Part 19
[Fußnote 614: ([163] auf S. 64.149) Mit _Stenkert_ od. (seltener) _Stenker_ = Stall (Käfig) sind noch folgende _Zusammensetzgn._ gebildet: _Strohbutzerstenkert_ = Gänsestall, _Gachnestenkert_ = Hühnerstall, _Keiluf-_ od. _Kibestenkert_ = Hundestall, _Horbogestenkert_ = Kuhstall, Rinderstall, _Hornikelstenkert_ = Ochsenstall, _Trabertstenker_ (hier so!) = Pferdestall (s. dazu das Dimin. _Trabertstenkertle_ = Füllenstall, wofür eigentlich _Trabertlestenkert_ zu erwarten, da das Füllen _Trabertle_, Dimin. zu _Trabert_ [od. Trapert] Pferd, heißt; vgl. Näh. unter »Füllen«), _Groenikelstenkert_ = Sau- (Schweine)stall, _Jerusalemsfreundstenkert_ = Schafstall. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 99 (Stenkert = Stall); _W.-B. des Konst. Hans_ 255 (_Stenker_); _Pfulld. J.-W.-B._ 345 (_Stinker_; vgl. aber auch [343] unter »Roßstall«: _Stenger_, ferner [340]: _Stierestinker_ = Hühnerstall); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 75 (_Stenkert_); _Schwäb. Händlerspr._ 486 (ebenso, in _Pfedelb._ [213] aber _Stinkert_, das übrigens hier auch »Käs« bedeutet, während es in _Lütz._ [214] soviel wie »Abtritt« ist). Das auch sonst im Rotw. verbreitete Wort gehört der _Etymologie_ nach natürlich zu unserm Zeitw. »stinken«; s. _Pott_ II, S. 35 u. _A.-L._ 610 (unter »Stänker«).]
[Fußnote 615: ([164] auf S. 64.149) S. davongehen; vgl. (betr. _bosten_): abgehen u. (betr. _schef[f]ten_): daher a. E.]
[Fußnote 616: ([165] auf S. 64.149) S. ankleiden.]
[Fußnote 617: ([166] auf S. 64.149) S. absterben.]
[Fußnote 618: ([167] auf S. 64.149) S. (betr. _schiebes_) Anm. 615 u. (betr. _pfichen_) abgehen.]
[Fußnote 619: ([168] auf S. 64.149) S. Ärger.]
[Fußnote 620: ([169] auf S. 64.149) S. Angst.]
[Fußnote 621: ([170] auf S. 64.149) S. anfassen.]
[Fußnote 622: ([171] auf S. 64.149) S. ausstehlen.]
[Fußnote 623: ([172] auf S. 64.149) S. arg.]
[Fußnote 624: ([173] auf S. 64.149) S. absterben.]
erbitten s. bitten [64.150]
erbittert s. entrüstet; vgl. auch zornig
erbrechen (sich), übergeben (sich), _giela_ (Spr.), auch als Subst.: das Erbrechen, Übergeben, _Giela_ (-le)[625]
Erbsen, _Sore_[626]
Erbsenschüssel, _Soreschottel_[627]
Erdäpfel, _Bolla_[628], _Matrele_[629]; vgl. Kartoffel
Erdbeere, _Jahresäftling_ od. _Krachersäftling_[630]
erfassen, _schniffen_[631]
erflehen, _derchen_[632]
erforschen s. ausfragen
erfragen (fragen), _lenzen_[633]
ergrimmt s. entrüstet
erhängen, _aufknüpfen_[634], _schnüren_[635]
erkaufen, _grema_[636]
erkennen, _kneisen_ (gneis[s]en)[637]
[Fußnote 625: ([174] auf S. 64.150) S. Affengesicht.]
[Fußnote 626: ([175] auf S. 64.150) S. Brücke.]
[Fußnote 627: ([176] auf S. 64.150) S. (betr. _Schottel_) Aschenbecher.]
[Fußnote 628: ([177] auf S. 64.150) S. Bratkartoffeln.]
