Die jenische Sprache

Part 16

Chapter 162,779 wordsPublic domain

[Fußnote 448: ([146] auf S. 63.395) a) _Schmunk_ bedeutet soviel wie: Schmalz (Fett, Mark, »Schmer«), in _Zus._ auch Butter, wofür sonst spezieller _dofer Schmunk_, d. h. »gutes (od. besseres) Fett (Schmalz)«, gebraucht wird. Die _Zusammensetzgn._ sind: [Griechisch: a]) mit _Schm. voran_ (außer _Schmunkbolle_ noch): _Schmunklehm_ = Butterbrot _Schmunkschure_ = Butter-(od. Schmalz-)faß, _Schmunkgleis_ = Buttermilch _Schmunkschottel_ = Fettbüchse, _Schmunkhornikel_ = Mastochse, _Schmunkbossert_ = Speck; [Griechisch: b]) mit _Schm. am Ende_:_ Bogaschmunk_ = Kuhbutter, _Hornikelschmunk_ = Ochsenfett, auch Unschlitt (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr.), _Horbogeschmunk_ = Rindsfett sowie ebenfalls Unschlitt. Eine _Ableitg._ ist das Zeitw. _schmunken_ = schmälzen (schmelzen). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 91, 98 (_Schmunk_ = Butter, Schmalz); _W.-B. des Konst. Hans_ 253 (_Form_: ebenso, _Bedtg._: Schmalz), _Pfulld. J.-W.-B._ 344 (ebenso, dazu: _schmunkig_ = schmutzig); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 74, 75 (_Schmunke_ = Schmalz; _Zus._: _Schmunkbossert_ = Speck); _Schwäb. Händlerspr._ 486 (_Schmunk_ = Schmalz; dazu in _Pfedelb._ [209, 213]: _Rindschmunk_ = Butter u. _Schmunkbossert_ = Speck); s. auch _Pleißlen der Killertaler_ 436 (_Schmoñg_ = Schmalz) u. _Metzer Jenisch_ 216 (_Schmunk_ = Butter). Über weitere Belege im Rotw. usw. sowie die _Etymologie_ des Wortes (das nach richtiger Ansicht _deutsch._ Ursprungs ist) s. das Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 210 (unter »Schmunk-Buckeler«); vgl. auch _Weber-Günther_, S. 180. — b) _Bolle_ (-la) bedeutet — ebenso wie die Zus. _Schundbolla_ (s. dazu Näh. schon unter »abgerahmte Milch«) —: Kartoffeln (Erdäpfel). Zwei andere _Zus._ damit sind noch (nach den Spr.) _Bolleblättling_ = Kartoffelsalat u. _Bolleschottel_ = Kartoffelschüssel. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93 (_Schompollen_ = »Grundbieren« (d. h. Grundbirnen, schwäb. = Kartoffeln); _Pfulld. J.-W.-B._ 341 (_Bolle_ = Kartoffeln); _Schwäb. Händlerspr._ 482 (_Bolle_ od. _Schunbolle_ = Kartoffeln). Zur _Etymologie_ s. bes. _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1274 (unter »Bolle«, Nr. 5, bes. lit. b), wonach _Bolle_ im allgem. einen »runden Körper, Klumpen, Kugel«, weiter eine »rundliche (knorpelige) Frucht« u. bes. die Kartoffel bedeutet; vgl. dazu auch _Groß'_ Archiv, Bd. 46, S. 298 (betr. _Bolle_ = a) Zwiebel, b) Taschenuhr) sowie bes. über die Form _Schundbolle_ u. ä. A.-L. 605 u. _Groß'_ Archiv, Bd. 59, S. 263, 265, 283. Über die Verwandschaft von _Bolle_ mit d. mhd. Zeitw. _boln_ (ahd. _bolôn_) = »rollen, wälzen, werfen, schleudern« u. dgl. s. _Kluge_, W.-B., S. 64 u. _Weigand_, W.-B. I, Sp. 265; vgl. auch schon oben (unter »abfallen«) betr. das jenische Zeitw. _bohlen_.

[Fußnote 449: ([147] auf S. 63.396) S. angenehm.]

brauchbar, _duft_[449], _g'want_[450] [63.396]

brauchbare Frau, _dufte Mos(s)_[451]

[Fußnote 450: ([148] auf S. 63.396) S. anmutig.]

