Part 17
Da (hier), da herum, _her(r)les_ oder _her(r)lem_[508]
Dachziegel s. Backstein
daher (= hierher), _her(r)les_[508], komme daher (= hierher), _bost' her(r)lem_, _pfich' her(r)les_[509], _schef(f)t' her(r)les_[510]
[Fußnote 504: ([53] auf S. 64.134) S. (betr. _-schenegler_) abschaffen.]
[Fußnote 505: ([54] auf S. 64.134) S. (betr. _Bich_) Almosen.]
[Fußnote 506: ([55] auf S. 64.134) S. (betr. _Gore_) Barschaft.]
[Fußnote 507: ([56] auf S. 64.134) S. (betr. _Lobe_) Bank.]
[Fußnote 508: ([57] auf S. 64.134) Zu _her(r)les_ od. _her(r)lem_ = hier, da (daher, daneben, danieder) _vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93 (_herles_ = hier oder da); _W.-B. des Konst. Hans_ 256 (_herrles_ = hier); _Pfulld. J.-W.-B._ 340 (_hirles_ = hier, hierher); _Schwäb. Händlerspr._ 480, 482 (_hirles_ [in _Pfedelb._ (209) dagegen: _herlis_] = dieser, _herles_ od. _hirles_ = hierher! [komm her!], in _Lütz._ [214]: _hirlem_ = hier); s. auch _Metzer Jenisch_ 216 (_herlis_ = hier). Zur _Etymologie_ des (auch sonst hin und wieder im Rotw. begegnenden) Wortes s. _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1680 (unter »hirles«), wonach es »gewiß« zu unserem »hier« zu stellen ist.]
[Fußnote 509: ([58] auf S. 64.134) S. (betr. _bosten_ u. _pfichen_) = abgehen.]
[Fußnote 510: ([59] auf S. 64.134) Das Zeitwort _schef(f)ten_ hat mehrfache Bedeutungen, nämlich: a) die ganz allgemeine von »sein« (s. weiter unten im Vokabular: _das schef[f]t Lore_ = das ist nichts u. _schef[f]t a Ruch_ = das ist ein Bauer; vgl. auch _dof schef[f]t's_ = heil, d. h. eigtl. »es _ist_ [geht] gut«), sodann b) die spezielleren von [Griechisch: a]) »sitzen« (niedersitzen) u. [Griechisch: b]) »kommen« (vgl. oben: _schef[f]t' her[r]les_ = komm daher [hierher]) oder »gehen«, bes. in der Verbindg. _schiebes schef(f)ten_ = davongehen (fort-, weggehen), sich entfernen (s. [betr. _schiebes_] Näh. unter »davongehen«). Auch in dem _verw. Quellenkr._ lassen sich diese verschiedenen Bedeutgn. verfolgen, wobei in der ältern Zeit die unter a, in der neuern die unter b, [Griechisch: b] überwiegt. _Vgl._ _Dolm. der Gaunerspr._ 94 (_scheft_ = ist); _W.-B. des Konst. Hans_ 254 u. 256 (_scheften_ = sein); _Schöll_ 272 (_scheften_ = sein, aber auch: haben, ferner: sich setzen); _Pfulld. J.-W.-B._ 345 _schefften_ = gehen); _Schwäb. Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [210, 214]: _schee[f]ten_ = gehen [vgl. _scheeft ab_, _ist abgescheeft_], _zusammenscheften_ = zusammenkommen; in _Lütz._ [215]: _schäfte[n]_ = laufen); vgl. auch noch _Pfälz. Händlerspr._ 438 (_scheften_ = sein; gehen). Über weitere rotw. Belege s. _Weber-Günther_ S. 185 (wo jedoch die ältesten Beispiele [s. _Kluge_, Rotw. I, S. 218, 248, 251] aus Versehen fortgelassen sind). Ebends. auch Näh. über die _Etymologie_ des Wortes, die nicht ganz sicher und vielleicht für seine verschiedenen Bedeutungen zu sondern ist. So hat es _Stumme_, S. 14 für die Bedeutg. »sein« und bes. »sitzen« auf das hebr. _schebet_, infinit. construct. von _jschab_ = »sitzen, verweilen«, zurückgeführt, während bezügl. der _anderen_ Bedeutungen von A.-L. 597 u. _Meisinger_ in d. Z. f. hochd. Mundarten, Jahrg. III (1902), S. 125 (unter Nr. 59) unser Zeitw. »_schaffen_« als Quelle betrachtet worden ist.]