[Fußnote 629: ([178] auf S. 64.150) Diese Vokabel ist im W.-B. _nicht_ zu _Verbindgn._ od. _Zusammensetzgn._ verwendet worden. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93 (_Matrellen_ = »Grundbieren« (d. h. Grundbirnen, schwäb. = Kartoffeln); _Pfulld. J.-W.-B._ 341 (_Matrella_ = Kartoffeln); _Schwäb. Händlerspr._ (U. [214]: _Matrelle_ = Kartoffel). Über weitere rotw. Belege sowie die _Etymologie_ — aus der _Zigeunerspr._ (vgl. »Einleitung«, S. 30) — s. das Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 46, S. 311 (unter »Matrelen-Bosseler«) u. dazu noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1524 (unter »Matērelle«) vbd. mit _Finck_, S. 72 (_matrēli_ = »Kartoffel«).]
[Fußnote 630: ([179] auf S. 64.150) S. Ananas.]
[Fußnote 631: ([180] auf S. 64.150) S. anfassen.]
[Fußnote 632: ([181] auf S. 64.150) S. abbetteln.]
[Fußnote 633: ([182] auf S. 64.150) S. anschauen.]
[Fußnote 634: ([183] auf S. 64.150) Der Ausdruck bedarf keiner Erläuterung, ist aber sonst im Rotw. u. in den Geheimspr. nicht gebräuchlich; vgl. jedoch bei _Karmayer_ 95 die Bezeichng. _Knüpfschragen_ für den Galgen (wohl zu _Schagen_ = »Holzgestell mit schräg od. kreuzweise stehenden Füßen« nach _Weigand_, W.-B. II, Sp. 784).]
[Fußnote 635: ([184] auf S. 64.150) S. aufhängen.]
[Fußnote 636: ([185] auf S. 64.150) S. abkaufen.]
[Fußnote 637: ([186] auf S. 64.150) Das Zeitw. _kneisen_ od. _gneis(s)en_ bedeutet: erkennen (kennen), merken, aber auch: können (wissen, verstehen); dazu die Umschreibung _gneis nobis_ = unbekannt (vgl. schon oben unter »Dietrich«). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 95 ([einen] _kneisen_ = [einen] kennen); _Schöll_ 272 (_kneissen_ — »inne werden«); _Pfulld. J.-W.-B._ 338, 339 (_begneist_ = bekannt, _verkneissen_ = erkennen); _Schwäb. Händlerspr._ 479, 484, 488 (_kneißen_ od. _kneißen_ = bemerken, merken, verstehen, in _Pfedelb._ [213]: _kneissen_, auch = sehen). Über weitere Belege im Rotw. (schon seit dem 17. Jahrh.) sowie die _Etymologie_ s. Näh. bei _Weber-Günther_, S. 178 (unter, »kneisen«). Zu den dortigen Zitaten (A.-L. 559 vbd. mit _Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp. 980 u. 1759 [_g'neißen_ = »(etwas) in die Nase bekommen, wittern, merken, wahrnehmen, ahnen«]) s. auch noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 357 (unter »g[e]neisse[n]«); zu vgl. ferner _H. Meyer_, Richt. Berliner (7. Aufl.), S. 72 (wonach auch in Berlin _kneißen_ für »scharf hinsehen« bekannt ist).]
erlogen, _kohl_ (eigtl. _Kohl_ = Lüge)[638] [64.151]
ermorden, _deisen_ (Partiz.: ermordet, _deist_)[639]
erschlagen, " "
erschießen, _verschnellen_ (erschossen, _verschnellt_)[640]
Erschrecken (das), _Bauser_[641]
ersehen (sehen), _linzen_[642]
ersticken, _begeren_[643]
erwachsen, _grandich_ (od. -dig)[644]
erwacht, _ausdurmt_[645], _ausg'schlaunet_[646]
erwischen, _bestieben_[647], _zopfen_[648]
erwürgen, _deisen_[649]
[Fußnote 638: ([187] auf S. 64.151) S. belügen.]