[Fußnote 451: ([149] auf S. 63.396) S. (betr. _Mos[s]_) Bauernfrau.]

brauchbarer Bursche, _dufter Benges_, — _Benk_[452] oder — [64.127] _Fi(e)sel_[453]

[Fußnote 452: ([1] auf S. 64.127) _Benges_ od. _Benk_ = Bube, Bursche, Jüngling, dann auch: Freund, Kamerad, Kollege, ferner: Geliebter, Liebhaber (Bräutigam), endlich noch: Sohn (sowie dazu d. Dimin. _Bengesle_ = Junge, Knabe) erscheint beliebt in _Verbindungen_ und _Zusammensetzgn._ (sowohl für Eigenschafts- wie Standes- u. Berufsbezeichnungen [vgl. dazu »Vorbemerkung«, S. 12, Anm. 29]), so: a) in _Verbindgn._ (außer _dufter B._ noch): _jenischer Benges_ od. _Benk_ = fahrender Bursche, _schofler Benk_ = Heuchler, auch Krüppel, _dofer Benk_ = Junker, dann (gleich _dofer Benges_) auch: Geliebter (also wie das einfache _Benges_ od. _Benk_ [s. oben], während _dufter Benk_ od. _Benges_ nur durch »brauchbarer Bursche« wiedergegeben ist (s. oben im Text), _nobis vergrönter Benges_ (d. h. eigtl. »nicht verheirateter Bursche«) = lediger Mann; b) in _Zus._: [Griechisch: a]) für _Eigenschaften_: _Lubnebenges_ = »Hurenkerl«, _Kenemerbenges_ (_-benk_) = »Lausbube«; [Griechisch: b]) für _Berufe_: _Verkemersbenk_ = Handelsbursche, _Sicherbenk_ = Koch, _Rattebenk_ = Nachtwächter, _Groenikelbenk_ = Sauhirt, Schweinehirt, _Jerusalemsfreundbenk_ = Schäfer, Schafhirt, _Stradebenk_ = Straßenwärter. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 76 (_Bink_ = Vater); _Schwäb. Händlerspr._ 482-484 (_Penk_ = Herr, _Pink_ [in _Pfedelb._ (211, 213): _Bink_] = Mann [in _Pfedelb._ (a. a. O) auch: Meister, Vater]; _Kislerpink_ = Maurer, in _Pfedelb._ [208, 210, 211, 213] noch: _alter Bink_ = »Ausdinger«, _Schupferbink_ = Bäcker, _Treppertsbink_ = Fuhrmann, _Hausbink_ = Hausherr, _Wägersbink_ = Kaufmann, _Langraßlersbink_ = Stationsvorstand [an d. Eisenbahn], in _Eningen_ [206, Anm. 1]: _Penk_ = Mann, _Stichelpenk_ = Landjäger, _Gwanderpenk_ = Schultheiß, _Plempenteilespenk_ = Wirt; in U. [214]: _Schenägelspenk_ = Knecht, _Balespenk_ = Waldhüter). Sehr beliebt sind Zus. mit _Penk_ (Pink) = Mann (vgl. dazu _Penkle_ = Bube, Knabe) auch im _Pleißlen der Killertaler_, und zwar auch hier sowohl für Berufe (s. darüber Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 49, S. 349) als auch zur Kennzeichng. von Eigenschaften (s. z. B. [435, 436]: _Fetschnerspink_ = schlechter Kerl u. _Schnellpenk_ = geiler Mann; vgl. auch [nach _Kapff_ 213]: _Schwenzlerspenk_ = Dieb (zu _schwenzle(n)_ = stehlen]). Über weitere Belege aus dem Rotw. sowie die _Etymologie_ s. ausführl. _Groß'_ Archiv, Bd. 49, S. 344 ff.; vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 819 (unter »Penk«).]

brauchbarer Mann, _dufter Kaffer_[454] [64.128]

brauchbares Kind, _dufter Galm_[455]; im Plural: _dufte Galme_ oder _Schrabiner_[456]; vgl. braves Kind

brauchbares Mädchen, _dufte Model_[457]

Braut, _Model_[457]

Bräutigam, _Benges_[458], _Fie(s)el_[459]

brav, _dof_[460]

braves Kind, _dofer Galm_, plur.: _dofe Galme_ oder _Schrabiner_[461]

[Fußnote 453: ([2] auf S. 64.128) S. Bettelbube.]

