Part 2
Den Prätorius haben spätere, oft ohne ihn zu nennen, ausgeschrieben, selten durch eigene mündliche Zusammlung sich ein gleiches Verdienst zu erwerben gewußt. In den langen Zeitraum zwischen ihm und der Otmarischen Sammlung (1800) fällt kein einzig Buch von Belang für deutsche Sagen, abgesehn von bloßen Einzelnheiten. Indessen hatten kurz davor Musäus und Frau Naubert in ihren Verarbeitungen einiger ächten Grundsagen aus Schriften, so wie theilweise aus mündlicher Ueberlieferung, die Neigung darauf hingezogen, wenigstens hingewiesen. In Absicht auf Treue und Frische verdient Otmar’s Sammlung der Harzsagen so viel Lob, daß dieses den Tadel der hin und wieder aufgesetzten unnöthigen Bräme und Stilverzierung zudeckt. Viele sind aber auch selbst den Worten nach untadelhaft und man darf ihnen trauen. Seitdem hat sich die Sache zwar immer mehr geregt und ist auch zuweilen wirklich gefördert, im Ganzen jedoch nichts Bedeutendes gesammelt worden, außer ganz neuerlich (1815.) ein Dutzend Schweizersagen von Wyß. Ihr Herausgeber hat sie geschickt und gewandt in größere Gedichte versponnen; wir erkennen neben dem Talent, was er darin bewiesen, doch eine Trübung trefflicher einfacher Poesie, die keines Behelfs bedarf und welche wir unserm Sinn gemäß aus der Einkleidung wieder in die nackende Wahrheit einzulösen getrachtet haben, darin auch durch die zugefügt gewesenen Anmerkungen besonders erleichtert waren. Dieses, so wie daß wir aus der Otmarischen Sammlung etwa eben so viel, oder einige mehr aufgenommen, war für unsern Zweck und den uns seinethalben vorschwebenden Grad von Vollständigkeit unentbehrlich; theils hatten wir manche noch aus anderen Quellen zu vergleichen, zu berichtigen und in den einfachen Stil zurückzuführen. Es sind außerdem noch zwei andere neue Sammlungen deutscher Volkssagen anzuführen, von Büsching (1812.) und Gottschalk (1814.), deren die erste sich auch auf auswärtige Sagen, sodann einheimische Märchen, Legenden und Lieder, selbst Vermuthungen über Sagen, wie Spangenbergs, mit erstreckt, also ein sehr ausgedehntes, unbestimmtes Feld hat. Beide zusammen verdanken mündlicher Quelle nicht über zwölf bisher ungekannte deutsche Sagen, welche wir indessen aufgenommen haben würden, wenn nicht jede dieser Sammlungen selbst noch im Gang wäre und eigene Fortsetzungen versprochen hätte. Wir haben ihnen also nichts davon angerührt, übrigens, wo wir dieselben schriftlichen Sagen längst schon aus denselben oder verschiedenen Quellen ausgeschrieben hatten, unsre Auszüge darum nicht hintanlegen wollen; denn nach aufrichtiger Ueberlegung fanden wir, daß wir umsichtiger und reiflicher gesammelt hatten. Beide geben auch vermischt mit den örtlichen Sagen die geschichtlichen, deren wir mehrere Hunderte für den nächsten Theil aufbehalten. Wir denken keine fremde Arbeit zu irren oder zu stören, sondern wünschen ihnen glücklichen Fortgang, der gottschalkischen insbesondere mehr Critik zur Ausscheidung des Verblümten und der Falschmünze. Die dobeneckische Abhandlung endlich von dem Volksglauben des Mittelalters (1815.) breitet sich theils über ganz Europa, theils schränkt sie sich wieder auf das sogenannt Abergläubische und sonst in anderer Absicht zu ihrem Schaden ein; man kann sagen: sie ist eine mehr sinnvolle als reife, durchgearbeitete Ansicht der Volkspoesie und eigentlich Sammlung blos nebenbei, weshalb wir auch einige Auszüge aus Prätorius, wo wir zusammentrafen, nicht ausgelassen haben; sie wird inzwischen dem Studium dieser Dichtungen zur Erregung und Empfehlung gereichen. Ausdrücklich ist hier noch zu bemerken, daß wir vorsätzlich die vielfachen Sagen von Rübezahl, die sich füglich zu einer besonderen Sammlung eignen, so wie mehrere Rheinsagen auf die erhaltene Nachricht: Voigt wolle solche zu Frankfurt in diesem Jahr erscheinen lassen, zurücklegen.
