Die dreizehn Bücher der deutschen Seele

Part 10

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Immer noch hielt der Streit der Belehnung die Kirche in Zorn; aber dem Papst wie dem Kaiser waren die deutschen Bischöfe zu mächtig, und heimlich wurden die Stricke geflochten, die mächtigen Hände zu binden.

Und so war die Lösung, die Kaiser und Papst in Heimlichkeit fanden: der Papst allein sollte Herr der Bischöfe sein, aber sie sollten der weltlichen Geltung im Reich des Kaisers entsagen, all ihr Lehensgut sollte wieder dem Reich und dem Kaiser gehören.

Das war die christliche Scheidung; sie teilte den Mächten das Reich, gab Gott und dem Kaiser, was Gott und dem Kaiser gehörte.

Als aber der Papst in Sankt Peter die heimliche Gleichung offenbar machte, da sprangen die Bischöfe auf im Tumult und zwangen den Papst und den Kaiser, den heimlichen Strick ihrer weltlichen Macht zu zerreißen.

Seitdem stand Heinrich der Fünfte nicht mehr in der Gunst der geistlichen Großen; sie wollten die Weltfürsten bleiben und zwischen dem Papst und dem Kaiser die eigenen Machthändel treiben: wie Heinrich der Fünfte den Vater verriet, so war er nun selber verraten.

Wilder denn je ging der Streit um die Macht, und die Vasallen saßen im Sattel das ganze Jahr; der Gottesfrieden ging unter im Lärm ihrer Schlachten, denn nun war kein Kaiser des Volkes mehr da, ihn zu halten.

Wohl lenkte Heinrich der Fünfte klüglich zurück in die Bahn seines Vaters; er ließ mit goldenen Lettern am Dom zu Speyer die Bürgerfreiheit ansagen: aber dem Finsteren blieb das Herz des Volkes verschlossen.

So kam in Würzburg der klägliche Tag für den Kaiser: hie Papst, hie Kaiser stand auf den Fahnen der Heere; aber die Fürsten stiegen vom Roß hüben und drüben, den Streit zu beenden und auf dem Streitfeld die Zelte der eigenen Herrschaft zu bauen.

Da wurde ein anderer Strick geflochten, Kaiser und Papst die Hände zu binden; da schrieben die Räte der Fürsten das Konkordat, das auf dem Reichstag zu Worms den Streit der Stärke zudeckte:

Der Papst belehnte den Bischof mit Ring und Stab als Zeichen der geistlichen Würde, der Kaiser gab ihm das Zepter als Zeichen der weltlichen Fürstengewalt.

Ein halbes Jahrhundert lang hatte der Streit dem Kaiser den Atem genommen, ein halbes Jahrhundert lang hatte das Feuer die Völker gebrannt, nun dämpften die Fürsten die glühende Asche.

Heinrich der Fünfte blieb er genannt, König der Deutschen und römischer Kaiser: wo seine Väter die Schutzherren waren, nahm er nun selber die Krone, Reichsapfel und Zepter als Lehen der Kurfürstengewalt.

Das Reich der Kaiser war tot; als die Bürger und Bauern Deutschland den Mantel des einigen Königtums brachten, riß ihn die Herrschsucht der Fürsten in Fetzen.

Die goldenen Tage der Kirche

Das Jahrhundert der salischen Herrschaft war aus, und wieder lagen die Heerschilde am Rhein, dem Reich einen König zu küren: hüben die Sachsen und Bayern, drüben die Franken und Schwaben.

Der mächtigste Fürst war Friedrich von Staufen, Herzog in Schwaben und Schwager Heinrichs des Fünften; er hatte die salischen Güter geerbt und war seiner Wahl sicher.

Aber die Kurfürsten hatten das Königtum nicht geschwächt, daß Friedrich von Staufen es wieder stärke; sie wußten den Wahlgang listig zu stören und hoben Lothar von Suplinburg auf den Schild, Herzog von Sachsen und Todfeind Heinrich des Fünften.