[Fußnote 454: ([3] auf S. 64.128) S. Bauer.]

[Fußnote 455: ([4] auf S. 64.128) _Galm_ = Kind, plur. _Galme_ (od. -ma) = Kinder (Nachkommen), Dimin. _Gälmle_ (Kindlein [Spr.]) findet sich noch in der _Verbdg._ _dofer Galm_ = braves Kind sowie in den folgenden _Zusammenstzgn._: a) _am Anfang_: _Galmamodel_ = Kindermädchen (-magd), _Galmeguffer_ (d. h. eigtl. »Kinderprügler«) = Lehrer, Schullehrer, _Galmesauft_ (eigtl. »Kinderbett«) = Wiege; b) _am Ende_: _Schoflergalm_ = Stiefkind. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 95 (_Gallme_ = Kind); _Pfulld. J.-W.-B._ 341 (_Galma_ = Kind); _Schwäb. Händlerspr._ 483 (_Galme_ = Kinder [sowohl kleinere wie auch größere], _Galmeguffer_ = Lehrer [in _Pfedelb._ (211, 213): _Galmen_ = Kind (sic), _Galmenguffer_ = Oberlehrer [im Gegensatze zu dem _Schrazeskneppler_ = Unterlehrer; vgl. dazu schon oben unter »aufschlagen«] u. _Galmegufferei_ = Schule]): s. auch _Metzer Jenisch_ 216 (_Galmes_ [neben Galster u. Gambes] = Kind). Über noch weitere rotw. Belege sowie die (nicht ganz sichere) _Etymologie_ (vielleicht in erster Linie zu hebr. _gôlem_ = »Leibesfrucht, Embryo« u. dergl.) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 138 (womit im wes. übereinstimmt auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 34); vgl. jedoch auch Archiv Bd. 48, S. 350 (Nachtr. u. Berichtigungen: _Galme_ zu mhd. _galmen_ = »schallen«?)]

[Fußnote 456: ([5] auf S. 64.128) _Schrabiner_ od. _Schrawiner_ = Kinder, Nachkommen (nur im Plural) scheint weniger gebräuchlich zu sein als _Galme_ (-ma), auch in _Verbdgn._ u. _Zus._; s. jedoch noch _dofe Schrabiner_ und _Schrabinermodel_ als Synon. zu _dofe Galme_ u. _Galmamodel_ (s. d.) _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Schwäb. Händlerspr._ 483 (_Schrawêner_ = Kinder). — Nach _Schütze_ 90 soll _Schrab(b)iner_ (das auch schon in _Ku._ III [428] angeführt) gemäß einer Mitteilung eines ostpreußischen »Kunden« der Plural zu _Schrappen_ = Kind sein. Letzteres findet sich (jedoch meist für die _Mehrzahl_ [»Kinder«]) vereinzelt auch in der Gaunersprache (s. z. B. _v. Grolman_ 64 u. T.-G. 105 [_Schrappen_ = Kinder]; _Karmayer_ 149 (_Schrapp_ od. _Schrampen_ = Kind [also beides _sing._]; A.-L. 604 [_Schrappen_, _Schrabben_ od. _Schrammen_ = Kinder]; _Groß_ 492 [_Schrapfen_ = kleine Kinder]; vgl. ferner noch _Hall. Lattcherschmus_ 492 [_Schräppchens_ = Kinder]). Die _Etymologie_ bleibt unsicher (s. _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 140, Anm. 3 a. E.); vgl. A.-L. 604, der das angels. _screpan_ (nach _Kluge W.-B._, S. 415: _crimpan_) = »schrumpfen«, das engl. _shrimp_ = »Knirps, Zwerg« sowie unser volkstüml. spött. _Krabbe_ (eigtl. »kleiner Seekrebs«) für ein kleines (munteres) Kind (s. _Paul_, W.-B., S. 304 u. _Weigand_, W.-B. I, Sp. 1131) herangezogen hat. — Über das Synon. _Stratz_ (plur.: Stratze) s. unter »Hurenkind«.]

