Die Eroberung von Peru

Part 10

Chapter 103,327 wordsPublic domain

»Fürwahr, ihr Christen,« rief er, ohne noch von dem Kreuze, das seine Schulter niederbog, gelassen zu haben, erglühend aus, »da habt ihr die barbarischen Götzenbilder dieses verdammten Reiches; was haltet ihr euch auf, richtet diese Teufelspracht zu Grunde!«

Für fromme Handlungen hörten die Abenteurer auf, Soldaten zu sein und die Befehle Pizarros zu erwarten; es waren nichts als Fanatiker, welche auf die Stimme eines menschenfresserischen Priesters hörten. Wie hungrige Wölfe, wie schlecht angeschossene Tiger stürzten sie sich über die unschuldigen Bilder her, zertrümmerten und zerrissen dieselben und schleiften sie unter Freudengeschrei durch den Tempel. Dann pflanzte Luque die Fahne Zions auf, gebot der gottlosen Zerstörung Einhalt, und Feuer aus den Augen sprühend, murmelte er Teufelsbeschwörungen, um den Satan aus jenem Raume zu verjagen, und dem Herrn der Siege dankend, wurde ein feierliches _Te Deum_ gesungen.

Obschon die bestürzten Einwohner Cajamalcas an den verborgensten Punkten einen Zufluchtsort gesucht hatten, verbreitete sich in der Stadt gar bald die in dem Tempel begangene Entweihung, und die Peruaner schauderten vor Entsetzen, ihre Götter so schändlich entweiht zu sehen, und in ihren Adern glühte der Geist der Rache und ihre Herzen fühlten einen allen Gefahren überlegenen Muth. Wie gewiß ist es, daß sich der Sieger, welcher die Voreingenommenheiten der Völker nicht achtet, eines Tages besiegt sehen wird! Die Peruaner sahen den Untergang ihrer Freiheit und ihrer Gesetze an, sie sahen, wie man ihnen ihre Schätze entriß, ihre Jungfrauen schändete, das Blut ihrer Söhne vergoß, und sie litten in furchtbarem Stillschweigen; aber als sie ihre Tempel entweiht und ihre Götter weggeschleppt sahen, platzte ihre Entrüstung und ihre Rache los. Noch beim Absingen des _Te Deums_ wurden die Sieger von den wenigen kräftigen Bewohnern, welche in der Stadt geblieben waren, im Tempel angefallen, und an eine Ueberraschung glaubend, erschraken sie und viele waren ein Opfer der Wuth der Besiegten. Nachdem sie sich endlich wieder erholt hatten, wurden die Peruaner in dem Tempel geopfert und der religiöse Fanatismus entflammte die Seelen für einen Krieg bis auf den Tod.

Zum Blutbade rufend, gab Luque nachher die Seelen der Besiegten dem Teufel und jedem der Soldaten zehn Tage Ablaß. »Diese Barbaren,« rief er aus, »von dem Teufel, der seine Macht in diesem Reiche zu Ende gehen sieht, hingerissen, haben die Heiligkeit unseres Festes entweihen wollen; im Tode und in der höllischen Pein haben sie ihre würdige Strafe gefunden. Es gebe kein Erbarmen, ihr Christen, die Götzendiener kennen keine Reue und Barmherzigkeit; wer das Wasser der Taufe nicht empfängt, werde in Gottes Namen verbrannt.« Beim Verhängen dieses Urtheils schien das ganze Reich zu erzittern.

