Die jenische Sprache

Part 14

Chapter 142,957 wordsPublic domain

[Fußnote 351: ([49] auf S. 63.381) Diese Vokabel setzt ein Zeitw. _verfinkeln_ = behexen voraus, das aber im Vokabular nicht angeführt ist, ebenso wie ein einfaches _finkeln_ (im Rotw. für »kochen [sieden, braten]« usw. bekannt) fehlt, während als _Ableitungen_ von letzterem die Subst. _Finkler_ = Zauberer, Schwarzkünstler, _Finklere_ = Zauberin, _Finklerei_ = Hexerei, Zauberei u. als _Zus._ mit dessen Stamm _finkel-_: _Finkelmoss_ = Hexe, _Finkelkaffer_ = Hexenmeister u. _Finkelkitt_ = Hexenhaus erscheinen. Über das — gleichfalls zu diesem Zeitw. gehörige — Subst. _Gefinkelter_ = Branntwein s. Näh. unter diesem Ausdr. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Schöll_ 270 (_Fenkel Caspar_ = Betrug mit Hexerei); _Pfulld. J.-W.-B._ 340 (_Fingelschize_ = Hexe); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 70 (_Finkelmos_ = Hexe); _Schwäb. Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [210]: _Finkelmoß_ = Hexe, _Finkelschütz_ = Hexenmeister). — Das einfache _Finckel_ = Hexe kannte die _Scharfrichtersprache_ v. 1813 (308). Zur _Etymologie_: Den Übergang von der Bedeutg. des — zu dem Stammwort _Funk_ u. ähnl. = Feuer (vgl. Bd. 63 S. 35 u. Anm. 125) gehörenden — Zeitw. _finkeln_ od. _fünkeln_ = kochen usw. (s. schon _Lib. Vagat_ [53]: _fünckeln_ = sieden od. braten u. dann öfter) zu den Begriffen _Finklerei_ = Hexerei, _Finklere_ od. _Finkelmoss_ = Hexe usw. haben höchstwahrscheinlich Ausdrücke wie »Teufelsbraten« u. »Hexenküche« (u. überhaupt die Vorstellung von dem Zubereiten [Kochen] von allerlei Zaubertränken durch die Hexen) vermittelt; s. dazu _Pott_ II, S. 34; vgl. auch _Groß'_ Archiv, Bd. 50, S. 350 (unter »Fingelmusch«).]

[Fußnote 352: ([50] auf S. 63.381) S. Axt.]

[Fußnote 353: ([51] auf S. 63.381) _Buxa_ (-e), plur. _Buxen_ = Beinkleid, Hose kommt auch vor in _Zus._, nämlich _Buxeschmelzer_ = Feigling (vgl. dazu schon Bd. 63, S. 132, Anm. 293 zu »austreten [schwer]«) u. _Buxerande_ = Hosensack. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 340 (_Buchsen_ = Hosen); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 71 (_Buxen_ = Hosen); _Schwäb. Händlerspr._ 482 (ganz ebenso). S. auch _Pleißlen der Killertaler_ 434 (_Form_: ebenso, _Bedtg._: auch Unterhosen) u. _Regensburg. Rotw._ 490 (_Buxen_ = Hose). _Etymologie_: Es handelt sich um ein schon früh (17. Jahrh.) ins Rotwelsch — auch in Süddeutschl. — eingedrungenes _niederd._ Wort. S. _Pott_ II, S. 17 u. _Günther_, Rotwelsch, S. 51 vbd. mit _Kluge_, Unser Deutsch (2. Aufl.), S. 81; vgl. auch _Fischer_, Schwab. W.-B. I, Sp. 1495 (unter »Buchse[e]«).]

