Die jenische Sprache

Part 18

Chapter 182,865 wordsPublic domain

[Fußnote 551: ([100] auf S. 64.141) Die Vokabel ist im _obigen_ Sinne sonst nirgends bekannt; herangezogen werden könnten ja allenfalls (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 99 (_Hegis_ = Spital, Bettelhaus), _Pfulld. J.-W.-B._ 337 (_Heges_ = Armenhaus) u. _Schwäb. Händlerspr._ 482 (_Hêges_ = kleines Haus), _wenn_ man nämlich eine Bedeutungsveränderung von »kleines _Haus_« (Bettel- oder Armenhaus usw.) zu »kleines _Dorf_« für möglich hält. Auch für _Hegis_ (-es) usw. in _jenem Sinne_, das auch z. B. schon im _Lib. Vagat_, 54 (_Hegiß_ = Spital) vorkommt, ist die _Etymologie_ übrigens zweifelhaft; A.-L.s Hypothesen (548 unter »Heckdisch«) erscheinen zu gesucht. Dagegen könnte das jüd. _hekdisch_ = »Siechenhaus, Bettlerherberge«, vom neuhebr. _hekdêsch_ = »was dem Heiligtum geweiht ist«, »Geheiligtes« (zu _hkdasch_ = »abgesondert sein«) als Quelle herangezogen werden (nach Dr. _A. Landau_). _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1351 (unter »Hegis«) hat keine Erklärung gegeben. — Vielleicht könnte _Heges_ = Dörflein auch einfach aus unserm _deutsch. Hege_ (= »Umhegung, Umzäunung« [vgl. _Weigand_, W.-B. I, Sp. 831]) weiter gebildet worden sein.]

[Fußnote 552: ([101] auf S. 64.141) S. abbiegen.]

[Fußnote 553: ([102] auf S. 64.141) S. Baumholz.]

[Fußnote 554: ([103] auf S. 64.141) _Stupfle_ = Dorn, Stachel ist in dem _verw. Quellenkr._ zwar _nicht_ bekannt, dagegen findet sich hier das Zeitw. _stupfen_ = stechen, zu dem das Hauptw. als _Ableitg._ gehört; vgl. _Pfulld. J.-W.-B._ 337, 342, 344 (_ausstupfen_ = ausstechen; _stupfeln_ = nähen, _Stupfler_ = Schneider [schon im _W.-B. des Konst. Hans_ dafür: _Stupfer_]); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 69 u. 75 (_stupfen_ = stechen, erstechen); _Schwäb. Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [209, 213]: ebenso, sonst [486] dafür: _dupfen_ [worüber Näh. in _Wittichs W.-B._ unter »stechen«]; vgl. 484, 486: _Stupfer_ = Schneider, _Stupflerin_ = Näherin, womit auch zu vgl. _Pleißlen der Killertaler_ 436 [_Stupferles-Penk_ = Schneider, _Stupferles-Senn_ = Näherin, auch Floh, für _erstere_ Bedtg. auch _Stupferin_, während _Stupfer_ hier »Gabel« bedeutet]). Zur _Etymologie_: das Stammwort _stupfen_ = stechen (s. oben) gehört der südd., insbes. schwäbisch. u. bairischen Mundart an. S. Näh. bei _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 79 (unter »Stupfer«) vbd. mir _v. Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 515, Nr. 3 u. _Schmeller_, Bayer. W.-B. II, Sp. 774. Über den auf den _gleichen_ Stamm zurückgehenden jenisch. Ausdr. _Stupfel_ od. _Stupfleng_ = Igel s. noch weiter unten.]

[Fußnote 555: ([104] auf S. 64.141) S. Abort.]

[Fußnote 556: ([105] auf S. 64.141) S. abgerahmte Milch.]

