableitung_: _fehten_ = übernachten, auch das »Übernachten erlauben« (v. S. des Wirts) nach Spr. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Schöll_ 272 (_Fede_ = Herberge; _Pfulld. J.-W.-B._ 343 (_Fede_ = Quartier; vgl. [338] das Zeitw. _feden_ = beherbergen); _Schwäb. Händlerspr._ 479 (_Fêde_ = Bett [in _Pfedelb._ (212) _auch_ = Quartier; vgl. ebd.: _in d' Fede hotschen_ = schlafen]); auch sonst im Rotw. seit Anf. des 18. Jahrh. (s. _Basl. Glossar_ v. 1733 [201] hin und wieder angeführt. Zur (nicht sicheren) _Etymologie_ s. _Fischer_, Schwäb. W.-B. II. Sp. 999/1000, wonach die Bedeutung »Quartier« aus dem ital. _fede_ im Sinne von »Verschreibung« (warum?), die Bedeutung »Bett« aber aus unserem deutsch. »Feder« erklärt werden könnte.]
[Fußnote 1028: ([61] auf S. 64.304) S. gebären und Bauernfrau.]
[Fußnote 1029: ([62] auf S. 64.304) _Kaim_ = Jude (Hebräer), fem.: _Kaime_, plur.: _Kaimen_, erscheint noch in der _Zus._ _Kaimkolb_ (d. h. »Judengeistlicher«) = Rabbiner (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 94 (_Kaim_ = Jude); _Pfulld. J.-W.-B._ 341 (ebenso); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 71 (_Keim_ [_Gheim_, _Goim_] = Juden); _Schwäb. Händlerspr._ 482 (_Kaim_ [in _Pfedelb._ (210): _Keim_] od. _Kaimchen_ = Jude). Über weitere Belege im Rotw. sowie die _Etymologie_ (aus dem Hebr. [_chajjim_]) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 48, S. 323/24 u. Anm. 2. _Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp. 1286 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 143 geben keine genügende Erklärung.]
Heer, _grandich Lanenger_ (d. h. »[sehr] viele Soldaten«)[1030] [64.305]
heftig, _lenk_, _schofel_[1031]
Heidelbeere, _Jahresäftling_ od. _Krachersäftling_[1032]
Heidelbeerkuchen, _Krachersäftlingbrandling_[1033]
heil, _dof schef(f)t's_ (d. h. »es ist [geht] gut«)[1034]
heilig, _bliblich_[1035]
heiliger Geist, _bliblischer Schuberle_[1036]
heilsam, _dof_[1037]
Heirat, _Vergrönerei_[1038]
heiraten, _vergröneren_[1038]
Heißhunger, _grandich Bogelo_ od. _grandich Put(t)lak_[1039]
heizen, _funken_[1040]
Heizer, _Funkpflanzer_[1041]
hell, _schei_ (= _Schei_)[1042]
Helle, _Schei_[1042]
Helm, _Lanengeroberman(n)_, d. h. »Soldatenhut«)[1043]
Hemd, _Hamfert_[1044], _Staud_[1045]
[Fußnote 1030: ([63] auf S. 64.305) S. Hauptmann u. vgl. Bischof. — Dieselbe Umschreibung kennt nach _Liebich_, S. 207 auch die Zigeunerspr. (_but līrde_, d. h. »viel Soldaten« = Heer).]
[Fußnote 1031: ([64] auf S. 64.305) S. arg.]
[Fußnote 1032: ([65] auf S. 64.305) S. Ananas.]
[Fußnote 1033: ([66] auf S. 64.305) S. (betr. _Brandling_) Apfelkuchen.]
[Fußnote 1034: ([67] auf S. 64.305) S. angenehm u. daher (a. E.).]
[Fußnote 1035: ([68] auf S. 64.305) S. anbeten.]
[Fußnote 1036: ([69] auf S. 64.305) S. (betr. _Schuberle_) Geist.]
[Fußnote 1037: ([70] auf S. 64.305) S. angenehm.]
[Fußnote 1038: ([71] auf S. 64.305) S. Ehe.]
[Fußnote 1039: ([72] auf S. 64.305) S. Adler u. Appetit.]
[Fußnote 1040: ([73] auf S. 64.305) S. abbrennen.]
[Fußnote 1041: ([74] auf S. 64.305) S. (betr. _-pflanzer_) anbrennen.]
