Die Deutschen Familiennamen, geschichtlich, geographisch, sprachlich
Part 9
Verkleinerungsformen werden auf -_el_ gebildet (bisweilen in Thüringen verstärkt durch _n_: -_lein_, z. B. _Gäbelein_) und auf _z_, für welches letztere mitunter das vergröberte _tsch_ eintritt: _Fritsch_, _Götsch_ neben _Fritze_, _Götze_. Da jedoch die Dialektgrenze nicht fern ist und diese Scheidelinie sogar durch das ehemalige Kurfürstentum geht, somit ein, wenn auch nur kleiner Teil desselben (Kr. Hofgeismar, Wolfhagen) in den Bereich des Niederdeutschen fällt, so ist es nicht verwunderlich, daß auch südlich von dieser Linie niederdeutsche Formen öfters begegnen, besonders in Hessen und Thüringen: _Gerke_, _Hennicke_, _Meinecke_, _Fricke_.
Von den Handwerksnamen sind am häufigsten _Schmidt_ und _Müller_ nebst einigen Zusammensetzungen und in den Hannover benachbarten Landschaften _Meyer_, einfach und in Zusammensetzungen, _Schulz_ dagegen findet sich nur sehr vereinzelt. Auch in dieser Klasse zeigen sich niederdeutsche Formen, so auffallend häufig in Hessen _Möller_ neben _Müller_.
Die Ortsnamen werden überwiegend ohne Ableitungsendung übertragen: _Lauterbach_ (bach hier das häufigste Grundwort), _Henneberg_, _Sonnefeld_ usw., dabei wird -_rode_ meist in -_roth_ gekürzt (_Germeroth_), auch in -_rott_ (_Ascherott_), ähnlich das eigentümlich thüringisch-sächsische -_leben_ (_Hallensleben_) häufig in -_leb_: _Rinkleb_, _Witzleb_. Viel seltener (in Nassau etwa ⅓ in Hessen und im nördlichen Thüringen noch weit weniger zahlreich) sind die Ableitungen auf -_er_: _Reichenbächer_, _Dillenburger_, _Henneberger_, _Saalfelder_, _Staudinger_, _Herchenröder_.
Die Annäherung an die ehemals slawische Ostgrenze macht sich bemerklich in Bildungen wie _Stiebritz_, _Löbnitz_ -- _Gölitzer_.
Gehen wir wieder zurück an den Rhein, um nach dem eigentlichen ~Süddeutschland~ -- südlich vom Main -- zu gelangen!
Dieser Übergang markiert sich in Hessen-Darmstadt (Starkenburg, Rheinhessen) durch das Auftreten des _ai_, _ay_ (statt _ei_): _Hainz_, _Mayer_ neben _Meyer_, sodann dadurch, daß die Ableitungen auf -_er_ von Ortsnamen gegenüber den einfach übertragenen Ortsnamen häufiger werden und letzteren nunmehr schon das Gleichgewicht halten.
In ~Baden~ tritt auf dem Gebiete der Schmeichelformen das _z_ (vergröbert _tsch_: _Fritz_, _Dietz_ -- _Fritsch_, _Dietsche_, _Bertsch_) entschieden in den Hintergrund gegen das andere Suffix _l_. Dieses nimmt hier die eigentümliche Form -_le_ an, welche im Unterrheinkreis (auf fränkischem Boden) noch gegen -_el_ zurückstehend, je weiter nach Süden desto mehr an Zahl wächst, so daß südlich von der Murg (auf alemannischem Boden), namentlich aber im Seekreise die _Merkle_ und _Bürkle_, die _Enderle_ und _Eberle_ eine fast unbestrittene Alleinherrschaft üben. Selbst Namen der dritten Schicht müssen sich dieser Herrschaft fügen: _Kränzle_, _Drechsle_ (statt _Drechsel_ = _Drechsler_), _Sütterle_ (von Sutter, Schuhmacher). Nur im Oberrheinkreise tritt daneben ziemlich häufig -_lin_ auf: _Bürklin_, _Brendlin_, _Sütterlin_, wie dieses auch auf der andern Seite des Rheines, im Elsaß, nicht selten ist, man denke an _Oberlin_, _Köchlin_. Nach der Schweiz weisen einige Formen auf _i_ wie _Erni_, _Bläsi_, _Rudy_ (bisweilen verstärkt durch _n_: _Lüttin_, _Wältin_, _Willin_). Unter den Vollnamen sind eigentümlich einzelne Verkürzungen des -_hart_ in -_et_ wie _Bernet_, _Ehret_, _Werneth_.