Dame, _Sense_, _Sinsemos(s)_[511] [64.135]
dämlich s. aberwitzig; vgl. albern
Dämmerung, _Leile_, _Ratte_ (eigtl. »Nacht«)[512]
daneben (danieder), _her(r)les_, _her(r)lem_[513]
danken (bedanken), _bederchen_[514]
darüberfahren, _darüberruadla_[515]
darübergehen (-springen), _darüberbosten_[516]
das ist nichts, _das sche(f)ft[517] Lore_ (lore)[518], das ist ein Bauer, _schef(f)t[517] a Ruch_[519]
[Fußnote 511: ([60] auf S. 64.135) S. Amtmann u. (betr. _Mos[s]_) Bauernfrau.]
[Fußnote 512: ([61] auf S. 64.135) S. Abend.]
[Fußnote 513: ([62] auf S. 64.135) S. da.]
[Fußnote 514: ([63] auf S. 64.135) S. abbetteln.]
[Fußnote 515: ([64] auf S. 64.135) S. abfahren.]
[Fußnote 516: ([65] auf S. 64.135) S. abgehen.]
[Fußnote 517: ([66] auf S. 64.135) S. unter »daher« a. E.]
[Fußnote 518: ([67] auf S. 64.135) _Lore_ (lore) = nichts, nicht, auch wohl: nein (Spr.) ist sonst m. Wiss. in den Quellen nicht anzutreffen. Wahrscheinlich liegt hier aber nur eine Verunstaltung (wenn nicht gar ein Schreibfehler für _Lo¶n¶e_ (lo[h]ne) vor, das vereinzelt schon im ältern Rotw. (etwa seit d. 18. Jahrh.) in den Bedeutungen »nichts« (nicht), nein (auch: »niemand«) vorkommt (s. z. B. _Körners Zus. zur Rotw. Gramm._ v. 1755 [241 unter »wächeln«: _lone_ = nichts]; _Krünitz' Enzyklopädie_ 1820 [351: _Lohne_ = niemand, nein]; _v. Grolman_ 43 u. T.-G. 112, 113 u. _Karmayer G.-D._ 208 [_lo[h]ne_ = nein, nicht, nichts]). Dieses aber ist seinerseits (nach _Weber-Günther_, S. 156) vermutlich eine Abkürzung der volleren Form _lolohne_, _laulo(h)ne_, die in den älteren jüdisch-deutschen Glossaren durch »mit nichten« u. dergl. wiedergegeben ist (s. z. B. v. _Reitzenstein_ 1764 [247]; vgl. _Thiele_ 273) und auch im Rotw. den Begriff einer bes. starken Verneinung an sich trägt (s. z. B. _Kluge_, Rotw. 325, 367; vgl. auch 441). Es entspricht dem hebr. _lô lnû_, d. h. eigtl. »nicht uns« (s. schon _Thiele_ 272, Anm.**), einer Abwehrformel bei Erwähnung schädlicher Sachen, eines traurigen Ereignisses, also etwa »Gott behüte« (nach gefl. Mitteilg. von _A. Landau_). Das _einfache lo_ (loo), _lau_, _law_ u. a. = nicht (nichts), nein ist im Rotw. öfter anzutreffen (s. Belege bei _Weber-Günther_, a. a. O.), so namentl. auch in dem _schwäb. Quellenkr._; vgl. _Dolm. der Gaunerspr._ 97 (_lau_ = nein); _W.-B. des Konst. Hans_ 255 (ebenso); _Schöll_ 270 (Form: ebenso, Bedtg.: nichts); _Pfulld. J.-W.-B._ 342 (_lau_, _lo_ = nichts); _Schwäb. Händlerspr._ 484 (_lo_ = nicht); s. auch _Pfälz. Händlerspr._ 438 (_lô_ = nein); merkwürdig die Form _lopach_ = nichts (es ist nichts) in der _schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 73 (während nein dort _none_ heißt). Zur _Etymologie_ von _lo_, _lau_ (u. s. Nebenbedeutg. »falsch, schlecht«) s. noch A.-L. 565 (unter »Lametaleph«); vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1020 u. 1261.]
