Part 15
Bettelfrau, _Derchermoss_[393]
bettelhaft s. arm; vgl. dürftig
Bettelleute, _Dercherulma_ (-me)[394]
Bettelmädchen, _Derchermodel_[395]
Bettelmann, _Dercherkaffer_[396]
betteln, _dalfen_, _derchen_[392], _manga_[397]
Bettelsack, _Dercherrande_[398]
Bettelstab, _Dercherstenz_[399]
[Fußnote 392: ([90] auf S. 63.388) S. (zu beiden Ausdr.) abbetteln.]
[Fußnote 393: ([91] auf S. 63.388) S. (betr. _Mos[s]_) Bauernfrau.]
[Fußnote 394: ([92] auf S. 63.388) S. (betr. _Ulma_) arme Leute.]
[Fußnote 395: ([93] auf S. 63.388) S. (betr. _Model_) Beischläferin.]
[Fußnote 396: ([94] auf S. 63.388) S. (betr. _Kaffer_) Bauer.]
[Fußnote 397: ([95] auf S. 63.388) Zu _manga_ (dial. = mange[n]) vgl. (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 330, 338 (_mangölen_ = abbetteln, betteln, _Mangöler_ = Bettler); _Schwäb. Händlerspr._ 479 (_mangen_ = betteln; in U. [213]: _Mangkitt_ = Bettelhaus); s. auch noch _Metzer Jenisch_ 216 (_mange_ = betteln). Zur _Etymologie_ (aus der _Zigeunerspr._ vgl. »Einleitung«, S. 30]) s. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1438 vbd. m. _Pott_ II, S. 445 (unter »Mangawa«), _Liebich_, S. 145, 184 u. 197 (_mangāwa_ = ich bitte, flehe, bettele), _Miklosich_, Beitr. III, S. 15 (unter »mangen«) u. S. 30 u. Denkschriften Bd. 27. S. 9, 10 (unter »mang«: bei d. deutsch. Zig.: _mangāva_ = bitten, betteln), _Jühling_, S. 224 (_manga_ = betteln) u. _Finck_, S. 72 (Stamm: _mang-_ [mangd-] = »bitten, betteln, fordern«).]
[Fußnote 398: ([96] auf S. 63.388) S. (betr. _Rande_) Bauch.]
[Fußnote 399: ([97] auf S. 63.388) S. (betr. _Stenz_) Ast.]
Bettelweib s. Bettelfrau [63.389]
Bettler, _Dalfer_, _Dercher_ (fem. _Derchere_ [Spr.])[392]
Bettschüssel, _Sauftschottel_[400]
Bettüberzug, _Sauftschure_[401]
Bettuch, " "
Bettzüge, " "
beunruhigen (sich), _bauserich sein_[402]
Beutel, _Kiesreiber_[403], _Rande_[404]
beweinen, _glemsen_[405]; vgl. weinen
bewerfen, _plotzen_[406]; vgl. werfen
bezahlen, _bereimen_[407], _bleisgeren_[408], _pfreimen_, _zainen_, (zeinen [Spr.])[409]
[Fußnote 400: ([98] auf S. 63.389) S. Bett u. Aschenbecher.]
[Fußnote 401: ([99] auf S. 63.389) S. (betr. _Schure_) abbiegen.]
[Fußnote 402: ([100] auf S. 63.389) S. Angst.]
