Die Deutschen Familiennamen, geschichtlich, geographisch, sprachlich
Part 11
[33] ~Becker~ S. 15. ~Reichel~, Die deutschen Geschlechtsnamen. Marburg (Steiermark). Programm. Auch in den Lippischen Familiennamen erscheint als häufig gebrauchte Patronymikalform neben -_ing_ die Silbe -_er_, vermittelt durch die Kolonatsnamen, die, vom ersten Besitzer entlehnt, an dem Grundstück haften blieben und auf die Nachfolger übergingen, z. B. in Hakedahl: 1488 _Henke Druden_, 1523 _Henke Druding_, 1538 _de_ (= _der_) _Drudener_ -- jetzt _Drüner_. Während man aber bei „Henke Druding“ noch eher an den Sohn der Drude dachte, hat „der Drudener“ schon mehr den Begriff des Inhabers des Hofes der Drudings und damit den eines Repräsentanten der Familie angenommen. (O. ~Preuß~, Die Lippischen Familiennamen S. 15 f.)
[34] Vgl. Johannes Vorn Hesen 1530 (d. i. Frauen Hedwig Sohn); Gisilbertus, filius _Odilie_ 1036; Rudolf et Ulrich filii _Adelheidis_ 1149.
[35] Auf süddeutschen Schulen sogar _Hómer_, _Hóraz_, _Vírgil_.
[36] Vgl. W. ~Wackernagel~, Die Umdeutschung fremder Wörter. 2. Ausg. 1863. S. 32 ff., 36 f.
[37] Die Scheidung nach den Mundarten ist hier schwierig und nicht immer streng durchzuführen. So findet sich _Nickel_, welches ~Vilmar~, Namenbüchlein S. 6 als hochdeutsch bezeichnet, auch im Niederdeutschen, hinwieder _Klas_ (wovon Klasl) auch im Oberdeutschen (Bayrischen). _Jochen_, wie nach Vilmar der Hochdeutsche den Namen Joachim abkürzen soll, ist dem pommerschen Landmann die gewohnte Form.
[38] Hieronymus: in Sachsen _Gruner_, in Holstein _Harms_, in der Schweiz _Ronus_, _Rones_, _Roni_, _Muss_, _Müssi_, in Hessen _Grolmann_ (nach Becker S. 19). Am wenigsten hat sich von der ursprünglichen Form entfernt der Name _Kronymus_, den Fröhner aus Karlsruhe anführt.
[39] Vgl. das Mittelhochdeutsche, wo die lateinische Endung _us_ bei Namen regelmäßig in _es_ abgeschwächt wird: _Philippes_; auch _Liborius_ und _Liborghes_ als Vornamen bei Klempin.
[40] ~Pauli~ I. S. 11: „In meiner Vaterstadt wurden die Kinder des Konrektors sowie die des Kantors nicht mit ihren Familiennamen _Richter_, _Müller_ bezeichnet, sondern fast ausschließlich als Minna Konrektorn, Julius Kantor usw.“
[41] Diese Namen, die Pauli aus Hannover und Ostfriesland beibringt, beruhen auf der Einwirkung des Holländischen, wo noch häufig das _de_ erscheint; man denke an _de Ruyter_, _de Vrient_ (_Devrient_) u. a.
[42] Zum Teil mögen sie auch von Wirtshausschildern entlehnt sein.
[43] Aus älterer Zeit (niederdeutsch): _Musekensteker_ (Mäuschenstecher), _Duvendriver_ (Taubentreiber).
