Part 8
Urloup si dô nâmen, rîter unde kneht, A.646 meide unde vrouwen: daß was vil michel reht. gescheiden küssende wurden si zehant: si rûmten vrœlîchen des künic Guntheres lant.
Do beleiten si ir mâge verre ûf den wegen. A.647 man hieß in allenthalben ir nahtselde legen, swâ sis gerne nâmen, durch der künege lant. boten wurden balde Sigemunde dan gesant,
Daß er wißßen solde und ouch vrou Sigelint, A.648 daß sîn sun komen wolde und vrou Uoten kint, Kriemhilt diu vil schœne, von Wormeß über Rîn. done kunden in diu mære nimmer lieber gesîn.
‚Wol mich,‘ sprach dô Sigemunt, ‚daß ich gelebet hân, A.649 daß diu schœne Kriemhilt sol hie gekrônet gân: des müeßen wol getiuret sîn diu erbe mîn. mîn sun Sîvrit sol hie selbe künic sîn.‘
Dô gap diu vrouwe Sigelint manegen samît rôt, A.650 silber und golt swære was ir botenbrôt. si vreute sich der mære, diu si dô vernam. alleß ir gesinde mit vlîße kleiden sich began.
Man seite, wer dâ kœme mit Sîvride in daß lant. A.651 dô hieß si gesidele rihten sâ zehant, dar zuo er under krône vor vriunden solde gân. dô riten in engegene des künic Sigmundes man.
Ist iemen baß enphangen, dêst mir unbekant, A.652 danne die helde in Sigmundes lant. Siglint diu schœne Kriemhilde gegen reit mit maneger schœnen vrouwen unde rîtern gemeit
In einer tageweide, dâ man die geste sach. A.653 die kunden und die vremden liten ungemach, unze si kômen zeiner bürge wît, diu was geheißen Santen, dâ si krône truogen sît.
Mit lachendem munde Siglint und Sigmunt A.654 kusten Kriemhilde durch liebe manege stunt und ouch Sîvriden: in was ir leit benomen. alleß ir gesinde was in grôße willekomen.
Dô brâhte man die geste vür Sigmundes sal. A.655 die schœnen juncvrouwen huop man dâ ze tal nider von den mœren. dâ was manec man, der den schœnen wîben mit vlîße dienen began.
Swie grôß ir hôhzîte bî Rîne was bekant, B. noch gap man hie den helden vil beßßer gewant, denne si ie getrüegen noch bî allen ir tagen. man mohte michel wunder von ir rîcheite sagen.
Dôs in ir grôßen êren sâßen und heten genuoc, A.656 waß goltvarwer gêren ir ingesinde truoc, borten und edel gesteine verwieret wol dar în! sus phlac vlîßeclîchen ir diu edel künegîn.
Dô sprach vor sînen vriunden der hêrre Sigmunt: A.657 ‚allen mînen vriunden sol daß wesen kunt, daß Sîvrit mîne krône hinnen vür sol tragen.‘ diu mære hôrten gerne die von Niderlanden sagen.
Er bevalch im sîne krône, gerihte unde lant: A.658 sît was er ir hêrre. die er ze rehte vant und dar er rihten solde, daß wart alsô getân, daß man sêre vorhte der schœnen Kriemhilde man.
In disen hôhen êren lebter, daß ist wâr, A.659 und rihte ouch under krône unz in daß zehende jâr, daß diu schœne vrouwe einen sun gewan: daß was des küneges mâgen nâch ir willen wol ergân.
Den îlte man dô toufen und gab im einen namen, A.660 Gunther, nâch sînem œheim; des dorfte er sich niht schamen. geriet er nâch den mâgen, er wurde ein küene man. dô zôch man in mit vlîße: daß was von schulden getân.
In den selben zîten starp vrou Sigelint: A.661 dô nam den gwalt mit alle der edelen Uoten kint, der sô rîcher vrouwen ob landen wol gezam. daß klageten genuoge, dô si der tôt von in genam.
Nu hete ouch dort bî Rîne, sô wir hœren sagen, A.662 bî Gunther dem rîchen einen sun getragen Prünhilt diu schœne in Burgunden lant. durch des heldes liebe wart er Sîvrit genant.
