Die jenische Sprache

Part 20

Chapter 202,839 wordsPublic domain

[Fußnote 710: ([259] auf S. 64.157) Mit _Kenem_ (= Laus, Filzlaus, plur. _Keneme_ = Ungeziefer) sind _zusammengesetzt_: a) am _Anfang_: _Kenemebenges_, _-benk_ od. _-fi(e)sel_ = »Lausbub«; b) am _Ende_: _Muffkenem_ (d. h. eigtl. »Stinklaus«) = Wanze (vgl. Aas). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 96 (_Kinum_ = Läuse); _Pfulld. J.-W.-B._ 342 (_Künum_ = Laus, plur. hier: _Künumer_); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 71, 72 (_Kinum_ od. _Kinem_ = Läuse, _Kinumrechen_ = Kamm [vgl. das volkstüml. »Lauseharke«]); _Schwäb. Händlerspr._ 488 (_Kenum_, _Kînum_ od. _Kîneme_ [in _Pfedelb._ (211): _Kinnem_] = Laus, in _Pfedelb._ [211] auch _Kinnemrechen_ = Kamm); s. auch noch _Pfälz. Händlerspr._ 438 (_Kînum_ = Laus). Zur _Etymologie_ aus dem Hebr. (bibl. _kinnîm_ od. _kinnm_, eigtl. = »Stechmücken«, jüd. _kinnim_ = »Läuse«) s. _Günther_, Rotwelsch, S. 67 u. Anm. 67 vbd. mit A.-L. 538 u. 390 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 387; vgl. auch _Weber-Günther_, S. 157 (unter »Kinnem«), woselbst auch noch weitere Belege aus d. Rotw. angeführt sind.]

[Fußnote 711: ([260] auf S. 64.157) S. Daumen.]

[Fußnote 712: ([261] auf S. 64.157) _Oberman(n)_ = Hut (Haube, Kappe, Mütze) kommt auch noch in folgenden _Zus._ vor: a) _am Anfang_: _Oberman(n)pflanzer_ = Hutmacher (Kappenmacher) od. Kürschner; b) _am Ende_: _Lanengeroberman(n)_ = Helm od. Soldatenmütze, _Grandicher-Sins-Oberman(n)_ (d. h. eigtl. »Königshut«, zu _grandich Sins_ = König [s. oben unter »Bischof«], weshalb genauer _Grandich-Sins-Oberm._ zu erwarten wäre) = Krone (s. d. betr. die Übereinstimmg. mit d. Zigeun.) u. _Süslingoberman(n)_ = Zuckerhut (wobei der Ausdr. — wie in _Grif[f]lingoberman[n]_ — im _übertrag._ Sinne gebraucht ist). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 94 (_Obermann_ = Hut, dann auch Rahm); _Pfulld. J.-W.-B._ 339-342 (_Aberma_ = Filzhut, _Oberma_ = Hut, auch Milchrahm, _Obermäne_ = Kappe); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 71 (_Obermann_ = steifer Hut, vgl. _Strohmann_ = Strohhut); _Schwäb. Händlerspr._ 482 (_Oberman_ = Hut; dazu in _Pfedelb._ [210] noch: _Obermannspflanzer_ = Hutmacher). Über weitere Belege in Rotw. usw. sowie die _Erklärung_ des Ausdrucks s. _Groß'_ Archiv, Bd. 49, S. 336, Anm. 4; vgl. auch _Weber-Günther_, S. 191/92 (unter »Öwermännche«).]

Fingerring, _Reifling_[713] [64.158]

finster, _leile_ (eigtl. _Leile_ = Nacht)[714]

Finsternis, _Leile_

Fisch, _Flössling_[715], _Flotscher_[716], _Matsche_[717], _Schwimmerling_[718]

[Fußnote 713: ([262] auf S. 64.158) _Reifling_ = Ring (Fingerring) kommt (in übertrag. Bedeutg.) auch noch vor in der _Zus._ _Flösselreifling_ (d. h. eigtl. »Wasserring«) = Regenbogen (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.). Das (natürlich zu unserem »Reif[en]« gehörende) Wort ist auch der _schwäb. Händlerspr._ (485) bekannt, in sonstigen Geheimspr. dagegen kaum gebräuchlich. Das _Pleißlen der Killertaler_ (436) hat _Raifle_ = Ring.]

