Deutsche Sagen

Part 6

Chapter 63,835 wordsPublic domain

Im Jahr 1665. trug sich zu Lützen folgendes zu: in einem Haus lief ein klein Männlein aus dem Keller hervor und sprengte vor dem Haus Wasser aus einer Kelte oder goß sie aus. Lief darauf wieder stillschweigends nach dem Keller, aber die Magd, die zugegen war, fürchtete sich, fiel auf ihre Knie und betete einen Psalm. Da fiel das Männlein zugleich mit ihr nieder, betete so lange als die Magd. Bald darauf kam Feuersbrunst im Städtlein aus und wurden mehrere neuerbaute Häuser in Asche gelegt, selbes Haus aber blieb unverletzt übrig. Auch soll nach solchem Begebniß das Männchen noch einmal erschienen seyn und gesprengt haben, allein es erfolgte an selbigem Orte nichts darauf.

41.

Die Ahnfrau von Ranzau.

+Seyfried+ in ~medulla~ p. 481. Nr. 10.

vgl. +Prätor+. Weltbeschr. I. 104. 105.

In dem hollsteinischen adlichen Geschlecht der von Ranzau gehet die Sage: eines mals sey die Großmutter des Hauses bei Nachtzeit von der Seite ihres Gemahls durch ein +kleines Männlein+, so ein Laternlein getragen, erweckt worden. Das Männlein führte sie aus dem Schloß in einen hohlen Berg zu einem kreißenden Weib. Selbiger legte sie auf Begehren die rechte Hand auf das Haupt, worauf das Weibchen alsbald genas. Der Führer aber führte die Ahnfrau wieder zurück ins Schloß und gab ihr ein +Stück Gold+ zur Gabe mit dem Bedeuten, daraus dreierlei machen zu lassen: funfzig +Rechenpfennige+, einen +Hering+ und eine +Spille+, nach der Zahl ihrer dreien Kinder, zweier Söhne und einer Tochter; -- auch mit der Warnung: diese Sachen wohl zu verwahren, ansonst ihr Geschlecht in Abnahme fallen werde.

* * * * *

Vollständiger und genauer ist diese Sage in einer französischen Novellensammlung enthalten, die zu Brüssel 1711. unter dem Titel: ~l’amant oisif~ herauskam und steht daselbst in der vorletzten Erzählung p. 405-411. ~la comtesse de +Falinsperk+~ (? Falkenberg), ~nouvelle allemande~, folgendes Inhalts:

Die neuvermählte Gräfin, welche aus einem dänischen Geschlecht abstammte, ruhte an ihres Gemahles Seite, als ein Rauschen geschah: die Bettvorhänge wurden aufgezogen und sie sah ein wunderbar schönes +Fräuchen+, nur ellnbogengroß mit einem Licht vor ihr stehen. Dieses Fräuchen hub an zu reden: “fürchte dich nicht, ich thue dir kein Leid an, sondern bringe dir Glück, wenn du mir die Hülfe leistest, die mir Noth thut. Steh auf und folge mir, wohin ich dich leiten werde, hüte dich etwas zu essen von dem, was dir geboten wird, nimm auch kein ander Geschenk an, außer das was ich dir reichen will und das kannst du sicher behalten.”

Hierauf ging die Gräfin mit und der Weg führte unter die Erde. Sie kamen in ein Gemach, das flimmerte von Gold und Edelstein und war erfüllt mit lauter kleinen Männern und Weibern. Nicht lange, so erschien ihr König und führte die Gräfin an ein Bett, wo die Königin in Geburtsschmerzen lag, mit dem Ersuchen ihr beizustehn. Die Gräfin benahm sich aufs beste und die Königin wurde glücklich eines Söhnleins entbunden. Da entstand große Freude unter den Gästen, sie führten die Gräfin zu einem Tisch voll der köstlichsten Speisen und drangen in sie zu essen. Allein sie rührte nichts an, eben so wenig nahm sie von den Edelsteinen, die in goldnen Schalen standen. Endlich wurde sie von der ersten Führerin wieder fortgeführt und in ihr Bett zurückgebracht.

