Part 44
[12] Vorläufige Nachricht in R. Kade's Leipz. Diss. De Brunonis Querfurt. _Vita quinque fratrum Poloniae_ nuper reperta, 1883. Ausg. MG. SS. XV, 2 *709-738.
Von hier aus begab sich Brun zu den Preußen und drang bis zu deren östlichen Grenzen vor, wo er den Tod fand, den er suchte, am 14. Februar 1009. Ein kurzer aber lügenhafter Bericht über seine Predigt, seine Wunder und sein Ende, der nichts als ein Bettelbrief ist, wie dergleichen auch sonst vorkommen, angeblich von seinem Begleiter Wipert, hat sich erhalten[13]; eine andere Schrift über ihn, die als wahrhaft gerühmt wird, kennen wir nur aus der späteren Magdeburger Chronik, wo sie benutzt ist. Vielleicht hat auch schon Thietmar von Merseburg sie vor sich gehabt[14], der letzte Schriftsteller Sachsens, den wir in dieser Periode zu betrachten haben, und der erste, bei dem eine Art gelehrter Forschung vorkommt. Denn bei allen den Schriftstellern, die uns bis jetzt beschäftigt haben, ist die Aufzeichnung der Zeitgeschichte die Hauptsache, sie schrieben, was sie erlebt oder gehört hatten. Die Zusammenstoppelung der älteren Theile der Annalen, Widukinds Berufung auf Bücher am Anfang seiner Geschichte, lassen sich als gelehrte Arbeit kaum in Anschlag bringen. Diesen ganz unvollkommenen Anfängen gegenüber zeigt uns die Chronik Thietmars schon einen bedeutenden Fortschritt.
[13] MG. SS. IV, 579. Bielowski 229. E. Kunik macht mich darauf aufmerksam, daß der angebliche Name des Preußenkönigs Nethimer vielmehr slavisch ist.
[14] L. Giesebrecht, Wendische Geschichten III, 303.
$Thietmar von Merseburg.$
Ausgabe seiner Chronik von Wagener, 1807, 4. mit guten Anmerkungen. Die einzige kritisch zuverlässige von Lappenberg MG. SS. III, 723-871 u. mit weit genauerer Benutzung der Hs. von Fr. Kurze, Hann. 1889, 8. Die Eintheilung in Bücher und Capitel ist hier verändert. -- Uebersetzung von Ursinus, Dresden 1790, mit nützlichen Anmerkungen u. Benutzung des Cod. Dresdensis; von Laurent, mit Vorwort von Lappenberg, 1848; 2. Ausgabe von Strebitzki 1879; Berichtigungen 1892, Geschichtschr. XI, 1, Bd. 39. Nachträgliche Bemerkungen über Thietmars Leben, Archiv IX, 438. Ueber ein Meßbuch und Kalender mit Eintragungen von Thietmars Hand, Hesse ib. IV, 276, und Ausgabe von Hesse in Höfers Zeitschrift für Archivkunde I, 111; Dümmler, N. Mitth. XI, 223-264. Ueber sein Epitaph NA. IX, 246. L. Giesebrecht, Wendische Geschichten III, 305. W. Giesebrecht, Geschichte der Kaiserzeit I, 785. II, 558. Erklärung von Thietm. Chron. VII, 20 von Waitz, Forsch. XIII, 492-494. Strebitzki: Thietmarus quibus fontibus usus sit, Königsb. Diss. 1870. Zur Kritik Thietmars, Forsch. XIV, 349-366. Ueber VII, 5-8, Zeißberg in d. Mitth. d. Wiener Inst. III, 109-115. -- F. Kurze, Abfassungszeit u. Entstehungsweise der Chronik Thietmars, NA. XIV, 59-86. Nachlese XVI, 459-472.
