Deutsche Sagen

Part 2

Chapter 22,118 wordsPublic domain

Den Prätorius haben spätere, oft ohne ihn zu nennen, ausgeschrieben, selten durch eigene mündliche Zusammlung sich ein gleiches Verdienst zu erwerben gewußt. In den langen Zeitraum zwischen ihm und der Otmarischen Sammlung (1800) fällt kein einzig Buch von Belang für deutsche Sagen, abgesehn von bloßen Einzelnheiten. Indessen hatten kurz davor Musäus und Frau Naubert in ihren Verarbeitungen einiger ächten Grundsagen aus Schriften, so wie theilweise aus mündlicher Ueberlieferung, die Neigung darauf hingezogen, wenigstens hingewiesen. In Absicht auf Treue und Frische verdient Otmar’s Sammlung der Harzsagen so viel Lob, daß dieses den Tadel der hin und wieder aufgesetzten unnöthigen Bräme und Stilverzierung zudeckt. Viele sind aber auch selbst den Worten nach untadelhaft und man darf ihnen trauen. Seitdem hat sich die Sache zwar immer mehr geregt und ist auch zuweilen wirklich gefördert, im Ganzen jedoch nichts Bedeutendes gesammelt worden, außer ganz neuerlich (1815.) ein Dutzend Schweizersagen von Wyß. Ihr Herausgeber hat sie geschickt und gewandt in größere Gedichte versponnen; wir erkennen neben dem Talent, was er darin bewiesen, doch eine Trübung trefflicher einfacher Poesie, die keines Behelfs bedarf und welche wir unserm Sinn gemäß aus der Einkleidung wieder in die nackende Wahrheit einzulösen getrachtet haben, darin auch durch die zugefügt gewesenen Anmerkungen besonders erleichtert waren. Dieses, so wie daß wir aus der Otmarischen Sammlung etwa eben so viel, oder einige mehr aufgenommen, war für unsern Zweck und den uns seinethalben vorschwebenden Grad von Vollständigkeit unentbehrlich; theils hatten wir manche noch aus anderen Quellen zu vergleichen, zu berichtigen und in den einfachen Stil zurückzuführen. Es sind außerdem noch zwei andere neue Sammlungen deutscher Volkssagen anzuführen, von Büsching (1812.) und Gottschalk (1814.), deren die erste sich auch auf auswärtige Sagen, sodann einheimische Märchen, Legenden und Lieder, selbst Vermuthungen über Sagen, wie Spangenbergs, mit erstreckt, also ein sehr ausgedehntes, unbestimmtes Feld hat. Beide zusammen verdanken mündlicher Quelle nicht über zwölf bisher ungekannte deutsche Sagen, welche wir indessen aufgenommen haben würden, wenn nicht jede dieser Sammlungen selbst noch im Gang wäre und eigene Fortsetzungen versprochen hätte. Wir haben ihnen also nichts davon angerührt, übrigens, wo wir dieselben schriftlichen Sagen längst schon aus denselben oder verschiedenen Quellen ausgeschrieben hatten, unsre Auszüge darum nicht hintanlegen wollen; denn nach aufrichtiger Ueberlegung fanden wir, daß wir umsichtiger und reiflicher gesammelt hatten. Beide geben auch vermischt mit den örtlichen Sagen die geschichtlichen, deren wir mehrere Hunderte für den nächsten Theil aufbehalten. Wir denken keine fremde Arbeit zu irren oder zu stören, sondern wünschen ihnen glücklichen Fortgang, der gottschalkischen insbesondere mehr Critik zur Ausscheidung des Verblümten und der Falschmünze. Die dobeneckische Abhandlung endlich von dem Volksglauben des Mittelalters (1815.) breitet sich theils über ganz Europa, theils schränkt sie sich wieder auf das sogenannt Abergläubische und sonst in anderer Absicht zu ihrem Schaden ein; man kann sagen: sie ist eine mehr sinnvolle als reife, durchgearbeitete Ansicht der Volkspoesie und eigentlich Sammlung blos nebenbei, weshalb wir auch einige Auszüge aus Prätorius, wo wir zusammentrafen, nicht ausgelassen haben; sie wird inzwischen dem Studium dieser Dichtungen zur Erregung und Empfehlung gereichen. Ausdrücklich ist hier noch zu bemerken, daß wir vorsätzlich die vielfachen Sagen von Rübezahl, die sich füglich zu einer besonderen Sammlung eignen, so wie mehrere Rheinsagen auf die erhaltene Nachricht: Voigt wolle solche zu Frankfurt in diesem Jahr erscheinen lassen, zurücklegen.

