Deutsch-Ostafrika: Geographie und Geschichte der Colonie
Part 13
Nach der schwülen, durch verfaulende Vegetation mit Miasmen erfüllten Atmosphäre des Mukondogwa-Thales erfrischt in den ersten Stunden des Marsches die reine trockene Luft der _Kleinen Marenga-Mkali_ (852 m über dem Meere) zwischen Ndiabi und dem Großen Rubeho-Paß. Bald aber lähmt die Monotonie der Landschaft die Freude des Wanderns: trostlose, wasserlose Savanne, unterbrochen nur von rauhen Hügeln mit Dschungeldickicht. _Inenge_ (1089 m) am Fuß des Rubeho-Gebirges, in rothbrauner Ebene gelegen, bietet endlich Erholung und als Ueberraschung die lang entbehrten Nahrungsmittel: Butter, Milch und Honig. Steil und steinig aufwärts geht es durch das Gebirge voll aromatischer Kräuter in zwei Anstiegen zum Großen (1542 m) und dann zum Kleinen _Rubeho_- oder _Windi-Paß_ (1710 m), an tiefen Abgründen und hohen Felskegeln vorbei. Auf ähnlich rauhem Wege, der zuletzt in eine Via mala sich umgestaltet, kommt man hinab nach _Ugogi_ (830 m), dem letzten Ruheplatz vor der Großen Marenga-Mkali.
Die breite Hochebene, welche von Ndiabi am Ugombe-See vorbei und längs des Matamombo bis Mbambwa sich erstreckt, erscheint als ein von steilen, dunkelbraunen Berghängen umfaßtes früheres Seebecken. Das Wasser ist brakisch. Auf dem von der Sonne gebleichten staubigen Granitboden wächst dünnes, hartes Gras und stehen in weiter Zerstreuung einzelne Baobabs.
In _Mbambwa_ (Mpwapwa) (986 m) betritt man wieder lachende Gefilde, mit frischem Grün bekleidete Hügel. Riesige Sykomoren, Tamarinden und Wollbäume gewähren den ersehnten Schatten und die dichte Bevölkerung versorgt aus ihren großen Rinderheerden die Karavanen mit Fleisch.
Mbambwa ist der Vereinigungspunkt der südlichen Karavanenstraßen, von Mvomero über Farhani durch das Mukondogwa-Thal, und der nördlichen, kürzeren von Mvomero über Mkundi und Mamboia. Letztere geht in einer Meereshöhe von 800-1000 m durch einen der besten Landstriche Usagaras. Westlich der felsigen Kidete-Berge breitet sich eine wildreiche unbewohnte Ebene aus. Bei _Makubika_ wird sie zu einer gesegneten, reichlich bewässerten und gut bevölkerten Gegend, in welcher Rindviehzucht getrieben wird. _Mamboia_ (1216 m), eine englische Missionsstation, liegt auf einem Hügel am Nordende des schönen Sima-Thales; die gute Qualität des Bodens erhält sich bis Nguru und Berega in der Richtung von Sabundila und Kisiwa am Westrand des Mguru-Gebirges, verwandelt sich aber von dort nordöstlich in steinige, dornige Steppen.
Das herrlichste Land findet man im 16 km breiten Becken von _Kitangi_ (1050 m) an den Quellen des Mtate.
Die starke Bevölkerung treibt neben Ackerbau ergiebige Viehzucht; das Land ist offen, mit kurzem Gras und nur an den Wasserrinnen mit Busch bedeckt.