[Fußnote 403: ([101] auf S. 63.389) _Kiesreiber_ bedeutet eigentl. spezieller _Geld_beutel, _Geld_börse (Börse, Säckel), zus. aus _Kies_ = _Geld_ u. dgl. (s. Näh. unter »Bankier«) u. _Reiber_ = Beutel, das jedoch in _Wittichs_ W.-B. nicht für sich allein vorkommt, sondern nur in gewiss. _Zus._ wie (außer _Kiesreiber_) noch _Toberichreiber_ = Tabaksbeutel u. _Dämpferereiber_ = Zigarrenbeutel. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93, 98 (_Reipert_ = Sack) _Megesreipert_ = Geldbeutel [wozu betr. _Meges_ = Geld zu vgl. _Groß'_ Archiv, Bd. 33, S. 257, Anm. 2, lit. b u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 572: zu hebr. _mäkäs_ = »Abgabe«]); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 70 (_Kiesreiber_ = Geldbeutel); _Schwäb. Händlerspr._ 481 (_Kîsreiber_, Bedtg. ebenso). Über weitere Belege im Rotw. — seit dem 16. Jahrh. (s. schon _Lib. Vagat._ 54 [_Rippart_ = »Säckel«]) — u. die _Etymologie_ (wohl zu unserem Zeitw. _reiben_, mhd. _rîben_) s. Näh. bes. bei _Weber-Günther_, S. 179; vgl. auch _Pott_ II, S. 34, 35; A.-L. 591 (unter »Reiber«); _Stumme_, S. 24.]
[Fußnote 404: ([102] auf S. 63.389) S. Bauch.]
[Fußnote 405: ([103] auf S. 63.389) S. ausweinen.]
[Fußnote 406: ([104] auf S. 63.389) Mit _plotze[n]_ (-za) = werfen (bewerfen), schmeißen sind zusammengesetzt: _einplotza_ = einwerfen (oder einfallen), _herab-_, _hin-_, _nach-_, _niederplotze[n]_ = herab-, hin-, nach-, niederwerfen. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 337, 343 (_plozen_ = fallen, _aufplozen_ = aufbrechen, aufmachen, _niederplozen_ = niederwerfen; _Schunplotzer_ = Maurer); _Schwäb. Händlerspr._ 488 (_Schumplotzer_ od. _Schundplotzer_ [in _Degg._ (215): _Schund-blozer_] = Maurer; in _Pfedelb._ [212]: _niederpletzen_ = niederwerfen). Zur _Etymologie_ (zu d. mundartl., bes. schwäb. _plotzen_ od. _blotzen_ = »stoßen, schlagen [prügeln], _werfen_« [bes. mit Geräusch »hin- und herwerfen« u. dgl.]) s. die Angaben in _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 139, Anm. 2 u. dazu auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1217.]
[Fußnote 407: ([105] auf S. 63.389) Zu _bereimen_ = bezahlen (auch vergüten) s. die Wendung _Strupf bereimen_ = Strafe bezahlen (vgl. oben unter »bestraft«). Auch _Bereime_ = Zahlung ist wohl nichts anderes als der substantiv. Infinitiv (in dial. Aussprache), während _Bereimerei_ = Verdienst als eine Ableitung davon erscheint. _Zu_ _vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Schwäb. Händlerspr._ 479 (_beräumen_ [in _Pfedelb._ (209): _bereimen_] = bezahlen, in _Pfedelb._ [208] auch: _ausbereimen_ = auszahlen). Über sonstige Belege im Rotw. (vom 18. Jahrh. [s. _Kluge_ Rotw. I, S. 239] bis zur Gegenwart) s. _Groß'_ Archiv Bd. 33, S. 305, Anm. 3 unter lit. a. Ebds. auch über die _Etymologie_ des Wortes, das von A. L. 524 zu dem ahd. (h)rim = Zahl (vgl. Näh. bei _Graff_, Althd. Sprachsch. II, Sp. 506) gestellt worden, während _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 863 zwar den Ausdruck »bereinigen« (im Sinne von »bezahlen«) zum Vergleiche herangezogen hat, dann aber doch meint, eine Entstellung aus »bereinen« passe deshalb nicht, weil dieses ebenso wie das Adj. »rein« in Schwaben nicht volksüblich sei.]
bieder, _dof_[410] [63.390]
Bier, _Blamb_[411]
Bierglas (-flasche), _Blambglansert_[412]
Bindfaden, _Schure_[413]
Binsen, "
Birke, _Stöber_ (d. h. Baum). Damit werden — mit wenigen Ausnahmen — _alle_ Bäume bezeichnet[414]
[Fußnote 408: ([106] auf S. 63.390) S. anzahlen.]
[Fußnote 409: ([107] auf S. 63.390) S. (zu beiden Ausdr.) abzahlen.]
