Part 21
[Fußnote 762: ([311] auf S. 64.164) _Malfes_ (neuere Form für das ältere _Mahlbosch_ [vgl. »Einleitung«, S. 27]) = Rock (Jacke, Kittel, Kutte, Überrock) ist verwendet in folgenden _Zusammensetzgn._: a) _am Anfang_: _Malfesrande_ = Rocktasche; b) _am Ende_: (außer _Mos[s]malfes_ noch): _Gadscho-_ od. _Kaffermalfes_ = Männerrock, _Plauderermalfes_ = Lehrerrock, _Gallach-_ od. _Kolbemalfes_ = Priesterrock. Eine _Verbindg._ damit ist _unterkünftiger Malfes_ = Unterrock. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 94, 98 (_Malebosch_ od. _Malus_ = Rock, _ein ganzer M._ = Rock und Kamisol, _ein halber M._ = Kamisol); _W.-B. des Konst. Hans_ 254 (_Malves_ = Kamisol, _Mahlbosch_ = Rock); _Schöll_ 271 (Formen: _Malves_ u. _Malbosch_, Bedeutgn.: wie im _W.-B. des Konst. Hans_); _Pfulld. J.-W.-B._ 338, 341, 343, 344: _Malves_ od. _Malboschum_ = Kittel, _Malfes_ od. _Maleboschen_ = Rock, _Ruchemalfes_ [od. _Mahlboschen_] = Bauernkittel, _Schlaumalfes_ = Schlafrock); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 77 (_Malfes_ = Weste, dagegen _Walmusch_ [sic] = Rock, aber wieder _Dormmalfes_ = Schlafrock); _Schwäb. Händlerspr._ 485 (_Malfes_ u. _Walmusch_ = Rock, dazu [in _Pfedelb._ (212)]: _Dormmalfes_ = Schlafrock); s. auch noch _Pfälzer Händlerspr._ 438, 439 (_Malebīsch_ = Anzug, _Walmüsch_ = Rock) u. _Metzer Jenisch_ 216 (_Malbosche_ = Kleider). Über weitere, in der Form sehr verschiedene Belege aus dem Rotw., der Kundenspr. usw. sowie über die _Etymologie_ (vom. hebr. _mlbûsch_ = »Kleider«) s. ausführl. _Groß'_ Archiv, Bd. 49, S. 348 u. Anm. 2 u. S. 349 vbd. m. _Schütze_ S. 98 (unter »Walmusch«); vgl. _Weber-Günther_, S. 167 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1418.]
[Fußnote 763: ([312] auf S. 64.164) Zu _Fürflamme_ = Schürze vgl. (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 99 (_Vorflam_ = Schürz); _Pfulld. J.-W.-B._ 344 (_Flamme_ = Schürze). Auch in d. _sonst._ rotw. Quellen ist das Wort teils in der kürzern Form _Flamme_ (od. Flammert), teils in der längeren _Vorflamme(rt)_ od. _Fürflamme(rt)_ u. ä. mehrfach anzutreffen. S. z. B. schon _Hildburgh. W.-B._ 1753 ff. (227: _Flamme_); ferner _Krünitz' Encyklopädie_ 1820 (353: _Vorflamme_); _v. Grolman_ 21, 22 u. T.-G. 120 (_Fürflamm[e]_, _Für-_ od. _Vorflammert_ od. _Flamme_, _Flammert_); _Karmayer_ 52 (_Fürflamm_ [masc. gen.]) Die _Etymologie_ ist zwar nicht ganz sicher, doch ist wohl an den hellen Schein einer weithin leuchtenden (gleichsam »flammenden«) _weißen_ Schürze zu denken; vgl. A.-L. 540 (unter »Flamme« [wo auch die Nebenbedeutgn. von _Flamme(rt)_ — wie z. B. Hals- od. Schnupftuch — angegeben sind]); s. auch noch _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 302 u. Anm. 2. — _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1538 (unter »Flamme«) hat keine Erklärung hinzugefügt.]
Frauensperson (Frauenzimmer), _Goi_[764], _Model_[765], _Mogel_[766], [64.165] _Mos(s)_[767]; vgl. Frau
Frauenstube, _Mos(s)schrende_[768]
Fräulein, _Sinsemodel_[769]
frech, _lenk_, _schofel_[770]
Freien, im — übernachten s. übernachten
Fremder (d. h. ein Herr, Bursche, Mann, aber kein Bauer), _Freier_[771]
[Fußnote 764: ([313] auf S. 64.165) S. böse Frau.]