Brecheisen, _Schure_[462] [64.129]

Brei, "

Bremse, "

brennen; _funken_[463]

brennend, _funkt_ (d. h. »es brennt«)

Brett, _Schurele_[462]

Brief, _Kritzler_[464]

Brieftasche, _Kritzlerrande_[465]

Briefträger, _Kritzlerbuckler_[466]

Brille, _Linzere_[467]

Brombeere, _Jahresäftling_ od. _Krachersäftling_[468]

Brot, _Lechem_ od. _Lehm_[469], _Maro_[470]

Brotbäcker, _Lehmschupfer_[471]

Brotbüchse, _Lehmschottel_[472]

[Fußnote 457: ([6] auf S. 64.129) S. Beischläferin.]

[Fußnote 458: ([7] auf S. 64.129) S. brauchbarer Bursche.]

[Fußnote 459: ([8] auf S. 64.129) S. Bettelbube.]

[Fußnote 460: ([9] auf S. 64.129) S. angenehm.]

[Fußnote 461: ([10] auf S. 64.129) S. brauchbares Kind.]

[Fußnote 462: ([11] auf S. 64.129) S. abbiegen. Ob es sich bei _Schure_ = Bremse um die Tierbezeichnung oder um das gleichnamige Werkzeug handelt, ist nicht ersichtlich.]

[Fußnote 463: ([12] auf S. 64.129) S. abbrennen.]

[Fußnote 464: ([13] auf S. 64.129) S. Attest.]

[Fußnote 465: ([14] auf S. 64.129) S. (betr. _Rande_) Bauch.]

[Fußnote 466: ([15] auf S. 64.129) S. (betr. _-buckler_) abtragen.]

[Fußnote 467: ([16] auf S. 64.129) S. anschauen.]

[Fußnote 468: ([17] auf S. 64.129) S. Ananas.]

[Fußnote 469: ([18] auf S. 64.129) S. Bäcker.]

[Fußnote 470: ([19] auf S. 64.129) _Maro_ = Brot (seltener als _Lechem_ od. _Lehm_) kommt im W.-B. nur in _einer Zus._ vor, _Lanengermaro_ (eigtl. »Soldatenbrot«) = Kommißbrot (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr.). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 91 (_Marum_ = Brot, _gehechelter, schofel M._ = weißes, schwarzes Brot); _Pfulld. J.-W.-B._ 338 (_Maro_ = Brot, _Kächeltema¶n¶o_ (sic, Druckf.) = »Bäckerbrot«); _Schwäb. Händlerspr._ 480 (_Maro_); s. auch _Metzer Jenisch_ 216 (ebenso). — Über weitere Belege in Rotw. sowie die _Etymologie_ (aus der _Zigeunerspr._ (vgl. »Einleitung«, S. 30]) s. die Angaben in _Groß'_ Archiv, Bd. 46, S. 22, 23 u. Anm. l u. dazu noch _Finck_, S. 72 (_māro_). Nach _Miklosich_, Denkschriften, Bd. 27, S. 10 läßt sich das Wort bis ins Altindische (_manḍha_ = »eine Art Gebäck«) zurückverfolgen.]

[Fußnote 471: ([20] auf S. 64.129) S. Bäcker.]

[Fußnote 472: ([21] auf S. 64.129) S. (betr. _Schottel_) Aschenbecher.]

Brötchen s. Semmel (Weck) [64.130]

Brotsack, _Lehmrande_[473]

Brotschrank, _Lehmschure_[474]

Brücke, _Flu(h)tesore_[475], _Schure_[474]

Bruder, _Glied_. Unter _Glied_ versteht man die Kinder (den Sohn, die Tochter) einer Familie, aber auch sonstige Verwandte, z. B. einen Bruder oder eine Schwester (des Vaters oder der Mutter); vgl. Geschwister, Schwester, Sohn, Tochter, ferner Oheim, Tante u. Neffe[476]

[Fußnote 473: ([22] auf S. 64.130) S. (betr. _Rande_) Bauch.]

[Fußnote 474: ([23] auf S. 64.130) S. (betr. _Schure_) abbiegen.]