[Fußnote 410: ([108] auf S. 63.390) S. angenehm.]
[Fußnote 411: ([109] auf S. 63.390) Mit _Blamb_ ist _zusammengesetzt_ nur _Blambglansert_ (s. d. W.-B.), das auch unter »Schoppenglas« angeführt ist. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 90 (_Blembel_ = Bier); _W.-B. des Konst. Hans_ 254 (_B[l]empel_); _Pfulld. J.-W.-B._ 338 (_Blamp_ od. _Blempel_); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 68 (_Plampe_); _Schwab. Händlerspr._ 480 (_Plamp_ = Bier, dazu in _Pfedelb._ [208]; _Plamppflanzer_ = Bierbrauer; abweichend in _Eningen_ [206, Anm. 1]: _Plempel_ = Wein). Im _Pleißlen der Killertaler_ (436) ist _Plamp_, _Plempel_ od. _Plimpel_ = Getränk schlechthin, _Gañsplempel_ = Wasser, _gwanter Plempel_ = Wein. Über sonstige Belege in Rotw. (seit d. 17. Jahrh.) u. die _Etymologie_ s. ausführl. _Groß'_ Archiv, Bd. 46. S. 25 (u. Anm. 1) u. 26; vgl. auch _Weber-Günther_, S. 179 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1153 (unter »Plämpel«).]
[Fußnote 412: ([110] auf S. 63.390) Mit _Glansert_ = Glas (Humpen, Schoppen) aber auch Flasche (»Bouteille«, »Pulle«) finden sich ferner noch folgende _Zus._: _Gefinkelter-_ oder _Sorufglansert_ = Branntweinpulle (-flasche), _Feneter-_ oder _Scheiglansert_ = Fensterglas, _Gleisglansert_ = Milchglas, _Grabegautsehertglansert_ = Mostglas, _Schwächglansert_ = Trinkglas, -geschirr, _Flösselglansert_ = Uringlas, _Johleglansert_ = Weinglas. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93 (_Glensert_ = Glas); _Schwäb. Händlerspr._ (U. [213]: _Glänzerle_ = Glas). _Etymologie_: Das Wort, dem sich auch sonst im Rotwelsch noch manche _ähnliche_ Formen zur Seite stellen lassen, gehört wohl sicher zu unserem gemeinspr. »Glanz« bzw. »glänzen«. Vgl. _Pott_ II, S. 33; _Weber-Günther_, S. 189; _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 607 (unter »Glänzer«).]
[Fußnote 413: ([111] auf S. 63.390) S. abbiegen.]
[Fußnote 414: ([112] auf S. 63.390) S. alles Nähere unter »Apfelbaum«.]
Birnbaum, _Stielingstöber_[415] [63.391]
Birne, _Stieling_
Birnenkern, _Stielingkies_[416]
Bischof, _grandicher Kolb_, d. h. »der große Pfarrer«[417], während der Papst als _grandich Kolb_, d. h. »der größte Pfarrer«, bezeichnet wird[418]. Im Jenischen wird nämlich mit _grandicher_ immer die nächste höhere Charge, Rangstufe usw. bezeichnet, mit _grandich_ dagegen stets der höchste Rang usw.[419].
[Fußnote 415: ([113] auf S. 63.391) Mit _Stieling_ = Birne ist ferner noch zusammengesetzt _Stielingkies_ = Birnenkern. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 90 (_Stieling_ = Birne); _Schöll_ 271 (ebenso); _Pfulld. J.-W.-B._ 338 (_Stühling_); _Schwäb. Händlerspr._ 480, 484 (_Stîling_; vgl. _Stîlingsjôle_ = Most); s. auch noch _Metzer Jenisch_ 216 (_Stilche_ od. _Stîlche_). Der _Etymologie_ nach gehört das (schon Mitte des 18. Jahrh. im Rotw. bekannte) Wort (vgl. _Kluge_, Rotw. I. S. 232) ohne Zweifel zu unserm gemeinspr. »Stiel«; vgl. _Pott_ II, S. 38 u. _Günther_, Rotwelsch, S. 61.]
