Die dreizehn Bücher der deutschen Seele
Part 4
Die Kaiserin von Byzanz, die eine Buhldirne war und eine Betschwester wurde, Theodora steckte zuerst die Fackel der Rechtgläubigkeit an; ihr Warnung zu sagen, sandte der König den Bischof Johannes von Rom nach Byzanz.
Aber die sonst den Kreis ihrer Ämter mit Eifersucht maßen, die Patriarchen in Rom und Byzanz fanden sich einig der gotischen Feindschaft.
So mußte Dietrich, der starkweise König erfahren, daß ein Tropfen Haß zäher leimt als ein Faß voll Liebe: der Argwohn des Alters zückte den Zorn seiner Enttäuschung, daß ihm ein tückisches Volk die Duldsamkeit danklos vergalt.
Da wurde Dietrich von Bern der Held der deutschen Sage, der im schneeweißen Alter auszog, unholdes Gezücht zu erschlagen: sein Zorn zerbrach den Senat, und der tückische Bischof von Rom büßte im Kerker; Haß gegen Haß war zwischen Goten und Römer gestellt.
In Byzanz die Buhldirne lachte ihm Hohn, daß er sein glückhaftes Reich der Gerechtigkeit selber zerschlug mit zorniger Faust: der dem Frieden das Schwert und dem Recht die Waage zu halten Volksfürst der Goten und König über Rom war, bis ihm die Falschheit zuletzt an den Hals fuhr.
Im zweiundsiebzigsten Jahr seines Lebens legten die Goten Dietrich von Bern in sein steinernes Grab zu Ravenna; mit seiner herrlichen Seele für ein Jahrtausend und mehr floh die Duldsamkeit aus der abendländischen Welt.
Seine Asche zerstreute die römische Rache im Wind, und seinen Namen löschten sie aus im Gedächtnis der Schrift -- wie danach der schielende Abt von Reichenau schrieb -- als einer Pest von endlosem Schaden; aber kein Haß konnte die riesige Steinplatte heben, die ihm sein stolzes Grabmal bewölbte.
Der Teufel selber, so ging die eifrige Rede der römischen Priester, habe den Ketzer von seinem letzten Weidgang geholt, auf dem Rappen der Hölle als wilder Jäger zu reiten.
Die gläubige Sage schmückte sein Bild wie keines im deutschen Gedächtnis, sie tat ihm die Brünne Wodans an, sein Schimmel holte den herrlichen Helden hinauf nach Walhal.
Der Kampf um Rom
Dietrich war tot, und Amalasuntha, die Tochter regierte das Reich für den Enkel, den sie Athalarich nannte: aber der Stammhalter des Starken war schwach, und der Wurm fraß dem Steckling die zärtlichen Wurzeln.
Amalasuntha ging römisch geziert und der gotischen Sitte abwendig; als der Knabe ihr starb, gab sie die Hand und den Thron Theodat, dem Amaler, der hündischen Sinnes und den gotischen Großen verhaßt war.
Theodat brachte die Tochter des Starkweisen um und gedachte, in Rom den Kaiser zu spielen: das aber geschah zu der Zeit, da Byzanz den Belisar sandte, das Blatt der blonden Herrschaft zu wenden.
Dem drohenden Unheil zu wehren, riefen die wehrhaften Männer den Vitiges aus, aber das Blatt war zu Ende; wie Odoaker vordem, hielt Vitiges nun die Burg von Ravenna, und Belisar stand in den Sümpfen, bis zum andernmal Meineid die Stärke besiegte, und Odoaker gerächt war.
Da grüßten die steinernen Ahnen vergeblich Dietrichs Geschlecht; Byzanz hielt den Thing in der Halle, und römische Priester streuten die Asche des Königs ins Meer, den Samen der gotischen Pest.
Aber die Geister der Rabenschlacht ritten herbei im Unheil der Tage, der Ruf ihrer Rache riß aus den Rippen der Not das blutige Gotenherz: ein Nordlicht wie keines hing seinen blutigen Schaum über die Mittelmeergärten.