Unter den von Örtern entlehnten Familiennamen gewinnen die Ableitungen auf -_er_ nunmehr schon im Unterrheinkreis die Oberhand und verdrängen weiter nach Süden die einfache Übertragung der Ortsnamen fast vollständig. Den Reigen führt -_inger_: _Götzinger_, _Hottinger_, _Zähringer_, demnächst -_berger_. Beide zusammen bilden ⅔ aller bezüglichen Namen. Während -_ingen_ und -_berg_ abgesehen von Adelsnamen wohl immer umbiegen, verhält sich -_bach_ wie auch sonst auffallend spröde dagegen und bildet nur in der Minderzahl der Fälle weiter: -_bacher_ seltner -_becher_.
Wie hieraus hervorgeht, schwankt der Umlaut; so auch in -_hauser_ und -_häuser_, -_hofer_ und -_höfer_; doch herrschen im allgemeinen in dieser Klasse die nicht umgelauteten Formen vor, wie auch unter den Namen, welche von der Beschäftigung hergenommen sind, _Kammerer_ und _Kuster_ (_Kusterer_) und _Kohler_ auffallen.
Ähnliche Verhältnisse wie im Badischen herrschen wesentlich in ~Württemberg~ mit Einschluß von ~Hohenzollern~. Auch hier überwiegt als Verkleinerungsf. -_le_. Schon im Nordosten, im Jagstkreise (auf fränkischem Boden) mindestens die Hälfte der Verkleinerungsformen mit dem Kern _l_ bildend, füllt es im südlichen Württemberg (auf schwäbisch-alemannischem Boden) über 75 v. H. Schier endlos ist die Reihe dieser _Schmelzle_ und _Schwämmle_, _Bäuerle_ und _Mayerle_, _Endele_ und _Bendele_, _Dägele_, _Hägele_, _Nägele_, _Wegele_. Daneben kommt nur noch -_el_ einigermaßen in Betracht (_Denzel_, _Immel_), da -_lin_ (_Hölderlin_), -_len_ (_Enßlen_) und -_lein_ (_Merklein_) nur vereinzelt auftreten. Hingegen gehen die Verkleinerungen auf _z_ in mäßiger Zahl durch alle Kreise, ohne die badische Vergröberung in _tsch_.
Patronymika auf _-ing_ (_Schilling_, _Gehring_, _Scheuring_) sind hier häufiger als im Badischen. Unter den von der Beschäftigung entlehnten Namen sind besonders häufig _Müller_ und _Maier_ (_Mayer_ -- immer mit _a_), beide, namentlich letzterer auch in vielfachen Zusammensetzungen wie: _Steinmaier_, _Burkardsmaier_, _Katzenmaier_, _Stegmayer_. Ihnen ziemlich gleich an Zahl kommen _Schmid_[93] und _Schneider_, die aber die Zusammensetzungen fast ganz entbehren.
Eigentümlich süddeutsche Handwerks- und Amtsbezeichnungen sind: _Beck_ (in Baden meist noch _Becker_), auch in Zusammensetzungen wie _Brodbeck_, _Pfister_, und _Pfisterer_ (aus lat. _pistor_), _Sautter_ (aus lat. _sutor_), _Hafner_ -- _Forstner_, _Sigrist_.
Was die Lokalia betrifft, so herrschen wie in Baden die Ableitungen auf -_er_ von der Tauber bis zum Bodensee ganz entschieden vor. Unter ihnen stehen, entsprechend der großen Zahl württembergischer Ortsnamen auf -_ingen_, die -_inger_ obenan: _Breitinger_, _Griesinger_, _Junginger_, _Sickinger_. Als eigentümlich süddeutsche Formen (auf alemannisch-schwäbischem Boden) schließen sich an: _Allgöwer_, _Ettwanger_, _Beißwänger_, _Winterhalter_, _Dannegger_, _Moosbrugger_, _Sonnenmoser_, _Bogenrieder_.
