Deutsche Flagge, sei gegrüsst! Friedens- und Kriegsfahrten der Hanse, Kriegs- und Friedenstaten der deutschen Marine

Part 18

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Das Vorschiff lag eingekeilt und konnte sich nicht so viel bewegen wie das Achterschiff. Leuchtkugeln erhellten diese Stätte des Grausens, jedoch vergebens, keine Rettung kam den von der wilden Brandung umtosten Schiffbrüchigen; wer von ihnen noch nicht den gierigen Meereswogen zum Opfer fiel, dem schlug jetzt die Todesstunde.

Vom Hinterschiff erhob sich die mächtige Stimme des Feuerwerksmaaten Raehm. In heiteren Stunden hatten sein froher Sinn und seine Sangeslust oft genug die Mannschaft unterhalten, und im Augenblick des Sterbens halfen sie auch über das Bitterste hinweg. Die ersten Strophen des deutschen Flaggenliedes wurden angestimmt. Mannhaft klangen in das Gebrüll der Wogen die Worte hinein: ‚Stolz weht die Flagge schwarz- weiß-rot!‘

Und die Treue, von der die Braven sangen, haben sie dem Vaterlande gehalten bis zum letzten Atemzuge. Ein letzter Ton, und verstummt war der Mund für immer! Der wütende Orkan hatte das Hinterschiff hinabgezogen in die Tiefe und mit ihm den größten Teil der Mannschaft. Vierundsechzig brave deutsche Seeleute waren nicht mehr. Nur zwei Mann wurden besinnungslos an die eine Seemeile entfernte Küste geschwemmt, wo sie am nächsten Morgen von Chinesen aufgefunden und erquickt wurden.

Die auf dem Vorschiff zurückgebliebenen Schiffbrüchigen kamen auch in eine schlechte Lage, da die wilde See ungestümer heranrollte und sich ihnen auf dem Vorschiff kein Schutz mehr bot. An eine Rettung dachten die meisten nicht mehr, sie hatten abgeschlossen mit dem Leben; immer noch rollte die Brandung so stark über die kleine Schar hinweg, daß sie kaum atmen konnte. Gegen drei Uhr morgens brach noch der Fockmast, und von den zehn Seeleuten, die hier auf Rettung hofften, verschwand noch einer in den Wellen. Die übrigen krochen gegen Morgen in das Zwischendecksluk. So hatten sie leidlich Schutz vor der Brandung. Essen und Trinken gab’s nicht. Zwei Flaschen Mixed-Pickles fanden sie, zwei Tage erquickten sie sich an dem Essig. Im Innern hatten die Wellen alles zertrümmert. Die hin und her geschleuderten eisernen Wassertanke gestalteten die Lage im Innern noch gefährlicher. Am Mittag nach der Unglücksnacht versuchten die Schiffbrüchigen, aus Planken und Holztrümmern ein Floß zu zimmern, jedoch vergebens. Ein Matrose wurde durch die hohe Brandung über Bord gespült, er konnte sich als guter Schwimmer glücklicherweise noch ans Land retten. Als er nach einem in der Nähe gelegenen Dorfe kam, führten ihn die Dorfinsassen zu den beiden vom Achterschiff Verschlagenen. Es war eine herzliche Freude des Wiedersehens, die um so größer wurde, als sie vernahmen, daß noch mehr Kameraden vom Wrack zu retten seien. Sie scheuten keine Mühe, um in die Nähe des wildumbrandeten Felsenriffs zu kommen. Endlich gelang das Wagnis. Ein Chinese schwamm von einem verankerten Boot aus an einem Tau zur Unglücksstätte, und mit unsäglicher Mühe und größter Lebensgefahr rettete er die ermatteten Kameraden. Mit Hilfe eines noch an Bord vorhandenen Schwimmgürtels kamen die Unglücklichen trotz der scharfen Felskanten zum Boot, das sie ans Land brachte. Hier wartete der einarmige Leuchtturmwärter Schwilp auf die Geretteten. Halb verhungert und ganz zerschunden, wurden sie auf Esel gesetzt und nach dem Leuchtturm transportiert, wo er sie pflegte, bis der ‚Kormoran‘ die Überlebenden zu dem Flaggschiff ‚Kaiser‘ nach Tschifu brachte.