[Fußnote 519: ([68] auf S. 64.135) S. Bauer.]
Daumen, _Grif(f)leng_[520] [64.136]
davongehen, _schiebes[521] bosten_[522], — _pfichen_[522], — _schef(f)ten_[523]
davontragen, _schiebes bukle_[524]
Decke, _Schure_[525]
Deckel, "
Degen, _Latt_[526]
[Fußnote 520: ([69] auf S. 64.136) _Grif(f)leng_ (-ling) = Hand (Faust, auch Finger und spezieller Daumen) findet sich auch in der Wendung _Grif(f)leng steken_ = die Hände geben sowie in folgenden _Zusammenstzgn._: a) _im Anfang_: _Grif(f)lingobermann_ = Fingerhut, _Gri(f)lengschenagel_ = Handarbeit, _Grif(f)lingtrittling_ = Handschuh; b) am _Ende_: _Trittgrif(f)leng_ (eigtl. »Fußfinger«) = Zehe (s. d. betr. Übereinstimmung mit d. Zigeun.), _Linzgrif(f)ling_ = Zeigefinger. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93 (hier _Griffling_ = Handschuh, während die Hand durch _Feme_ wiedergegeben ist); _Pfulld. J.-W.-B._ 340 (_Grifling_ = Hand); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 70 (_Griffling_); _Schwäb. Händlerspr._ 481 (_Griffling_ = Hand, Finger). Das _Pleißlen der Killertaler_ 435 kennt _Greiferle_ = Hand. S. weiteres, bes. auch zur _Etymologie_ des Wortes (das natürlich zu unserm »Griff« bezw. »greifen« gehört), noch in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 50 (unter »Greifer«); vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 834.]
[Fußnote 521: ([70] auf S. 64.136) _Schiebes_ (davon, fort, weg) kommt in _Wittichs W.-B._ nur vor in den Wendungen _schiebes bosten_, _pfichen_ od. _schef(f)ten_ = davongehen (fortgehen); vgl. auch: sich entfernen, entrinnen, entspringen, entweichen, fliehen, weggehen) sowie _schiebes bukle_ = davontragen. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 91 (_Schiebes[-]machen_ = durchgehen od. »echappieren« [womit im wes. übereinstimmend auch schon d. W.-B. von _St. Georgen_ 1750 (216: _Schübes machen_, Bdtg. ebenso)]; _W.-B. des Konst. Hans_ 258 (_schiabes malochen_ = fortgehen [vgl. dazu »Einleitung«, S. 27, Anm. 75]; _Schöll_ 273 (_schiebes machen_ = sich aus dem Staube machen); _Pfulld. J.-W.-B._ 339, 342 (_schibes_ = fort, los, _schibisnaschen_ = scheiden [s. betr. _naschen_ in _Wittichs W.-B._ unter »fliehen«]); s. auch _Metzer Jenisch_ 216 (_schiebes_ = fort) u. _Eifler Hausiererspr._ 491 (_bod schiebes_ = geh fort). Zur _Etymologie_: Am einfachsten ist das Wort _schiebes_ doch wohl (mit _Stumme_, S. 20) von unserm deutsch. Zeitw. »schieben« (über dessen Gebrauch im Rotw. zu vgl. _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 146 ff.) herzuleiten, jedoch könnten immerhin auch _hebr._ Vokabeln mit von Einfluß gewesen sein; s. darüber Näh. bei _Weigand_ im »Intelligenzblatt für die Provinz Oberhessen«, Jahrg. 1846, Nr. 73, S. 296 (der zu jüd. _Schībes gehen_ = zu Grunde, verloren gehen das hebr. _schêbet_ = »Ruhe, Aufhören« herangezogen); vgl. auch A.-L. 599 unter »schieben« u. _Weber-Günther_, S. 192.]