In lautlicher Hinsicht ist anzumerken, daß häufig _ai_ für _ei_ eintritt: _Aichele_, _Sailer_, _Stainer_, _Schnaithmann_, wie dieses _ai_ sich auch schon in den Ortsnamen bemerklich macht (_Waiblingen_, _Spaichingen_, _Crailsheim_ u. a.) -- sodann hin und wieder _uo_ statt _u_: _Ruof_, _Schraishuon_. Konsonantisch fällt eine gewisse Einfachheit der Schreibung auf. Ganz entgegen der sonstigen Orthographie der Familiennamen, die mit Vorliebe soviel Buchstaben als möglich setzt, stimmt hier die Schreibung im allgemeinen mit den gewöhnlichen Regeln überein und enthält sich besonders der unnötigen Häufungen _ck_, _tz_, _dt_, _ll_.[94]
Südost.
Das thüringisch-sächsische Gepräge der Familiennamen setzt sich auch noch östlich der Saale in den dorthin sich erstreckenden Teilen der preußischen Provinz ~Sachsen~ (den Kr. Delitzsch, Bitterfeld, Torgau, Schweinitz, Liebenwerda) sowie in dem Königreich Sachsen im allgemeinen fort.
Die häufigste Verkleinerungsendung ist -_el_ in Namen wie _Göthel_, _Hähnel_, _Neydel_, _Seidel_, _Siegel_, _Weigel_; _Barthel_, _Jäckel_. Den oberdeutschen Formen auf _l_ und _z_ (häufig vergröbert _tsch_) tritt in den nördlichen Gegenden ziemlich oft das niederdeutsche _k_ zur Seite; so finden sich nebeneinander _Heinze_ und _Heinecke_, _Dietze_ und _Diecke_. In den südlichen Landschaften (dem Königreich Sachsen) tritt an Stelle des _ke_ (-_icke_) das mehr hochdeutsche -_ig_ (-_ich_): _Heinig_ (_Heinich_), _Theurig_, _Uhlig_, _Gerbig_.
Ableitungen auf -_er_ von Ortsnamen (_Straßberger_, _Schönfelder_, _Clausnitzer_) treten hier zurück, mit Ausnahme der nicht seltenen zweisilbigen, wie _Berger_, _Langer_ (von Ortsnamen _Berg_, _Lang_), _Birkner_, _Jeßner_, _Klingner_, _Ließner_, _Lindner_, _Meißner_, _Ölsner_ (von Ortsnamen auf -_en_: _Birken_, _Jessen_ usw.).
Durch das Zusammentreffen von Oberdeutsch und Slawisch werden in Namensformen (deutschen wie auch slawischen Ursprungs) harte Zischlautverbindungen erzeugt: _zsch_, _tzsch_, nicht allein im Auslaut: _Fritzsche_, _Klotzsch_, _Pietzsch_, _Roitzsch_, sondern (im Königreich Sachsen) auch im Anlaut: _Zschweigert_, _Zschinsky_, _Tschucke_.
Überhaupt blickt der slawische Untergrund, wenn auch die deutschen Namen, von der Lausitz abgesehen, ganz bedeutend überwiegen, doch noch hie und da durch in Namen wie _Gaudlitz_, _Muschwitz_ (von den entsprechenden Ortsnamen), _Nowak_, _Noack_ (= Neumann), _Schunak_, _Hannusch_.
Die südlichen Kreise des Regierungsbezirks ~Frankfurt a. d. O.~, die den größten Teil der Lausitz mit ihrer urspr. sorben-wendischen Bevölkerung in sich schließen, haben zwar ebenfalls die deutschen Verkleinerungsformen auf _l_ und _z_ (_tsch_), doch häufiger das aus zwei Quellen (niederdeutsch und wendisch) fließende Suffix _k_: _Janke_, _Paulke_, _Hannuske_, _Dammaschk_, _Scholtka_, _Hanko_. Bisweilen sind _l_ oder _z_ mit _k_ in deutschen Zwitterformen wie _Henkel_, _Kunzke_ vereinigt.
Ortsnamen werden fast immer unmittelbar übertragen: _Goldbach_, _Hanstein_, _Wollenberg_ -- _Ukrow_, _Schillow_, _Matzkow_, _Dubrau_; -_ow_ und daraus verdeutscht -_au_ (wie in den Städtenamen Kalau, Luckau, Sorau usw.) sind hier die gewöhnlichen Endungen slawischer Ortsnamen. Das Wendische tritt natürlich stark hervor, bis zu 40 v. H. und drüber, in Gebilden wie (außer den schon erwähnten): _Kuba_, _Koalick_, _Mudrak_, _Woitschach_, _Natusch_, _Nawotnik_.