Die ‚Arkona‘ erhielt den Auftrag, nach den Leichen der Verunglückten zu suchen und sie auf einem dicht bei dem Leuchtturm angekauften Acker zu beerdigen. Wochenlang dauerte diese traurige Arbeit. Weit und breit lagen die angeschwemmten Leichen und Leichenteile an den Küstenländereien. Um sie zu rekognoszieren, blieben zwei Leute vom ‚Iltis‘ beim Leuchtturm zurück. Der Steuermann und der an seiner Kleidung kenntliche Zahlmeisterapplikant wurden wiedererkannt. Die übrigen konnten nicht ermittelt werden, da die Leichen von den scharfen Felskanten zerrissen waren. Nach wochenlangem Suchen konnten achtundzwanzig Leichen geborgen werden. Dreiundvierzig kamen nicht mehr zum Vorschein, trotz der hohen Prämien, die für die Auffindung ausgesetzt waren. Am 15. August hielt der Divisionspfarrer auf dem sauber hergerichteten Friedhof Gottesdienst und weihte ihn ein. Ein sieben Meter hoher weißer Marmorobelisk auf hohem Postament wurde in Tschifu aufgestellt, die Namen der Braven zum ewigen Gedenken eingegraben und auf die vierte Seite die Schlußstrophe des Flaggenliedes gesetzt:

„Und treibt des wilden Sturms Gewalt Uns an ein Felsenriff, Gleichviel, in welcherlei Gestalt Gefahr droht unserm Schiff, Wir wanken und wir weichen nicht, Wir tun, wie Seemannsbrauch, Den Tod nicht scheuend, unsre Pflicht Noch bis zum letzten Hauch! Ja, mit den Wogen kämpfend noch, Der sterbende Pilot, In seiner Rechten hält er hoch Die Flagge schwarz-weiß-rot!“

Eine hohe Mauer umgibt dies einsame Stückchen deutscher Erde im fernen Osten. Hübsche Anlagen schmücken den Platz. Alljährlich kommt ein Schiff des Kreuzergeschwaders und bekränzt von neuem die Ruhestätten dieser braven Seeleute. Erst nach und nach hat sich eine wetterharte, dem Klima angepaßte Vegetation entwickelt, die die Ruhestätten dieser Braven, für die Ehre des Vaterlandes Verstorbenen ziert.

Die Deutschen in Ostasien ehrten ihre gefallenen Landsleute durch die Errichtung eines Denkmals, das im Parke zu Schanghai aufgestellt worden ist. Ein terrassenförmiger Unterbau trägt einen Mast, von dessen abgebrochener Spitze Tauwerk herabhängt, am Fuße des Mastes ruht die lorbeerumwundene deutsche Kriegsflagge.

* * * * *

Die Helden vom ‚Iltis‘.

Wild rast der Sturm an Chinas Küste Aus grauer Nebel Hinterhalt; Er hat die gelbe Wasserwüste Zu flüchtigem Gebirg geballt. Es dampft das Schiff: in allen Bohlen Ächzt’s wie ein Tier in Todesqual, Und bei des Sturmes Atemholen Schießt es vom Berg zum Wellental.

Vor sich den Fels, den Sturm im Rücken... Er legt das Fernrohr aus der Hand Und steigt von der Kommandobrücken -- Zum letzten Male Kommandant! Auf jenen glatten Felsenkanten Läßt sinnend er das Auge ruhn, Er kennt sein Schicksal: er wird stranden Und untergehen im Taifun.

