Die dreizehn Bücher der deutschen Seele

Part 17

Chapter 173,788 wordsPublic domain

Sie nannten sich Reformierte und achteten streng, daß ihrer Christengemeinschaft nichts beigemischt sei, was nicht in der heiligen Schrift als Gottes Gebot stände.

So war es in Genf, in Zürich und Bern, in Basel und Straßburg; aber die Männer in Wittenberg blieben mit Eifer lutherisch; hatte der Meister mit großen Worten gepoltert, so zankten seine Gesellen.

Melanchthon in seinem ermatteten Alter wollte die Geister versöhnen, aber sie schalten ihn lau; als er dahinging in bitterer Klage über die geistliche Zanksucht, schied das Bekenntnis die Streitlager der Protestanten für immer.

Calvinisch hießen die einen, lutherisch die andern, und hätten sich eher Ketzer geschmäht, als daß sie die Bruderhand fanden.

Die aber im Gnadenbereich der römisch-katholischen Kirchengewalt blieben, hielten das dritte Konzil in Trient, Kirchenverderbnis und Ketzerei miteins auszurotten; und wie der Hund die verlaufene Herde umbellt, so kamen die Jünger Jesu ins Reich, den Streit nach ihrer Weise zu schlichten.

Die spanische Hand

Maximilians einziger Sohn, Philipp der Schöne genannt, war spanischer König geworden: mit Karl, seinem bläßlichen Sohn, kam das Schlingseil der habsburgischen Hausmacht zurück und wollte das Abendland binden.

Als ob noch einmal die alte Kaisermacht wäre, trug der spanische Jüngling die Kronen Europas, eifrige Lobredner sangen den Ruhm seines Reiches, darin die Sonne nicht unterging.

Denn seiner Macht hatte der Westen das Wundertor aufgeschlossen: die alte Welt hatte die neue entdeckt, und Spanien münzte das Gold aus, das Columbus, der kühne Seefahrer, fand.

Das Märchen der indischen Goldländer trat in den spanischen Tag ein; unübersehbaren Reichtum brachten die Schiffe herüber, als Ferdinand Cortez mit seinen Soldaten ins Sonnenland Mexiko kam.

Wie Wölfe brachen die eisernen Männer des Abendlandes ein in das Weideland friedlicher Völker, das Goldfieber brannte die Herzen der Christenheit leer; Europa, das Raubtier, begann der Welt seine Krallen zu zeigen.

Aber die Kirche wußte die Krallen zu nützen, ihr wuchs aus dem Gold die spanische Hand, dem evangelischen Aufruhr der Völker den Nacken zu beugen.

Karl, der letzte Schirmherr der Kirche, entfachte noch einmal den Kampf um die Stärke, als sich der Papst dem König von Frankreich gegen den Kaiser verband; er ließ das Gelüst seiner Landsknechte gehen, und wie seit Geiserich nicht mehr, wurde die ewige Stadt gebrannt und geplündert.

Aber Philipp der Zweite, sein Sohn, war nur noch spanischer König, kein Schirmherr der Kirche, nur noch ihr grausam gehorsamer Diener; wo der spanische Hut kam, hatte das Gold der Neuen Welt auch die spanische Hand stark gemacht, im Dienste der Kirche zu reiten.

Die Geusen

Wo das geteilte Gewässer des Rheins durch Sand und Sümpfe mühsam ins Meer sucht, von Friesland hinüber bis Flandern, hatten sich Friesen und Flamen ein breites Dasein gebaut, mit Häfen und Städten im Niederland, und wurden die lachenden Erben der Hansa.

Karl der kühne Burgunder hatte die Länder mit eisernen Fäusten gehalten und Max der Habsburger war nach der reichen Mitgift geritten; Karl seinem spanischen Enkel waren sie schon das Land seiner Herkunft; Philipp der Zweite ließ sie durch seine Schwester als spanisches Erbland regieren.

Aber das Niederland hing der calvinischen Lehre mit Eifer und Zuversicht an; als die spanische Hand durch strenge Edikte die Ketzer ausrotten wollte, schwuren die Edlen des Landes zu Breda den Bund, mit ihrem Blut dem schändlichen Brauch der Ketzergerichte zu trotzen.