Da sprach das Bergfräuchen: “du hast unserm Reich einen großen Dienst erwiesen, der soll dir gelohnt werden. Hier hast du drei +hölzerne Stäbe+, die leg unter dein Kopfkissen und morgen früh werden sie in Gold verwandelt seyn. Daraus laß machen: aus dem ersten einen +Hering+, aus dem zweiten +Rechenpfennige+, aus dem dritten eine +Spindel+ und offenbare die ganze Geschichte niemanden auf der Welt, außer deinem Gemahl. Ihr werdet zusammen drei Kinder zeugen, die die drei Zweige eures Hauses seyn werden. Wer den Hering bekommt, wird viel Kriegsglück haben, er und seine Nachkommen; wer die Pfennige, wird mit seinen Kindern hohe Staatsämter bekleiden; wer die Kunkel, wird mit zahlreicher Nachkommenschaft gesegnet seyn.”

Nach diesen Worten entfernte sich die Bergfrau, die Gräfin schlief ein und als sie aufwachte, erzählte sie ihrem Gemahl die Begebenheit, wie einen Traum. Der Graf spottete sie aus, allein als sie unter das Kopfkissen griff, lagen da drei Goldstangen; beide erstaunten und verfuhren genau damit, wie ihnen geheißen war.

Die Weißagung traf völlig ein und die verschiedenen Zweige des Hauses verwahrten sorgfältig diese Schätze. Einige, die sie verloren, sind verloschen. Die vom Zweig der Pfennige erzählen: einmal habe der König von Dänemark einem unter ihnen einen solchen Pfennig abgefordert und in dem Augenblick wie ihn der König empfangen, habe der, so ihn vorher getragen, in seinen Eingeweiden heftigen Schmerz gespürt.

42.

Herrmann von Rosenberg.

Unterred. vom Reich der Geister I. 223.

Als Herrmann von Rosenberg sein Beilager hielt, erschienen die Nacht darauf viele Erdgeister, kaum zwei Spannen lang, hatten ihre Musik bei sich und suchten um Erlaubniß nach, die Hochzeit eines ihrer Brautpaare ebenfalls hier begehen zu dürfen; sie gaben sich für still und friedlich aus. Auf erhaltene Verwilligung begingen sie nun ihr Fest.

43.

Die osenberger Zwerge.

+Winkelmann+ Beschr. des oldenb. Horns Bl. 15.

+Happel+ (eines geborenen Hessen) ~rel. cur. II.~ 525.

Als Winkelmann im J. 1653. aus unserm Hessenlande nach Oldenburg reiste und über den Osenberg kommend in dem Dorf Bümmerstett von der Nacht übereilt wurde, erzählte ihm ein hundertjähriger Krugwirth, daß bei seines Großvaters Zeiten das Haus treffliche Nahrung gehabt, anjetzo wäre es aber schlecht. Wenn der Großvater gebrauet, wären Erdmännlein vom Osenberg gekommen, hätten das Bier ganz warm aus der Bütte abgehohlt und mit einem Geld bezahlt, das zwar unbekannt, aber von gutem Silber gewesen. Einsmal hätte ein altes Männlein im Sommer bei großer Wärme Bier hohlen wollen und vor Durst alsogleich getrunken, aber zu viel, daß es davon eingeschlafen. Hernach beim Aufwachen, wie es sah, daß es sich so verspätet hatte, hub das alte kleine Männlein an bitterlich zu weinen: “nun wird mich mein Großvater des langen Außenbleibens wegen schlagen.” In dieser Noth lief es auf und davon, vergaß seinen Bierkrug mitzunehmen und kam seitdem nimmer wieder. Den hinterlassenen Krug hätte sein (des Wirthes) Vater und er selbst auf seine ausgesteuerte Tochter erhalten und so lang der Krug im Haus gewesen, die Wirthschaft vollauf Nahrung gehabt. Als er aber vor kurzem zerbrochen worden, wäre das Glück gleichsam mit zerbrochen und alles krebsgängig.

44.

Das Erdmännlein und der Schäferjung.

+Prätor.+ Weltbeschr. I. 122.