[44] An Scherzen über diese Namen, insbesondere über Schulze und Müller, hat es nicht gefehlt. Angeblich lebten im Jahre 1880 30000 Schulzes innerhalb des Zollvereins. Lustspiele sind auf der Häufigkeit dieses Namens erbaut worden, ebenso wie auf der Verwechselung von Müller und Miller. -- Um diese vielen Namensvettern zu unterscheiden, hat der Volksmund zu allerhand Zusammensetzungen seine Zuflucht genommen: _Sünden-Müller_ (bedeutender Theolog, dessen Hauptschrift „Die Lehre von der Sünde“ ist), _Linden-Müller_ (ein Berliner Volksredner aus dem J. 1848, der seine Vorträge „Unter den Linden“ hielt). _Flausch-Müller_ (ein nach seinem Rocke benannter Student); _Blut-Schulze_ (der Physiolog), _Graupen-Schulze_ (ein Berliner Kaufmann), _Theater-Schulze_ usw.
[45] Von diesen ist jedoch ein guter Teil als nicht hergehörig auszuscheiden, da sie (nach ~Steub~, Oberd. Familiennamen S. 148) Ableitungen von Ortsnamen sind auf _heim_, oberbayr. _ham_: _Mooshammer_ = Moosheimer, _Forchhammer_. Überhaupt ist bei dieser Klasse Vorsicht vonnöten, insofern viele Namen nur scheinbar hierher gehören, in Wahrheit aber auf andere Quellen, namentlich auf Personennamen zurückgehen, z. B. _Rost_ (auch althochd. Rusto, der Gerüstete), _Kasten_ (st. Karsten) auf Christian.
[46] Johann Rickweg, Zimmermann und kühner Schmuggler, der 1813 im Lande Wursten durch seine feurige Beredsamkeit einen Aufstand gegen die Franzosen zu stande brachte, wurde nach seiner beständigen ~grünen~ Kleidung im Volke nur _Jan Grön_ genannt (~Allmers~, Marschenbuch S. 228).
[47] Bekannt ist aus Coopers amerikanischen Romanen der „Lederstrumpf“, so benannt von den Moccasins, die dieser alte Jäger nach indianischer Sitte zu tragen pflegte. Wie leicht sich solche Benennungen noch jetzt bilden, möge das Beispiel jenes Kapitäns Dilger beweisen, der, ursprünglich preußischer Artillerieoffizier, 1864 nach Amerika ging und als Befehlshaber einer Batterie in das Heer der Nordstaaten trat, wo er sich durch Kühnheit und Ausdauer hervortat und unter dem Spitznamen „_Lederhose_“ jedem Offizier und Soldaten bekannt war. „Während des Kampfes stand er immer da in Hemdärmeln und seinen glatt anliegenden Hosen von Hirschleder.“
[48] Schon im J. 905 in Verona ein „Johannes, qui alio nomine Braccacurta vocitabatur“.
[49] ~Rud. Schultze~, Die Modenarrheiten. Ein Spiegelbild der Zeiten und Sitten für das deutsche Volk. 1868.
[50] Nicht aber _Reichwein_, _Trautwein_ u. a., die mit dem alten _win_ (nicht _wîn_) „Freund“ zusammengesetzt sind. Auch _Altwein_ und _Gutwein_ sind schon zweifelhaft wegen altdeutsch _Aldwin_ und _Godwin_.
[51] Z. B. wird im „Renner“ des Hugo v. Trimberg „ein wol begozzen wecke“ als Leckerbissen genannt.
[52] Wie sehr das Mittelalter zu Spott und Satire aufgelegt war, geht unter anderem daraus hervor, daß fast jede Landschaft ihr Schöppenstedt oder Schilda hatte und daß die Bewohner gar mancher Landschaft oder Stadt Beinamen führten. So hießen (und heißen) beispielsweise die Illzacher im Elsaß „Mondfänger“, die zwischen Ill und Rhein Wohnenden „Rheinschnaken“, die Schlesier „Eselsfresser“ -- in Pommern die Wolliner „Stintköppe“ und die Kamminer „Flunnerköppe“ (nicht „Plunderköppe“, wie Riehl angibt), wegen der vielen dort gefangenen Stinte und Flundern.