Wie rehte vlîßeclîche man sîn hüeten hieß! B. Gunther der edele im magezogen ließ, dieß kunden lêren tugende, gewüehseß zeinem man. hei, waß im ungelücke sît der vriunde an gewan!
Mære zallen zîten wart sô vil geseit, VI.663 wie rehte lobelîchen die recken vil gemeit lebten zallen stunden in Sigmundes lant. alsam tet ouch Gunther mit sînen mâgen ûß erkant.
Daß lant ze Niblunge Sîvride diende hie, 664 rîcher sîner mâge wart deheiner nie, und Schilbunges recken und ir beider guot. des truoc der vil küene deste hôher den muot.
Hort den aller meisten, den ie helt gewan, 665 âne dies ê phlâgen, hete der küene man, den er vor eime berge mit sîner hende erstreit, dar umbe er sluoc ze tôde manegen rîter gemeit.
Er hete den wunsch der êren, und wær des niht geschehen, 666 sô müese man von schulden dem edelen recken jehen, daß er wær der beste, der ie ûf ors gesaß. man vorhte sîne sterke und tet vil billîchen daß.
Âventiure
wie Gunther Sîvriden zuo der hôhzît bat.
Dô dâhte ouch alle zîte daß Guntheres wîp: 667 ‚wie treit et alsô hôhe vrou Kriemhilt den lîp? nu ist doch unser eigen Sîvrit ir man: er hât uns nu lange lützel dienste getân.‘
Daß truoc si in ir herzen und wart ouch wol verdeit; 668 daß si ir vremde wâren, daß was der vrouwen leit. daß si niht zinses hête von des vürsten lant, wâ von daß wære, daß hete si gerne bekant.
Si versuochte eß an dem künege, ob daß möhte geschehen, 669 daß si Kriemhilde solde noch gesehen. si reite eß heimlîche, des si dâ hete muot. dô dûhte den hêrren diu rede mæßlîchen guot.
‚Wie möhten wir si bringen,‘ sprach der künic rîch, 670 ‚her zuo disem lande? daß wær unmügelîch. si sitzent uns ze verre: ich getarses niht gebiten.‘ des antwurt im Prünhilt in vil hôhverten siten:
‚Swie hôhe rîche wære deheines küneges man, 671 swaß im gebüte sîn hêrre, daß solde er doch niht lân.‘ des ersmielte Gunther, dô si daß gesprach: ern jachs im niht ze dienste, swie dicke er Sîvriden sach.
Si sprach: ‚lieber hêrre, durch den willen mîn, 672 hilf mir, daß Sîvrit und diu swester dîn komen zuo dem lande, daß wir si hie gesehen: sone kunde mir ze wâre nimmer lieber geschehen.
‚Dîner swester zühte, ir wol gezogen muot, 673 sô ich dar an gedenke, wie sanfte mir daß tuot; wie wir ensament sâßen, dô ich wart dîn wîp! si mac mit êren minnen des küenen Sîvrides lîp.‘
Si gertes alsô lange, unz der künic sprach: 674 ‚nu wißßet, daß ich geste sô gerne nie gesach. ir muget mich sanfte vlêgen: ich wil die boten mîn nâch in beiden senden, daß si her komen an den Rîn.‘
Dô sprach diu küneginne: ‚sô sult ir mir sagen, A.675 wenne ir si welt besenden, oder in welhen tagen unser liebe vriunde suln komen in daß lant. die ir dar welt senden, die lât mir werden bekant.‘
‚Daß tuon ich,‘ sprach der fürste: ‚drîßec mîner man 676 wil ich dar lân rîten.‘ die hieß er vür sich gân: bî den enbôt er mære in Sîvrides lant. ze liebe gab in Prünhilt vil harte hêrlîch gewant.
Dô sprach der künec: ‚ir recken sult von mir sagen, 677 daß ich dar enbiete, des sult ir niht verdagen, dem starken Sîvride und der swester mîn, daß in darf zer werlde niemen holder gesîn.
‚Und bitet, daß si beidiu uns komen an den Rîn: 678 daß welle ich und mîn vrouwe immer diende sîn. vor disen sunewenden sol er und sîne man sehen hie vil manegen, der in grôßer êren gan.