„Schart euch um mich!... Wir sind verloren, Hier hilft nicht Anker, Segel, Tau; Den wir so oft heraufbeschworen, Der Tod, hält seine letzte Schau! Kein Seufzer grüßt, kein banger, leiser, Zum letztenmal die schöne Welt: Ein donnernd Hoch dem Deutschen Kaiser, Und, Kinder, dann -- wie’s Gott gefällt!“

Und mitten durch der Stürme Tosen Und durch der Wogen weißes Heer Tönt aus den Kehlen der Matrosen Ein letztes Grüßen übers Meer, So kräftig, wie in frohen Tagen Es einst daheim beim Becherklang... Ein Ruck -- ein Sturz -- die Wellen schlagen Zusammen über Schiff und Sang -- --

Wir sahn euch nicht für immer scheiden, Wir senkten euch nicht still hinab. Der Schatten deutscher Trauerweiden Fällt nicht auf euer Heldengrab. Das Meer, dem ihr die Kraft ergeben, Gab tief im Grund euch nun die Ruh’, Und über eure Leichen schweben Die Schiffe eurer Heimat zu.

Kann Liebe nicht zum Grabe wallen, Als letzten Gruß den Kranz zu weihn, So soll ein Held, im Kampf gefallen, Im Herzen uns unsterblich sein. Des Ruhm erlischt nicht auf den Lippen, Der als ein Stolz der Mutter schied, Dem an der Fremde öden Klippen Die Woge singt das Sterbelied.

Und preisen sollen frohe Töne, -- Ob auch die tiefe Wunde brennt, -- Daß noch die Jugend solcher Söhne Germania ihr eigen nennt. Wir fürchten keines Feindes Tücken Und bieten Trotz der Stürme Wehn, Solang auf den Kommandobrücken Noch Helden euresgleichen stehn!

Rudolf Presber.

(Aus: „~Media in vita~“, 5. Aufl., J. G. Cottasche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart.)

Der neue ‚Iltis‘ vor Taku.

(17. Juni 1900.)

Glorreich und süß ist sterben fürs Vaterland.

Horaz.

Der neue ‚Iltis‘ verließ unter dem Befehl des Korvettenkapitäns Lans am 6. Februar 1899 den Kieler Kriegshafen. Das neue Schiff führte vier Stück 8,8 Zentimeter-Schnellfeuergeschütze und einige 3,7 Zentimeter-Revolverkanonen und hatte stärkere Maschinen als der alte ‚Iltis‘, dazu zählte die Besatzung vierzig Mann mehr.

China galt auch für den neuen ‚Iltis‘ als Reiseziel.

Der Chinese liebt den Europäer nicht, die Bezeichnung ‚roter Barbar‘ weist schon darauf hin. Kaufleute, Priester, Missionare haben zunächst am meisten zu leiden unter den Aufständen, die die Geheimbünde, an denen China so reich ist, anzetteln.

Im Jahre 1898 begann die Gesellschaft der Boxer den Kampf gegen die Europäer, die Gesandten in Peking wurden belästigt und verlangten daher Schutzwachen, zahlreiche Missionare erlagen, meuchlerisch hingeschlachtet, den Boxerbanden, die im Jahre 1900 einen großen Aufstand begannen. Wohl hatten alle Seemächte Truppen und Schiffe nach China entsandt, aber dennoch überraschte sie der Ausbruch der Unruhen, bei deren Beginn der deutsche Gesandte Freiherr von Ketteler ermordet wurde. Peking, von Boxern besetzt, die das Gesandtschaftsviertel belagerten, schwebte in großer Gefahr. Während des Anmarsches der Entsatztruppen unter Admiral Seymour hatten Teile der Landungstruppen den starken Hafen von Peking, die Takuforts, zu erobern. Die Befestigungen lagen an der Mündung des Peiho in das Meer, die meilenweiten Versandungen hinderten das Herankommen größerer Kriegsschiffe, und so konnten die vereinigten Seemächte in den Peiho nur flachgehende Kanonenboote entsenden und ihnen die Aufgabe stellen, diesen Zugang nach Peking und Tientsin offen zu halten.