[53] Den Übergang stellen unter anderem in friesischen Urkunden dar die Namenformen _Kersten rike_ neben _K. de rike_, _Floreke witte_ neben _F. de witte_. Im Holländischen ist der Artikel geblieben: _de Grote_, _de Jonghe_, _de Wit_; ähnlich im Französischen: _Lebeau_, _Legrand_, _Lejeune_.
[54] Ferner in Urkunden: Marquart der _Hunt_, 12. Jahrh. Gislebertus pro sua proceritate cognominatus _Grus_ (Kranich); Hugo de Wenden dictus _Aries_ (Widder); Hugo _Coturnix_ (Wachtel).
[55] Doch ist bei ~Bacmeister~, Germanistische Kleinigkeiten S. 36 aus alten Urkunden angeführt: _Heneke mit dem dumen_ 1373 Braunschw., _Liebhard mit der Hand_ 1383 Augsb., auch _Fridericus Mittemmunde_ 1190; bei Trötscher (Die ältesten Egerer FN.): _Chunrat mit der prust_, _Endres mit dem part_ -- Zusätze, die doch wohl so zu verstehen sind, daß die genannten Körperteile wegen irgend einer Eigentümlichkeit auffallend waren. Auch ist zu vergleichen aus der Sage: _Bertha mit dem Fuße_ = _B. mit dem großen F._, altfranz. _Berthe as grands piés_.
[56] Aus Urkunden des 11.-15. Jahrh. führt Stark S. 153 an: _Everhardus der Spizebart_, _Jacobus langenase_, _Hartwig Churzhals_ -- desgl. Reichel aus Marburger Urkunden: _Jacob de Chrafuez_ (Krähenfuß), _Heinrich Krumnas_. -- Becker aus Köln 13. Jahrh.: _Buntebart_, _Gobelin dictus Hardevust_; _Hans Schweinerüssel_ (16. Jahrh.).
[57] In Pasewalk heißt ein alter Wartturm noch jetzt _Kiekindemark_, desgl. ein Hof in Mecklenburg.
[58] _Wendehals_, _Streckfuß_ und ähnliche Bezeichnungen bedeuteten ursprünglich so viel als ein Hals zum Wenden, ein Fuß zum Strecken (wie Lockvogel „ein Vogel zum Locken“, Gießkanne „eine Kanne zum Gießen“). Diese wurden später umgedeutet, man sah in dem ersten Gliede einen Imperativ, und so entstanden die imperativischen Namen. Wie kann man aber dazu aufgefordert werden, den Frieden zu stören, nicht gut zu tun usw.? Die imperativische Bedeutung rechtfertigt sich dadurch, daß dem, an welchem eine Eigenschaft oder Gewohnheit haftet, gleichsam zugerufen wird, das zu tun, was er ohnehin und immer tut, und was man an ihm wahrzunehmen gewohnt ist. Ein Friedensstörer, einer der nicht gut tut, wird ironisch aufgefordert zu tun, was er doch nicht läßt, und so erhält er den Namen Störenfried, Tunichtgut. Findet eine solche Aufforderung doch auch in Wirklichkeit öfters statt. Unvorsichtigen und Leichtsinnigen hört man im täglichen Leben zurufen: Schneide dich! Fall herunter und brich den Hals! Trotzigen: Ja trotze noch! (~S. Andresen~, Imperativnamen. Archiv für neuere Sprachen, Bd. XLIII, S. 296).
[59] Anderseits sind freilich auch manche in Vilmars Verzeichnis als nicht hierher gehörig zu streichen, wie _Baldauf_, _Gangauf_, die richtiger als Ableitungen altdeutscher Personennamen (_Baldolf_, _Gangolf_) gefaßt werden; _Richzenhain_, _Rollenhagen_, _Stemshorn_, die ursprünglich Ortsnamen sind und daher in die folgende Klasse c) gehören. Auch Andresen beachtet das Hereinspielen der Ortsnamen nicht immer genügend.
