Die Anthropophagie

Part 8

Chapter 83,402 wordsPublic domain

+Paumotu.+ Ursprünglich sind alle Bewohner der Paumotu-Inseln Anthropophagen gewesen und auf den östlichen sind sie es noch jetzt, was ihren Zusammenhang mit den Rarotongern (Hervey-Gruppe) beweist, bei denen das Menschenfressen allgemein geübt wurde; auf den westlichen Inseln ist es aber schon vor der Einführung des Christentums durch den Einfluß der Tahitier unterdrückt worden.[190] Auf dem östlich von den Niedrigen Inseln gelegenen +Rapanui+ (Osterinsel) _cannibalism was practised four or six years since_ (1862 oder 1864); _some Spaniards were eaten_.[191]

+Gesellschaftsinseln.+ ~Meinicke~ nimmt an, auf Tahiti sei die Anthropophagie niemals Sitte gewesen.[192] Indessen da alle übrigen polynesischen Inseln sie kannten und teilweise noch kennen, so wird auch Tahiti keine Ausnahme gemacht haben, wenn auch der Kannibalismus dort zur Zeit der Entdecker schon in den letzten Zügen lag. Nur um zu prahlen, verschlangen dort einige Leute ein paar Bissen Rippenfett wie ~Cook~ und ~Ellis~ bezeugen, und das Darreichen des Auges eines Geopferten war hier so gut Sitte wie auf den Sandwich- und Samoa-Inseln. ~Wilson~ berichtet darüber folgendermaßen: Motuaro, das Oberhaupt von Eimeo, leistete dem jungen Könige (Pomare, Otu), der auf den Schultern eines Mannes getragen wurde und von allen seinen Vornehmen umgeben war, seine Huldigung. Er brachte von Eimeo drei Menschenopfer, der Priester höhlte von jedem ein Auge aus und reichte es auf einem Pisangblatte dem Oberherrn dar. Zugleich hielt er dabei eine feierliche Rede; die toten Körper wurden hierauf fortgetragen und im Morai begraben. Dieselbe Ceremonie wurde hernach von einem jeden Oberhaupte oder Fürsten der verschiedenen Distrikte wiederholt. Einige brachten ein, andere zwei Menschenopfer; sie waren an einem langen Pfahl befestigt und wurden nach Überreichung des Auges beerdigt.

„Man erklärte die grausamen Opfer auf folgende Art: der Kopf wird für heilig gehalten, und das Auge für dessen kostbarsten Teil. Dies wird daher dem Könige, als des Volkes Haupt und Auge, überreicht. Bei der Überreichung des Auges sperrt der König den Mund auf, +als ob er es verschlingen wolle+. Hierdurch glauben sie, erhalte er großen Zuwachs von Weisheit und Klugheit; auch glauben sie, daß ein Schutzgott bei dieser Feierlichkeit zugegen sei, das Opfer annehme und durch Mitteilung von mehr Lebenskraft die Seele des Königs stärke.“[193] ~Ellis~ erzählt Kannibalengeschichten von der kleinen westlich von Tahiti gelegenen Insel Tapamanoa.[194]

Ist dies schon als Rest der ehemals auf Tahiti herrschenden Anthropophagie aufzufassen, so erhalten wir hierfür weitere Bestätigung durch ein von Cook mitgeteiltes Märchen: In den Bergen der Insel lebten vor Zeiten zwei Kannibalen, die großen Schaden verursachten. Zwei Brüder machten sich auf, sie zu töten, luden sie ein und setzten ihnen glühende in Brotfruchtteig gehüllte Steine vor. Der erste Kannibale starb daran; der zweite aber, gewarnt durch das Zischen der heißen Steine im Halse seines Gefährten, wollte nicht essen. Da überredeten ihn die Brüder, die Wirkung ginge rasch vorüber. Jener aß und starb. Die Brüder zerschnitten die Leichen der Menschenfresser und begruben sie. Eines der Weiber der Kannibalen, das zwei große Hauzähne hatte, aber kein Menschenfleisch aß, wurde nach seinem Tode unter die Götter versetzt. ~G. Forster~ schloß ganz richtig aus diesem Märchen, daß hierdurch auf ehemals weiter verbreitete Anthropophagie hingewiesen werde[195], was auch daraus erhellt, daß die Tahitier direkt zu ~Cook~s Leuten ihre Vorfahren als _Tahe-ai_, Menschenfresser, bezeichneten.[196]