[Fußnote 714: ([263] auf S. 64.158) S. Abend.]

[Fußnote 715: ([264] auf S. 64.158) _Flössling_ wird (ähnlich wie _Flederling_ = Vogel für bestimmte Vogel_arten_) auch für einzelne _Fischarten_ verwendet, so z. B. für den Karpfen und (wie wohl auch in der _Gaunerspr._ [s. A.-L. 541]) für den Hering (s. in letzterer Bdtg. als argum.: _Flösslingschottel_ = »Heringbüchse«), der übrigens auch genauer durch _Spronkertsflössling_ (d. h. »Salzfisch«) oder _Begertflössling_ (d. h. »toter Fisch«) wiedergegeben wird (s. hierzu auch betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr. Näh. unter »Hering«; vgl. auch schon »Vorbemerkg.«, S. 18, Anm. 45). Für andere Fischsorten erscheinen Verbdgn. od. Zus. mit den Synon. _Schwimmerling_ (s. unten Anm. 4) gebräuchlicher. _Zusammensetzgn._ mit _Flössling am Anfang_ sind noch _Flösslingachilerei_ od. _-bikus_ = Fischessen. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 92 (_Flösling_); _Schöll_ 271 (_Flößling_); _Pfulld. J.-W.-B._ 339 (_Fl¶e¶ßling_, vgl. _fleßlinge_ = fischen); _Schwäb. Händlerspr._ 480 (_Flößling_ [plur.] = Fische). _Etymologie_: Nach _Stumme_, S. 24 ist der — im Rotwelsch schon im 15. Jahrb. (s. z. B. _Basl. Betrügnisse_ um 1450 [15]) auftretende — Ausdruck »weniger von der _Flosse_ des Fisches (s. dazu _Weigand_, W.-B. I, Sp. 559) als von _Floß_ = ›Wasser‹ (s. dazu _Weigand_, a. a. O., Sp. 559 unter »Floß« Nr. 2; vgl. für d. Rotw. z. B. _Schintermicherl_ 1807 [289: _Flos_ = Wasser]) ausgehend zu deuten«. S. auch A.-L. 541 (unter »Floß«). — Vgl. oben _flösle(n)_ usw. unter »austreten (leicht)«.]

[Fußnote 716: ([265] auf S. 64.158) _Flotscher_ (od. _Pflotscher_) erscheint weniger gebräuchlich als die Synon. _Flössling_ u. _Schwimmerling_, auch in _Zus._, von denen nur _Spronkertflotscher_ = Hering (vgl. Anm. 715) u. _Flotscherkahlerei_ = Fischessen zu nennen sind. Außerdem hat aber _Flotscher_ od. _Pflotscher[t]_ auch noch die Bedeutung: Schirm, bes. Regenschirm. (_Zus._: _Bogeiepflotschert[t]_ = Fischbeinschirm [vgl. dazu unten Anm. 719] u. _Pflotscherpflanzer[in]_ = Schirmflicker[in]). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 92 (_Flotschen_ = Fisch, _Flotschenkitt_ = Fischkasten; _Schwäb. Händlerspr._ 480 (_Flotscher_ = Fisch; vgl. auch [488]: _pflötsche_ = [sich] waschen). _Zur Etymologie_: In der Bedeutg. »Fisch« dürfte _Flotscher_ doch wohl in _letzter_ Linie mit _fließen_ (im Sinne von »schwimmen« [s. _Weigand_, W.-B. I, Sp. 554 unter »fließen«, Nr. 2 u. 559 unter »Flosse« a. E.]) als Stammwort irgendwie zusammenhängen. Zu der _zweiten_ Bedeutg. (Regenschirm) gibt _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1068 (unter »Pflotsch«) vbd. mit Sp. 1057 (unter »Pflatsch«) u. 1058 (unter »pflatsche[n]«) einigen Aufschluß. Danach bedeutet im Schwäb. _pflatsche(n)_ »mit klatschendem Laut (eigtl. mit dem Laut: »_pflatsch_«) auf den Boden fallen«, was besonders vom Wasser und _Regen_ gebraucht wird, daher _Pflatschregen_ od. auch bloß _Pflatsch_ (Pflatscher) od. _Pflotsch_ = Regenguß (vgl. »Platzregen«). Das Wort geht (nach _Fischer_) »etwa parallel mit _patschen_« (worüber zu vgl. _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 215), »nur daß es sich weit mehr auf das Wasser bezieht« (vgl. auch _v. Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 406). Übrigens läßt _Fischer_ (a. a. O.) es noch dahingestellt sein, ob _pflotsche[n]_ (das auch für »im Wasser waten« vorkommt) nicht »ein Wort für sich« sein könnte.]