Die Boote, denen die Lösung dieser Aufgabe zufiel, hießen: ‚Iltis‘ (deutsch), ‚Algerine‘ (englisch), ‚Lion‘ (französisch), ‚Bobo‘, ‚Borejets‘, ‚Hillate‘ (russisch) und ‚Atage‘ (japanisch).

Eine letzte Benachrichtigung schrieb den Chinesen vor, am 17. Juni früh die Befestigungen zu räumen, andernfalls der Angriff von beiden Seiten beginne. Dieser Mitteilung kamen die Chinesen zuvor: um Mitternacht eröffneten sie bei hellem Mondschein gegen die Kanonenboote das Feuer ihrer gutbesetzten Befestigungen. Die Schiffe, anfangs durch die Ebbe in ihrer Bewegung gehindert, fuhren um zwei Uhr in die verabredeten Gefechtsstellungen und erwiderten von jetzt an das Feuer.

Als es heller wurde, vermochten sich die Gegner besser aufs Korn zu nehmen. Immer wirkungsvoller schossen die Forts. Kurz hintereinander trafen sechs Geschosse die Schornsteine vom ‚Iltis‘ und durchschlugen sie. Die ersten Schwerverwundeten lagen an Bord des Schiffes: Berichterstatter Herrings und Obermaat Homann. Immer heftiger wurde der kleine ‚Iltis‘ getroffen. Seine hohen Aufbauten boten ein gutes Ziel. Schüsse in die Takelage nahmen Wanten und Stage weg. Als dann in der Morgendämmerung die Landungstruppen vorrückten und die Wälle des Nordwestforts stürmten, war es die höchste Zeit, den Ankerplatz zu wechseln, so gut hatten sich die Chinesen mit den Südfortgeschützen eingeschossen. Vorwärts, langsam vorwärts ging es dann. Brausend begrüßte sich die Iltisbesatzung durch Hurrarufe mit den Landungstruppen, die das Nordwestfort, auf dem bald alle Flaggen der am Kampfe beteiligten Nationen wehten, besetzt hielten. Nur kurze Zeit feuerte der ‚Iltis‘ auf das Nordfort. Als es schwieg, richteten sich alle Geschütze, soweit sie nach Steuerbord feuern konnten, gegen die Kanonen der Südforts und bewarfen diese mit Schnellfeuer. Mit lautem Knall flog dort ein Munitionslager in die Luft. Wieder trafen sehr schwere Schüsse den ‚Iltis‘.

Ein anderer Treffer zündete die 3,7 Zentimeter-Maschinenkanonen-Munition an, so daß sie knisternd abbrannte. Binnen kurzer Zeit hatte Oberleutnant Nerger mit den Feuerlöschmannschaften das Feuer gelöscht. Ein Geschoß traf die untere Brücke und tötete den im Gang stehenden Artillerieoffizier Oberleutnant Hellmann und den neben ihm stehenden Hornisten. Kurz, Schlag auf Schlag folgten die schmerzlichen Verluste.

Eine Granate schlug unter dem Kommandoturm ein und richtete hier große Verheerungen an. „Ruder zerschossen!“ meldete der Signalmatrose; der Telegraphenposten rief: „Maschinentelegraphen und Sprachrohr zerschossen!“ -- „Befehlsübermittelung an die Maschinen über Deck!“ lautete der Befehl des Kommandanten, und kaum war es gesprochen, da zuckte ein Feuerstrahl, ein Knall -- und die Sprengstücke der Granate durchlöcherten den anderen Schornstein, zerschmetterten dem Kommandanten das Bein und rissen ihn zu Boden. Der Schreckensruf: „Der Kommandant ist gefallen!“ eilte durch die Räume des Schiffes.