Inzwischen war Pizarro nicht mehr als ein Christ, der demüthig auf die Stimme des Priesters hörte und beim Aussprechen eines Bannfluches bebte. Vor dem Kreuze niederknieend, gab er seinen Soldaten das Beispiel des Gehorsams, und in seinem Innern kämpfte der Ehrgeiz, die Blutgier, seine verzweifelte Liebe und der brennende Wunsch ewigen Wohlergehens. Zu seiner Linken ebenfalls knieend, zeigte Almagro in seiner Miene die Zeichen von Fanatismus; aber gefühlvoll geboren und kräftigeren Verstandes als Pizarro, mißbilligte sein Herz das Betragen seiner Gefährten, und er zweifelte, daß ein Gott des Friedens mit Vergnügen das Blut unschuldiger Opfer fließen sähe. Die Liebe zu Coya und das seinen Gefühlen so entgegengesetzte Betragen seiner Gefährten veruneinigte ihn jeden Tag immer mehr mit den Interessen seiner Waffenbrüder und der Bürgerkrieg war sehr nahe daran, im Lager der Sieger auszubrechen.

Unermüdlich in seinem Bekehrungseifer und unversöhnlich in seinem Blutdurst, wenn es sich um Götzendienerei handelte, stieg Luque auf die Kanzel im Tempel, predigte den Abenteurern ausführlich von den christlichen Geheimnissen, erinnerte sie an das Leiden Christis, stellte als Hauptglaubensgrundsatz auf, daß es nicht einmal eine erläßliche Sünde sei, einen Götzendiener zu tödten, und daß, wo die Indianer nicht das Wasser der Taufe empfingen und, was ein heilsames Mittel sei die ewige Seligkeit zu erlangen, das Glaubensbekenntniß ablegten, man sie den Flammen übergeben solle, um mit dem Teufelsgeschlecht auf Erden fertig zu werden. Freilich waren die Eroberer der neuen Welt, welche, um ihren Ehrgeiz zu sättigen, die Meere durchfahrend, in den Tod gingen, im Allgemeinen sittenlose Abenteurer, es waren aber am Ende Männer des sechszehnten Jahrhunderts, die sich bei den Worten des Priesters demüthig niederwarfen und die ihre Leidenschaften verschwiegen, wenn die Wuth des mißverstandenen Christenthums sprach: Luque ermahnte im Namen Gottes und der allmächtige Luque beherrschte die Herzen und entflammte den Zorn.

Dort, in dem selben Tempel wurde in der Folge der Beschluß dreier Jahrhunderte verhängnißvollen Krieges, der schimpfliche Beschluß, welcher eines Tages das Blut von einer Welt zur andern fließen lassen würde, gefaßt. »Alle Peruaner,« sagte das auf Tafeln geschriebene Gesetz, »werden das Wasser der Taufe empfangen und Sklaven des Königs im Osten sein; wenn sie aber gottlos auf der Götzendienerei beharren, werden sie in die Flammen geworfen und ihre Seelen dem Teufel überliefert werden.« Ah! unschuldiges Amerika! Oh! sechszehntes Jahrhundert, Schandfleck entlegener Geschlechter!

Das Gesetz wurde auf Straßen und Plätzen veröffentlicht, und die Stadt zitterte und das Reich erbebte. Die unglücklichen, ihrer Reichthümer beraubten Bewohner, wo der Gatte die Gattin, die Geliebte ihren Geliebten, vielleicht ein alter verwundeter Vater die geschändeten Jungfrauen beweinte, hörten alle, von dem unmenschlichen Schmerze, ihren Tempel entweiht und ihre Altäre umgestürzt zu sehen, bedrückt, in starrer Betäubung das ruchlose Gesetz an. Der schwache Greis wollte zum Märtyrer seiner süßen Glaubenslehren werden, der kräftige Jüngling bot seiner wohlthätigen Gottheit seine Stärke und sein Blut an; die Jungfrau und die Gattin weinten um ihre Wittwenschaft und warfen sich den Gatten zu Füßen; es war lauter Trostlosigkeit; die dunkle Knechtschaft war der Preis der Abtrünnigkeit, der Scheiterhaufen der Inquisition das Ende ihrer unschuldigen Glaubenslehren.

