Der Nibelunge liet

Part 7

Chapter 73,836 wordsPublic domain

Vor âbende nâhen, dô diu sunne nider gie 556 und eß begunde kuolen, niht lenger man daß lie, sich huoben gên der bürge manec man unde wîp. mit ougen wart getriutet vil maneger schœnen vrouwen lîp.

Dô wart von guoten knehten vil kleider ab geriten 557 vor den hôch gemuoten nâch des landes siten biß vür den palas, da der künic nider stuont. dâ wart gedienet vrouwen, sô helde hôch gemuote tuont.

Dô wurden ouch gescheiden die rîchen künegin. 558 vrou Uote und ir tohter die giengen beide hin mit ir ingesinde in ein vil wîteß gadem. dô hôrte man allenthalben ze vreuden grœßlîchen kradem.

Gerihtet was gesidele: der künic wolde gân 559 ze tische mit den gesten. dô sach man bî im stân die schœnen Prünhilde. krône si dô truoc in des küneges lande: jâ was si rîche genuoc.

Vil manec hêr gesidele mit guoten taveln breit B. vol spîse wart gesetzet, als uns daß ist geseit. des si dâ haben solden, wie wênec des gebrast! dô sach man bî dem künege gar manegen hêrlîchen gast.

Des wirtes kamerære von golde in pecken rôt 560 daß waßßer vür truogen. des wære lützel nôt, ob iu daß iemen seite, daß man diende baß ze vürsten hôhgezîte: ich wolde niht gelouben daß.

Ê daß der vogt von Rîne waßßer dô genam, 561 dô tet der hêrre Sîvrit, als im daß gezam, er mande in sîner triuwe, wes er im verjach, ê daß er Prünhilde dâ heime in Isenlande sach.

Er sprach: ‚ir sult gedenken, wes mir swuor iuwer hant, 562 swenne daß vrou Prünhilt kœme in ditze lant, ir gæbt mir iuwer swester: war sint die eide komen? ich hân an iuwer reise vil michel arbeit genomen.‘

Dô sprach der künec zem gaste: ‚ir habt mich rehte ermant. 563 jane sol niht meineide werden des mîn hant: ich wilß iu helfen vüegen, sô ich beste kan.‘ dô hieß man Kriemhilde ze hove vür den künic gân.

Mit ir vil schœnen meiden si kom vür den sal. A.564 dô spranc von einer stiegen Gîselher ze tal: ‚Nu heißet wider wenden disiu magedîn: niuwan mîn swester eine sol hie bî dem künege sîn.‘

Dô brâht man Kriemhilde, dâ man den künic vant: A.565 dô stuonden rîter edele von maneger vürsten lant. in dem sal enmitten man hieß si stille stân; ouch was Prünhilt nu zuo tische gegân.

Sine wesse niht der mære, waß man dô wolde tuon. C. dô sprach zuo sînen mâgen der Dankrâtes sun: ‚helft mir, daß mîn swester Sîvriden neme ze man.‘ si sprachen al gelîche: ‚si mag in wol mit êren hân.‘

Dô sprach der künic Gunther: ‚swester vil gemeit, 566 durch dîn selber tugende lœse mînen eit. ich swuor dich eime recken, und wirdet er dîn man, sô hâstu mînen willen mit grôßen triuwen getân.‘

Dô sprach diu maget edele: ‚lieber bruoder mîn, 567 irn sult mich niht vlêgen: jâ wil ich immer sîn, swie ir mir gebietet: daß sol sîn getân. ich wil in loben gerne, den ir mir, hêrre, gebt ze man.‘

Von liebe und ouch von vreuden wart Sîvrides varwe rôt. 568 ze dienste sich der recke vroun Kriemhilde bôt. man hieß si zuo ein ander an dem ringe stân: man vrâgt si, ob si wolde den vil wætlîchen man.

