Part 12
[Fußnote 257: ([107] auf S. 63.128) Das einfache _nikle(n)_ (-la) hat die doppelte Bedeutung von a) = tanzen u. b) = »spielen«, d. h. musizieren (daher auch _vornikle_ = a) vortanzen u. b) vorspielen), während _nur_ die _erstere_ (u. wohl jedenfalls ursprünglichere [vgl. die rotw. Belege u. die Etymologie]) festgelegt ist in _herum-_ (od. _umher-_) _nikla_ (-le) = herum- (od. umher-) tanzen. _Ableitungen_: _Nikler_ = a) Tänzer, b) Musikant, Spieler (Zus.: _Vornikler_ = Vortänzer); fem.: _Niklere_ = Tänzerin; _Niklerei_ = Tanz, Theater, _Nikelei_ (besser wohl gleichfalls _Niklerei_[?]) = Musik, Spiel. Mit dem Stamm des Zeitw. (_nikel-_) sind gebildet die _Zus._: _Nikelkitt_ = Komödienhaus u. _Nikelschure_ = Klarinette od. Klavier (vgl. auch _Nikleschure_ = Leierkasten, während für »Harfe« und »Harmonika« das vollere _Niklengschure_ angeführt ist). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 255 (_nikle_ = tanzen [wohl zugleich der früheste Beleg]); _Schöll_ 272 (_niklen_ = tanzen); _Pfulld. J.-W.-B._ 345 (_nikeln_, Bedeutg. ebenso); _Schwäb. Händlerspr._ (_Lütz._ [215]: _nickle[n]_ = tanzen). Die _Etymologie_ des Wortes ist zwar nicht ganz sicher, doch liegt es jedenfalls viel näher, es mit _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 2028 (wie d. schwäb. _nickle(n)_ = »Kopf und Nacken hin- und herbewegen«) zu unserem Zeitw. _nicken_ zu stellen, als es mit _Stumme_, S. 20 mit dem hebr. _niggên_ = »Musik machen« in Zusammenhang zu bringen, zumal ja die ursprünglichere Bedeutg. doch wohl zweifelsohne »tanzen« gewesen ist.]
[Fußnote 258: ([108] auf S. 63.128) S. abbiegen.]
[Fußnote 259: ([109] auf S. 63.128) Das Zeitw. _durme(n)_ bedeutet: schlafen, (schlummern), dann auch: liegen, ruhen; daher: _aufdurme_ eigtl. wohl = »aufhören zu schlafen«; weitere _Zus._ sind noch: _ausdurme(n)_ = ausschlafen (vgl. _ausdurmt_ = erwacht), _ei'durme_ = einschlafen, _herumdurma_ = herumliegen, _hindurmen_ = (sich) hinlegen, _niederdurmen_ = (sich) niederlegen. _Ableitung_: das Adj. _durmerich_ = schläfrig. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 344 (_Durmklamine_ = Schlafzimmer [während schlafen hier durch _schlaunen_ wiedergegeben]); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 74, 77 (_durmen_ = schlafen, _Durmel_ = Schlaf, _Durmmalfes_ = Schlafrock); _Schwäb. Händlerspr._ 485 (_durmen_ [in _Pfedelb._ (212): _dormen_] = schlafen, desgl. in _Pfedelb._ [212]: _dormisch_ = schläfrig, _i hab Darming_ = ich bin schläfrig u. _Dormmalfes_ = Schlafrock). Vgl. auch _Pfälz. Händlerspr._ 437 (_durme_ = schlafen). Über weitere Belege im Rotw. usw. (seit Anf. des 17. Jahrh.) sowie über die _Etymologie_ (zunächst vielleicht vom deutsch. mundartl. _durmeln_ [turmeln u. ä.]) = taumeln, schlummern, leicht schlafen, _Durmel_ [Turmel u. ä.] = Taumel, Schläfrigkeit, leichter Schlaf [mhd. _türmeln_, _turmeln_ = taumeln, _türmel_, _turmel_ = Taumel, Schwindel (vgl. _Grimm_, D. W.-B. II, Sp. 1733 ff; _Schmeller_, _Bayer. W-B. I_, Sp. 621/22 u. a. m.)], das aber auch wohl vom französ. _dormir_ [in letzter Linie also vom lat. _dormire_] beeinflußt worden [vgl. »Vorbemerkung«, S. 10, Anm. 25 u. 26) s. Näheres bei _Weber-Günther_, S. 172 u. 174, Anm. 2 vbd. mit _Pott_ II, S. 17, A.-L. 534 u. _Günther_, Rotwelsch, S. 23, vgl. auch _Fischer_, Schwab. W.-B. II, Sp. 500 (unter »durme[n]« vbd. mit Sp. 499 (unter »Durmel«).]