Fischbein, _Bogeia_[719] [64.159]

Fischbeinschirm, _Bogeilepflotschert_[720]

[Fußnote 717: ([266] auf S. 64.159) _Matsche_ kommt (gleich _Flössling_) ebenfalls in der spezielleren Bedeutg. »Karpfen« vor. _Zus._ damit: _Matschebutterei_ = Fischessen; _Ableitungen_ davon: _matschen_ = fischen u. (_davon_ wieder) _Matscher_ = Fischer. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Schwäb. Händlerspr._ 480 (_Matsche_ = Fische, in U. [214] auch d. sing. _Mătsch_ = Fisch); nur vereinzelt auch im Rotw. bekannt (s. z. B. _Pfister_ 1812 [302: _Matsche_ = Fisch]; _v. Grolman_ 46 [ebenso] u. T.-G. 93 [hier: _Matscho_ als sing.]; _Karmayer_ G.-D. 209 [wie _v. Grolm._]). Zur _Etymologie_: (aus der _Zigeunerspr._ [vgl. »Einleitung«, S. 30]) s. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IX, Sp. 1525 (unter »Matsch«) vbd. mit _Pott_ II, S. 437 (unter »Maczo«), _Liebich_, S. 145 u. 197 (_mādscho_ od. _mādschin_), _Miklosich_, Beitr. III, S. 14 (bei d. _deutsch._ Zigeun.: _mādšo_ od. _-šin_) u. Denkschriften, Bd. 27, S. 8 (unter »mačo«: bei den _deutsch._ Zigeun.: _māčo_ [mādscho]), _Jühling_, S. 224 [_Matscho_, plur. -e) u. _Finck_, S. 73 (_mātšo_). Nach _Miklosich_ (a. a. O.) läßt sich die Vokabel bis ins Altindische (_matsja_) zurückverfolgen.]

[Fußnote 718: ([267] auf S. 64.159) Auch _Schwimmerling_ kommt (gleich _Flössling_ u. _Matsche_) noch spezieller für »Karpfen« vor. Für andere Fischarten erscheint es in der _Verbindg._ _dofer Schwimmerling_ (d. h. etwa »schöner Fisch«) = Forelle sowie in der _Zus._ _Fuchsschwimmerling_ = Goldfisch u. _Spronkertschwimmerling_ = Hering (vgl. die Synon. _Spronkertflössling_ u. _-flotscher_). An den _Anfang_ gestellt ist dieses Wort in der _Zus._ _Schwimmerlingbikerei_ = Fischessen u. _Schwimmerlingsflederling_ = Fischreiher (d. h. eigtl. nur »Fischvogel«). In dem _verw. Quellenkr._ ist die Vokabel (die natürlich zu »schwimmen« gehört) nicht bekannt, im _sonst. Rotw._ vereinzelt anzutreffen, während die _Kundenspr._ ein kürzeres _Schwimmling_ = Hering kennt. S. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 46, S. 314 u. Anm. 1.]