Sechzig Jahre war Lothar alt, als die geistlichen Großen dem Graukopf die Krone aufsetzten: als Söldner gekrönt, blieb er ihr williges Werkzeug; und als er ein schlohweißer Greis war, krönte der Papst ihn dem heiligen Norbert zuliebe als Kaiser.

Auch ließ er ein Bild malen, wie er dem König gnädig die Krone verlieh; und so war die stolze Legende: Vor die Tore Roms kommt der König, beschwört die Rechte der Stadt, wird Vasall des Papstes und empfängt von diesem die Krone.

Es waren die goldenen Tage der Kirche in Deutschland, da Lothar der Graukopf die Krone demütig und diensteifrig trug, da der König den heiligen Norbert von Xanten als Bischof nach Magdeburg rief.

Norbert der Bischof hatte als Mönch in Frankreich den Orden der Prämonstratenser gegründet und brannte in düsterer Inbrunst, der Kirche das kostbare Kleid und den Klöstern den weltlichen Wohlstand zu nehmen.

Gebet und Arbeit gab er den Mönchen wieder zur Hand, daß sie -- wie Cluny es lehrte -- Werkstätten des frommen Fleißes und Zunfthäuser der Kirchenzucht würden, statt üppige Pfründen der Weltlust zu sein.

Zum andernmal schlugen die Mönche die Standlager entsagungsvoller Mühsal auf in den neblichten Wäldern; wo eine Wiese war, wuchsen die weißen Gebäude; Gärten, von Mauern gegürtet, und Feldergebreite drängten hinein in das weglose Dickicht.

Die grauen Zisterzienser wetteiferten treulich mit den weißen Prämonstratensern und wußten zierliches Maßwerk zu bauen; vom Rhein hinüber weit in den Osten und hoch hinein in den Norden trugen sie Kreuz und Kelle und mehrten das Kirchenland.

Und was die Mönche begannen, brachten die Bauern zu Ende; uraltes Hofrecht wurde lebendig, neue Weide zu schaffen; fleißige Rodung gewann aus den neblichten Wäldern die Sonnenplätze der Dörfer.

Es waren die goldenen Tage der Kirche in Deutschland, als die grauen Mönche die schwarzen ablösten, als sie den himmlischen Gärten die irdischen Vorwerke bauten, als sie im Eifer nützlicher Arbeit und frommen Gebetes den Prunkmantel römischer Herkunft vergaßen.

Der heilige Bernhard

Als Lothar, der greise Dienstmann der Kirche, verschied, stand Heinrich der Stolze, sein Eidam, Herzog von Bayern und Sachsen, der Krone am nächsten; um Pfingsten sollte die Wahl sein.

Alberto aber, der hitzige Bischof von Trier, wollte nicht leiden, daß wieder ein mächtiger König die goldenen Tafeln der Kirche zerbräche; er gab die Krone Konrad von Staufen als Ostergeschenk, da brauchten die Heerschilde nicht auf das Pfingstfest zu reiten.

Konrad, der Dritte genannt, war Kriegsmann und nannte geringe Erbschaft in Franken sein Eigen, da seinem Bruder Friedrich von Staufen das Herzogtum Schwaben gehörte; er mußte der Kirche willfährig sein gegen die Macht Heinrichs des Stolzen.

Aber die Kirche war nicht mehr das römische Reich; der Papst saß bedrängt in Sankt Peter, indessen Bernhard, der Mönch von Clairvaux, die Christenheit lenkte.

Ein neuer Apostel hielt wieder das Kreuz, von Wundersagen umdichtet: in der Macht seiner Rede ein Paulus, und ein Prophet, wie Jesaias war.

Der Stern von Bethlehem stand neu über dem Abendland: wie er den Weisen aus Morgenland schien, so glühten die Mönche im Licht der neuen Verheißung.

Der Tag der Verheißung brach in der Wirklichkeit an und war kein Weltuntergang mehr, weil nun Maria die Königin hieß; ihr hielten die Mönche den Himmel gespannt mit den Schnüren brünstiger Liebesgewalt.