Im Jahr 1664. hütete unfern Dresden ein Junge die Heerde des Dorfs. Auf einmal sah er einen Stein neben sich, von mäßiger Größe, sich von selbst in die Höhe heben und etliche Sprünge thun. Verstaunt trat er näher zu und besah den Stein, endlich hob er ihn auf. Und indem er ihn aufnahm, hüpfte ein jung Erdmännchen aus der Erde, stellte sich kurz hin vor den Schäferjungen und sprach: “ich war dahin verbannt, du hast mich erlöst und ich will dir dienen; gib mir Arbeit, daß ich etwas zu thun habe.” Bestürzt antwortete der Junge: “nun gut, du sollst mir helfen Schafe hüten.” Das verrichtete das Männchen sorgsam bis der Abend kam. Da fing es an und sagte: “ich will mit dir gehen, wo du hingehst.” Der Junge versetzte aber sogleich: “in mein Haus kann ich dich nicht gut mitnehmen, ich habe einen Stiefvater und noch andre Geschwister mehr, der Vater würde mich übel schlagen, wollte ich ihm noch jemand zubringen, der ihm das Haus kleiner machte.” “Ja du hast mich nun einmal angenommen, sprach der Geist, willst du mich selber nicht, mußt du mir anderswo Herberg schaffen.” Da wies ihn der Junge ins Nachbars Haus, der keine Kinder hatte. Bei diesem kehrte nun das Erdmännchen richtig ein und konnte es der Nachbar nicht wieder los werden.

45.

Der einkehrende Zwerg.

Volkssage des berner Oberlandes, s. +Wyß+ Volkssagen Bern 1815. S. 62-79. vgl. 315. und Alpenrosen 1813. S. 210-227.

Vom Dörflein Ralligen am Thunersee und von Schillingsdorf, einem durch Bergfall verschütteten Ort des Grindelwaldthals, vermuthlich von andern Orten mehr, wird erzählt: bei Sturm und Regen kam ein wandernder Zwerg durch das Dörflein, ging von Hütte zu Hütte und pochte regentriefend an die Thüren der Leute, aber niemand erbarmte sich und wollte ihm öffnen, ja sie höhnten ihn noch aus dazu. Am Rand des Dorfes wohnten zwei fromme Armen, Mann und Frau, da schlich das Zwerglein müd und matt an seinem Stab einher, klopfte dreimal bescheidentlich ans Fensterchen, der alte Hirt that ihm sogleich auf und bot gern und willig dem Gaste das wenige dar, was sein Haus vermochte. Die alte Frau trug Brot auf, Milch und Käs, ein Paar Tropfen Milch schlürfte das Zwerglein und aß Brosamen von Brot und Käse. “Ich bins eben nicht gewohnt, sprach es, so derbe Kost zu speisen, aber ich dank euch von Herzen und Gott lohns; nun ich geruht habe, will ich meinen Fuß weiter setzen.” “Ei bewahre, rief die Frau, in der Nacht in das Wetter hinaus, nehmt doch mit einem Bettlein vorlieb.” Aber das Zwerglein schüttelte und lächelte: “droben auf der Fluh hab ich allerhand zu schaffen und darf nicht länger ausbleiben, morgen sollt ihr mein schon gedenken.” Damit nahms Abschied und die Alten legten sich zur Ruhe. Der anbrechende Tag aber weckte sie mit Unwetter und Sturm, Blitze fuhren am rothen Himmel und Ströme Wassers ergossen sich. Da riß oben am Joch der Fluh ein gewaltiger Fels los und rollte zum Dorf herunter, mitsammt Bäumen, Steinen und Erde. Menschen und Vieh, alles was Athem hatte im Dorf, wurden begraben, schon war die Woge gedrungen bis an die Hütte der beiden Alten; zitternd und bebend traten sie vor ihre Thüre hinaus. Da sahen sie mitten im Strom ein großes Felsenstück nahen, oben drauf hüpfte lustig das Zwerglein, als wenn es ritte, ruderte mit einem mächtigen Fichtenstamm und der Fels staute das Wasser und wehrte es von der Hütte ab, daß sie unverletzt stand und die Hausleute außer Gefahr. Aber das Zwerglein schwoll immer größer und höher, ward zu einem ungeheuern Riesen und zerfloß in Luft, während jene auf gebogenen Knien beteten und Gott für ihre Errettung dankten.