aufwaschen, _aufpfladeren_[260] [63.129]
aufzehren s. aufessen
Augapfel, _Scheinlingbommerling_[261]
Auge, _Scheiling_[261]
Augenbrauen, _Scheinlingstrauberts_[262]
Augenwasser, _Scheinlingflu(h)te_[263]
ausbeißen, _ausnäpfen_[264]
[Fußnote 260: ([110] auf S. 63.129) S. abwaschen.]
[Fußnote 261: ([111] auf S. 63.129) Wörtl. Übersetzg. aus dem Deutschen in Übereinstimmg. auch mit der Zigeunerspr. (s. _Liebich_, S. 140 u. 178). Mit _Schei(n)ling_ = Auge (Blick) sind noch zusammengesetzt auch: _Scheinlingstrauberts_ (d. h. eigtl. »Augenhaare«) = Augenbrauen (s. d. betr. die Zigeunerspr.) u. _Scheinlingflu(h)te_ = Augenwasser. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 89 (_Scheinling_ = Auge); _Schöll_ 271 (ebenso); _Pfulld. J.-W.-B._ 337, 342 (ebenso, Nebenbdtg. auch: Licht); _Schwäb. Händlerspr._ 479 (_Scheinling[e]_ = Augen [in _Pfedelb._ (209) auch = Brille]). Vgl. auch _Pleißlen der Killertaler_ 435 (_Schenling_ = Augen, Fenster). Zur _Etymologie_ des — auch sonst im Rotwelsch (etwa seit Anf. des 18. Jahrh.) öfter begegnenden — Wortes (mit den Nebenbedeutgn. »Fenster« [so schon bei A. _Hempel_ 1687 (168: _Schein¶d¶ling_)], »Laterne« [s. schon _Hermann_ 1818 (336)], »Spiegel« [s. _Fröhlich_ 1851 (410); vgl. A.-L. 597 u. Neuere] u. ä. m.) — vom deutsch. Zeitw. _scheinen_ — s. _Weber-Günther_, S. 186 vbd. mit _Pott_ II, S. 20 u. A.-L. 597.]
[Fußnote 262: ([112] auf S. 63.129) Mit _Strauberts_ = Haar(e), (Borsten) sind noch folgende _Zus._ gebildet worden: a) am _Anfang_ stehend: _Straubertsschure_ = Haarnadel, Haaröl u. Kamm, _Straubertski(e)bes_ = Lockenkopf; b) ans _Ende_ gesetzt: Ki(e)besstrauberts = Haupt-, Kopfhaar, _Trabertstrauberts_ = Pferdehaar, _Groenikelsstrauberts_ = Schweinsborsten, _Jerusalemfreundsstrauberts_ (d. h. »Schafhaare«) = Wolle (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr.). Als _Verbindgn._ kommen vor: _Straubertspflanzen_ (d. h. etwa »Haare machen«) = kämmen, _nobis Strauberts_ (d. h. »keine Haare«) = kahl sowie das längere _nobis Strauberts auf dem Ki(e)bes_ = Kahlkopf. Eine _Ableitg._ ist das Adj. _straubertsich_ = haarig. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93 (_Straupert_ = Haar); _Schöll_ 271 (_Straubert_); _Schwäb. Händlerspr._ 479, 481 (_Straubert_ [in _Pfedelb._ (210) auch _Straub_ od. _Straupert_ = Haar, letztere Form sowie [in _Pfedelb._ (208) auch _Straub_] auch = Bart [womit schon das ältere Rotwelsch übereinstimmt, s. u. a. W. _Scherffer_ 1650 (160)). Vgl. noch _Metzer Jenisch_ 216 (_Straubert_ = Haar). Der _Etymologie_ nach gehört das Wort wohl zu unserem Zeitw. _(sich) sträuben_, d. h. »sich starr empor richten (vom Haar)« (s. _Weigand_, W.-B. II, Sp. 984). Über das -s am Ende s. schon »Vorbemerkung«, S. 12, Anm. 29.]