Thietmar, ein Sohn des Grafen Sigefrid von Walbeck, am 25. Juli 975 geboren, getauft vom Bischof Hilliward von Halberstadt, stammte aus einem der vornehmsten Geschlechter Sachsens; er war mit den bedeutendsten Fürstenhäusern, selbst mit den Ottonen verwandt, und die wichtigsten Ereignisse im Reiche hatten deshalb eine persönliche Beziehung zu ihm, so daß er frühzeitig von allen Kunde erhielt und mit den Verhältnissen des Reiches vertraut wurde. Von Emnilde, einer Nichte der Königin Mahthild, erhielt er als Knabe den ersten Unterricht in dem kaiserlichen Stifte Quedlinburg; vom zwölften Jahre an vollendete er seine Schulbildung im Kloster Bergen und in Magdeburg selbst. An Belesenheit in kirchlichen und profanen Schriftstellern fehlte es ihm nicht, einen guten lateinischen Stil zu schreiben hat er aber nicht gelernt. Im Jahre 1002 wurde er Probst des Klosters Walbeck an der Aller[15], einer Stiftung seines Großvaters, und endlich 1009 Bischof von Merseburg; ein Amt, welches er löblich, aber nur zehn Jahre lang verwaltete, denn er starb schon am ersten December 1018 in seinem dreiundvierzigsten Lebensjahre. Vom König Heinrich II war er schon 1004 in Allstedt bei seiner Priesterweihe beschenkt, von da an verkehrte er viel am Hofe und empfing auch als Bischof den König bei sich in Merseburg.
[15] Ein prachtvolles, aber in den Bildern unvollendetes Evangeliar aus Walbeck saec. XI mit eingeschriebenen Statuten und Urkunden, in Libri's Auctionscatalog (1859) n. 358, Facs. pl. 35. Ein schönes Evangeliar saec. X, das zur Beeidigung diente, in Magdeburg in d. Bibl. d. Domgymn. 275, s. d. Progr. 1880, S. 99-101.
Das Bisthum Merseburg hatte, obschon erst von Otto I gegründet, doch schon mannichfaltige und merkwürdige Schicksale erlebt; zum Gedächtniß der Ungernschlacht auf dem Lechfelde dem h. Laurentius zu Ehren gestiftet[16], wurde es schon durch den zweiten Bischof Gisiler völlig zerstört, um diesem den Weg zum Erzbisthum Magdeburg zu bahnen, und ungeachtet vielfacher Anstrengungen konnte die Herstellung doch erst nach Gisilers Tode (1004) erlangt werden.
[16] Nach Uhlirz, Gesch. d. Erzb. Magd. S. 164 DD. Ott. II 90, hat Thietmar diese Urkunde gefälscht, um dem Bisthum einen strittigen Wald zu erhalten, was nach damaliger Auffassung auch als löblich gelten mochte.
Diese Ereignisse, so lange sie noch in frischer Erinnerung hafteten, für die Nachkommen durch schriftliche Ueberlieferung festzuhalten, war eine dringende Pflicht, die Thietmar zu erfüllen übernahm. Die Geschichte des Ottonischen Hauses, die verschiedenen Wechselfälle des stets fortgesetzten Kampfes mit den Wenden gehörten mit Nothwendigkeit zu einer Geschichte Merseburgs. Thietmar aber beschränkte sich auch darauf nicht, sondern wie das im Mittelalter so häufig war, und sich, da so wenig geschrieben wurde und ein Buch schon ein Schatz war, leicht erklärt: da er überhaupt einmal ein Buch schrieb, so legte er in diesem auch alles nieder, was ihm denkwürdig schien, alle seine Erlebnisse, die kleinsten wie die größten, und was er zu Hause und am Hofe sah und hörte, oder was er in anderen Büchern fand. Noch hat sich seine eigene Handschrift, wenn auch nicht unversehrt, erhalten, und sie zeigt uns am deutlichsten, wie er arbeitete, wie er immer neue Zusätze und Nachträge machte. Bald trug er am Rande nach, was ihm später bekannt wurde, bald erzählt er rückblickend, was eigentlich an eine frühere Stelle gehört. Manchmal ist dadurch der Zusammenhang gestört, es sind Widersprüche entstanden, und die Form ist überall mangelhaft: die letzte Hand fehlt, und auch durch wiederholte Ueberarbeitung hätte der Verfasser aus diesem lose an einander gereihten Stoffe kein einheitliches Geschichtswerk machen können. Aber die ihm vorliegenden Nachrichten des Widukind, der Quedlinburger Annalen, allerlei Notizen aus Necrologien, wahrscheinlich auch eine Magdeburger Gründungsgeschichte[17] und eine Halberstädter Chronik[18], sind doch immer mit verständiger Auswahl in einander gearbeitet, und mit seiner aus mündlicher Ueberlieferung, aus Urkunden und späterhin aus eigener Erinnerung geschöpften Kenntniß verbunden. Wenn man die rohen Excerpte der Annalisten von Hildesheim und Quedlinburg dagegen hält, so kann man einen bedeutenden Fortschritt nicht verkennen, und es hat noch lange gedauert, bis man im Stande war etwas besseres zu leisten.