+Samoa-Inseln.+ Hier ist der Kannibalismus jetzt erloschen. Daß er herrschte, darf nicht bezweifelt werden, wenn auch nur noch spärliche Anzeichen für denselben aufgefunden werden können. ~George Turner~ berichtet, daß bei den Kriegen der Eingeborenen gelegentlich ein Leichnam gekocht wurde, doch war dies stets ein wegen seiner Grausamkeit berüchtigter Feind, von dem zu essen, als der Gipfelpunkt des Hasses und der Rache betrachtet wurde, nicht etwa um einem Gelüste zu fröhnen. Letzteres war jedoch in alten Zeiten wohl der Fall. „Ich will dich braten“, ist die größte Beleidigung, die man einem Samoaner zurufen kann, ja ein Häuptling erklärte auf diesen Schimpf hin Krieg. Stolze Häuptlinge verließen die Missionskapelle, wenn eingeborene Prediger vom höllischen Feuer berichteten. Unterwirft sich ein kriegführender Teil dem andern, so ist es Sitte, sich vor dem Sieger zu beugen und Brennholz und ein Bündel Laub emporzuhalten, wie sie beim Braten der Schweine benutzt werden, gleichsam als wollten sie sagen: „Töte und koche uns, wenns dir beliebt.“[197]

Nach ~W. J. Pritchard~ dem Jüngern sind die Samoa-Insulaner zwar im allgemeinen von der Anthropophagie freizusprechen; doch kommen einzelne Fälle noch immer vor, wenn auch hierbei eine gewisse Renommage der bewegende Grund zu sein scheint.[198]

Auf der nordwestlich von den Samoa-Inseln gelegenen Insel Rotumah, die gleichfalls von Polynesiern bewohnt ist, erscheint die Anthropophagie erloschen; als in ~Turner~s Gegenwart 1845 einige Maoris die dortigen Insulaner aufforderten, die Leichen der im Kriege Gefallenen zu verzehren, wiesen die Eingeborenen dies mit Abscheu zurück.[199]

+Tonga-Inseln.+ Auf diesen war gleichfalls zur Zeit der Entdecker die Anthropophagie im Erlöschen und kam nur noch infolge von Hungersnot, wo nach ~Mariner~ auch Weiber sich beteiligten, oder als Äußerung des Hasses vor. Ein beleidigter Insulaner erschlug seinen Feind, schnitt ihm die Leber, den Sitz der Leidenschaften, heraus und tauchte sie, zum Entsetzen der übrigen Tonganer, in sein Getränk. Die schlimmsten Flüche auf Tonga sind nach ~Mariner~: „Koche deinen Großvater“ oder „Grabe deinen Vater bei Mondlicht aus und friß ihn“. Weiße zu fressen, galt für schädlich, da einige Tonganer, welche drei Weiße gefressen hatten, nach dem Genüsse des Fleisches erkrankten und starben. Zu ~Mariner~s Zeiten (1818) hatten einige Tonganer auf den benachbarten Fidschi-Inseln die Anthropophagie wieder gelernt und übten sie zur Abscheu ihrer Landsleute aus.[200]