[Fußnote 765: ([314] auf S. 64.165) S. Beischläferin.]
[Fußnote 766: ([315] auf S. 64.165) S. Frau.]
[Fußnote 767: ([316] auf S. 64.165) S. Bauernfrau.]
[Fußnote 768: ([317] auf S. 64.165) Mit _Schrende_ = Stube (Gemach, Zimmer) sind gebildet die _Verbdgn._ _grandiche Schrende_ = Saal) (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.) sowie folgende _Zusammensetzgn._: a) _am Anfang_: _Schrendepflanzer_ = Zimmermann; b) _am Ende_ (außer _Mos[s]schrende_ noch) _Sinseschrende_ = Herrenzimmer, _Leileschrende_ (eigtl. »Nachtstube«) = Wachtstube. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 100 (_Schrende_ = Stube); _übereinstimmend_ (in Form _und_ Bedeutg.) auch: _W.-B. des Konst. Hans_ 254, _Schöll_ 271 u. _Pfulld. J.-W.-B._ 345; dagegen in der _schwäb. Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [213]): _Schrenze_ = Stube. Über weitere Belege im Rotwelsch sowie _Etymologie_ des Wortes (das ohne Zweifel _deutsch._ Ursprungs ist) s. das Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 54, S. 165, Anm. 2 u. dazu etwa auch noch _v. Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 478 (unter »Schrand«).]
[Fußnote 769: ([318] auf S. 64.165) S. Amtmann u. Beischläferin.]
[Fußnote 770: ([319] auf S. 64.165) S. arg.]
[Fußnote 771: ([320] auf S. 64.165) Zu _Freier_ = Fremder (auch Herr, Jüngling) s. das Dimin. _Freierle_ = Junge, Knabe, auch Sohn, die _Verbindungen_ _dofer Freier_ = Junker u. _schofler Freier_ = Heuchler od. auch »Hurenkerl« sowie die _Zus._ _Fehtefreier_ = Quartierbursche (vgl. »Vorbemerkg.«, S. 12, Anm. 29). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 91 (_Freier_ = »ein gewachsener Bub«); _Schwäb. Händlerspr._ 480 (_Freier_ = Mann). Über sonstige Belege im Rotw. sowie die _Etymologie_ s. _Groß'_ Archiv, Bd. 49, S. 350 ff. Daß _Freier_ in _Wittichs_ Jenisch niemals für einen Bauer verwendet werden soll, ist insofern bes. zu beachten, als die ursprünglichste Bedeutg. im _Rotwelsch_ gerade »Bauer« gewesen sein dürfte (s. u. a. schon _W.-B. v. St. Georgen_ 1750 [350]).]
Freudenmädchen, _Lubne_, _Schoflemodel_[772] [64.166]
Freund, _Benges_ od. _Benk_[773]; _Fi(e)sel_[774]
freundlich, _dof_[775]
friedfertig, "
Friedhof s. Gottesacker
frieren, mich friert's, _mich bibert's_[776]
frisch, _dof_ (Spr.)[775]
fromm, "
fromme Leute, _Blibelulma_[777]
Frost, _Bib(e)risch_ (subst. Adj.)[778]
frostig, _bib(e)risch_[776]
Frucht, _Gib_[779], _Kupfer_[780]
[Fußnote 772: ([321] auf S. 64.166) S. (zu beiden Ausdr.) Beischläferin.]
[Fußnote 773: ([322] auf S. 64.166) S. brauchbarer Bursche.]
[Fußnote 774: ([323] auf S. 64.166) S. Bettelbube.]
[Fußnote 775: ([324] auf S. 64.166) S. angenehm.]
[Fußnote 776: ([325] auf S. 64.166) S. eisig.]
[Fußnote 777: ([326] auf S. 64.166) S. anbeten u. arme Leute.]
[Fußnote 778: ([327] auf S. 64.166) Vgl. »Vorbemerkg.«, S. 15, Anm. 38.]