[Fußnote 719: ([268] auf S. 64.159) Dieses Wort (mit dem die _Zus._ _Bogeiepflotschert_ = Fischbeinschirm [s. oben Anm. 716] gebildet ist) hat auch die _schwäb. Händlerspr._ 480 (_Bogeie_ = Fischbein), während es sonst m. Wiss. nirgends bekannt ist. Seiner _Etymologie_ nach stammt es wohl aus der _Zigeunersprache_ her (vgl. »Einleitung«, S. 29), in der es allerdings statt mit B mit G anlautet u. zugleich eine allgemeinere Bedeutg. zu haben scheint. S. bes. _Jühling_, S. 222 (wo _Gogcia_ = »Beiner[?]« u. als Sing. _Gogalo_ [= Bein] angeführt ist, das auch in anderen Sammlungen vorkommt [s. _Liebich_, S. 137, 182 u. 215 (_gogālo_ od. _kokālo_ = Bein od. Knochen); _Miklosich_, Denkschriften, Bd. 26, S. 243 (unter »kokalo«: bei den _deutsch._ Zigeun.: _gogālo_); _Finck_, S. 65 (_kókalo_ = »Knochen, Bein, Knöchel«)] und [nach _Mikl._, a. a. O ] mit dem neugriech. [Griechisch: kokalon] zusammenhängt).]

fischen, _matschen_[721] [64.160]

Fischer, _Matscher_

Fischessen, _Flösslingachilerei_[722] od. _-bikus_[723], _Flotscherkahlerei_, _Matschebutterei_ od. _Schwimmerlingbikerei_[724]

Fischreiher, _Schwimmerlingsflederling_[725]

Flamme, _Funk_[726]

Flasche, _Glansert_[727]

flehen, _derchen_[728]

Fleisch, _Bossert_, _Mas(s)_[729]

Fleischbüchse, _Bossertschottel_[730]

Fleischer, _Kafler_[731]

[Fußnote 720: ([269] auf S. 64.160) S. Fischbein u. Fisch (oben. S. 158, Anm. 716).]

[Fußnote 721: ([270] auf S. 64.160) S. Fisch (oben S. 159, Anm. 717).]

[Fußnote 722: ([271] auf S. 64.160) S. Fisch u. essen.]

[Fußnote 723: ([272] auf S. 64.160) S. (betr. _Bikus_) Abendessen.]

[Fußnote 724: ([273] auf S. 64.160) S. (zu allen drei Ausdr.) Fisch und Abendessen.]

[Fußnote 725: ([274] auf S. 64.160) S. (betr. _Flederling_) Adler.]

[Fußnote 726: ([275] auf S. 64.160) S. abbrennen.]

[Fußnote 727: ([276] auf S. 64.160) S. Bierglas.]

[Fußnote 728: ([277] auf S. 64.160) S. abbetteln.]

[Fußnote 729: ([278] auf S. 64.160) S. Aas.]

[Fußnote 730: ([279] auf S. 64.160) (betr. _Schottel_) Aschenbecher.]