+Neu-Seeland.+ Als ~Cook~ auf seiner ersten Reise Neu-Seeland wieder aufgefunden hatte und er beim Königin-Charlotte-Sund mit seinen Begleitern ~Banks~ und ~Solander~ ans Land gegangen war, sollte er sofort mit eigenen Augen beobachten, wie Maoris neben einem Hunde auch Menschenfleisch verzehrten, das in Körben neben jenem lag. Auf die Frage, warum sie denn nicht den im Wasser schwimmenden Leichnam einer Frau äßen, antworteten jene, die Frau sei eines natürlichen Todes verstorben und ihre Verwandte, sie aber verzehrten nur die Leichen ihrer in der Schlacht erlegten Feinde. ~Georg Forster~ nimmt Gelegenheit, die angezweifelte Anthropophagie der Maoris zu bestätigen und macht die Bemerkung, daß dieses Volk weit über die erste Barbarei hinaus sei, darum also die Menschenfresserei desselben um so mehr auffalle. Mangel an animalischer Nahrung könne nicht die Ursache dieses schrecklichen Gebrauches sein, denn überall gebe es Fische im Überfluß, man züchte viel Hunde und auch an wilden Vögeln sei kein Mangel. Was aber auch die Ursache sein möge, als sicher erscheine die außerordentliche Vorliebe der Neu-Seeländer für Menschenfleisch. Höchst wahrscheinlich, nimmt ~Forster~ an, liege Rachsucht zu Grunde und mit der Zeit werde wohl der schauderhafte Gebrauch aufhören, wozu die Einführung der europäischen Haustiere wohl auch das ihrige mit beitragen werde.

Alle späteren Reisenden, sowie die Missionare bestätigten im vollsten Maße die weite Verbreitung der Anthropophagie unter den Neu-Seeländern und wenn die Missionare entsetzt darüber jammerten, antworteten die Maoris: „Die großen Fische fressen die kleinen, Hunde fressen Menschen, Menschen Hunde, Hunde einander, Vögel einander, ein Gott den andern.“

Aus den Überlieferungen der Maoris soll hervorgehen, daß der Kannibalismus erst lange nach ihrer Einwanderung auf Neu-Seeland aufkam und ~Hochstetter~ nimmt an, daß die Anthropophagie daselbst zur Zeit der Entdeckung ihren Gipfelpunkt erreicht hatte; den Frauen war übrigens der Genuß von Menschenfleisch nur in Ausnahmefällen gestattet. Was den Ursprung der Menschenfresserei betrifft, so ist derselbe Forscher der Ansicht[201], daß mit der Zunahme der Bevölkerung auf den Inseln das Erträgnis der ohnehin wenig ergiebigen Jagd und damit die einzige Quelle der Fleischnahrung immer spärlicher wurde, und daß um neue Jagdgebiete, um gutes Ackerland und um ergiebige Fischplätze Streitigkeiten entstanden, die zum Kriege führten. Durch diese Kriege verwilderte der Geist des Volkes, die Feldarbeiten wurden vernachlässigt, Not trat ein und Hunger im Verein mit Rachedurst und Haß führten im Kriege zu den ersten Fällen des Kannibalismus. Aber die Kriege dauerten fort, der Mangel an Fleischnahrung wird mit der allmählichen Ausrottung der Tier- und Vogelarten (der Moas etc.), die das Hauptjagdwild ausmachten, immer fühlbarer, und was anfangs nur in der höchsten Not und in der äußersten Aufregung der Leidenschaften als vereinzelter Fall vorgekommen, wurde nach und nach ein fürchterlicher Brauch, der erst dann wieder aufhörte, als durch die Einführung ergiebiger Nahrungsquellen dem Mangel und Elend abgeholfen und die Grundursache der blutigen Kriege gehoben wurde. Das geschah mit der Einführung der Schweine, Kartoffeln und Getreidearten durch die Seefahrer zu Ende des vorigen Jahrhunderts. Dazu kamen die wohlthätigen Einflüsse des Christentums, das die wilden Sitten milderte und so verzeichnet die Geschichte schon im Jahre 1843 -- siebzig Jahre nach ~Cook~ -- den letzten (?) wirklichen Fall von Kannibalismus.[202]

Dieser Ansicht ~Hochstetter~s widerspricht aber ~Georg Forster~s Bemerkung auf das bestimmteste, daß zu seiner Zeit (~Cook~s zweite Reise) an animalischer Nahrung kein Mangel auf Neu-Seeland gewesen sei und auch wir sind geneigt, eher das von ~Forster~ hervorgehobene weit verbreitete Motiv der Rachsucht als die Ursache der Anthropophagie anzunehmen.