Gefühllos bei so großem Schmerz und so großem Wehklagen, begannen Luque und Pizarro mit der Ausführung des barbarischen Beschlusses. Die Unglücklichen, welche ergriffen wurden, mußten ihr Glaubensbekenntniß ablegen oder kamen in den Flammen um; Alle sahen sich genöthigt, in dem Tempel zu erscheinen, um der Religion ihrer Väter zu entsagen oder in die rauhen Wälder zu entfliehen und sich vor der Wuth ihrer Feinde zu befreien. Fern von seiner Coya, vielleicht befürchtend, ihre Liebe verloren zu haben, und obschon in eine unmerkliche Kälte versunken, ohne Hoffnung, sie wieder in seine Arme zu schließen, konnte Almagro die Greuelthaten, womit man das Christenthum beschimpfte und die Menschenwürde gering schätzte, nicht dulden. »Ueberzeuge,« sagte er zu Luque, »diese unglücklichen Bewohner mit der Beredtsamkeit, die dir Jesus einflößt, reiße sie aus der Götzendienerei heraus, aber der Dolch macht keine Christen.« Alles war umsonst; »Satan,« sagte der Priester, »vermag mehr als die Gnade,« und Pizarro vertheidigte schon darum die Sklaverei der Indianer, weil er sie kaum für Menschen hielt, und weil, wenn er sie nicht mit Ketten belud, sie leicht ihre Arme nach Rache ausstrecken würden.

Beim Landen in der neuen Welt führte, da Pizarro weit eher Regionen zu entdecken, als Reiche zu erobern gekommen war, und da die Gelder der Gesellschaft nach den bei den ersten Streifereien gemachten beträchtlichen Auslagen zu gering waren, die Expedition sehr wenige Kriegsvorräthe mit sich, und vor Allem hatte sie einen großen Mangel an Pulver und Geschossen. Unter den Eindringlingen gab es Männer von genügenden Kenntnissen zur Gewinnung des Pulvers und zur Herstellung und zum Gießen der Metalle, und die Gebirge besichtigend, welche Cajamalca umgaben, fanden sie Salinen und Mineralien, so viel sie nur wünschen mochten, im größten Ueberflusse vor. Tausende von Unglücklichen wurden zur Ausbeutung der Bergwerke fortgeschleppt und kamen bei der Strenge einer beständigen und ihnen unbekannten Arbeit um, oder fielen in den Schlünden der tiefen Ausgrabungen erstickt nieder. Sie zogen die Urstoffe aus dem Innern der Erde hervor und hernach gossen und verarbeiteten sie die Europäer allein, damit ihre Sklaven nicht zerstörende Waffen verfertigen lernten. Die unglücklichen Peruaner schmiedeten ihre eigenen Ketten!

Die Reichthümer, welche die Gebirge in ihren Höhlen bargen, beschränkten sich nicht nur auf Salinen und gewöhnliche Metalle; bei den Nachgrabungen fanden sich auch Gold- und Silberadern vor, die den Ehrgeiz der Sieger entflammten und eine Million Indianer zum Tode verdammten. Trotz des Ueberflusses an Gold, den die Amerikaner hatten, war ihnen die Kunst der Ausbeutung nicht bekannt, und niemals entnahmen sie den Gebirgen und Flüssen andere Metalle als diejenigen, welche die Natur verschwenderisch aus deren Schooße warf, und obschon diejenigen, welche Cajamalca umgaben, nicht die ergiebigsten der neuen Welt waren, so waren sie nichtsdestoweniger reich an Schätzen, die sich alsbald bei dem Schweiße zeigten, den die Indianer bei den Nachgrabungen unter der hartherzigen Leitung ihrer Besieger vergossen.

Nach Entnahme großer Mengen von Salz und Schwefel verfertigten sie eine große Menge Pulvers, gossen unzählige Geschosse, worauf man die Eroberung des Reiches gründete, und schmiedeten schwere eiserne Ketten, woran sie die unschuldigen Sklaven, welche in ihrer Miene die Zeichen der Verzweiflung, sich vor Elend sterben zu sehen, und unter einer Arbeit gebeugt, die ihnen unwiderstehlich war, zur Schau trugen, um so leichter versichern konnten.