[Fußnote 731: ([280] auf S. 64.160) Mit _Kafler_ = Fleischer (Metzger, Schlächter) finden sich folgende _Zusammensetzgn._: a) _am Anfang_: _Kaflerkitt_ = Metzgerhaus (u. dazu die weitere _Verbdg._ _grandich Kaflerskitt_ = Schlachthaus); b) _am Ende_: _Kibekafler_ = Hundemetzger, _Stupfelkafler_ = Igelmetzger, _Horboge-_ od. _Bogakafler_ = Kuh- (ersteres auch Rindvieh-) Metzger, _Trabert-_, _Hornikel-_, _Groenikelkafler_ = Pferde-, Ochsen-, Schweinemetzger. _Ableitungen_ von _Kafler_ sind das Zeitw. _kaflere_ = schlachten (s. dazu die _Zus._ _niederkaflere_ = niedermetzeln) u. das Subst. _Kaflerei_ = Metzgerei (s. dazu die _Zus._ _Kaflereischnall_ = »Metzelsuppe«). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 98 (_Kafler_ = Schinder); _Pfullend. J.-W.-B._ 338, 340, 341, 344 (_Kaffler_ = Abdecker, Metzger, _Kafler_ = Henker, Schinder, _Kaflerei_ = Schinderei, _kaflen_ = schlachten); _Schwäb. Händlerspr._ 480, 484, 485 (_Kfler_ = Metzger, Schinder [in U. (213) = Gendarm], _kfelen_ = schlachten, _Kfel_ = Fleisch von verrecktem Vieh). _Etymologie_: Der Ausdruck, der im Rotwelsch (wie auch schon aus den angeführten Belegen des verw. Quellenkreises ersichtlich ist) ursprünglich die engere Bedeutung von »Abdecker« oder »Schinder« (dann auch wohl von »Henker«) gehabt hat, ist offenbar nur eine Weiterbildung des gleichbed. älteren _Caviller_ od. _Kafiller_ u. ä., über dessen Ursprung die Ansichten zwar noch nicht ganz einig sind, auf das aber jedenfalls — selbst wenn man es zunächst vom _Hebräischen_ (syr. _kephál_ = »abdecken, ziehen«) herleiten will — doch _auch_ das md., früher auch hochd. _fillen_ (mhd. _villen_) = »das Fell abziehen« Einfluß geübt haben wird. So jetzt auch _Seiler_, Lehnwort IV, S. 490; vgl. Näheres noch in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 36 ff. (unter »Caviller«; s. hier insbs. auch S. 38, lit. e u. f betr. die notw. Belege für _Kaf[f]ler_ u. _Caffler_). _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 146 (unter »Kafler«) gibt keine bestimmte Erklärung.]

Fleischhafen, _Bossertnolle_[732] [64.161]

fleißig, _scheneglich_[733]

flicken, _pflanzen_ (Spr.)[734]

fliehen, _bosten_[735] od. _schiebes bosten_[736], _naschen_ (geflohen, _genascht_)[737] od. _tschanen_[738]

[Fußnote 732: ([281] auf S. 64.161) _Nolle_ ist eine beliebte Bezeichnung für ein »Gefäß« verschiedener Art, insbs. Topf (Hafen, Tiegel), auch Kessel u. Napf (in Zus.), ferner Kanne, Krug (Humpen, Pokal, Schoppen), namentl. auch in _Zusammensetzgn._ Als solche sind zu nennen: a) mit N. am _Anfang_: _Nollepfanzer_ = Hafner (Töpfer), Kesselflicker; b) mit N. _am Ende_ (außer _Bossertnolle_ noch): _Süslengnolle_ = Kaffeekanne, _Duftnolle_ (d. h. eigtl. »Kirchenpokal«) = Kelch, _Gleisnolle_ = Milchtopf (-napf), auch Melkfaß (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.), _Fu(h)lnolle_ od. _Schmelznolle_ = Nachthafen, _Flösselnolle_ = Nachttopf (Urintopf), _Spronkertnolle_ = Salznapf, _Schwächnolle_ = Trinkgeschirr, _Fläderlingsnolle_ = Vogelnapf, _Flu(h)tenolle_ = Wasserkrug, _Johlenolle_ = Weinkrug. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93, 100 (_Nolle_ = Hafen, Topf); _W.-B. des Konst. Hans_ 255 (_Nolle_ = Kochhafen); _Pfulld. J.-W.-B._ 341 (_Servnolle_ = Kessel [Brennkessel]); _Schwäb. Händlerspr._ 486, 487 (_Nolle_ = Schüssel, Topf, in _Lütz._ [214]: _Fülnolle_ = Nachttopf). Zur (_nicht_ sicheren) _Etymologie_ s. etwa A.-L. 579 vbd. mit _v. Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 409 (_Noll_ [G'noll, Knoll] = »rundlicher, harter Körper«), _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 2055 (unter »Nolle« Nr. 2) u. _Grimm_, D. W.-B. VII, Sp. 879 vbd. m. VI, Sp. 1144; vgl. auch _Keiper_ in d. Z. f. hochd. Mundarten, Bd. II (1901), S. 53 ff.]

[Fußnote 733: ([282] auf S. 64.161) S. abschaffen.]

[Fußnote 734: ([283] auf S. 64.161) S. anbrennen.]

[Fußnote 735: ([284] auf S. 64.161) S. abgehen.]

[Fußnote 736: ([285] auf S. 64.161) S. davongehen.]