Und weil es das Abendland wollte, sollte das Morgenland wieder die irdische Heimat der christlichen Menschheit werden: Maria hatte den Heerbann befohlen, sie würde -- so war es den Mönchen verheißen -- die siegreiche Weltkönigin sein.

Weihnachten war im Dom zu Speyer, als Bernhard dem König die Kreuzpredigt hielt: wie Moses den Quell, zwang sein gewaltiges Wort den Schwur aus den Seelen; das Volk weinte in seliger Lust, als Konrad, der Kriegsmann der Kirche, knieend die Fahne der Himmelskönigin nahm.

Nie war die Lust auf den irdischen Straßen so selig gegangen, nie hatte die Sehnsucht der Seelen so brünstig gebrannt, nie hatte das Kreuz so glühend gelockt wie nun auf den Fahnen, da sich das Abendland aufhob, das Morgenland zu befreien.

Vom Abendland aber zum Morgenland ging der Weg weit über Byzanz und über Nicäa hinauf in die Steinwüsten der Türken: gewaltig waren die Ritter gerüstet zur Schlacht, aber der Troß war zu groß, sich in der Wüste zu nähren.

Als der Durst nicht aufhörte, Roß und Reiter zu plagen, als die Glut der Steine das Leder zu dörren begann, als in den Nächten der Fieberdurst kam, als Seuche und Not den gepanzerten Lindwurm des Abendlandes fraßen, siegte grausam das Morgenland.

Die Wespen der türkischen Reiter fielen in Schwärmen über den schwerfälligen Leib und stachen ihn zornig zu Tode; ein Leichenfeld wurde die Straße von Doryläum zurück nach Nicäa: die Himmelskönigin hatte die Ihren verlassen, nur wenige sahen das Meer wieder.

Ein Klageschrei irrte ins Abendland heim, wie seinen Ohren noch keiner geklungen war: die Ritterblüte der Länder lag in der Wüste verdorrt, das Wunder hatte gelogen.

Das Wahnreich der Mönche sank hin; aus den Trümmern der himmlischen Herrlichkeit hob sich der grimmige Zweifel der Erde.

Heinrich der Löwe

Indessen der Kirche in Deutschland die goldenen Tafeln zerbrachen, weil sie den Berg der Verheißung nicht fand, war ihr der zäheste Gegner gewachsen.

Heinrich den Stolzen hießen sie seinen Vater, Herzog in Bayern und Sachsen, der Konrad dem Staufer die kärgliche Geltung bestritt; stolz war auch der Sohn, aber sein Stolz hielt der Stärke die Hand.

Er war noch ein Knabe, als Konrad, den staufischen König, der Tod Heinrichs des Stolzen aus schwerer Bedrängnis befreite; aber der Knabe war früh bei der Hand, die reiche Erbschaft zu halten.

Als Heinrich Jasomirgott mit seiner Mutter das Herzogtum Bayern bekam, ging er grollend nach Sachsen, weil er dem Stiefvater nicht die Hand seiner Mutter, wohl aber das Land seiner Väter bestritt.

Zum andernmal hielt ein Knabe und Jüngling den sächsischen Hof, aber nun war es der eigene Herzog, kein landfremder König; stark wie zur Zeit der Ottonen wuchs die sächsische Mauer um ihn.

So stark war die sächsische Mauer, daß Heinrich dem Kreuzzug des heiligen Bernhard ausweichen konnte, statt in das Morgenland gegen die näheren Feinde im Osten, die Wenden, zu ziehen.

Als Konrad wiederkam mit dem kläglichen Rest seiner Macht, war Heinrich im Haushalt des Reiches stark und selbstherrlich geworden; Kirchen- und Königsmacht fanden die sächsische Grenze gesperrt.

Noch war Heinrich ein Jüngling, aber schon hieß er der Löwe, und wo er die Tatze hinlegte, hob sich nicht leicht eine Hand, ihn zu stören: die Grafen und geistlichen Großen im Sachsenland mußten sich fügen, wie es der mächtige Landesherr wollte.

Aber er war kein Gewaltherr der Willkür; im sächsischen Weistum waren die Wurzeln des uralten Rechts sorgsam bewahrt, auf dem heiligen Boden der Herkunft standen Wahrspruch und Richtschwert; Heinrich der Herzog war Richter und Hüter, wie es die Herkunft gebot.