Alle Bewohner Cajamalcas und von dem Lande, die das Wasser der Taufe empfingen, wurden zu den Nachgrabungen in den Bergwerken verdammt, und diejenigen, welche ihrem Glauben nicht entsagen wollten, flohen in die Gebirge oder retteten sich vor ihren Verfolgern nach Cuzco. Den unglücklichen Lastträgern wurde kaum das zum täglichen Unterhalte Unerläßliche angewiesen, und die Sieger sorgten, mit dem Degen in der Hand, dafür, daß die Arbeit betrieben wurde, und sie hatten das Recht, denjenigen, welchen sie für träge hielten, zu verwunden und zu tödten. So eine grausame Gewaltherrschaft brachte die unglücklichen Peruaner bis zur Verzweiflung, und mehr als einmal spürte man theilweise Aufstände, die aber immer durch grausame Metzeleien erstickt wurden. Um selbst die geringste Gefahr zu vermeiden, und da sie genügend Mineralien hatten, schmiedete man die Arbeiter mit schweren Ketten aneinander, welche, indem sie deren Arme zur Arbeit frei ließen, ihre Körper erdrückten und ihnen weder Ueberfall noch Vertheidigung ermöglichten. Mit Schmerzensthränen benetzten jene Unglücklichen die Schätze, die sie verfluchten.

Eine Zeit lang war Pizarro im Namen des Königs von Spanien Herr aller Sklaven und sie arbeiteten in den öffentlichen Bergwerken und wurden von dem Schatze bezahlt. Bald aber machten, um sein Ansehen aufrecht zu erhalten, seine Freigebigkeit und der noch immer nicht gesättigte Ehrgeiz der Abenteurer, daß die Sklaven durch Geschenk oder Kauf in Privateigenthum übergingen. Der Herr hatte durch die ganze Nachkommenschaft hindurch das Recht über Leben und Tod und verschaffte sich die Wiedergeburt der Sklaven mit derselben Thätigkeit, mit denselben Mitteln und denselben Zwecken, wie diejenigen irgendwelcher anderer Hausthiere, die das Erbgut des Herrn vermehrten. Auf so eine ungeheuerliche Staatswirthschaft konnte die Eroberung eines Reiches nicht fußen! Und noch sind im neunzehnten Jahrhundert auf unsern Besitzungen von Asien und Amerika schlagende Spuren jener unmenschlichen Knechtschaft vorhanden.

Kapitel 16.

Verstärkung.

Obschon mit Lorbeern und Schätzen beladen, befand sich doch die feindliche Abtheilung in den bedenklichsten Umständen, und die Eroberung Perus konnte ihr immer noch unter ihren Händen entwischen. Nur fünfhundert Abenteurer waren auf Pizarros Befehl in San Mateo gelandet, und die verschiedenen Klimas und die erbitterten Kämpfe hatten unter so geringen Streitkräften beträchtliche Verminderungen hervorgerufen. Mit Schätzen überladen hatten sie im Allgemeinen ihren Ehrgeiz schon befriedigt, und wären die Anführer nicht ebenfalls ruhmsüchtig gewesen, so wünschten wohl alle, in ihr Vaterland und in den Schooß ihrer Familien zurückzukehren, um die Früchte ihrer Gefahren und ihrer Unerschrockenheit zu genießen. Almagro, der Gewaltherrschaft Luques und Pizarros zum Theil immer entgegengesetzt, hatte ebenfalls Anhänger im Lager, und der Bürgerkrieg drohte mit größerem Schrecken, als die Eroberung des Reiches.