46.

Zeitelmoos.

Beschreibung des Fichtelbergs. Lpz. 1716. S. 90.

Auf dem Fichtelberg, zwischen Wunsiedel und Weißenstadt, liegt ein großer Wald, Zeitelmoos genannt und daran ein großer Teich; in dieser Gegend hausen viele Zwerge und Berggeister. Ein Mann ritt einmal bei später Abendzeit durch den Wald und sah zwei Kinder bei einander sitzen, ermahnte sie auch, nach Haus zu gehen und nicht länger zu säumen. Aber diese fingen an überlaut zu lachen. Der Mann ritt fort und eine Strecke weiter traf er dieselben Kinder wieder an, welche wieder lachten.

47.

Das Moosweibchen.

+Prätorius+ Weltbeschr. I. 691. 692. aus dem Munde einer alten Frau zu Saalfeld.

Ein Bauer aus der Gegend von Saalfeld mit Namen Hans Krepel hatte ums Jahr 1635. Holz auf der Heide gehauen und zwar Nachmittags; da trat ein klein Moosweibchen herzu und sagte zu ihm: “Vater, wenn ihr hernach aufhöret und Feierabend macht, haut doch beim Umfällen des letzten Baums ja drei Creuze in den Stamm, es wird euch gut seyn.” Nach diesen Worten ging es weg. Der Bauer, ein grober und roher Kerl, dachte, zu was hilft mir die Quackelei und was kehr ich mich an ein solch Gespenste, unterließ also das Einhauen der drei Creuze und ging Abends nach Haus. Den folgenden Tag um die nämliche Zeit kehrte er wieder in den Wald, um weiter zu hauen; trat ihn wieder das Moosweibchen an und sprach: “ach ihr Mann, was habt ihr gestern die drei Creuze nicht eingehauen? es sollte euch und mir geholfen haben, denn uns jagt der wilde Jäger Nachmittags und Nachts ohn Unterlaß und tödtet uns jämmerlich, haben auch anders keinen Frieden vor ihm, wenn wir uns nicht auf solche behauene Baumstämme setzen können, davon darf er uns nicht bringen, sondern wir sind sicher.” Der Bauer sprach: “hoho, was sollten dabei die Creuze helfen; dir zu Gefallen mach ich noch keine dahin.” Hierauf aber fiel das Moosweibchen den Bauer an und drückte ihn dergestalt, daß er, obgleich stark von Natur, krank und elend wurde. Seit der Zeit folgte er der empfangenen Lehre besser, unterließ das Creuzeinhauen niemals und es begegnete ihm nichts widerliches mehr.

48.

Der wilde Jäger jagt die Moosleute.

+Prätorius+ Weltbeschr. I. 693. 694. aus mündlichen Sagen im saalfeldischen.

Auf der Heide oder im Holz an dunkeln Örtern, auch in unterirdischen Löchern, hausen Männlein und Weiblein und liegen auf grünem Moos, auch sind sie um und um mit Moos bekleidet. Die Sache ist so bekannt, daß Handwerker und Drechsler sie nachbilden und feilbieten. Diesen Moosleuten stellt aber sonderlich der wilde Jäger nach, der in der Gegend zum öftern umzieht und man hört vielmal die Einwohner zu einander sprechen: nun der wilde Jäger hat sich ja nächsten wieder zujagt, daß es immer knisterte und knasterte!

Einmal war ein Bauer aus Arntschgereute nah bei Saalfeld aufs Gebirg gegangen zu holzen, da jagte der wilde Jäger, unsichtbar, aber so, daß er den Schall und das Hundegebell hörte. Flugs gab dem Bauer sein Vorwitz ein, er wolle mithelfen jagen, hub an zu schreien, wie Jäger thun, verrichtete daneben sein Tagewerk und ging dann heim. Frühmorgens den andern Tag als er in seinen Pferdestall gehen wollte, da war vor der Thür ein Viertel eines grünen Moosweibchens aufgehängt, gleichsam als ein Theil oder Lohn der Jagd. Erschrocken lief der Bauer nach Wirbach zum Edelmann von Watzdorf und erzählte die Sache, der rieth ihm, um seiner Wohlfahrt willen, ja das Fleisch nicht anzurühren, sonst würde ihn der Jäger hernach drum anfechten, sondern sollte es ja hangen lassen. Dieß that er denn auch und das Wildbret kam eben so unvermerkt wieder fort, wie es hingekommen war; auch blieb der Bauer ohne Anfechtung.