‚Dem künic Sigmunde saget den dienst mîn, 679 daß ich und mîne vriunde im immer wæge sîn, und saget ouch mîner swester, daß si niht lâße daß, sine rîte zuo ir vriunden: ir zaeme nie hôhzîte baß.‘
Prünhilt und Uote und swaß man vrouwen vant, 680 die enbuten ir dienest in Sîvrides lant den minneclîchen vrouwen und manegem küenen man. mit des küneges râte die boten huoben sich dan.
Si vuoren reislîche; ir phert und ir gewant 681 daß was in komen allen: dô rûmten si daß lant. in zogte wol ir verte, dar si dâ wolden varn. der künic mit geleite bat die boten wol bewarn.
Inre tagen zwelven si kômen in daß lant, 682 ze Niblunges bürge: dar wâren si gesant. ze Norweg in der marke vunden si den degen. ros und liute wâren müede von den langen wegen.
Sîvride und Kriemhilde wart beiden dô geseit, 683 daß rîter komen wæren, die trüegen solhiu kleit, sam man zen Burgunden dâ der site phlac. si spranc von eime bette dâ si ruowende lac.
Dô bat si zeime venster eine maget gân. 684 diu sach den küenen Gêren an dem hove stân, in und die gesellen, die wâren dar gesant. gegen ir herzeleide wie liebiu mære si bevant!
Si sprach zuo dem künege: ‚seht ir, wâ si stênt, 685 die mit dem starken Gêren ûf dem hove gênt, die uns mîn bruoder Gunther sendet nider Rîn.‘ dô sprach der starke Sîvrit: ‚der sol uns willekomen sîn.‘
Alleß daß gesinde lief, dâ man si sach. 686 ir ieslîch besunder vil güetlîche sprach daß beste, daß si kunden, zuo den boten dô. Sigmunt der hêrre was ir künfte harte vrô.
Dô wart geherberget Gêre und sîne man; 687 diu ros man hieß behalten. die boten giengen dan, dâ hêr Sîvrit bî Kriemhilde saß. si sâhen in vil gerne, daß sult ir wißßen, âne haß.
Der wirt mit sînem wîbe stuont ûf sâ zehant. 688 wol wart enphangen Gêre ûß Burgunden lant und sîne hergesellen, Guntheres man, Gêren den vil rîchen bat man an den sedel gân.
‚Erloubet uns die botschaft, ê wir sitzen gên, 689 uns wegemüede geste lât uns die wîle sten. wir suln iu sagen mære, waß iu enboten hât Gunther und Prünhilt, der dinc vil zierlîche stât,
‚Unde waß vrou Uote, iur muoter, her enbôt, A.690 Gîselher der junge und ouch er Gêrnôt und iuwer besten mâge habent uns her gesant: die enbietent iu ir dienest ûßer Burgunden lant.‘
‚Nu lôn in Got,‘ sprach Sîvrit, ‚ich getrûwe in wol A.691 triuwen unde guotes, alsô man vriunden sol. sam tuot ouch ir swester; man sol uns mêre sagen, ob unser lieben vriunde daheim iht hôhes muotes tragen.
‚Sît wir von in schieden, hât man in iht getân A.692 mînen kone mâgen? daß lâßet mich verstân. daß wil ich in mit triuwen immer helfen tragen, unz daß ir vîende mînen dienst müeßen klagen.‘
Dô sprach der marcgrâve Gêre, ein rîter guot: 693 ‚si sint in allen tugenden mit vreuden wol gemuot. si ladent iuch ze Rîne zeiner hôhgezît. si sæhen iuch vil gerne, daß ir des âne zwîvel sît.
‚Si bitent mîne vrouwen, si sül mit iu dar komen. 694 swenne der winder ein ende habe genomen, vor disen sunewenden wolden si iuch sehen.‘ dô sprach der starke Sîvrit: ‚daß kunde müelîch geschehen.‘
Dô sprach aber Gêre von Burgunden lant: A.695 ‚iuwer muoter Uote diu hât iuch gemant, Gêrnôt unde Gîselher, ir sült in niht versagen. daß ir in sît sô verre, daß hœre ich tegelîche klagen.
Prünhilt mîn vrouwe und ir magedîn 696 vreuwent sich der mære: ob daß mehte sîn, daß si iuch noch sæhen, daß gæbe in hôhen muot.‘ dô dûhten disiu mære die schœnen Kriemhilde guot.