[Fußnote 475: ([24] auf S. 64.130) Betr. _Flu(h)te_ s. abbrühen. — Das Wort _Sore_ nimmt eine ähnliche Aushilfsstellung ein wie (das auf _denselben_ Stamm zurückzuführende) _Schure_ (vgl. »Einltg.«, S. 24 u. »Vorbmkg.«, S. 16), jedoch kommt es für sich _allein_ doch seltener vor als letzteres und auch in _Verbindgn._ u. _Zusammensetzgn._ mit anderen Vokabeln erreicht es nicht die gleiche Beliebtheit wie _Schure_. a) _Ohne_ Zusatz erscheint es gebraucht: [Griechisch: a]) für _Tiere_: im Sinne von »Vieh«; [Griechisch: b]) für _Sachen_: in den Bedeutgn. »Ding, Sache«, ferner »Ware« (wohl die ursprüngl. Bedtg.) u. spezieller noch: Porzellan, Zwirn sowie versch. Produkte des Pflanzenreichs, näml.: Erbsen, Linsen, Pfeffer und Zwiebeln. b) Eine _Verbindg._ mit _Sore_ für einen allgemeinen (abstrakten) Begriff ist _grandich Sore_ (ebenso wie _gr. Schure_) = Reichtum, Überfluß, Vermögen (eigtl. = »[sehr] viele Dinge«; vgl. dazu oben unter »Bischof«). c) _Zusammensetzgn._ mit _Sore_ sind: [Griechisch: a]) im _Anfang_: _Soreschottel_ = Erbsen- od. Linsenschüssel, aber auch: Pfefferbüchse und Porzellantasse u. _Sorebrandling_ = Zwiebelkuchen; [Griechisch: b]) _am Ende_: (außer _Flu[h]tesore_, das noch die Nebenbdtg. »Wasserfaß« hat, noch): _Stöbersore_ = Obst, _Kupfersore_ (d. h. eigtl. »Grasding«) = Sense, _Begersore_ = Totenbahre, _Pfladersore_ = Wäsche, _Johlesore_ = Weinfaß, _Säftlingsore_ = Weinberg, _Rondlingsore_ = Wursthaut. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._ [in dem der Aushilfscharakter des Wortes im allgem. noch nicht so scharf hervortritt wie in _Wittichs_ Jenisch]): _Dolm. der Gaunerspr._ 89, 95, 99, 101 (_Sore_ = allerhand Ware, _Mette Sōre_ = Barche[n]t [zu _Mette_ = Bett, vom jüd. _mittō_, hebr. _mittā_; s. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1642], _g'socht Sore_ = Krämerware, _Gschock Sore_ = gestohlene Marktware); _W.-B. des Konst. Hans_ 253 (_Sore_ = »die in den Kammern und Kisten befindliche Ware«); _Schöll_ 272 (_Sore_ = Ware, _Achelsore_ = Eßwaren); _Pfulld. J.-W.-B._ 339, 341-343, 345, 346 (_Sore_ = Ware, Zeug, Sache, _Achselsore_ od. _schluckige Sore_ = Eßwaren, Lebensmittel, Speisen, _Kangerisore_ = Kirchengerät [zu _Kangeri_ = Kirche, aus d. Zigeunerspr.; vgl. z. B. _Finck_, S. 63], _Sichereisore_ = Küchengerätschaften); _Schwäb. Händlerspr._ 488 (_Sore_ = Ware). Über weitere Belege im Rotw. und die _Etymologie_ des Wortes (die die gleiche wie die von _Schure_ ist) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 241/42; vgl. oben unter »abbiegen«.]

[Fußnote 476: ([25] auf S. 64.130) _Glied_ bedeutet demnach: Bruder, Schwester (Geschwister) bzw. Sohn, Tochter. Dazu die _Zusammensetzgn._: _Kafferglied_ = Mannesschwester (Schwägerin), _Patrisglied_ = a) Oheim väterlicherseits (»Vatersbruder«), b) Tante väterlicherseits (»Vatersschwester«), c) Neffe (väterlicherseits), _Mamereglied_ = a) Oheim mütterlicherseits (»Mutterbruder«), b) Tante mütterlicherseits (»Mutterschwester«), c) Neffe (mütterlichereits). S. dazu betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeunerspr. unter »Oheim« u. »Tante«. — _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 338, 344 (_Glied_ = Bruder, Schwester); _Schwäb. Händlerspr._ (U. [214]: _Glied_ = Schwester). _Etymologie_: Ein Zusammenhang mit dem rotw. _Gli(e)d_ = Hure (worüber Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 13, 14 u. »Anthropophyteia«, Bd. IX, S. 22 ff.) wird kaum vorliegen, vielmehr dürfte der Ausdruck wohl — wie im wes. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 692 (unter »Glid« II) anzunehmen scheint — schlechthin mit unserem gemeinsprachl. »Glied« (hier im Sinne etwa von »Familienglied«) gleichbedeutend sein.]