[Fußnote 557: ([106] auf S. 64.141) S. Ärger.]

duften, _dof muffen_ (eigtl. »gut riechen«; _herles muft's dof_, hier [64.142] riecht es gut[558]

dumm, _ni(e)sich_, _nillich_, _nuschich_[559]

dummer Mensch s. Dummkopf

Dummheit, _Hegelei_[560], _Ni(e)serei_, _Nillerei_, _Nuscherei_[559]

Dummkopf, _Hegel_[560], _Ni(e)se_, _Nille_, _Nusche_[559]

Dünger s. Dreck

dunkel, _leile_ (= Leile), _ratte_ (= Ratte, d. h. Nacht)[561]

dürftig, _dercherich_ (eigtl. »bettelhaft«)[562]

Durst, _Schwächerich_ (subst. Adj.; s. durstig)[563]

dursten, mich durstet, _mich schwächert's_[563]

durstig, _schwächerich_ (Spr.)[563]

E.

Eber, _Balo_[564], _Groanikel_[565]

[Fußnote 558: ([107] auf S. 64.142) S. angenehm u. Aas.]

[Fußnote 559: ([108] auf S. 64.142) S. aberwitzig.]

[Fußnote 560: ([109] auf S. 64.142) _Hegelei_ ist — ebenso wie das Adj. _hegelich_ = unverständig — eine Ableitung von _Hegel_ = Dummkopf (dummer Mensch), Einfaltspinsel, Geck, Narr; dazu die Zusstzgn. _Hegelkitt_ = Irrenhaus u. _Hegellauti_ = närrischer Kerl, Possenreißer (wobei die Bedtg. des _-lauti_ zweifelhaft bleibt). Auch das _Metzer Jenisch_ 216 kennt _Hēgel_ = Dummkopf, wogegen das Wort in den zunächst _verw. Quellen_ in diesem Sinne _un_bekannt erscheint (s. jedoch _Pfulld. J.-W.-B._ 389 [_Jahrhegel_ = Förster]). Über das Vorkommen der Vokabel im sonstigen _Rotwelsch_ (in d. Formen _Hegel_, _Heckel_, _Häckel_, _Hög[e]l_ mit den Bedtgn. »Narr, Geck; Lump; Schaf; Bauer«) sowie ihre _Etymologie_ s. die Angaben in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 6, 7 u. dazu noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1330 (unter »Hegel«) vbd. mit Sp. 1011 (unter »Häckel« I, Nr. 2), der Heckel = »roher Mensch« zu »_hacken_« stellt. Vgl. auch _Weber-Günther_, S. 183 (unter »Häckel«).]

[Fußnote 561: ([110] auf S. 64.142) S. Abend; vgl. über den Gebrauch des Substantivs als Adjektiv: »Vorbemerkg.«, S. 15, Anm. 38 a. E.]

[Fußnote 562: ([111] auf S. 64.142) S. abbetteln.]

[Fußnote 563: ([112] auf S. 64.142) S. Amme.]

[Fußnote 564: ([113] auf S. 64.142) _Balo_ = Schwein, Sau (Eber, Hauer, auch Ferkel) findet sich (in dem _verw. Quellenkr._) schon bei _Schöll_ 271, während das _Pfulld. J-W.-B._ 343, 344 die Form _Bale_ (= Sau, Schwein), die _schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 75 aber _Male_ (= Schwein) hat, was wohl nur verdruckt sein dürfte. Über weitere Belege im Rotw. sowie die _Etymologie_ des Wortes (aus der _Zigeunerspr._ [vgl. »Einleitung«, S. 29]) s. d. näh. Angaben in _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 32 u. Anm. 3 u. S. 33 u. Anm. 1 (zu »Balebumser«), u. dazu noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1419 (unter »Male«) vbd. mit _Finck_, S. 49 (_bálo_ oder _bālo_ = »Schwein«).]