~Darwin~ führt an, daß schon zur Zeit, als er Neu-Seeland besuchte (1835), der Kannibalismus dort selten gewesen sei[203]; indessen fällt gerade in jene Zeit eine der kannibalischen Hauptthaten der Maoris. Damals überfielen Neu-Seeländer die nach Osten zu gelegene Warekaûri- oder Chatham-Insel, deren Eingeborene (sog. Moriori) sie zum großen Teil erschlugen und verzehrten. „Die Grausamkeit der Kannibalen war so raffiniert, daß die armen Geschöpfe das Holz herbeitragen und die Ofen herrichten mußten, in denen sie gebraten werden sollten. Die zum Schmause ausersehenen wurden dann in einer Reihe auf die Erde neben den Öfen gelegt und von einem der Maorihäuptlinge durch Schläge mit einem Mere (Steinkeule) getötet.“[204] Die Moriori waren, wie alle Polynesier, früher selbst Anthropophagen gewesen.

Der heutigen dahinschwindenden Maorigeneration erscheint übrigens jene alte Zeit nur wie ein Traum. Nachkommen jener Kannibalen sitzen im Parlamente von Neu-Seeland und ~Hochstetter~ erzählt eine bezeichnende Geschichte, welche darthut, wie bei den Maoris jetzt alles verschwunden ist, was auf den Kannibalismus hindeutet. „Ein alter Häuptling, der mit einem jungen Manne auf der Reise war, erinnerte sich, als sie an einem Kriegspah vorbei kamen, vergangener Tage und erzählte seinem jungen Freunde: ‚Siehe, hier haben wir deinen Vater gefangen, dort haben wir ihn getötet und gegessen.‘ Der junge Mann hörte der Geschichte zu, als ob sie ihn weiter gar nichts anginge; beide schliefen gemütlich in demselben Zelte, aßen aus demselben Topfe und waren gute Freunde.“[205]

+Mikronesien.+ Hier war die Anthropophagie zur Zeit der Entdeckung so gut wie verschwunden und nur wenig Tatsächliches liegt darüber vor. Von den Kingsmill-Inseln sagt ~Wilkes~: „Die Körper der Erschlagenen werden gewöhnlich nicht verzehrt; doch kommt es gelegentlich vor, daß, wenn ein berühmter Krieger erschlagen wurde, die jungen Männer aus Haß Teile seines Fleisches essen.“[206] Daß die Anthropophagie aber einst über die verschiedenen Inselgruppen verbreitet war, dafür liegen noch einzelne Andeutungen vor. So berichtet ~Chamisso~[207] von den Marshall-Insulanern, daß beim Abschlusse eines Friedens dieselben vom Fleische eines gefallenen feindlichen Häuptlings kosteten und sich den Namen des gefallenen Häuptlings beilegten, eine Sitte, die häufig mit kannibalischen Gewohnheiten verknüpft erscheint.

Daß auf den Pelew- oder Pelau-Inseln Anthropophagie niemals vorkam, sucht ~Chamisso~[208] zu beweisen. Weder ~Wilson~ noch ~Semper~ berichten davon, obgleich sie das Kopfschnellen der Insulaner recht gut kennen und bei dem besten und gründlichsten Kenner der Pelau-Inseln, ~Johann Kubary~, finden wir auch nur eine leise hierauf bezügliche Andeutung, welche aber auch nur auf ehemals vorhandene Anthropophagie hinweist. Die Bewohner der Insel Corror hatten nämlich jene von Molegojok auf Baobeltaop als Menschenfresser geschildert, wiewohl ~Kubary~ dort keine Spur von Anthropophagie fand.[209] Hierbei bleibt stets zu beachten, daß die Pelauer wesentlich Papuas sind, wiewohl mit malayischem Blute durchsetzt, und daß fast überall noch die Papuas heute als Anthropophagen auftreten, und der malayische Stamm auch Kannibalen stellt. Wir glauben daher im Gegensatz zu ~Chamisso~ annehmen zu dürfen, daß die Pelauer allerdings früher Anthropophagen waren.

[140] United States Exploring Expedition. VII. 37.

[141] Bemerkungen auf seiner Reise um die Welt. 290.

[142] ~W. Ellis~, Polynesian Researches. London 1829. II. 222.

[143] De Papoewas der Geelvinksbaai door ~A. Goudswaart~. Schiedam 1863.