[Fußnote 1042: ([75] auf S. 64.305) S. alltäglich; über _schei_ als Adj. gebr. vgl. auch »Vorbemerkg.« S. 15, Anm. 38 a. E.]
[Fußnote 1043: ([76] auf S. 64.305) S. Hauptmann u. Fingerhut.]
[Fußnote 1044: ([77] auf S. 64.305) Diese Vokabel findet sich in ganz gleicher Form _und_ Bedeutung in der _Schwäb. Händlerspr._ in _Degg._ (215), während für _Lütz._ (214) die Schreibung _Ha¶n¶fert_ angeführt ist. Sie dürfte aufzufassen sein als eine (mit der typischen Endung _-ert_ versehene) Abkürzung (durch Weglassung der Endsilbe, sog. _Apokope_) von dem älteren — als eine Art _pars pro toto_ (nach dem _Hauptbestandteil_) erscheinenden — Synon. _Hanfstaud(e)_ (s. schon _Lib. Vagat._ [54] u. a. m., so z. B. auch _Dolm. der Gaunerspr._ 93 sowie noch _Schwäb. Händlerspr._ 482). Vgl. _Pott_ II, S. 23 und _Günther_, Rotwelsch, S. 67 vbd. mit _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1145 (unter »Hanfert«) u. 1146 (unter »Hanfstaude«); s. auch die folgende Anm.]
[Fußnote 1045: ([78] auf S. 64.305) Für _Staud_ = Hemd sind aus dem _verw. Quellenkr._ anzuführen: _Pfullend. J.-W.-B._ 340 und _Schwäb. Händlersprache_ 482 (neben _Hanfstaude_ [s. oben Anm. 1044], in _Pfedelb._ [210]: _Staude_ neben den längeren Synon. _Hanf-_, _Flächse-_, _Wergstaude_; vgl. ebds. [211]: _Staudenpflanzerin_ = = Näherin); s. auch noch _Winterfelder Hausierersprache_ 442 (_Staudche_) Auch bei diesem Ausdrucke, der auch im _sonstigen_ neueren Rotwelsch (des 19. Jahrh.) sowie in der Kundensprache beliebt ist (s. die Belege bei _Schütze_, S. 92), handelt es sich (gleichwie bei _Hamfert_) um eine Abkürzung von _Hanfstaude_, jedoch in der Form des sog. _Aphärese_ (Weglassung der _Anfangs_silbe). S. A.-L. 610; vgl. auch _Horn_, Soldatensprache, S. 63, Anm. 6.]
Hengst, _Trapert_ (-bert)[1046] od. (genauer) _Trabert-Kaffer_ (d. h. [64.306] eigtl. »Pferdemann«, »männliches Pferd«)[1047]
henken ([auf]hängen), _schnüren_[1048]
Henne, _Brawari_[1049], _Stenzel_[1050], _Stierer_[1051]
[Fußnote 1046: ([79] auf S. 64.306) S. Füllen.]
[Fußnote 1047: ([80] auf S. 64.306) S. (betr. _Kaffer_) Bauer; vgl. Stute (= _Trabertmoss_, d. h. eigtl. »Pferdeweib«, »weibliches Pferd«). — Auch bei den Zigeunern heißt nach _Liebich_, S. 208, 244 der Hengst _morschkerdino grai_, d. h. »männliches Pferd«, die Stute (grasni oder) _graieskĕri tschuwli_, d. h. etwa »Pferdeweib«.]
[Fußnote 1048: ([81] auf S. 64.306) S. aufhängen.]
[Fußnote 1049: ([82] auf S. 64.306) Über diese (im W.-B. unter »Huhn« _nicht_ angeführte) Vokabel, die m. Wiss. sonst nirgends in den Geheimsprachen vorkommt, vermochte ich auch in _etymolog._ Beziehung _nichts Sicheres_ in Erfahrung zu bringen. Da mir jedoch _Wittich_ auf eine Anfrage hin mitteilte, daß er das Wort von »_böhmischen_ jenischen Leuten« gehört habe, so könnte es vielleicht mit dem tschech. _brav_ (worin v wie w ausgesprochen wird) = »Schmal- od. Kleinvieh« in Zusammenhang gebracht werden, obwohl ja dessen Form _und_ Bedeutung noch einigermaßen abweicht (nach gefl. Mittlg. v. _Dr. A. Landau_).]