[Fußnote 354: ([52] auf S. 63.381) Mit _Kopel_ (plur. _Kopla_) = Beinkleid, Hose _zusammengesetzt_ ist nur _Kopelrande_ (= Buxerande). In dem _verw. Quellenkr._ ist der Ausdr. unbekannt. Der _Etymologie_ nach handelt es sich zwar wahrscheinlich um ein _Zigeunerwort_ (s. »Einleitung« S. 30), jedoch müßte bei seiner Aufnahme ins Jenische eine Umstellung (Transposition) der Buchstaben der letzten Silbe stattgefunden haben, da es im Zigeunerischen — nach _Jühling_, S. 221 — _Cholep_ lautet (s. ebds. S. 228: früher dafür auch _Ch¶och¶lep_). Vgl. ferner _Pott_ II, S. 163, 170 (unter »Chólov«); _Liebich_, S. 130, 182, 211 (_chōlib_ od. _chóleb_ = Beinkleid, Hose); _Miklosich_, Denkschriften, Bd. 26, S. 222 (unter »cholov«: bei den deutsch. Zig.: _cholib_); _Finck_, S. 69 (_xóli¶w¶_ od. _xólu¶w¶_ = »Hose«). In _dieser_ Form ist die Vokabel vereinzelt wohl auch ins Rotwelsch eingedrungen (vgl. z. B. _v. Grolman_ 39 u. T.-G. 102 [_Kolle¶w¶_ od. _Kollet_ = Hosen] u. _Karmayer_, G.-D. 206 [ebenso]).]

Beischlaf s. begatten [63.382]

Beischläferin, _Lubne_[355], _schofle Model_ (d. h. »schlechtes Mädchen«)[356]

beißen, _näpfen_[357]

beiwohnen s. begatten

Bekleidung, _Klufterei_[358]

[Fußnote 355: ([53] auf S. 63.382) _Lubne_ hat im W.-B. auch die Bedeutgn.: Hure (Dirne [Buhldirne], Freudenmädchen), Ehebrecherin, Kebsweib (Mätresse). Dazu die _Zus._ _Lubnebenk_ = »Hurenkerl« und die _Ableitg._: _lubnen_ = »huren«. In dem _verw. Quellenkr._ ist das Wort _un_bekannt, dagegen ist es sonst im Rotw., wenngleich selten, anzutreffen. S. darüber sowie über die _Etymologie_ (aus der Zigeunersprache [vgl. »Einleitung«, S. 30]) d. näh. Angaben in _Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 256/57 u. »Anthropophyteia«, Bd. VIII, S. 19 (vgl. auch Bd. IX, S. 26) u. dazu noch _Finck_, S. 71 (zig. _lúbni_ [-li, -lin] = »Hure«); vgl. auch noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1311 (unter »Lubegane«). Nach _Miklosich_, Beitr. I/II, S. 32 u. Denkschriften, Bd. 27, S. 7 geht das Zigeunerwort auf das altind. _lubh_ = »verlangen, begierig sein« zurück.]

[Fußnote 356: ([54] auf S. 63.382) Über _schofel_ s. unter »arg«. — _Schof(e)le Model_ (auch _Schoflemodel_) ist im W.-B. auch noch durch »Dirne«, »Freudenmädchen« u. »Hure« wiedergegeben. Mit _Model_ = Mädchen (Frauensperson, Frauenzimmer), auch Braut, Schwester und Tochter (dazu d. Dimin. _Mödele_ = junges [kleines] Mädchen) sind noch gebildet: a) die _Verbindgn._: _dofe Model_ = Geliebte (Liebhaberin, Liebste [wogegen _dufte Model_ nur allgemeiner ein »brauchbares Mädchen« bedeuten soll]) u. _jenische Model_ = »fahrendes Mädchen«; b) mehrere _Zusammensetzgn._, näml. [Griechisch: a]) _am Anfang_: _Modelgalm_ = Tochterkind, _Modelkaffer_ = Tochtermann (Schwiegersohn), _Modelfiesel_ = Tochtersohn; [Griechisch: b]) _am Ende_ (bes. für _Stände_ u. _Berufe_ [vgl. »Vorbemerkung«, S. 12, Anm. 29]): _Derchermodel_ = Bettelmädchen, _Sinsemodel_ = Fräulein, _Verkemeresmodel_ = Handelsmädchen, _Galma-_ od. _Schrabinermodel_ = Kindermädchen, _Fehtemodel_ = Quartiermädchen, _Jerusalemsfreundmodel_ = Schäferin, _Schmelemermodel_ = Zigeunermädchen. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 342 (_Model_ = Mädchen); _Schwäb. Händlerspr._ 481, 483 (_Môdel_ = Mädchen, Frau [in _Pfedelb._ (209): auch Fräulein u. Tochter]). Über die Belege im _sonst._ Rotwelsch usw. sowie die (nicht ganz sichere) _Etymologie_ s. ausführl. _Groß'_ Archiv, Bd. 50, S. 344 ff.; vgl. auch »Anthropophyteia«, Bd. IX, S. 27 sowie _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1725 (nach dem _Model_ »vielleicht einfach« aus »Modell« entstanden ist).]