Mit den betrogenen Recken brachte Belisar Vitiges heim nach Byzanz, seine Flotte ging schwer mit den gotischen Schätzen; aber die Not stand in den Bergen, Totila, Ildebalds Sohn auf den Schild ihrer trotzigen Stärke zu heben.
Neun Jahre lang war Totila König, und Dietrichs Waffen hatten nicht härter geklungen, da er die Rabenschlacht schlug: ohne Burg und Bestallung spannte der Jüngling den Bogen, die Städte sperrten ihm trotzig die Tore.
Rom und Ravenna holte er heim in mühsamen Kriegen, Neapel und Mailand fielen noch einmal der Gotenmacht zu; er ließ den falschen Senat sein Königsrecht fühlen und gab dem römischen Bischof den Trank der Demut zu kosten.
Aber der Kampf ging um Rom, und Byzanz warf sein Schwert in die Waage der römischen Priester: der Lindwurm hob seinen schuppigen Leib, und der Frieden fuhr in die Hölle.
Der Wohlstand der Städte starb hin in den Bränden, und die Standbilder Roms versanken im Schutt, die Felder fanden nicht Frucht noch Saat, die Straßen starrten im Staub der Rosse und Wagen, das Gebirge lag im Geschrei der flüchtigen Scharen, Hunger und Seuchen fraßen das Land leer.
Neun Jahre lang war Totila König, dann nahm der Tag von Taginäa ihm Krone und Schwert aus der sterbenden Hand.
Gleich Türmen, heißt es, standen die gotischen Recken im Wall ihrer tapferen Mannen, die Bogenschützen aus Morgenland warfen Sturmwolken schwirrender Pfeile über sie hin.
Totila fiel und sechstausend Goten tranken ihr Blut mit dem König; das Morgenland fraß mit sengender Glut das Gebälk der nordischen Türme; das gotische Glück glühte sein Abendrot aus in der Lohe.
Ein Lavastrom glomm spät in der Nacht am Vesuv; Teja, der letzte König der Goten, schürte den schaurigen Brand, bis alles versank in Asche.
Tausend, heißt es, fanden den Weg aus der letzten Vernichtung; das Schwert in der Hand und den blutigen Schaum ihres Untergangs brachten sie heim aus den Mittelmeergärten.
Das Abenteuer der gotischen Frühe war aus; die das Königsvolk waren der germanischen Welt, die den frühesten Kaisertraum träumten, die blonden Schwertherren der römischen Gärten sahen das blaue Land von den Bergen, darin sie flüchtig und fremd der fränkischen Königsmacht dienten.
Die Alemannen
Wo der Zackenwall der Kastelle das leere Zehntland umzäunte, wo das rote Gestein im braunen Gewässer des Mains sein Spiegelbild sah, vom hercynischen Wald hinüber zur Donau warfen die suebischen Völker der römischen Wacht den Speer in die Flanke.
Alemannen hießen den Römern die streitbaren Männer, die aus den weglosen Wäldern ritten, mit eckigem Schild und langem Schwert die Flüsse durchschwammen, trutzlachend dem römischen Helm das geringelte Blondhaar zu zeigen.
Die Stachelschnur riß: in die zerstörten Kastelle wehte der Schnee kalter Stürme, in den Weiden und Wäldern wuchsen die Dörfer der Sueben, der deutsche Pflug ging wieder im römischen Zehntland.
Über dem Rhein auf der Mauer des Schwarzwaldes hielten sie Wacht und sahen den Wasgenwald jenseits im Abend das fruchtbare Stromland beschatten.
Sie sahen im Süden den schimmernden Schneekranz der Berge über dem blauen Waldrücken des Jura, und ihre Kundschafter priesen das Land der blaugrünen Seen.
Sie ließen nicht ab von der lockenden Schau und sprengten die steinernen Riegel am Rhein; sie fuhren hinüber auf Schiffen und Flößen, sie fanden vom Hegau hinunter den See im Hügelgebreite.