Als der Pulverrauch sich verzogen hatte, stand der Führer, gestützt auf das Geländer, wieder aufgerichtet da und rief dem Steuermann zu: „Das linke Bein ist zerschossen; hier ist mein Taschentuch, schnüren Sie es über die Wunde fest um das Bein!“

Oberleutnant Hoffmann übernahm das Kommando; in einem Berichte, den er veröffentlichte und dem auch wir folgen, schreibt er: „Nun stand ich neben dem Verwundeten, der sich beim Passieren der ‚Algerine‘ noch einmal zusammenraffte und um ärztliche Hilfe hinüberrief, da unser Arzt und unsere Krankenträger durch die schweren Verwundungen alle Hände voll zu tun hatten, -- dann brach der Kapitän Lans zusammen. Er wurde von mir und dem Steuermann Schmidt auf einen an Deck stehenden Munitionskasten gesetzt, bis auf den Ruf: ‚Krankenträger!‘ sich unter persönlicher Leitung des Stabsarztes diese zum Transport des Kapitäns nach dem Verbandplatz anschickten.

„Ich sah noch, wie die Krankenträger den schwerverwundeten Kapitän Lans hoch nahmen und an die Backbordtreppe brachten. Da traf uns wieder ein Schuß, der die Bereitschaftsmunition der Maschinenkanonen zum zweitenmal in Brand setzte, die im Gang liegenden zwei Leichen noch mehr verstümmelte und bei seiner Explosion die Treppe wegriß, auf der einer der Krankenträger schon stand, den verwundeten Kommandanten im Arm. Alle wurden weggerissen, durch den Luftdruck beiseite geschleudert. Ein Wunder war’s, daß sie nicht alle den Tod fanden. Um sie konnte ich mich leider nicht mehr bekümmern.“ --

Wie durch ein Wunder blieben der Arzt und seine Leute unverletzt. Den ohnmächtigen Kommandanten hatte einer seiner Matrosen in die an der Längsseite haltende Pinasse von der ‚Herta‘ getragen; hier bemühte sich der wieder zur Besinnung gekommene Stabsarzt um den Schwerverwundeten. Nach Anlage eines Notverbandes bettete man ihn sorgfältig im Boot und labte ihn durch Moselwein und Wasser.

Vor und hinter dem ‚Iltis‘ schlugen fortgesetzt Geschosse ein. Heftig erwiderte der ‚Iltis‘ das Feuer. Da -- plötzlich ein Knall, der allen Schlachtenlärm übertönte: eine leuchtende Feuersäule im Südfort bewies, daß wieder ein Pulvermagazin des Feindes in die Luft geflogen war. Donnernde Hurrarufe an Deck schreckten den Feind, der denn endlich, nach langen, opferfordernden Minuten, in regelloser Flucht, im wilden Durcheinander das Fort verließ.

Mit zwei intakten Maschinenkanonen und den vorderen Schnellfeuergeschützen sandte der ‚Iltis‘ ihm noch eine Unmenge Abschiedsgrüße nach. Mit lauten, weithin schallenden Hurrarufen wurden die Forts besetzt. Der ‚Iltis‘ hatte nach beinahe sechsstündigem hartem Kampf die Feuertaufe erhalten!

Wie sah aber das gestern noch so schmucke Schiffchen aus! Überall wüste Zerstörung an den Aufbauten und Schornsteinen, Feuerspuren, Blut und Leichenteile am Deck. Etwa siebzehn Volltreffer im Schiff und viele andere durch Granaten, Schrapnelle, Vorderladerkugeln und Sprengstücke verursachte Schäden! Die Leute zum großen Teil schwarz vom Pulverqualm und Kohlenteer, zum Teil blutbespritzt, in der als Totenkammer eingerichteten Abteilung sieben Tote, im Lazarett fünf Schwerverwundete und fünfundzwanzig Leichtverwundete!

Als dann der ‚Iltis‘ hinausfuhr zur Reede, glich die Fahrt einem Triumphzug. Beim Passieren der internationalen Flotte wurde das deutsche Kanonenboot von den in Parade angetretenen Besatzungen unter Spielen der Nationalhymne mit donnernden Hochrufen begrüßt. Stolz winkte das Signal vom deutschen Flaggschiff:

„Iltis nachzueifern sei unser Stolz, Ihm gleich zu werden, unser Ziel!“ -- -- --

Dann fiel der Anker -- und der ‚Iltis‘ schlingerte wie sonst, als ob gar nichts passiert sei, in der bewegten See, und dabei war ein Tag dahingegangen, der wohl einzig in der Geschichte der deutschen Marine dasteht. Lebenslänglich wird er für alle Teilnehmer unvergeßlich sein, da er ein Ruhmesblatt einflocht in den Kranz unserer jungen Marine. Viel war durch dies an Opfern reiche, siegbringende Gefecht erreicht.