[17] Vgl. oben S. 329. Die sog. _Erectio Magdeburgensis_ (Stumpf 454. Leibn. Ann. Imp. III, 238), eine in die scheinbare Form der Synodalverhandlungen von Ravenna 968 gebrachte Erzählung, ist von F. van Hout, De chron. Magd. p. 28-33, als in dieser Gestalt unecht nachgewiesen; Dümmler, Otto I S. 445, legt die Entstehung nach Halberstadt, Lindeck, Die Stellung des B. Halberstadt zur Gründung d. Erzb. Magdeb. (Progr. d. Domgymn. zu Halb. 1879) nach Magdeburg. -- Ruotgers Leben des Erzb. Brun und S. Ulrichs Leben kannte er, ohne sie eigentlich zu benutzen.
[18] Diese, schon von Weiland vermuthet, nimmt auch Kurze jetzt anstatt der früher von ihm angenommenen Hild. Ann. maj. von 975 an; Progr. S. 5, und stellt eine Untersuchung darüber in Aussicht.
Als Geschichtsquelle betrachtet hat aber Thietmars Werk gerade einen besonderen Werth dadurch, daß das Gefüge seiner Bestandtheile so leicht zu erkennen ist, wodurch die Kritik wesentlich erleichtert wird; man bedarf der Vorsicht bei ihm, da er nicht selten aus Flüchtigkeit Versehen begangen hat. Andererseits kommt es uns nicht minder zu gut, daß er auch geringfügige Umstände nicht verschmähte und deshalb ein lebendigeres Bild der damaligen Zustände gewährt, in dem wir dergleichen kleinere Züge nur ungern vermissen würden.
Wie er nun eigentlich gearbeitet hat, das ist erst durch Fr. Kurze mit großem Scharfsinn festgestellt worden durch die genaueste Untersuchung der theils von ihm selbst, theils von acht verschiedenen Schreibern geschriebenen und überall von ihm überarbeiteten und vermehrten Handschrift, und dadurch zugleich für die Entwirrung seiner Chronologie und die Aufklärung mancher Schwierigkeiten Licht gewonnen. Hatte schon Bethmann ausgefunden, daß er nicht vor 1012 sein Werk begonnen habe, so hat doch jetzt alles eine ganz andere Gestalt gewonnen durch den Nachweis, daß Thietmar mit VI, 41-46 (VII, 1-15 K.) begann, in demselben Jahr 1012 vielleicht auch schon I, 1-10 (18 K.) schrieb. Im Jahre 1013 schrieb er das zweite und dritte Buch, 1014 IV, 1-8 (9), 10, 11 (15-17), 16 (23-25), 22-24 (31-37), 26-34 (39-54), das fünfte Buch und vom siebenten 1-4 (VIII, 1-3), im J. 1015 das sechste Buch und VII, 5-13 (VIII, 4-20). Er schrieb gleichzeitig was er erlebte, ließ aber Raum für Nachträge und Zusätze, mit welchen im vierten Buch eine ganze Lage ausgefüllt ist; diese entfernen sich häufig ganz von der chronologischen Folge und haben dadurch namentlich im vierten Buch die Ordnung sehr gestört.