Alisazas, die in der Fremde Sitzenden, hießen sie die, denen die Fahrt an den Wasgenwald glückte; aber sie füllten mählich das Stromland und bauten die Heimat der alemannischen Volksschaft hinüber ins Elsaß.
Tief in die Schluchten der schäumenden Bäche drangen sie ein im Land der blaugrünen Seen: da fiel die stolze Burg des Augustus, Vindonissa sank hin im Sumpfland der Aare, Aventicum wurde berannt, und durch die helvetische Prunkstadt der Römer ritten die suebischen Krieger.
Wohl hob die Heermacht der Römer noch einmal die eiserne Hand, den lachenden Räubern zu wehren; bei Straßburg und Colmar trafen sie den blonden Übermut schwer: aber die eiserne Hand wurde lahm von den eigenen Schlägen.
Von der Rhone zum Rhein, von Alisaz bis in den Wald der Boheimer wohnten die streitbaren Männer und hielten das reiche Land in der Hand.
Heervölker kamen und schwanden, Schlachten wurden geschlagen, und die Strohdächer ihrer Dörfer verbrannten; einmal beugten die fränkischen Herren die trotzigen Nacken: die alemannische Volkschaft hielt ihren Boden und wuchs mit dem Korn der sorgsamen Felder, mit dem Vieh der saftigen Weiden, mit dem Wein der sonnigen Hügel sacht in die Fülle.
Die Gepiden
Alboin, Audoins Sohn, hatte Thorismund, Thorisins Sohn erschlagen im Kampf ihrer Völker und hatte die Langobarden befreit von der Übermacht der Gepiden.
Darum lagen die Großen Audoin an, daß er den Retter des Volkes und Sieger als Tischgenoß nähme; aber die Sitte gebot, ein anderer König müsse dem Königssohn die Waffen darreichen, ihn würdig zu machen zum Mahl.
Vierzig der Jünglinge rief Alboin da und zog in Thorisins Land; der nahm ihn auf im Gram seines Alters und hieß ihn sitzen mit Ehren, wo Thorismund saß im Saal der Gepiden.
Aber sein Herz hielt den harten Anblick nicht aus und sein Mund sprach mit Seufzen: Wehe, der Platz ist mir teuer, aber den Mann, der da sitzt, sehe ich schwer!
Da schalt ihn Kunimund, Thorisins anderer Sohn, für seinen erschlagenen Bruder und schmähte die Jünglinge Alboins Stuten um ihrer weißen Schuhriemen willen.
Aber Alboin, Audoins Sohn, hob seine zornige Hand von der Tafel und wies gegen Westen und sprach in der Burg seiner Feinde: Draußen im Asfeld spürte dein Bruder, wie Stuten ausschlagen können.
Da wurde der Wein verschüttet, die Waffen räumten den Tisch und traten zum Tanz und rissen die Kluft in den Saal, da Alboin stand im Schwertkranz der Seinen, und waren Tausend um Vierzig.
Aber der König sprang auf im Zorn, und die Treue hielt wie ein Turm der Sitte das schirmende Dach: Wehe dem Mann, der seinem Gast treulos den Wein verschüttet, und wehe dem Schwert, das seinem Schwur den Frieden nicht hält!
Und holte die Waffen Thorismunds her von der Wand und gab sie Audoins Sohn, und hielt mit wehrenden Händen den Saal still und gab dem Gast seinen Spruch als Hausherr und König.
Und hieß ihn gehen in Frieden und hielt ihm den Königsbann bis an die Grenze, der seinem Volk der bitterste Feind und seinem Blut böse zuleid war, weil er ihm Thorismund, seinen Sohn, draußen im Asfeld erschlug.
Die Langobarden
Noch einmal schien über die Mittelmeergärten das Glück der alten Gestirne, aber das Morgenland glühte düster hinein, und der Kaiser war in Byzanz: sein Exarch regierte das römische Reich in Ravenna, der Senat war zerbrochen, der römische Papst saß allein in den Trümmern der ewigen Stadt.
Zum andernmal zeigte das Schwert der nordischen Völkerentfaltung das lockende Ziel: der langobardische Trotz ging lachend den Weg der Kimbrer und Goten, Machthaber der römischen Erbschaft zu bleiben.