[Fußnote 263: ([113] auf S. 63.129) Betr. _Flu(h)te_ s. abbrühen.]
[Fußnote 264: ([114] auf S. 63.129) S. abbeißen.]
ausblasen, _auspflanzen_[265] [63.130]
ausbrechen, _auspfiche_[266]
ausbrennen, _ausfunken_[267]
ausbürsten, _ausschurele_[268]
ausessen, _ausbiken_, _ausbutten_, _auskahla_[269]
ausfahren, _ausruadlen_[270]
ausfegen, _ausschurele_[268]
ausforschen, _ausbutschen_[271], _auslinzen_[272]; vgl. forschen
ausfragen, _ausbutchen_[271]
ausgeben, _ausdogen_[273]
ausgehen, _ausbosten_[274]
ausgekleidet, _auskluftet_[275]
ausgeschlafen, s. ausschlafen
auskleiden, _auskluften_[276]
auskochen, _aussicheren_[275]
auslachen, _ausschmol(l)en_[277]
auslassen, _bremsere_[278], _Bremser schmusen_[279]
[Fußnote 265: ([115] auf S. 63.130) S. anbrennen.]
[Fußnote 266: ([116] auf S. 63.130) S. abgehen.]
[Fußnote 267: ([117] auf S. 63.130) S. abbrennen, vgl. anzünden.]
[Fußnote 268: ([118] auf S. 63.130) S. abbiegen.]
[Fußnote 269: ([119] auf S. 63.130) S. (zu allen drei Ausdr.) Abendessen.]
[Fußnote 270: ([120] auf S. 63.130) S. abfahren.]
[Fußnote 271: ([121] auf S. 63.130) S. anfragen.]
[Fußnote 272: ([122] auf S. 63.130) S. anschauen.]
[Fußnote 273: ([123] auf S. 63.130) S. abgeben.]
[Fußnote 274: ([124] auf S. 63.130) S. abgehen.]
[Fußnote 275: ([125] auf S. 63.130) S. ankleiden.]
[Fußnote 276: ([126] auf S. 63.130) Stammwort: _sicheren_ = kochen (braten); vgl. dazu: _gesichert_ (= gekocht, gebraten) in den Verbindgn. _gesicherter Babingermass_ od. _Strohbutzerbossert_ = Gänsebraten u. _gesicherter Jo(h)le_ = Glühwein,Punsch; _nobis gesichert_ = ungekocht; ferner (als _Zus._ mit dem Stamm _sicher-_): _Sicherbenk_, _-fiesel_ oder _-kaffer_ = Koch. _Ableitung_: _Sichere_ = Küche (u. dazu _Sichereglitschin_ = Küchenschlüssel). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 95 (_sichern_ = kochen, _Sicherei_ = Küche); _W.-B. des Konst. Hans_ 254, 257 (_Sicherey_ od. _Zicherey_ = Küche); _Pfulld. J.-W.-B._ 337, 340, 342, 344 (_sichern_ = aussieden, schmälzen, _gesichert_ = gesotten, _versichern_ = ausschmälzen, _Sicherei_ = Küche); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 69, 72 (_sichern_ = kochen, _gesichert_ = gekocht, _Sichere_ = Küche); _Schwäb. Händlerspr._ 483 (_sichern_ = kochen, in _Pfedelb._ [210, 211]: _gesichert_ = gesotten u. _Sichere_ = Küche). Über die unsichere _Etymologie_ (vielleicht vom hebr. sîr = »Topf«) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 51.]
[Fußnote 277: ([127] auf S. 63.130) S. anlachen.]