[Fußnote 737: ([286] auf S. 64.161) Das Zeitw. _naschen_ (= fliehen, auch wohl gehen, kommen) findet sich in dem _verw. Quellenkr._ m. Wissens nur im _Pfulld. J.-W.-B._ (342) für »laufen« (vgl. auch 341: _naschirlen_ = kommen) sowie (337, 339, 340, 343, 345) in einer ganzen Reihe von _Zusammensetzgn._ (nämlich: _ausnaschen_ = ausgehen, _durchnaschen_ = durchlaufen, _innerkinnignaschen_ = einsteigen, _vernaschen_ = entfliehen, _hinternaschen_ = hintergehen, _schibisnaschen_ = scheiden, _beduchtnaschen_ = schleichen, _hordignaschen_ od. _guantnaschen_ = springen). Für sich allein kommt es hier u. da noch im sonst. Rotw. (des 19. Jahrh.) vor (s. z. B. _Pfister bei Christensen_ 1814 [= gehen]; _v. Grolman_ 50 u. T.-G. 96 [ebenso]; _Karmayer_ 116 [desgl., doch hier _auch_ andere Bedeutgn.]). Zur _Etymologie_ (aus der _Zigeunerspr._ (vgl. »Einleitung«, S. 30]) s. A.-L. IV, S. 245 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1959 vbd. mit _Pott_ II, S. 324 (unter »Naszavav«), _Liebich_, S. 149, 197, 218 (_naschāwa_ = ich laufe [fließe], fliehe), _Miklosich_, Beitr. III, S. 16 u. Denkschriften, Bd. 27, S. 21 (unter »naš«: bei den _deutsch._ Zigeun.: _našav̄a_ = laufen, fließen), _Jühling_, S. 224 (_nascha_ = fliehen) u. _Finck_, S. 75 (Stamm: _naš-_, _nāšs-_, _našew-_ u. ä. = »laufen, gehen, fließen, schwärmen, jagen«).]

flink, _dof_[739], _g'want_[740] [64.162]

Flinte, _Klass_[741], _Schnelle(r)_[742]

Flöhe, _Hasa_[743]

fluchen, _stämpfen_[744]

Flurschütz (Feldschütz), _Grünleng_[745]

Fluß, _Flu(h)te_[746]

Flut, "

Fohlen s. Füllen

folgen, _boste_[734], _pfichen_[734]

folgsam, _dof_[739]

fordern, _dalfen_, _derchen_[747]

Forelle, _dofer Schwimmerling_ (d. h. etwa »schöner [guter] Fisch«)[748]

[Fußnote 738: ([287] auf S. 64.162) Zu dem Zeitw. _tschanen_ = fliehen (auch wohl gehen, kommen) ist _zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 340 (_tschanen_ = herumziehen) u. _Schwäb. Händlerspr._ (in _Lütz._ (214]: _tschāne[n]_ = gehen). Seiner _Etymologie_ nach stammt der Ausdr. gleichfalls (wie d. Syn. _naschen_) aus der _Zigeunerspr._ (vgl. »Einleitung«, S. 31). S. Näh. bei _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 431 vbd. mit _Pott_ II, S. 212/13 (unter »Dscha«), _Liebich_, S. 133 u. 201 (_dschāwa_ = ich gehe), _Miklosich_, Denkschriften, Bd. 26, S. 206/7 (unter »dža«: bei den _deutsch._ Zigeun.: _džava_ = ich gehe), _Jühling_, S. 227 (_tschah_ = geh!) a. _Finck_, S. 56 (Stamm: _dša-_ = gehen; vgl. _dšā́ben_ = »Gang, Tritt«).]

[Fußnote 739: ([288] auf S. 64.162) S. angenehm.]

[Fußnote 740: ([289] auf S. 64.162) S. anmutig.]

[Fußnote 741: ([290] auf S. 64.162) S. Büchse.]

[Fußnote 742: ([291] auf S. 64.162) S. abschießen.]