In meitlîchen zühten si schamte sich ein teil; 569 doch sô was gelücke und Sîvrides heil, daß si in niht versprechen wolde dâ zehant; ouch lobte si ze wîbe der edel künec von Niderlant.

Dô er si gelobete und ouch in diu meit, 570 güetlîchen umbevâhen was dâ vil bereit von Sîvrides armen daß minneclîche kint. vor helden wart geküsset diu edel küneginne sint.

Sich teilte daß gesinde, alsô daß geschach; A.571 an daß gegensidele man Sîvriden sach sitzen mit Kriemhilde. im diende manec man. man sach die Niblunge mit Sîvrit an den sedel gân.

Der künic was geseßßen und Prünhilt diu meit. V.572 dô sach si Kriemhilde (ir wart nie sô leit) bî Sîvride sitzen: weinen si began, ir vielen heiße trähene über liehtiu wange dan.

Dô sprach der wirt des landes: ‚waß ist iu, vrouwe mîn, 573 daß ir sô lâßet truoben liehter ougen schîn? ir sult iuch vreuwen balde: iu ist undertân mîn lant und rîche bürge unde manec wætlîch man.‘

‚Ich mac wol weinen balde,‘ sprach diu schœne meit. 574 ‚umbe dîne swester ist mir von herzen leit. die sihe ich sitzen nâhen dem eigen holden dîn: daß muoß ich immer weinen, sol si sô verderbet sîn.

Dô sprach der künic Gunther: ‚ir sult des stille dagen, 575 ich wil iu zandern zîten disiu mære sagen, war umbe ich mîne swester Sîvride hân gegeben. jâ mac si mit dem recken immer vrœlîche leben.‘

Si sprach: ‚mich riuwet immer ir schœne und ouch ir zuht. A.576 wessich, war ich mehte, ich hete gerne vluht, daß ich iu nimmer wolde geligen nâhen bî, irn saget mir, wâ von Kriemhilt wine Sîvrides sî.‘

Dô sprach der künic Gunther: ‚ich tuonß iu wol bekant. A.577 er hât als ich wol bürge unde wîtiu lant. daß wißßet sicherlîchen, er ist ein künic rîch: des gan ich im ze minnen die schœnen magt lobelîch.‘

Swaß ir der künic seite, doch hete si trüeben muot. A.578 dô gâhte von den tischen manec rîter guot: ir buhurt wart sô herte, daß al diu burc erdôß. den wirt bî sînen gesten harte sêre verdrôß.

Er dâhte: ‚ich læge sanfter der schœnen vrouwen bî.‘ A.579 dô was er des gedingen niht gar in herzen vrî, im müese von ir minne liebe vil geschehen. er begunde vriuntlîchen an vrou Prünhilde sehen.

Rîterschaft die geste bat man abe lân: A.580 der künec mit sîme wîbe ze bette wolde gân. vor des sales stiegen gesamden sich dô sît Kriemhilt und Prünhilt; noch was eß ân ir beider nît.

Dô kom ir ingesinde: die sûmten sich des niht, 581 ir rîche kamerære die brâhten in diu lieht. sich teilten dô die recken, der zweier künege man. dô sach man vil degene dan mit Sîvride gân.

Die hêrren kômen beide, dâ si solden ligen. 582 dô dâhte ir iewedere mit minnen an gesigen den wætlîchen vrouwen, daß senftet in den muot. Sîvrides kurzwîle diu wart grœßlîchen guot.

Dô der hêrre Sîvrit bî Kriemhilde lac B. und er sô minneclîche der juncvrouwen phlac mit sîner edelen minne, si wart im sô sîn lîp: er næme vür si eine niht tûsent anderiu wîp.

Ich sage iu niht mêre, wie er der vrouwen phlac. 583 nu hœret disiu mære, wie Gunther gelac bî vrouwen Prünhilde: der zierlîche degen hæte dicke sanfter bî anderen wîben gelegen.