Die Geusen hießen sie bald, weil sie als spöttisches Zeichen den Bettelsack trugen; noch brauchten sie keine Gewalt, aber das flämische Volk, zu trunkenen Taten geneigt, ließ seinen Zorn an den Bildern der Kirche wüst und lästerlich aus.

Den Aufruhr zu dämpfen, sandte der König den finsteren Alba ins Niederland; da mußten die Grafen Egmond und Hoorn zuerst auf den Block.

Sie kamen, den Herzog von Alba zu grüßen, und glaubten als Ritter des goldenen Vlieses vor Unbill geschützt zu sein; aber der Finstere fing sie mit lächelnder List: sie waren die Sprecher des Volkes gewesen und mußten den leichtgläubigen Mut unter dem Henkerbeil büßen.

Und Tausende folgten den edlen Herrn, der Blutrat des Herzogs kam über das Land, und die Wehklage wollte nicht enden; zum andernmal konnten die Hunde des Herrn das große Ketzergericht halten, wie es vorzeiten den Stedinger Bauern in Friesland geschah.

Aber das Leid hob aus der Tiefe des Volkes die rächende Hand: aus der Verborgenheit kamen und in die Verborgenheit schwanden die Geusen, dazwischen war eine kühne Tat und eine blutige Rache.

Sie trugen ihr graues Gewand und kamen auf flinken Schiffen; wo die spanische Hand schwach war, stach ihr Dolch zu, und wo sie stark wurde, verschwand er; sie waren die mutige Seele des Volkes, das sich aus weichlichem Wohlstand, durch Schande und Schrecken tollkühn erhob.

Noch war es kein Krieg, bis Wilhelm von Nassau, der schweigsame Oranier, wieder ins Land kam; klüger als seine Freunde Egmond und Hoorn, war er dem Herzog nicht leichtfertig ins Garn gegangen; nun brachte er Kriegsvolk, den Geusen zu helfen.

Die Geusen erkannten ihn gern; und ob das launische Glück im blutigen Schicksal hin- und herüber sprang, der Schatten des Herzogs wich langsam zurück, bis er verdrossen die Länder verließ.

Aber die spanische Hand blieb im Land, und Wilhelm der schweigsame Held wurde grau in den Schlachten; er kannte nicht Übermut und Verzagtheit, er war die stete Geduld und der unbeugsame Wille: als er im sechzehnten Jahr des nimmersatten Krieges durch Mörderhand fiel, waren Holland, Seeland, Utrecht und Friesland befreit.

Moritz, der Sohn des Oraniers, nahm das Schwert auf und wurde nicht matt; wie sein schweigender Vater ein Meister der Staatskunst, war er ein Meister des Krieges: gegen die spanische Übermacht hob er den Ruhm seiner Schlachten.

Als Philipp hinsiechte und starb, war die spanische Weltmacht verronnen mit all ihrem Gold aus der Neuen Welt, nur um die Länder der Maas ging immer noch Krieg, und wie eine Seuche fraß das Mordwerk der Geusen den spanischen Widerstand leer.

Kaum einer noch lebte von denen, die ihn begannen; und wie eine Sage erzählten die Greise von glücklichen Zeiten, da Frieden im Niederland war.

Im zweiundvierzigsten Jahr, daß Alba der finstere Herzog ins Niederland kam, sanken die spanischen Waffen; sie hielten Flandern und das brabantische Land, aber die sieben Provinzen nördlich der Maas hatten die Freiheit errungen.

Durch die spanische Hand ging dem Reich uraltes Stammland verloren: an der Mündung wie an den Quellen des Rheins saßen nun freie Völker, indessen die Fürstengeschlechter im Reich einander das Futter abfraßen.

Donauwörth

Im Niederland hatten die Ketzer gesiegt, im Reich war die Kirche wie Schnee im Frühjahr geschwunden; aber die Jünger Jesu warfen den Samen nicht in den Wind: schon stand die heimliche Saat dicht vor der Ernte, als Max, der bayrische Herzog, zu Donauwörth den ersten Wagen in seine Scheuer einbrachte.