[144] Neu-Guinea und seine Bewohner. Bremen 1865. 48. Der Ansicht, daß +kein+ Kannibalismus auf Neu-Guinea herrsche, schließt sich auch ~Fr. Müller~ in seiner „Allgemeinen Ethnographie“ Wien 1873. 109 an.

[145] ~Albert S. Bickmore~, Reisen im Ostindischen Archipel. Aus dem Englischen. Jena 1869. 234.

[146] Ocean Highways. Juni 1873. 115.

[147] Seine Berichte stehen: Ausland. 1873. 964. Ocean Highways. Dezember 1873. 388. Mitteilungen der k. k. geographischen Gesellschaft in Wien 1873. 538. Nature, 4. Dezember 1873. 77.

[148] A cruise among the cannibals. Ocean Highways. Dezember 1873. 364.

[149] Ocean Highways. Dezember 1873. 393.

[150] ~Chalmers~ and ~Gill~. New-Guinea. London 1885. 48. 144. 234.

[151] Naufrage et scènes d’anthropophagie à l’île de Rossel dans l’archipel de la Louisiade. Im Tour du Monde. IV. 87 (1861).

[152] Missionar D. ~Carlo Salerio~ in ~Petermann~s Mitteilungen. 1862. 342.

[153] ~Salerio~ a. a. O. 343.

[154] ~W. Powell~, Unter den Kannibalen von Neu-Britannien. Leipzig 1884. 60. 82. 87. 219.

[155] ~Spry~, Die Expedition des Challenger. Leipzig 1877. 245. 248.

[156] Courte relation du voyage que fit ~Alvaro de Mendana~ à la récherche de la Nouvelle-Guinée, traduit de l’espagnol par ~M. Ed. Dulaurier~. Nouvelles Annales des Voyages. Juillet 1852. -- ~Figueroa~, der auch eine Schilderung der Reise des ~Mendana~ 1612 in Madrid veröffentlichte, erzählt den Vorfall folgendermaßen: „Der Kazike sandte ~Mendana~ das Viertel eines Kindes mit Arm und Hand. Der spanische General ließ es in Gegenwart jener, die es gebracht, vergraben. Sie schienen beleidigt und verwirrt von dem schlechten Erfolge ihrer Gesandtschaft und schlichen mit gesenktem Haupte hinweg.“

[157] Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin. VIII. 96 (1873).

[158] A cruise among the cannibals. Ocean Highways. Dezember 1873. 361.

[159] Revue d’Ethnographie. IV. 214 (1885).

[160] ~G. Forster~, Sämmtliche Schriften. II. 232.

[161] ~Forster~ a. a. O. II. 243.

[162] ~George Turner~, Nineteen Years in Polynesia. London 1861. 83.

[163] Auf dieser Insel wurde am 20. November 1839 der „Apostel der Südsee“, ~Williams~, nebst seinem Gefährten ~Harris~ verzehrt.

[164] The illustrated Missionary News. 1. Januar 1874.

[165] ~O. Rietmann~, Wanderungen in Australien und Polynesien. St. Gallen 1868. 171.

[166] ~M. Eckardt~, Der Archipel der Neu-Hebriden. Hamburg 1877. 15.

[167] ~De Rochas~, Sur les Néo-Calédoniens. Bull. soc. d’Anthropol. 1860. 414.

[168] Bull. soc. d’Anthropol. 1862. 566.

[169] ~Jules Garnier~, Voyage à la Nouvelle Calédonie. Tour du Monde. Vol. XVI. 11. Paris 1868.

[170] Bull. soc. d’Anthropol. 1870. 30 ff.

[171] ~B. Balansa~, Nouvelle Calédonie. Bull. d. l. soc. de géographie. 1873. 139.

[172] Bull. soc. d’Anthropol. 1885. 363.

[173] ~Balansa~, Les îles Loyalty. Bull. d. l. soc. de géogr. 1873. 528.

[174] ~G. Turner~, Nineteen years in Polynesia. London 1861. 427.

[175] Fiji and the Fijians. London 1858. I. 205 ff.