Gêre was ir sippe: der wirt in sitzen hieß; 697 den gesten hieß er schenken: niht langer man daß ließ. dô kom ouch dar Sigmunt, dâ er die boten sach: der hêrre vriuntlîche zuo den Burgunden sprach:
‚Sît willekomen, ir recken, Guntheres man. 698 sît daß Kriemhilde ze wîbe gewan mîn sun Sîvrit, man solde iuch dicker sehen hie in disem lande, wolt ir uns vriuntschefte jehen.‘
Si sprâchen, swenne er wolde, si solden gerne komen. 699 in wart michel müede mit vreuden benomen. die boten bat man sitzen, spîse man in truoc: der hieß dô geben Sîvrit den lieben gesten genuoc.
Si muosen dâ belîben bevollen niun tage. 700 des heten endelîchen die snellen rîter klage, daß si niht wider rîten solden in ir lant. dô hete der künic Sîvrit nâch sînen vriunden gesant.
Er vrâgte, waß si rieten: er sold an den Rîn. 701 ‚eß hât nâch mir gesendet Gunther der vriunt mîn, er und sîne mâge, durch eine hôhzît: nu kœm ich im vil gerne, wan daß sîn lant ze verre lît.
‚Si bitent Kriemhilde, daß si mit mir var. 702 nu râtet, lieben vriunde, wie sol si komen dar? sold ich herverten durch si in drîßec lant, dâ müese in dienen gerne hin diu Sîvrides hant.‘
Dô sprâchen sîne recken: ‚habet ir der reise muot 703 hin zer hôhzîte, wir râten, waß ir tuot: ir sult mit tûsent recken rîten an den Rîn: sô muget ir wol mit êren dâ zen Burgunden sîn.‘
Dô sprach von Niderlanden der hêrre Sigmunt: 704 ‚welt ir zer hôhzîte, wan tuot ir mir daß kunt? obeß iu niht versmâhet, sô rîte ich mit iu dar. ich vüere hundert degene, dâ mite mêre ich iuwer schar.‘
‚Welt ir mit uns rîten, lieber vater mîn,‘ 705 sprach der küene Sîvrit, ‚vil vrô sol ich des sîn. inre tagen zwelfen sô rûme ich mîniu lant.‘ alle, die es gerten, den gap man ros und ouch gewant.
Dô der künic edele der reise hete muot, 706 dô hieß man wider rîten die snellen degne guot. sînen konemâgen enbôt er an den Rîn, er wolde harte gerne bî ir hôhgezîte sîn.
Sîvrit und Kriemhilt, sô wir hœren sagen, 707 sô vil den boten gâben, daß eß niht mohten tragen ir mœre heim ze lande: er was ein rîcher man. ir starken soumære treip man vrœlîchen dan.
Ir volk kleidete Sîvrit und ouch Sigemunt. 708 Eckewart der grâve der hieß an der stunt vrouwen kleider suochen, diu besten, die man vant oder inder kunde erwerben über Sîvrides lant.
Die setel zuo den schilden bereiten man began. 709 rîtern und vrouwen, die mit im solden dan, den gap man, swaß si wolden, daß in niht gebrast. er brâhte sînen vriunden manegen hêrlîchen gast.
Die boten zogten sêre ze lande ûf den wegen. 710 dô kom zen Burgunden Gêre der degen. er wart vil wol enphangen: do erbeißten si ze tal von rossen und von mœren vür den Guntheres sal.
Die tumben zuo den wîsen giengen, sô man tuot, 711 vrâgen umbe mære. sô sprach der rîter guot: ‚swenne ich si sage dem künege, dâ hœrt ir si zehant.‘ er gie mit den gesellen, dâ er Guntheren vant.
Der künic von liebe von dem sedel spranc. 712 daß si sô snelle kômen, des seite in dô danc Prünhilt diu schœne. Gunther zen boten sprach: ‚wie gehabet sich Sîvrit, von dem mir liebe vil geschach?‘
Dô sprach der küene Gêre: ‚dâ wart er vreuden rôt, 713 er und iuwer swester. nie vriunden baß enbôt sô getriuwe mære deheiner slahte man, als iu der hêrre Sîvrit und ouch sîn vater hât getân.‘
Dô sprach zem marcgrâven des rîchen küneges wîp: 714 ‚nu sagt mir, kumt uns Kriemhilt? hât noch ir schœner lîp behalten iht der zühte, der si kunde phlegen?‘ er sprach: ‚si koment beide und mit in maneger küene degen.‘
Uote bat dô drâte die boten vür sich gên. 715 man moht an ir vrâge harte wol verstên, daß si hôrte gerne: ‚was Kriemhilt noch gesunt?‘ er seite, wier si vunde und daß si kœme in kurzer stunt.