[Fußnote 416: ([114] auf S. 63.391) S. (betr. _Kies_) Apfelkern.]
[Fußnote 417: ([115] auf S. 63.391) Vgl. auch Hoherpriester. Mit _Kolb_ = Geistlicher, Pfarrer (Prediger, Priester) finden sich folgende _Zusammensetzgn._: a) _am Anfang_: _Kolbekitt_ = Pfarrhaus (u. dazu die Verbindg. _grandiche Kolbekitt_ = Kloster [s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeunerspr.]) u. _Kolbemalfes_ = Priesterrock; b) _am Ende_: _Kaimekolb_ (d. h. »Judenpfarrer«) = Rabbiner (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.). _Zu vergl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 341, 343 (_Kolb_ = Pfarrer, Priester, _Unterkolb_ = Kaplan); _Schwäb. Händlerspr._ 482 (unter »katholisch«) u. 484 (_Kol¶p¶_ [in _Pfedelb._ (212): _Kol¶b¶_] = Pfarrer, in _Pfedelb._ [212]: _Oberkolb_ = Oberpfarrer). Über weitere Belege im Rotw. u. die _Etymologie_ des Wortes (vermutl. zu d. älteren Lehnw. [aus d. Latein.] _Kolbe_ = »geschorener Kopf« mit Bez. auf die Tonsur der kathol. Geistlichen) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 267/68; vgl. auch _Weber-Günther_, S. 172 (unter »Kolm«).]
[Fußnote 418: ([116] auf S. 63.391) Auch die Zigeunersprache kennt die Umschreibung »großer Pfarrer«, _bāro rašai_ (raschai), für »Bischof« oder »Superintendent« (s. _Finck_, S. 82) u. dergl. (z. B. »Hoherpriester, Abt, Prälat, Oberpfarrer« [s. _Liebich_, S. 127]), ja nach _Jühling_, S. 225 sogar für den Papst (für den sonst [nach _Liebich_, S. 131 u. 228] _schwendo dād_, d. h. »heiliger Vater« gebräuchlich ist). Die von _Wittich_ im Text erwähnte Art der Steigerung der Rangstufen im Jenischen (durch _grandicher_ — _grandich_) ist mithin den Zigeunern hier — wie auch i. d. Regel sonst — _nicht_ bekannt (vgl. schon »Vorbemerkung«, S. 17, Anm. 42; s. jedoch auch weiter unten die Anm. zu »Förster«).]
[Fußnote 419: ([117] auf S. 63.391) Diese merkwürdige Art der Steigerung, bei der _grandicher_ als eine Art _Komparativ_ erscheint (wie es denn auch zuweilen zur Erklärung dabei ausdrücklich durch »größer« wiedergegeben ist), während die einfache — unflektierte — Grundstufe (der »Positiv«) als _Superlativ_ fungiert, erinnert an einen in gewissem Umfange auch in unserer Gemeinsprache zu beobachtenden Sprachgebrauch, wonach etwa ein »besseres Kindermädchen« nicht so hoch geschätzt wird wie ein »gutes«, ein »älterer Herr« jünger zu sein pflegt als ein »alter« usw. Konsequent ist diese Gradsteigerung im W.-B. durchgeführt (außer bei _Kolb_, _grandicher_ _Kolb_, _grandich Kolb_) noch in folgenden Fällen: _Sins_ = »Herr« (Edelmann, Gebieter), _grandicher Sins_ = Fürst (Herrscher), Oberherr (Landesherr) — jedoch auch für Beamte (Amtmann, Richter) gebr. —, _grandich Sins_, d. h. »der größte Herr«, = König (fem. _grandich Sinse_ = Königin); _Grünwedel_ = Forstmann (schlechthin) od. Forstwart, _grandicher Grünwedel_ (d. h. — wie hier ausdrückl. hinzugefügt ist — eigtl. »der größere Forstmann«) = Förster, _grandich Grünwedel_ (d. h. »der größte Forstmann«) = Oberförster; _Schuker_ = Gendarm, _grandicher Schuker_ = Wachtmeister (Obergendarm), _grandich