49.

Der Wassermann.

+Prätorius+ Weltbeschr. I. 480-482. aus mündlicher Sage.

Gegen das Jahr 1630. erzählte in der Pfarrei zu Breulieb, eine halbe Meile von Saalfeld, in Gegenwart des Priesters eine alte Wehmutter folgendes, was ihrer Mutter, ebenfals Kinderfrau daselbst, begegnet sey.

Diese letzte wurde einer Nacht gerufen, schnell sich anzuziehen und zu kreissenden Frauen mitzukommen. Es war finster, doch machte sie sich auf und fand unten einen Mann warten, zu dem sagte sie: er möchte nur verziehen, bis sie sich eine Leuchte genommen, dann wollte sie nachfolgen; er aber drang auf Eile, den Weg würde er schon ohne Licht zeigen und sie sollten nicht irren. Ja er verband ihr noch dazu die Augen, daß die Frau erschrak und schreien wollte, allein der Mann sprach ihr Trost ein: Leid werde ihr gar nicht widerfahren, sondern sie könne furchtlos mitgehen. Also gingen sie miteinander; die Frau merkte darauf, daß er mit einer Ruthe ins Wasser schlug, und sie immer tiefer hinunter gingen, bis sie in eine Stube kamen. In der Stube war niemand als die Schwangere. Der Gefährte that ihr nunmehr das Band von den Augen, führte sie vors Bett und ging, nachdem er sie seiner Frauen anbefohlen, selber hinaus. Hierauf half sie das Kindlein zur Welt befördern, brachte die Kindbetterin zu Bett, badete das Kindlein und verrichtete alle nothwendige Sachen dabei. Aus heimlicher Dankbarkeit warnungsweise hob die Wöchnerin an zur Wehemutter zu sprechen: “ich bin sowohl als ihr ein Christenmensch und entführt worden von einem Wassermann, der mich ausgetauscht hat. Wenn ich nun ein Kind zur Welt bringe, frißt er mirs allemal den dritten Tag; kommet nur am dritten Tag zu eurem Teich, da werdet ihr Wasser in Blut verwandelt sehen. Wenn mein Mann jetzt hereinkommt und euch Geld bietet, so nehmet ja nicht mehr Geld von ihm, als ihr sonst zu kriegen pflegt, sonst dreht er euch den Hals um, nehmt euch ja in Acht.” Indem kam der Mann, zornig und bös aussehend, hinein, sah um sich und befand, daß alles hübsch aufgelaufen, lobete darum die Wehemutter. Hernach warf er einen großen Haufen Geld auf den Tisch, mit den Worten: “davon nehmt euch, so viel ihr wollt.” Sie aber, gescheidt, antwortete etlichemal: “ich gehre von euch nichts mehr, denn von andern, welches dann ein geringes Geld gewesen, und gebt ihr mir das, hab ich gnug dran; oder ist euch auch das zu viel, verlange ich gar nichts, außer daß ihr mich nach Haus bringet.” Er hub an: “das hieß dich Gott sprechen.” Zahlte ihr so viel Geld und geleitete sie richtig nach Haus. An den Teich zu gehen wagte sich aber den bestimmten Tag die Wehefrau nicht, aus Furcht.

50.

Die wilden Frauen im Unterberge.

Brixener Volksbuch.

Die Grödicher Einwohner und Bauersleute zeigten an, daß zu diesen Zeiten (um das Jahr 1753.) vielmals die wilden Frauen aus dem Wunderberge zu den Knaben und Mägdlein, die zunächst dem Loche innerhalb Glanegg das Waidvieh hüteten, herausgekommen und ihnen Brot zu essen gegeben.