So schwierige Umstände waren Luque und Pizarro, welche mit allen nur erdenklichen Mitteln den Ehrgeiz und die Begeisterung aufrecht zu erhalten suchten, nicht verborgen, aber ihre Anstrengungen hatten nicht immer den gewünschten Erfolg. Zu gleicher Zeit war Huascar mit einem mächtigen Heere nach Cuzco gezogen, und neue Truppenaushebungen machten, so furchtbar die Spanier auch in den Siegen gehaust hatten, die Eroberung des Reiches von Tag zu Tag ansehnlicher. Mit so schwachen Streitkräften konnte Pizarro, wenn er schon die Punkte San Mateo und die übrigen Häfen oder Küstenorte verlassen hatte, die Stadt Cajamalca nicht auch ohne irgend welche Kriegsmacht lassen, weil die Bewohner erbittert zu den Waffen greifen würden, die Frucht seiner Siege verloren ginge und er im Falle einer Niederlage keinen Punkt hätte, wohin sich zu retten. Sich, obwohl mit Schätzen beladen, von Cajamalca zurückzuziehen und sich wieder nach Panama einzuschiffen, würde ihrem Namen sehr wenig Ehre und den glorreichen Waffen der Spanier weniger Glanz verleihen.

Von einem versengenden Feuer zu Coya verzehrt, vermochte Almagro ebenso wenig den Gedanken zu ertragen, sich wieder einzuschiffen, ohne die Schöne, welche, da sie das Wasser der Taufe empfangen hatte, einer so süßen Vermählung nichts entgegen setzen konnte, ewig in seine Arme zu schließen. Wenn Pizarro, heftig und wild in seinen Leidenschaften, die Zärtlichkeit, die süßeste Schwermuth der Einflüsterungen der Liebe nicht kannte, fühlte er eine lebendige Leidenschaft für Ocollo, welche durch den Stolz als Eroberer geschürt, ihm nicht erlaubte, von dem Gedanken abzustehen, sich auf sein Opfer zu stürzen, um es zu verzehren. Luque, der in Mitten seines fanatischen Wahnwitzes seine ewige Erlösung auf die Bekehrung zum Glauben der Sonnenanbeter bezifferte, würde eher den Tod vorziehen, als, die Eroberung Perus verlassend, sein Seelenheil gefährden.

Die Abenteurer, welche sich von Tod und Gefahren umgeben sahen, fingen, als sie ihren Ehrgeiz befriedigt hatten, an, mit Nachdruck die Stimme zu erheben, um nach Panama zurückzukehren, und weder Luque noch Pizarro konnten dieselben, außer für ihre eigene Vertheidigung, die Waffen ergreifen lassen. Der Angriffskrieg schien bei seinem Ende angelangt zu sein, und das Leben der Oberhäupter schwebte, ohne daß Pizarro die Aufrührerischen bestrafen konnte, tausend Mal in Gefahr. Tage lang verharrte die Abtheilung in einem so gewaltsamen Zustande, ohne daß sie etwas von der Kolonie und noch weniger von der Hauptstadt wußten. Nicht ein einziger Spanier war zwischen San Mateo, Tumbez und Cajamalca zurückgeblieben, um angesichts der Landungsplätze zu sein, und den weiten Weg zu besetzen; besiegt, waren die Peruaner immer noch nicht bezwungen. Es war schwierig, daß die Eindringlinge Zuzug bekämen, und Pizarros ganze Tapferkeit und Luques ganzer Fanatismus vermochten kaum, ihre Abenteurer zurückzuhalten.

In so bitterer Lage stand an einem heißen Tage die Sonne hoch am Himmel, als Pizarro und Luque von Ferne den Schein von Panzern und Waffen erglänzen sahen. Sie glaubten vielleicht, daß ihre Feinde bereits geschult und bewaffnet, sie zum Kampfe herausforderten, welches war aber ihre Ueberraschung, als sie sahen, daß es Spanier, daß es ihre Brüder waren, die ihnen zu Hilfe flogen! Fernando, der Bruder des Statthalters, des Anführers der Abenteurer, führte von Panama, von Guatemala und Nicaragua, achthundert nach den Schätzen Perus dürstende Abenteurer her.