[Sidenote: VII. Zweck und Wunsch.]

Wir empfehlen unser Buch den Liebhabern deutscher Poesie, Geschichte und Sprache, und hoffen, es werde ihnen allen, schon als lautere deutsche Kost, willkommen seyn, im festen Glauben, daß nichts mehr auferbaue und größere Freude bei sich habe, als das Vaterländische. Ja, eine bedeutungslos sich anlassende Entdeckung und Bemühung in unserer einheimischen Wissenschaft kann leicht am Ende mehr Frucht bringen, als die blendendste Bekanntwerdung und Anbauung des Fremden, weil alles Eingebrachte zugleich auch doch etwas Unsicheres an sich trägt, sich gern versteigt und nicht so warm zu umfassen ist. Es schien uns nunmehr Zeit hervorzutreten und unsere Sammlung zu dem Grad von Vollständigkeit und Mannichfaltigkeit gediehen zu seyn, der ihre unvermeidlichen Mängel hinreichend entschuldigen könne und in unsern Lesern das Vertrauen erwecke, daß und in wiefern wir ihre Beihilfe zur Vervollkommnung des Werkes brauchen und nicht mißbrauchen werden. Aller Anfang ist schwer, wir fühlen, daß uns eine große Menge von deutschen Sagen gänzlich fehlt, und daß ein Theil der hier gegebenen genauer und besser noch aus dem Mund des Volks zu gewinnen ist; manches in Reisebeschreibungen des vorigen Jahrhunderts zerstreute mag gleichfalls mangeln. Die Erfahrung beweist, daß auf Briefe und Schreiben um zu sammelnde Beiträge wenig oder nichts erfolge, bevor durch ein Muster von Sammlung selbst deutlich geworden seyn kann, auf welche verachtete und scheinlose Dinge es hierbei ankommt. Aber das Geschäft des Sammelns, sobald es einer ernstlich thun will, verlohnt sich bald der Mühe und das Finden reicht noch am nächsten an jene unschuldige Lust der Kindheit, wann sie in Moos und Gebüsch ein brütendes Vöglein auf seinem Nest überrascht; es ist auch hier bei den Sagen ein leises Aufheben der Blätter und behutsames Wegbiegen der Zweige, um das Volk nicht zu stören und um verstohlen in die seltsam, aber bescheiden in sich geschmiegte, nach Laub, Wiesengras und frischgefallenem Regen riechende Natur blicken zu können. Für jede Mittheilung in diesem Sinn werden wir dankbar seyn und danken hiermit öffentlich unserm Bruder Ferdinand Grimm und unsern Freunden August von Haxthausen und Carove, daß sie uns schon fleißig unterstützt haben. Cassel, am 14. März 1816.

Inhalt.