Schuker_ = Oberwachtmeister; _Bu(t)z_ = Polizeidiener, _grandicher Bu(t)z_ = Polizeiwachtmeister, _grandich Bu(t)z_ = Polizeidirektor. Dagegen fehlt zu _Lanenger_ = Soldat, _grandicher Lanenger_ (_Grandicher-Lanenger_) = Offizier, insbes. Hauptmann ein Superlativ _grandich L._, den man etwa für den Oberst oder General erwarten dürfte; vielmehr hat _grandich Lanenger_ im Vokab. die Bedeutg. von »Heer«, ist demnach als Plural und in dem Sinne von »(sehr) _viele_ Soldaten« auszulegen. In gleicher Weise ist _grandich_ auch sonst noch verwendet worden, so z. B. in _grandich Ulma_ = Menge (eigtl. »[sehr] viele Menschen«), _grandich Schure_ od. _Sore_ = Reichtum, Überfluß, Vermögen (eigtl. »[sehr] viele Dinge«), u. in anderen Fällen ist es, weil ein (durch den Zusatz von _grandicher_ gekennzeichnetes) Mittelglied fehlt, wohl einfach durch »groß« oder »sehr groß« wiederzugeben, so z. B. bei _grandich Flu(h)te_ = Meer (eigtl. »[sehr] großes Wasser«), _grandich Begerisch_ = Schwindsucht (eigtl. »[sehr] großes Siechtum«) oder _grandich Babing_ od. _Strohbutzer_ = Schwan (eigtl. »[sehr] große Gans«). Dagegen könnte man die Verbindg. _grandich Flederling_ = Storch (in entsprechender Übertragung der für menschliche Rangunterschiede aufgestellten Regel auf die Tiere) ihrem eigtl. Sinne nach wohl durch »_größter_ Vogel« (nämlich unter den bei uns in Deutschland bekannten Arten) wiedergeben, da in _grandicher Flederling_ = Adler eine Mittelstufe gegeben ist (vgl. schon oben unter »Adler«).]
bissig, _näpfich_ (-ig)[420] [63.392]
bitten, _derchen_[421]
Bittschrift s. Bettelbrief
Bleistift, _Feberschure_[422]
Blick, _Scheileng_[423]
blicken, _linzen_[424]
Block s. Holz
blöde (blödsinnig) s. aberwitzig; vgl. albern
Blödigkeit (Blödsinn), _Ni(e)sserei_, _Nillerei_, _Nuscherei_[425]
Blume, _Schure_[426]
[Fußnote 420: ([118] auf S. 63.392) S. abbeißen.]
[Fußnote 421: ([119] auf S. 63.392) S. abbetteln.]
[Fußnote 422: ([120] auf S. 63.392) S. abschreiben u. abbiegen; vgl. dazu auch, »Vorbemerkung«, S. 19, Anm. 48.]
[Fußnote 423: ([121] auf S. 63.392) S. Augapfel.]
[Fußnote 424: ([122] auf S. 63.392) S. anschauen.]
[Fußnote 425: ([123] auf S. 63.392) S. aberwitzig.]
[Fußnote 426: ([124] auf S. 63.392) S. abbiegen.]
Blut, _Rat_[427] [63.393]
blutig, _ratich_[427]
Bock, _Schure_[426]
Bohnen, "
Bohrer, "
Borg (Kredit), auf —, auf _den Bengel_[428], _auf Keif_[429]; vgl. auch Schulden
borgen (leihen), _Bomma_ od. _Keif pflanzen_ (d. h. »Schulden machen«)[430]
Börse, _Kiesreiber_[431]
[Fußnote 427: ([125] auf S. 63.393) Zu _Rat_ = Blut (Geblüt) gehören die _Ableitungen_ _ratich_ = blutig u. _verratten_ = verbluten. In dem _verw. Quellenkr._ ungebräuchlich u. auch sonst im Rotw. selten (vgl. jedoch z. B. _Groß_ 486). Zur _Etymologie_ (aus der _Zigeunersprache_ [vgl. »Einleitung«, S. 30]) s. Näh. bei _Pott_ II, S. 272 (unter »Rat«), _Liebich_, S. 154 u. 186 (_rād_), _Miklosich_, Denkschriften, Bd. 27, S. 54 (bei d. deutsch. Zig.: _rād_, zu altind. _rakta_, hind. _rātā_ = »rot«), _Jühling_, S. 225 (_Ratt_) u. _Finck_, S. 82 (_rat_).]