[Fußnote 522: ([71] auf S. 64.136) S. abgehen.]
[Fußnote 523: ([72] auf S. 64.136) S. unter »daher« a. E.]
[Fußnote 524: ([73] auf S. 64.136) S. (betr. _bukle_) abtragen.]
[Fußnote 525: ([74] auf S. 64.136) S. abbiegen.]
[Fußnote 526: ([75] auf S. 64.136) _Latt_ = Degen, Säbel (Hirschfänger) kommt auch vor in der _Zus._ _Lattenkarle_ = Gendarm (s. darüber Näh. unter diesem Worte) u. _Lattenpflanzer_ = Waffenschmied. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Schwäb. Händlerspr._ 486 (_Latt_ = Seitengewehr); s. auch noch _Hennese Flick_ von _Breyell_ 450 (_Lott_ = Degen). Auch in der Soldatensprache ist _Latt_ in _gleichem_ Sinne bekannt (s. _Horn_, Soldatenspr. S. 68), doch bedeutet es bei den bayrischen Soldaten _auch das Gewehr_, und _ebenso_ auch wohl bei den Gaunern (s. _Pollak_ 221; _Ostwald_ 93) u. Kunden (arg.: _August mit der Latte_ = Landjäger, Gendarm [_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 72 u. _Ostwald_ (_Ku._) 15]), was eigentlich auch natürlicher erscheint, da man doch den Ausdr. etymologisch wohl zu unserm Hauptw. _Latte_ stellen darf (vgl. dazu noch _Groß'_ Archiv, Bd. 51, S. 140 u. _Fischer_ Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1015 unter »Latt[e]«, Nr. 2).]
Deichsel, _Schure_[525] [64.137]
Diamant, _dofer Kies_[527]
dick, _grandich_[528]
Dickbauch, _grandicher Rande_[529]
Dickkopf, _grandicher Ki(e)bes_[530]
Dieb, _Schniffer_[531], _Schorer_[532]
Diebesbande, _Schnifferulma_, _Schorerulma_[533]
Diebesherberge, _Zschorkitt_[534]
diebisch, _schniffich_[531]
Diebstahl, _Schnifferei_[531], _Schorerei_[532], _Zopferei_[535]
[Fußnote 527: ([76] auf S. 64.137) S. angenehm u. Apfelkern. Eine etwas abweichende Umschreibung für »Diamant« kennt die Zigeunersprache, nämlich _dikkapáskĕro parr_, d. h. »durchsichtiger Stein« (_Liebich_, S. 132, 189); vgl. »Vorbemerkung« S. 19, Anm. 48.]
[Fußnote 528: ([77] auf S. 64.137) S. Adler.]
[Fußnote 529: ([78] auf S. 64.137) S. (betr. _Rande_) Bauch.]
[Fußnote 530: ([79] auf S. 64.137) S. (betr. _Ki[e]bes_) Angesicht.]
[Fußnote 531: ([80] auf S. 64.137) S. anfassen.]
[Fußnote 532: ([81] auf S. 64.137) S. ausstehlen.]
[Fußnote 533: ([82] auf S. 64.137) S. (betr. _Ulma_) arme Leute.]
[Fußnote 534: ([83] auf S. 64.137) S. (betr. _Kitt_) Abort.]