Er ließ der Kirche das Amt ihrer geistlichen Sendung, aber der Bischofsmacht hielt er die Zügel; und als er Lübeck neu baute, gab er der Stadt einen Bischof, ihre Geltung zu mehren, aber auch einen Rat, im Namen des Herzogs sich selbst zu verwalten.

Er machte die Herkunft lebendig und zerbrach den Deckel lateinischer Bildung: er war ein deutscher Fürst und ließ der Kirche das Morgenland, dem König die römischen Händel, weil er im eigenen Bienenstock die Waben des sächsischen Wohlstands baute.

Und als dem welfischen Löwen der staufische Vetter und Freund seiner Jugend, Friedrich der Rotbart, im Alter das Rückgrat zerbrach, blieben Dank und Liebe der deutschen Seele in Liedern und Sagen lebendig, sein trotziges Standbild mit Efeu und wilden Rosen umrankend.

Friedrich von Schwaben

Konrad, der klägliche Staufer, war tot, und Heinrich der Löwe saß im Sattel der sächsischen Stärke, da waren die geistlichen Großen in Not; sie mußten, dem Welfen zu wehren, den Einzigen wählen, der seiner Macht widerstand: Friedrich, den jungen Herzog von Schwaben.

Judith, die Schwester Heinrichs des Stolzen von Bayern, war seine Mutter gewesen; staufisch- und welfischen Blutes gleichviel, stand er mitten im Streit der Geschlechter.

Er hielt seinen ersten Hoftag in Sachsen, auch sprach er dem Vetter und Freund die bayrische Erbschaft zu; denn Gertrud die Mutter des Löwen war tot, und Heinrich stand mit dem Schwert in der Hand gegen Jasomirgott, sein Recht und sein Land von dem Stiefvater einzufordern.

So blieb der Staufer klüglich im Schatten des Starken, und niemand im Reich konnte wagen, dem Bund der beiden zu trotzen; Rom aber mußte erfahren, daß Friedrich von Schwaben ein fleißiger Schüler des Löwen war.

Der verhaßten Kaisermacht ledig, hatte der Papst den Hochmut der römischen Bürger erfahren: von seinem Stuhl in Sankt Peter vertrieben, von der normännischen Hilfe übel bedrängt, rief er von neuem den Schirmherrn der Kirche.

Friedrich von Schwaben eilte nicht sehr, dem Bedrängten zu helfen; als er mit Heinrich dem Löwen endlich die Alpenfahrt machte, lockte lombardischer Reichtum ihn mehr als das Salböl des Papstes.

Er sah im fruchtbaren Herbst die reichen Felder gebreitet, er sah die blühenden Städte im Kranz ihrer Gärten, er sah die Schiffe und Wagen der Kaufleute fahren und sah sie wohnen im Reichtum.

So wurde nach sechshundert Jahren in einem Staufer der Traum Alboins wach, das lombardische Land als Wiege der Macht zu besitzen: statt Wanderkaiser der Deutschen Italiens Schwertherr zu sein.

Aber die Wiege war wehrhaft geworden, seit Alboin in der Burg Dietrichs von Bern sein lachendes Siegesmahl hielt; trotzig standen die Städte der Lombardei, mauerumgürtet, und Mailand, die mächtige, war ihre starke Bastei.

Friedrich der Staufer nahm die lombardische Krone; die stolzen Geschlechter von Mailand mußten sich seiner Schwertgewalt beugen; er dämpfte den Aufruhr der Römer und ließ sich von Hadrian krönen: aber die Schar seiner Ritter reichte nicht aus, das Abenteuer zu halten.

Schon stand sein Rückweg gefährlich -- Otto von Wittelsbach brach die gesperrte Etschklause auf -- und kaum war der letzte Hufschlag verschollen, da schlossen die Städte um Mailand den Bund ihrer Freiheit, und Rom sandte heimliche Botschaft.