Den Mtate abwärts bleibt die Fruchtbarkeit auf gleicher Höhe; das Thal ist aber wegen räuberischer Einfälle zum größten Theil verlassen. Dieses Eden schließen im Westen die _Kleinen Rubeho-Berge_ ab, deren höchster steilansteigender Uebergang 1368 m über dem Meere liegt. Nach Südwesten und Westen flachen sie sich ganz allmählich ab und bilden wahrscheinlich die nördliche Begrenzung des Matamombo-Thales; im Norden enden sie rasch in einer ungemein wildreichen, von Dschungeldickicht durchsetzten Ebene, die nach Westen über die Karavanenstraße herabbiegt und von einer Thalschlucht mit Steinsalzlager begrenzt wird. Hier und in dem unmittelbar westlich aufsteigenden Hügelzug von Mlali (1127 m über dem Meere) sind wahrscheinlich die Quellzuflüsse des salzig-bittern Matamombo zu suchen. Zwischen dem fruchtbaren und stark bewohnten Bezirk von _Tubugwe_ und Mbambwa erheben sich die _Kiboriani-Berge_ bis zu 1800 m. Nördlich von ihnen beginnt, bei _Sagala_, mit anbaufähigem Boden das mächtige Hochplateau Innerafrikas; bei der vorwiegenden Trockenheit, die nur während fünf Monaten von einzelnen Regenschauern unterbrochen wird, ist die Luft rein und frei von Malariakeimen.
Nicht zum Flußgebiet des Wami, aber ethnographisch zu Usagara gehört die sogenannte _Kirigawana-Route_; sie geht von Ugogi der Südseite des Rubeho-Gebirges entlang, übersteigt dieses bei Kiperepeta und endet bei Kikoboga am Südende der Makata-Ebene. Sie wird mit Vorliebe bei dem Marsch aus dem Innern gewählt, da hier weniger oder seltener an die Häuptlinge Tribut zu zahlen, überall der Nahrungsbedarf zu bekommen und die meist offene Steppe leicht zu passiren ist.
Unbequemlichkeiten verursachen nur die vielen Flußübergänge und das schlüpfrige Auf- und Absteigen an den Bergrippen, welche entweder mit schwarzschlammiger Erde bedeckt sind oder aus nacktem Felsgestein bestehen. Südöstlich von Ugogi, nach einem kurzen Marsch durch welliges, dorniges Land, eröffnet sich dem Blick bei _Murundusi_, dem Grenzort zwischen Uhehe und Usagara, eine herrliche, fruchtbare Gegend: feines Gras, Tamarinden, Sykomoren und Miombos von außergewöhnlicher Stärke, in denen Papagaien, Tauben und Dohlen nisten; zwischen den Behausungen der Eingeborenen Rinder in Menge; in Gruben von 5-6 m Tiefe vorzügliches Trinkwasser. Von hier bis Maroro (653 m) trifft man nur dürres, rauhes Land von rother Erde; vereinzelte Schluchten mit weißsandigen Ufern, von smaragdgrünen Bäumen umsäumt. Bei _Rudi_, das von Wahehe bewohnt wird, gibt es viel Tabackbau. Westlich von Kikako durchschreitet man auf steinigem Bergpfad den einzigen zusammenhängenden größern Wald. _Maroro_ besitzt frisches Gewässer, das rasch in der schwarzen Erde der tiefern ebenen Lagen versumpft und hohes, binsenartiges Gras hervorschießen läßt. Auf den Feldern dazwischen gedeihen in der feuchtheißen Luft Mais, Durra, Bataten und Taback. Der Ort ist ungesund und die Plage der Mosquitos peinlicher als sonst auf diesem Wege. Von Maroro gelangt man durch Stein und Gestrüpp über den Paß von Kiperepeta nach dem von grünen Hügeln umgebenen, ziemlich fruchtbaren Bezirk von _Kisanga_, in welchem das Dorf Kirigawana liegt. Verleihen auch Sykomoren und Wollbäume dem Landschaftsbild einen etwas mehr erfreulichen Anblick, so ist doch das Erträgniß der Felder sowol hier wie am Ruhembe-Bach von geringer Beschaffenheit.