[Fußnote 779: ([328] auf S. 64.166) _Gib_ (= Frucht, bedeutet bes. auch Getreide sowie — noch spezieller — Weizen und wohl auch Gerste (wie aus der _Verbdg._ _g'funktes Gib_ [»gebranntes Getreide« (Gerste)] = Malz [s. d. betr. d. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.; vgl, auch schon »Vorbemerkg.«, S. 17] zu schließen sein dürfte). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 339-341 (_Gi[e]b_ = Frucht, Korn, Hafer, für letzteres auch: _Spitzgib_); _Schwäb. Händlerspr._ 481 (_Gîp_ = Getreide), im sonst. Rotw. ziemlich selten. _Etymologie_: Das Wort stammt aus der _Zigeunerspr._ (vgl. »Einleitung«, S. 30) u. in letzter Linie aus dem Altind. S. _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 647 (unter »Gip«) vbd. m. _Pott_ II, S. 67 (unter »Gieb«), _Liebich_, S. 136 u. 203, 216 (_gīb_ = Getreide, Korn), _Miklosich_, Beitr. III, S. 21 u. Denkschriften, Bd. 26, S. 214 (unter »_giv_«: bei d. _deutsch._ Zigeun.: _gīb_ = Getreide, Korn), _Jühling_ 222 (_Gib_ = Frucht, Feld) u. _Finck_, S. 59 (_giw_ = »Getreide [Korn, Weizen, Gerste, Roggen«]).]
[Fußnote 780: ([329] auf S. 64.166) Auch _Kupfer_ = Frucht, dann Getreide (Korn), auch Futter kommt (gleich _Gib_) noch spezieller für einzelne Getreide_arten_ vor, nämlich für Hafer, Roggen, Weizen, und endlich noch für Gras, Heu (Grummet), Klee und Häcksel (Häckerling). Auch sind damit (im Gegens. zu _Gib_) verschiedene _Zusammensetzgn._ gebildet worden, nämlich a) am _Anfang_: _Kupfertrapert_ = Heupferd, _Kupferflederling_ (eigtl. »Heuvogel«) = Heuschrecke, _Kupfersore_ (eigtl. etwa »Gras- od. Heuding«) = Sense (s. d. betr. Analogie in d. Zigeunerspr.), _Kupferstöber_ (eigtl. »Grasbaum«) = Weidenbaum; b) _am Ende_: _Flu(h)tekupfer_ = Meergras, Schilf. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93 (_Kupfer_ = Heu); _Schöll_ 271 (ebenso); _Pfulld. J.-W.-B._ 340 (desgl.); _Schwäb. Händlerspr._ 481, 482 (_Kupfer_ = Futter [für Vieh], Heu). Auch im sonstigen Rotw. kommt die Vokabel (für »Heu«) wohl (seit d. 18. Jahrh.) vor (s. z. B. schon _Hildburgh. W.-B._ 1753 ff. [271: _Kuffert_ (sic) = Heu] u. dann [i. d. Form _Kupfer_] öfter; merkwürdig die Umkehrung _Heu_ [als _rotw._ Vok.] = Kupfer im _W.-B. von St. Georgen_ 1750 [217], die aber vielleicht bloß auf einem Irrtum beruht). Die _Etymologie_ ist ungewiß, auch von _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 854 nicht erläutert worden; es bleibt daher fraglich, ob wirklich eine Gleichsetzung mit unserem deutsch. (Lehn-)Worte »Kupfer« — als Metallbezeichnung — (vgl. _Günther_, Rotwelsch, S. 66) anzunehmen ist.]
Frühstück, _Achilerei_[781], _Bikerei_ od. _Bikus_, _Kahlerei_[782] [64.167]
Fuhrmann, _Rädlingskaffer_ (d. h. »Fuhrwerksmann«)[783]
Füllen (Fohlen), _Trabertle_ (d. h. »Pferdchen«)[784]
Füllenstall, _Trabertstenkertle_[785]
Furcht, _Bauser_[786]
fürchten, _bausen_[786]
furchtlos, _nobis bauserich_ (d. h. »nicht furchtsam«)[787]
furchtsam, _bauserich_[786]
Fürst, _grandicher Sins_ (d. h. »großer Herr«)[788]
Furz, _Bremser_[789]
[Fußnote 781: ([330] auf S. 64.167) S. essen.]