[Fußnote 357: ([55] auf S. 63.382) S. abbeißen.]

[Fußnote 358: ([56] auf S. 63.382) S. ankleiden.]

bekommen, _bestieben_ (als Partiz. _bestiebst_)[359] [63.383]

Bekümmernis haben s. befürchten

beleibt, _grandicher Rande_[360]

beleidigen s. bedrohen

beliebt, _dof_[361]

beloben, _dof schmusen_ (d. h. »schön reden«)[362]; vgl. loben

belügen, _ko(h)len_[363]

bemittelt s. begütert

beobachten, _linzen_[364]

[Fußnote 359: ([57] auf S. 63.383) _Bestieben_ heißt auch noch spezieller: erwischen od. fangen. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 89, 90, 92 (_bestieben_ = bekommen, _bestiebt werden_ = arretiert od. erwischt werden); _W.-B. des Konst. Hans_ 256, 257 ff. (_bestieben_ [Partiz.: _bestiebt_] = bekommen); _Schöll_ 272 (ebenso); _Pfulld. J.-W.-B._ 338, 339 (_bestieben_ = bekommen, ertappen, fangen); _Schwäb. Händlerspr._ 479 (auch _Lütz._ [214]: _besti[e]be[n]_ = bekommen [in _Pfedelb._ (209, 210, 212) auch = ertappen, fangen, geben u. schenken; in _Eningen_ (S. 206, Anm. 1): _stieben_ = geben u. die merkwürd. Subst. _Beistieber(in)_ = Knecht, Magd u. _Käppelesstieber_ = Pfarrer (zu _Käppele_ = Kirche [vgl. _Groß'_ Archiv, Bd. 49, S. 349]), wozu vielleicht _stieben_ = laufen im _Pleißlen der Killertaler_ 436 herangezogen werden dürfte]). Die _Etymologie_ bleibt unsicher. A.-L. 524 hat das Wort zu dem gemeinspr. »stöbern« gestellt, _Stumme_, S. 19 denkt an einen Zusammenhang mit »stibitzen« (wofür _bestieben_ = bestehlen im _Hildburgh. W.-B._ 1753 ff. [226] sprechen würde) od. auch an das latein. _stipare_ = stopfen (»in die Tasche stopfen?«), _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 941 (zu »bestieben«, Nr. 2) bemerkt nur negativ: »vielleicht ein anderes Wort« als »bestäuben«.]

[Fußnote 360: ([58] auf S. 63.383) S. Adler und Bauch.]

[Fußnote 361: ([59] auf S. 63.383) S. angenehm.]

[Fußnote 362: ([60] auf S. 63.383) S. (betr. _schmusen_) ansagen.]

[Fußnote 363: ([61] auf S. 63.383) Das Zeitw. _ko(h)len_ = belügen, erlügen (während es für das einfache »lügen« — wohl nur versehentlich — im W.-B. fehlt), ferner verleugnen u. betrügen — nebst der _Zus._ _vorko(h)len_ = vorlügen — gehört zu dem Hauptwort _Kohl_ = Lüge (Fabel), das auch adjektivisch (= erlogen, verlogen) gebraucht wird. _Ableitungen_ davon sind: _Kohler_ = Lügner u. _Kohlerei_ = das Lügen, der Betrug. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 90 (_Kohl machen_ = »einen zum besten haben«); _W.-B. des Konst. Hans_ 259 (_Kohl malochen_ = lügen); _Pfulld. J.-W.-B._ 339, 342 (_kohlen_ = erzählen, lügen, _ankohlen_ = anführen, anlügen; _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 67, 68, 72 (_Kohl_ = Aufschneiderei, Lüge, _Kohl reissen_ od. _kohlen_ = lügen, _ankohlen_ od. _verkohlen_ = betrügen); _Schwäb. Händlerspr._ 479, 483 (_Kohl reissen_ od. _kôlen_ = lügen, _verkôlen_ = betrügen; dazu in _Pfedelb._ [208, 209, 211] noch: _Kohl_ = Lüge, _ankohlen_ = anlügen u. betrügen sowie _wegkohlen_ = leugnen). Über sonstige Belege im Rotw. usw. sowie die _Etymologie_ (vom hebr. _qôl_ = »Stimme«) s. d. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 135 (unter »Oberkohler«) u. Anm. 1 u. 2; vgl. auch noch _Seiler_, Lehnwort IV, S. 491 u. _Fischer_, Schwab. W.-B. IV, Sp. 570 (unter »Kol« II).]