[Fußnote 565: ([114] auf S. 64.142) _Groanikel_ od. (häufiger) _Groenikel_, Syn. zu _Balo_, findet sich auch in verschied. _Zusammensetzgn._ (während solche mit _Balo_ _nicht_ gebildet sind) u. zwar: a) _am Anfang_: _Groenikelbenk_ od. _-schure_ = Sau- od. Schweinehirt, _Groenikelstenkert_ = Sau- od. Schweinestall, _Groenikelbossert_ = Schweinefleisch, _Groenikelkemerer_ = Schweinehändler, _Groenikelkafler_ = Schweinemetzger, _Groenikelschwächerle_ = Schweinezitzen, _Groenikelstrauberts_ = Schweinsborsten; b) _am Ende_: _Flu(h)tegroanikele_ = Meerschweinchen u. _Mameregroanikel_ = Mutterschwein. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 99 (_Kranickel_ = Schwein); _Pfulld. J.-W.-B._ 343, 344 (_Kronickel_ = Sau, Schwein); _Schwäb. Händlerspr._ 486 (_Krûnikel_, _Krônikel_ [_in Pfedelb._ (213): _Graunickel_], auch wohl bloß _Nickel_ = Schwein). Über weitere rotw. Belege sowie die _Etymologie_ (zu mundl. _gronen_ [_graunen_] u. ä. = »grunzen« [s. bes. _Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp. 1000] u. _Ni[c]kel_, Abkürzung vom Eigennamen _Nikolaus_ [vgl. oben unter »Bulle« betr. _Hornickel_], also eigtl. »Grunznikel« [wie in _Strelitz. Gloss._ v. 1747 (214/15)]) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 33 u. Anm. 2 (zu »Kronickels-Bumser«); vgl. auch noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 849/50 (unter »Gronickel«, mit Anfühg. von bayr. _Gronigl_ = »Murrkopf« nach _Schmeller_, a. a .O. 1, Sp. 1772 unter »Nickel«).]

echt, _dof_[566] [64.143]

edel, _dof_[566], _g'want_[567]

Edelmann, _Sins_, femin. (Edeldame), _Sense_[568]

Edelstein s. Diamant

Ehe, _Vergrönt_ (= _vergrönt_, d. h. eigtl. »_in_ der Ehe«, »verheiratet«)[569]; vgl. Heirat u. Hochzeit

[Fußnote 566: ([115] auf S. 64.143) S. angenehm.]

[Fußnote 567: ([116] auf S. 64.143) S. anmutig.]

[Fußnote 568: ([117] auf S. 64.143) S. Amtmann.]

[Fußnote 569: ([118] auf S. 64.143) Es liegt hier wohl vor der Fall des Gebrauchs eines Partizips (_vergrönt_ = verheiratet [ehelich], von dem Zeitw. _vergrönen_ od. _vergröneren_ = [ver]heiraten, verehelichen) als Substantiv (s. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 36); vgl. als Gegensatz: _nobis vergrönt_ = ledig (unverehelicht, unverheiratet) u. daher _nobis vergrönter Benges_ od. _Käfferle_ = lediger Mann, Junggeselle. Eine _Ableitg._ von _vergröne(re)n_ ist _Vergrönerei_ = Heirat, während _Groenerei_ = Hochzeit (nebst d. _Zus._ _Groenereibikus_ od. _-kahlerei_ = Hochzeitsschmaus) ein einfaches _groenen_ = heiraten voraussetzt, das aber im W.-B. nicht angeführt ist. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 91, 93, 94 (_Grunerej_ = Hochzeit, _Kocheme Grunerej_ = Diebshochzeit, _Grünt'schaj_ od. _-Mos_ = Ehefrau, _Grün-Kaffer_ = Ehemann); _Schöll_ 271 (_Grunerey_ = Hochzeit); _Pfulld. J.-W.-B._ 339, 340 (_Gränerei_ = Ehe, Hochzeit, _Kränerei_ = Heirat, _Grenzgasch_ = Ehe, _Grängoi_ = Eheweib); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 68-70 (_krönern_ = heiraten, _Krönerin_ = Ehefrau, _Kroner_ = Ehemann, _Krone_ = Frau); _Schwäb. Händlerspr._ 482 (_krönen_ od. _krö[h]nern_ = heiraten, dazu [in _Pfedelb._ (209): _Krönerei_ = Hochzeit, _Kröner_, _Krönerin_ = Ehemann, -frau, ferner _vergrünt_ [in _Pfedelb._ (213): _verkrönert_] = verheiratet). Zur (nicht sicheren) _Etymologie_ des Wortes (das vermutlich mit dem Aufsetzen einer Krone als Hochzeitszeremonie zusammenhängt) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 56 u. Anm. 1 u. S. 57 u. Anm. 2 (unter »Krönerin«) sowie Bd. 56, S. 69 (unter »Krone«).]