[60] Eine hübsche Illustration zu den letztaufgeführten Namen bietet jene höchst bezeichnende plattdeutsche Grabschrift eines mecklenburgischen Junkers in der Kirche zu Dobberan:
Wiek, Düwel, wiek wiet van my! Ick scher my nich en Haar um dy; Ick bin en Meckelbörgsch Edelmann, Wat geit dy, Düwel, min Supen an? Ick sup mit mim Herrn Jesu Christ, Wenn du Düwel ewig dösten müst; Ick sup mit em ne söte Kolleschal, Wenn du sittst in de Höllenqual. Drum rad ick: wiek, lop, renn un gah, Eh, by dem Düwel! ick ~toschlah~!
[61] ~Becker~, Geschlechtsnamen S. 6. -- ~Vilmar~, Namenbüchlein S. 15.
[62] „Von Würzeburc ich Kuonrât“ im „Otto mit dem Barte“, Z. 760.
[63] Becker stellt mehrere Reihen alter Namen dieser Art zusammen, aus Köln (12. Jahrh.) die Geschlechter: _vom Neumarkt_, _de Monticulo_ (vom Bühel); aus Zürich: _zer Linden_, _im Hof_, _am Thor_; vom Lande aus der Umgegend des Vierwaldstätter Sees: _in der Ouwe_ (Aue), _in der Matta_, _bim Schechen_, _ze dem Brunnen_ u. a. -- Pott führt aus Ehrentrauts friesischem Archive Bd. I H. 3 an: _Wilken thom dyke_, _Oltman bi der muren_, _eylerd mank den schuren_ u. a.; aber auch schon ohne Verhältniswort: _Robeke bakhus_, _borcherd netelhorst_, _Godeke stengrauen_. -- Aus der Kölner Universitätsmatrikel (15. Jahrh.) füge ich hinzu: _Henricus in der sunnen_, _Henricus super lapidem_, _Everhardus uff dem Velde_, _Conradus van der Lynden_.
[64] Anderer Art, wenn auch ähnlichen Sinnes sind die Zusammensetzungen mit Mann: _Grundmann_, _Lehmann_, _Buschmann_, _Horstmann_, _Gampmann_.
[65] Das Verhältnis der Familiennamen zu den Ortsnamen und das bedeutende Hereinspielen der letzteren ist von manchen nicht genügend in Betracht gezogen worden, namentlich nicht von Vilmar, der, zu sehr nach dem äußeren Schein und Klang urteilend, viele Namen falsch einreiht. So stellt er _Schönaich_, _Staudach_ unter die Pflanzen, berücksichtigt bei _Baum_ und _Horn_ nicht, daß diese einfach oder als zweiter Teil der Zusammensetzung häufig als Ortsnamen vorkommen usw.
[66] Stark S. 156: Rudolfus _Strubingar_ (Straubinger) 12. Jahrh.; Heinrich der _Wiener_ 14. Jahrh. -- Henricus dictus _Mijssener_ (Meißner) Köln. Univ.-Matrikel 1390.
[67] In Klempins Pommerschen Namenverzeichnissen aus dem Ende des 15. Jahrh. findet sich kein einziger Name dieser Art, immer ist die Ortsbenennung unverändert, mit verhältniswörtlicher Ellipse, verwendet: _Arnstorp_, _Paswalck_, _Rosendal_, _Schenkenbergh_ usw.
[68] ~Kleemann~ (Die Familiennamen Quedlinburgs und der Umgegend S. 167) zählt in der großen Feldmark von Quedlinburg 15 ehemalige, jetzt verschwundene Dörfer auf.
[69] Z. B. _Opitz von Boberfeld_, _Hoffmann von Hoffmannswaldau_. Auch Abstrakta wurden und werden verwendet wie: _Löllhöfel von Löwensprung_, _Adler von Adlerskampf_, _Riebel von Festertreu_, _Tengg von Lanzensieg_.
[70] Daß in noch früherer Zeit auch die ~Waffen~ der Helden, namentlich die ~Schwerter~ Namen hatten (Altekläre = hoher Glanz, Preciosa, Angurwadel), ist aus den Epen des Mittelalters bekannt.