Ein letzter Liebesdienst mußte nun noch den Gefallenen erwiesen werden, die Bestattung im Seemannsgrabe.

Am nächsten Vormittag wurden die Särge, nachdem sie vielfach angebohrt und, um schneller untersinken zu können, mit Roststäben beschwert waren, auf dem Deck aufgebahrt. Die deutsche Flagge deckte die Särge, und darüber lagen Orden und Ehrenzeichen, Säbel und Seitengewehr. Alle deutschen Schiffe sandten Abordnungen, dazu kam die Geschwaderkapelle an Bord, zuletzt alle dienstfreien Offiziere und der Pfarrer.

Dann lichtete der ‚Iltis‘ den Anker zur letzten Fahrt für die Gefallenen, alle Flaggen wehten auf Halbstock. Fünf Seemeilen weit ging’s hinaus in die See; hier stoppte das Schiff. Nach einer ergreifenden Ansprache des Marinepfarrers spielte die Musik, und gesenkten Hauptes, nassen Auges brachten Matrosen die Särge ans Fallreep, der Trauersalut knallte als letzter Scheidegruß über die Meereswogen.

Während der Bootsmann ‚Fallreep‘ pfiff, salutierten die Offiziere, und die Mannschaft stand still. Bald verschwanden die sieben Särge auf Nimmerwiedersehen in den Fluten des Gelben Meeres. -- -- „Flaggen vor! Äußerste Kraft! voraus!“ So nahmen sie Abschied für immer von den braven Helden, die so ehrenvoll und ruhmreich fürs Vaterland starben! --

Am 27. Juni traf das ehrende Telegramm des Kaisers ein: „Voller Freude über die Bravour des ‚Iltis‘ und seiner Besatzung bei Taku spreche ich dem Kommandanten und der Besatzung Meine Anerkennung und Meinen Kaiserlichen Dank aus. Ich sehe, die Tapfern des alten ‚Iltis‘ sind neu erstanden, es wird Meiner Marine nie daran fehlen, dessen bin Ich sicher. Dem Kommandanten, Korvettenkapitän Lans, verleihe ich Meinen Orden ~pour le mérite~. Für alle Offiziere und Mannschaften sind Ordensvorschläge telegraphisch einzureichen.

Ehre den Gefallenen!

gez. Wilhelm I. R.“

* * * * *

Deutsches Flottenlied.

Hurra! Ihr blauen Jungen, Wohlauf an Bug und Heck! Aus kräft’gen Seemannslungen Laßt’s dröhnen übers Deck; Laßt brausen durch die Meere Den Spruch, dem keiner gleich: Mit Gott für Deutschlands Ehre -- Hurra! Für Kaiser und für Reich!

Hurra! Wir blauen Jungen, Wir schirmen jeden Strand, Wo deutscher Fleiß errungen Ein neues Vaterland; In eisigen Nordwinds Schauern, Im Südhauch lind und weich Stehn wir wie Wall und Mauern -- Hurra! Für Kaiser und für Reich!

Hurra! Wir blauen Jungen Sind Brüder allzumal, Uns hält ein Band umschlungen, Das fester als von Stahl; Denn wo wir auch geboren, An Düne, Strom und Deich, Wir haben Treu’ geschworen -- Hurra! Für Kaiser und für Reich!

Hurra! Wir blauen Jungen, Wir führen gute Wehr; Und wird dereinst gerungen Zur See um Sieg und Ehr’, Dann stehn wir jedem Rede Und zahlen Streich mit Streich; Wir scheuen keine Fehde -- Hurra! Für Kaiser und für Reich!