Ehebrecherin, _Lubne_[570] od. _schofle Mos(s)_[571] [64.144]

Ehefrau, _Mos(s)_[571]

ehelich s. Ehe

Ehemann, _Kaffer_[572]

ehrbar, _dof_[573]

ehrenhaft, ehrenwert, "

ehrlich, "

Ei, _Bäzem_, plur. _Bäzema_ (od. _-me_)[574]

Eiche, _Stöber_[575]

Eichhörnchen s. Baumkatze

Eid, _Schure_[576]

[Fußnote 570: ([119] auf S. 64.144) S. Beischläferin.]

[Fußnote 571: ([120] auf S. 64.144) S. arg u. Bauernfrau.]

[Fußnote 572: ([121] auf S. 64.144) S. Bauer.]

[Fußnote 573: ([122] auf S. 64.144) S. angenehm.]

[Fußnote 574: ([123] auf S. 64.144) Der Plural _Bäzeme_ bedeutet auch: »Hoden«. Ebenso handelt es sich bei dem — nach _Wittich_ (im Manuskript) mit Unrecht davon scharf gesonderten — _Betzam_ od. _Bezem_ = männliches Glied, penis, das — wie er selber bemerkte — »in der Aussprache kaum davon zu unterscheiden« ist, um _dasselbe_ Wort, nur in etwas anderer Schreibung (vgl. die Etymol.). _Zus._ a) mit _Bäzem(e)_ = Ei(er) sind: [Griechisch: a]) _am Anfang_: _Bäzemabrandleng_ = Eierkuchen, _Bäzemagachne_ od. _-stierer_ = Legehuhn, _Bäzemaschei_ (eigtl. »Eiertag«) = Karfreitag (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.; vgl. auch schon »Vorbemerkung«, S. 18); [Griechisch: b]) _am Ende_: _Fläderlingbäzeme_ = Vogeleier, _Strohbutzersbäzeme_ = Gänseeier. b) Mit _Bäzeme_ = Hoden ist gebildet _Bäzemerande_ = Hodensack. c) Mit _Betzam_ (Bezem) = penis fehlen Zusammensetzgn. im W.-B. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 339 (_Betzum_ = Ei); _Schwäb. Händlerspr._ 480 (_Betze_ od. _Betzum_ = Eier, in _Pfedelb._ [209]: _Bezem_ = Ei u. Eier, ebds. [211] _Bēzĕmĕ_ = membrum muliebre, dagegen in _Lütz._ [215] — übereinstimmend mit _Wittichs_ Jenisch — = membrum virile); s. auch noch _Pfälz. Händlerspr._ 437 u. _Metzer Jenisch_ 212 (_Bĕtzche_ = Ei). Die Bedeutg. von _Betzam_ (Bezem) = membrum virile kennt auch schon das Rotwelsch des 19. Jahrh. (s. z. B. _Pfister_ 1812 [_Pehzem_ = männliches Glied]; _v. Grolman_ 7 u. _T.-G._ 98 [_Behzem_]; _Castelli_ 1847 [391: _Bedzem_]; ebenso: _Fröhlich_ 1851 [394] u. _Wiener Dirnenspr._ 1886 [417], während A.-L. 523 _Bezem_ hat). — Über die sehr verschiedenen Formen des Wortes (in der _ursprgl._ Bedeutg. »Ei«) im Rotw. sowie die _Etymologie_ (vom gleichbed. hebr. _bêça_ [jüd. bezo], plur. _beçîm_) s. _Weber-Günther_, S. 152/53 (unter »Bärkse«) vbd. mit A.-L. 523 (unter »Beitze«) u. 341 (unter »Beza«), _Günther_, Rotwelsch, S. 26, _Stumme_, S. 23 u. _Kleemann_, S. 235. Über die Bedeutungserweiterung (zu dem Begriff _penis_) s. _A.-L._ 523 u. _Müller_ in d. »Anthropophyteia«, Bd. VIII, S. 4 mit weiteren Angaben. Ob der Gebrauch des Wortes für membrum _muliebre_ (bei d. schwäb. Händl. i. _Pfedelb._ [s. oben]) auf einer weiteren Bedeutungsverschiebung oder auf Ungenauigkeit beruht, mag dahingestellt bleiben.]

[Fußnote 575: ([124] auf S. 64.144) S. Apfelbaum.]