[Fußnote 1050: ([83] auf S. 64.306) Mit _Stenzel_ = Henne (Huhn) sind gebildet die _Zusammensetzgn._: _Stenzeltritt_ = Hühnerfuß, _Stenzelkitt_ = Hühnerhaus u. _Stenzelkib_ = Hühnerhund. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 94 (_Stenzel_ = Huhn); _Pfulld. J.-W.-B._ 340 (_Stanzla_ = Henne); _Schwäb. Händlerspr._ 482 (_Stenzel_, _Stenzling_ [in _Lütz._ (214): _Stelzling_] od. _Stanzel_ = Henne, in letzterer Form auch = Gans [481]). Die _Etymologie_ bleibt zweifelhaft. Auch _Hoffmann-Krayer_ u. _Landau_ im Schweiz. Archiv für Volksk., Bd. III, S. 243, Anm. 75 u. Bd. IV, S. 239 geben — in ihren Erläuterungen zu den Vokabeln des _Basler Glossars_ v. 1733 (das [201] schon _Stenzel_ = Huhn angeführt hat) keinen befriedigenden Aufschluß über die Herkunft des Wortes.]
[Fußnote 1051: ([84] auf S. 64.306) _Stierer_, Syn. zu Stenzel, kommt nicht nur in _denselben Zus._ wie dieses vor (also: _Stierertritt_, _-kitt_ u. _-kib_), sondern auch noch in einigen _anderen_, so: a) _am Anfang_: _Stiererstenkert_ = Hühnerstall; b) _am Ende_: _Bäzemestierer_ = Legehuhn und _Flu(h)testierer_ = Wasserhuhn. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 340 (_Stire_ = Henne; _Stirestinker_ = Hühnerstall); _Schwäb. Händerspr._ 482 (_Stîrer_ = Henne); s. auch _Regensb. Rotw._ 489 (_Stieri_ = Hahn [aber auch = Ochse]). Über weitere Belege im Rotw. (schon seit d. 17. Jahrh.) u. in der Kundenspr. sowie die _Etymologie_ des Wortes (wohl vom deutsch. mundartl. Zeitw. _stieren_ [stüren, stören] = »durchsuchen, scharren«) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 231, Anm. 1.]
herabblicken, -schauen, _herablinzen_[1052] [64.307]
herabgehen, -laufen, _herabbosten_, _-pfichen_[1053]
herabschießen, _herabschnelle_[1054]
herabwerfen, _herabplotzen_[1055]
herausfahren, _herausruadla_[1056]
herausgeben, _herausdogen_[1057]
herausschreiben, _herausfeberen_[1058]
herausstehlen, _herausschniffen_[1059], _herausschoren_[1060], _herauszopfen_[1061]
heraustragen, _herausbukla_[1062]
Herberge, _Fehte_[1063] od. _Schlumerkitt_[1064]
[Fußnote 1052: ([85] auf S. 64.307) S. anschauen.]
[Fußnote 1053: ([86] auf S. 64.307) S. abgehen.]
[Fußnote 1054: ([87] auf S. 64.307) S. abschießen.]
[Fußnote 1055: ([88] auf S. 64.307) S. bewerfen.]
[Fußnote 1056: ([89] auf S. 64.307) S. abfahren.]
[Fußnote 1057: ([90] auf S. 64.307) S. abgeben.]
[Fußnote 1058: ([91] auf S. 64.307) S. abschreiben.]
[Fußnote 1059: ([92] auf S. 64.307) S. anfassen.]
[Fußnote 1060: ([93] auf S. 64.307) S. ausstehlen.]
[Fußnote 1061: ([94] auf S. 64.307) S. Diebstahl.]
[Fußnote 1062: ([95] auf S. 64.307) S. abtragen.]
[Fußnote 1063: ([96] auf S. 64.307) S. Hauswirt.]