Zu solchen Nachträgen gab ihm vorzüglich die Bekanntschaft mit den Quedlinburger Annalen Anlaß, welche er vor 1016 nicht gekannt hat, weshalb auch VII, 1-13 (VIII, 1-20) keine Spur davon zu finden ist. Mit Benutzung derselben schrieb er 1016 die Zusätze zum zweiten und dritten Buch, ferner VI, 46-61 (VII, 16-41) und VII, 13-25 (VIII, 20-35); im Jahr 1017 den Rest des vierten Buches bis auf die erst 1018 geschriebenen Capitel 47-51 (70-75) und VII, 25-50 (VIII, 36-69), auch I, 15-17 (26-28); im Jahre 1018 endlich, was von der Fortsetzung noch übrig war, wobei natürlich die Annalen nicht mehr zu gebrauchen waren.
Möglich, daß nicht alle Einzelheiten richtig sind, aber im wesentlichen ist wohl an der Richtigkeit dieser Ergebnisse nicht zu zweifeln und es lösen sich dadurch viele Schwierigkeiten, um so mehr, da auch alle die zahlreichen Nachträge und Aenderungen zweiter Hand genau verzeichnet sind. Etwas räthselhaft sind Zusätze einer Hand, welche Lappenberg Thietmar selbst zuschrieb, während Kurze sie erst in die Zeit Heinrichs V setzt. Ueberall wo diese Zusätze sich finden, ist zugleich am Rande etwas ausgekratzt und dem Inhalt nach scheinen sie gleichzeitig zu sein.
Für die ersten drei Bücher standen Thietmar wenig Quellen zu Gebote, die wir nicht auch noch besäßen; aber von dem Anfange der Regierung Otto's III an werden seine eigenen Mittheilungen immer reichhaltiger. Er schrieb die Geschichte dieser letzten Jahre gleichzeitig mit den Ereignissen selbst; sein Werk nimmt da fast den Charakter eines Tagebuches an und verbindet deshalb die Zuverlässigkeit der besseren Annalen mit größerer Fülle und Reichhaltigkeit.
Daß es ihm, dem Bischof, der viel am Hofe verkehrte und zum Rathe des Kaisers gehörte, dem nahen Verwandten der bedeutendsten Fürsten nicht an Mitteln fehlte, sich über die wichtigsten Vorfälle und den ganzen Gang der Begebenheiten genau zu unterrichten, erwähnten wir schon; auch entfernte Begebenheiten bei anderen Völkern und an den fremden Höfen verfolgt er mit bemerkenswerter Aufmerksamkeit und Kenntniß. Ebensowenig ist aber auch ein Grund vorhanden, seine Wahrheitsliebe zu bezweifeln. Sich selbst schont er durchaus nicht; mit der rührendsten Bescheidenheit deckt er seine eigenen Fehler und Schwächen auf, und durchgehends bewährt er sich als einen redlichen Mann von biederer Gesinnung und bestem Willen. Dafür können wir ihm denn wohl die Unbehülflichkeit der Darstellung, die große Leichtgläubigkeit, den oft gesuchten Ausdruck und das gelegentliche Prunken mit seiner mühsam erworbenen Gelehrsamkeit verzeihen.
Wegen seines vorherrschend provinziellen Charakters ist Thietmars Werk zwar von sächsischen Schriftstellern viel benutzt worden, hat aber eine weitere Verbreitung nicht gefunden. Vorzüglich fleißig wurde es vom Annalista Saxo ausgebeutet, mit Zusätzen über das Kloster Corvey, die sich in der Brüsseler Handschrift befinden. Daraus ergiebt sich, daß die Urschrift derselben schon im zwölften Jahrhundert in Corvey verfertigt sein muß, doch, wie R. Wilmans nachgewiesen hat[19], erst gegen das Jahr 1160.
[19] Kaiserurkunden der Provinz Westfalen I, 109-112, zu MG. SS. III, 840 und 860.
Wie viel des für uns werthvollsten Materials aber alle diese Chronisten unbeachtet bei Seite gelassen haben, davon giebt uns das von Jaffé entdeckte Aufgebot von 981 zur Heerfahrt nach Italien eine Probe[20].
[20] Bibl. V, 471; vgl. Max Lehmann, Forsch. IX, 435-444. Giesebr. I, 842. G. Matthaei, Klosterpolitik Heinrichs II (Diss. Gott. 1877) S. 91-95.
§ 6. Lothringen. Cöln. Trier. Metz.