Eine ebenfalls starke wendische Beimischung zeigt die ~Oberlausitz~, am stärksten im Kreis Hoyerswerda. Im übrigen leitet die Oberlausitz (wie auch schon Sachsen) durch das Vorschlagen der Verkleinerungsform -_el_ und die Ableitungen auf -_er_ von Ortsnamen, wie _Elsner_, _Wiesner_, nach Schlesien hinüber.
Da ~Schlesien~ wie eine langgestreckte Halbinsel in das slawische Sprachmeer, zwischen Tschechenland und Polen, hinausragt, so ist es natürlich, daß fast überall slawische Elemente auch in den Familiennamen hervortreten. Im Innern der Provinz ist dies freilich nur in geringem Maße der Fall, in desto größerem aber an den Rändern, besonders im Osten, wo Preußisch-Schlesien unmittelbar an das Polnische (in Posen und Russisch-Polen) und im Südosten, wo es an das sogenannte Wasserpolnische (in Oberschlesien) stößt, während im Westen noch ein Streifen deutscher Bevölkerung (in Österreich) vorgelagert ist. Am stärksten ist diese slawische Beimischung in der Ecke zwischen dem Posenschen (Rawitsch) und Oberschlesien (Kreuzburg), besonders in den Kreisen Namslau und Wartenberg,[95] wo die -_ek_ (_Adamek_) und -_ak_ (_Stepaniak_), die -_owski_ und -_inski_ usw. 40-50 v. H. ausmachen. Dagegen ist in den oberschlesischen sprachlichen Grenzkreisen Leobschütz, Neustadt, Falkenberg, Neiße, Grottkau nur etwa ⅕ der Familiennamen slawisch.[96] In der ~deutschen~ Namengebung fehlen die Patronymika (Genetiv, Ableitungen auf -_ing_, Zusammensetzungen auf -_sen_). Von den Verkleinerungsendungen ist -_ke_ wohl meist dem Slawischen zuzuweisen, _z_ begegnet fast nur in den bekannten „_Hinz_ und _Kunz_“ (_Heinze_ und _Kunze_), häufiger in den breiteren Form _tsch_: _Bartsch_, _Fritsch_, _Nitsche_ -- bisweilen _sch_: _Kunsch_ -- mit _k_ verbunden: _Nitschke_. Obenan steht jedoch wie in Sachsen -_el_: _Göbel_, _Menzel_, _Riedel_, _Seydel_, _Thiel_ (aus _Thiedel_) -- _Hensel_, _Jäckel_ -- _Hentschel_.
Ortsnamen werden meist einfach übertragen: _Steinberg_, _Kunzendorf_, _Süßenbach_, _Baumgart_, wobei -_berg_, -_dorf_, -_bach_ voranstehen, während die urspr. slawischen Ortsnamen überwiegend auf -_witz_ und -_itz_ endigen: _Plagwitz_, _Nittritz_. Doch wird die Endung -_er_ an Ortsnamen auf -_berg_ häufig gehängt: _Grünberger_, _Riesenberger_, _Rosenberger_, und einsilbige Ortsnamen erfahren gewöhnlich diese Verlängerung: _Brieger_, _Glatzer_. Ganz besonders aber sind zweisilbige Ortsnamen auf -_en_ anscheinend immer nur in dieser Weiterbildung verwendet, so daß sich hieraus eine lange Reihe solcher Familiennamen ergibt: _Elsner_, _Ilgner_, _Kösner_, _Kutzner_, _Klingner_, _Langner_, _Lindner_, _Moschner_, _Wiedner_, _Wiesner_ von den Ortsnamen Elsen, Ilgen, Kösen usw.
Unter den von Amt und Handwerk entlehnten Namen sind als eigentümlich schlesisch hervorzuheben: _Scholz_ (vgl. auch „Erbscholtisei“ -- slawisch _Woita_ = Vogt) und _Kretschmer_ vom slaw. Kretscham (Dorfkrug).
20.
Stillstand oder Bewegung in der Namenwelt?
Der Prozeß der Festwerdung der Familiennamen ist, nachdem auch die letzten Nachzügler (s. S. 29 und 66) sich ihm haben anbequemen müssen, nunmehr seit beinah einem Jahrhundert zum Abschluß gelangt. Es fragt sich aber, ob damit nun ein völliger Stillstand auf diesem Gebiete eingetreten, ob nicht auch hier bei genauerer Betrachtung eine Bewegung zu erkennen ist, gleichwie der Spiegel eines scheinbar still und tot daliegenden Gewässers doch eine leichte Bewegung auf der Oberfläche verrät.