[Fußnote 576: ([125] auf S. 64.144) S. abbiegen.]

Eierkuchen, _Bäzemabrandleng_[577] [64.145]

eifersüchtig, _lenk_, _schofel_[578]

Eimer, _Schure_[576]

einblasen, _einschurele_[576]

einbrechen, "

einbrennen, _einfunken_[579]

einfahren, _einruadla_[580]

einfallen, _einplotza_[581]

einfältig, _ni(e)sich_, _nillich_, _nuschich_[582]

Einfaltspinsel, _Hegel_[583]

einfangen, _einschurele_[576]

einfüllen, "

eingeben, "

einhandeln s. einkaufen

einhauen, _einguffen_[584]

einheizen, _einfunken_[579]

einkaufen, _einbaschen_ (Spr.), _eingreme_[585]

einkerkern, _eindofema_, _einleken_[586]

einlaufen, _ei'bosten_[587]

einnähen, _ei'stichle_[588]

einsalben, _einschunde_[589]

einsalzen, _einspronken_[590]

[Fußnote 577: ([126] auf S. 64.145) S. (betr. _Brandleng_) Apfelkuchen.]

[Fußnote 578: ([127] auf S. 64.145) S. arg.]

[Fußnote 579: ([128] auf S. 64.145) S. abbrennen.]

[Fußnote 580: ([129] auf S. 64.145) S. abfahren.]

[Fußnote 581: ([130] auf S. 64.145) S. bewerfen.]

[Fußnote 582: ([131] auf S. 64.145) S. aberwitzig.]

[Fußnote 583: ([132] auf S. 64.145) S. Dummheit.]

[Fußnote 584: ([133] auf S. 64.145) S. aufschlagen.]

[Fußnote 585: ([134] auf S. 64.145) S. (zu beiden Ausdr.) abkaufen.]

[Fußnote 586: ([135] auf S. 64.145) S. (zu beiden Ausdr.) Arrest.]

[Fußnote 587: ([136] auf S. 64.145) S. abgehen.]

[Fußnote 588: ([137] auf S. 64.145) S. aufnähen.]

[Fußnote 589: ([138] auf S. 64.145) S. abgerahmte Milch.]

[Fußnote 590: ([139] auf S. 64.145) Das Zeitw. _einspronken_ (s. dazu die _Verbdg._ _eingespronkter Bossert_ = Pökelfleisch) ist ebenso wie das einfache _spronkere_ = salzen (richtiger doch wohl: _spronken_?) — u. dazu _g'spronkt_ od. _gesprunkt_ = gesalzen, salzig — eine Ableitung von dem Hauptwort _Spronkert_ = Salz. Mit diesem sind zusammengesetzt: _Spronkert-Flössling_, _Spronkertflotscher_ od. _-schwimmerling_ (d. h. eigtl. »Salzfisch«) = Hering (s. d. betr. Übereinstimmg m. d. Zigeun.), _Spronkertschottel_ = Salzbüchse, _Spronkertbossert_ = Salzfleisch, _Spronkertnolle_ = Salznapf. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 98 (_Sprunkert_ = Salz); übereinstimmd.: _Schöll_ 271 u. _Pfulld. J.-W.-B._ 343 (hier [339] auch: _einsprunken_ = einsalzen); _Schwäb. Händlerspr._ 485 (_Sprungert_ [in _Pfedelb._ (212): _Sprunk_] = Salz). Auch die _Pfälz. Händlerspr._ 439 kennt _Sprungert_. Über weitere Belege des Wortes in Rotw. (wo es schon seit d. 15. Jahrh. — in sehr wechselnden Formen — auftritt) u. seine (nicht sichere) _Etymologie_ s. Näh. bei _Weber-Günther_, S. 187/88 (unter »Sprunkert«) vbd. m. _Pott_ II, S. 35, _A.-L._ 610 u. _Hoffmann-Krayer_ im Schweiz. Archiv für Volkskunde, Bd. III, S. 246, Anm. 132 (die an die Zeitw. »springen«, »sprenkeln« u. »[be]sprengen« gedacht haben).]

einschlafen, _ei'durme_ (-ma)[591], _einschlauna_[592] [64.146]

einschlagen s. _einhauen_

einschlummern s. einschlafen

einschmieren s. einsalben

einschneiden, _einschurelen_[593]

einschnüren, "

einschreiben, _einfebera_[594]

einschütten, _einschurelen_[593]

einspannen, "

einsperren s. einkerkern

einstecken " "

einstürzen, _einbohla_[595]

einwerfen, _einplotza_[596]

Eis, _Schure_[593]

Eisen, "

Eisenbahn, _Rutsch_[597]

Eisenbahnarbeiter, _Rutschschenegler_[598]

Eisenbahnwagen, _Rutschrädling_[599]

[Fußnote 591: ([140] auf S. 64.146) S. aufwachen.]