[Fußnote 535: ([84] auf S. 64.137) _Zopferei_ = Diebstahl ist eine Ableitung von dem Zeitw. _zopfen_, das für »stehlen« — nach _Wittichs_ »Einleitung« (S. 28) — jetzt veraltet sein soll, jedoch auch in diesem Sinne noch im W.-B. in der Zus. _herauszopfen_ = herausstehlen angeführt ist, während es hier außerdem (ähnl. wie im Rotw.) — ohne Zus. — für »erwischen« vorkommt. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 259 (_krank zopfen_ = gefangen nehmen); _Schöll_ 271, 273 (_zopfen_ = nehmen, _krank zopfen_ = gefangen nehmen); _Pfulld. J.-W.-B._ 337, 339-341, 345 (_zopfen_ = ausplündern, herausnehmen, stehlen, _Zopfen_ [als Subst.] = Diebstahl; _krankzopfen_ = gefangennehmen, _kiwiszopfen_ = köpfen u. a. m.); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 67 (_zopfen_ = ausplündern); _Schwäb. Händlerspr._ 484, 486 (_zopfen_ = ausplündern, nehmen, stehlen [in _Pfedelb._ (208, 213) auch: ausplündern, nehmen u. verhaften], _Staubzepfer_ [eigtl. »Mehldieb«] = Müller). Über weitere Belege im Rotw. (seit d. 17. Jahrh.) sowie die _Etymologie_ (= Nebenform zu »zupfen«, die bes. auch der allgem. schwäb. Mundart bekannt ist) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 152, Anm. 1 vbd. m. _v. Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 550.]
Dienstbote, _Schenegler_ (Knecht), _Scheneglere_ (Magd)[536]; vgl. [64.138] Gesinde
dienstfertig, _dof_[537]
Dienstknecht s. Dienstbote
Dienstmagd " " " "
dienstwillig, _dof_[537]
Dietrich _Glitschin_[538] oder (genauer) _nobes dofer Glitschin_, d. h. »kein guter Schlüssel«[539]; vgl. Nachschlüssel
[Fußnote 536: ([85] auf S. 64.138) S. abschaffen.]
[Fußnote 537: ([86] auf S. 64.138) S. angenehm.]
[Fußnote 538: ([87] auf S. 64.138) _Glitschin_, eigtl. = Schlüssel, dann auch Dietrich findet sich — außer in der Verbindg. _nobes dofer Glitschin_, ebenfalls = Dietrich (s. oben) — auch noch in folgenden _Zusammensetzgn._: a) _am Anfang_: _Glitschinpflanzer_ = Schlosser; b) _am Ende_: _Kittglitschin_ = Hausschlüssel, _Duftglitschin_ = Kirchenschlüssel, _Sichereglitschin_ = Küchenschlüssel, _Sturmkittglitschin_ = Rathhausschlüssel, _Luberglitschin_ = Uhrschlüssel. In dem _verw. Quellenkr._ ist das Wort zwar nicht bekannt, wohl aber kommt es sonst in der neueren Gaunersprache sowie — in _ähnl._ Formen — auch schon im ältern Rotwelsch vor. S. _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 53, Anm. 1 vbd. mit S. 52, Anm. 3. Ebds. S. 52, 53 (im Text) auch ausführl. Angaben über die _Etymologie_ — aus der _Zigeunersprache_ (s. »Einleitung« S. 30); vgl. dazu auch noch _Finck_, S. 65 (der jedoch nur die Form _klídi[n]_ anführt, während die älteren Sammlungen meist _glitschin_ u. _glitin_ als gebräuchlichste Form bei d. _deutsch._ Zig. haben).]