[176] Die Öfen sind bis 3 Meter tiefe und sehr weite Löcher in der Erde, welche mit Steinen ausgelegt sind und mit Holz geheizt werden. Sind die Steine heiß geworden, so legt man den zu kochenden Gegenstand darauf und deckt ihn mit Laub und Asche zu. ~Williams.~ I. 147.

[177] ~Williams~, Fiji. I. 213.

[178] Er ist abgedruckt im Appendix A. im Journal of a cruise among the islands of the western Pacific by ~John Elphinstone Erskine~. London 1853.

[179] Globus. XIII. 25.

[180] ~Petermann~s Mitteilungen. 1869. 62. 67.

[181] A. a. O. 261.

[182] The illustrated Missionary News. 1. Dezember 1873.

[183] ~Waitz~, Anthropologie. VI. 157 ff.

[184] Nature, 10. Juli 1873. Vol. VIII. 211.

[185] ~John Turnbull~s Reise um die Welt. Aus dem Englischen. Weimar 1806. 204.

[186] ~Camille de Roquefeuil~, Journal d’un voyage autour du Monde. Paris 1823. I. 320.

[187] ~Lamont~, Wild Life among the Pacific Islanders. London 1867.

[188] L’Illustration, Journal universel. Paris. 4. Oktober 1873. 228.

[189] Bull. soc. d’Anthropol. 1884. 497.

[190] ~Meinicke~, Der Archipel der Paumotu. Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin. V. 396 (1870).

[191] ~Palmer~ im Journal Roy. Geogr. Soc. XL. 171 (1870).

[192] Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde. V. 396.

[193] ~James Wilson~, Missionsreise nach dem südlichen Stillen Ozean in den Jahren 1796-1798. Aus dem Englischen. Weimar 1800. 338.

[194] Polynes. Researches. II. 223.

[195] ~G. Forster~, Sämmtliche Schriften. II. 57.

[196] ~J. R. Forster~, Bemerkungen auf seiner Reise um die Welt. 290.

[197] ~G. Turner~, Nineteen Years in Polynesia. London 1861. 194.

[198] Polynesian Reminiscenses. London 1866.

[199] ~Turner~ a. a. O. 358.

[200] ~Mariner~, Tonga Islands.² London 1818. I. 321.

[201] ~Hochstetter~, Neuseeland. Stuttgart 1863. 469.

[202] „Saraca, der ‚letzte‘ Menschenfresser auf Neuseeland, ist im April 1872 in Olunemuri gestorben. Er befehligte auf dem letzten Kriegszuge, nach welchem ein Kannibalenfest veranstaltet wurde. Zum Begräbnis hatten sich viele Maoris versammelt; sie legten ihn in einen Sarg, an dessen Kopfende ein Fenster angebracht war. Beim Leichenschmaus wurde +präserviertes Schaffleisch+ genossen.“ (Globus. XXII. 144.) Hier muß man wirklich ausrufen: Tempora mutantur!

[203] Naturwissenschaftliche Reisen. Deutsch von ~Dieffenbach~. II. 205.

[204] Bericht von ~H. H. Travers~ in ~Petermann~s Mitteilungen. 1866. 63.

[205] v. ~Hochstetter~ a. a. O. 471.

[206] ~Ch. Wilkes~, Voyage round the World (U. St. Explor. Exped.). New York 1851. 559.

[207] Bemerkungen auf einer Entdeckungsreise. Weimar 1821. 136.

[208] ~Chamisso~ a. a. O. 137.

[209] Journ. d. Mus. ~Godeffroy~. Heft IV. 20.

+Amerika+.