Eß wart von in diu gâbe ze hove niht verdeit, 716 die in gap er Sîvrit: golt und ouch diu kleit brâhte man ze sehene der drîer künege man. ir vil grôßer milte wart dâ danken getân.
‚Er mac,‘ sprach dô Hagene, ‚von im sanfte geben: 717 ern kundeß niht verswenden, sold er immer leben. hort der Niblunge besloßßen hât sîn hant; hei, sold er immer komen in Burgunden lant!‘
Alleß daß gedigene vreute sich dar zuo, 718 daß si komen solden. spâte unde vruo wâren vil unmüeßec der drîer künege man. manec hêr gesidele man dô rihten began.
Hûnolt der küene und Sindolt der degen A.719 heten vil unmuoße. die zît muosen phlegen truhsæßen unde schenken, ze rihten manege banc. des half in ouch Ortwîn; des seite in Gunthere danc.
Rûmolt der kuchenmeister, wie wol er rihte sît A.720 sîne undertâne! manegen keßßel wît, haven unde phannen: hei, waß man der dâ vant! do bereite man den spîse, die dâ kômen in daß lant.
Der vrouwen arbeiten was ouch niht kleine, C. dô si bereiten ir kleider. die edelen steine mit glanze verre glesten, verwieret in daß golt, dô si si ane leiten, daß in die liute wurden holt.
Âventiure
wie si ze der hôhzît vuoren.
Alle ir unmuoße lâßen wir nu sîn 721 und sagen, wie vrou Kriemhilt und ir magedîn hin gên Rîne vuoren von Niblunge lant. nie getruogen mœre sô manec hêrlîch gewant.
Vil der soumschrîne man schihte zuo den wegen. 722 dô reit mit sînen vriunden Sîvrit der degen und diu küneginne, dar si heten vreuden wân; sît wart eß in allen ze grôßem leide getân.
Dâ heime si dô ließen Sîvrides kindelîn 723 und sun den Kriemhilde; daß muos et alsô sîn. von ir hovereise wuohs vil michel sêr: sînen vater und sîn muoter gesach daß kindel nimmer mêr.
Dô reit ouch mit in dannen der hêrre Sigmunt. 724 solde er rehte wißßen, wie eß nâch der stunt zer hôhzît ergienge, er het ir niht gesehen: im kunde an lieben vriunden leider nimmer geschehen.
Boten man vür sande, die mære seiten dar. 725 dô reit ouch in enkegene mit wünneclîcher schar vil der Uoten vriunde und der Guntheres man. der wirt gên sînen gesten sich sêre vlîßen began.
Er gie zuo Prünhilde, dâ er si sitzen vant. 726 ‚wie enphieng iuch mîn swester, do ir kômet in daß lant? sam sult ir enphâhen Sîvrides wîp.‘ ‚daß tuon ich,‘ sprach si, ‚gerne: von schulden holt ist ir mîn lîp.‘
Dô sprach der künic rîche: ‚si koment uns morgen vruo. A.727 welt ir si enphâhen, dâ grîfet balde zuo, daß wir ir niht bîten in der burc hie. mir sint in allen zîten lieber geste komen nie.‘
Ir meide und ir vrouwen hieß si sâ zehant 728 suochen guotiu kleider, diu besten, diu man vant, diu ir ingesinde vor gesten solde tragen. daß tâten si doch gerne: daß mac man lîhte gesagen.
Ouch îlten in dô dienen die Guntheres man. A.729 alle sîne recken der wirt zuo im gewan. dô reit diu küneginne hêrlîchen dan. dâ wart vil michel grüeßen die lieben geste getân.
Mit wie getânen êren man die geste enphie! 730 si dûhte, daß vrou Kriemhilt vroun Prünhilde nie sô rehte wol enphienge in Burgunden lant. die eß ie gesâhen, den wart vil hôher muot bekant.
Nu was ouch komen Sîvrit mit den sînen man. 731 man sach die helde wenden wider unde dan des veldes allenthalben mit ungevüegen scharn. dringen unde stouben kunde niemen dâ bewarn.