[Fußnote 428: ([126] auf S. 63.393) Diese Wendung, die m. Wiss. sonst nirgends bekannt ist, bleibt auch etymologisch unklar.]
[Fußnote 429: ([127] auf S. 63.393) _Keif_ = Borg(en), Kredit, aber auch Schulden kommt noch vor in der _Verbindg._ _Keif pflanzen_ (eigtl. »Schulden machen«) = borgen, leihen u. in der _Zus._ _Keifkitt_ = Leihhaus. Aus dem _verw. Quellenkr._ darf wahrscheinlich schon _keif_ = teuer im _W.-B. des Konst. Hans_ (260) hierher gezogen werden, als Subst. erscheint das Wort in der _Pfälz. Händlerspr._ (438) in der Form _Kôfes_ = Schuld. — Die (allgem.) _Kundenspr._ kennt die Redensart _Keif machen_ = Schulden (auf der Penne) machen (s. _Ku._ III [426] u. IV [431]; _Ostwald_ [Ku.] 78) sowie ein Adj. _keif_ = schuldig (s. _Ostwald_, a. a. O.). Seiner _Etymologie_ nach stammt _Keif_ wohl jedenfalls aus dem Hebr. (_chôb_ = »Schuld«, jüd. _chuf_, _chof_, poln.-jüd. _choiw_); s. A.-L. 368 (unter »Chuw«); vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 310 (der jedoch auch eine Ableitung vom jüd. _Keifel_ = »Geldstück« zur Wahl stellt).]
[Fußnote 430: ([128] auf S. 63.393) Betr. _pflanzen_ s. anbrennen. — _Bomma_ (od. Bomme[r]) = Schulden kommt außerdem noch vor in der _Zus._ _Bommerkitt_ = Syn. zu _Keifkitt_ (s. Anm. 429). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Schwäb. Händlerspr._ 486 (_Bommer_ [in _Pfedelb._ (212): _Bummen_] = Schulden; dazu in _Pfedelb._ [212] noch _bummich_ = schuldig); _Pleißlen der Killertaler_ 434 (_Bommer_ = Schulden). _Etymologie_: Nach _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp.1286 (unter bzw. zu »Pommer«, Nr. 6 [d. i. schwäb. = »Schulden, spez. Trink- u. Spielschulden«]) gehört der Ausdruck zu dem volkstüml. »Pump« bzw. »pumpen«, dessen Ursprung bekanntlich in der Gaunersprache zu suchen ist. (S. schon bei _A. Hempel_ 1687 [168]: _pompen_ — borgen, u. _so_ auch noch bei den _schwäb. Händlern_ [in _Pfedelb._ (209)]; in _Körner's Zus. zur Rotw. Gramm._ v. 1755 [241]: die Subst. _Pumpes_ = Schuld, _Pumpesmacher_ od. _Pumper_ = Borger). Vgl. _Günther_, Rotwelsch, S. 54 vbd. m. _Kluge_, W.-B. S. 358 u. _Weigand_, W-B. II, Sp. 491 (unter »pumpen«, Nr. 3).]
[Fußnote 431: ([129] auf S. 63.393) S. Beutel; vgl. Bankier.]
Borsten, _Strauberts_[432] [63.394]
bösartig, _lenk_, _schofel_[433]
böse, _lenk_ (_link_ [Spr.]), _schofel_[433]
böse Frau, _lenke Goi_[434] od. _Moss_[435]
böse Sachen (Dinge) machen, _lenke_ od. _schofle Falla pflanzen_[436]; vgl. huren
böser (Komporativ), _lenker_, _schofler_[433]
böser Mann (Mensch), _lenker Kaffer_[437], _Linkfi(e)sel_ (Spr.)[438]
böses Kind, _Gof_, plur. _Gofa_[439]
böses kleines Kind, _Göfle_ (_Gefle_ [Spr.])[439]
Bouteille (Flasche), _Glansert_[440]
[Fußnote 432: ([130] auf S. 63.394) S. Augenbrauen.]