Eine Reichsstadt war Donauwörth, und die Bürgerschaft hatte längst ihren Tag in die deutsche Predigt gestellt; nur der Abt zum heiligen Kreuz hielt das Kloster der Benediktiner, dicht vor der Stadt.

Aber nach Dillingen war es nicht weit, wo die Jesuiten ihre deutsche Pflanzschule hatten; die Nachbarschaft stärkte dem Abt den katholischen Rücken, und was das Kloster seit Jahren nicht wagte, den prunkvollen Umzug der Kirche begann es nun wieder.

Sie trugen die Fahne zuerst nur gerollt und mieden die Straßen am Markt, aber der Eifer von Dillingen wetzte den Mut und die Hoffnung auf stärkeren Beistand: die Fahne des heiligen Kreuzes entrollt, mit vollem Gepränge und lautem Gesang, so kamen die Mönche in die Straßen der evangelischen Stadt.

Wie sie vor Zeiten mit frommer Fröhlichkeit taten, geschah es nun wieder; doch knieten die Männer und Frauen nicht mehr, wo sie kamen: mit grollenden Mienen sahen sie längst verspottetes Tun ihr Tagwerk durchkreuzen, vergessener Zorn eiferte los und fuhr mit Fäusten darein.

Es war kein Bauernkrieg mehr, es war nur ein böser Tumult in den Gassen, zornige Männer und hitzige Mönche balgten sich um die Fetzen der Fahne, indessen die Frauen und Kinder erschrocken den letzten Gesang überschrieen.

Kein Landesfürst galt in der Reichsstadt seit zweihundertfünfzig Jahren, ihr einziger Herr war der Kaiser; aber die Jesuiten in Dillingen wiesen dem Abt vom heiligen Kreuz die Wege nach Prag.

Da kannten sie längst die heimlichen Türen und wußten das Ohr des lichtscheuen Kaisers rascher zu finden als seine Bürger: so wurden die Frevler geächtet, und Max, der Herzog von Bayern, zog eilig heran, den Spruch zu vollstrecken.

Die Stadt gehörte zum schwäbischen Bund, aber der Herzog lachte dazu: sie sollten ihm erst die Batzen bezahlen für all sein bemühtes Kriegsvolk!

Er hatte den lang begehrten Vogel gefangen und tat den Käfig nicht wieder auf; Rudolf, der lichtscheue Kaiser in Prag, sah nach den Sternen.

Da wurden die Städte und Fürsten gewahr, daß ein anderer Wind wehte, was heute einem geschah, konnte morgen manchen geschehen: calvinisch oder lutherisch war gleich vor der römischen Kirche, die drohend den Arm hob, sie alle als Ketzer zu treffen.

Sie ließen der Kanzel den Predigerzank, aber die Schwerter schlossen den evangelischen Bund der Fürsten und Städte, einander die Freiheit des Glaubens zu halten.

So stand der bayrische Herzog allein vor den Herren von Hessen und Sachsen, Brandenburg und der mächtigen Pfalz, und der Kaiser in Prag sah nach den Sternen; da rief er die geistlichen Kurfürsten auf, das katholische Schwert gegen den Bund der Ketzer zu schärfen.

Union und Liga hießen die Bünde des kommenden Streites: sie ballten die Mächte gegeneinander, sie teilten das Reich und das Volk und lagen als drohende Wolken des Unheils über dem deutschen Land, bereit, das Gewitter zu bringen.

Der Schwur von Loreto

Im selben Jahr, da Philipp von Spanien starb, tat vor dem heiligen Haus in Loreto ein Habsburger Jüngling den Schwur: mit Gefahr seines Lebens jegliche Ketzer aus seinem Land zu vertreiben.

Er war ein Vetter des Kaisers und regierte in Graz den südlichen Teil der habsburgischen Länder; weil aber Rudolf, der Kaiser in Prag, samt seinem Bruder Matthias kinderlos war, reiften die Kronen der Vettern ihm zu.