[Fußnote 743: ([292] auf S. 64.162) Die gleiche Bezeichnung (nur im Sing.) kennt auch die _schwäb. Händlerspr._ 481 (_Hase_ = Floh). Es handelt sich hier jedenfalls um eine der auch im Rotwelsch beliebten metaphorischen Verwendungen einer Tiergattung für eine _andere_ (vgl. dazu _Günther_, Rotwelsch. S. 70, 71), wobei offenbar das schnelle Laufen bezw. Springen (Hüpfen) der beiden Tiere das tertium comparationis gewesen ist. Vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1206 (zu »Hase«, Nr. 3).]

[Fußnote 744: ([293] auf S. 64.162) S. Ärger.]

[Fußnote 745: ([294] auf S. 64.162) Zu _Grünleng_ = Jäger, Flur-od. Feldschütz vgl. (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 341 (_Grün¶d¶ing_ = Jäger, das nach _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 882 vielleicht nur ein Schreibfehler für _Grünling_ ist; vgl. auch _Groß'_ Archiv, Bd. 56, S. 184) u. _Schwäb. Händlerspr._ 488 (_Grünling_ [_Groêling_] = Waldhüter [in _Lütz._ (215) = Jäger, während der Waldhüter dort _Grü(n)lingsbutz_ heißt]); s. auch noch _Regensburg. Rotw._ 489 (_Grünling_ = Jäger, Förster). Zur _Etymologie_ s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 22. Über andere Bedeutgn. von _Grünling_ im Rotw. s. _Günther_, Rotwelsch, S. 62. Über das ähnliche _Grünwedel_ s. unter »Förster«.]

[Fußnote 746: ([295] auf S. 64.162) S. abbrühen.]

[Fußnote 747: ([296] auf S. 64.162) S. abbetteln.]

[Fußnote 748: ([297] auf S. 64.162) S. angenehm u. Fisch. Über die _abweichenden_ Bezeichnungen in d. _Zigeunerspr._ s. Näh. unter »Hering«.]

forschen, _ausbutschen_[749], _auslinzen_[750] [64.163]

Förster, _grandicher Grünwedel_, d. h. »der größere Forstmann«)[751]

Forstmann, Forstwart, _Grünwedel_

fortbringen, _fortbugla_[752]

fortfahren, _abruadla_[753]

fortgehen, _schiebes bosten_, — _pfichen_ od. — _schef(f)ten_[754]

fortschleichen s. fortgehen

forttragen s. fortbringen

fragen, _butschen_[749], _lenzen_[750]

Frau, _Goi_[755], _Mogel_[756], _Mos(s)_[757], _Romane_[758]

[Fußnote 749: ([298] auf S. 64.163) S. anfragen.]

[Fußnote 750: ([299] auf S. 64.163) S. anschauen.]

[Fußnote 751: ([300] auf S. 64.163) S. über die Rangsteigerung _Grünwedel_ = Forstmann (-wart), _grandich¶er¶ Gr._ = Förster, _grand¶ich¶ Gr._ = Oberförster schon oben unter »Bischof«. _Zwei_ ähnliche Abstufungen kennen (nach _Liebich_, S. 198) auch die Zigeun., nämlich: _wēschéskero_ = Forstmann, Förster u. _barĭdīr w._ (d. h. »der größere [höhere] Forstmann«) = Forstmeister. Dagegen fehlt eine dem Jenischen entsprechende Bezeichng. für den Oberförster (vgl. Bd. 63, S. 391, Anm. 418 [zu »Bischof«]). Für die Bezeichg. _Grünwedel_ _vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 94 (_Grünwedel_ = Jäger); _Pfulld. J.-W.-B._ 341 (ebenso); in der _Schwäb. Gaun.-, Kunden- u. Händlerspr._ _nicht_ bekannt, obwohl dort mancherlei _ähnliche_ Ausdrücke vorkommen (wie z. B. _Grünstäudle_ = Jäger [so: _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 71 und _Schwäb. Händlerspr._ 82], _Grünstaudler_ = Feldhüter, _Grünstäudel_, _-staud_ od. _-stäudling_, _Grünsteiger_, _-rattler_ u. a. m. = Waldhüter [s. _Schwäb. Händlerspr._ 480 u. 488]). Über weitere Belege (für _Grünwedel_) aus dem Rotw. sowie die _Etymologie_ des Wortes s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 55, S. 179, Anm. 2.]