[Fußnote 639: ([188] auf S. 64.151) Das Zeitw. _deisen_ kommt vor für: ermorden (morden), erschlagen, töten (totmachen, totschlagen [Spr.]), unterbringen, vernichten, dann auch spezieller für »erwürgen« sowie für »schlachten«; dazu die _Zus._ _halbdeist_ = halbtot u. die _Ableitg._ _Deiser_ = Mörder od. Totschläger. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 74 (_deisen_ od. _teißen_ = schlagen, _Teißerei_ = Schlägerei); _Schwab. Händlerspr._ 484, 487 (_deißen_ = töten, metzgen, schlachten, dazu: _Klæbedeißer_ = Pferdemetzger; in _Pfedelb._ [212]: _deisen_ = schlachten, aber _deißen_ = coire [Grundbedtg. auch hier wohl »schlagen«, vgl. (209): _eindeißte Bezem_ = »eingeschlagene Eier«], ferner in _Lütz._ [215): _deisse[n]_ = schlagen, _Deisser_ = Metzger u. in _Degg._ [215]: _Deiss_ = Schlag). Über sonstige rotw. Belege und die (nicht ganz sichere) _Etymologie_ s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 46 u. Anm. 2 u. S. 47 (unter lit. k.: »Teissflamerer«). Auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 139 bezeichnet die Etymol. als »unklar«.]
[Fußnote 640: ([189] auf S. 64.151) S. abschießen.]
[Fußnote 641: ([190] auf S. 64.151) S. Angst.]
[Fußnote 642: ([191] auf S. 64.151) S. anschauen.]
[Fußnote 643: ([192] auf S. 64.151) S. absterben.]
[Fußnote 644: ([193] auf S. 64.151) S. Adler.]
[Fußnote 645: ([194] auf S. 64.151) S. aufwachen.]
[Fußnote 646: ([195] auf S. 64.151) S. ausschlafen.]
[Fußnote 647: ([196] auf S. 64.151) S. bekommen.]
[Fußnote 648: ([197] auf S. 64.151) S. Diebstahl.]
[Fußnote 649: ([198] auf S. 64.151) S. ermorden.]
erzählen, _dibere_[650], _schmusen_[651] [64.152]
Erzählung, _Diberei_, _Schmuserei_
erzeugen, _bodere_ (od. budere), _kirme_, _schnirgle_[652], _schurele_[653], auch _fuchsa_[654]
erzürnt, _stumpfich_[655], auch wohl _lenk_ od. _schof(f)el_[656]
essen, _achila_[657], _biken_, _butten_, _kahla_[658]
Essen (das), _Achilerei_[657], _Bikerei_ (od. _Bikus_), _Butterei_, _Kahlerei_[658]
Eule, _Leile-_ od. _Ratteflederling_, d. h. »Nachtvogel«)[659]
Euter, _Schwächerle_[660]
[Fußnote 650: ([199] auf S. 64.152) S. ansagen.]
[Fußnote 651: ([200] auf S. 64.152) S. anreden.]
[Fußnote 652: ([201] auf S. 64.152) S. (zu allen drei Ausdr.) begatten.]
[Fußnote 653: ([202] auf S. 64.152) S. abbiegen.]
[Fußnote 654: ([203] auf S. 64.152) Das oben unter »begabten« nicht als Syn. angeführte Zeitw. _fuchsa_ kommt sonst m. Wiss. in den Geheimspr. nicht vor. Es ist ein (ziemlich selten gebr.) schwäb. Ausdruck für »unehelich beiwohnen« od. — allgemeiner — »Unzucht treiben«; s. _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1810 (unter »fuchse[n]« vbd. mit _v. Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 208 (unter »fugsen« [u. neben »vögeln«], der zwar das Wort zunächst zu _fügen_ im Sinne von »vereinigen« stellt, jedoch weiter bemerkt, daß es »auch von Vögeln wegen ihrer Begattungslust und vom _Fuchs_ hergeleitet werden« könne, »da auch das lateinische _lupa_ und seine Verwandten ähnliche Begriffe bezeichnen«.]
[Fußnote 655: ([204] auf S. 64.152) S. Ärger.]
[Fußnote 656: ([205] auf S. 64.152) S. arg.]