[Fußnote 278: ([128] auf S. 63.130) Was hier unter »auslassen« zu verstehen ist, ergibt sich aus der deutlicheren Bezeichnung bei _Kapff_ in seinen Ergänzungen zur _schwäb. Händlerspr._ (_Lütz._ 214: _bremse[n]_ = »furzen«, _Bremser_ = »Furz«). Die _Etymologie_ bleibt unsicher, doch könnte man vielleicht an einen Vergleich mit dem knarrenden Geräusch des Bremsens denken; vgl. etwa auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1395 (unter »bremse[n]«, Nr. 5: _bremse[n]_ = »prickeln in der Nase, z. B. vom kohlensaurem Getränke«).]
auslaufen, _ausbosten_[280] [63.131]
auslöschen s. löschen
ausrechnen, _ausschurele_[281]
aussagen, _ausschmusen_[282]
ausschalten, _ausstämpfen_[283]
ausschimpfen, _ausstämpfen_
ausschlafen, _ausdurmen_[284], _ausschlauna_[285]
ausschreiben, _ausfeberen_[286]
aussehen, _auslenzen_[287]
ausspotten, _ausschmol(l)en_[288]
aussprechen, _ausschmusen_[289]
[Fußnote 279: ([129] auf S. 63.131) Zu dieser Redensart s. (betr. _schmusen_) das Näh. unter »ansagen«.]
[Fußnote 280: ([130] auf S. 63.131) S. abgehen.]
[Fußnote 281: ([131] auf S. 63.131) S. abbiegen.]
[Fußnote 282: ([132] auf S. 63.131) S. ansagen.]
[Fußnote 283: ([133] auf S. 63.131) S. Ärger.]
[Fußnote 284: ([134] auf S. 63.131) S. aufwachen.]
[Fußnote 285: ([135] auf S. 63.131) Das Zeitw. _schlanne(n)_ (-na) entspricht in seinen Bedeutgn. (schlafen [schlummern], liegen, ruhen) ganz dem Syn. _durme(n)_, so auch in den _Zus._, nämlich (außer _ausschlauna_ [wozu zu vgl.: _ausg'schlaunet_ = erwacht]) noch _einschlauna_ = einschlafen, _herumschlauna_ = herumliegen, _hinschlaunen_ = (sich) hinlegen, _niederschlaune_ = (sich) niederlegen. _Ableitung_: das Adj. _schlaunerich_ = schläfrig. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 98 (_schlaunen_ = schlafen); _W.-B. des Konst. Hans_ 256 (_schlauna_ = schlafen); _Schöll_ 271 (_Schlauna_ = Schlaf); _Pfulld. J.-W.-B._ 339, 342, 344 (_schlaunen_ = schlafen, _verschlaunen_ = einschlafen, _nobus schlaune_ = schlaflos sein, _Schlane_ = Schlaf, _Schlaunklamine_ = Schlafzimmer, _Schlaumalfes_ [sic] = Schlafrock, _schlaunerig_ = schläfrig); _Schwäb. Händlerspr._ (_Lütz._ 215: _schlaune[n]_ = schlafen). _Etymologie_: Der Ausdruck, der sich bis in den _Lib. Vagat._ zurückverfolgen läßt (s. dort 55: _schlun_ = schaffen [lies: schlaffen]) stammt her von einem in deutsch. Mundarten bekannten Zeitwort (z. B. alemann: _schlunen_). S. _Pott_ II, S. 17, A.-L. 601 (unter _schlonen_), _Kluge_, Unser Deutsch (2. Aufl.), S. 81 vbd. mit W.-B. (7. Aufl.), S. 43 (unter »schlummern«) u. _Stalder_, Schweiz. Idiotikon usw., Bd. II, S. 333 (_schlunen_); vgl. auch _Weber-Günther_, S. 180. Über das stammverwandte _schlummern_ s. d. Näh. unter »Herberge«.]
[Fußnote 286: ([136] auf S. 63.131) S. abschreiben.]
[Fußnote 287: ([137] auf S. 63.131) S. anschauen.]
[Fußnote 288: ([138] auf S. 63.131) S. anlachen.]
[Fußnote 289: ([139] auf S. 63.131) S. ansagen.]
ausspülen, _auspfladera_[290] [63.132]
ausstehlen, _ausschniffen_[291], _ausschoren_[292]
austreten (schwer), d. h. cacare, _fu(h)la_, _schmelza_[293], _schunden_[294]
austreten (leicht), d. h. _mingere_, _flösle_[295]
[Fußnote 290: ([140] auf S. 63.132) S. abwaschen.]