[71] Ähnlich war es in England noch zu Ende des 17. Jahrhunderts: „Die Häuser (in London) waren nicht numeriert. Es würde in der Tat von geringem Nutzen gewesen sein sie zu numerieren; denn von den Kutschern, Sänftenträgern, Lastträgern und Laufburschen Londons konnte nur ein sehr kleiner Teil lesen. Es war nötig, Zeichen zu gebrauchen, die der Unwissendste verstehen konnte. Die Läden unterschieden sich daher durch gemalte Zeichen, welche der Straße ein heiteres und groteskes Ansehen gaben. Der Weg von Charingcross nach Whitechapel ging durch eine unendliche Folge von Sarazenenköpfen, Königseichen, blauen Bären und goldenen Lämmern, welche verschwanden, wie sie nicht mehr als Leitfaden der gemeinen Leute nötig waren.“ (~Macaulay~, Gesch. Englands seit dem Regierungsantritt Jakobs II., Bd. 2 in dem Kapitel: Zustand Englands im Jahre 1685.)
[72] Schiller im Tell I, 2 von Stauffachers Hause:
„Mit bunten Wappenschildern ist’s bemalt Und weisen Sprüchen.“
[73] Man vergleiche schwedische Namen wie _von Tigerström_ (ein Strom, an dem Tiger hausen, in Skandinavien!), _Gyllenstorm_ (goldner Sturm) u. a. -- auch die jüdischen Familiennamen (s. weiterhin).
[74] Urspr. bloßer _Koch_, aber anmaßlicherweise eingedrungen in die römische Gens Cocceja (Pott).
[75] Friedrich der Große hat gelegentlich darüber seinen Spott ausgegossen, siehe den Bericht über seinen Besuch im Rhin- und Dossebruch (1779), verfaßt vom Oberamtmann Fromme, welcher den König durch den Fehrbelliner Amtsbezirk begleiten mußte und alles aufgezeichnet hat, was er an diesem denkwürdigen Tage erlebt und aus des Königs Munde vernommen.
~König~: Wie heißt Ihr?
~Amtsrat~ (des Amtes Neustadt): Klausius.
~König~: Klau-si-us. -- -- Was ist das für ein Mensch, der da rechts?
~Fromme~: Der Bauinspektor Menzelius, der hier die Bauten in Aufsicht gehabt hat.
~König~: Bin ich hier in Rom? Es sind ja lauter lateinische Namen! -- -- Wie heißt die Kolonie?
~Fromme~: Klausiushof.
~Amtsrat~: Ihre Majestät, sie kann auch Klaushof heißen.
~König~: Sie heißt Klau-si-ushof. Wie heißt da die andere Kolonie?
~Fromme~: Brenkenhof.
~König~: So heißt sie nicht.
~Fromme~: Ja, Ihro Majestät! Ich weiß es nicht anders!
~König~: Sie heißt Brenkenhofi-ushof.
[76] Im Segen Jakobs (1. Mos. 49) wird Juda ein junger Löwe, Naphthali ein Hirsch, Benjamin ein Wolf genannt. Der Adler ist ein Bild sich erneuender Jugend (Ps. 103,5 u. a.).
[77] _Gold_, _Golde_, _Feingold_, _Goldader_, _Goldbach_, _Goldbaum_, _Goldberger_, _Goldenberg_, _Goldenkranz_, _Goldfaden_, _Goldfarb_, _Goldfinger_, _Goldmann_, _Goldmark_, _Goldreich_, _Goldstein_, _Goldstrom_, _Goldtreu_, _Goldziher_ usw.
[78] Bemerkenswert ist es, daß die Frau auch wohl den ~Vor~namen des Mannes mit annimmt: _Esther Salomon Gottschalk_, _Bertha Philipp Freundlich_ -- es ist eben die ~Firma~, die so selbst noch auf den Grabsteinen prangt.