So hob sein Schwur der katholischen Kirche das Schwert wieder auf, das Philipp sterbend hinlegen mußte; die Jünger Jesu hatten gesorgt, daß die Schneide gehärtet, daß der Habsburger Hochmut zum andernmal mit der Inbrunst der Kirche gestärkt war.

Wo der Schwur Ferdinands galt, deckte er Duldung und Frieden zu; als ihm sein Vetter Matthias die böhmische Krone abtrat, war sein Erbland gereinigt: Gut oder Glauben, hatte sein Schwert die Untertanen gefragt, und die den Glauben der Bibel wählten, waren aus ihrer Heimat vertrieben.

Aber die Böhmen hatten von Rudolf den Freibrief ertrotzt, zu glauben, zu predigen und Kirchen zu bauen, wie ihre Lehre gebot; Matthias mußte danach den Freibrief beschwören, auch Ferdinand sollte ihm Siegel und Unterschrift geben.

Er hatte die Jünger Jesu gefragt, ob er mit gutem Gewissen bestätigen könnte, was er gleichwohl nicht zu halten gedächte: sie sagten ihm Ja, und Ferdinand gab dem Freibrief Siegel und Unterschrift wie seine Vettern.

Als dann in Braunau und Klostergrab Kirchen gebaut wurden, hieß er sie schließen; darüber ergrimmten die böhmischen Herren in Prag und kamen hadernd ins Schloß, wo die Räte des Kaisers Matthias als Statthalter saßen.

Sie warfen die Räte samt ihrem Schreiber zum Fenster hinaus, sie riefen das böhmische Land auf und rafften ein Heer, gleich ihren hussitischen Vätern meineidige Kaisergewalt durch ein Volksgericht zu begleichen.

Sie standen vor Wien, als Kaiser Matthias starb und Ferdinand Hausherr der Habsburger wurde; schon hatten die Läufer den Aufruhr in seine Länder getragen: kaum daß er vermochte, nach Frankfurt zu fahren, die deutsche Krone zu holen.

Die Kurfürsten hatten die Wahl getätigt und standen im Dom, den Kaiser nach altem Brauch auf den Altar zu heben, als ein Reiter aus Prag die Absetzung brachte; die böhmischen Stände hätten statt seiner den Pfalzgrafen Friedrich als König gewählt.

Ein Stück aus dem Domgebälk brach nieder neben dem Altar, fast hätte sein Sturz den Kaiser erschlagen; die Furcht kommenden Unheils fiel in das drängende Volk.

Der Winterkönig

Noch war der mächtige Herzog von Bayern Schwertherr der Liga, nicht Kurfürst, und Ferdinand mußte von Frankfurt nach München; auch war es eher ein Bittgang, denn daß er als Kaiser befahl.

Aber was beiden zunutz war, mußte geschehen: indessen Friedrich der Pfalzgraf mit seinem Hoflager nach Prag fuhr, einen Winter lang König zu spielen, rüstete Max der Herzog im Namen der Liga ein mächtiges Heer, und als es Sommer war nach dem Winter, stand er in Böhmen.

Da hatte Friedrich, der pfalzgräfische König, mehr an die Pracht seiner Kleider denn an die Waffen gedacht; auch waren die pfälzischen Prediger eifrig gewesen, die Böhmen calvinisch zu machen.

Sie hatten die Kirchen geräumt und die Wände gesäubert, sie hatten aus Prag ein neues Streitlager gemacht, den Götzendienst der Lutherischen selbstgerecht zu verdammen.

Schon stand der Feind dicht vor der Stadt, als endlich das böhmische Heer in nasser Novembernacht auszog: am weißen Berge bei Prag wurde es grausam geschlagen, in einer Mittagsstunde zerrann dem Winterkönig sein Glück.

Er saß nach pfälzischer Sitte zu Tisch, indessen ihm Tilly, der Feldherr der Liga, das Schwert aus der Hand und die böhmische Krone vom Kopf schlug; nun raffte er eilig das Seine und ging auf die Flucht, sein unrühmliches Leben zu retten.