Sie hatten das Volk der Gepiden dienstbar gemacht im verlassenen Ostgotenland und waren die Starken geworden im Stegreif der östlichen Völker, als die Kundschafter Alboin lockten, die kühne Heerfahrt noch einmal zu wagen.
Über den Birnbaumerwald brachen sie ein in den Mai der römischen Gärten und schafften im Sommer so fleißige Ernte, daß sie schon warm im Nest von Verona die Winterrast hielten.
Da stand noch die räumige Burg Dietrichs von Bern und die steinerne Brücke; die blonden Langbärte füllten die Stadt mit dem Lärm ihrer Wagen und Weiber.
In der Burg aber saß der lachende König der Stärke und tat seinen Spruch, daß dies nur der Rest vor Ravenna und der Steigbügel wäre, ins Reich der römischen Pfaffen zu reiten.
Rot rann der Wein in der Burg zu Verona und rief den Übermut wach der tapfer bestandenen Taten; Alboin tat seinen Trunk aus dem silbergerandeten Schädel und bot ihn der Königin dar: sie kannte den Becher, die Tochter des toten Gepiden, sie gab dem König Bescheid und schwur seinem Frevel heimliche Rache.
Der ihr den Vater erschlug und sie zwang zu dem greulichen Trunk aus dem silbergerandeten Schädel, sah den Abend nicht mehr in der Kammer Dietrichs von Bern; sein Waffenträger Helmichis gab ihm den letzten Bescheid, der dann zur Nacht mit der Königin ritt auf der Flucht nach Ravenna.
Sie klagten um Alboins Tod und schwuren ihm blutige Rache; aber sie taten den Ritt nicht nach Ravenna und Rom; sie säumten ihr Reich im Schneekranz der Alpen und füllten das fruchtbare Tiefland, das nun die Lombardei hieß.
Sie ließen Ravenna und Rom, ließen Kaiser und Papst den Zank um die Geltung; sie saßen am Freitisch Dietrichs von Bern, aßen und tranken und hatten die Fülle, wo die Goten den Becher der Bitternis tranken.
Hengist und Horsa
Seefahrer waren die Sachsen, die an der kalten Meerküste saßen; aber ihr Meer war nicht blau, und keine lässige Fülle dehnte ihm wohlig den Strand; donnernd sprangen die Wogen und fraßen sich gierig hinein in das Flachland der Küste.
Sand und Sümpfe trugen die Spuren der Stürme; die Reifriesen raubten dem Frühling die Blüte und rissen dem Herbst die Frucht von den Bäumen; der Wind webte wüst aus der Wolkenwand; die neblichten Lüfte lasteten kalt auf den Weiden.
Wenn die Flut kam, standen die Häuser im schmutzigen Schaum, und wenn sie verebbte, schwamm das kärgliche Grün ihrer Hügel gleich Inseln im weglosen Sand.
Faul lagen die bauchigen Leiber der Schiffe im Schlamm, schief an den schwärzlichen Pflöcken; aber die Flut riß sie auf im schaufelnden Tanz und warf um die zackigen Hörner der Schiffe das schäumende Zügelband ihrer Wellen.
Dann lachte das Herz, das Ruder fiel ein und riß in die jagende Flut die Wundmale krallender Tatzen, dann jauchzten die Schiffe hinaus an die stählerne Wand, sturmvogelfrei im Wechselgesang der wallenden Wolkengehänge.
Häuptlinge waren die Herren der Hügel, die mit Sassen und Knechten die kühnen Meerfahrten wagten; der Raub war ihr Recht, der Kampf an den Küsten der nördlichen Länder die Lust ihres Lebens.
Gleich einer Schüssel gefüllt mit den Gaben der lustreichen Landschaft lagen die britischen Küsten den Sachsen dicht vor der Tür; und lange schon fuhren die Kühnen hinüber, bevor der britische König sie dingte, den Pikten und Skoten zu wehren.