Hurra! Wir blauen Jungen, Wir lachen der Gefahr; Zu Häupten, unbezwungen, Fliegt uns des Reiches Aar; Und sehn den Tod wir winken, Wird keiner schwach und bleich, Wir rufen noch im Sinken: Hurra! Für Kaiser und für Reich!

Reinhold Fuchs.

(Aus: „Strandgut“. Stephan Geibel, Altenburg.)

Der Pflicht getreu bis in den Tod.

Wenn zur Sommerzeit die Reisenden aus dem Binnenlande die Reichskriegshäfen aufsuchen, um einen Einblick zu gewinnen in Deutschlands Flotte, dann beachten sie auf ihren Rundfahrten durch die Häfen besonders die Torpedoboote, die Blitzboote, die zu Dutzenden an einer verborgenen Stelle des Hafens zusammenliegen. Ruhig und friedlich liegen sie beieinander; aber wehe, wenn sie losgelassen werden und in schneller Fahrt das Wasser durchfurchen! Dann glühen die Feuer, und der dicke, schwarze Rauch fliegt aus den Schornsteinen, die Sirenen gellen, und dahin fahren die Boote wie wildgewordene Tiere. Wehe dem Feinde, dem sie auf kurze Entfernung nahekommen, um auf ihn den verderbenbringenden Torpedoschuß abzugeben!

Die Torpedoboote bilden eine der jüngsten Waffen der Marine, sie sind unheimlich und furchtbar. Eine ungemein starke Maschine verleiht den schlanken und rasch lenkbaren, leicht gebauten Booten eine große Geschwindigkeit; die Schnelligkeit ist ihre einzige Waffe im Kampfe gegen Panzerriesen, die die Torpedoboote mit Schnellfeuer und Maschinengewehren gar leicht in den Grund bohren können.

Wenn die Boote irgendwo im Hafen liegen, steigen die Landratten gern bewundernd in ihnen hin und her. Die wagemutige Jugend klimmt vergnügt aus den Innenräumen des Schiffes durch die schmalen Aufgänge, die nur die Breite eines Mannes haben, ohne zu ahnen, einen wie schweren und verantwortungsvollen Dienst diejenigen haben, die während der Friedenszeit ihrer Dienstpflicht auf den Torpedoschiffen genügen müssen. Nur dadurch, daß immer und immer wieder Offiziere und Mannschaften im Kampfe mit der See für ihre schwierige Aufgabe -- schneller Angriff auf eine feindliche Flotte im Ernstfall -- geschult werden, wird diese Waffe das, was sie sein soll: ein wirksamer Verteidiger unserer bedeutenden Seehäfen.

Die Aufgaben, die unsere Marine den Torpedomannschaften und ihren Offizieren stellt, sind gewiß keine leichten. Besonders, wenn der Nordweststurm über die Nordsee fegt und die heranwälzenden Wasserberge den Schiffen den Garaus bereiten wollen. Bei solchem Wetter brausen Sturm und See um die Wette. Oft genug fährt bei einer schweren See der Bug des Torpedobootes steil in die Höhe, um sofort wieder in ein tiefes Wellental niederzustoßen.

Angstgefühl durchzittert die Rekruten, die zum ersten Male eine solche Fahrt mitmachen; aber die, welche schon länger dienen, kennen diese Gefahren. Sie haben sich vertraut gemacht mit dem Gedanken, daß ein unglücklicher Umstand in solchen Augenblicken, wenn der Wind schaurig um die Schornsteine und die Signalmasten weht, leicht das Ende bedeutet. Nur diese fortdauernden mannigfachen Friedensübungen bei schwierigem Wetter, die Fahrt über die See und die Angriffsübungen auf die heimische Kriegsflotte ermöglichen es, Großes von der Torpedowaffe im Ernstfalle zu erwarten. Vom Geist, der die Mannschaften beseelt, haben Vorkommnisse der letzten Jahre den besten Beweis geliefert. Wir müssen dieser todesmutigen Männer gedenken, weil auch sie starben für die Ehre der deutschen Flagge.