_Bevölkerung._
Die _Wasagara_ sind im Wami-Thal meist Ackerbauer und in den Hochebenen der Nordgrenze meist Viehzüchter. Ziegenfelle, Grasröcke, zuweilen auch Tuchfetzen bilden die spärliche Bekleidung; Ringe von Messingdraht um die Arme, die Fußgelenke, um den Hals (hier zuweilen weit abstehend) und schwer herabziehende Ohrgehänge bilden den Schmuck; Pfeile, Assegais und Steinschloßgewehre in geringer Zahl die Waffen. Stirn, Brust und Arme werden tätowirt. Wegen der häufigen Ueberschwemmungen und aus Furcht vor den thalwärts ziehenden Räuberhorden bauen sie sich fast ausnahmslos an den Abhängen des Gebirges an. Im mittlern Wami-Thal, zwischen Msuero und Kondoa, und theilweise in den nördlichen Districten bis Mbambwa wohnen sie in den schmutzigen, von Ungeziefer wimmelnden viereckigen Lehmgehöften, in den Tembes, sonst in den üblichen bienenkorbartigen Hütten. Von ihrem Nationalcharakter können wir nur die eine negative Thatsache anführen, daß sie kein besonders tapferes Volk sind und sich den Sklavenjagden der Waseguha, Wahumba, Wagogo und Wahehe wenn möglich durch das Verlassen von Haus und Hof entziehen. Elend und scheu ist ihr Aussehen und Benehmen im Mukondogwa-Thal, entschieden stämmiger und kampflustiger am Rumuma und an der Nordgrenze. Unter ihnen wohnt ein gesonderter Jägerstamm, wie die Wandorobbo unter den Wakuafi und die Wakamba unter den Wanguru, nämlich die _Wakwa_ im Wami-Thal bei Mungubugubu und Msuero; sie erlegen Elefanten und Büffel mit vergifteten Pfeilen oder auch mit Steinschloßgewehren.
Eine politische Organisation für ganz Usagara oder nur für einen größern Theil existirt nicht. Was als Ortschaft in den Karten bezeichnet ist, bedeutet meistens einen Bezirk oder eine Gemeinde; die zugehörigen Hüttencomplexe haben ein gemeinschaftliches Oberhaupt, einen Dorfhäuptling. Diese „Herrscher und Fürsten” sind voneinander unabhängig und von keinem wird berichtet, daß er hervorragenden Einfluß in einem größern Umkreis gewonnen. Nur eine Ausnahme könnte bestehen, wenn sich die Verhältnisse seit der Reise des französischen Missionars Etienne Bauer im Jahr 1885 nicht geändert haben: das Land am Westufer des Wami zwischen Loonga und Komberina mit Farhani und Rudewa und am Ostufer mit Kakonga und Kisukara stehen unter der Oberhoheit der Fürstin Simbamweni in Ukami.
Schlußbetrachtung.
Was an Naturproducten das Wami-Gebiet gegenwärtig hervorbringt, kommt für den _Export_ kaum in Betracht: es sind nur Feldfrüchte, die den Localbedarf decken. Demnach kann auch der _Import_, Baumwollzeuge, Eisen- und Messingdraht, bei der Bedürfnißlosigkeit der wenig energischen Bevölkerung von keiner besondern Bedeutung sein.
Allein die Fruchtbarkeit des Bodens ist in einzelnen Gegenden so gewaltig und so wenig ausgebeutet, daß eine erhöhte Culturthätigkeit Aussicht auf lohnenden Ertrag verspricht. Die geringen Resultate der bisherigen Versuche in Mbusine, Kiora und zum Theil auch in Sima dürfen nicht abschrecken; es waren nicht die besten, sondern nur die zunächst liegenden Plätze ausgewählt worden.
Soweit die bisher erworbene Kenntniß des Landes es erlaubt, kann behauptet werden, daß zum _Plantagenbau_ in erster Linie sich eignen: Mondo im Thal des Luseru für Kaffee, Cacao, Zuckerrohr, Taback; Farhani in der Makata-Ebene für Zuckerrohr und Taback; das mittlere Sima-Thal, ebenfalls für Taback.
In zweiter Linie: das obere Thal des Luseru bei Sagasa, Kibanti und am Luvumo.