1. Die drei Bergleute im Kuttenberg Seite 1

2. Der Berg-Geist 3

3. Der Berg-Mönch im Harz 5

4. Frau Hollen-Teich 6

5. Frau Holla zieht umher 8

6. Frau Hollen Bad 9

7. Frau Holla und der treue Eckart 9

8. Frau Holla und der Bauer 10

9. Die Springwurzel 11

10. Fräulein von Boyneburg 13

11. Der Pielberg 16

12. Die Schloß-Jungfrau 16

13. Die Schlangen-Jungfrau 17

14. Das schwere Kind 19

15. Der Weinkeller bei Salurn 20

16. Das Hünen-Spiel 23

17. Das Riesen-Spielzeug 24

18. Riese Einheer 25

19. Riesen-Säulen 26

20. Der Köterberg 27

21. Geroldseck 28

22. Kaiser Karl zu Nürnberg 28

23. Friedrich Rothbart auf dem Kyfhäuser 29

24. Der Birnbaum auf dem Walserfeld 30

25. Der verzauberte König zu Schildheiß 31

26. Kaiser Carl V. Auszug 32

27. Der Unterberg 32

28. Kaiser Karl im Unterberg 33

29. Der Scherfenberger und der Zwerg 34

30. Das stille Volk zu Plesse 38

31. Des kleinen Volks Hochzeit-Fest 39

32. Steinverwandelte Zwerge 40

33. Zwerg-Berge 42

34. Zwerge leihen Brot 42

35. Der Graf von Hoia 44

36. Zwerge ausgetrieben 45

37. Die Wichtlein 46

38. Beschwörung der Bergmännlein 48

39. Die Bergmännlein beim Tanz 49

40. Das Keller-Männlein 50

41. Die Ahnfrau von Ranzau 51

42. Herrmann von Rosenberg 54

43. Die osenberger Zwerge 55

44. Das Erdmännlein und der Schäferjung 56

45. Der einkehrende Zwerg 57

46. Zeitelmoos 58

47. Das Moosweibchen 59

48. Der wilde Jäger jagt die Moosleute 60

49. Der Wassermann 61

50. Die wilden Frauen im Unterberge 63

51. Tanz mit dem Wassermann 66

52. Der Wassermann und der Bauer 67

53. Der Wassermann aus der Fleischerbank 68

54. Der Schwimmer 69

55. Bruder Nickel 70

56. Nixen-Brunnen 71

57. Magdeburger Nixen 71

58. Der Dönges-See 72

59. Mummel-See 73

60. Die Elbjungfer und das Saalweiblein 76

61. Wasser-Recht 78

62. Das ertrunkene Kind 79

63. Schlitz-Oehrchen 80

64. Die Wasser-Nixe und der Mühlknappe 80

65. Vor den Nixen hilft Dosten und Dorant 81

66. Des Nixes Beine 84

67. Die Magd bei dem Nix 84

68. Die Frau von Alvensleben 85

69. Die Frau von Hahn und der Nix 87

70. Das Streichmaaß, der Ring und Becher 89

71. Der Kobold 90

72. Der Bauer mit seinem Kobold 93

73. Der Kobold in der Mühle 93

74. Hütchen 97

75. Hinzelmann 103

76. Klopfer 128

77. Stiefel 128

78. Ekerken 129

79. Nacht-Geist zu Kendenich 129

80. Der Alp 130

81. Der Wechselbalg 132

82. Die Wechselbälge im Wasser 134

83. Der Alraun 135

84. ~Spiritus familiaris~ 137

85. Das Vogelnest 140

86. Der Brutpfennig 143

87. Wechselkind mit Ruthen gestrichen 144

88. Schauen auf Kinder 145

89. Die Roggen-Muhme 146

90. Die zwei unterirdischen Weiber 147

91. König Grünewald 148

92. Blümelis-Alp 150

93. Die Lilie 152

94. Johann von Passau 153

95. Das Hündlein von Bretta 154

96. Das Dorf am Meer 155

97. Die verschütteten Silbergruben 156

98. Der Fundgrübner 157

99. Ein gespenstiger Reuter 159

100. Der falsche Eid 160

101. Zwölf ungerechte Richter 161

102. Die heiligen Quellen 161

103. Der quillende Brunnen 162

104. Hunger-Quelle 163

105. Der Lieben-Bach 163

106. Der Helfenstein 164

107. Die Wiege aus dem Bäumchen 166

108. Hessenthal 167

109. Reinstein 167

110. Der stillstehende Fluß 168

111. Arendsee 168

112. Der Ochsenberg 169

113. Die Moor-Jungfern 170

114. Andreas-Nacht 171

115. Der Liebhaber zum Essen eingeladen 172

116. Die Christnacht 174

117. Das Hemdabwerfen 176

118. Krystall-Schauen 177

119. Zauber-Kräuter kochen 182

120. Der Salzknecht in Pommern 184

121. Jungfer Eli 184

122. Die weiße Frau 187

123. Taube zeigt einen Schatz 187

124. Taube hält den Feind ab 188

125. Der Glockenguß zu Breslau 189

126. Der Glockenguß zu Attendorn 190