Daß volc was im entwichen, vrouwen unde man: B. dô wart diu kemenâte balde zuo getân. er wânde, er solde triuten ir minneclîchen lîp: jâ was eß noch unnâhen, ê si wurde sîn wîp.

In sabenwîßen hemede si an daß bette gie. 584 dô dâhte der rîter edele: ‚nu hân ichß alleß hie, des ich ie dâ gerte in allen mînen tagen.‘ si muos im durch ir schœne von grôßen schulden behagen.

Diu lieht begunde bergen des edelen küneges hant. 585 dô gie der degen küene, dâ er die vrouwen vant. er leite sich ir nâhen: sîn vreude diu was grôß, die vil minneclîchen der helt mit armen umbeslôß.

Minneclîche triuten des kunder vil begân, B. ob in diu edele vrouwe hete lâßen daß getân: dô zurnde si sô sêre, daß in gemuote daß: er wânde vinden vreude, dô vant er vîntlîchen haß.

Si sprach: ‚rîter edele, ir sult eß lâßen stân. A.586 des ir dâ habet gedingen, jane mages niht ergân. ich wil noch meit belîben, ir sult wol merken daß, unz ich diu mære ervinde.‘ des wart ir Gunther gehaß.

Dô rang er nâch ir minne und zervuorte ir diu kleit. 587 dô greif nâch eime gürtel diu hêrlîche meit, eime starken borten, dens umbe ir sîten truoc: dô tet si dem künege grôßer leide genuoc.

Die vüeße und ouch die hende si im zesamne bant, 588 si truog in zeime nagele und hieng in an die want. dô er si slâfes irte, minne si im verbôt. jâ hete er von ir krefte nâch gewunnen den tôt.

Dô begunde vlêgen, der meister solde sîn. 589 ‚nu lœset mîn gebende, vil edel künegîn: ine trouwiu, schœne vrouwe, nimmer an gesigen und sol ouch harte selten iu sô nâhen bî geligen.‘

Sine ruohte, wie im wære, want si vil sanfte lac. B. dort muoste er alleß hangen die naht unz an den tac, unz der liehte morgen durch diu venster schein. ob er ie kraft gewünne, diu was an sîme lîbe klein.

‚Nu saget mir, er Gunther, ist iu daß iht leit, A.590 ob iuch gebunden vindent,‘ sprach diu schœne meit, ‚iuwer kamerære von einer vrouwen hant?‘ dô sprach der rîter edele: ‚daß wurde iu übele bewant.

‚Ouch hete ichs wênec êre,‘ sprach der edel man: A.591 ‚durch iuwer tugende lât mich nu zuoziu gân. sît iu mîne minne sint sô starke leit, ich sol mit mînen handen selten rüeren iuwer kleit.‘

Dô lôste si in balde, ûf si in verlie. 592 wider an daß bette er zuo der vrouwen gie. er leite sich sô verre, daß er ir schœne wât dar nâch selten ruorte: ouch wolde si des haben rât.

Dô kom ouch ir gesinde: die brâhten niuwe kleit: 593 der was in an dem morgen harte vil bereit. swie wol man dâ gebârte, trûrec was genuoc der edel wirt des landes, swie er des tages krône truoc.

Nâch siten, der si phlâgen und man durch reht begie, 594 Gunther unde Prünhilt niht langer daß verlie: si giengen zuo dem münster, dâ man die messe sanc. dar kom ouch er Sîvrit: dô huop sich michel gedranc.

Nâch küneclîchen êren was in dar bereit, 595 swaß si haben solden, ir krône und ouch ir kleit. dô wurden si gewîhet. dô daß was getân, dô sach man under krône elliu vieriu schône stân.

Vil degen swert dâ nâmen, sehs hundert oder baß, 596 den künigen ze êren, ir sult wißßen daß. sich huop michel vreude in Burgunden lant: man hôrte schefte bresten an der swertdegen hant.