[Fußnote 752: ([301] auf S. 64.163) S. abtragen.]

[Fußnote 753: ([302] auf S. 64.163) S. abfahren.]

[Fußnote 754: ([303] auf S. 64.163) S. davongehen; vgl. (betr. _bosten_ u. _pfichen_) abgehen u. (betr. _schef[f]ten_) unter »daher« a. E.]

[Fußnote 755: ([304] auf S. 64.163) S. böse Frau.]

[Fußnote 756: ([305] auf S. 64.163) Zu _Mogel_ od. _Mokel_ = Frau (Frauensperson, Frauenzimmer), Weib _vgl._ _Schwäb. Händlerspr._ 481, 484 (_Mockel_ = Frau, _Mokel_ = Mutter). Die _Etymologie_ bleibt unsicher. Herangezogen könnte etwa werden bes. schwäb. _Mockel_, u. a. = »plumpes _Weibsbild_«, _Mockele(in)_ = »rundliches Kind, _Mädchen_« (aber _beides auch_ für Rindvieh, bes. _Kuh_ od. _Kalb_ gebraucht) nach _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1722. Nr. 4 u. Nr. 8, b u. c; vgl. bei _Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp. 1566 (_Mockel_ [auch] = »weibliche Geschlechtsteile«). Über ein seltenes rotw. _Muck_ (od. _Mück_) = Frau s. _Groß'_ Archiv, Bd. 50, S. 347. Anm. 1.]

[Fußnote 757: ([306] auf S. 64.163) S. Bauernfrau.]

[Fußnote 758: ([307] auf S. 64.163) Zu _Romane_ = Frau vgl. (aus d. _verw. Quellenkr._): _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 69, 72 (_Rumie_ = Frau, femin. zu _Romno_ = Mann u. _Schwäb. Händlerspr._ (in U. [214]: _Romli_ = Mädchen [vgl. _Rom_ = Mann]). Auch im sonstig. (neueren) Rotw. ist das Wort (dial. entstellt) hier und da anzutreffen (s. z. B. _Pfister_ bei _Christensen_ 1814 [_Rumini_ = Frau]; _v. Grolman_ 57 [ebenso]; _Karmayer_ G.-D. 215 [verdr.: _Runinni_]). _Etymologie_: Die Vokabel stammt aus der _Zigeunersprache_ (vgl. »Einleitung«, S. 30) u. bildet das fem. (_romni_ u. ä.) zu _rom_ = Mann, Ehemann, Zigeuner, (vgl. _rōmano_ [romeno] = zigeunerisch). S. Näh. bei A.-L. 589 (unter »Rammenin«) vbd. mit _Pott_ I, S. 35, 42 u. II, S. 259, 275 u. 528, _Liebich_ S. 156 u. 191, 198, 262 (_romni_ = Frau, Ehefrau, Zigeunerin), _Miklosich_, Beitr. III, S. 18 u. 23 u. Beitr., Bd. 27, S. 56, 57 (unter »rom«: bei den _deutsch._ Zig. _romni_ = Frau [Eheweib], Zigeunerin), _Jühling_, S. 227 (unter »Tschai«: _Romni_ = Frau).]

Frau, fahrende, _jenische Mos(s)_ od. — _Model_[759] [64.164]

Frau, junge, _Mössle_ (das jedoch _auch_ »kleines Mädchen« u. »alte Frau« bedeutet)[760]

Frauenkleid, _Mos(s)klufterei_[761]

Frauenrock, _Mos(s)malfes_[762]

Frauenschürze, _Mos(s)fürflamme_[763]

[Fußnote 759: ([308] auf S. 64.164) S. Bachstelze, Bauernfrau u. Beischläferin.]

[Fußnote 760: ([309] auf S. 64.164) S. Bauernfrau.]

[Fußnote 761: ([310] auf S. 64.164) S. (betr. _Klufterei_) ankleiden.]