[Fußnote 364: ([62] auf S. 63.383) S. anschauen.]

bequem, _dof_[365] [63.384]

berauben, _schniffen_[366], _schoren_[367]

berauscht, _dambes_ (= Dambes)[368], _geschwächt_[369], _molum_[370], _schwächer_ (= Schwächer)[369][371]

Beruf, _Schenagel_[372]

[Fußnote 365: ([63] auf S. 63.384) S. angenehm.]

[Fußnote 366: ([64] auf S. 63.384) S. anfassen.]

[Fußnote 367: ([65] auf S. 63.384) S. ausstehlen.]

[Fußnote 368: ([66] auf S. 63.384) Bei _dambes_ = berauscht liegt offenbar der Fall eines adjektiv. Gebrauchs eines Substantivs (_Dambes_ = Rausch [Spr.]) vor; vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 38). Der _Etymologie_ nach gehört _Dambes_, das als _Dam¶p¶es_ auch in süddeutsch. Mundarten (Schwaben, Bayern, Tirol usw.) für einen Rausch (mäßigen Grades) gebräuchlich ist (vgl. _Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp. 510 u. bes. _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 46 mit ausführl. Lit.-Angaben über die verschied. Mundarten), vermutlich zu _Dampf_ od. auch zu dem Zeitw. _dämmen_ = »prassen, schwelgen« u. dgl. (s. _Schmeller_, a. a. O., Sp. 509 vbd. m. _Grimm_, D. W.-B. II, Sp 709). Die Endung _-es_ (vgl. »Vorbemerkung«, S. 13, Anm. 32) ist _hier_ wohl als eine Abschwächung des latein. _-us_ zu betrachten. — Im Rotw. u. in sonstigen Geheimspr. ist der Ausdr. m. W. _nicht_ bekannt.]

[Fußnote 369: ([67] auf S. 63.384) S. Amme.]

[Fußnote 370: ([68] auf S. 63.384) _Molum_ = berauscht kommt (gleichsam als Gegenstück zu dem ursprüngl. Subst. _Dambes_ für »berauscht«) auch als Hauptw. — für »Rausch« — gebraucht vor. _Zu vgl._ (aus d. _verw. Quellenkr._): _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 74 u. _Schwäb. Händlerspr._ 485, die übereinstimmend nur _Molum_ = Rausch (also _nicht_ als Adj.) haben. Seiner _Etymologie_ nach ist das Wort aber als Adj. (bzw. Partiz.) aufzufassen, da es _nicht_ etwa zu dem zigeun. _mōl_ = »Wein« (s. _Finck_, S. 74; vgl. _Liebich_, S. 146 u. 259, _Miklosich_, Beitr. I/II, S. 14 u. Denkschriften, Bd. 27, S. 16 sowie _Jühling_, S. 224) gehört, sondern zurückgeht auf d. jüd. _môle_ (hebr. _mle'_ = »erfüllend, voll«, zu _ml'_ [_mlê'_] = »erfüllen« [vgl. A.-L. 403]), das in die meisten deutschen Mundarten als _mole_ (moule, moile) od. _molum_ (målum) eingedrungen (so z. B. bes. in Thüringen u. Sachsen, Hessen u. Westfalen) und (in d. Form _molum_ = »besoffen«) auch der Studentensprache (seit Anf. des 19. Jahrh.) bekannt gewesen ist (s. _Kluge_, Studentenspr., S. 105). Daß es jedoch in diese erst aus der Gaunersprache aufgenommen wäre (s. _J. Meier_, Hall. Studentenspr., S. 10), ist kaum anzunehmen, da im eigtl. Rotwelsch das Wort (und zwar i. d. R. in der Form _mole_) m. Wiss. nicht vor dem 19. Jahrh. vorkommt, und auch dann _meist_ nur in dem allgemeinen Sinne von »voll, gefüllt« überhaupt (s. z. B. _v. Grolman_, T.-G. 131; _Karmayer_, G.-D. 121; _Groß_ 479; nur bei _Thiele_ noch bes. _mole jajin_ = »voll Weines«; erst bei A.-L. 575 in d. Form _molum_ = »betrunken« u. bei _Groß_ 479 vbd. m. 476 [unter »lunen«]: _Molum_ (-lun) = »Rausch«). S. _Weber-Günther_, S. 159/60 (unter »moule«); vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1733 (unter »Molum«).]