Wir haben in Sachsen die neue Entwickelung litterarischer Thätigkeit unter der unmittelbaren Einwirkung des Ottonischen Hauses betrachtet, und auch in Lothringen ist es ein Ludolfinger, der Kirche und Schule zu neuem Leben weckt, unter dessen Pflege überall frische Keime hervorspringen, die bald zu reicher Fülle sich entfalten.
Noch mehr als Sachsen war Lothringen durch innere Zwietracht zerrüttet und durch äußere Feinde verwüstet. Die alten Stätten der Cultur, die reichen Bischofsitze und Klöster lagen großentheils in Asche, und von den Einkünften der Stiftsgüter zehrten die Vasallen, denen sie als Preis ihrer Treue oder Untreue zugefallen waren; kaum bewahrten ein Paar verwilderter und unwissender Geistlicher den kirchlichen Charakter von Klöstern, die man früher weithin mit Ehrfurcht und Bewunderung genannt hatte.
Durch Heinrich und Otto wurde das fast verlorene Land den Westfranken wieder entrissen und mit dem Ostreiche neu vereinigt; aber den innern Frieden herzustellen, Ordnung zu schaffen und die beginnende Reform der verwahrlosten kirchlichen Zustände zu pflegen und zu befestigen, das war die schwere Aufgabe, welche dem Bruder Otto's des Großen, dem Erzbischof =Bruno von Cöln= (953-965), zufiel und von diesem auf das glänzendste gelöst wurde.
Wir haben schon oben S. 321-323 der Wirksamkeit dieses ausgezeichneten Mannes gedacht, und können um so weniger auf eine ausführliche Schilderung derselben eingehen, da er selbst nicht als Schriftsteller aufgetreten ist[1]. Sein Leben hat uns einer seiner Schüler beschrieben, =Ruotger=, der Bruno sehr nahe gestanden hatte und die ihm von dessen Nachfolger Folkmar (965-969) übertragene Aufgabe nicht ohne Geschick gelöst hat[2]. Sein Werk gehört zu den besseren Biographien des Mittelalters, ist reich an Inhalt, wenn auch für unsere Wünsche viel zu kurz und gedrängt, und faßt das wesentlichste von Bruns Leben und Wirken mit richtiger Auffassung und wahrheitsgetreu zusammen. Die Sprache ist nicht eben gewandt, schwülstig und von den üblichen Ausdrücken der kirchlichen Redeweise erfüllt, aber frei von Fehlern; man erkennt die gute Schule darin, von welcher auch die noch zahlreich erhaltenen Handschriften der Cölner Dombibliothek aus dieser und der nächstfolgenden Zeit Zeugniß geben. Dem Prudentius entlehnte er einen Vers zur Charakteristik Otto's I, und auch Citate aus Vergil und Terenz, aus Persius, Juvenal, Cicero und Sallust fehlen nicht[3].
[1] Die von Peiffer aufgewärmte Nachricht von Commentaren zum Pentateuch und zu den Evangelien, die er verfaßt haben soll, ist unglaublich. Man kann Ruotger und der Cölner Kirche den Schimpf nicht anthun, anzunehmen, daß sie das gänzlich vergessen haben sollten. Dagegen auch Cardauns, Städtechroniken XII p. LV.