Hengist und Horsa hießen die sächsischen Helfer; die hörnigen Schiffe trugen den Hall ihrer Waffen, die Feinde zu schrecken; aber der britische König hatte den Bock zum Gärtner gemacht.
Herren wurden aus Helfern, und Widersacher dem Wohlsein britischer Tage; die hörnigen Schiffe schliefen am Strand, indessen die sächsischen Männer die Macht auf den Straßen des Britenlandes fanden.
Sie hielten das Schwert und prüften die Schärfe und lachten der schwächlichen Christengesänge, sie setzten sich breit in den Stuhl der britischen Herkunft.
Anglia hießen sie prahlend das Land, weil sie sächsischen Stammes, doch Angeln genannt in der Heimat und stolz ihrer Vetterschaft waren.
Chlodevech
Ein Eber lief aus von den Franken und brach in die gallischen Felder: Chlodevech, Childerichs Sohn, den die salischen Großen im fünfzehnten Jahr seines hitzigen Lebens kürten als ihren König.
Die merowingische Stirn stand ihm steil zu Gesicht und die Borsten des Ebers -- so sprach die Sage -- wuchsen ihm stachlig den Rücken entlang: dem Knaben brannte das Herz nach Ruhm und Gewinn raubreicher Fahrten.
Noch aber hielten Burgunder, Alemannen und Goten das gallische Gatter zu eng für den fränkischen Eber, zornmutig schnob er hinein, die rostigen Ketten zu sprengen.
Bei Zülpich hielt das alemannische Schwert der fränkischen Streitaxt stand; schon mähte es fröhlich die Ernte: da rief der Eber den römischen Christengott an und beugte den borstigen Nacken, daß er ihm hülfe.
So wurde der König der Franken Christ; die Kirche hielt ihm die Taufe zu Reims mit dem Prunk ihrer besten Gewänder. Dreitausend Franken beugten das Knie und sangen dem König zur Messe, und hoben das bärtige Antlitz gen Morgen, wo im Weihrauch und Wechselgesang lateinischer Priester das Kreuz auf dem düsteren Hochaltar stand.
Chlotilde, die Gattin des Königs, hielt lächelnd das Taufbecken hin: die Chlodevechs Trotz und den grausamen Sinn seiner Großen mit sanfter List lenkte, hing das fränkische Schwert ans römische Kreuz und schenkte dem Papst den allerchristlichsten König.
Da war dem fränkischen Eber bald das Tor im Süden geöffnet, eifrige Bischöfe brachten heimlich den Schlüssel und wirkten ihm Wunder entgegen; die Hündin zeigte dem landfremden Eber nächtlich die Furt, und feurige Zeichen gaben ihm Fährte.
Als die blutige Streitaxt des Ebers den König der Goten erschlug in der Schlacht, hatte die göttliche Waltung den Wahrspruch der Kirche gehalten.
Wohl schloß der Heerbann Dietrichs von Bern dem fränkischen Eber zuletzt noch das Gatter, aber das gallische Land war den Goten verloren; über Toulouse und Bordeaux hing die Streitaxt der Franken, Chlodevech streute das Silber und Gold seines Raubes dem fränkischen Volk auf die Gasse und tat das römische Prunkgewand an.
Steil stand ihm die merowingische Stirn zu Gesicht, und die Borsten des Ebers wuchsen ihm stachlig den Rücken entlang: noch gab es Fürsten der Franken, die ihm nicht untertan waren; er brachte sie lachend um und schonte den Letzten nicht seines eigenen Geschlechts.
Und als er sie alle versammelt hatte in der Gruft seiner Väter, stand er klagend davor und jammerte laut, unter Fremden ein Fremdling zu sein, und senkte tückisch den borstigen Nacken, ob sich nicht einer verriete, den sein blutiger Blick noch nicht fand.
Er trug als freidiger Unhold das Kreuz in den grausamen Händen, und war der Kirche ein treuer Knecht und ihrem starken Mirakel; er wurde begraben in heiliger Gruft, und die lateinischen Lieder sangen um ihn, der dem römischen Papst die Steigbügel hielt im germanischen Norden.