[Fußnote 291: ([141] auf S. 63.132) S. anfassen.]
[Fußnote 292: ([142] auf S. 63.132) Das Zeitw. _schoren_ (z'schore [Spr.]) = stehlen (entwenden), (be)rauben), findet sich noch in d. _Zus._: _herausschoren_ = herausstehlen u. _wegschoren_ = wegstehlen. _Ableitungen_: _Schorer_ = Dieb, Räuber (vgl. dazu _Schorerulma_ = Diebesbande) u. _Schorerei_ = Diebstahl. Mit dem stammverw. Hauptw. _Zschor_ = Dieb, Räuber, dagegen ist zusammenges. _Zschor-Kitt_ = Diebesherberge. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 253, 255, 257, 260 (_schornen_ = stehlen, _T'schor_ od. _Schorne_ = Dieb, _T'schorr-Kitt_ = Diebesherberge, _T'schor-Bais_ = Diebeswirtshaus, _T'schor-Kaffer_, _-Gaya_ = Mann [bzw. Frau], der [die] gestohlene Sachen kauft); _Schöll_ 268, 271-73 (_dschornen_ = stehlen, _Dschorn_ = Raub, _Tschor_ = Dieb, »Jauner«); _Pfulld. J.-W.-B._ 337-39, 343, 345 (_schornen_ = stehlen, ausplündern, _Schornen_ = Diebstahl, _Gschor_ = Dieb, Schelm, Spitzbube); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 75 (_tschornen_ = stehlen); _Schwäb. Händlerspr._ 486 (_schôren_ [in U. (214): _tschōren_] = stehlen). Zur _Etymologie_ der (auch _sonst_ im Rotwelsch [seit Anf. des 18. Jahrh.] bekannten) Vokabeln — aus der Zigeunersprache (vgl. Einltg., S. 30) — s. die Angaben in _Groß'_ Archiv, Bd. 48, S. 326, Anm. 1 u. dazu noch _Jühling_, S. 227 (_Tschoraben_ = das Stehlen, _Tschormasskäro_ = Dieb) u. _Finck_, S. 92 (_tšōr_ = »Dieb, Räuber«, _tšōr[d]_- = »stehlen, rauben«); vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 432 (unter »Tschor[n]« bzw. »tschor[n]e[n]«).]
[Fußnote 293: ([143] auf S. 63.132) S. (zu beiden Ausdr.) Abort.]
[Fußnote 294: ([144] auf S. 63.132) S. abgerahmte Milch.]
[Fußnote 295: ([145] auf S. 63.132) Das Zeitw. _flös(s)le(n)_ od. _flessle_ bedeutet (außer: »harnen«, »pissen«) auch noch »regnen« (Spr.) u. dementsprechend das Subst. _Flösle_ = a) Harn (»Pisse«, Urin), b) Regen. Für die Bedeutg. unter a) auch: _Flöslete_. Mit dem Stamm (_flössel-_) des Zeitw. _flöss(e)le(n)_ erscheinen gebildet die _Zus._ _Flösselflu(h)te_ = a) Harn (»Pisse«), Urin, b) Regenwasser, _Flösselnolle_ = Nachthafen, Urintopf u. _Flösselglansert_ = Uringlas, ferner noch _Flösselreifling_ = Regenbogen u. _Flösselschei_ = Regentag. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 101 (_flöslen_ = »Wasser abschlagen«); _Pfulld. J.-W.-B._ 338 (_flößeln_ = »brunzen«, Nebenbedtg.: beweinen, heulen); _Schwäb. Händlerspr._ 484, 485, 488 (_flößlen_ = mingere, _flößeln_ od. _flößeren_ = regnen [aber _flôßeren_ = weinen]; dazu in _Pfedelb._ [211] noch _Flößl_ = »Kandel«, d. h. Dachrinne). Vgl. auch _Pleißlen der Killertaler_ (nach _Kapff_ [212]: _flüssne[n]_ = mingere). Zur _Etymologie_ von _flös(s)len_ u. ä. (dessen Bedeutungen im sonstigen Rotwelsch sehr wechseln [vgl. z. B.: a) _Basler Betrügnisse_ um 1450 (15: _geflösselt_ = ertränkt) u. dann öfter im 16. u. 17. Jahrh.; b) _Lib. Vagat._ 53 (_flößlen_ = »seichen«) u. dann öfter (s. oben; vgl. auch noch _Pfister_ 1812 [298: _Flössel_ = Urin]); c) _D. Schwenter_ um 1620 (140: _flösseln_ = sieden; vgl. _Flos_ = Suppe); d) _A. Hempel_ 1687 (168: _flösseln_ = weinen); e) _Schintermicherl_ 1807 (289: _flösseln_ = regnen; vgl. _Flos_ = Wasser)]) s. A.-L. 541 (unter »Floß«) u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1585/86 (unter »flössere[n]« u. »flössle[n]«). An erster Stelle dürfte wohl als Quelle dafür zu betrachten sein das mundartl. _Floß_ für »kleines fließendes Wasser« (vgl. auch mhd. _vlôz_ = »Fluß, Strömung« u. a. m. [s. _Weigand_, W.-B. I, Sp. 558 u. 559 unter »Floß« 1 u. 2]), weiterhin überhaupt das gemein-deutsche _Fluß_ bzw. _fließen_ usw. Vgl. auch das stammverwandte (rotw. u.) jenische _Flößling_ = Fisch, worüber d. Näh. noch weiter unten, sowie das alte rotw. _Floßart_ (_Flossert_) u. ä. = Wasser (vgl. Näh. bei _Weber-Günther_, S. 186).]
austrinken, _ausschwächen_ (trink aus, _schwäch [a]uf_)[296] [63.133]
auswaschen s. ausspülen
ausweinen, _ausglemsa_[297]
auszahlen, _ausbleisgeren_[298], _auspfreima_, _auszeina_[299]
auszanken, _ausstämpfen_[300]
ausziehen, _ausklufta_ (-ten)[301]
Axt, _Dober_[302]
[Fußnote 296: ([146] auf S. 63.133) S. Amme.]
[Fußnote 297: ([147] auf S. 63.133) Zu _glemse(n)_ (-sa) = weinen (beweinen), heulen, jammern, schreien (als Subst. _Glemsen_ = Tränen, _Ableitung_: _Glemserei_ = Heulerei) _vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93, 101 (_klemsen_ = heulen, weinen); _Schwäb. Händlerspr._ (U. [214]: _glimse[n]_ = weinen). Die _Etymologie_ ist unsicher. _Fischer_, Schwäb. W.-B. hat das Wort nicht aufgeführt.]
[Fußnote 298: ([148] auf S. 63.133) S. anzahlen.]
[Fußnote 299: ([149] auf S. 63.133) S. (zu beiden Ausdr.) abzahlen.]
[Fußnote 300: ([150] auf S. 63.133) S. Ärger.]
[Fußnote 301: ([151] auf S. 63.133) S. ankleiden.]
[Fußnote 302: ([152] auf S. 63.133) Dazu das Diminutiv _Doberle_ = Beil. In den _verw. Quellen_ m. Wiss. unbekannt u. desgl. wohl im älteren Rotwelsch (denn in der _Sulzer Zigeunerliste_ v. 1787 [252] ist es nur als Zigeunerwort — für rotw. _Hekerling_ — aufgeführt), dagegen findet es sich in einigen Sammlungen des 19. Jahrh. (wie _Pfister_ 1812 [297], _v. Grolman_ 17 u. T.-G. 84, _Karmayer_ G.-D. 196). Zur _Etymologie_ aus der Zigeunerspr. (vgl. »Einltg.«, S. 29) s. Näh. bei _Liebich_, S. 162, 180 u. 182 (_tōwer_ = Axt, Beil); _Miklosich_, Beiträge III, S. 20 u. Denkschriften, Bd. 27, S. 83 (unter »tover«: bei den deutsch. Zig.: _tover_; vgl. pers. u. hind. _tabar_, kurd. _taver_, armen. _tapar_, russ. _topor_ usw.); _Jühling_, S. 89 (_Dowär_ = Axt, Beil); _Finck_, S. 89 (_tower_ = »Axt, Beil«).]