[2] _Ruotgeri Vita Brunonis_ ed. Pertz, MG. SS. IV, 252-275 und auch besonders abgedruckt. Varianten bei B. Simson im Archiv f. Gesch. d. Niederrh. VII, 167-172. Uebersetzung von Jasmund, 1851. 1890. Geschichtschr. Bd. 30 (X, 3). Ueber alte Abschriften des Testaments Bruno's NA. VIII, 191. -- Vgl. Giesebr. I, 781; Textkritik S. 826 (vgl. Dümmler Otto I S. 220). 830. Dümmler S. 372. Janssen in den Annalen des Niederrhein. hist. Vereins I, 85. Joh. Ph. Peiffer. Hist. krit. Beitr. z. Gesch. Bruns I, Aachen 1870. Strebitzki, Quellenkrit. Untersuchungen zur Gesch. Erzb. Br. im Progr. d. kath. Gymn. v. Neustadt in Westpreussen, 1875. Dierauer in Büdingers Untersuchungen z. mittl. Gesch. II, 1-50. Maurenbrecher S. 24-27, dessen Tadel die ganze Gattung der kirchlichen Biographie trifft, zu welcher diese nun einmal gehört. Seiner künstlichen Deutung der Stellen über die Motive der Empörer kann ich nicht beistimmen; vgl. Rommels Aufsatz in den Forsch. IV, 121-158 und Maurenbrechers Entgegnung ib. 587-598; Dümmler Otto I S. 212. -- Ueber die viel spätere zweite Vita (ib. 275-279) s. Vogel, Ratherius II, 14-18. Peiffer S. 13. Varianten bei Simson S. 163-165. Wie Cardauns, Städtechron. XII, p. LVI bemerkt, muß sie doch schon im 12. Jahrh. entstanden sein, da sie in den Ann. Col. max. benutzt ist. -- Ein _Epitaphium Brunonis_ bei Dümmler, Otto I S. 594. Damit verbunden andere, mit griechischen Worten prunkende Epitaphien aus Bruns Schule, viell. von Ruotger, NA. X, 346: eines wahrscheinlich auf die Aebtissin Hathuwig von Essen († 18. Juli 947), eines auf den Cölner Bürger Wolfrad.
[3] Dümmler, Forsch. XII, 445. Simson S. 172. Manitius, NA. XII, 369. 370.
Für diese eifrigen Studien zeugen auch die _libri prestiti de armamario S. Petri_ (oben S. 263); unter den Entleihern sind B. Adelbold (von Utrecht 1010-1026) und Abt Elias (von Groß-Sanct-Martin 1010-1026); sehr viele aber, darunter 2 Bibeln, 3 Vergile, 2 Lucane, 3 Prisciane, hat ein Unbekannter, gewiß ein Scholasticus, dessen Name ausgekratzt ist. Eine sehr schöne, reich geschmückte Evangelienhandschrift, auch mit Versen über die Evangelisten und poetischen Widmungen versehen, schenkte der Domkirche ein Diaconus Gerhous, höchst wahrscheinlich identisch mit dem Erzbischof =Gero= (969-976), dem Bruder des Markgrafen Thietmar[4]. Ihm als Erzbischof ist die oben S. 42 erwähnte Ursulalegende gewidmet.
[4] K. Lamprecht im NA. IX, 620-623, vgl. S. 669.
Zu Bruns Gehülfen bei seinen reformatorischen Bestrebungen gehörte =Christian=, der erste Abt des von ihm gestifteten Pantaleonsklosters[5], der ihn bis 1001 überlebte. Der erste eilfertig errichtete Bau stürzte zusammen, man grub zu Erzbischof Folkmars Zeit (965-969)[6] ein tieferes Fundament und fand dabei Gebeine, die einem heiligen Maurinus zugeschrieben wurden. Niemand wußte etwas von ihm, auch =Stephan= nicht, der auf Abt Christians Gebot, als Erzbischof Gero schon todt war, sein Leben beschrieb; die Geschichte der Auffindung aber mit den unvermeidlichen Wundern enthält einige geschichtliche Umstände[7]. Ferner erhielt das Kloster aus Rom durch die Kaiserin Theophano einen h. Albin, von dem man gar nichts wusste, auf ihn aber die fabelhafte Legende des h. Albanus übertrug; diese Schrift ist aber erst aus dem elften Jahrhundert[8]. Erzbischof Everger (985-999) widmete der Domkirche einen mit besonderer Pracht geschriebenen Lectionar[9]. Als er am 10. Juni 999 gestorben war, wurden Boten nach Italien an Otto III geschickt, um sich den Kanzler Heribert auszubitten; von diesen starb der Diaconus Rudolf in Rom und es wurde ihm zu Ehren ein Epitaph gedichtet (NA. II, 601).
[5] Ruotgeri Vita Brun. c. 28. „Compertum quantum praestitistis saeculo, cari invicem et noti, et in verbis prudentiae saepe admirati“, Translatio S. Maurini.