So hatte der Habsburger wieder das seine, die böhmischen Bürger und Bauern mußten den Herren in Prag die falsche Königswahl büßen.

Der Kaiser nahm den böhmischen Freibrief und zerschnitt ihn mit eigener Hand; wie ein Gärtner die Knechte ausschickt, Unkraut zu jäten, so sandte der Orden Jesu die spanischen Hüte ins böhmische Land und in alle österreichischen Länder.

Gut oder Glauben, so hieß noch immer die Frage des Schwertes: Tausend und Tausende wählten den Glauben, ließen die Heimat und ließen das Haus ihrer Väter, das Land der Verheißung zu finden; aber auf Erden war es die Fremde und bittere Armut.

Der Schild und das Schwert der katholischen Liga stand vor dem Kaiser, und hinter ihm hob sich der römische Schatten: Glück und Ende des Winterkönigs in Prag war nur der spöttische Anfang, nun kam der Ernst über Deutschland und wollte zum bitteren Ende.

Die Pfalz

Der mächtige Herzog von Bayern hatte dem Kaiser das Schwert nicht eher geliehen, als bis er den Lohn kannte: die Pfalz fiel ihm zu mit dem Kurhut, und spanisches Kriegsvolk mußte ihm helfen, daß er das Pfand in der Hand hielt. Spanisches Kriegsvolk und englische Söldner rissen einander die Dörfer und Städte der Pfalz aus den Händen; denn Friedrich der Pfalzgraf war Eidam des englischen Königs: England und Spanien brachten den eigenen Machthandel über die Pfalz.

Indessen der Winterkönig geächtet, der böhmischen Krone wie seines Kurhutes verlustig, sein törichtes Leben in Holland hinbrachte, rief englisches Gold dem bösen Krieg die Klopffechter auf.

Den tollen Mansfeld hießen sie ihn, der mit allerlei Volk den verlorenen Krieg durch die deutschen Landschaften schleppte; Freund oder Feind, sie mußten ihn nähren; wo er von dannen zog, hatte die eiserne Faust manches gerafft und vieles zerstört.

Als seine Haufen herzogen, von Tilly verfolgt, als sie den Tanz des Krieges begannen mit listigen Sprüngen, einander suchend einander auswichen und auf den Überfall lauernd Dörfer und Städte brandschatzten: bekam auch die Pfalz den böhmischen Winter zu schmecken.

Und blutiger Schwertschlag wurde der Tanz, als Christian, Prinz von Braunschweig, seine wilden Gesellen dem tollen Mansfeld beibrachte; seit Sickingen hatten die Landesgewalten nicht mehr einen solchen Verächter erfahren.

Er war noch ein Jüngling und hatte nach längst verschollener Sitte die Winterkönigin zur Herrin erkoren; er trug ihren Handschuh am Helm; alles für Gott und für sie, stand auf den Fahnen.

Zu Paderborn fand er im Dom zwölf Silberapostel, er prägte Taler daraus und hieß sie in alle Welt hingehen: Gottes Freund und der Pfaffen Feind, stand auf den Talern; und wer nicht für ihn war, war wider ihn.

Sie hätten dem Winterkönig sein Land bis zur Hölle gehalten, er selber aber entließ sie; so wurde die Pfalz frei von der Plage, so wurde die Fackel des Krieges nach Norden getragen, wo sie von neuem lichterloh brannte, weil danach der König von Dänemark antrat, sein Klopffechterglück zu versuchen.

Die Pfalz wurde frei von der Plage, aber nun kam der bayrische Herzog mit Eifer und Strenge, das calvinische Land wieder katholisch zu machen.

Wallenstein

Der Schwur von Loreto hatte dem Habsburger Erbland gegolten; über die Pfalz kam er ins Reich, und Ferdinand wollte noch einmal Schirmherr der Christenheit heißen.

Aber das Reich der Habsburger war nicht mehr die Kaiserstandarte über den Völkern; Frankreich und England hielten ihm seine Tore im Westen gesperrt, im Osten drohten die Türken.