[Fußnote 657: ([206] auf S. 64.152) Von dem Zeitw. _achila_, _achile(n)_ = essen (kauen, schmausen, verzehren) ist abgeleitet das Hauptw. _Achilerei_ = (das) Essen (Frühstück, Kost, Mahlzeit, Speisen); s. dazu die _Zus._: _Fösslingachilerei_ = Fischessen, _Leileachilerei_ = Nachtessen, _Rundlingachilerei_ = Wurstessen. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Schöll_ 271, 272 (_achlen_ = essen, _Achelsore_ = Eßwaren); _Pfulld. J.-W.-B._ 337, 339, 342, 345 (_acheln_ = essen, _abacheln_ = abfressen, _Achelsore_ = Eßwaren, Lebensmittel, Speisen); _Schwäb. Händlerspr._ 480 (_ach[e]len_ [in _Pfedelb._ (209): _ach¶i¶len_] = essen); s. auch _Pfälz. Händlerspr._ 337 (_achîle_ = essen). Die zuletzt genannten (mit ¶i¶ in der zweiten Silbe gebildeten) Formen kommen auch in der Gauner- u. Kundenspr. vereinzelt vor (s. z. B. _Thiele_ 223 u. A.-L. 516 [_Achile-Bajes_ = Speisehaus, Restaurant]; _Ostwald_ [Ku.] 11 [_ach¶ie¶len_ neben _acheln_]). Über weitere rotw. Belege im allg. (seit d. _Lib. Vagat_ [52]) sowie die _Etymologie_ (vom gleichbed. hebr. _kal_ [od. _āchal_]) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 51, S. 154 (unter »Achelpeter«) vbd. mit _Schütze_, S. 70; vgl. auch _Weber-Günther_, S. 162 (mit Angaben über die Verbreitg. in d. deutsch. Mundarten), ferner _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 90 (unter »achle[n]«) u. _Seiler_, Lehnwort IV, Sp. 489.]
[Fußnote 658: ([207] auf S. 64.152) S. (zu allen drei Ausdr.) Abendessen.]
[Fußnote 659: ([208] auf S. 64.152) S. Abend u. Adler. — Übereinstimmende Bezeichnung der Eule (als _rattjakro tschirkulo_, d. h. gleichfalls »Nachtvogel«) auch in der Zigeunersprache nach _Liebich_, S. 165 u. 193 (vgl. »Vorbemerkung«, S. 18).]
[Fußnote 660: ([209] auf S. 64.152) S. Amme.]
evangelisch, _gril(l)isch_ od. _kril(l)isch_ (Spr.)[661] [64.153]
Exkremente (tierische u. menschliche), _Boslem_[662], _Fu(h)l_[663], _Schond_[664]
F.
Fabel, _Kohl_[665]
Fackel, _Schein_[666]
Faden, _Schure_[667]
Fahne, "
fahren, _ruadla_[668]
fahrende Leute, _jenische Ulma_[669], _Krattler_[670]
Fahrzeug (auf dem Lande), _Rädleng_[671], _Ruadel_[668]
Falle, _Schure_[667]
fallen, _bohla_[672]
[Fußnote 661: ([210] auf S. 64.153) Das Adj. _gril(l)isch_ od. (seltener) _kril(l)isch_ = evangelisch (protestantisch) erscheint auch als Substantivierung _Gril(l)ischer_ = Protestant sowie in die Verneinung _nobis gril(l)isch_ = ungläubig. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 96 (_grillisch_ = lutherisch); _W.-B. des Konst. Hans_ 257 (ebenso, vgl. [256]: _Grillische Käfer-Märtine_ = Württemberg [u. dazu _Günther_ i. d. Zeitschr. »Die Polizei«, Jahrg. IV (1906), Nr. 3, S. 51, Sp. 2]); _Schöll_ 274 (in d. »Bettlersprache«: _crilisch_); _Pfulld. J.-W.-B._ 342 (_grillisch_); _Schwäb. Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [209]: _krillisch_ [oder _krittisch_] = evangelisch, in _Lütz._ [215]: _grillisch_ = protestantisch). Zur _Etymologie_ (des auch sonst im Rotw. [des 19. Jahrb.] bekannten Wortes s. _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 835 (unter »Grill[e]« Nr. 2). Danach nennt die katholische Bevölkerung in gewissen Gegenden Schwabens die Protestanten _Grillen_ (wobei zunächst wohl an unsere _Tier_bezeichnung zu denken ist), u. dazu ist dann als Adj. _grillisch_ (in schlechter Ausspr. _krillisch_) gebildet worden (s. a. a. O., Sp. 836 unter »grillisch«).]