Endlich, besonders als Jagd- und Viehzuchtstationen: Kitangi und Mbambwa.
Für alle, auch für die erstgenannten Ansiedelungen gilt als sehr bedeutendes Erschwerniß der Mangel guter Verkehrswege und die allzu große Entfernung von der See.
Die _Arbeiterfrage_ wird wahrscheinlich keine ungünstig entscheidende Rolle spielen, denn die Bevölkerung ist in jenen Bezirken eine zahlreiche und an Ackerbau gewöhnte.
Das Kingani-Gebiet mit Usaramo, Ukami und Kutu.
Allgemeine Gestaltung.
Zwischen den Mündungen des Kingani und des Rufidschi liegt die Küste als ein 5-20 km breiter, niedriger, knapp über die Meereshöhe sich erhebender Streifen Landes da. Von diesem steigt ein Plateau empor, das zwischen den beiden genannten Flüssen sich bis nach Sungomero in Kutu ausdehnt. Es ist eine von Süd nach Nordwest geneigte Fläche; es fällt von der höchsten Erhebung am Konoge-Hügel (210 m) der Küste entlang bis gegen Bweni (90 m) und längs des Rufidschi bis Sungomero (153 m) langsam ab; rascher und tiefer senkt es sich gegen das Thal des Kingani (Dundunguru 58 m und Kiranga Nanga 22 m). Der östliche Plateaurand tritt als ein Hügelgelände zwischen Kondutschi und Dar-es-Salaam dicht an die See heran, buchtet sich weiter südlich aus und gibt Raum für die Verbreiterung der Thalebene des Mbesi; von den Marui- bis zu den Konoge-Hügeln verläuft er nahezu parallel mit der Seeküste.
Im Vergleich mit der ersten Terrasse Useguhas liegt die Hochfläche Usaramos um durchschnittlich 150 m niedriger und reicht ununterbrochen um etwa 100 km weiter landeinwärts. Deshalb machen sich auch die Seewinde und das Seeklima bis tief nach Kutu hinein bemerklich. Der östliche Thalgrund des Kingani von Bomani bis Usungula wird von dem westlichen durchschnittlich um 70 m überragt, sodaß dieser wie eine Hügelkette erscheint.
Im Westen von Usaramo steigt, vom Gerengere und Mgeta wie von zwei Armen umfaßt, eine vielfach gegliederte Gebirgsmasse empor. Den Centralstock bildet das _Uruguru-Gebirge_ in Ukami mit einer Erhebung von 1800-2000 m. Es dehnt sich nach Nordosten bis zum _Kungwe_ oder Kira-Berg (1768 m) aus, der als Höhenzug südöstlich sich fortsetzt und mit dem _Kidunda_-Berg am Mgeta endet. Nach Süden dacht sich das Uruguru-Gebirge zu den _Dutumi_- oder _Mkambaka_-Bergen (900-1200 m) und nach Westen zu den _Kigambwe_-Bergen ab. An diese schließen sich nördlich die 570 m hohen Kihindo- (oder Mindu-) und die Mguruwandege-Berge an, welche Ukami und Kutu von der Makata-Ebene in Usagara scheiden; im Süden stößt das Rufutu-Gebirge (ungefähr 800 m) an.
Die schroffen Abhänge der Dutumi-Berge umschließen im Norden die Thalebene von Sungomero und Kiriru; dagegen bildet eine östliche Abzweigung der Rufutu-Berge von Mbwigwa gegen Behobeho die Wasserscheide zwischen dem Mgeta und dem Msendasi-Ruaha.
Das ganze Gebirge in Ukami und Kutu besteht aus Granit, der als nackter Felsen auf den Kämmen und höchsten Gipfeln zu Tage tritt oder in mächtigen, zerstreut liegenden Blöcken gefunden wird. Manchmal ist er von Thon- und Sandsteinschichten überlagert. Die Bergcontouren sind kuppelförmig oder wildgezackt. Eine eigenthümlich symmetrische Form besitzt der Kilima Hatambula bei Behobeho; von einer flachen Terrasse erhebt er sich viereckig, gleich einem Denkmal, nahezu senkrecht. Die Masse besteht aus Sandstein; dazwischen liegen eingesprengte Lavalager, welche die totale Verwitterung gehemmt und die Gleichförmigkeit bewirkt haben.