[Fußnote 1064: ([97] auf S. 64.307) Diese _Zusammensetzung_ bedeutet wörtlich »Schlafhaus«, zu _Schlummer_ = Schlaf (das in _Wittichs_ Vokab. nicht angeführt ist) bezw. dem Zeitw. _schlummern_ (das zwar im W.-B. in der Form _schlummere_ enthalten ist, jedoch nicht unter »schlafen«, sondern nur unter dem weiteren Begriffe »liegen«) u. _Kitt_ = Haus (s. Abort). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 98 (_Schlummer_ = Schlaf, _schlummern_ = schlafen); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 76 (_schlummern_ = übernachten; _Schwäb. Händlerspr._ 485 (_schlummern_ = schlafen). Über weitere Belege im Rotw. s. Näh. bei _Weber-Günther_, S. 179/180 (wo jedoch die Bemerkung, daß in den Quellen das Hauptw. _Schlummer_ früher als das Zeitw. _schlummern_ auftrete, zu berichtigen ist, da — ganz abgesehen von dem alten gleichbed. _slöm_ im _Ndd. Lib. Vagat._ [78] — auch die Form _schlummern_ schon im _W.-B. von St. Georgen_ 1750 [218] als rotw. Vokabel vorkommt, während _Schlummer_ sich m. Wiss. zuerst im _Hildburgh. W.-B._ v. 1753 ff. [231] findet). Ebds. auch Näh. über die _Etymologie_ des Wortes, das aus den deutsch. Mundarten, insbes. dem niederdeutsch. Sprachgebiet, übernommen sein dürfte; vgl. auch _Pott_ II, S. 17 u. _Kluge_, Unser Deutsch, S. 81 vbd. mit Et. W.-B., S. 403 (unter »schlummern«) u. _Weigand_, W.-B. II, Sp. 738 (unter »Schlummer«). Über den Ausdr. _Schlummerpech_ = Schlafgeld (bes. in d. Kundenspr.) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 33, S. 279, Anm. 1.]
Herberggeber, Herbergsvater, _Fehtekaffer_[1065] [64.308]
Herbergsleute, _Fehteulme_ (Spr.)[1066]
Herd, _Hitzling_[1067]
hergeben, _dogen_[1057]
Hering, _Spronkert-Flössling_, _Spronkertflotscher_ od. _-schwimmerling_ (d. h. »Salzfisch«)[1068] od. auch _Begertflössling_ (d. h. »toter Fisch«)[1069]
Heringsbüchse, _Flösslingschottel_ (d. h. eigtl. nur »Fischbüchse«)[1070]
Heringsalat, _Spronkertflösslingblättling_[1071]
Herr, _Freier_[1072], _Sens_ od. _Sins_[1073]
Herrenhaus (Herrschaftshaus) _Sinserkitt_[1074]
Herrenzimmer, _Sinseschrende_[1075]
Herrin, _Sinse_[1073], _Sinsemos(s)_[1076]
[Fußnote 1065: ([98] auf S. 64.308) S. Hauswirt und Bauer.]
[Fußnote 1066: ([99] auf S. 64.308) S. (betr. _Ulme_) arme Leute.]
[Fußnote 1067: ([100] auf S. 64.308) S. Backofen.]
[Fußnote 1068: ([101] auf S. 64.308) S. einsalzen und Fisch.]
[Fußnote 1069: ([102] auf S. 64.308) S. (betr. _Begert-_) absterben. — Während die Umschreibung »salziger (od. gesalzener) Fisch« (_lon̄do mādscho_ [od. lon̄di mādschin]) für den Hering auch den Zigeunern bekannt ist (s. _Liebich_, S. 144 u. 209 und _Finck_, S. 73 [_lon̄do mātšo_]; vgl. auch schon »Vorbemerkg.«, S. 18, Anm. 45), bedeutet dagegen bei ihnen »toter Fisch« (_mīlo mādscho_ [matšo]) die Forelle (für die aber auch _lolo mādscho_, d. h. »roter [bunter] Fisch«, vorkommt); s. _Liebich_, S. 147 u. 198 sowie _Finck_, S. 73. Zur Erklärung des _ersteren_ Ausdrucks bemerkt _Liebich_, S. 32, 33 (gegen Zweifel bei _Pott_ II, S. 437): »(Der) Ängstlichkeit (mit dem der Zigeuner den Namen Verstorbener auszusprechen vermeidet) verdankt der unter dem Namen Forelle bekannte Fisch seine jetzt übliche zigeunerische Bezeichnung als _mulo madscho_, _mulĕno madscho_, d. h. der tote Fisch. Als nämlich eine Zigeunerin mit Namen _Forella_ gestorben war, wollte man auch die gleichlautende Bezeichnung des Fisches aufgeben, um nicht bei dem Anblick des Fisches an die Verstorbene direkt erinnert zu werden, deshalb hieß von da an der Fisch Forelle der tote Fisch, und dieser Ausdruck ist (neben _lolo madscho_ [s. oben]) jedem Zigeuner geläufig, jedem verständlich.« Wie nun aber die _gleiche_ Umschreibung in der _jenischen_ Sprache für den _Hering_ zu deuten ist, vermag ich nicht zu sagen.]