Brühe, _Flu(h)te_[477] [64.131]

Brust (weibliche), _Schwächerle_[478]

Bube _Benges_[479], _Fi(e)sel_[480]

Buch, _Schure_[481]

Buche, _Stöber_[482]

Büchse (als Behältnis), _Schottel_[483]

Büchse (= Flinte), _Klass_[484], _Schnelle_[485]

Büchsenmacher, _Klass-_ od. _Schnellepflanzer_[486]

Büchsenranzen, _Rande_[487]

Buhldirne, _Lubne_[488]

buhlerisch, _lenk_, _schofel_[489]

[Fußnote 477: ([26] auf S. 64.131) S. abbrühen.]

[Fußnote 478: ([27] auf S. 64.131) S. Amme.]

[Fußnote 479: ([28] auf S. 64.131) S. brauchbarer Bursche.]

[Fußnote 480: ([29] auf S. 64.131) S. Bettelbube.]

[Fußnote 481: ([30] auf S. 64.131) S. abbiegen.]

[Fußnote 482: ([31] auf S. 64.131) S. Apfelbaum.]

[Fußnote 483: ([32] auf S. 64.131) S. Aschenbecher.]

[Fußnote 484: ([33] auf S. 64.131) _Klass_ = Büchse (Flinte, Gewehr [Schießgewehr], Muskete) findet sich nur in zwei _Zus._, näml. _Klasspflanzer_ = Büchsenmacher und _Klasskitt_ = Schießhaus. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaun._ 93 (_Klosheim_ = Gewehr); _W.-B. des Konst. Hans_ 256 (_Klasse_ [plur.] = Pistolen); _Schöll_ 271 (_Glasse_ = Flinte, Gewehr); _Pfulld. J.-W.-B._ 340, 344 (_Klassa_ = Geschütz, _Klasse_ = Gewehr, Schießgewehr, _klassen_ = schießen, _Klasset_ = Schuß); _Schwäb Gaun.- u. Kundenspr._ 70, (_Klass_ = Gewehr); _Schwäb. Händlerspr._ 481 (_Klaß_ [in _Pfedelb._ (209): _Klasse_] = Gewehr, Flinte). — Im sonst. Rotw. (wo das Wort übrigens schon 1724 [im _Duisb. Vokab._ (184)] — als _Classey_ = Pistole — nachweisbar ist) gehen die Formen sehr auseinander. S. Näh. darüber sowie über die _Etymologie_ (entw. vom hebr. _kĕli ēma_ = »Gerät der Furcht« od. vom hebr. _kĕli zimma_ — »Gerät der Schädlichkeit«) in _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 12, Anm. * (zu »Klassensenteser«).]

[Fußnote 485: ([34] auf S. 64.131) S. abschießen.]

[Fußnote 486: ([35] auf S. 64.131) S. (betr. _-pflanzer_) anbrennen.]

[Fußnote 487: ([36] auf S. 64.131) S. Bauch.]

[Fußnote 488: ([37] auf S. 64.131) S. Beischläferin.]

[Fußnote 489: ([38] auf S. 64.131) S. arg.]

[Fußnote 490: ([39] auf S. 64.131) _Hornikel_ od. _Hornigel_ = Ochse (Bulle, Stier) findet sich in den folgenden _Zusammensetzgn._: a) _am Anfang_: _Schmunkhornikel_ = Mastochse; b) _am Ende_: _Hornikelschmunk_ = Ochsenfett, auch Unschlitt (s. d. betr. Übereinstmmg. mit d. Zigeun.), _Hornikelbossert_ = Ochsenfleisch, _Hornikelgielblättling_ = Ochsenmaulsalat, _Hornikelkafler_ = Ochsenmetzger, _Hornikelstenkert_ = Ochsenstall. In dem spez. _verw. Quellenkr._ ist der Ausdr. m. W. unbekannt, dagegen findet er sich im _Metzer Jenisch_ 216 (in der Form _Hornigl_ für »Kuh«) sowie auch schon im ältern Rotwelsch für »Ochse« oder »Kuh« (s. z. B. _Schwenter_ 1620 [137: _Hornnickl_ = Ochsen]; bei _A. Hempel_ 1687 [167: _Hornickel_ = Kuh) u. a. m.). Zur _Etymologie_ (wohl von _Horn_ u. _Nickel_, Kurzform von _Nikolaus_, also e. Art. Personifizierung des Tiers durch e. menschl. Eigennamen) s. _Günther_, Rotwelsch, S. 80; vgl. auch _Pott_ II, S. 11 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 850 (betr. das analog gebildete _Gronickel_ = Schwein, worüber Näh. auch noch unten unter »Eber«).]