Diese Frage ist entschieden zu bejahen; einen völligen Stillstand gibt es auch auf diesem Gebiete nicht.
1. ~Es sterben Familien aus und damit auch Familiennamen.~ Dies läßt sich am leichtesten bei adeligen Geschlechtern verfolgen. So starb, um nur ein Beispiel aus dem vorigen Jahrhundert herauszugreifen, im Jahre 1836 zu Stralsund Graf August Wilhelm _von Mellin_ als letzter eines Geschlechtes, das nach einer Äußerung des geistreichen und gemütvollen Mannes „älter war als die Stubbenkammer“ (Berghaus, Sprachschatz der Sassen).
2. ~Vorhandene Namen werden geändert.~ Besonders häufig ist der Übergang aus der mundartlichen in die hochdeutsche Form, namentlich auf niederdeutschem Sprachgebiete: _Möller_ in _Müller_, _Röwenhagen_ in _Rübenhagen_ u. a. noch in neuester Zeit (s. Beilage 2). Davon abgesehen werden vereinzelte Namen aus den mannigfachsten Gründen geändert: _Czech_ in _Echt_, _Kamphaus_ in _Kamphausen_, _Laabs_ in _Labes_.
3. ~Es bilden sich neue Namen~ -- zunächst durch Zusammensetzung zweier: bei adeligen Geschlechtern infolge Verschmelzung zweier Familien, deren eine bis auf eine Erbtochter erloschen ist: _von Kleist-Retzow_, _Henckel von Donnersmarck_ -- bei Schauspielerinnen, die im Fall einer Verheiratung den Namen, unter welchem sie berühmt geworden, gern beibehalten: _Hendel-Schütz_, _Birchpfeiffer_. In einzelnen Fällen ist ein solcher Doppelname gestattet worden, um das Aussterben eines berühmten Namens zu verhindern, so _Bessert-Nettelbeck_ (des Kolberger N. Schwiegersohn).
In einigen Gegenden ist es Sitte, den Vaternamen der Frau mit dem eigenen zu verbinden. Beispielsweise nannte sich _Hollweg_ nach Frankfurter Sitte _Bethmann-Hollweg_; bei dem Sohne kam dieser Doppelname bald in alleinigen Gebrauch und wurde auch 1840 von Friedrich Wilhelm IV. geadelt. Diese Sitte scheint besonders in der Schweiz verbreitet zu sein.
Endlich entstehen Namen, wenn auch nur ganz vereinzelt, durch völlige Neubildung. Dies wird hauptsächlich der Fall sein bei Findlingen und bei Proselyten. So hat ein dem Verfasser persönlich bekannter Proselyt sich _Bußin_ genannt, von dem Hauptwort „Buße“ mit Anlehnung an die Ortsnamen auf -_in_.
Beilage 1.
_Godeberaht._{1}
a) ~Die im Altdeutschen möglichen Bildungen~ (s. S. 22 f.).
Einstämmig gekürzte Form _Godo_,{2} zweistämmig gekürzt _Godbo_{3} mit den Nebenformen _Gobbo_{4} und _Gobo_.{5}
Hieraus als einfach verkleinerte Formen mittels der Endung -_ilo_: _Godilo_{6} mit den Nebenff. _Godlo_,{7} _Gollo_{8} und _Golo_,{9} sowie _Godbilo_{10} mit den Nebenff. _Gobbilo_{11} und _Gobilo_{12} -- mittels der Endung _izo_: _Godizo_{13} nebst _Godzo_,{14} _Gozzo_,{15} _Gozo_,{16} sowie _Godbizo_{17} nebst _Gobbizo_{18} und _Gobizo_{19} -- mittels der Endung _iko_: _Godiko_{20} nebst _Godko_,{21} _Gokko_,{22} _Goko_,{23} sowie _Godbiko_{24} nebst _Gobbiko_{25} und _Gobiko_.{26}