[6] Peiffer hat darauf hingewiesen, daß Poppo-Folkmar in den Fulder Todtenannalen zu 969 eingetragen ist, wie schon Leibniz erkannte. Auch der alte Catalog giebt ihm 4 Jahre. Das Jahr 967 der Cölner Annalen wird also wohl falsch sein. So auch Dümmler, Otto I S. 466.
[7] _Inventio et Translatio S. Maurini_, Mab. V, 336-341. Acta SS. Jun. II, 279-283. Ausz. MG. SS. XV, 2, 683-686. Noch unbedeutender und später geschrieben sind die _Transl. S. Evergisli_ von Tongern nach der Caecilienkirche und _Patrocli_ von Troyes nach Soest, MG. SS. IV, 279-281; Varianten zu beiden bei Simson l. c. p. 173. In diesen Kreis gehört auch die oben S. 174 erwähnte ganz fabelhafte _Vita Reinoldi_. -- Die _Miracula S. Pantaleonis_, Jul. IV, 421-426 sind späteren Ursprungs und unbedeutend.
[8] _Translatio S. Albini_ ed. L. v. Heinemann, SS. XV, 2, 686-688.
[9] Eccl. Colon. Codd. p. 60.
Uebrigens aber haben Bruns Bemühungen in Cöln selbst am wenigsten Frucht gebracht; ausser den unbedeutenden kleinen =Cölner Annalen=[10] ist keine litterarische Erscheinung weiter anzuführen, denn auch die kleine Chronik des Schottenklosters =Groß-Sanct-Martin=, so wie die Gründungsgeschichte von =Gladbach= und das =Leben Heriberts=[11], die ihrem Inhalte nach hierher gehören, sind doch erst in der folgenden Periode verfaßt worden.
[10] _Ann. Colonienses_ 776-1028 e cod. CII, MG. I, 97-99 mit unzulänglichen Berichtigungen SS. XVI, 731. Neue Ausg. im Verz. d. Cölner Handschriften S. 127-131. _Ann. Colon. breves_ 814. 898-964 e cod. Vat. Urb. 290 aus Brauweiler, MG. SS. XVI, 730.
[11] Ihm widmete ein 'Albuinus heremita' einen Sammelband, worin sich u. a. Adso de antichristo befand, s. Catal. Monac. I, 3, 199; W. Meyer, Der ludus de antichristo, S. 4; Schum, Catal. bibl. Amplon. p. 558. -- Verse an Heribert, gekünstelt und ohne Inhalt, NA. XVI, 178.
Jene Annalen aber, die bis 939 auf gemeinsamer Grundlage mit den alamannischen, Reichenauer und St. Galler Annalen beruhen, von da an heimischen Ursprungs sind, haben merkwürdiger Weise einen weitreichenden Einfluß gehabt, indem der erste, von einer Hand aus einer älteren Handschrift überschriebene Theil von 776 bis 957 in die Annalen von Dijon, mit diesen dann in die von Rouen, Caen, und anderen Orten der Normandie, und weiter in die angelsächsische Chronik und in die Annalen von Lund übergegangen ist[12].
[12] Theopold, Kritische Untersuchungen über die Quellen der angelsächsischen Geschichte (1872) S. 83-87. Die betreffenden Stücke aus Annalen der Normandie nebst Auszügen aus den Fortsetzungen bis ins 14. Jahrh. giebt Holder-Egger: _Ex Annalibus Normannicis_, MG. SS. XXVI, 488-517.
In Cöln war wenig Boden für wissenschaftliche, wenigstens für geschichtliche Thätigkeit. Dagegen regte sich in =Trier=, nachdem wieder bessere Zeiten gekommen waren, der alte Geist aufs neue. Sogar mitten unter den Stürmen, welche das unglückliche Land verheerten, hatte man im Kloster =St. Maximin=, wie in Corvey, es nicht ganz unterlassen, einige geschichtliche Nachrichten aufzuzeichnen[13].
[13] _Annales S. Maximini_, von 708-987, MG. SS. IV, 6. 7. Sie sind bis 840 von einer Hand, und bis dahin, wie B. Simson bemerkt, aus den Ann. S. Columbae Senon. abgeschrieben.