B. [63.372]
Bach, _Flu(h)te_[303]
Bachstelze, _Flu(h)tefläderling_[304]. Häufiger ist indessen die Bezeichnung _jenischer Fläderling_, d. h. »der jenische Vogel«[305]. Dieser Name erklärt sich aus dem Aberglauben der fahrenden Leute, daß sie, wenn sie eine Bachstelze sehen, bald mit ihresgleichen zusammentreffen werden, und daß dies noch sicherer und früher (und mit vielen »Fahrenden«) geschehen werde, wenn es sich um mehrere solche Vögel handelt. Alle jenischen Leute halten felsenfest an diesem Glauben, den sie jedenfalls von den Zigeunern übernommen haben, bei denen die Bachstelze noch eine andere, besondere Bedeutung hat, so daß sie von ihnen ausschließlich als ihr _romano tschirklo_, d. h. »Zigeunervogel« angesehen wird[306].
[Fußnote 303: ([1] auf S. 63.372) S. abbrühen.]
[Fußnote 304: ([2] auf S. 63.372) Betr. _Fläderling_ s. Adler.]
[Fußnote 305: ([3] auf S. 63.372) Der Ausdruck _jenisch_ ist hier, wie die nachfolgenden Bemerkungen _Wittichs_ im Text zeigen, in dem Sinne von »zu den fahrenden Leuten gehörig« oder »auf sie Bezug habend« (vgl. »Vorbemerkung«, S. 5 u. Anm. 7) genommen. Übereinstimmend damit die weiteren Verbindungen: _jenischer Benk_ (Benges) od. _Fi(e)sel_ = »fahrender Bursche«, _jenische Moss_ u. _Model_ = »fahrende Frau« u. »fahrendes Mädchen«, _jenische Ulma_ = »fahrende Leute«. Bemerkt sei hierzu noch, daß nach _Jühling_, S. 220 von den Zigeunern »alle herumziehenden Leute«, die »_nicht_ Zigeuner« sind, als _Chalo-Jenische_ (zu _Chalo_ = Fresser [ebds. S. 220]?) bezeichnet werden. Im übrigen vgl. betr. die _Etymologie_, die verschiedenen _Bedeutungen_ u. die _Belege_ für das Wort _jenisch_ (im Rotw. usw.) die ausführl. Angaben in m. »Vorbemerkg.«, S. 4, Anm. 6 ff.]
[Fußnote 306: ([4] auf S. 63.372) Bestätigt ist dieser Ausdruck auch von _Liebich_, S. 156, 165 u. 180 u. _Finck_, S. 92 (_rómeno tširklo_), die jedoch beide keine Erklärung hinzugefügt haben. Näheres darüber soll sich nach einer Mitteilg. _Wittichs_ in seinen (auch von _Groß_, Handb. für Untersuchungsrichter, S. 511, Amn. 2 a. E. angeführten) Aufsätzen im Jahrg. 1912, Heft 1 der »Mitteilungen über die Vogelwelt« (S. 89, 212 ff.) finden, die ich leider nicht einsehen konnte.]
backen, _schupfen_[307] [63.373]
Bäcker (Bäckermeister), _Lehmschupfer_, d. h. eigtl. (genauer) »Brotbäcker«[307][308]
Bäckerei, _Schupferei_[307]
Bäckerin, _Schupferin_[307]
Backofen, _Lehmschupferhitzling_[309]
Backstein, _Kittleskies_, d. h. »Hausstein«[310]
[Fußnote 307: ([5] auf S. 63.373) S. aufhören.]