[79] ~Andree~, Zur Volkskunde der Juden. S. 125 ff.
[80] Früher beseelte die Deutschen ein stolzes Selbstgefühl, über welches als die „_Teutonicis innata superbia_“ Schriftsteller anderer Nationen klagen. „Seit jenem unseligen Kriege,“ ruft Gfrörer bitter aus, „sind die Deutschen ein Volk von Bedienten geworden!“
„Ich bin Franzos!“ „Engländer!“ „Ich Russe!“ -- Und Sie, mein Verehrter?
„Schulze aus Meiningen, Herr! Dero ergebener Knecht!“ (Xenien der Gegenwart.)
[81] Schon lange vor dem letzten Kriege.
[82] Diese lächerlichen Schreibungen finden ein Gegenstück nur in den Entstellungen deutscher Namen auf Häuserschildern in Metz (vor 1870): _Chemit_ (Schmidt), _Quoinze_ (Kuntz), _Choultse_ (Schulze) u. a. -- Über die Polonisierungen früherer Jahrhunderte spricht Winckler, „Die Nationalitäten Pommerellens“ S. 4 f., welcher dort ein Verzeichnis der während der polnischen Herrschaft polonisierten Adelsgeschlechter gibt. So wurde aus Ahlebeck gemacht _Alebitzki_, aus Behme -- _Bem_, aus Hutten -- _Ozapski_, aus Kochenstein _Kochanski_, aus Schönborn -- _Szumborski_ usw. Noch häufiger jedoch wurde den deutschen ein polnischer, vom Besitz entlehnter Name hinzugefügt, so daß nun diese merkwürdigen Zwitter entstanden wie _Stein von Kaminski_, _Otterfeld-Rybinski_. Doch diese Maskierungen werden durch den Druck der mehr als dreihundertjährigen polnischen Gewaltherrschaft in Westpreußen einigermaßen entschuldigt. Welche Entschuldigung aber haben diejenigen, die in der Gegenwart unter einer deutschen Regierung ihre Nationalität verleugnen und mit den Feinden des Vaterlandes gemeinsame Sache machen?
[83] Rüstow in seinen „Erinnerungen aus dem italienischen Feldzuge von 1860“: „Die ~ungarische~ Legion bestand aus allen Nationen; besonders waren auch viele Norddeutsche darin. Die ~deutschen~ Offiziere in derselben hatten sich ungarische Namen gegeben“ -- wozu das Magazin für Literatur des Auslandes (1862, Nr. 7) bemerkt: „Es ist wirklich rührend und für jeden echten Deutschen erhebend. Man möchte glauben, wenn einmal ein Freiheitskrieg der Kongoneger ausbricht, und deutsche Landsknechte dahin kommen, so lassen sie sich, abgesehen von den schwarzen Namen, die sie natürlich annehmen, mit echtem Kienruß färben, um den Negern ihre Farbe und Nationalität nicht mißliebig zu machen.“
[84] ~Bernhardi~, Sprachkarte von Deutschland. -- ~Kiepert~, Völker- und Sprachenkarte von Deutschland und den Nachbarländern. -- ~Ders.~ Völker- und Sprachenkarte von Österreich. -- ~Perthes’~ Alldeutscher Atlas. Bearbeitet von Langhans 1900.
[85] Nach der üblichen geographischen Zweiteilung des deutschen Landes.
[86] Ein Beispiel dieser sehr abweichenden Mundart ist das saterländische „_Skippers sankje_“ (Schiffers Gesang), mitgeteilt von Poppe, Globus 1872 Nr. 12. Daß übrigens in diesem ganzen Kapitel nur die ~Land~bevölkerung in Betracht kommen konnte, ist wohl selbstverständlich.
[87] Westlich durch die niederrheinische Landschaft (besonders Reg.-Bez. Düsseldorf) wenn auch in stark verminderter Menge.
[88] In Mecklenburg auch _Kröger_, _Köster_, _Schriewer_.