+Westindien.+ Als die Spanier die Antillen entdeckten, stießen sie auf das Volk der Calinago oder Calina, das allgemeiner unter dem Namen der Cariben bekannt ist. Menschenraubend zogen sie von Insel zu Insel in Flotten, die ein Dutzend Segel und oft fünfhundert Streiter zählten. Die männlichen Gefangenen wurden gebraten und verzehrt. Die Anthropophagie der Cariben ist von ~Las Casas~ bestritten worden, auch ~Kolumbus~ wollte anfangs in diesem Punkte nicht den Erzählungen der Domingoindianer trauen, bis er selbst mit den Thatsachen vertraut wurde und Meldung davon macht, daß die Cariben sogar die mit gefangenen Weibern erzeugten Kinder verzehrt haben sollen.[210]

Was die Verbreitung der Cariben betrifft, die vom südamerikanischen Festlande kamen, so wissen wir, daß sie die ganzen kleinen Antillen einnahmen und auch die Westküsten von Portorico und Haiti besetzt hatten. Mit dem Verschwinden und Aussterben der Cariben auf den Antillen ist auch dort die Anthropophagie verschwunden, die indessen mit dem Namen dieses Volkes stets verknüpft bleiben wird, da aus ihm das Wort „Kannibale“ entstand. Die von den Bahamainseln stammenden Gefangenen am Borde des Kolumbus widersetzten sich nämlich der Fahrt nach der Insel Haiti, indem sie ~Kolumbus~ die Einwohner als Menschenfresser schilderten. Sie ließen dabei den Namen Cariben laut werden, den der Admiral mißhörte, so daß durch ihn der Ausdruck Caniba oder Canibalen für die anthropophagen Stämme Amerikas verbreitet worden ist. Nach ~Antonio de Herrera~ bedeutet der Name Canibal soviel wie ein Tapferer. ~Du Tertre~[211], der uns mit Einzelheiten des westindischen Kannibalentums vertraut macht, sagt, daß Auffressen der gefallenen Feinde sei auf dem Schlachtfelde erfolgt; die Gefangenen aber habe man zu Hause verzehrt, wobei dem tapfersten Krieger das Herz zu teil wurde -- ein deutliches Zeichen, daß auch hier Aberglaube im Spiele war. Übrigens sollen viele nach dem Genusse von Menschenfleisch erkrankt sein.[212]

+Mexiko.+ ~Bernal Diaz~ und ~Sahagun~ sind diejenigen Schriftsteller, welche am ausführlichsten über die Anthropophagie und die Menschenopfer der Mexikaner handeln und nach ihnen sind diese beiden zu einer speziellen Studie von ~Jourdanet~ gemacht worden, der wir in der nachstehenden Darstellung folgen wollen.[213]

Zur Zeit der spanischen Eroberung waren die Tempel außerordentlich zahlreich in Mexiko. Bei diesen Tempeln befand sich oft eine Terrasse mit zwei Türmchen, welche für die Idole bestimmt waren und vor den Türmchen lagen die Steine, auf denen man die Menschenopfer darbrachte. Diese Steine waren der Länge nach konvex gestaltet, so daß das darauf gelegte menschliche Schlachtopfer seine hervortretende Brust besser dem Schlachtmesser darbot. Noch existieren altmexikanische Darstellungen, welche uns zeigen, wie die Ceremonie vor sich ging. Das Opfer wurde von fünf kräftigen Gehilfen gehalten und der Oberpriester öffnete ihm mit einem Obsidianmesser die Brust, indem er die Knorpelansätze der Rippen beim Brustbein durchschnitt. Dann griff er in die Brust des Unglücklichen, nahm das Herz und schnitt es heraus, um es zu Füßen des Idols niederzulegen, vor dem Weihrauch brannte. Noch mehrmals griff er in die Brust, um mit dem Blute des Geopferten die Priester und Gehilfen zu besprengen. Der Leichnam diente dann teilweise zur Nahrung für die Priester, teils erhielt denselben derjenige zur Speise, welcher das Opfer veranlaßt hatte.

Solche Menschenopfer waren ungewöhnlich häufig, da sie auch bei jeder der überaus zahlreichen religiösen Festlichkeiten dargebracht wurden. Die zahlreichen Tempel der größeren Städte in Betracht ziehend kommt ~Jourdanet~ zu einer Schätzung von 20000 Opfern dieser Art im Jahre, während andere Autoren eine noch weit größere Anzahl herausrechnen. Fehlten einmal Opfer, dann bedrohten die Priester das Volk mit den schrecklichsten Landplagen und um diese hintanzuhalten begann man Kriege, nur um sich Gefangene zu verschaffen, mit deren Blut die erzürnten Götter versöhnt werden sollten.