[Fußnote 371: ([69] auf S. 63.384) Auch hierbei handelt es sich (wie bei d. Syn. _dambes_) um den adjektiv. Gebrauch eines Substantivs, _Schwächer_ = Rausch (vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 38).]

[Fußnote 372: ([70] auf S. 63.384) S. abschaffen.]

beschenken, _dogen_[373], _ste(c)ken_[374], s. auch schlagen [63.385]

beschimpfen, _stämpfen_[375]

beschmutzt, _schundich_[376]

beschreiben, _febera_ (d. h. eigtl. nur »schreiben«)[377]

besehen, _linzen_ (d. h. eigtl. »sehen«)[378]

Besen s. Kehrbesen; vgl. Bürste

besichtigen, _linzen_[378]

besonnen, _kochem_[379]

[Fußnote 373: ([71] auf S. 63.385) S. abgeben.]

[Fußnote 374: ([72] auf S. 63.385) _Ste(c)ken_ hat (gleich _dogen_) auch die allgemeinere Bedeutung von »geben« (so z. B. _Fehma_ oder _Grifling ste[c]ken_ = die Hand geben), dann aber auch die von »hauen, prügeln« (s. auch: »fechten«). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 92 (_stecken_ = geben); _W.-B. des Konst. Hans_ 256, 259 (_steken_ = geben, aber auch: sagen); _Schöll_ 272 (ganz ebenso); _Pfulld. J.-W.-B._ 340, 344 (_steken_ = hergeben, schenken, _Fehma steken_ = Hand geben, _usserkinnig steken_ = herausgeben); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 69 (_stecken_ = geben); _Schwäb. Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [210]: _stecken_ = geben, _Griffling stecken_ = die Hand geben); s. auch _Metzer Jenisch_ 216 (_st¶i¶cken_ = geben). Zur _Etymologie_: Es handelt sich um nichts anderes als unser gemeinsprachl. Zeitw. _stecken_, das »Bewirkungswort« zu _stec¶h¶en_ (_Weigand_, W.-B. II, Sp. 957 unter »stecken« 1), das wohl auch (z. B. nach _Ku._ IV [433]) gleichbedeutend damit gebraucht wird, in der _neueren_ Gaunersprache aber meist in einem engeren Sinne (nämlich: »_heimlich_ geben« [»zustecken«], »_heimlich_ zu _verstehen_ geben« (vgl. z. B. A.-L. 610; _Groß_ 495; _Rabben_ 125] od. »_heimlich_ Unterschrift geben« [s. _Ostwald_ 148]) vorkommt. Von Verbindungen wie _den Kohl stecken_ = »den Staupenschlag geben« oder _einem Guffti_ od. _Macks stecken_ = »schlagen« (eigtl. »jmdm. Schläge geben«) im älteren Rotwelsch (s. für die erstere Wendung: _A. Hempel_ 1687 [168] u. _Waldheim. Lex._ 1726 [189], für die letztere: _W.-B. von St. Georgen_ 1750 [218 u. 220]) sowie dem mundartl. volkstüml. »_einem eine_ (näml. Ohrfeige) _stecken_« (s. _Schmeller_, Bayer. W.-B. II, Sp. 726) u. dgl. m. konnte sich dann die engere Bedeutung von »prügeln« usw. leicht entwickeln; außerdem mag auch der Anklang an »Stecken« (= Stock) dabei vielleicht noch mit eingewirkt haben.]