[Fußnote 662: ([211] auf S. 64.153) S. After u. Bäcker.]
[Fußnote 663: ([212] auf S. 64.153) S. Abort.]
[Fußnote 664: ([213] auf S. 64.153) S. abgerahmte Milch.]
[Fußnote 665: ([214] auf S. 64.153) S. belügen.]
[Fußnote 666: ([215] auf S. 64.153) S. alltäglich.]
[Fußnote 667: ([216] auf S. 64.153) S. abbiegen.]
[Fußnote 668: ([217] auf S. 64.153) S. abfahren.]
[Fußnote 669: ([218] auf S. 64.153) S. Bachstelze u. arme Leute.]
[Fußnote 670: ([219] auf S. 64.153) _Krattler_ ist eine mundartliche, besonders in Bayern allgemein übliche Bezeichnung für die »fahrenden Leute«, zunächst eigtl. für »die Tiroler, die gewöhnlich in Gesellschaft ihrer ganzen Familie kleine Karren« (mit zwei Rädern, _Kratten_ genannt, v. latein _caretta_) »voll Obst, Kreide usw. zum Verhandeln nach Bayern ziehen und für den Rückweg Hafnergeschirr usw. zu laden pflegen«. (_Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp. 1385). Vgl. auch _Grimm_, D. W.-B. V, Sp. 2070 (unter »Kratte« Nr. 3) u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 693 (unter »Kratte[n]«). In den Geheimsprachen ist der Ausdruck m. Wiss. sonst nicht gebräuchlich.]
[Fußnote 671: ([220] auf S. 64.153) S. Eisenbahnwagen.]
[Fußnote 672: ([221] auf S. 64.153) S. abfallen.]
fallende Sucht (Fallsucht), _Begerisch_ (subst. Adj.)[673]; vgl. [64.154] Epilepsie
falsch, _lenk_, _schofel_[674]
Falschmünzer, _nobis dofer Bich-_, _Kies-_ od. _Lobepflanzer_ (d. h. »kein guter Geldmacher«)[675]
fangen, _bestieben_[676]
Fastnacht, _Ni(e)sicheschei_ od. _Nillicheschei_ (d. h. der »närrische« oder »Narrentag«)[677]
Fastnachtsküchle, _Nillichescheibrandling_[678]
Fastnachtsmaske, _Ni(e)sichegiel_, _Nilliche-_ od. _Nuschichegiel_ (d. h. »närrisches Maul«)[679]
faul s. falsch
faulenzen, _nobis schenegla_ (d. h. »nicht[s] arbeiten«)[680]
Faust, _Grif(f)leng_[681]
fechten, _doga_[682], _guffa_[683], _ste(c)ken_[684]; vgl. schlagen
Federbett, _Sauft_[685]
Federmesser, _Scharfling_ od. _Scharpfleng_[686]
Fehde, _Guferei_[683], _Hamore_[687], _Stenzerei_[688]
[Fußnote 673: ([222] auf S. 64.154) S. absterben.]
[Fußnote 674: ([223] auf S. 64.154) S. arg.]
[Fußnote 675: ([224] auf S. 64.154) S. Dietrich; vgl. auch (betr. _Bich_) Almosen, (betr. _Kies_) Bankier, (betr. _Lobe_) Bank u. (betr. _-pflanzer_) anbrennen.]
[Fußnote 676: ([225] auf S. 64.154) S. bekommen.]