Daraus wieder als doppelt verkleinerte Formen (_l_ + _n_) _Godilin_{27} nebst _Godlin_,{28} _Gollin_,{29} _Golin_,{30} sowie _Godbilin_{31} nebst _Gobbilin_{32} und _Gobilin_{33} -- ferner (_l_ + _k_) _Godiliko_{34} nebst _Godliko_,{35} _Golliko_{36} und _Goliko_,{37} sowie _Godbiliko_{38} nebst _Gobbiliko_{39} und _Gobiliko_{40} -- ferner (_z_ + _n_) _Godizin_{41} nebst _Godzin_,{42} _Gozzin_,{43} _Gozin_,{44} sowie _Godbizin_{45} nebst _Gobbizin_{46} und _Gobizin_{47} -- ferner (_z_ + _l_) _Godizilo_{48} nebst _Godzilo_,{49} _Gozzilo_,{50} _Gozilo_,{51} sowie _Godbizilo_{52} nebst _Gobbizilo_{53} und _Gobizilo_{54} -- ferner (_z_ + _k_) _Godiziko_{55} nebst _Godziko_,{56} _Gozziko_,{57} _Goziko_,{58} sowie _Godbiziko_{59} nebst _Gobbiziko_{60} und _Gobiziko_{61} -- ferner (_k_ + _n_) _Godikin_{62} nebst _Godkin_,{63} _Gokkin_,{64} _Gokin_,{65} sowie _Godbikin_{66} nebst _Gobbikin_{67} und _Gobikin_{68} -- endlich (_k_ + _l_) _Godikilo_{69} nebst _Godkilo_,{70} _Gokkilo_,{71} _Gokilo_,{72} sowie _Godbikilo_{73} nebst _Gobbikilo_{74} und _Gobikilo_.{75}
b) Die wirklich vorhandenen neudeutschen Familiennamen.
1. a) _Gottbrecht_. b) _Gottbrath_. c) _Gobbert_. d) _Joppert_. e) _Göppert_; _Göpper_. f) _Juppert_. g) _Gobert_. Gen. _Goverts_.
2. a) _Gohde_. Gen. _Gohdes_ -- patr. A. _Goding_. b) _Göde_. Gen. _Göden_; _Gödens_; _Göens_. c) _Gödde_. d) _Gäde_. e) _Gude_. f) Gen. _Gudden_. g) _Gothe_; _Goth_. h) _Goethe_; _Göth_. i) _Köth_. k) _Gotte_; _Gott_ (_Gottmann_). l) _Götte_; _Gött_. Gen. _Götten_ -- patr. A. _Götting_. m) _Kott_. n) _Gute_ (_Guthe_); _Gut_ (_Gutmann_). Patr. A. _Guting_. o) _Güte_; _Güth_. Patr. A. _Güting_. p) _Gutte_ (_Guttmann_). q) _Jütte_.
4. a) _Gubbe_. b) _Kopp_.
5. a) _Göb_. Gen. _Goeben_. b) _Gube_.
6. a) _Godel_ (_Godelmann_). b) _Gödel_. c) _Göthel_. Patr. A. _Göthling_. d) _Gottel_. e) _Göttel_ (_Göttelmann_). f) _Güttel_; _Gütl_.
7. a) _Göttle_; _Göttl_. Patr. A. _Göttling_. b) Patr. A. _Güthling_.
8. a) _Golle_; _Goll_ (_Gollmann_). Patr. A. _Golling_. b) _Göll_. c) _Kölle_. d) _Güll_.
9. a) _Gohl_. b) _Johl_. c) _Göhle_; _Göhl_. Patr. A. _Göhling_.
11. a) _Gobbel_. b) _Göbbel_. c) _Köppel_.
12. a) _Göbel_. b) _Göpel_.
15. a) _Gotz_ (_Gotzmann_). Gen. _Gotzens_. b) _Kotz_. c) _Gotsch_. d) _Gosse_; _Goss_ (_Gossmann_). e) _Götze_; _Götz_ (_Götzmann_). Gen. _Götzen_. f) _Gödsche_; _Götsch_. g) _Gutz_ (_Gutzmann_). h) _Gütz_. i) _Gutsch_.
16. _Göz_.
20. a) _Gödike_; _Gödeke_. Gen. _Gödeken_ -- Patr. A. _Gödeking_. b) _Jödike_. c) _Göttig_; _Göttich_. d) _Gädeke_. e) _Gedicke_. f) _Güttich_.
21. a) _Gödtke_. Gen. _Gödkens_. b) _Göthge_. Gen. _Götjes_. c) _Gottke_. d) _Gottge_. e) _Gädtke_. f) _Guthke_. g) _Guttke_. h) _Güttke_.