Pizarro, als er Peru entdeckte, dessen Küsten entlang lief und Tumbez in Besitz nahm, schickte seinen damit beauftragten Bruder, überall die günstigsten Nachrichten zu verbreiten, die dem Ehrgeiz eine glückliche Zukunft verhießen, nach Panama, und in den Papieren, welche er der Regierung übergab, waren, um die Kolonieen und die Hauptstadt in Bewegung zu setzen, die Reichthümer bis ins Unendliche übertrieben. So war es auch wirklich, sowie man in Panama die Berichte Pizarros veröffentlichte und sich die Neuigkeit hievon nach den nahen Inseln verbreitete, strömten Hunderte von Abenteurern herbei, um sich unter die Fahne seiner Werber einzureihen; und sicher, sie mit Vortheil wieder einzuheimsen, streckten die Kapitalisten für deren Ausrüstung eilfertigst ansehnliche Summen vor. In kurzer Zeit vermochte Fernando mit einer zu jener Zeit ansehnlichen Macht unter Segel zu gehen, und nur so konnte er sich, Mangels an Hülfsmitteln, an denen die Eindringlinge litten, der bereits schwankenden Eroberung vergewissern.

Schwierig wäre es, mit deren eigenen Farben jene Freude und jene Ueberraschung zu schildern, die Luque und Pizarro, als sie sich von achthundert Streitern verstärkt sahen, in ihren Mienen bekundeten. Viele Stunden lang dauerten die ununterbrochenen Umarmungen und das Geschluchze. Luque hob die Hände zum Himmel und segnete seine Barmherzigkeit. Weit entfernt von Pizarro der Gedanke an Furcht, als er mit Luque allein über ihre mißlichen Umstände nachdachte, er war zu verwegen und tapfer genug, um sich nicht in Mitten seiner Dreistigkeit vor dem Tode zu fürchten, sein Tod aber wäre fruchtlos und vermehrte die Kühnheit seiner Feinde. Wenn Luque der Gedanke daran tröstete, in der neuen Welt bereits das Evangelium gepredigt und hunderte von Neubekehrten gemacht zu haben, zerriß ihn gleichfalls der Gedanke, den Satan nicht vollends aus dem ausgedehnten Reiche werfen zu können. Selbst Almagro, welcher seine Thränen mit denjenigen der unglücklichen Besiegten vermischte, freute sich, weil er seine Hoffnungen nährte, seine schöne Coya wiederzusehen, gleicherweise mit Begeisterung über die Ankunft Fernandos.

Obwohl Fernando mit Pizarro bis nach Tumbez vorgedrungen war, wußte er nichts von dem Innern des Reiches; und von den Nachrichten, welche ihm die bestürzten Peruaner bei den Durchzügen verschafften, geführt, tausenderlei Ungemach und Entbehrungen erleidend, konnte er, von dem Getümmel, das den Bewegungen der Abtheilung Pizarros folgte, getrieben, nur bis Cajamalca gelangen. Die Berichterstattung so verwickelter und schwieriger Abenteuer, sowie die Beschreibung der Siege und der ungeheuren Schätze und Trümmer des Reiches, erfüllte die Spanier viele Stunden lang.

Fernando war nicht mehr als ein einfacher Heerführer, denn sobald er in Cajamalca ankam, übergab er es Pizarro, als dem Anführer der Eroberung und Statthalter der zu entdeckenden und zu erobernden Länder; Almagro war sein Unterfeldherr, und Luque, allerhöchsten Ernennungen der Hauptstadt zufolge, Generalverweser des ganzen Reiches.