[Fußnote 782: ([331] auf S. 64.167) S. (zu allen drei Ausdr.) Abendessen.]
[Fußnote 783: ([332] auf S. 64.167) S. Eisenbahnwagen u. Bauer.]
[Fußnote 784: ([333] auf S. 64.167) _Trabertle_ ist Dimin. zu _Trabert_ od. _Trapert_ = Pferd (Roß, auch [mehr verächtl.] Gaul, Klepper, Mähre sowie spezieller: Hengst, Rappe u. Schimmel), es wird also zunächst ohne Rücksicht auf das Geschlecht oder sonstige Beschaffenheit (z. B. die Farbe) des Tieres gebraucht, jedoch findet sich für »Hengst« noch spezieller auch _Trabertkaffer_ (d. h. eigtl. »Pferdemann«, männliches Pferd), wozu dann als Gegenstück _Trabertmos(s)_ (eigtl. »Pferdefrau«) = Stute erscheint (vgl. dazu schon oben in d. Anm. zu »Bauer« u. »Bauernfrau« sowie weiter unten unter »Hengst«). Weitere _Zusammensetzgn._ mit _Tr._ sind noch: a) am _Anfang_: _Trapertstritt_ = Gaul- od. Pferdefuß, _Traperttrittleng_ = Huf (eigtl. wohl auch »Pferdefuß«), _Trabertbossert_ od. _-mass_ = Pferdefleisch, _Trabertstrauberts_ = Pferdehaare, _Trabertkemerer_ = Pferdehändler, _Trabertschenegler_ = Pferdeknecht, _Trabertstenkert_ = Pferdestall (u. dazu das Dimin. _Trabertstenkertle_, wofür logischer _Trabertlestenkert_ zu erwarten [s. schon oben unter »Entenstall«]) u. _Trabertschwäche_ = Pferdetränke (wogegen _Trabertschwächerle_ »Pferdeeuter« bedeutet [vgl. oben unter »Amme«]); b) _am Ende_: _Kupfertrapert_ = Heupferd (vgl. oben S. 166, Anm. 780). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 97 (_Trappert_ = Pferd); _Pfulld. J.-W.-B._ 343 (_Trappen_); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 73 (_Trappert_ u. _Trapperle_ = Pferd); _Schwäb. Händlerspr._ 485 (_Trappert_ [Treppert, Treppling] u. _Traber_); s. auch _Metzer Jenisch_ 216 (_Trappert_). Über weitere rotw. Belege (seit d. 17. Jahrh.) sowie die _Etymologie_ (zu »traben« bzw. »trappeln« usw.) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 27 u. Anm. 1 (zu »Trappert-Leininger«).]
[Fußnote 785: ([334] auf S. 64.167) S. Entenstall; vgl. auch die vorige Anm.]
[Fußnote 786: ([335] auf S. 64.167) S. Angst.]
[Fußnote 787: ([336] auf S. 64.167) S. (betr. _nobis_) Dietrich.]
[Fußnote 788: ([337] auf S. 64.167) S. Adler u. Amtmann; vgl. Bischof.]
[Fußnote 789: ([338] auf S. 64.167) S. auslassen.]
furzen, _bremsere_[789], _Bremser schmusen_[790] [64.168]
Fuß, _Tritt_[791], _Trittleng_[792]; vgl. auch Schuh, Stiefel
Fußlappen, _Trittlengstreifleng_[793]; vgl. Socken
Fußsohle, _unterkünftiger Tritt_ (d. h. »der untere Fuß«)[794]
Fußstapfe, Fußtritt, _Tritt_[791]
[Fußnote 790: ([339] auf S. 64.168) S. (betr. _schmusen_) ansagen.]
[Fußnote 791: ([340] auf S. 64.168) S. Entenfuß.]
[Fußnote 792: ([341] auf S. 64.168) S. Ferse.]