[Sidenote: VII. Zweck und Wunsch.]
Wir empfehlen unser Buch den Liebhabern deutscher Poesie, Geschichte und Sprache, und hoffen, es werde ihnen allen, schon als lautere deutsche Kost, willkommen seyn, im festen Glauben, daß nichts mehr auferbaue und größere Freude bei sich habe, als das Vaterländische. Ja, eine bedeutungslos sich anlassende Entdeckung und Bemühung in unserer einheimischen Wissenschaft kann leicht am Ende mehr Frucht bringen, als die blendendste Bekanntwerdung und Anbauung des Fremden, weil alles Eingebrachte zugleich auch doch etwas Unsicheres an sich trägt, sich gern versteigt und nicht so warm zu umfassen ist. Es schien uns nunmehr Zeit hervorzutreten und unsere Sammlung zu dem Grad von Vollständigkeit und Mannichfaltigkeit gediehen zu seyn, der ihre unvermeidlichen Mängel hinreichend entschuldigen könne und in unsern Lesern das Vertrauen erwecke, daß und in wiefern wir ihre Beihilfe zur Vervollkommnung des Werkes brauchen und nicht mißbrauchen werden. Aller Anfang ist schwer, wir fühlen, daß uns eine große Menge von deutschen Sagen gänzlich fehlt, und daß ein Theil der hier gegebenen genauer und besser noch aus dem Mund des Volks zu gewinnen ist; manches in Reisebeschreibungen des vorigen Jahrhunderts zerstreute mag gleichfalls mangeln. Die Erfahrung beweist, daß auf Briefe und Schreiben um zu sammelnde Beiträge wenig oder nichts erfolge, bevor durch ein Muster von Sammlung selbst deutlich geworden seyn kann, auf welche verachtete und scheinlose Dinge es hierbei ankommt. Aber das Geschäft des Sammelns, sobald es einer ernstlich thun will, verlohnt sich bald der Mühe und das Finden reicht noch am nächsten an jene unschuldige Lust der Kindheit, wann sie in Moos und Gebüsch ein brütendes Vöglein auf seinem Nest überrascht; es ist auch hier bei den Sagen ein leises Aufheben der Blätter und behutsames Wegbiegen der Zweige, um das Volk nicht zu stören und um verstohlen in die seltsam, aber bescheiden in sich geschmiegte, nach Laub, Wiesengras und frischgefallenem Regen riechende Natur blicken zu können. Für jede Mittheilung in diesem Sinn werden wir dankbar seyn und danken hiermit öffentlich unserm Bruder Ferdinand Grimm und unsern Freunden August von Haxthausen und Carove, daß sie uns schon fleißig unterstützt haben. Cassel, am 14. März 1816.
Inhalt.
1. Die drei Bergleute im Kuttenberg Seite 1
2. Der Berg-Geist 3
3. Der Berg-Mönch im Harz 5
4. Frau Hollen-Teich 6
5. Frau Holla zieht umher 8
6. Frau Hollen Bad 9
7. Frau Holla und der treue Eckart 9
8. Frau Holla und der Bauer 10
9. Die Springwurzel 11
10. Fräulein von Boyneburg 13
11. Der Pielberg 16
12. Die Schloß-Jungfrau 16
13. Die Schlangen-Jungfrau 17
14. Das schwere Kind 19
15. Der Weinkeller bei Salurn 20
16. Das Hünen-Spiel 23
17. Das Riesen-Spielzeug 24
18. Riese Einheer 25
19. Riesen-Säulen 26
20. Der Köterberg 27
21. Geroldseck 28
22. Kaiser Karl zu Nürnberg 28
23. Friedrich Rothbart auf dem Kyfhäuser 29
24. Der Birnbaum auf dem Walserfeld 30
25. Der verzauberte König zu Schildheiß 31
26. Kaiser Carl V. Auszug 32
27. Der Unterberg 32
28. Kaiser Karl im Unterberg 33
29. Der Scherfenberger und der Zwerg 34
30. Das stille Volk zu Plesse 38