[Fußnote 375: ([73] auf S. 63.385) S. Ärger.]

[Fußnote 376: ([74] auf S. 63.385) S. abgerahmte Milch.]

[Fußnote 377: ([75] auf S. 63.385) S. abschreiben.]

[Fußnote 378: ([76] auf S. 63.385) S. anschauen.]

[Fußnote 379: ([77] auf S. 63.385) _Kochem_ hat im W.-B. noch folgende Bedeutungen: gelehrt, gescheit, klug, schlau, vernünftig, verschlagen, verschmitzt, verständig. In dem _verw. Quellenkreise_ der _älteren_ Zeit tritt das Wort nur in dem bekannten engeren Sinne von »gaunerisch«, »auf die Gauner bezüglich« u. dgl. oder in d. R. vielmehr _substantivisch_ gebraucht für »Gauner« (»Spitzbube«, »Dieb«) u. ä. auf, während es in der _neueren_ Zeit dann wieder mehr seine ursprüngliche Bedeutung (vgl. unten »Etymologie«) — von »klug«, »gescheit« usw. — angenommen hat, also mit _Wittichs_ Jenisch übereinstimmt (s. auch schon »Einleitung«, S. 28 u. Anm. 92 vbd. mit »Vorbemerkung« S. 5, Anm. 8). _Vgl._ _Dolm. der Gaunerspr._ 91, 93, 94 (_Kocheme_ [sing.] = Spitzbub, _Kocheme-Kitt_ = Diebsherberge, _Kocheme Grunerej_ od. _Gascherey_ = Diebshochzeit, _Kochemgeis_ = Diebsvolk u. a. m.); _W.-B. des Konst. Hans_ 256 (_Kochem_ = Dieb); _Schöll_ 268, 271, 273 (_Kochum_ = Dieb, _Kochumer_ [plur.] = »Jauner«, _Kochumebaiser_ = Diebswirt); _Pfulld. J.-W.-B._ 308, 341, 343 (_Kochemer_ = »Schelm«, _Kochemer Kehr_, _-Kitt_ od. _-Baiss_ = Diebsherberge, als Adj. gebr. aber _kochem_ = klug, daher _kochemer Baiser_, _Kaim_, _Kafer_ = kluger Wirt, Jud, Mann); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 70, 71, 77 (_kochem_ = klug, _kochum_ = hochfein, _cochum_ = vortrefflich); _Schwäb. Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [210]: _kochem_ = gescheit, klug). Zur _Etymologie_ (vom hebr. _chkm_ = »klug, weise«) s. die Angaben in _Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 197, Anm. 2 u. bei _Weber-Günther_, S. 157 (hier auch weiter _rotw._ Belege); vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 560.]

besser, _döfer_[380] [63.386]

bestehlen s. berauben

bestrafen s. schlagen; vgl. auch beschenken

bestraft (gerichtlich), _g'strupft_[381]

besudelt s. beschmutzt

beten, _bliblen_[382]

betrachten, _linzen_[383]

betrinken, _beschwächen_[384]

Betrug, _Kasperei_[385], _Kohlerei_[386]

betrügen, _kaspere_[385], _kohlen_[386]

[Fußnote 380: ([78] auf S. 63.386) Komparativ zu _dof_; s. angenehm.]

[Fußnote 381: ([79] auf S. 63.386) Ein danach zu erwartender Infin. _strupfen_ = strafen ist im W.-B. nicht angeführt. Dagegen findet sich noch das (wohl als Stamm zu betrachtende) Hauptw. _Strupf_ = Strafe (u. dazu: _Strupf bereimen_ = Strafe bezahlen). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Schwäb. Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [213]: _Strups_ = Strafe [aber _schripfen_ od. _stricheln_ = strafen]). Die _Etymologie_ erscheint nicht sicher. Die z. B. bei v. _Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 514 und _Schmeller_, Bayer. W.-B. III, Sp. 818 (unter »strupfen«) angeführten Bedeutgn. wollen nicht recht passen; vielleicht liegt daher nur bloße Verunstaltung von »Strafe«, »strafen« vor. Mit Bezug auf den (aus der Wendg. _Strupf bereimen_ [für _Strupf_] zu entnehmenden) engeren Begriff »_Geld_strafe« könnte man allenfalls auch an das wienerische _Strupf'n_ = Gulden (s. _Schranka_, Wien. Dial.-Lex., S. 167) denken.]