[Fußnote 793: ([342] auf S. 64.168) _Streifleng_ (-ling, plur. -linge), eigtl. = Strumpf findet sich auch noch in folgenden _Zusammensetzgn._: a) _am Anfang_: _Streiflingschure_ = Strumpfband u. _Streiflingpflanzer_ = Strumpfwirker; b) _am Ende_ (außer in d. _obigen Vok._ noch in) _Kafferstreifling_ = Socken (eigtl. »Männerstrümpfe«). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 254 (_Streifling_ = Paar Strümpfe); _Pfulld. J.-W.-B._ 345 (Form: ebenso, Bedtg.: Strumpf); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 76 (_Streifling_ = Strümpfe); _Schwäb. Händlerspr._ 484 (wie im _Pfulld. J.-W.-B._); s. auch noch _Metzer Jenisch_ 217 (_Stre[i]fche_ = Strumpf). Im sonst. Rotwelsch usw. tritt die Vokabel zunächst in der Bedeutg. »Hose« (s. schon _Lib. Vagat._ [55]), erst seit d. 17. Jahrb. auch für »Strumpf« auf (s. _Schwenter's Steganologia_ um 1620 [138] u. dann öfter bis zur Gegenwart; vgl. _Schütze_, S. 94, auch _Groß'_ Archiv, Bd. 46, S. 29, Anm. 2). Zur _Etymologie_ (von _streifen_ = »überstreifen [über den Fuß]«) s. Archiv, a. a. O., S. 29: vgl. auch _Pott_ II, S. 37.]
[Fußnote 794: ([343] auf S. 64.168) Übereinstimmende Umschreibung des deutschen Ausdrucks auch bei den Zigeunern; s. _Liebich_, S. 199 (_telstīno pīro_ [d. h. »der untere Fuß«] = Fußsohle); vgl. auch schon »Vorbemerkg.«, S. 17. Das Adj. unterkünftig = unterer — als Adv. gebr. = unten — (im Gegensatze zu _oberkünftig_ = oberer, als Adv. = oben [s. Näh. unter »Gaumen«]) kommt auch noch vor in den _Verbindgn._: _unterkünftige Kluft_ = Unterkleid u. _unterkünftiger Malfes_ = Unterrock. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 256 (_unterkönig_ = unten); _Pfulld. J.-W.-B._ 340, 345 (_unterkönig_ = hinab [Gegens.: _oberkönig_ = hinauf] u. _unterki¶m¶ig_ [besser wohl zu lesen: _unterkinnig_] = unten; vgl. auch _inner-_, _usler-_ u. _ennenkönig_ = hinein, hinaus, hinüber); _Schwäb. Händlerspr._ 487 (_unterkünftig_ = unten; vgl. [484]: _oberkünftig_ = oben). Auch im sonstigen Rotw. findet sich die Vokabel, u. zwar schon seit dem 18. Jahrh. (s. _W.-B. v. St. Georgen_ 1750 [219]: _unterkünftig_ = unten, Gegens. [218]: _oberkünftig_ = oben), während sie in neuerer Zeit wohl bes. in der _Kunden_sprache fortlebt (vgl. z. B. _Ku._ III, 429 u. _Ostwald_ [Ku.] 159 vbd. m. _Ku._ III 427 u. _Ostwald_ [Ku.] 109 [Gegenstz.: _oberkünftig_]), obgleich sie in der _schwäb. (Gaun.- u.) Kundenspr._ fehlt, die dafür (76) aber _hinterkünftig_ = hintenherum kennt. _Etymologie_: Man darf wohl mit A.-L. 557 (unter »kenntlich«) u. 579 (unter »oberkünftig«) den zweiten (zu einer »_Verstärkung_« der Ortsbezeichnung dienenden) Bestandteil des Wortes (_-künftig_, verunstaltet zu _-kinnig_, _-könig_ usw.) — gleich unserem gemeinspr. Adj. _künftig_ — zu dem jetzt nur noch in Zusammensetzgn. (wie Ankunft, Herkunft, Zukunft) gebräuchl. Subst. _Kunft_ (mhd. _kunft_, _kumft_) = »das Kommen«, einem »Verbalabstraktum« zu dem Zeitw. _kommen_ (vgl. _Weigand_, W.-B. I, Sp. 1172), in Beziehung setzen.]
Fußzehe, _Trittgrif(f)leng_ (d. h. eigtl. »Fußfinger«)[795] [64.169]
Futter, _Kupfer_[796]
G.