Sowie sich Pizarro mit einer Verstärkung sah, welche seine Streitkräfte, die er hatte, verdreifachte, gedachte er auf Cuzco loszumarschiren und die Eroberung mit einem Schlage zu beendigen. Die neuen Abenteurer, welche seine Reihen verstärkt hatten, mußten ihm, wiewohl erst angeworben und nicht an das Klima der neuen Welt gewohnt, ein vollständiges Vertrauen einflößen; nach Schätzen dürstend, fanatisch und unmenschlich führte sie Alles zum Siege, und machte sie Alles zu Luques und Pizarros würdigen Helden. Trotz der aus bereits angedeuteten Gründen strengen Mannszucht herrschte unter den Siegern Cajamalcas eine vollständige Widersetzlichkeit, und Pizarro erkannte, daß es für ihn nicht vortheilhaft war, in seiner Abtheilung Soldaten zu haben, welche ihm kein Vertrauen einflößten und welche die Zwietracht einführten, und er veröffentlichte einen unverzüglichen Befehl, wonach, wer wollte, auf den Schiffen, welche in San Mateo durchfuhren, in sein Vaterland zurückkehren konnte. So erreichte er nicht nur, daß ihm entschlossene Männer folgten, sondern auch, daß, da die Abenteurer mit Gold beladen in ihr Land zogen, der Ehrgeiz Krieger, welche seine Eroberung mehr befestigten, in die neue Welt lockte.

Zweihundert Mann baten um ihren Urlaub und zogen nach Tumbez und San Mateo; und noch verblieben im Lager weitere zweihundert, die mit den achthundert von Fernando Zugeführten, nach dem kühnen Anführer, eine genügend starke Streitmacht bildeten, um auf Cuzco loszumarschiren. Ein Theil der Kriegsmacht mußte in Cajamalca gelassen, und um die Mittheilungen der Hauptstadt und der Kolonieen zu sichern, und sich der bei den Ausgrabungen der Bergwerke beschäftigten unglücklichen Sklaven zu versichern, bis zur Eroberung ausgedehnt werden.

Hundert Mann besetzten Cajamalca, und weitere hundert Mann erstreckten sich, da Pizarro noch achthundert blieben, welche das Heer oder die Operationsdivision bilden sollten, nach Tumbez und an die Küste.

In wenigen Tagen wurden die Zurüstungen und Vorräthe besorgt, und die kühne Abtheilung war bereit, auf die Hauptstadt des mächtigen Reiches loszumarschiren. An den glatten Rüstungen und den blinkenden Waffen erglänzte die Pracht des herrlichen Thrones Karls des Fünften, und auf den runzligen und schwermüthigen Stirnen zeichnete sich der religiöse Fanatismus des sechszehnten Jahrhunderts mit seinen schwarzen Merkmalen ab.

Kapitel 17.

Cuzco.

Reich an unbedingt nothwendigen Vorräthen, gewährte das Lager von Cajamalca der Feldzugsabtheilung alle nöthigen Hülfsquellen, und die an Mineralien reichen Gebirge, welche es umgaben, hatten ihnen ebenfalls genügend Salpeter und Geschosse geliefert, um an großartige Unternehmungen zu denken. Viertausend unglückliche Sklaven, welche unter den gebieterischen Befehlen Pizarros seufzten, sollten als Lastthiere für die Transporte dienen, so daß die Expeditionsdivision die ganze Beweglichkeit hatte, welche der thätige Eroberer und die augenblickliche Nothwendigkeit beanspruchten. Dem tapfern Kapitän Manuel Ojeda wurde mit hundert erprobten Soldaten, welche sie besetzten, der Oberbefehl der Stadt übertragen, und von seinen Befehlen abhängige Unteroffiziere sollten, um den Nachtrab geschützt zu halten, die Landungen zu erleichtern und die Mittheilungen mit den Kolonieen und der Metropole zu sichern, die Detachements befehligen, welche sich nach Tumbez und San Mateo erstreckten, und so eröffneten die todesmuthigen Abenteurer mit großem Lärm und Geschrei, nicht wie wenn sie in den Kampf zogen, sondern wie wenn sie bereits unter den Ueberbleibseln der Beute den Sieg anstimmten, ihre Bewegung auf Cuzco.