Kein Maifeld am Rhein stellte die Heerschilde auf um den Kaiser, daß er den Bogen der Stärke über das Abendland spannte: Ferdinand war in der Hofburg zu Wien das Flackerlicht seiner Mönche.

Da saß die Spinne im Netz, die Ketzer zu fangen, aber die Fäden hatte die Liga gespannt: der mächtige Herzog in Bayern gebot, und Ferdinand mußt ihm seine Dienste teuer bezahlen.

Als darum Wallenstein kam, dem Kaiser ein eigenes Heer anzubieten, gab er dem düsteren Mann gern eine Vollmacht, sich von dem Herzog zu lösen.

Es war ein böhmischer Edelmann ärmlicher Herkunft, aber er hatte im Dienst des Kaisers reiche Güter in Böhmen erlistet, war Graf und Fürst seiner Herrschaft Friedland geworden und galt als guter Soldat, der seinen Söldnern reichen Raub gönnte.

Als seine Trommel im Reich scholl, reicheres Werbegeld und reichere Beute verheißend, lief das Kriegsvolk ihm zu; bald stand dem Kaiser ein Heer zu Feld, stärker als das aller Fürsten.

Da mußte der stolze König der Dänen auf seine Insel entweichen, da wurde der tolle Mansfeld gejagt wie ein Wild bis nach Ungarn, da konnte der Pfaffenfeind mit dem Handschuh der Königin keine Silbertaler mehr prägen.

Da wurde die Hofburg Herr über den Bund der evangelischen Fürsten, da kam die römische Hand und strich ein halbes Jahrhundert und mehr aus dem Dasein des Reiches.

Die Bischöfe kehrten zurück in den Besitz ihrer weltlichen Macht; alles, was einmal Kirchengut war, mußten die Fürsten und Städte der römischen Hand überlassen.

Der Schwur von Loreto hatte der Kirche die Fäden von neuem gespannt; die Jünger Jesu standen bereit, den letzten Fang zu beginnen.

Stralsund

Was nicht mehr gewesen war, wurde durch Wallenstein wahr: der Kaiser hielt wieder die Macht über die Fürsten; aber der Kaiser saß in der Hofburg zu Wien, und der das Schwert führte im Namen des Kaisers, war seine eigene Stärke.

Er hieß nun Herzog von Friedland und nannte Mecklenburg sein; ihn schierten die Händel der Geistlichen nicht und nicht die Sorgen der Kirche, er ging den Schritt der Gewalt und wollte ein anderes Reich als das der Pfaffen und Fürsten.

Stärker als alle Kurfürstenmacht war einmal die Hansa gewesen: nun wollte der Kaiser die Hansa bedeuten, ihm sollten auch wieder die Städte und Häfen der Ostsee gehören, und die im Norden selbstherrlich Könige hießen, sollten in seiner Pflicht sein.

Er legte in alle Häfen Besatzung, den Norden zu zwingen; aber Stralsund war der Schlüssel, und Stralsund trotzte dem Herzog des Kaisers; als er die Insel Dänholm vor ihren Toren besetzte, wagten die Bürger den Handstreich und brachten sie wieder in ihre Hand.

Und wenn sie mit Ketten am Himmel hinge, sie müßte herunter! prahlte der Herzog; aber die Bürger von Stralsund hatten die Taten der Geusen vernommen: so hitzig sein Kriegsvolk die Wälle berannte, sie hielten ihm stand.

Denn der sonst hinter den Wällen der böseste Feind war, der Hunger konnte die Stadt nicht bezwingen; höhnisch vor seinen kurzen Kanonen gingen und kamen die schwedischen Schiffe, Brot und Waffen, Pulver und Kriegsvolk zu bringen.

Soviel die Wälle zu verbergen vermochten, warfen die Dänen und Schweden Truppen hinein; Stralsund war in Wahrheit der Schlüssel des Nordens, die Könige hielten dem Kaiser das Schloß mit dem Schlüssel gesperrt.