[Fußnote 433: ([131] auf S. 63.394) S. (zu beiden Ausdr.) arg.]
[Fußnote 434: ([132] auf S. 63.394) Mit _Goi_ (= Frau, Weib) kommt noch vor die _Verbindg._ _schofle Goi_ = Kebsweib (also mit engerem Sinne als _lenke Goi_, während sonst die Adj. _lenk_ u. _schofel_ ja ungefähr gleichbedeutend gebraucht werden; vgl. Näh. unter »arg«). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 255 (_Tschor-Gaya_ = Frau, die gestohlene Sachen kauft); _Schöll_ 272 (_Gaja_ = Weib); _Pfulld. J.-W.-B._ 339, 346 (_Gai_ = Frau, _Gaie_ = Weib, _Grängoi_ = Eheweib); _Schwäb. Händlerspr._ 481 u. 483 (_Goie_ = Frau, _Goi_ = Mädchen) s. auch noch _Pfälz. Händlerspr._ 437 (_Gôje_ = Frau). Über weitere Belege im Rotw. u. die _Etymologie_ (fem. zu rotw. _Goi_ = »Mann« [in Zus.], vom hebr. _gôi_, pl. _gojim_, = »Volk, Nichtjude, Heide, Christ«) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 48, S. 325 ff. vbd. m. 323/24; vgl. auch noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 736 (unter »Goi«, Nr. 2).]
[Fußnote 435: ([133] auf S. 63.394) S. Bauernfrau.]
[Fußnote 436: ([134] auf S. 63.394) Um was für »böse Sachen« es sich bei dieser Redensart wohl speziell handelt, dürfte daraus zu entnehmen sein, daß sie auch gleichbedeutend mit »huren« gebraucht wird, so daß das Wort _Falla_ (Falle) hier vielleicht in der Bedeutg. von »Bett« zu nehmen ist, die es in volkstüml. Redeweise in manchen Gegenden hat (s. _H. Meyer_, Richt. Berliner, S. 39 u. _Horn_, Soldatensprache, S. 9 u. 100). Die rotw. Wendg. _Falle machen_ u. ä. (für »zum [betrüglichen] Spiel verlocken« [s. A.-L. 538]) wird man dagegen — wegen ihres engeren Begriffs — wohl kaum damit in Zusammenhang bringen dürfen. — Erwähnt sei übrigens noch der Ausdruck _Falbais_ = »Hurenschenke« bei _Castelli_ 1847 (391), _Fröhlich_ 1851 (397) u. in der _Wiener Dirnenspr._ 1886 (417).]
[Fußnote 437: ([135] auf S. 63.394) S. Bauer.]
[Fußnote 438: ([136] auf S. 63.394) S. Bettelbube.]
[Fußnote 439: ([137] auf S. 63.394) _Gof_ (plur. _Gofa_) = böses Kind (Dim. _Göfle_ [Gefle (Spr.)] ist in _gleicher_ Bedeutg. auch der _schwäb. Händlerspr._ bekannt (483: _Gôf_ = böses Kind, im Plur. [_Gôfe_] dagegen = Kinder _schlechthin_). _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 735 bemerkt dazu, daß die Bezeichnung (in Schwaben überhaupt) »nur geringschätzig od. tadelnd als Ausdruck des Unmuts« gebraucht wird, bes. für ein »unartiges, naseweises, widerwärtiges, krittliges Kind« (»Range«, »Göre«), während er sie der _Etymologie_ nach unerklärt gelassen hat.]
[Fußnote 440: ([138] auf S. 63.394) S. Bierglas.]