31. Des kleinen Volks Hochzeit-Fest 39
32. Steinverwandelte Zwerge 40
33. Zwerg-Berge 42
34. Zwerge leihen Brot 42
35. Der Graf von Hoia 44
36. Zwerge ausgetrieben 45
37. Die Wichtlein 46
38. Beschwörung der Bergmännlein 48
39. Die Bergmännlein beim Tanz 49
40. Das Keller-Männlein 50
41. Die Ahnfrau von Ranzau 51
42. Herrmann von Rosenberg 54
43. Die osenberger Zwerge 55
44. Das Erdmännlein und der Schäferjung 56
45. Der einkehrende Zwerg 57
46. Zeitelmoos 58
47. Das Moosweibchen 59
48. Der wilde Jäger jagt die Moosleute 60
49. Der Wassermann 61
50. Die wilden Frauen im Unterberge 63
51. Tanz mit dem Wassermann 66
52. Der Wassermann und der Bauer 67
53. Der Wassermann aus der Fleischerbank 68
54. Der Schwimmer 69
55. Bruder Nickel 70
56. Nixen-Brunnen 71
57. Magdeburger Nixen 71
58. Der Dönges-See 72
59. Mummel-See 73
60. Die Elbjungfer und das Saalweiblein 76
61. Wasser-Recht 78
62. Das ertrunkene Kind 79
63. Schlitz-Oehrchen 80
64. Die Wasser-Nixe und der Mühlknappe 80
65. Vor den Nixen hilft Dosten und Dorant 81
66. Des Nixes Beine 84
67. Die Magd bei dem Nix 84
68. Die Frau von Alvensleben 85
69. Die Frau von Hahn und der Nix 87
70. Das Streichmaaß, der Ring und Becher 89
71. Der Kobold 90
72. Der Bauer mit seinem Kobold 93
73. Der Kobold in der Mühle 93
74. Hütchen 97
75. Hinzelmann 103
76. Klopfer 128
77. Stiefel 128
78. Ekerken 129
79. Nacht-Geist zu Kendenich 129
80. Der Alp 130
81. Der Wechselbalg 132
82. Die Wechselbälge im Wasser 134
83. Der Alraun 135
84. ~Spiritus familiaris~ 137
85. Das Vogelnest 140
86. Der Brutpfennig 143
87. Wechselkind mit Ruthen gestrichen 144
88. Schauen auf Kinder 145
89. Die Roggen-Muhme 146
90. Die zwei unterirdischen Weiber 147
91. König Grünewald 148
92. Blümelis-Alp 150
93. Die Lilie 152
94. Johann von Passau 153
95. Das Hündlein von Bretta 154
96. Das Dorf am Meer 155
97. Die verschütteten Silbergruben 156
98. Der Fundgrübner 157
99. Ein gespenstiger Reuter 159
100. Der falsche Eid 160
101. Zwölf ungerechte Richter 161
102. Die heiligen Quellen 161
103. Der quillende Brunnen 162
104. Hunger-Quelle 163
105. Der Lieben-Bach 163
106. Der Helfenstein 164
107. Die Wiege aus dem Bäumchen 166
108. Hessenthal 167
109. Reinstein 167
110. Der stillstehende Fluß 168
111. Arendsee 168
112. Der Ochsenberg 169
113. Die Moor-Jungfern 170
114. Andreas-Nacht 171
115. Der Liebhaber zum Essen eingeladen 172
116. Die Christnacht 174
117. Das Hemdabwerfen 176
118. Krystall-Schauen 177
119. Zauber-Kräuter kochen 182
120. Der Salzknecht in Pommern 184
121. Jungfer Eli 184
122. Die weiße Frau 187
123. Taube zeigt einen Schatz 187
124. Taube hält den Feind ab 188
125. Der Glockenguß zu Breslau 189
126. Der Glockenguß zu Attendorn 190
127. Die Müllerin 193
128. Johann Hübner 195
129. Eppela Gaila 198
130. Der Blumenstein 200
131. Seeburger See 201
132. Der Burgsee und Burgwall 204
133. Der heil. Niclas und der Dieb 205
134. Riesensteine 205
135. Spuren im Steine 206
136. Der Riesen-Finger 207
137. Riesen aus dem Unterberge 208
138. Der Jetten-Bühel zu Heidelberg 209
139. Riese Haym 210
140. Die tropfende Rippe 211
141. Jungfrau-Sprung 211
142. Der Stierenbach 212