[Fußnote 1070: ([103] auf S. 64.308) S. (betr. _Schottel_) Aschenbecher.]
[Fußnote 1071: ([104] auf S. 64.308) S. (betr. _Blättling_) Gulasch.]
[Fußnote 1072: ([105] auf S. 64.308) S. Fremder.]
[Fußnote 1073: ([106] auf S. 64.308) S. Amtmann.]
[Fußnote 1074: ([107] auf S. 64.308) S. (betr. _Kitt_) Abort.]
[Fußnote 1075: ([108] auf S. 64.308) S. (betr. _Schrende_) Frauenstube.]
[Fußnote 1076: ([109] auf S. 64.308) S. (betr. _Mos(s)_) Bauernfrau.]
Herrscher, _grandicher Sins_ (d. h. »großer Herr«)[1077] [64.309]
herumblicken, _herumlinzen_[1078]
herumfahren, _herumruadla_[1079]
herumliegen, _herumdurma_[1080], _herumschlauna_[1081]
herumtanzen, _herumnikla_[1082]
herumtragen, _herumbukla_[1083]
heruntergekommen, _vermuft_[1084], _verschoffelt_[1085]
Herz, _Schwächerle_[1086]
herzlich, _dof_[1087]
Heu, _Kupfer_[1088]
Heuchler, _schofler Benk_[1089], _schofler Fi(e)sel_[1090], — _Freier_[1091], — _Kaffer_[1092]
heulen, _glemsen_[1093]
Heulerei, _Glemserei_
Heupferd (Heuschrecke), _Kupfertrabert_[1094], _Kupferflederling_ (d. h. eigtl. »Heuvogel«)[1095]
Hexe, _Finkelmos(s)_[1096]
Hexenhaus, _Finkelkitt_[1097]
Hexenmeister, _Finkelkaffer_[1092]
Hexerei, _Finklerei_[1096]
Hieb(e), _Guffes_[1098]
[Fußnote 1077: ([110] auf S. 64.309) S. Adler u. Amtmann, vgl. Bischof. Dieselbe Art der Umschreibung für Herrscher (näml. _baro rai_) kennen auch die Zigeuner nach _Liebich_, S. 209.]
[Fußnote 1078: ([111] auf S. 64.309) S. anschauen.]
[Fußnote 1079: ([112] auf S. 64.309) S. abfahren.]
[Fußnote 1080: ([113] auf S. 64.309) S. aufwachen.]
[Fußnote 1081: ([114] auf S. 64.309) S. ausschlafen.]
[Fußnote 1082: ([115] auf S. 64.309) S. aufspielen.]
[Fußnote 1083: ([116] auf S. 64.309) S. abtragen.]
[Fußnote 1084: ([117] auf S. 64.309) S. Aas.]
[Fußnote 1085: ([118] auf S. 64.309) S. arg.]
[Fußnote 1086: ([119] auf S. 64.309) S. Amme.]
[Fußnote 1087: ([120] auf S. 64.309) S. angenehm.]
[Fußnote 1088: ([121] auf S. 64.309) S. Frucht.]
[Fußnote 1089: ([122] auf S. 64.309) S. arg u. brauchbarer Bursche.]
[Fußnote 1090: ([123] auf S. 64.309) S. (betr. _Fi[e]sel_) Bettelbube.]
[Fußnote 1091: ([124] auf S. 64.309) S. (betr. _Freier_) Fremder.]
[Fußnote 1092: ([125] auf S. 64.309) S. (betr. _Kaffer_) Bauer.]
[Fußnote 1093: ([126] auf S. 64.309) S. ausweinen.]
[Fußnote 1094: ([127] auf S. 64.309) S. Frucht u. Füllen.]
[Fußnote 1095: ([128] auf S. 64.309) S. Frucht und Adler.]
[Fußnote 1096: ([129] auf S. 64.309) S. behext und Bauernfrau.]
[Fußnote 1097: ([130] auf S. 64.309) S. (betr. _Kitt_) Abort.]