[89] Damit sind die Familien noch nicht als urspr. wendisch gekennzeichnet. Der Name besagt ja nur, daß der Ahnherr des Geschlechtes aus dem bezügl. Orte stammte; er kann also sehr wohl und wird in Wirklichkeit meistens deutscher Abkunft gewesen sein.
[90] Aus -_ek_ entwickelte sich -_ke_, wie in _Pawelke_ aus _Pawelek_, _Mardschinke_ aus _Marcinek_. In andern Fällen wurden volle Vokale (_a_, _i_) abgeschwächt, wie in _Jütersonke_ aus _Jutrzenka_, _Palbitzke_ aus -_ki_. Dadurch haben die Namen auf _ke_, aus mehreren Quellen fließend, solchen Zuwachs erhalten, daß sie in Hinterpommern (etwa 15 v. H.) dreimal so zahlreich als in Vorpommern sind.
[91] Die altdeutschen Vollnamen und ihre ein- oder zweistämmigen Kürzungen ohne Verkleinerungssuffix, welche die allgemeine Grundlage auch hier bilden, werden nicht weiter hervorgehoben. Nur die Eigentümlichkeiten der einzelnen Landschaften sollen hier möglichst ins Licht gestellt werden.
[92] Im Luxemburgischen bisweilen in französischer Schreibung: _Bouchholzer_, _Bourggraff_, _Brandenbourg_ -- _Nitschké_.
[93] Fast immer in dieser einfachsten Schreibung.
[94] Für ~Bayern~ fehlten mir leider die ausreichenden Unterlagen -- ebenso wie für Elsaß-Lothringen, die deutschen Teile von Österreich-Ungarn und der Schweiz.
[95] Hier ragt ja auch das Polnische in die Provinz herein.
[96] Anderseits begegnen auch viele deutsche Namen (bis zu 25 v. H.) in den überwiegend polnischen Kreisen.
[97] Zusammengestellt nach den Kirchenbüchern der Gemeinde Wachholzhagen (Kreis Greifenberg, Pommern), die in den Konfirmanden-Verzeichnissen bis 1586, im übrigen bis 1619 zurückgehen.
[98] ~Kiepert~, Völker- und Sprachenkarte von Deutschland und den Nachbarländern. -- ~Rich. Böckh~, Sprachkarte vom preußischen Staate nach den Zählungsaufnahmen vom Jahre 1861, im Auftrage des Königl. statistischen Bureaus bearbeitet.
[99] An dieser Stelle fließen Slawisch und Deutsch teilweis zusammen und es ist keine strenge Grenze zu ziehen, da manche Namen auf _ke_ sowohl deutschen als slawischen Ursprunges sein können, z. B. _Janke_ deutsche Verkleinerungsform von _Johannes_ und auch slawische, durch _Janek_ vermittelt.
II.
Namen-Lexikon.
Vorbemerkungen.
Adelslex. bedeutet Frh. von Ledebur, Adelslexikon der preußischen Monarchie.
ahd. „ althochdeutsch.
angels. „ angelsächsisch.
Bacm. „ Bacmeister, Germanistische Kleinigkeiten (I. Alte, meist oberdeutsche Familiennamen).
Bed. „ Bedeutung.
Buck „ Buck, Oberdeutsches Flurnamenbuch.
DW. „ Grimm, Deutsches Wörterbuch.
einst. K. „ einstämmige Kürzung.
EN. „ Eigenname.
F. „ Form.
FN. „ Familienname.
Först. „ Förstemann, Altdeutsches Namenbuch.
Gen. „ Genetiv.
got. „ gotisch.
Gött. UB. „ Göttinger Urkundenbuch.
Jh. „ Jahrhundert.
Kal. „ Kalendertag.
KB. „ pommersche Kirchenbücher.
Klemp. „ Klempin, Diplomatische Beiträge.
Lipp. Reg. „ Preuß und Falkmann, Lippische Regesten.
mhd. „ mittelhochdeutsch.