Gabel, _Furschet_[797], _Stichling_[798]
gaffen, _linzen_[799], _spannen_[800]
[Fußnote 795: ([344] auf S. 64.169) S. (betr. _Grif[f]leng_) Daumen. — Auch diese Umschreibung findet sich nach _Liebich_, S. 199 u. 262 (unter »Zehe«) bei den _Zigeunern_ (näml.: _berengĕro gus[ch]to_, d. h. eigtl. »Fußfinger«).]
[Fußnote 796: ([345] auf S. 64.169) S. Frucht.]
[Fußnote 797: ([346] auf S. 64.169) _Zusammensetzgn._ hiermit sind: a) _am Anfang_; _Furschetfläderling_ (d. h. eigtl. »Gabelvogel«) = Schwalbe (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.); b) _am Ende_: _Schundfurschet_ = Mistgabel. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): nur _Schwäb. Händlerspr._ 481 (_Furschett_ = Gabel). Im Rotw. m. Wiss. sonst kaum gebräuchlich. Zur _Etymologie_: An und für sich kann der Ausdruck _unmittelbar_ vom Französischen (_fourchette_) hergeleitet werden (vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1869), jedoch mag die Vokabel (gleich _Feneter_ = Fenster [s. d.]) in _Wittich's_ Jenisch wohl durch die Vermittlung von _Zigeunern_ eingedrungen sein und insofern auf _deren_ Sprache zurückgeführt werden (vgl. »Einleitung«, S. 30), in die sie aber natürlich gleichfalls aus dem Französischen übernommen ist. S. ausdrücklich auch _Liebich_, S. 116; vgl. »Einleitung«, S. 29, Anm. 93 vbd. m. »Vorbemerkg.«, S. 10, Anm. 26. Als zigeun. Form führt _Liebich_ (a. a. O. S. 135 u. 199): _forschétta_, _Finck_, S. 58: _foršéta_, _Jühling_, S. 221 dagegen: _Forsch¶r¶äta_ (vgl. i. d. »Einltg.«: -reta) an.]
[Fußnote 798: ([347] auf S. 64.169) Mit _Stichling_ ist nur _zusammengesetzt_: _Fu[h]lstichling_ = Mistgabel (Syn. zu _Schundfurschet_). Auch _Stichling_ = Gabel ist in dem _verw. Quellenkr._ nur der _schwäb. Händlerspr._ (481) bekannt, doch deutet hier das Vorkommen des Ausdrucks _Stichlingspflanzer_ = Schneider (486) hin auf die Nebenbedeutg. »Nadel«, wofür die Vokabel z. B. auch in der _schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ (73) — allein — angeführt ist, während sie bei den _Pfälz. Händlern_ (439) — wieder abweichend — »Messer« bedeutet. Über die versch. Bedeutgn. des Wortes im Rotw. bezw. in der Kundenspr. (näml.: a) Schneider; b) Nadel; c) Zaunpfahl) sowie die _Etymologie_ (zu »Stich«, »stechen«) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 24 u. Anm. 1.]
[Fußnote 799: ([348] auf S. 64.169) S. anschauen.]
[Fußnote 800: ([349] auf S. 64.169) Zu dem Zeitw. _spannen_ = sehen (gaffen, gucken) vgl. (aus dem _vorw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 337, 343 (_spannen_ = ausschauen aussehen, schauen); _Schwäb. Händlerspr._ 486 (_spannen_ = sehen; vgl. [470] _Spanner_ = Augen); s. auch _Pleißlen der Killertaler_ 436 (_spanne[n]_ = sehen, beobachten, _Spanner_ = Augen). Über weitere Belege im Rotw. sowie die _Etymologie_ des Wortes (das _deutschen_ Ursprungs ist) s. ausführl. _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 75 (unter »Spanner«) vbd. mit _Weber-Günther_, S. 181 (unter »spennen«, wonach der wohl _älteste_ Beleg für das Zeitw. [in der Form _spenden_] bereits bei _A. Hempel_ 1687 [169: _der spendts_ = »der siehets«] anzutreffen ist).]