[Fußnote 592: ([141] auf S. 64.146) S. ausschlafen.]

[Fußnote 593: ([142] auf S. 64.146) S. abbiegen.]

[Fußnote 594: ([143] auf S. 64.146) S. abschreiben.]

[Fußnote 595: ([144] auf S. 64.146) S. abfallen.]

[Fußnote 596: ([145] auf S. 64.146) S. bewerfen.]

[Fußnote 597: ([146] auf S. 64.146) S. Bahn.]

[Fußnote 598: ([147] auf S. 64.146) S. (betr. _Schenegler_) abschaffen.]

[Fußnote 599: ([148] auf S. 64.146) _Rädling_ (-leng) = Fahrzeug (auf dem Lande), Wagen findet sich noch in der _Verbindg._ _dofer Rädling_ (d. h. »schöner Wagen«) = Kutsche sowie in folgenden _Zusammensetzgn._: a) _am Anfang_: _Rädlingkaffer_ = Fuhrmann u. _Rädlingpflanzer_ = Kutschenbauer, Wagner; b) _am Ende_: _Kritzlerrädling_ (eigtl. »Briefwagen«) = Postwagen u. _Schmelemerrädling_ = Zigeunerwagen. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 255 (_Rädling_ = Landkutsche); _Pfulld. J.-W.-B._ 346 (= Wagen); _Schwäb. Händlerspr._ 488 (ebenso; Syn. _Rdel_ od. _Rudel_). Über weitere rotw. Belege u. die _Etymologie_ (zu »Rad«) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 25 u. Anm. 1 (unter »Radlinger«) vbd. m. _Pott_ II, S. 37, _A.-L._ 583 u. _Günther_, Rotwelsch, S. 99, Anm. 118; vgl. auch Archiv, Bd. 46, S. 27 (_Radlingpflanzer_ = Wagner bei _Karmayer_ 130).]

eisig, _bib(e)risch_ (eigtl. »kalt«)[600] [64.147]

Eiswasser, _Biberischerflu(h)te_ (d. h. eigtl. »kaltes Wasser«)[601]

elend, _lenk_, _schofel_[602] (elend daran gewesen, _schofel daran gehauret_)[603]

Elster, _Flederling_[604] oder (genauer) _Stämpfflederling_[605], d. h. »der schimpfende Vogel«[606]

Eltern, _Patris[607] und Mamere_[608], d. h. »Vater und Mutter«[609]

[Fußnote 600: ([149] auf S. 64.147) Das Adj. _biberisch_ (bibrisch [Spr.]) = kalt (eisig, frostig), das auch als Subst. (= Kälte, Frost) gebracht wird, ist eine _Ableitung_ von dem Zeitw. _biberen_ = frieren (_mich biberts'_ = mich friert's). Eine _Zus._ mit _biberisch_ ist _Biberischerflu(h)te_ = Eiswasser. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 94 (_biberisch_ = kalt); _Pfulld. J.-W.-B._ 339, 341 (_biberisch_ = kalt, _biberen_ = frieren, _verbibern_ = erfrieren); _Schwäb. Händlerspr._ 482 (_biberisch_ = kalt, in _Pfedelb._ [209, 210]: _biberen_ = frieren [z. B. _mi bibert's an d' Grifling_ = mich friert's an den Händen] u. _verbiberen_ = erfrieren). Sowohl das Adj. wie das Zeitw. sind auch sonst im Rotw. bekannt (letzteres auch mit den _Neben_bedeutgn. »beten« u. »lesen«; s. A.-L. 524). Der _Etymologie_ nach erscheint _biberen_ (wie auch das gemeinspr. _bebern_ = »heftig beben« u. d. mundartl. _bibbern_ od. _bebbern_ = »zittern« [s. z. B. _H. Meyer_, Richt. Berliner, 7. Aufl. (1911), S. 19]) wohl als »Iteritivbildung« von »beben«. _S. Pott_ II, S. 17 vbd. mit _Weigand_, W.-B. I, Sp. 173; vgl. auch _Günther_, Rotwelsch, S. 79, Anm. 81 u. S. 98, Anm. 118 sowie _Groß'_ Archiv, Bd. 49, S. 338, Anm. 1 (zu S. 336).]