Brunhilde
Die Blutspur Chlodevechs rann in den Bach merowingischer Mördergeschichte; unholde Frauen hielten den Haß in blutigen Schalen, riesengroß wuchs ihr grausames Bild im Gedächtnis der fränkischen Völker.
Zwei Schwestern kamen aus Westgotenland, Königsfrauen in Franken zu sein und Gattinnen feindlicher Brüder, Chilperich und Sigibert geheißen.
Galswintha die Gute wurde erwürgt in Paris; König Chilperichs Buhlin, Fredegunde, rühmte sich frech ihrer Tat; Brunhilde, die Schwester in Metz und Sigiberts Königin, erhob ihren Zorn und rief den König zur Rache.
Da mußte sich Chilperich beugen und Buße geloben dem stärkeren Schwert seines Bruders; Fredegunde aber, die freche Magd auf dem Thron, fällte Sigiberts Stärke.
Heimtückisch hoben die Großen Chilperichs den siegreichen Sigibert auf den Schild und das Volk in Paris lief ihm zu, aber das Gift ihrer Schwerter gab ihm heimlich den Segen.
Da trank Brunhilde den Becher der Bitterkeit leer, da wurde Sigiberts Königin krank im Blutrausch der Rache:
Die eigenen Großen entführten ihr grausam den einzigen Knaben und ließen sie treulos in Chilperichs Hand; der hielt die Stolze höhnisch gefangen, und die in Metz Königin war, mußte in Meldis Klosterdienst tun.
Aber Merovech, Chilperichs Sohn, entbrannte in Liebe zu ihr und half der Feindin des Vaters zur Flucht aus dem Kloster: als Merovechs Frau kehrte sie heim in Sigiberts Land nach gramvollen Jahren.
Die eigenen Großen aber erschlugen ihr grausam den Gatten; da blieb sie, Gattin nicht mehr und nicht mehr liebende Frau, nur Königsmutter in Metz, das zärtliche Reis ihrer Liebe, König Sigiberts Sohn zu hüten im Haß der Geschlechter.
Die fränkischen Herren mußten die Hand des gotischen Weibes erfahren: sie traf den Trotz und dämpfte den Frevel, sie hielt ihrem Knaben den Horst und trug die Furcht ihrer Stärke ins Land wie ein kreisender Adler.
Dreißig Jahre lang kam ihr das Königsschwert nicht aus den herrischen Händen; als Sigiberts Sohn starb, hielt sie den Enkeln das Reich und blieb als Greisin die unbeugsame Mutter des Landes.
Aber die Enkel kamen in Streit und die Krone ertrank im Blut ihrer Kriege; wohl hob Brunhilde den blutigen Reif Sigiberts ihrem Urenkel auf, doch waren der Raben zuviel um den einsamen Horst ihres Alters.
Sie riefen Chlotachar her, Fredegundens streitbaren Sohn: die lahmen Flügel der Gotin taten den letzten Flug ihrer Flucht, aber die Späher fanden die Spur und fingen den Vogel im steinichten Jura.
Sie banden der gotischen Greisin die Glieder mit Stricken und hetzten das Roß, Brunhilde zu schleifen: da löschte der Sohn Fredegundens den Haß seiner Mutter im Blut und zerfetzten Gebein ihrer Feindin.
Die Blutspur Chlodevechs rann im Gerinnsel des sterbenden Weibes; riesengroß wuchs ihr Bild im Gedächtnis der Völker, aus uralten Tiefen brachte die Sage Brünne und Helm, die unholde Frau in Wodans Reich zu geleiten.
Gudrun
Der gotische Königssohn Hermingild freite Ingunthis, Brunhildens liebliche Tochter; aber Godswintha, Brunhildens Mutter, war seinem Vater Leovigild im Alter noch einmal Gattin geworden.
Godswintha holte dem Stiefsohn die Enkelin selber ins Haus; aber Ingunthis war fränkisch und fromm, ihr galten die Goten als Ketzer.
So neigte dem Hermingild bleich und schlank eine Lilie zu; Godswintha, die Großmutter, sah die Wurzeln in Dornen und Unkraut.