Flußsystem.
Das Plateau von Usaramo wird an seiner Westgrenze von dem Kingani und an seinem Südrande von dem Rufidschi bespült, aber in keiner Richtung von irgend nennenswerthen Rinnsalen durchfurcht. So erhält der Kingani von der gegen sein Bett stark geneigten 60-100 km breiten Hochfläche keinen einzigen nennenswerthen Zufluß; alles Wasser, das ihm zuströmt, kommt von der linken Seite, von den Bergen von Ukami und Kutu. Nur dem steilen Ostrand der Hochfläche entquellen eine größere Zahl von Bächen, die sich nach kurzem Lauf in das Meer ergießen, so der _Msinga_ in die Bucht von Dar-es-Salaam, der _Mbesi_ in die Schungu-Bai und der _Mgasi_ in die Bai von Kisiju.
Der _Kingani_ entsteht aus dem Zusammenfluß des Gerengere und Mgeta bei Usungula. Beide entspringen im Ukami-Gebirge.
Das Quellgebiet des _Gerengere_ liegt in dem Zusammenstoß des Uruguru-Gebirges mit den Kigambwe-Bergen. Nach kurzem nördlichen Lauf schlägt er in mehrfachen Windungen eine östliche und von Konge eine nahezu südliche Richtung ein. Im Oberlauf nimmt er von rechts den _Mrogoro_ mit dem _Tongeni_, dann bei Vingongo den _Makobola_ und endlich nördlich von Quaba den _Longwe_ auf. Von der Useguha-Terrasse strömt ihm bei Konge der _Tange_ zu. Er ist ein klares Wasser mit starkem Gefäll, in theils sandigem, theils felsigem Bett. In der Regenzeit wird er von den Sturzbächen des Gebirges überfüllt und tritt verwüstend über seine Ufer. Die Ueberschwemmungen steigern sich in manchen Jahren bis zur Zerstörung weiter, angebauter Strecken, besonders bei Simbamweni und Musondi. Seine Breite beträgt in der Regenzeit bei Simbamweni 2 m, seine Tiefe 1½ m und die Uferhöhe 4 m; bei Musondi ist er 27 m (nach Stanley 18 m) breit, knietief und seine Ufer haben die Höhe von 7-8 m, wie Cameron angibt. Die Breite des Flußbettes selbst erweitert sich aber hier bis zu 225 m.
Der Mgeta entspringt auf der Südseite des Kigambwe-Gebirges, durchströmt die Ebene von Sungomero und behält noch bis Kidunda den Charakter eines in sandigem und steinigem Bett fließenden gelblichen Bergwassers bei; kurz nach der Regenzeit hat er hier eine Breite von 45 m und eine Tiefe von 3½ m. Er nimmt von den Dutumi-Bergen den _Mgasi_ und _Dutumi_ auf und vom Uruguru-Gebirge den noch nicht erforschten _Mswasi_. Dicht unterhalb des Mabruki-Passes befindet sich die Wasserscheide des Mgeta vom Ruaha; nach Süden fließt der _Msendasi_ ab, nach Osten der _Msegwe_ und _Vilansi_. Bei Kidunda erhält er den einzigen stärkern Zufluß vom Plateau, den in tiefeingeschnittenem Bett über Blöcke von Quarz, Syenit, Hornblende und rothem Sandstein dahinfließenden _Manjora_.