Mehrmals kamen die wilden Frauen zu der Ährenschneidung. Sie kamen früh Morgens herab und Abends, da die andern Leute Feier-Abend genommen, gingen sie, ohne die Abend-Mahlzeit mitzuessen, wiederum in den Wunderberg hinein.

Einstens geschah auch nächst diesem Berge, daß ein kleiner Knab auf einem Pferde saß, das sein Vater zum Umackern eingespannt hatte. Da kamen auch die wilden Frauen aus dem Berge hervor und wollten diesen Knaben mit Gewalt hinweg nehmen. Der Vater aber, dem die Geheimnisse und Begebenheiten dieses Berges schon bekannt waren, eilte den Frauen ohne Furcht zu und nahm ihnen den Knaben ab, mit den Worten: “was erfrecht ihr euch, so oft herauszugehen und mir jetzt sogar meinen Buben wegzunehmen? was wollt ihr mit ihm machen?” Die wilden Frauen antworteten: “er wird bei uns bessere Pflege haben und ihm besser bei uns gehen, als zu Haus; der Knabe wäre uns sehr lieb, es wird ihm kein Leid widerfahren.” Allein der Vater ließ seinen Knaben nicht aus den Händen und die wilden Frauen gingen bitterlich weinend von dannen.

Abermals kamen die wilden Frauen aus dem Wunderberge nächst der Kugel-Mühle oder Kugelstadt genannt, so bei diesem Berge schön auf der Anhöhe liegt und nahmen einen Knaben mit sich fort, der das Waidvieh hütete. Diesen Knaben, den jedermann wohl kannte, sahen die Holzknechte erst über ein Jahr in einem grünen Kleid auf einem Stock dieses Bergs sitzen. Den folgenden Tag nahmen sie seine Eltern mit sich, Willens, ihn am Berge aufzusuchen, aber sie gingen alle umsonst, der Knabe kam nicht mehr zum Vorschein.

Mehrmals hat es sich begeben, daß eine wilde Frau aus dem Wunderberg gegen das Dorf Anif ging, welches eine gute halbe Stunde vom Berg entlegen ist. Alldort machte sie sich in die Erde Löcher und Lagerstätte. Sie hatte ein ungemein langes und schönes Haar, das ihr beinahe bis zu den Fußsohlen hinabreichte. Ein Bauersmann aus dem Dorfe sah diese Frau öfter ab- und zugehen und verliebte sich in sie, hauptsächlich wegen der Schönheit ihrer Haare. Er konnte sich nicht erwehren zu ihr zu gehen, betrachtete sie mit Wohlgefallen und legte sich endlich in seiner Einfalt ohne Scheu zu ihr in ihre Lagerstätte. Es sagte eins zum andern nichts, viel weniger, daß sie etwas ungebührliches getrieben. In der zweiten Nacht aber fragte die wilde Frau den Bauern, ob er nicht selbst eine Frau hätte? Der Bauer aber verläugnete seine Ehefrau und sprach nein. Diese aber machte sich viel Gedanken, wo ihr Mann Abends hingehe und Nachts schlafen möge. Sie spähete ihm daher nach und traf ihn auf dem Feld schlafend bei der wilden Frau. “O behüte Gott, sprach sie zur wilden Frau, deine schönen Haare! was thut ihr da miteinander?” Mit diesen Worten wich das Bauersweib von ihnen und der Bauer erschrak sehr hierüber. Aber die wilde Frau hielt dem Bauern seine treulose Verläugnung vor und sprach zu ihm: “hätte deine Frau bösen Haß und Ärger gegen mich zu erkennen gegeben, so würdest du jetzt unglücklich seyn und nicht mehr von dieser Stelle kommen; aber weil deine Frau nicht bös war, so liebe sie fortan und hause mit ihr getreu und untersteh dich nicht mehr daher zu kommen, denn es steht geschrieben: ‘ein jeder lebe getreu mit seinem getrauten Weibe’, obgleich die Kraft dieses Gebots einst in große Abnahme kommen wird und damit aller zeitlicher Wohlstand der Eheleute. Nimm diesen Schuh voll Geld von mir, geh hin und sieh dich nicht mehr um.”