[Fußnote 677: ([226] auf S. 64.154) S. aberwitzig u. alltäglich. In _gleicher_ Weise wird Fastnacht auch bei den Zigeunern bezeichnet; s. _Liebich_, S. 169 (_narbuléngĕro diwes_, d. h. »Narrentag«) u. _Finck_, S. 55, (_narwelengero díwes_).]
[Fußnote 678: ([227] auf S. 64.154) S. (btr. _Brandling_) Apfelkuchen.]
[Fußnote 679: ([228] auf S. 64.154) S. Affengesicht.]
[Fußnote 680: ([229] auf S. 64.154) S. (betr. _nobis_) Dietrich u. (betr. _schenegla_) abschaffen.]
[Fußnote 681: ([230] auf S. 64.154) S. Daumen.]
[Fußnote 682: ([231] auf S. 64.154) S. abgeben.]
[Fußnote 683: ([232] auf S. 64.154) S. aufschlagen.]
[Fußnote 684: ([233] auf S. 64.154) S. beschenken.]
[Fußnote 685: ([234] auf S. 64.154) S. Bett.]
[Fußnote 686: ([235] auf S. 64.154) S. Dolch.]
[Fußnote 687: ([236] auf S. 64.154) _Hamore_ = Streit (Fehde, Gefecht, Geschrei, Gezänk, Handgemenge, Kampf, Prügelei, Schlägerei) erscheint in _Wittichs_ W.-B. gewissermaßen als Synonym zu _More_ (= Prügelei, Streit) od. _Morerei_ (= Geschrei, Gezänk, Streiten), die wohl gleichen Stammes sein dürften (s. d. Etymologie). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 255 (_Hamore_ = Händel); _Schöll_ 272 (ebenso); _Pfulld. J.-W.-B._ 340, 345 (_More_ = Händel, _Mori_ = Streit, Zus. _Morekaffen_ [lies: _-kaffer_] = »bestohlene Diebsverfolger«); _Schwäb. Händlerspr._ 479 (_Môrest_ od. _Mores_ = Angst, in U. [214]: _Mōre_ = Streit u. _mōre[n]_ [in _Lütz._ (214): _hamīre(n)_] = streiten); s. auch _Pfälz. Händlerspr._ 438 (_Môres_ = Angst). Über weitere Belege im Rotw. sowie d. _Etymologie_ s. noch Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 48, S. 334, Anm. 4. Da das _Pfulld. J.-W.-B._ (340) _More_ durch ganz denselben Ausdruck (»Händel«) verdeutscht wie die _älteren_ rotw. Quellen _Hamore_, so läßt dies wohl darauf schließen, daß es sich hier um dasselbe Wort handelt. _More_ aber (von dem weiter _Morerei_ — ev. durch Vermittlung eines Zeitw. _mōren_ [s. _Schwäb. Händlerspr._ in _Lütz._ (214)] — leicht gebildet werden konnte), dürfte wohl zu dem hebr. _môr'_ = »Furcht« gestellt werden, wie es denn auch im Rotw. (des 19. Jahrh.) mehrfach durch »Angst« od. »Furcht« wiedergegeben ist (u. ebenso in d. _Schwäb. u. Pfälz. Händlerspr._ [s. oben]). Jedenfalls erscheinen diese Hypothesen wohl weniger gesucht als die bei _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1093 — allerdings nur mit einem _Fragezeichen_ — aufgestellte, wonach zu _Hamore_ das hebr. _chămôr_ = »Esel« herangezogen worden.]
Feiertag, Festtag, _Weisleng_[689]. (Obgleich _Weisleng_ eigentlich [64.155] Sonntag bedeutet, wird doch auch jeder andere Feiertag damit bezeichnet)
Feigling, _Buxeschmelzer_ (d. h. eigtl. »Hosenscheißer«)[690]
fein, _dof_, _g'want_[691]
feines Haus, _dofe Kitt_[692]; vgl. Schloß
Feldschütz s. Flurschütz
Felleisen, _Rande_[693]
Felsen, _grandicher Kies_ (d. h. »großer Stein«)[694]
[Fußnote 688: ([237] auf S. 64.155) S. Ast.]