Bulle (= Ochse), _Hornikel_[490] [64.132]

Bündel, _Rande_[487]

Bürgermeister, _Kritsch_[491], _Schar(r)le_[492]

Bursche s. Bube; fahrender Bursche, _jenischer Benges_, _Benk_ oder _Fi(e)sel_[493]

Bürste, _Stiepa_, Plural: _Stiebe_ (Spr.)[494], _Rutscherschure_[495] oder bloß _Schure_[496]

[Fußnote 491: ([40] auf S. 64.132) _Kritsch_ = Bürgermeister (Ortsvorsteher, Schultheiß, Ratsherr) ist schon dem _Dolm. der Gaunerspr._ 98, 101 bekannt gewesen (_Kritsch_ = Schulz, Vogt; vgl. [89]: _Krisch_ = Ammann [sic]); vgl. ferner: _Pfulld. J.-W.-B._ 346 (_Gritsch_ = Vogt) u. _Schwäb. Händlerspr._ 486 (_Kritsch_ = Schultheiß). Die _Etymologie_ ist zweifelhaft. Von _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 770 (unter »Kritsch« II) ist das zigeun. _krísni_ = »Amt, Gericht« (s. _Finck_, S. 66; vgl. auch _Pott_ II, S. 123 [unter »Krisni«]; _Liebich_, S. 138, 174 u. 202 [_grisni_ = Gericht, Amt]; _Jühling_, S. 222 [_Grissni_ = Gericht]) herangezogen worden.]

[Fußnote 492: ([41] auf S. 64.132) _Schar(r)le_ (Synon. zu _Kritsch_) kommt in _dieser_ Form und Bedeutung im _Dolm. der Gaunerspr._ noch _nicht_ vor, vielmehr findet sich hier (93) nur das längere _Grandscharle_ für »Hatschier«, das _früher_ auch in _Wittichs_ Jenisch gebräuchlich gewesene (vgl. »Einleitung«, S. 28), dagegen hat schon das _W.-B. des Konst. Hans_ neben _Grandscharle_ = Hatschier (so: 257, in den »Schmusereyen«) auch noch _Scharle_ = Schultheiß, Dorfvogt (so: 254, im Vokabular), und ebenso führt das _Pfulld. J.-W.-B._ _beide_ Vokabeln auf (s. 339: _Granscharle_ = Gardist; 346: _Scharle_ = Vogt). Die neueren schwäb. Quellen kennen dagegen nur noch die letztere Form; s. _Schwäb. Gaun. u. Kundenspr._ 74 u. _Schwäb. Händlerspr._ 486 (_Scharle_ od. _Schrle_ = Schultheiß). _Etymologie_: Die Herkunft des Wortes _Schar(r)le_ (auch in Grandscharle) bleibt unsicher; auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 790 (unter »Grandscharle«) hat keine Erklärung gegeben. Über Hypothesen s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 49, S. 347 (unter »Scha[a]rbin[c]k«); ebends. (in Anm. 2) auch noch weitere rotw. Belege für _Scha(a)r(r)le_ u. _Gran(d)schar(r)le_.]

[Fußnote 493: ([42] auf S. 64.132) S. (betr. _jenisch_) Bachstelze, (betr. _Benges_ od. _Benk_) brauchbarer Bursche u. (betr. (_Fi[e]sel_) Bettelbube.]