[Fußnote 308: ([6] auf S. 63.373) _Lehm_ (od. [seltener] _Lechem_) = Brot kommt auch noch in folgenden _Zusammensetzgn._ vor: a) _im Anfang_ stehend: _Lehmschottel_ = Brotbüchse, _Lehmrande_ = Brotsack, _Lehmschure_ = Brotschrank; b) _ans Ende_ gesetzt: _Dercherlehm_ = Bettelbrot, _Schmunklehm_ = Butterbrot, _Lanengerlehm_ od. _-lechem_ (d. h. »Soldatenbrot«) = Kommißbrot (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.), _Schoflelehm_ od. _Schofellechem_ (Spr.) = Schwarzbrot, _Dofelehm_ od. _dofer Lehm_ (Spr.) = Weißbrot, _Süßlinglehm_ = Zuckerbrot. Betr. die Vermutung, daß auch _Boslem_ = Exkremente zu _Lehm_ zu ziehen s. schon oben unter »After«. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 91 (_Lechem_ od. _Lehm_ = Brot, _schofel —_, _gehechelter —_ (= schwarzes, weißes Brot); _W.-B. des Konst. Hans_ 254 (_Leham_ = Brot, _Lehmschlupfer_ [sic] = Bäcker); _Schöll_ 271 (_Lehem_ = Brot); _Pfulld. J.-W.-B._ 337, 338 (_Lächum_ = Brot, _Lächumschupfer_ od. _Lemer_ = Bäcker, _Lächumrande_ = Brotsack); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 67 (_Lechum_ od. _Lehm_ = Brot, _Kafferlechum_ = Bauernbrot); _Schwäb. Händlerspr._ 479, 480 (_Lêm_ [in _Pfedelb._ (209): _Lehm_] od. _Lechem_ = Brot, _Lêmschupfer_ = Bäcker, in _Pfedelb._ [208]: _Kafferlehm_ = Bauernbrot). S. auch noch _Pfälz. Händlerspr._ 436, 437 (_Lêchem_ od. _Leachem_ = Brot, _Finne Lêchum_ = Stück Brot) u. _Metzer Jenisch_ 216 (_Lēm_). Zur _Etymologie_ (vom gleichbed. hebr. _lĕchĕm_) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 25, 26 (dort in den Anmerkgn. auch über die sonst. Belege im Rotw.); vgl. auch _Weber-Günther_, S. 157/58 (unter »Legem«) u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1081 u. 1082 (unter »Lechem« u. »Lehm«).]
[Fußnote 309: ([7] auf S. 63.373) Mit _Hitzling_ = Ofen (_am Anfang_) sind noch folgende _Zus._ gebildet: _Hitzlingschwä(t)zling_ = Ofenruß (s. d. betr. _Schwetzling_ [wohl für Schwärzling] = Ruß), _Hitzlingpflanzer_ od. _-schenegler_ = Ofensetzer, _Hitzlingbossert_ = Rauchfleisch. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 89, 91 (_Hitzling_ = Ofen, _Lechem-_ od. _Lehmhitzling_ = Backofen); _Schöll_ 271 (_Hitzling_ = Ofen, aber auch = Sonne); _Pfulld. J.-W.-B._ 337, 343 (_Hitzling_ = Ofen, _Lächumschupferhitzling_ = Backhaus); _Schwäb. Händlerspr._ 487 (_Hitzling_). Zur _Etymologie_ des Wortes (das im Rotw. schon 1687 — bei _A. Hempel_ [167] — für »Stube« vorkommt) vom deutsch. Subst. _Hitze_ vgl. A.-L. 549, _Günther_, Rotwelsch, S. 60 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1702.]
[Fußnote 310: ([8] auf S. 63.373) S. (betr. _Kittle_) Abort u. (betr. _Kies_) Apfelkern; vgl. dazu auch »Vorbemerkg.«, S. 19, Anm. 48 sowie die Anm. zu »Ziegelstein« im W.-B.]
Bad, _Flu(h)te_[311] [63.374]
baden, _pfladeren_[312]
Bahn, _Rutsch_[313]
Bank (zum Sitzen), _Sitzleng_[314]
Bank (= Bankhaus), _Bichkitt_[315] oder _Lobekitt_[316]
bankerott vgl. Konkurs
Bankier, _Bichsins_[317], _Kiessins_[318] oder _Lobesins_[319]
[Fußnote 311: ([9] auf S. 63.374) S. abbrühen.]
[Fußnote 312: ([10] auf S. 63.374) S. abwaschen.]
[Fußnote 313: ([11] auf S. 63.374) Mit _Rutsch_ = Bahn, Eisenbahn sind _zusammengesetzt_: _Rutschschenegler_ = Eisenbahnarbeiter u. _Rutschrädling_ = Eisenbahnwagen. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 69 (_Rutsch_ = Eisenbahn); _Schwäb. Händlerspr._ 480 (ebenso); s. auch _Pleißlen der Killertaler_ 436 (_Rutscher_ = Wagen, Eisenbahn). _Zur Etymologie_ (vom Zeitw. _rutschen_) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 67 (unter »Rutscher«).]