[Fußnote 601: ([150] auf S. 64.147) S. (betr. _Flu[h]te_) abbrühen.]

[Fußnote 602: ([151] auf S. 64.147) S. arg.]

[Fußnote 603: ([152] auf S. 64.147) Das Zeitw. _hauren_ hat (ähnl. wie _schef[f]ten_) die doppelte Bedeutg. von: a) sein u. b) sitzen (niedersitzen). S. zur _ersteren_ Bedeutg. noch die Umschreibung _hauret nobis_ (eigtl. »es ist nichts«) = ungültig, unzweckmäßig (vgl. oben unter »Dietrich«). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 337, 338, 342, 344-46 (_hauren_ = ausruhen, bleiben, liegen, sitzen, _oberkinnig hauren_ = aufsitzen, _beducht hauren_ = still stehen [vgl. dazu betr. _beducht_: _Weigand_, W.-B. I, Sp. 225 unter »betuchen«], _scheffhauren_ = warten, _Haurigerlaninger_ = Schildwache); _Schwäb. Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [209, 210]: _hawern_ = dasein, sein, _ghawert_ = gewesen). Über sonstige Belege im Rotw. sowie die _Etymologie_ des Wortes (vom ältern deutsch, _hauren_ [od. hauern] = »niederhocken, kauern«) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 27, 28 u. Anm. 1 zu »Haurigerlaninger«).]

[Fußnote 604: ([153] auf S. 64.147) S. Adler.]

[Fußnote 605: ([154] auf S. 64.147) S. (betr. _Stämpf-_) Ärger.]

[Fußnote 606: ([155] auf S. 64.147) Übereinstimmend hiermit auch die Zigeunersprache. _S. Liebich_, S. 118, 164 u. 193 u. _Finck_, S. 92 (_tšingerpáskero tširklo_ = Elster, eigtl. der »zänkische«, der »Zank- u. Streitvogel«).]

[Fußnote 607: ([156] auf S. 64.147) _Patris_ od. _Patres_ = Vater findet sich auch in folgenden _Zusammensetzgn._: a) _am Anfang_: _Patrisglied_ (das — gleich _Mamereglied_ [s. dazu oben unter »Amme«] — drei Bedeutgn. hat, näml.): [Griechisch: a]) Oheim (im Sinne v. »Vatersbruder«); [Griechisch: b]) Tante (im Sinne von »Vatersschwester«), [Griechisch: g]) Neffe (väterlicherseits; vgl. schon oben unter »Bruder« sowie betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun. noch unter »Oheim« u. »Tante«), _Patriskitt_ = Vaterhaus, _Patrissteinhäufle_ = Vaterstadt; b) _am Ende_: _Grandicher-Patres_ = Großvater, _Kittpatris_ = Hausvater, _Schoflerpatris_ = Stiefvater. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 100 (_Patres_ = Vater [so: auch _Sulz_, _Zigeunerliste_ 1787 (251)]); _Schöll_ 271 (_Patris_); _Schwäb. Händlerspr._ 487 (_Ptris_). Über weitere rotw. Belege u. die _Etymologie_ (von latein. _pater_, gen. _patris_) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 50, S. 355 u. Anm 1; vgl. auch noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 677.]

empfindlich, _stumpfich_[610] [64.148]

emporblicken, _linzen_[611]

Ente, _Lachapatscher_[612]

Entenfuß, _Lachepatscherstritt_[613]

[Fußnote 608: ([157] auf S. 64.148) S. Amme.]