Gans, _Babing_[801], _Strohbutzer_[802] [64.170]
Gänsebraten, _gesicherter Babingermass_ od. _gesicherter Strohbutzerbossert_ (d. h. »gekochtes [gebratenes] Gänsefleisch«)[803]
Gänseeier, _Strohbutzersbäzeme_[804]
Gänsefleisch, _Babingerbossert_ od. _-mass_ oder _Strohbutzerbossert_[805]
[Fußnote 801: ([350] auf S. 64.170) Mit _Babing_ (plur. Babinger) sind gebildet die _Verbindg._ _grandich Babing_ (d. h. etwa [»sehr] große Gans« [vgl. oben unter »Bischof«]) = Schwan (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr.; vgl. auch schon »Vorbemerkung«, S. 17) sowie die _Zusammensetzgn._ _Babingerbossert_ od. _Babingermass_ = Gänsefleisch (letzteres in der weiteren Verbdg. _gesicherter Babingermass_ = Gänsebraten) u. _Babingerstritt_ = Gänsefuß. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): nur _Dolm. der Gaunerspr._ 92 (_Bappe_ = Gans); im _sonst._ Rotw. tritt die Form _Babing_ u. a. etwa seit Anfang des 19. Jahrh. (s. _Pfister_ 1812 [295] u. a. m.) auf. Zur _Etymologie_ (aus der _Zigeunerspr._ [vgl. »Einleitung«, S. 29]) s. _A.-L._ 521 u. _Günther_, Rotwelsch, S. 31 u. 62 vbd. mit _Pott_ II, S. 350 (unter »Papin«), _Liebich_, S. 149 u. 200 (_pāpin_), _Miklosich_, Beitr. III, S. 17, 23 u. Denkschriften, Bd. 27, S. 29, 30 (bei d. _deutsch._ Zig.: _pāpin_), _Jühling_ S. 220 (_Babni_), _Finck_, S. 76 (_pāpi[n]_). Das Wort ist (nach _Pott_ u. _Miklosich_, a. a. O.) verwandt mit ngriech. [Griechisch: pappia] = »Ente«.]
[Fußnote 802: ([351] auf S. 64.170) Mit _Strohbutzer_ (Dimin. _Strohbutzerle_ = »Küchlein«, d. h. Gänschen) sind gebildet die _Verbindung grandich Strohbutzer_ = Schwan (s. dazu die Bemerkg. zu dem Synon. _gr. Babing_ [oben Anm. 801]) sowie die _Zus._ _Strohbutzerbossert_ = Gänsefleisch (u. dazu weiter _gesicherter Str.-bossert_ = Gänsebraten), _Strohbutzerbäzeme_ = Gänseeier, _Strohbutzerstritt_ = Gänsefuß, _Strohbutzerbikus_ = Gansessen, _Strohbutzerstenkert_ = Gänsestall. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 92 (_Strohbuz_ od. _Budel_ = Gans); _W.-B. des Konst. Hans_ 254 (_Strohbuze_); _Pfulld. J.-W.-B._ 339 (_Strohbutzer_ od. _Strohbudel_); _Schwäb. Händlerspr._ 481 (_Strbudel_); s. auch noch _Regensb. Rotwelsch_ 489 (_Strohbuze_). Zur _Etymologie_: Bei der Form _Strohbutzer_, dial. = _Strohputzer_ (so z. B. schon _Waldheim. Lex._ 1726 [187]) liegt es nahe, nur eine weitere Ausgestaltung der noch älteren Form _Strohbohrer_ (s. z. B. schon _Lib. Vagat._ [55: _Stroborer_] u. öfter) anzunehmen, die ja keiner bes. Erklärung bedarf. Da jedoch schon seit Anf. des 17. Jahrh. im Rotw. auch die Form _Strohbuz(e)_ u. ä. (s. z. B. schon _Schwenters Steganologia_ um 1620 [137] u. öfter [vgl. dazu die Belege aus dem verw. Quellenkreise]) — u. dann auch _bloß_ _Butze_, _Buhze_, _Budel_ u. a. m. — als gleichbedeutend vorkommt, so könnte man _diese_ auch wohl zu _Butz(-e)_ im Sinne von »Person oder _Tier_ von _kleiner_ Gestalt« (s. dazu _Grimm_, D. W.-B. II, Sp. 591 unter »Butze«, Nr. 1; _Schmeller_, Bayer. W.-B. II, Sp. 317; auch _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 10 unter »Putz«) in Beziehung setzen. Vgl. im allgem. noch _Pott_, II, S. 22, A.-L. 612 (unter »Strohbohrer«) vbd. mit 528 (unter »Buze«) u. _Günther_, Rotwelsch, S. 73, Anm. 74 u. 75.]