22. a) _Gocke_. Patr. A. _Göckingk_. b) _Göcke_. Gen. _Göcks_.
23. _Göke_. Gen. _Göken_.
37. a) _Gohlke_. b) _Göhlke_.
50. a) _Gotzel_. b) _Götzel_. c) _Kötzel_. d) _Gossel_. Gen. _Gossels_. e) _Gössel_. f) _Kössel_. g) _Götschel_; _Götschl_. h) _Gützel_.
57. a) _Götzke_. b) _Götschke_. c) _Göschke_. d) _Gottschick_.
62. _Godeken_.
64. _Göcken_.
71. a) _Gockel_. b) _Göckel_. c) _Göggl_; _Göggelein_. d) _Gückel_.
Beilage 2.
Entwickelung einer Namenreihe während der Neuzeit.[97]
1600 1650 1700 1750 1800 1850
Arend Arendt, Arnd Arndt Arndt Arndt Arndt Bardenflet, Bardenfleth Barenfleth Bahrenfleth, Bahnfleth Bornfleth -fleit Bahne- Bellin Bellin Bellin, Bellin Bellin Bellin Bellihn Boleman Boleman Boleman Bohlmann Bohlmann Bohlmann Brandt Brandt Brand Brandt Brandt Brandt Donner Donner Donner Donner Donner Donner Ertman Ertman Erdmann Erdmann Erdmann Erdmann Goyer Gojar, Goyar Gojar Gojar Gauger Gauger Hake Hake Haacke Haack Haak (ck) Haak Knolle Knolle Knolle Knoll Knoll Knoll Köne Köne Köhne Köhne, Koine Köhn Köhn Köpe Köpe Köpe Koipe Keupe Keup Kröger Kröger Krüger Krüger Krüger Krüger Krossin Krossin, Krössihn Krössin Krössin, Kressin Krössin Kressin Labes Labes Labeß Labs, Laabs Labs, Laabs Laabs Landtbrecht Landtbrecht Landbrecht Landbrecht Lambrecht Loitzin Loitzin Löyssihn, Lössin Lössin Lössin Lössin Lubbeke Lübbeke Lübbecke Lübbeke, Lübke Lübke Lübke Moller, Möller Möller Möller Möller Müller Möller Nieman Nieman, Niemann, Niemann, Niemann Niemann Neu- Neu- Neu- Oldehaue, Oldehave, Oldhoff, Olhoff Olhof, Ollhoff -hoff Olhaf Olhoff Ollhoff Pagenkop Pagenkop Pagenkop, Pagenkop Pagenkop Pagenkopf -pf Placke Placke Placke, Plack Plack Plack Plack Rham Rham Rhamm Ramm Ramm Ramm Ribe Rybe Riebe Riebe Riebe Riebe Ruchel Ruchel Rüchel Rüchel Rüchel Rüchel Steffen Steffen Steffen Steffen Steffen Steffen Stekelinck Stekelinck Steckeling Stekeling Steckling Stekling Timme Timme Timme Timm Timm Timm Witte Witte Witte Witte Witt Witt
An diesen hier durch dritthalb Jahrhunderte verfolgten Namen zeigt sich
1. ein allmähliches Schwinden der Form, besonders durch Wegfall eines _e_, so daß dreisilbige Namen zweisilbig, zweisilbige einsilbig werden (s. Bardenfleth, Bolemann, Lubbecke, Oldehoff, Stekelinck -- Arend, Hake, Knolle, Köne, Köpe, Labes, Placke, Timme, Witte);
2. ein allmählich stärkeres Hervortreten des Umlautes (s. Krossin, Lubbeke, Moller, Ruchel);
3. ein zum Teil schon früher, zum Teil aber auch sehr später Übergang aus der niederdeutschen in die hochdeutsche Form: Kröger schon ums Jahr 1700 Krüger, dagegen Möller erst seit 1850 Müller -- während andere Namen standhaft die niederdeutsche Form behaupten (s. namentlich Ollhoff, Stekling), oder nach einigem Schwanken wenigstens schließlich bei ihr beharren (s. Niemann).
Im ganzen ist die Entwickelung eine naturgemäße, der sprachlichen Entwickelung gleichlaufend; nur zwei Namen weisen eine Entstellung auf: Kressin (st. des richtigeren Krössin) und Bornfleth (st. Bardenfleth, O. im Oldenburgischen).
Beilage 3.
Fremdsprachige Namen in Deutschland.
a) Slawische.