Barbarossa

Als Friedrich der Rotbart zum andernmal kam, hatte sein Kanzler Rainald von Dassel -- der listig gewaltige Mann -- das Reichsheer reisig gemacht; aus allen Pässen kam es herab in die ronkalischen Felder: das Abenteuer des Staufers war eine Heerfahrt des Kaisers geworden.

Wie Karl die Sachsen mit Krieg überzog, brach der Staufer ein ins lombardische Land; und wie sich der Sachsentrotz wehrte bis zur Vernichtung, so ungebeugt hoben die Städte aus Blut und Brand das Banner der Freiheit.

Einmal war Mailand gestäupt und die Bürger der Stadt mußten im Hemd zum Büßergang kommen, ein bloßes Schwert auf dem Nacken; einmal war Mailand zerstört, wie Jerusalem war, da Titus die Juden wegführte.

Einmal stand Friedrich der Rotbart als Sieger vor Rom, Alexander den Papst zu verbannen; einmal fraß ihm das Fieber sein Heer -- auch Rainald von Dassel, den listig gewaltigen Kanzler -- daß er nur in böser Gefahr den Rückweg nach Deutschland gewann; einmal war er so grausam geschlagen, daß er den Schild und die Fahne verlor, und von den Seinen vermißt war.

Aber er stand wieder auf, und was sein Schwert nicht vermochte, mußte die List ihm gewinnen: den lombardischen Städtebund um den Sieg zu betrügen, beugte er sich vor der mächtigen Hand Alexanders.

Sein Rotbart war grau und das lombardische Land eine Wüste geworden, als ihm der Tag von Venedig endlich den Frieden einbrachte: er mußte den Städten vielerlei Freiheit beschwören, aber sie nahmen den Staufer an aus der Hand des Papstes als ihren Kaiser und Herrn.

So war er reich und mächtig geworden, der arm und im Schatten des Starken sein Abenteuer begann; als er im Schatten der Kirche endlich gewann, stand Heinrich der Löwe allein in der Sonne: da war die Freundschaft zerbrochen.

Wie die lombardischen Städte gegen den Staufer, so hatten die deutschen Bischöfe den Bund gegen den Herzog von Sachsen und Bayern beschworen; nun hatte der Staufer den Schatten gewechselt: so kam ihre Stunde.

In der staufischen Pfalz zu Gelnhausen wurde die Haut des welfischen Löwen verteilt, und die Bischöfe nahmen sich reichlich; der letzte Herzog der Deutschen wurde verbannt, das letzte Stammland zerstückelt.

So machte Friedrich von Staufen das mißglückte Königtum Heinrichs des Vierten wahr, aber die Burg seiner Macht stand jenseits der Alpen, das Reich war verraten.

Barbarossa war nun der Rotbart genannt, der Herr des lombardischen Landes; fünf Kronen trug er auf seinem silbernen Haar und hieß wieder Kaiser der Christenheit wie Karl der fränkische König: aber ihm hielt keine Aachener Burg das Herz der Heimat gerüstet.

Das Maifeld in Mainz

Herrlicher war nie ein Maifeld gewesen, als da Barbarossa in Mainz seinen Söhnen die Schwertleite hielt; die Lombardei war gewonnen, und Heinrich der Löwe lag auf der Strecke; prahlend kamen die geistlichen Herren und alle Vasallen, das Glück ihrer Tage zu feiern.

Die Mauern von Mainz waren zu eng für die festlichen Massen; so war vor den Toren die Zeltstadt gebaut, geschmückt mit dem Maibaum des Kaisers, mit den Wimpeln der Großen und Grafen und der unermeßlichen Farbenpracht ihrer Völker.

Das Abendland bestaunte die staufische Macht und sah den Himmel der Deutschen gespannt über dem siegreichen Kaiser und über dem Sohn, der seine Macht und Herrlichkeit erbte.

Fünf Kronen trug sein silbernes Haar und wollte die sechste im Heiligen Lande gewinnen, als er, der Greis, im Jubel der Völker das Kreuz nahm.