[Fußnote 803: ([352] auf S. 64.170) S. (betr. _gesichert_) auskochen u. (betr. _Bossert_ u. _Mass_) Aas.]
[Fußnote 804: ([353] auf S. 64.170) S. (betr. _Bäzeme_) Ei.]
[Fußnote 805: ([354] auf S. 64.170) S. (betr. _Bossert_ u. _Mass_) Aas.]
Gänsefuß, _Babingerstritt_[806] [64.171]
Gansessen, _Strohbutzerbikus_[807]
Gänsestall, _Strohbutzerstenkert_[808]
garstig, _nobis dof_ (d. h. »nicht schön«)[809], auch _lenk_, _schofel_[810]
Gartenhaus, _Kittle_[811]
Gastgeber s. Gastwirt
Gasthaus, _Beiz_, _Beizerei_,[812] _Kober_, _Koberei_[813]
[Fußnote 806: ([355] auf S. 64.171) S. (betr. _Tritt_) Entenfuß.]
[Fußnote 807: ([356] auf S. 64.171) S. Abendessen.]
[Fußnote 808: ([357] auf S. 64.171) S. Entenstall.]
[Fußnote 809: ([358] auf S. 64.171) S. Dietrich u. angenehm.]
[Fußnote 810: ([359] auf S. 64.171) S. arg.]
[Fußnote 811: ([360] auf S. 64.171) S. Abort.]
[Fußnote 812: ([361] auf S. 64.171) Zu _Beiz_ oder (seltener) _Beizerei_ = Gasthaus, Wirtshaus (Kneipe, Schenke) gehört die _Zusammensetzg._ _Lanengerbeiz_ = Soldatenwirtschaft und die _Ableitung_ _Beizer_ (in früherer Zeit: _Baiser_ [vgl. »Einleitung«, S. 25]) od. (seltner) _Beizerer_ = Wirt (Gast-, Schenkwirt), femin.: _Beizere_. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93, 101 (_Beis_ = Haus, _Beisskitt_ od. _Koberbeis_ = Wirtshaus, _Baiser_ = Wirt, _Baiserin_ = Wirtin); _W.-B. des Konst. Hans_ 254, 256, 258 (_Bais_ od. _Baiser-Kitt_ = Wirtshaus, _T'schorbais_ = Diebswirtshaus, _Baiser_ = Wirt); _Schöll_ 271, 272 (_Bais_ = Haus, plur. _Baiser_ = Wirtshäuser); _Pfulld. J.-W.-B._ 338, 339, 346 (_Kochemer-Baies_ = Diebsherberge, _Baiser_ = Wirt, Gastwirt, _Baiserkitt_ = Wirtshaus); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 77 (_Baiz_ = Wirtshaus, _Baizer[in]_ = Wirt[in]); _Schwäb. Händlerspr._ 482, 488 (_Baiß_ = Haus, aber — sowohl in _dieser_ Form wie in den Nebenformen _Baitz_, _Boitz_, _Beitzg_ [_Beitzle_] — _auch_ = Wirtschaft; _Baiser_, _Baitzer_ od. _Beitz[g]er_ = Wirt); s. auch noch _Pleißlen der Killertaler_ 434 (_Baitze_ = Wirtshaus), während die _Pfälz. Händlerspr._ (437) _Bais_ od. _Bôies_ nur in dem allgem. Sinne von »Haus« kennt. Über weitere Belege aus dem Rotw. (wo schon in den _Basl. Betrügnissen_ um 1450 [15] das Wort in der Form _Pöse_ = Herberge auftritt, während es in der Form _Bais_ zunächst für »Haus« [s. _W.-B. v. St. Georgen_ 1750 (216)], für »Wirtshaus« dagegen zuerst im _W.-B. des Konst. Hans_ [s. oben] vorkommt) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 15 (u. Amn. 2) u. 16 (unter »Baiser«) vbd. m. Bd. 38, S. 221, Anm. 1 u. _Weber-Günther_, S. 153. Ebds. auch über die _Etymologie_ (vom hebr. _bajit_ = »Haus«); vgl. auch A.-L. 524 (unter »Bes«); _Günther_, Rotwelsch, S. 27; _Stumme_, S. 27; _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 580/81.]