51.

Tanz mit dem Wassermann.

+Valvassor+ Ehre von Crain. B. 11. u. B. 15. Cap. 19.

Zu Laibach hat in dem gleich-benannten Fluß ein Wasser-Geist gewohnt, den man den Nix oder Wassermann hieß. Er hat sich sowohl bei Nacht den Fischern und Schiffleuten als bei Tag andern gezeigt, daß jedermann zu erzählen wußte, wie er aus dem Wasser hervorgestiegen sey und in menschlicher Gestalt sich habe sehen lassen. Im Jahr 1547. am ersten Sonntag im Julius kam nach alter Sitte zu Laibach auf dem alten Markt bei dem Brunnen, der durch eine dabeistehende schöne Linde lustig beschattet war, die ganze Nachbarschaft zusammen. Sie verzehrten in freundlicher und nachbarlicher Vertraulichkeit bei klingendem Spiel ihr Mahl und huben darauf mit dem Tanze an. Nach einer Weil trat ein schöngestalter, wohlgekleideter Jüngling herzu, gleich als wollte er an dem Reigen Theil nehmen. Er grüßte die ganze Versammlung höflich und bot jedem Anwesenden freundlich die Hand, welche aber ganz weich und eiskalt war und bei der Berührung jedem ein seltsames Grauen erregte. Hernach zog er ein wohlaufgeschmücktes und schöngebildetes, aber frisches und freches Mägdlein, von leichtfertigem Wandel, das Ursula Schäferin hieß, zum Tanze auf, die sich in seine Weise auch meisterlich zu fügen und in alle lustige Possen zu schicken wußte. Nachdem sie eine Zeit lang miteinander wild getanzt, schweiften sie von dem Platz, der den Reigen zu umschränken pflegte, immer weiter aus, von jenem Lindenbaum nach dem Sitticher Hofe zu, daran vorbei, bis zu der Laibach, wo er in Gegenwart vieler Schiffleute mit ihr hineinsprang und beide vor ihren Augen verschwanden.

Der Lindenbaum stand bis ins Jahr 1638. wo er Alters halben umgehauen werden mußte.

52.

Der Wassermann und der Bauer.

Mündlich, aus Deutschböhmen.

Der Wassermann schaut wie ein andrer Mensch, nur daß, wenn er den Mund bleckt, man ihm seine grüne Zähne sieht. Auch trägt er grünen Hut. Er zeigt sich den Mädchen, wenn sie am Teich vorübergehen, mißt Band aus und wirfts ihnen zu.

Einmal lebte er in guter Nachbarschaft mit einem Bauer, der unweit des Sees wohnte, besuchte ihn manchmal und bat endlich, daß der Bauer ihn ebenfalls unten in seinem Gehäus besuchen möchte. Der Bauer thats und ging mit. Da war unten im Wasser alles wie in einem prächtigen Palast auf Erden, Zimmer, Säle und Kammern voll mancherlei Reichthum und Zierrath. Der Wassermann führte den Gast aller Enden umher und wies ihm jedes, endlich gelangten sie in ein kleines Stübchen, wo viel neue Töpfe umgekehrt, die Öffnung bodenwärts, standen. Der Bauer fragte: was das doch wäre? “Das sind die Seelen der Ertrunkenen, die hebe ich unter den Töpfen auf und halte sie damit fest, daß sie nicht entwischen können.” Der Bauer schwieg still und kam hernach wieder heraus ans Land. Das Ding mit den Seelen wurmte ihm aber lange Zeit und er paßte dem Wassermann auf, daß er einmal ausgegangen seyn würde. Als das geschah, hatte der Bauer den rechten Weg hinunter sich wohl gemerkt, stieg in das Wasserhaus und fand auch jenes Stübchen glücklich wieder; da war er her, stülpte alle Töpfe um, einen nach dem andern, alsbald stiegen die Seelen der ertrunkenen Menschen hinauf in die Höhe aus dem Wasser und wurden wieder erlöst.

53.

Der Wassermann an der Fleischerbank.

Mündlich, aus Deutschböhmen.