[Fußnote 494: ([43] auf S. 64.132) _Stiepa_ (plur. Stiebe [Spr.]) = Bürste (Kehrbesen [Besen]) — u. dazu die Zus. _Stiepenpflanzer_ = Bürstenbinder (Spr.) — ist dem _verw. Quellenkr._ sowie auch sonst im Rotw. m. Wiss. _nicht_ bekannt. Der _Etymologie_ nach dürfte es wohl zu unserm gemeinsprachl. »stieben« bezw. »stäuben« gestellt werden (s. _Weigand_, W.-B. II, Sp. 955: _stäuben_, [eigtl.] »_stieben_ machen, Staub erregen; _aber auch_ in _denselben_ Bedeutgn. wie _stauben_«, d. h. »Staub von sich geben, Staub erregen, _Staub entfernen_ [in _abstauben_]«; vgl. Sp. 970 unter »stieben«).]

Bürstenbinder, _Schurespflanzer_ oder _Stiepenpflanzer_ (beides [64.133] Spr.)[497]

Busen s. Brust

Büttel, _Buz_[498]; vgl. Polizeidiener

Butter, _dofer Schmunk_, d. h. »(gutes oder) besseres Fett (Schmalz)«[499]

Butterbrot, _Schmunklehm_[500]

Butterfaß (Schmalzfaß), _Schmunkschure_[501]

Buttermilch, _Schmunkgleis_[502]

C.

Charfreitag s. Karfreitag

Chaussee (Straße, Weg), _Strade_[503]

[Fußnote 495: ([44] auf S. 64.133) In _Rutscherschure_ (sonst m. Wiss. nirgends bekannt) gehört der erste Bestandteil natürlich zu unserem Zeitw. _rutschen_ (= »sich gleitend bewegen«); vgl. Näh. bei _Weigand_, W.-B. II, Sp. 630. — Betr. _Schure_ s. d. folgde. Anm.]

[Fußnote 496: ([45] auf S. 64.133) S. abbiegen.]

[Fußnote 497: ([46] auf S. 64.133) S. (betr. _-pflanzer_) anbrennen.]

[Fußnote 498: ([47] auf S. 64.133) S. Amtsdiener.]

[Fußnote 499: ([48] auf S. 64.133) S. angenehm und Bratkartoffeln; vgl. auch »Vorbemerkung«, S. 19, Anm. 49.]

[Fußnote 500: ([49] auf S. 64.133) S. (betr. _Lehm_) Bäcker.]

[Fußnote 501: ([50] auf S. 64.133) S. (betr. _Schure_) abbiegen.]

[Fußnote 502: ([51] auf S. 64.133) S. (betr. _Gleis_) abgerahmte Milch.]

[Fußnote 503: ([52] auf S. 64.133) _Strade_ = Straße (Chaussee, Pfad, Weg) findet sich auch in einer Reihe von _Zusammensetzgn._ (nur am Anfang), nämlich: _Stradeschenegler_ = Chausseearbeiter (Straßenarbeiter), _Stradebich_, _-gore_ oder _-lobe_ = Chausseegeld (Pflaster-, Wegegeld), _Stradekies_ od. _-hertling_ = Kilometerstein (Meilenzeiger), _Stradebenk_ = Straßenwärter, _Stradelinzer_ = Wegweiser. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gauerspr._ 99, 101 (_Strade_ = Weg; _Stratekehr_ = Straßenräuber); _W.-B. des Konst. Hans_ 254, 259 (_Strade_ = Weg, Straße, _Stradekehrer_ u. _-kehr¶a¶_ = Straßenräuber u. -raub); _Schöll_ 271 (_Strade_ = Straße); _Pfulld. J.-W.-B._ 346 (Form: ebenso, Bdtg. Weg); _Schwäb. Händlerspr._ 487 (_Strate_ [in _Pfedelb._ (212): _Strade_] = Straße); s. auch _Metzer Jenisch_ 216 (_Strālje_ = Straße). Über weitere rotw. Belege sowie die _Etymologie_ (Wurzel wohl: ital. _strada_ bzw. lat. _strata_, zu vgl. ndd. _Strt_) s. ausführl. _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 65, Anm. 1 (zu »Straderadler«); vgl. auch Bd. 54, S. 158-164 (unter »Stradehändler« u. »Stradekehrer«).]

Chausseearbeiter (Straßenarbeiter), _Stradeschenegler_[504] [64.134]

Chausseegeld (Pflaster-, Wegegeld), _Stradebich_[505], _Stradegore_[506], _Stradelobe_[507]

Cichorie s. Zichorie

Cigarre s. Zigarre

D.