127. Die Müllerin 193

128. Johann Hübner 195

129. Eppela Gaila 198

130. Der Blumenstein 200

131. Seeburger See 201

132. Der Burgsee und Burgwall 204

133. Der heil. Niclas und der Dieb 205

134. Riesensteine 205

135. Spuren im Steine 206

136. Der Riesen-Finger 207

137. Riesen aus dem Unterberge 208

138. Der Jetten-Bühel zu Heidelberg 209

139. Riese Haym 210

140. Die tropfende Rippe 211

141. Jungfrau-Sprung 211

142. Der Stierenbach 212

143. Die Männer im Zottenberg 214

144. Verkündigung des Verderbens 215

145. Das Männlein auf dem Rücken 217

146. Gottschee 217

147. Die Zwerge auf dem Baum 221

148. Die Zwerge auf dem Felsstein 221

149. Die Füße der Zwerge 222

150. Die wilden Geister 224

151. Die Heilingszwerge 225

152. Abzug des Zwergvolks über die Brücke 227

153. Der Zug der Zwerge über den Berg 229

154. Die Zwerge bei Dardesheim 230

155. Schmidt Riechert 231

156. Grinken-Schmidt 232

157. Die Hirtenjungen 233

158. Die Nußkerne 234

159. Der soester Schatz 235

160. Das quellende Silber 236

161. Goldsand auf dem Unterberg 238

162. Goldkohlen 239

163. Der Brunnen zu Steinau 240

164. Die fünf Kreuze 241

165. Der Schwerttanz zu Weissenstein 241

166. Der Steintisch zu Bingenheim 242

167. Der lange Mann in der Mordgasse zu Hof 243

168. Krieg und Frieden 244

169. Rodensteins Auszug 244

170. Der Tannhäuser 246

171. Der wilde Jäger Hackelberg 248

172. Der wilde Jäger und der Schneider 249

173. Der Hoselberg 250

174. Des Rechenbergers Knecht 251

175. Geister-Kirche 254

176. Geister-Mahl 257

177. Der Dachdecker 259

178. Die Spinnerin am Creuz 260

179. Buttermilchthurm 260

180. Der heilige Wanfried 261

181. Der Hülfenberg 262

182. Das Teufelsloch zu Goslar 263

183. Die Teufelsmühle 265

184. Der Herrgottstritt 266

185. Die Sachsenhäuser Brücke zu Frankfurt 267

186. Der Wolf und der Tannenzapf 269

187. Der Teufel von Ach 270

188. Die Teufelsmauer 270

189. Des Teufels Tanzplatz 271

190. Die Teufelskanzel 272

191. Das Teufelsohrkissen 272

192. Der Teufelsfelsen 272

193. Teufelsmauer 273

194. Teufelsgitter 273

195. Teufelsmühle 274

196. Teufelskirche 274

197. Teufelsstein bei Reichenbach 274

198. Teufelsstein bei Cöln 275

199. Süntelstein zu Osnabrück 275

200. Der Lügenstein 276

201. Die Felsenbrücke 276

202. Das Teufelsbad bei Dassel 277

203. Der Thurm zu Schartfeld 279

204. Der Dom zu Cöln 280

205. Des Teufels Hut 282

206. Des Teufels Brand 282

207. Die Teufels-Hufeisen 284

208. Der Teufel führt die Braut fort 285

209. Das Glücksrad 286

210. Der Teufel als Fürsprecher 289

211. Traum vom Schatz auf der Brücke 290

212. Der Kessel mit dem Schatz 291

213. Der Wärwolf 293

214. Der Wärwolf-Stein 295

215. Die Wärwölfe ziehen aus 296

216. Der Drache fährt aus 297

217. Winkelried und der Lindwurm 299

218. Der Lindwurm am Brunnen 300

219. Das Drachenloch 301

220. Schlangenkönigin 302

221. Die Jungfrau im Oselberg 303

222. Der Krötenstuhl 304

223. Die Wiesenjungfrau 305

224. Das Niesen im Wasser 307

225. Die arme Seele 307

226. Die verfluchte Jungfer 308

227. Das Fräulein vom Staufenberg 308

228. Der Jungferstein 308

229. Das steinerne Brautbett 309

230. Zum Stehen verwünscht 310

231. Die Bauern zu Kolbeck 312

232. Der heilige Sonntag 313

233. Frau Hutt 314

234. Der Kindelsberg 315

235. Die Semmel-Schuhe 317

236. Der Erdfall bei Hochstädt 318

237. Die Brot-Schuhe 319

238. Das taube Korn 320

239. Der Frauensand 321

240. Brot zu Stein geworden 326

241. Der Binger Mäusethurm 328

242. Das Bubenried 329

243. Kindelbrück 330

244. Die Kinder zu Hameln 330

245. Der Rattenfänger 333

246. Der Schlangenfänger 334

247. Das Mäuselein 335

248. Der ausgehende Rauch 336