Der _Kingani_ (auch Rufu und zwischen Kidunda und Usungula Mpezi genannt) wälzt sein rothbraunes, süßlich schmeckendes Wasser von Usungula in vielfach geschlungenem Lauf mit nordöstlicher Richtung dem Meere zu. Seine Breite schwankt im untern Lauf je nach der Jahreszeit zwischen 15 und 45 m. Die Thalebene, die bei Kiranga Ranga eine Breite von 11 km besitzt und bei Dunda auf 4 km sich verengt, erweitert sich bei der Fähre von Bagamoyo und Bikiro bis zu 13 km. Seine Ufer sind schlammig. Er wird eingeschlossen von den Plateaurändern von Ukwere auf der linken Seite (105 m) und von Usaramo auf der rechten Seite (allmählich ansteigend von 22 und 38 m bis zu 58 m bei Dundunguru). An seiner Mündung schließen sich mit Mangrovewaldungen dicht umsäumte Lagunen an. Er ist bis Dunda zu jeder Jahreszeit schiffbar, zur Regenzeit noch 20 km weiter stromaufwärts.
Klima.
Das niedrige, weitausgedehnte Plateau von Usaramo gestattet dem feuchten Küstenklima den Zutritt bis tief in die Thäler von Kutu, die Hochfläche von Ukwere hingegen hält die vom Meer aufsteigende Feuchtigkeit von dem Tiefland von Ukami ab. An der Küste weht von 9 oder 10 Uhr vormittags angefangen tagsüber der Seewind, nach Sonnenuntergang bringt der Landwind entsetzliche Schwüle. Man bemerkt noch in Sungomero am Vormittag und am Abend die Seebrise. Der über die erhitzte Ebene streichende Wind begegnet im Innern den vom Gebirge herabfließenden kühlern Luftströmungen, weshalb in Kutu mit Ausnahme einiger Wochen im Januar fortwährende Feuchtigkeit herrscht und häufige Niederschläge sich einstellen. An der Küste und nahe landeinwärts tritt zwischen der großen Regenzeit (März bis Mai) und der kleinen (October und November) eine ausgesprochene andauernde Trockenzeit ein. Wird einerseits Kutu durch den Wechsel von Seewind und Bergwind fast unaufhörlich in Dunst gehüllt, dem sehr empfindlichen plötzlichen Austausch zwischen Schwüle und Kälte ausgesetzt und durch die aus faulender Vegetation aufsteigenden Giftgase in eine nie versiegende Brutstätte des Fiebers verwandelt, so genießt Ukami, dank Ukwere und den eigenen Bergen, nicht nur den befruchtenden Segen intermittirenden Regens fast in allen Monaten, sondern auch eine gleichmäßigere, angenehmere Temperatur und besitzt deshalb weit günstigere Gesundheitsverhältnisse als Kutu und der größere Theil von Usaramo.
Um einen ziffermäßigen Vergleich der _Temperaturen_ anzustellen, kann man nur die Aufzeichnungen Burton's[12] und die Tabellen von O. Kersten in Bezug auf Kutu, Usaramo und Sansibar benutzen; und auch bei Burton genügen allein die Angaben über Sungomero den Anforderungen annähernd erschöpfender Genauigkeit; denn für Usaramo sind es zu wenig Beobachtungstage und die hier gebrauchte Ortsangabe „auf dem Rückmarsch” ist zu allgemein. Thomson[13] hat wol auch eine Reihe von Thermometerablesungen angegeben, aber sie dürften bei dem Mangel der Stunde, ja in den meisten Fällen der Tageszeit überhaupt, nur in ganz beschränkter Weise einige Verwerthung finden.
Mitteltemperaturen für Usaramo und Kutu im Vergleich mit Sansibar.
Max. - Maximum Min. - Minimum Dif. - Differenz AdB - Anzahl der Beobachtungstage. Höhe - Meereshöhe in Metern.