[Fußnote 689: ([238] auf S. 64.155) Mit _Weisleng_ (-ling) = Sonntag (Feier-, Festtag) sind folgende _Zus._ gebildet worden: _Brandlingweisling_ (d. h. eigtl. »Kuchensonntag« = Kirchweihsonntag (der durch Kuchenessen gefeiert zu werden pflegt), _Bäzemaweisling_ (d. h. eigtl. »Eiersonntag«) = Ostern (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.), _Schuberleweisling_ (d. h. eigtl. »Geistsonntag« [mit Bez. auf die Ausgießung des heiligen Geistes]) = Pfingsten (s. d. betr. Analogie in d. Zigeunerspr.). Aus dem _verw. Quellenkr._ kennt nur die _schwäb. Händlerspr._ in _Deggingen_ (215) _Weissling_ in der Bedeutg. »Sonntag«. Im _Rotw._ kommt dagegen die Vokabel in diesem Sinne _nicht_, dagegen für sehr verschiedene Dinge (mit weißer od. glänzender Farbe) vor, so z. B. für _Ei_ (so auch in der _schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 68), für _Milch_ (so auch in der _schwäb. Händlerspr._ 484), für _Schnee_ (s. z. B. schon _Schintermicherl_ 1807 [288]), für den »Silbergnanziger« (s. _Fröhlich_ 1851 [419]; vgl. in der neueren Kundenspr. die Bdtg. »Zwanzig- od. Fünfpfennigstück«) usw. Vgl. _Pott_ II, S. 8, A.-L. 621, _Günther_, Rotwelsch, S. 62 u. in _Groß'_ Archiv, Bd. 33, S. 296 u. Anm. 3. Der _Etymologie_ nach nimmt _Weissling_ = Sonntag usw. jedenfalls wohl Bezug auf das Weiße als »Farbe des Tages, Lichtes .. und _der festlichen Freude_« (vgl. Näh. dazu bei _H. Schrader_, Wundergarten, S. 70).]
[Fußnote 690: ([239] auf S. 64.155) S. Beinkleid u. Abort.]
[Fußnote 691: ([240] auf S. 64.155) S. angenehm u. anmutig.]
[Fußnote 692: ([241] auf S. 64.155) S. angenehm u. Abort.]
[Fußnote 693: ([242] auf S. 64.155) S. Bauch.]
[Fußnote 694: ([243] auf S. 64.155) S. Adler u. Apfelkern. — Dieselbe Umschreibung kennt auch die Zigeunersprache; s. _Liebich_ S. 196 (_bāro parr_, d. h. »großer Stein« [od. _pesso parr_, d. h. »dicker Stein«] = Fels).]
Fenster, _Feneter_[695], _Schei_[696] [64.156]
Fensterglas, _Feneter-_ od. _Scheiglansert_[697]
Ferkel, _Balo_, _Groanikel_[698]
Ferse, _Tritt_[699], _Trittleng_[700]
Fett, _Schmunk_[701]
Fettbüchse, _Schmunkschottel_[702]
feucht, _flu(h)tich_[703]
Feuer, _Funk_[704]
[Fußnote 695: ([244] auf S. 64.156) _Zusammengesetzt_ damit ist nur _Feneterglansert_ = Fensterglas. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 258 (_Fenette_ [fem. gen.] = Fenster); _Schöll_ 271 (_Feneter_); _Pfulld. J.-W.-B._ 389 (_Finetter_) _Schwäb. Händlerspr._ 480 (_Feneter_ od. _Finêter_); s. auch _Metzer Jenisch_ 216 (_Fenēt_); _Eifler Hausiererspr._ 490 (_Finet_) u. _Winterfeld_, _Hausiererspr._ 441 (_Finester_ = Fenster u. Auge). Zur _Etymologie_ (vom franz. _fenêtre_ [ital. _finestra_]) s. _Pott_ II, S. 17, _Günther_, Rotwelsch, S. 37 u. _Weber-Günther_, S. 173; vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1052. Da _Wittich_ in sr. »Einleitung« (S. 29) die Vokabel unter den aus der _Zigeunersprache_ stammenden (in der Form _Fenetra_) aufgeführt hat, mag es sein, daß seine »jenischen Leute« sie _zunächst_ von den Zigeunern übernommen haben, die sie (in ähnl. Form) auch kennen (s. _Finck_, S. 57: _fenétri_ = »Fenster«, während _Liebich_ S. 196 dafür nur _wochni_ hat [vgl. bei _Jülling_, S. 227: _Wochli_ = Fensterscheiben]); doch geht natürlich auch das Zigeunerwort wohl zweifelsohne auf das Französische zurück (vgl. »Vorbemerkg.«, S. 10, Anm. 26 u. »Einleitg.« S. 29, Anm. 93).]