[Fußnote 609: ([158] auf S. 64.148) Nach _Liebich_, S. 131 u. 193 umschreiben auch die Zigeuner den Begriff »Eltern« in gleicher Weise (_o dad te i dai_, d. h. Vater u. Mutter); vgl. »Vorbemerkung«, S. 17, Anm. 44.]

[Fußnote 610: ([159] auf S. 64.148) S. Ärger.]

[Fußnote 611: ([160] auf S. 64.148) S. anschauen.]

[Fußnote 612: ([161] auf S. 64.148) _Lacha-_ od. _Lachepatscher_ = Ente (s. dazu die _Zus._: _Lachepatscherstritt_ u. _-stenkert_ = Entenfuß, -stall sowie das _Dimin._ _Lachepatscherle_ = »Küchlein« [d. h. _Enten_küchlein]) findet sich auch in der _schwäb. Händlerspr._ 480 (_Lachepatscher_ od. _Lachpatsche_). Das ältere Rotwelsch kannte dafür den Ausdr. _Dreckpatscher_ (s. z. B. auch: _Dolm. der Gaunerspr._ 92: _Treckpatscher_). S. dazu, insbes. auch über die _Etymologie_ der Wörter, Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 215, 216 u. Anm. 1; vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 908.]

[Fußnote 613: ([162] auf S. 64.148) _Tritt_ = Fuß (auch Fußstapfe, Fußtritt), Ferse, Schenkel, ferner (bei Tieren) Pfote sowie auch Schuh kommt noch vor in der _Verbindg._ _unterkünftiger Tritt_ (d. h. eigtl. »der untere Fuß«) = Fußsohle (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.) sowie in den folgenden _Zusammensetzgn._: a) _am Anfang_: _Trittgrif(f)leng_ (-ling) (eigtl. »Fußfinger«) = (Fuß-) Zehe (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.); b) _am Ende_: (_außer Lachepatscherstritt_ noch): _Babinger-_ od. _Strohbutzerstritt_ = Gänsefuß, _Traperttritt_ = Gaul- od. Pferdefuß, _Gachne-_, _Stanzel-_ od. _Stierertritt_ = Hühnerfuß u. _Vordertritt_ = Vorderfuß. Für »Handschuhmacher« ist im W.-B. _Grif(f)lingstrittpflanzer_ angeführt, woraus sich _Grif(f)lingstritt_ = Handschuh ergibt, obwohl im Vok. dafür nur _Grif(f)lengstrittleng_ genannt ist. Auch in dem _verw. Quellenkr._ kommt statt _Tritt_ durchweg in gleicher Bedeutg. das stammverwandte _Trittling_ vor (s. darüber Näh. unter »Ferse«), während sich in der sonst. Gaunerspr. vereinzelt auch _Tritt_ für »Schuh« findet neben dem (häufigern) Dimin. _Trittchen_ u. ä., das bes. auch in der neueren Kundenspr. u. in den Krämerspr. beliebt ist (vgl. z. B. auch: _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 76 [_Trittchen_ = Stiefel] u. _Metzer Jenisch_ 217 [_Trittche_ = Schuh]). Ausführl. _Belege_ s. (betr. _Tritt_) in _Groß'_ Archiv, Bd. 46, S. 299 u. 309 u. (betr. _Trittchen_ u. ä.) ebds., Bd. 46, S. 18, 19, Anm. 2 vbd. mit _Weber-Günther_, S. 191/92. Die _Etymologie_ bedarf keiner näheren Erläuterung.]

Entenstall, _Lachepatschersstenkert_[614] [64.149]

entfernen (sich), _schiebes bosten_ od. _schef(f)ten_, entferne dich, gehe fort, _schef(f)te schiebes_[615]

entkleiden, _ausklufte_[616]

entleibt, _begeret_ (d. h. »gestorben«)[617]

entrinnen, _schiebes pfichen_[618]

entrüstet, _stumpfich_[619]

Entrüstung, _Stumpf_[619]

entschlafen s. entleibt

entseelt " "

Entsetzen, _Bauser_[620]

entspringen, entweichen, _schiebes bosten_[615]

entwenden (Entwendung), _schniffen_[621], _schornen_[622]

entwischen s. entspringen

entzwei, _schofel_ (Spr.)[623]

Epilepsie, _Begerisch_ (subst. Adj.)[624]