[Fußnote 539: ([88] auf S. 64.138) Eine ähnliche Umschreibung kennt auch die Zigeunersprache, wenigstens nach _Liebich_, S. 189, der _tschi tschātschi glitin_, d. h. »kein _rechter_ Schlüssel«, für »Dietrich« hat (vgl. »Vorbemerkung«, S. 17), wogegen der Begriff bei _Finck_, S. 65 einfacher durch _bángi klídin_, d. h. etwa »falscher Schlüssel«, wiedergegeben ist. — _Nobes_ od. (häufiger) _nobis_ hat außer der Hauptbedeutg. »nicht« auch noch die von »nein«, »niemals« und »umsonst«, ferner von »unbedeutend« od. »unnütz« sowie (als Subst. gebraucht) von »Null« u. »Tand« (s. d. Wörter betr. die Übereinstimmg. m. d. Zigeun.). Dazu zahlreiche _Verbindungen_, nämlich: a) mit _Zeitwortformen_, u. zwar [Griechisch: a]) mit _Infinitiven_: _nobis sehenegla_ (d. h. »nicht[s] arbeiten«) = faulenzen, _nobis diberen_ od. _schmusen_ (d. h. »nicht[s] reden, sprechen«) = stumm sein (s. d. betr. die Übereinstimmg. mit d. Zigeun.); [Griechisch: b]) mit der _ersten u. dritten Pers. Präs._ (als Umschreibg. für deutsche Adjektive): _gneis nobis_ (d. h. »[ich] kenne [es] nicht«) = unbekannt, _hauret nobis_ (d. h. »[es] ist nichts«) = ungültig, unzweckmäßig, _begert nobis_ (d. h. »[er, sie, es] stirbt nicht«) = unsterblich (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.); [Griechisch: g]) mit _Partizipien_ (z. Teil für deutsche Adjektive): _nobis vergrönt_ (eigtl. »nicht verheiratet«) = ledig (unverheiratet), _nobis ang'kluftet_ (d. h. »nicht angekleidet«) = nackt (unbedeckt), _nobis geschert_ = ungekocht; b) mit _Adjektiven_: _nobis bauserich_ = furchtlos, _nobis dof_ = garstig, nichtsnutzig, unecht, unkeusch, unnütz, untauglich, untreu, unzüchtig, wertlos (vgl. auch die Substantivierung _nobis Dofs_ = Trübsal, Übel), _nobis grandich_ = machtlos, wenig, winzig, _nobis g'want_ = nichtsnutzig, _nobis wo(h)nisch_ (bzw. _gril[l]isch_, _diboldisch_), d. h. eigtl. »nicht katholisch (bzw. protestantisch, jüdisch«) = ungläubig, _nobis begerisch_ (d. h. »nicht krank«) = wohl (gesund, unverletzt); c) _mit einem Substantiv_ (für ein deutsches Adjektiv): _nobis Strauberts_ (d. h. »keine Haare«) = kahl; d) mit _Substantiven und_ vorgesetzten _Adjektiven_ (zur Umschreibung von Begriffen, für die es im Jenischen an einfachen Hauptwörtern fehlt): — außer _nobes dofer Glitschin_ = Dietrich noch — _nobis dofer Bich-_, _Kies-_ od. _Lobepflanzer_ = Falschmünzer, _nobis vergrönter Käfferle_ = Junggeselle, _nobis dofs Jahne_ = Mißjahr (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.), _nobis grandicher Kaffer_ = Zwerg; endlich erscheint es noch e) in einer fast satzartigen Wendung: nämlich _nobis Strauberts auf'm Ki(e)bes_ (d. h. »keine Haare auf dem Kopfe«) für das deutsche Subst. Kahlkopf. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 339, 342, 345 (_noves_ = nicht; _nobus schlaune_ = schlaflos; _Manobisch_, _schinegeln_ = Faulenzer [wofür wohl richtig zu lesen, (ma) _nobisch schinegeln_ = faulenzen], _nobis maker_ [v. hebr. _makr_ = »bekannt«; s. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1371] od. _nobis knais_ = unbekannt); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 73 (_nobes_ = nichts [es ist nichts], _lauter nobes_ = alles nichts); _Schwäb. Händlerspr._ 484 (_nobis_ = nein, _nôbis_ = nicht [in _Pfedelb._ (212): _nowes_ = nein, nicht u. _binowes_ = gar nichts]). Auch in _nicht_ verwandten Krämersprachen findet sich das Wort (s. z. B. in _nordwestfäl. Bargunsch_ 446 [_nobis_ = nein, nicht] u. im _Hennese Flick von Breyell_ 456 [_nobes_ = nein]). Über das Auftreten der Vokabel im ältern Rotwelsch (seit Auf. des 17. Jahrh. [s. z. B. schon _Ulenhart_ 1617 [132, 132: _nobis_ = nicht] u. dann öfter in verschiedenen Formen) s. Näh. bei _Weber-Günther_, S. 173/74 unter »_nowes_«; desgl. bezügl. der _Etymologie_, worüber u. a. folgendes ausgeführt ist: »Nach _Wagner_ bei _Herrig_, S. 225 hängt das Wort ›ohne Zweifel … mit dem alten _Nobis_ zusammen, welches wieder von der italienischen Nebenform _nabisso_ (= in abisso; französ. _abîme_, griech.-lat. _abyssus_ = Abgrund, Hölle) herzuleiten ist‹. Dazu das bekannte _Nobiskrug_ = Hölle; eigtl. ›Höllenschenke‹ (s. dazu _Kluge_, W.-B. S. 332/33, _Weigand_, W.-B. II, Sp. 308 u. bes. _Grimm_, D. W.-B. VII, Sp. 862 ff.). Unbeschadet _dieser_ Etymologie besteht aber vielleicht (nach gefl. Mitteilg. von Dr. _A. Landau_) auch noch ein gewisser Zusammenhang zwischen _nobis_ = nicht und dem oben (Anm. 518) betrachteten _lo[h]ne_. Da nämlich _lô lnû_ (woraus _lolone_, _lone_ entstanden) der Anfang des 115. Psalmes ist, der in der Vulgata (Ps. 113) ›Non nobis, Domine …, sed nomini tuo da gloriam‹ lautet, so könnte dies analog zur Anwendung von _non nobis_ _allein_ in der Bedeutung ›nein‹ geführt haben, zumal, gleichwie in _lone_ lautlich _lô_ = nein steckt, auch in _nobis_ das _no_ als _Negation_ empfunden werden konnte. Ob aber dieser Parallelismus mehr als Zufall ist, muß dahingestellt bleiben.« Über weitere Bedeutungsveränderungen von _nobis_ in den _Krämersprachen_ s. noch ebds. S. 174, Anm. 1.]
Ding, _Schure_[540], _Sore_[541] [64.139]
Dirne, _Lubne_[542], _schofele Model_[543] (bes. ersteres in der üblen Bedeutg. von »Hure«); vgl. Buhldirne.
Docht, _Scheischure_[544]
[Fußnote 540: ([89] auf S. 64.139) S. abbiegen.]
[Fußnote 541: ([90] auf S. 64.139) S. Brücke.]
[Fußnote 542: ([91] auf S. 64.139) S. Beischläferin.]
[Fußnote 543: ([92] auf S. 64.139) S. arg. u. Beischläferin.]
[Fußnote 544: ([93] auf S. 64.139) S. alltäglich u. abbiegen.]
Docke s. Puppe [64.140]
Dohle, _Schure_[540]
Doktor (Arzt), _Begersins_[545]
Dokument s. Attest; vgl. Brief
Dolch, _Scharfling_[546]
Dom, _grandiche Duft_[547] (d. h. »große Kirche«)[548]
Dorf, _G'fahr_ (Gefahr)[549], _Mocham_, _Mochem_ (Spr.) od. _Mochum_[550]
[Fußnote 545: ([94] auf S. 64.140) S. absterben u. Amtmann.]
[Fußnote 546: ([95] auf S. 64.140) Mit _Scharfling_ (od. _Scharpflengl_ = Messer (auch spezieller: Federmesser od. Rasiermesser), Dolch ist nur die _Zus._ _Scharflingpflanzer_ = Messerschmied gebildet. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Schwäb. Händlerspr._ 484 (_Schärfling_ = Messer), wogegen in der _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 74 der Ausdr. soviel wie »Rettich« bedeutet. Der _Etymologie_ nach gehört er natürlich zu unserem Adj. _scharf_.]