[Fußnote 696: ([245] auf S. 64.156) S. alltäglich.]
[Fußnote 697: ([246] auf S. 64.156) S. (betr. _Glansert_) Bierglas.]
[Fußnote 698: ([247] auf S. 64.156) S. (zu beiden Ausdr.) Eber.]
[Fußnote 699: ([248] auf S. 64.156) S. Entenfuß.]
[Fußnote 700: ([249] auf S. 64.156) _Trittleng_ (-ling) bedeutet (ähnlich wie _Tritt_) Fuß (Ferse), aber besonders auch Schuh od. Stiefel. _Zusammensetzgn._ damit sind: a) _im Anfang_: _Trittlengstreifling_ = Fußlappen; b) _am Ende_: _Grif(f)lingtrittling_ = Handschuh, _Halbtrittleng_ = Halbstiefel, _Traperttrittling_ = Huf (eigtl. wohl Pferdefuß; vgl. _Traperttritt_ = »Gaulfuß« [s. oben unter »Entenfuß«]. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 92, 98 (_Trittling_ = Füße, Schuh); _Schöll_ 271 (Form: ebenso, Bedtg.: Fuß); _Pfulld. J.-W.-B._ 344 (ebenso); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 75, 76 (_Trittling_ = Schuh, Stiefel); _Schwäb. Händlerspr._ 481, 486, 487 (Form: ebenso, Bedtgn.: Fuß, Schuh, Stiefel, vgl. _Trittlingspflanzer_ = Schuster); auch im _Pleißlen der Killertaler_ (436) hat _Trittling_ _dieselben_ Bedeutgn. Über weitere Belege im Rotw. u. die _Etymologie_ (zu »Tritt« bzw. »treten«) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 46, S. 18 u. Anm. 1 u. S. 19.]
[Fußnote 701: ([250] auf S. 64.156) S. Bratkartoffeln.]
[Fußnote 702: ([251] auf S. 64.156) S. (betr. _Schottel_) Aschenbecher.]
[Fußnote 703: ([252] auf S. 64.156) S. abbrühen.]
[Fußnote 704: ([253] auf S. 64.156) S. abbrennen.]
Feuersbrunst, _grandicher Funk_ (d. h. »großes Feuer«)[705] [64.157]
Feuerstein, _Funkkies_[706]
feurig, _funkich_[707]
Fichte, _Stöber_[708]
Fichtenwald, _Jahre_, _Kracher_ (d. h. überhaupt »Wald«)[709]
Filzlaus, _Kenem_[710]
Finger, _Grif(f)ling_[711]
Fingerhut, _Grif(f)lingoberman(n)_[712]
[Fußnote 705: ([254] auf S. 64.157) S. Adler u. abbrennen. — Auch die Zigeuner haben keinen besonderen Ausdruck für Feuersbrunst, sondern sagen dafür _bāro jāk_, d. h. gleichfalls »großes Feuer«, oder _diwii jāk_, d. h. »wildes, wütendes Feuer« (s. _Liebich_, S. 197); vgl. »Vorbemerkg.«, S. 17.]
[Fußnote 706: ([255] auf S. 64.157) S. (betr. _Kies_) Apfelkern.]
[Fußnote 707: ([256] auf S. 64.157) S. abbrennen.]
[Fußnote 708: ([257] auf S. 64.157) S. Apfelbaum.]
[Fußnote 709: ([258] auf S. 64.157) S. (zu beiden Ausdr.) Ananas.]