143. Die Männer im Zottenberg 214
144. Verkündigung des Verderbens 215
145. Das Männlein auf dem Rücken 217
146. Gottschee 217
147. Die Zwerge auf dem Baum 221
148. Die Zwerge auf dem Felsstein 221
149. Die Füße der Zwerge 222
150. Die wilden Geister 224
151. Die Heilingszwerge 225
152. Abzug des Zwergvolks über die Brücke 227
153. Der Zug der Zwerge über den Berg 229
154. Die Zwerge bei Dardesheim 230
155. Schmidt Riechert 231
156. Grinken-Schmidt 232
157. Die Hirtenjungen 233
158. Die Nußkerne 234
159. Der soester Schatz 235
160. Das quellende Silber 236
161. Goldsand auf dem Unterberg 238
162. Goldkohlen 239
163. Der Brunnen zu Steinau 240
164. Die fünf Kreuze 241
165. Der Schwerttanz zu Weissenstein 241
166. Der Steintisch zu Bingenheim 242
167. Der lange Mann in der Mordgasse zu Hof 243
168. Krieg und Frieden 244
169. Rodensteins Auszug 244
170. Der Tannhäuser 246
171. Der wilde Jäger Hackelberg 248
172. Der wilde Jäger und der Schneider 249
173. Der Hoselberg 250
174. Des Rechenbergers Knecht 251
175. Geister-Kirche 254
176. Geister-Mahl 257
177. Der Dachdecker 259
178. Die Spinnerin am Creuz 260
179. Buttermilchthurm 260
180. Der heilige Wanfried 261
181. Der Hülfenberg 262
182. Das Teufelsloch zu Goslar 263
183. Die Teufelsmühle 265
184. Der Herrgottstritt 266
185. Die Sachsenhäuser Brücke zu Frankfurt 267
186. Der Wolf und der Tannenzapf 269
187. Der Teufel von Ach 270
188. Die Teufelsmauer 270
189. Des Teufels Tanzplatz 271
190. Die Teufelskanzel 272
191. Das Teufelsohrkissen 272
192. Der Teufelsfelsen 272
193. Teufelsmauer 273
194. Teufelsgitter 273
195. Teufelsmühle 274
196. Teufelskirche 274
197. Teufelsstein bei Reichenbach 274
198. Teufelsstein bei Cöln 275
199. Süntelstein zu Osnabrück 275
200. Der Lügenstein 276
201. Die Felsenbrücke 276
202. Das Teufelsbad bei Dassel 277
203. Der Thurm zu Schartfeld 279
204. Der Dom zu Cöln 280
205. Des Teufels Hut 282
206. Des Teufels Brand 282
207. Die Teufels-Hufeisen 284
208. Der Teufel führt die Braut fort 285
209. Das Glücksrad 286
210. Der Teufel als Fürsprecher 289
211. Traum vom Schatz auf der Brücke 290
212. Der Kessel mit dem Schatz 291
213. Der Wärwolf 293
214. Der Wärwolf-Stein 295
215. Die Wärwölfe ziehen aus 296
216. Der Drache fährt aus 297
217. Winkelried und der Lindwurm 299
218. Der Lindwurm am Brunnen 300
219. Das Drachenloch 301
220. Schlangenkönigin 302
221. Die Jungfrau im Oselberg 303
222. Der Krötenstuhl 304
223. Die Wiesenjungfrau 305
224. Das Niesen im Wasser 307
225. Die arme Seele 307
226. Die verfluchte Jungfer 308
227. Das Fräulein vom Staufenberg 308
228. Der Jungferstein 308
229. Das steinerne Brautbett 309
230. Zum Stehen verwünscht 310
231. Die Bauern zu Kolbeck 312
232. Der heilige Sonntag 313
233. Frau Hutt 314
234. Der Kindelsberg 315
235. Die Semmel-Schuhe 317
236. Der Erdfall bei Hochstädt 318
237. Die Brot-Schuhe 319
238. Das taube Korn 320
239. Der Frauensand 321
240. Brot zu Stein geworden 326
241. Der Binger Mäusethurm 328
242. Das Bubenried 329
243. Kindelbrück 330
244. Die Kinder zu Hameln 330
245. Der Rattenfänger 333
246. Der Schlangenfänger 334
247. Das Mäuselein 335
248. Der ausgehende Rauch 336