N. „ Name.
niederd. „ niederdeutsch.
O. „ Ort.
oberd. „ oberdeutsch.
ON. „ Ortsname.
patr. A. „ patronymische Ableitung.
patr. Zss. „ patronymische Zusammensetzung.
PN. „ Personenname.
Preuß „ Preuß, Die lippischen FN. (urkundlich).
Rud. „ Rudolphs Vollständigstes Ortslexikon von Deutschland und Österreich.
südd. „ süddeutsch (südlich vom Main).
V. „ Vollname.
Vklf. „ Verkleinerungsform.
VN. „ Vorname.
westf. „ westfälisch.
zsgz. „ zusammengezogen.
Zss. „ Zusammensetzung.
zweist. K. „ zweistämmige Kürzung.
I. II. III. „ die drei Schichten innerhalb der FN. (Abhandlung Kap. 1).
Bei der ersten Schicht beachte man, daß die Aufeinanderfolge der an zweiter Stelle befindlichen Zusammensetzungselemente diese ist: _bald_, _beraht_, _bod_, _brand_, _brord_ -- _dag_ -- _frith_, _funs_ -- _gang_, _gar_, _gard_, _gast_, _grim_ -- _hard_, _hari_, _helm_, _hraban_, _hroc_, _hrod_ -- _laic_, _laif_, _land_ -- _man_, _mar_, _mod_, _mund_ -- _nanth_, _nod_ -- _rad_, _ric_ -- _scalc_, _stain_ -- _thanc_, _thiu_ -- _wald_, _ward_, _wig_, _win_, _wulf_.
Den neuhochdeutschen FN. sind die ad. Vollnamen vorangestellt -- wenn nicht urkundlich nachgewiesen und nur vorausgesetzt, in Klammer, z. B. unter _Band_: _Bandhard_, aber (_Bandheri_). Die gekürzten altdeutschen Formen dagegen sind, wenn auch nachweisbar, der Raumersparnis wegen nicht durchgängig aufgeführt worden. Eine Zahl bei einem altdeutschen Namen. z. B. _Arnust_ 8., bezeichnet das Jahrhundert, in welchem derselbe zuerst nachweislich wird.
Alle von Ortsbezeichnungen abgeleiteten zusammengesetzten Familiennamen suche man unter dem Grundwort, z. B. _Bärenreuth_, _Vogelreuter_ unter _Reut_. (Die wichtigsten dieser Grundwörter siehe auf S. 55 f.)
A.
=A= III. got. ahva, ahd. aha, mhd. ahe „fließendes Wasser“ (urverwandt mit lat. aqua) -- bildet schon in der ahd. Zeit unzählige Namen auf -_aha_, wie _Fuldaha_, neben denen seltnere Formen auf -_aa_, -_ach_, -_a_ hergehen. Heutzutage ist die häufigste F. -_ach_. Solche Flußnamen sind dann auch auf daran liegende Orte und von diesen auf Familien übertragen worden.
FN. _Altena_ (= zur alten A). _Berka. von Bibra_ (aus Biberaha, Biberfluß). _Fulda_, abgeschwächt _Fulde_.
=Aalderk= s. Athal (V. Adalric).
=Aalfs= s. Ath (V. Athaulf).
=Aapken= s. Ath (zweist. K.).
=Aar= s. Ar.
=Abben= s. Ath (zweist. K.).
=Abbrecht= s. Ath (V.).
=Abbt= s. Abt.
=Abderhalden= III. (schweiz.) „der von der Halde“ (vgl. „Heinrich von der Halden“ Schiller, Tell 1, 4).
=Abe, Abek-= s. Ath (zweist. K.).
=Abel= a) I. s. Ath (zweist. K.). b) II. hebr. Hebel, Habel „Hauch“.
=Abele, -ing= s. Ath (zweist. K.).
=Abend= III. in mehreren Zusammensetzungen: _Braunabend_, _Faßlabend_, _Feierabend_. -- Auch _Abendroth_.