Brand, _Funk_[441] [63.395]
Branntwein, _Gefinkelter_[442], _Katschete_[443], _Soruf_[444]
Branntweinpulle (-flasche), _Gefinkelterglansert_ od. _Sorufglansert_[445]
braten, _sicheren_[446]
Braten, _Bossert_, _Mass_, d. h. »Fleisch«[447]
Bratkartoffeln, _Schmunkbolle_ (Spr.)[448]
[Fußnote 441: ([139] auf S. 63.395) S. abbrennen.]
[Fußnote 442: ([140] auf S. 63.395) _Zusammengesetzt_ hiermit sind a) _am Anfang_: _Gefinkelterglansert_ = Branntweinpulle (-flasche) u. b) _am Ende_: _Blauhanzegefinkelter_ = »Zwetschgenwasser«. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 90 ([_Finkeljochem_ od.] _gefinkelter Jaiem_ = Branntwein); _W.-B. des Konst. Hans_ 254, 256 (_G'finkelterjole_ = Branntwein); _Pfulld. J.-W.-B._ 338 (_Gfinkelter_ = Branntwein); _Schwäb. Händlerspr._ 486 (_G[e]finkelte[r]_ = Schnaps); s. auch noch _Metzer Jenisch_ 217 (_Fünkeler_ = Schnaps). Zur _Etymologie_: Wie die älteren Quellen zeigen, lautete der Ausdruck ursprünglich _Gefinkelter Jaiem_, _-jole_, d. h. »gebrannter Wein« (vgl. »Einleitung«, S. 28), zu _finkeln_ (fünkeln) u. ä. = »sieden, braten, kochen« (s. dazu schon oben unter »behext«). Vgl. _Günther_, Rotwelsch, S. 81; _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 163 (unter »g[e]finkelt«).]
[Fußnote 443: ([141] auf S. 63.395) Mit _Katschete_ sind im W.-B. _keine Zus._ gebildet worden, auch _fehlt_ es in dem _verw. Quellenkreise_ und kommt auch sonst im Rotw. nur _selten_ vor (so z. B. bei _Pfister_ 1812 [300: _Katschedi_, in einer Zusammensetzg.], _v. Grolman_ 33 [_Katschedi_] u. _Karmayer_, G.-D. 203 [ebenso]: vgl. auch _Miklosich_, Beitr., S. 11 u. 22). Über die _Etymologie_ des Wortes aus der _Zigeunersprache_ (vgl. »Einleitung«, S. 30) s. Näh. bei _Pott_ II, S. 160 (unter »Chatschjevava«), _Liebich_, S. 130 u. 186 (_chatschérdi_), _Miklosich_, Beitr. III, S. 11 u. Denkschriften, Bd. 26, S. 218 (unter »chačar«: bei den deutsch. Zig.: _chačerdi_ = Branntwein, Partiz. von _chačāva_ od. _chačevava_ = »brennen, anzünden«), _Jühling_, S. 220 (_Chatschärti_ = Schnaps) u. _Finck_, S. 68 (_xátšerdi_ = »Branntwein«).]
[Fußnote 444: ([142] auf S. 63.395) _Soruf_ erscheint in _gleicher_ Weise in _Zus._ verwendet wie _Gefinkelter_ (_Sorufglansert_, _Blauhanzesoruf_). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 486 (_Sorof_ = Branntwein); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 75 (_Soruff_ od. _Soroff_ = Schnaps); _Schwäb. Händlerspr._ 486 (_Sôruf_ = Schnaps); ebenso auch in der _Pfälz. Händlerspr._ 439. Über weitere Belege im Rotw. sowie die _Etymologie_ (vom hebr. _frûf_, Part. pass. von _fraf_ = »brennen«) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 223 u. Anm. 1 u. S. 229 u. Anm. 1; vgl. auch _Günther_, Rotwelsch, S. 85 u. in d. »Wiss. Beiheften zur Zeitschr. des Allgem. Deutsch. Sprachvereins«, V. Reihe, Heft 36 (1913), S. 184.]
[Fußnote 445: ([143] auf S. 63.395) S. (betr. _Glansert_) Bierglas.]
[Fußnote 446: ([144] auf S. 63.395) S. auskochen.]
[Fußnote 447: ([145] auf S. 63.395) S. (zu beiden Wörtern) Aas.]