So ging dem Herzog von Friedland sein harter Schwur fehl; er hatte die Länder gekehrt mit eisernem Besen von Ungarn bis Jütland, er war über Fürsten und Völker mit seinem Kriegsvolk gekommen: an der kalten Meerküste mußte sein Stolz die Schranken erkennen; und wie es Alba geschah vor den Geusen, so wich der Schatten Wallensteins zurück vor Stralsund.

Das aber war zu der Zeit, da die Kurfürsten der Liga den Tag in Regensburg hielten: sie wollten den Hochmut des Herzogs nicht länger ertragen und zwangen den Kaiser, sich selber den starken Arm abzuschneiden.

Der Friedländer wäre mächtig genug gewesen, den Fürsten zu trotzen, aber Seni, sein Sterndeuter, hatte ihm andere Dinge geweissagt; so ging er mit lächelnder Miene nach Böhmen in seine stolze Verbannung, wartend des Tages, da sie zum andernmal seiner bedürften.

Denn schon war an der rügischen Küste der schwedische König erschienen, Kaiser und Kirche zum Trotz sein Schwert an die Bibel zu wagen.

Magdeburg

Lutherische Prinzen regierten seit langem die reiche Bischofsstadt an der Elbe, sie hießen Verweser und hatten der geistlichen Würde entsagt, die weltliche Macht zu behalten; aber der letzte Verweser, Christian Wilhelm von Brandenburg, wurde vom Kaiser geächtet: ein Bruder des Kaisers sollte wieder katholischer Erzbischof in der Ketzerstadt sein.

Kaum standen die Schweden in Pommern, so schlich sich der Prinz heimlich zurück in die Stadt und stärkte die Hoffnung der Bürger, daß nun die Tage der evangelischen Freiheit nach langer Bedrängnis anbrächen.

Als aber Tilly, der Feldherr der Liga, Botschaft bekam, zog er mit großer Kriegsmacht heran; die reiche Ketzerstadt an der Elbe sollte das Schwert des Kaisers erfahren, bevor ihr der König zu helfen vermöchte.

Da hatte der Prinz in Eile die Wälle gerüstet, und ein erfahrener Kriegsmann, Dietrich von Falkenberg, kam aus dem Lager der Schweden; denn Tilly war ein gewaltiger Feldherr mit Listen und raschen Zügen.

Indessen der Kurfürst von Brandenburg, sein bänglicher Schwager, dem schwedischen König verwehrte, durch seine Länder zu ziehen, zog Tilly den eisernen Ring um die Stadt immer enger; der Hunger fing an, ihm zu helfen, auch ging das Pulver aus für die Geschütze: ein wütender Sturm sollte Magdeburg zwingen.

Von allen Seiten liefen sie an, Feuerkugeln fuhren in glühenden Bogen, die Dächer zu zünden; schon stürzte ein Turm auf dem Wall, aber er legte sich nicht in den Graben, dem stürmenden Feind die Brücke zu bauen: die feurigen Krallen und eisernen Zähne konnten die Wälle nicht packen.

Da sollte die Kriegslist den letzten Trumpf wagen, bevor sie abzogen; ein Trompeter kam in die Stadt, den blutigen Streit zu begleichen: schon sah die Wacht auf den Wällen die Schanzen geräumt und glaubte die nahende Hand des Königs zu spüren.

Durch endlose Wachen ermüdet und froh der nahen Befreiung, ließen die Bürger die Wälle, endlich einmal zu schlafen: da drangen die Söldner Pappenheims ein und weckten die arglosen Schläfer.

Es war nur ein kurzes Erwachen: sie waren Rebellen und Ketzer, nun fiel das Schwert über sie her; Männer, Frauen und Kinder mußten mit ihrem Blut den Schwur von Loreto bezahlen.

Und über das Schwert kam das Feuer; seit Trojas und Jerusalems Fall -- frohlockte die Kunde nach Wien -- hatte die Welt kein Schauspiel wie dieses gesehen; drei Tage lang fraßen sich Mord und Brand satt in der Ketzerstadt, bis ihre blühende Breite ein Brandhaufen und Schindanger war.