Das Alter war häßlich und grausam, die Jugend war schön und gerecht: sie ließ sich schmähen und schlagen und trug die Lilienstirn stolz mit dem Dornenkranz ihrer Leiden.
Leovigild aber, der Vater, wollte nicht Zwietracht und Zank im Hause des Königs, er bannte das böse Zerwürfnis und sandte den Sohn als Statthalter nach Sevilla.
Da saß Ingunthis, die schöne im andalusischen Land und heilte die Lilienstirn im zärtlichen Wind ihrer Wochen; die Kirche bot Balsam und Weihrauch und weihte das Dornenkränzlein zur himmlischen Krone.
Die geistlichen Boten kamen und gingen im Eifer bischöflicher Sendung, der Heilquell kirchlicher Gnaden brach auf: da wurde das Knäblein römisch getauft, und Hermingild konnte nicht länger als Ketzer die Lilienfrau kränken.
Er trank aus den Händen der frommen Ingunthis das Gift der Empörung, er wurde der Kirche gehorsamer Sohn und brach dem Vater und König die Treue.
Drei Jahre lang schlugen die gotischen Waffen im Zeichen des Kreuzes; aber Leovigilds Hand griff hart in die römischen Dornen: auf der Burg Osser gefangen, lag ihm der weinende Sohn zu Füßen, der um den Glauben der schönen Ingunthis in Bitterkeit kam.
Der König war stark und sein Herz stand nicht still, das Blut seiner Väter zu bitten; aber der Sohn trug die Krone der Lilienstirn stolz und beharrlich, bis ihm das Beil des Gerichts den Sühnetag seiner himmlischen Leidenschaft brachte.
Da sangen die Messen, und um sein blutiges Haupt webte die Kirche den leuchtenden Kranz der heiligen Märtyrerkrone; Ingunthis aber die schöne floh fern über See.
Karl Martell
Der Wüstensturm kam und wehte die Glut gegen den Westen; der Halbmond stand über dem Morgenland, und mächtig wurde das Schwert des Kalifen an den südlichen Mittelmeerküsten.
Als Tarik ans Tor des Herkules kam, rief König Roderich den Heerbann der Westgoten auf; aber lässig lag das lustreiche Land, und längst war das Schwert Eurichs des Starken verrostet.
König Roderich fuhr in den Kampf mit acht weißen Zeltern; sieben Tage lang standen die Sänger bereit, den Sieg zu empfangen; aber am achten Tag war der König im Schilf des Flusses verschwunden.
Am Palmsonntag zog Tarik ein in Toledo; die Glocken klangen nicht mehr von den Türmen, arabische Rosse gingen die Straßen der gotischen Stadt, und auf der Königsburg wehte das grüne Tuch des Propheten.
Die Rosse stäubten die Straßen und fanden die Krippen der Ställe gefüllt; die Schiffe kamen und gingen am Herkulestor; unaufhörlich drangen die maurischen Scharen ins Westgotenland.
Abd ar-Rahmân kam, und die Furcht seines Wüstenvolks fiel über die Franken; aber Karl, der Hammer genannt und Hausmeier des Königs, hielt den Zermalmer Donars zur Hand, und als er ihn warf, zuckte der Blitz in die Wolke der Wüste.
Wie eine Mauer von Eis -- so heißt es -- standen die nordischen Männer in Muspilheims Feuer, der Halbmond brannte zu Asche, und hoch in den Himmel ragte das Kreuz, als Karl Martell, das ist der Hammer, die Wüstengefahr bannte.
Pipin der Kleine
Hausmeier hießen die Franken den Kanzler des Königs; seinen Hammer hob Karl in Theuderichs Namen; aber der König war nur der Siegelring seiner Hand, und als ihm Theuderich starb, ließ er den Thron und die Krone leer im Palast und ritt allein auf das Maifeld.
Auch ließ er das Reich seinen Söhnen, als ob es sein eigenes wäre; er ließ es stark und gerundet und hatte den neidischen Groll der Großen zerschlagen mit seinem Hammer.