[Fußnote 547: ([96] auf S. 64.140) _Duft_ = Kirche (Gotteshaus, Kapelle, Tempel) erscheint auch noch in der _Verbindg._ _Duft halten_ = Gottesdienst halten sowie in den _Zus._: _Duftnolle_ = Kelch, _Duftglitschin_ = Kirchenschlüssel, _Duftkies_ = Opfergeld. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 95 (_Duft_ = Kirche); ebenso übereinstimmend auch _W.-B. des Konst. Hans_ 254 u. _Pfulld. J.-W.-B._ 341 (hier [345] auch: _grandiche Duft_ = Tempel); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 71 (_Duft_ = Kirche, _Duftreiter_ = Kirchenräuber); _Schwäb. Händlerspr._ 483 (_Duft_, Bedg. ebenso, _Dufter_ od. _Duftschaller_ = Lehrer), s. auch noch _Metzer Jenisch_ 216 (_Duft_ = Kirche) u. _Eifler Hausiererspr._ 490 (_Doft_). Über weitere Belege im Rotw. sowie die (unsichere) _Etymologie_ des Wortes (vielleicht vom hebr. _tefill[h]_ = »Gebet« od. zu _duft_ [heb. _Tôb_] = gut) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 70 u. Anm. 2 u. S. 71 (unter »Duftschaller«); vgl. auch _Weber-Günther_, S. 169. _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 445 hat der Ausdr. — allerdings nur mit einem Fragezeichen — zu dem Weihrauchduft in den katholischen Kirchen in Beziehung gesetzt.]
[Fußnote 548: ([97] auf S. 64.140) Dieselbe Umschreibung kennt auch die Zigeunerspr.; s. _Liebich_, S. 189 (_bari kangri_ = Dom).]
[Fußnote 549: ([98] auf S. 64.140) S. Bauerndorf. — Über das frühere (jetzt veraltete) Synon. _Palar_ s. »Einleitung«, S. 27 u. Anm. 79.]
[Fußnote 550: ([99] auf S. 64.140) Die dritte Form (_Mochum_ [Dim. _Mochumle_ (Spr.)]) soll nach der »Einltg.«, S. 27 — gleich den früheren, jetzt veralteten _Mokem_ u. _Mogumle_ — _auch_ »Stadt« bedeuten (wie auch fast allgem. im Rotwelsch), während im W.-B. für »Stadt« nur _Steinhäufle_ angeführt ist (vgl. »Einltg.«, S. 25, Anm. 61). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._); _Dolm. der Gaunerspr._ 99 (_Mokum_ = Stadt); _W.-B. des Konst. Hans_ 251, 257 (_Mokem_ = Stadt, Dimin.: _Mogumle_ = Städtchen); _Schöll_ 271 (_Mokum_ = Stadt, _Ortschaft_); _Pfulld. J.-W.-B._ 339, 345 (_Mochum_ = Stadt, _Dorf_); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 75 (Form.: ebens., Bedtg. Stadt); Schwäb. Händlerspr. 480 (Form: ebens. Bedtg.: _Dorf_ [in _Degg._ (215) = Stadt]). Über weitere Belege im Rotw. sowie die _Etymologie_ (v. hebr. _mqôm_ = »Ort«) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 213 u. Anm. 2 u. S. 214; vgl. auch _Weber-Günther_, S. 159 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1720/21 (unter »Mochum«).]
Dörfchen (Dörflein), _Heges_[551], auch _Mochumle_ (Spr.)[550] [64.141]
Dorn, _Schure_[552], _Spraus_[553], _Stupfle_[554]
Dose, _Schure_[552]
Draht, "
Dreck, _Fu(h)l_[555], _Schund_ od. _Schond_[556]
dreckig, _schundich_[556]
Drehorgel s. Leierkasten
drohen, _stämpfen_[557]