==========++===========++======++===++===============++=============== || || ||AdB|| R.° || R.° Monat. || Gegend. || Höhe || ++-----+----+----++----+----+----- || || || || V. | N. | N. ||Max.|Min.|Dif. || || || || 6 U.|4 U.|6 U.|| | | ==========++===========++======++===++=====+====+====++====+====+===== Januar ||Sansibar || -- || 29||21 |22,8|21,4||23,5|20,4| 3,1 || || || || | | || | | (Februar) ||Kondutschi,|| || || | | || | | || an der || || || | | || | | || Küste || -- || 1||20 |29,7|21 || -- | -- | -- || || || || | | || | | Januar ||Plateau || || || | | || | | || von || ca. || || | | || | | ||Usaramo || 30-60|| 10||19 |31,6|22,6||34,6|18,6|16 || || || || | | || | | Januar ||Sungomero || || || | | || | | || in Kutu || 153 ||23 ||17,9 |29,4|21,7||34,6|18,6|16 || || || || | | || | | || || || || | | || | | || || || || V. | N. | N. || | | || || || ||10 U.|4 U.|6 U.|| | | || || || || | | || | | August ||Sansibar || -- ||28 ||19,4 |20,6| -- ||21,8|16,6| 5,2 || || || || | | || | | (Juli) ||Kaole, an || || || | | || | | || der Küste || -- || 3 ||21,4 |21,7| -- || -- | -- | -- || || || || | | || | | August ||Sungomero || 153 || 7 ||18,9 |20,8| -- ||23,6|18 | 5,6
Temperaturen in der Thalebene und im Gebirge vom Kutu.
==========++===========++======++===++===============++=============== || || ||AdB|| R.° || R.° Monat. || Gegend. || Höhe || ++-----+----+----++----+----+----- || || || || V. | N. | N. ||Max.|Min.|Dif. || || || || 6 U.|4 U.|6 U.|| | | ==========++===========++======++===++=====+====+====++====+====+===== December ||Mabruki-Paß|| 600 || || | | || | | (Ende) ||u. Kirengwe||u. 204|| 4 || 18,7|27,5|22,4|| -- | -- | -- || || || || | | || | | Jan.(Anf.)||Sungomero || 153 || 4 || 18 |32,7|22,1|| -- | -- | -- || || || || | | || | | Juli(Anf.)||Mabruki-Paß|| 600 || || | | || | | ||u. Kirengwe||u. 204|| 7 || 15,3|18,5|22 || -- | -- | -- || || || || | | || | | Aug.(Anf.)||Sungomero || 153 || 7 || -- |20,8| -- || -- | -- | --
_Anmerkung._ Die Aufzeichnungen Burton's für das Festland sind nicht genau um 6 Uhr vormittags und 6 Uhr nachmittags gemacht, sondern bei „Sonnenaufgang” und „Sonnenuntergang”. Die Temperaturen auf dem Mabruki-Paß Anfang Juli stammen von J. Thomson, der sie „am Morgen, Mittag und Abend” notirte.
Betrachtet man die Durchschnittstemperatur im Monat Januar für Sansibar und Sungomero, so springt der bedeutende Unterschied in die Augen; in Sansibar steigt und sinkt während des Tages und der Nacht das Thermometer kaum um 2° R., in Sungomero dagegen kühlt sich die starke Mittagshitze rasch in zwei bis drei Stunden um 7,1° R. und während der Nacht noch um 4,2° R. ab. Noch deutlicher zeigen sich die starken Differenzen, wenn man die Schwankungen der Temperatur nicht im Monatsmittel, sondern an einzelnen Tagen, wie bei Burton zu finden ist, beachtet.
_Abkühlung._
Von 4 Uhr nachm. bis Von Sonnenuntergang Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang
Vom 3. bis 8. Januar: um 11° R. um 2,4° R. 11,2 4 8 5,2 12 4,6 9,1 3,4 Vom 16. bis 21. Januar: um 10,6 um 5,4 8,5 8,2 5 5,4 9,7 6,3 10,7 6.
Der Abkühlung bis zum Abend folgt eine ungleichartige während der Nacht; niemals ist aber die Abkühlung im Verlauf der ganzen Nacht gleich intensiv wie jene während der kurzen Zeit von 4 Uhr nachmittags bis zu Sonnenuntergang.