Er hatte als Jüngling den Kreuzzug Konrads mitgelitten und kannte die Wüstengefahr; wie ein Hausvater seine Tage bestellt, ließ er das Reich seinem Sohn, sich selber der Kirche zu weihen.

Noch einmal schäumte das Abendland gegen das Morgenland auf; aus Frankreich, England und Deutschland kamen die Ritter mit ihren Knappen, dem Kaiser zu folgen, der als Greis die kühne Fahrt wagte.

Klüger als Konrad und besser gerüstet, gelang ihm der mühsam gefährliche Ritt durch die Wüste; schon war Ikonium sein und das cilicische Gebirge gewonnen, als der Kaiser im Saleph ertrank.

Wie der staufische Jüngling sein Abenteuer auf fremder Erde begann, so sank er dem Reich hin in der Fremde; mit seiner greisen Rittergestalt war die deutsche Herkunft der Staufer gestorben: Heinrich der Sechste, der Sohn seiner Macht, ging nach Palermo.

Der Sohn der Macht

Heinrich, der staufische Jüngling, hatte die ältliche Erbin des normännischen Goldes gefreit; die Völker kamen nach Mailand, die staufische Macht zu bestaunen, als der Kaisersohn mit Konstanze, der Königstochter von Sizilien, die prahlende Hochzeit hielt.

Die Kaisermacht spannte den Bogen über den Stuhl von Sankt Peter hinüber; von der kalten Meerküste bis in die südlichen Mittelmeergärten reichte die Schwerthand der Schwaben.

Nordsturm fiel über die sonnigen Küsten, darin Blüte und Frucht erfroren, als das normännische Seeräuberglück an den Sohn der staufischen Macht kam.

Sein Herz war hart und sein Mund blieb verschlossen; wo Friedrich der Rotbart mit fröhlicher Grausamkeit ritt, stand Heinrich der Sechste mit finsterer Strenge.

Den Zermalmer hießen sie ihn, der alles zertrat, was seinen grausamen Weg hemmte; aber als er den Hammer ins Morgenland hob, sprang ihm sein gläsernes Herz.

Es war im siebenten Jahr, daß Barbarossa sein Vater im Saleph ertrank, als auch der Sohn der staufischen Macht die Heimkehr versäumte: seinen Marmorsarg stellten sie auf im steinernen Dom von Palermo.

Schirmherr der Kirche und Schwertherr der abendländischen Völker zu sein, war die Sendung der Kaiser gewesen: der Streit um die Stärke hatte den Bogen gespannt; als er im Rauschglanz staufischer Machtherrlichkeit über Sankt Peter hinaus ging, zerbrach er.

Der Sizilianer

Als Heinrich der Sechste gestorben war, fern und fremd wie er lebte, war Friedrich, der Sohn der Konstanze, ein Kind.

Den Staufern die Macht in Deutschland zu halten, nahm Philipp von Schwaben, der Sohn Barbarossas, die Krone; aber der Bischof von Köln krönte den Sohn des welfischen Löwen.

So standen die Söhne im Haß ihrer Väter, und der Papst schürte den Brand: hie Waibling, hie Welf! wurde der Wahlspruch der Großen; hie Welf, hie Waibling der Schlachtruf der Ritter, die über das Reich den neuen Bürgerkrieg brachten.

Da wuchs die Saat der staufischen Weltherrscherträume üppig und geil ins Kraut, da war von der goldenen Ernte allein das Unkraut geblieben, indessen der Papst Innocenz den Weizen der Kirche in vollen Scheuern einbrachte.

Otto dem Welfen lachte das Glück, als Philipp von Schwaben durch Otto von Wittelsbachs Mörderhand fiel; aber indessen war Friedrich der Sohn der Konstanze mündig geworden, und päpstlicher Eifer sandte den Großen und Grafen im Reich den sizilianischen Knaben als König.

Den Pfaffenkaiser hießen sie ihn, der als Friedrich der Zweite in Aachen die Krone der Deutschen aufsetzte; aber der eigene Sendling des Papstes wurde die Brut, die zu verderben danach die Kirche den Zorn des Himmels mit allen Zungen herabschrie.