[Fußnote 382: ([80] auf S. 63.386) S. anbeten.]

[Fußnote 383: ([81] auf S. 63.386) S. anschauen.]

[Fußnote 384: ([82] auf S. 63.386) S. Amme.]

[Fußnote 385: ([83] auf S. 63.386) _Kasperei_ = Betrug (bes. auch Wahrsagen) u. _Kasperer_ = Betrüger (Wahrsager, Zauberer [Spr.]), fem. _Kaspere_ = Wahrsagerin sind _Ableitungen_ von dem Zeitw. _kaspere_ = betrügen, auch zaubern (Spr.). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 90 (_Kasperer_ = »Betrüger mit falschen Arzneien«); _Schöll_ 270, 271 (_kaspern_ = betrügen, _Fenkel Caspar_ = »Betrug mit Hexerei«, _Höllich Caspar_ = »Betrug mit Beschwörung unschädlicher Geister u. Erhebung verborgener Schätze«); _Pfulld. J.-W.-B._ 338 (_kaspern_ = betrügen, lügen); _Schwäb. Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [209]: _kaspern_ = betrügen). Über weitere Belege im Rotw. s. _Schütze_, S. 72, 73. Zur _Etymologie_ (vom hebr. _kzab_ = »belügen«) s. _Groß'_ Archiv Bd. 42, S. 21, 22 (unter »Kasper-Fehlinger«); vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 250 (unter »kaspern«) betr. Angaben über die mundartl. Verbreitg. des Wortes.]

Betrüger, _Fehlinger_[387], _Kasperer_[385] [63.387]

betrunken s. berauscht; vgl. trunken.

Bett, _Sauft_, plur. _Sauften_, _Säufter_ oder _Säuftlinge_ (letzteres Spr.)[388]

Bettelbrief, _Dercherkritzler_[389]

Bettelbrot, _derchter Lehm_ (d. h. »gebetteltes Brot«)[390]

Bettelbube, _Dercherfi(e)sel_[391]

[Fußnote 386: ([84] auf S. 63.387) S. belügen.]

[Fußnote 387: ([85] auf S. 63.387) _Fehlinger_ findet sich schon in den _verw. Quellen_ des 18. Jahrh., jedoch in dem engeren Sinne von »Betrüger mit falschen Arzneien« (so: _Dolm. der Gaunerspr._ 90; Synon.: _Kasperer_ [s. oben Anm. 385]; vgl. [89] _Feling_ = Arznei) u. dergl. (s. _W.-B. des Konst. Hans_ 255 [= »falsche Ärzte, Ölträger«]). Eine nähere Einteilung der _Fehlinger_ (in _Staats-_ u. _gemeine Fehlinger_) gibt dann _Schöll_ 1793 (269/70; vgl. 272: _Feling_ = Arzneien); s. auch noch _Schwäb. Falschmünzerprozeß_ 1791/92 (262) und _Uracher Jauner- u. Betrügerliste_ 1792 (268) sowie weitere Belege in _Groß'_ Archiv Bd. 42, S. 21 (unter »Fe(h)ling«). In _neuerer_ Zeit ist dagegen der Ausdruck m. Wiss. sonst nirgends mehr gebräuchlich. Zur (nicht sicheren) _Etymologie_ s. das Näh. in _Groß'_ Archiv Bd. 42, S. 20, 21. _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1042 hat die Vokabel nicht erklärt.]