[Fußnote 1098: ([131] auf S. 64.309) S. aufschlagen.]
hier, _her(r)les_, _her(r)lem_[1099] (hier ist er, _da hauret er_; hier [64.310] ist es, _her[r]les hauret's_)[1100]
Himbeere, _Jahresäftling_ od. _Krachersäftling_[1101]
hinausgehen, _hinausbosten_[1102]
hinauskommen, _hinauspfichen_[1102]
hinfallen, _hinbohla_[1103]
hinlegen, _hindurmen_[1080], _hinschlaunen_[1081]
hinken s. lahmgehen
Hintere (der), _Bos_[1104], _Schmelzer_[1105]
Hinterkopf, _Ki(e)bes_[1106]
hinwerfen, _hinplotzen_[1107]
Hirsch, _Jahreschure_ od. _Kracherschure_[1108]
Hirschfänger, _Latt_[1109]
Hirt, _Jerusalemsfreundschure_ (d. h. zunächst bes. »Schafhirt, Schäfer«)[1110]
hoch, _grandich_[1111]
hochherzig, _dof_[1112], _grandich_[1111]
Hochzeit, _Grönerei_[1113]
Hochzeitsschmaus, _Grönereibikus_[1114]
Hoden, _Bäzeme_ (d. h. eigtl. »Eier«)[1115]
Hodensack, _Bäzemerande_[1116]
Hof, _grandiche Kitt_ (d. h. »großes Haus«)[1117]
hoffärtig sein, _grandiche pflanzen_ (d. h. eigtl. etwa: »den Großen spielen«)[1118]
[Fußnote 1099: ([132] auf S. 64.310) S. da.]
[Fußnote 1100: ([133] auf S. 64.310) S. unter »elend«.]
[Fußnote 1101: ([134] auf S. 64.310) S. Ananas.]
[Fußnote 1102: ([135] auf S. 64.310) S. abgehen.]
[Fußnote 1103: ([136] auf S. 64.310) S. abfallen.]
[Fußnote 1104: ([137] auf S. 64.310) S. After.]
[Fußnote 1105: ([138] auf S. 64.310) S. Abort.]
[Fußnote 1106: ([139] auf S. 64.310) S. Angesicht.]
[Fußnote 1107: ([140] auf S. 64.310) S. bewerfen.]
[Fußnote 1108: ([141] auf S. 64.310) S. Ananas u. abbiegen.]
[Fußnote 1109: ([142] auf S. 64.310) S. Degen.]
[Fußnote 1110: ([143] auf S. 64.310) S. Hammel und abbiegen.]
[Fußnote 1111: ([144] auf S. 64.310) S. Adler.]
[Fußnote 1112: ([145] auf S. 64.310) S. angenehm.]
[Fußnote 1113: ([146] auf S. 64.310) S. Ehe.]
[Fußnote 1114: ([147] auf S. 64.310) S. (betr. _Bikus_) Abendessen.]
[Fußnote 1115: ([148] auf S. 64.310) S. Ei.]
[Fußnote 1116: ([149] auf S. 64.310) S. (betr. _Rande_) Bauch.]
[Fußnote 1117: ([150] auf S. 64.310) S. (betr. _Kitt_) Abort.]
[Fußnote 1118: ([151] auf S. 64.310) S. (betr. _pflanzen_) anbrennen.]
höflich, _dof_[1112] [64.311]
Höhe, _Grandich_[1111][1119]
Hoherpriester, _grandicher Gallach_[1120] od. _grandicher Kolb_[1121]
holen, _buk(e)le(n)_ (Spr.)[1122], _schniffen_ (Spr.)[1123]
hold, _dof_, _duft_[1112]
Holz, _Spraus_[1124]
hölzern, _sprausich_[1124]
Holzmacher, _Sprauskaffer_[1125]
Holzsack, _Sprausrande_[1126]
hör auf, _schupf dich_[1127]
Hose, _Buxe_, _Kopel_ (plur.: _Buxen_, _Kopla_)[1128]
Hosensack(-tasche) _Buxerande_, _Kopelrande_[1126]
Hospital, _grandiche Begerkitt_[1129]
hübsch, _dof_, _duft_[1112]
Huf, _Traperttrittleng_[1130]; vgl. Gaulfuß
Huhn, _Gachne_[1131], _Stenzel_, _Stierer_[1132]