Innocenz selber war Vormund des Knaben gewesen, der machtherrliche Papst, der die Kronen Europas verschenkte; aber der Schüler lernte das Schachspiel der Kirche, dem Schwert mit List zu begegnen; er war ihr eifrigster Lehrling und wurde ihr Meister.

Als es zum andernmal hieß: hie Kaiser, hie Kirche! war der Kaiser die List, und der Papst stand im Zorn, dem spöttischen Spieler mit Fluch und Verdammnis das Brett zu verwirren.

Aber der Sizilianer gab lachend die Ewigkeit hin, die Gegenwart zu behalten; und höher als jemals ein Herrscher hob er sein spöttisches Haupt in die Räume, wo der Menschengeist Gott in den Grenzen des irdischen Daseins verleugnet.

Der sich als Fürst in Palermo die sarazenische Leibwache hielt, der mit arabischen Weisen das Rätsel des Lebens befragte und im Prunk des Morgendlands wohnte, trug die Krone der Christenheit nur um die Macht und den Glanz ihrer Herrscherfülle.

Das Reich der Deutschen gab er danach dem Sohn zu regieren, der in den Ränken der Großen ein törichter Knabe und seinem Vater ein kläglicher Nachahmer war.

Der Kaiser der Christenheit saß in Palermo; er kam nur ins Reich, wie ein Kaufherr nach seinen Schafen sieht.

Sechs Kronen trug sein spöttisches Haupt; er war dem normännischen Staat ein König, mächtig und klug wie keiner, aber das Reich lag im Schatten: Fremdherrschaft war die staufische Macht dem Volk der Deutschen geworden.

Als er starb, der Sizilianer aus dem Geschlecht der Staufer, das der zornige Papst ein Otterngezücht nannte, da rollten die Kronen hin, da blieb von der Kaisermacht nur noch ein römischer Schatten, da rissen die Raben das Reich auseinander, da wurden die Ritter Herren der Straße und ihre Knechte die Plage des Bürgers.

Konradin

Die letzte Fackel der Staufer sank jäh in die Nacht, als Manfred, der Bastard des Sizilianers, gegen Karl von Anjou in Sizilien Land und Leben verlor; aber ein Irrlicht hob sich in Deutschland, noch einmal den Weg der Fackel zu flattern.

Konradin hießen sie ihn, den letzten Erben der Staufer, und er war noch ein Knabe, als ihn die Sendlinge nach Sizilien riefen, Karl von Anjou, dem Franzosen, das normännische Reich zu bestreiten.

Ein Knabe hob seine Augen auf zu den Taten der Väter: wo sie mit gewaltigem Kriegsvolk zogen, kam die ärmliche Schar seiner Ritter.

Tollkühn und töricht war der Plan, abenteuerlich seine Gestaltung; aber das gleißende Glück rollte dem Knaben die bunte Kugel vorauf, und mancherlei Volk lief ihm zu im toskanischen Land.

Als er nach Rom kam, fiel ihm ein flüchtiger Glanz auf die fiebrige Stirn: Frauen und Männer führten den Knaben aufs Kapitol, blumengeschmückt, und die Straßen prahlten mit Fahnen, als ob er den Sieg und der staufischen Macht die Wiederkunft brächte.

Als aber der Tag kam, da die Haufen sich maßen, hob das staufische Ungestüm wohl den Feind aus dem Sattel, schon stürmten die Ritter dem Fußvolk voraus zur Verfolgung: doch war die Flucht eine List: aus dem Hinterhalt brachen die feindlichen Reiter und gewannen leichtlich das Treffen.

Friedrich von Baden, der treue Freund, brachte den Knaben nach Rom und gedachte, ein Schiff für die Flucht zu gewinnen; aber ein Ring, den sie gaben, verriet die staufische Herkunft dem Frangipani, der die Flüchtlinge fing und seinen Fang Karl von Anjou kostbar verkaufte.

Auf dem Markt von Neapel mußten die beiden den schimpflichen Henkertod leiden, da beugte der Knabe den Nacken, und das Volk kam zu weinen, da floß das Blut leer, das der staufischen Träume noch einmal voll war.