Dô der wirt des landes Sîvriden sach 732 und ouch Sigmunden, wie güetlîch er sprach! ‚nu sît mir grôße willekomen und al den vriunden mîn; iuwer hovereise sul wir hôhes muotes sîn.‘
‚Nu lône iu got,‘ sprach Sigmunt, der êre gernde man. 733 ‚sît daß iuch Sîvrit ze vriunde gewan, dô rieten mîne sinne, daß ich iuch wolde sehen.‘ dô sprach der künic Gunther: ‚nu ist mir liebe dran geschehen.‘
Sîvrit wart enphangen, als im daß wol gezam, A.734 mit vil grôßen êren; niemen was im gram. des half mit grôßen zühten Gîselher und Gêrnôt. nie lieben gesten manß sô güetlîch erbôt.
Nu nâheten ze ein ander der zweier künege wîp. 735 dâ wart vil setel lære, maneger vrouwen lîp wart von helde handen erhaben ûf daß gras. die vrouwen gerne dienden, waß der dâ unmüeßec was!
Dô giengen zuo ein ander diu minneclîchen wîp. 736 des was in grôßen vreuden maneges rîters lîp, daß ir beider grüeßen sô minneclîch ergie. dô sach man vil der recken, der dienen vrouwen dâ niht lie.
Daß hêrlîch gesinde vie sich bî der hant; 737 in zühten grôße nîgen des man vil dâ vant und küssen minneclîchen von vrouwen wol getân. daß was liep ze sehene Gunthers und Sîvrides man.
Si biten dâ niht langer, si riten zuo der stat. 738 der wirt sînen gesten wol erzeigen bat, daß man si gerne sæhe in Burgunden lant. manegen puneiß rîchen man vor den juncvrouwen vant.
Ûßer Troneje Hagene und ouch Ortwîn, A.739 daß si gewaltec wæren, daß tâten si wol schîn. swaß si gebieten wolden, des torste man niht lân. von in wart michel dienest den lieben gesten getân.
Vil schilde hôrt man hellen dâ ze dem bürge tor 740 von stichen und von stôßen. lange habete dâ vor der wirt mit sînen gesten, ê si kômen drin. jâ gie in diu stunde mit grôßer kurzwîle hin.
Vür den palas wîten mit vreuden si dô riten. 741 manegen phelle spæhe, guot und wol gesniten, sach man über setele den vrouwen wol getân allenthalben hangen. dô kômen Guntheres man:
Die hießen si dô vüeren balde an ir gemach. 742 under wîlen blicken man Prünhilde sach an vrouwen Kriemhilde, diu schœne was genuoc. ir varwe gên dem golde den glanz vil hêrlîchen truoc.
Allenthalben schallen ze Wormeß in der stat A.743 hôrte manß gesinde. Gunther dô bat Dancwarten sînen marschalc, daß er ir solde phlegen. do begunde er daß gesinde harte güetlîchen legen.
Dar ûße und ouch dar inne spîsen man si lie. 744 jâ wart vremder geste baß gephlegen nie. alles, des si gerten, des was man in bereit. der künic was sô rîche, daß niemen dâ niht wart verseit.
Man diende in vriuntlîche und ân allen haß. 745 der wirt dâ ze tische mit sînen gesten saß. dô muose sitzen Sîvrît, als er ê hete getân. dô gie mit im ze tische vil manec wætlîcher man.
Zwelf hundert recken an dem ringe sîn 746 dâ ze tische sâßen. Prünhilt diu künegîn gedâht, daß eigen holde niht rîcher kunde wesen. si was im noch sô wæge, daß si in gerne lie genesen.
An jenem âbende, dâ der künic saß, 747 vil der rîchen kleider wart von wîne naß, dâ die schenken solden zuo den tischen gân: dâ wart vil voller dienest mit grôßem vlîße getân.
Sô man ze hôhgezîten lange hât gephlegen, 748 vrouwen unde meide hieß man schône legen. swannen si dar kômen, der wirt in willen truoc; in güetlîchen êren man gap in allen genuoc.
Dô diu naht het ende und der tac erschein, 749 ûß den soumschrînen manec edel stein erlûhte in guoter wæte, die ruorte vrouwen hant. dô wart ervür gesuochet manec hêrlîch gewant.