[Fußnote 388: ([86] auf S. 63.387) _Sauft_ (wohl auch im Sing. _Säuftl¶e¶ng_, argum.: plur. _Säuftling_ [vgl. »Vorbemerkg.«, S. 13, Anm. 30]) = Bett (Federbett), Lager, auch Kissen erscheint noch in der Redensart _in Sauft bosten_ = niederkommen sowie in folgenden _Zus._: a) im _Anfang_: _Sauftschottel_ = Bettschüssel u. _Sauftschure_ = Bettüberzug (Bettuch, Bettzüge); b) _am Ende_: _Rauschertsauft_ = Streu- od. Strohlager u. _Galmesauft_ (eigtl. »Kinderbett«) = Wiege. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld J.-W.-B._ 338, 341 (_Sa¶n¶ft_ = Bett, Kissen); _Schwäb. Händlerspr._ 479 (_Sonft_ od. _Saunft_ = Bett; Nebenformen: _Senftling_ u. _Sänftel_ [in _Eningen_ (206, Anm. 2): _Seifle_]); s. auch _Pleißlen der Killertaler_ 436 (_Sempfle_ oder _Siampfle_). Zur _Etymologie_: Es handelt sich wohl jedenfalls nur um eine (mundartl.) Verunstaltung von _Sanft_ (bzw. _Sänftling_), einer alten rotw. Vokabel, die — in der Form _Senfterich_ — schon im 15. u. 16. Jahrh. auftritt (s. _Basl. Betrügnisse_ um 1450 [15]; _Lib. Vagat._ 55 [_Senfftrich_]), dann später als _Senftling_ (so schon _A. Hempel_ 1687 [167]), _Sänftling_, _Senffte_ (s. schon _Hildburgh. W.-B._ 1753 ff. [231]), _Sänft_ (s. A.-L. 594) u. a. m. begegnet und ohne Zweifel zu unserem Adj. »sanft« gehört (s. _Weber-Günther_, S. 181 vbd. im _Pott_ II, S. 11, A.-L. a. a. O., _Stumme_, S. 25). Der Übergang von _Sanft_ (Sonft) zu _Sau¶n¶ft_ (s. _Schwäb. Händlerspr._) und von da zu _Sauft_ ist leicht gegeben.]

[Fußnote 389: ([87] auf S. 63.387) S. abbetteln u. Attest.]

[Fußnote 390: ([88] auf S. 63.387) S. (betr. _Lehm_) Bäcker.]

[Fußnote 391: ([89] auf S. 63.387) _Fi(e)sel_ = Bube (Jüngling) bedeutet auch noch spezieller: Freund, Kamerad, Kollege sowie ferner: Bräutigam, Geliebter, Liebhaber; dazu das Dimin. _Fi(e)sele_ = Junge (Knabe), Sohn. _Verbindungen_ damit sind: _schofler Fi(e)sel_ = Heuchler, ferner, »Hurenkerl« u. auch Krüppel, _jenischer Fi[e]sel_ = fahrender Bursche, _dofer Fi(e)sel_ = Junker (während _dufter Fi(e)sel_ für »brauchbarer Bursche« angeführt ist); als _Zusammensetzgn._ damit kommen (_bes._ auch als Standes- u. Berufsbezeichgn. [vgl. »Vorbemerkung« S. 12, Anm. 29]) noch (außer _Dercherfi[e]sel_) vor: _Linkfi(e)sel_ = böser Mensch (Mann), _Verkemerfi(e)sel_ = Handelsbursche, _Sicherfi(e)sel_ = Koch, _Kenemerfi(e)sel_ = »Lausbube«, _Fehtefi(e)sel_ = Quartierbursche, _Modelfi(e)sel_ = Tochtersohn (während unter »Sohn« nur das Dim. _Fi[e]sele_ [s. oben] angeführt ist), _Schmelemerfi(e)sel_ = Zigeunerbursche. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 338, 341, 344 (_Fißel_ = Bube, Junge, Knabe, _Visel_ = Sohn); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 68, 76 (_Fiesel_ = Bursche, _Bruchfiesel_ = lumpiger Stromer); _Schwäb. Händerspr._ 482-84, 486 (_Fîsel_ [Fisel], _Fîßel_ = Junge, Mann, Sohn [in _Pfedelb._ (209, 210): Bursche, Junggeselle]; _Zus._: _Kîslerfîsl_ = Maurer, in _Pfedelb._ [209, 211, 212]: _Stibbersfisel_ = Bettler, _Wägersfisel_ = Kaufmannslehrling, _Facklersfisel_ = Schreiberlehrling). Über sonstige Belege in Rotw. sowie die _Etymologie_ s. ausführl. _Groß'_ Archiv, Bd. 50, S. 137 ff.: vgl. auch noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1523 (unter »Fisel«, Nr. 5).]

Bettelei, _Dalferei_, _Dercherei_[392] [63.388]