Dô sâßen in den venstern diu schœnen magedîn. 597 si sâhen vor in liuhten maneges schildes schîn. dô hete sich gesundert der künec von sînen man: swes iemen dâ begunde, man sach in trûrende gân.

Im unde Sîvride ungelîche stuont der muot; 598 wol wiste, waß im würre, der edel rîter guot. er gie zuo dem künege, vrâgen er began: ‚wie ist iu hînt gelungen? daß sult ir mich wißßen lân.‘

Dô sprach der wirt zem gaste: ‚laster unde schaden 599 hân ich an mîner vrouwen ze hûse heim geladen. dô ich se wânde minnen, vil sêre si mich bant: si truoc mich zeime nagele und hienc mich hôch an die want.

‚Dâ hieng ich angestlîchen die naht unz an den tac, 600 ê si mich enbunde: wie sanfte si dô lac! daß sol dir vriuntlîchen tougen sîn gekleit.‘ dô sprach der starke Sîvrit: ‚daß ist mir wærlîchen leit.

‚Des bringe ich iuch wol innen, lât irß âne nît. 601 ich schaffe, daß si hînaht sô nâhen bî iu lît, daß si iuch ir minne gesûmet nimmer mêr.‘ der rede was dô Gunther nâch sînen arbeiten hêr.

‚Nu schouwe mîne hende, wie die geswollen sint: C. die twanc si mir sô sêre, als ob ich wære ein kint, daß mir bluot zen nagelen allenthalben dranc. ich hete ze mîme lebene harte kleinen gedanc.‘

Dô sprach der hêrre Sîvrit: ‚du maht wol genesen, B. ich wæne, uns ungelîche hînaht sî gewesen. mir ist dîn swester Kriemhilt lieber danne der lîp. eß muoß diu vrouwe Prünhilt noch hînte werden dîn wîp.‘

Er sprach: ‚ich kume noch hînte zer kemenâten dîn 602 alsô tougenlîche in der tarnkappe mîn, daß sich mîner liste niemen mac verstên. sô lâ die kamerære zuo den herbergen gên.

‚Sô lesche ich den kinden diu lieht an der hant: 603 bî disem wortzeichen sol dir sîn bekant, daß ich bî dir sî nâhen. jâ twing ich dir dîn wîp, daß du si hînte minnest, oder ich verliuse den lîp.‘

‚Ane daß du iht triutest,‘ sprach der künic dô, 604 ‚mîne lieben vrouwen; anders bin ichs vrô: sô tuo ir, swaß du wellest; und næmestu ir den lîp, daß solde ich wol verkiesen: si ist ein angestlîcheß wîp.‘

‚Daß nim ich,‘ sprach Sîvrit, ‚ûf die triuwe mîn, A.605 daß ich ir niht enminne: diu liebe swester dîn ist mir vor in allen, die ich noch ie gesach.‘ vil wol geloubetß Gunther, swaß dô Sîvrit gesprach.

Dâ was von kurzewîle vreude unde nôt. A.606 buhurt unde schallen man alleß verbôt. dô die vrouwen solden gegen dem sale gân, dô hießen kamerære die liute von den wegen stân.

Von rossen und von liuten gerûmet wart der hof. A.607 der vrouwen ieslîche vuorte ein bischof, dô si vor den künegen ze tische solden gân. in volgte an daß gesidele vil manec wætlîcher man.

Der künic in guotem wâne dô vroelîchen saß: B. daß im gelobte Sîvrit, wol dâhte er ane daß. der eine tac in dûhte wol drîßec tage lanc: an Prünhilde minne stuont im aller sîn gedanc.

Der künic erbeite kûme, daß man von tische gie. 608 die schœnen Prünhilde man dô komen lie und ouch Kriemhilde, beide an ir gemach: hei, waß man küener degene vor den küneginnen sach!

Sîvrit der hêrre vil minneclîchen saß 609 bî sîme schœnen wîbe mit vreuden âne haß. si trûte sîne hende mit ir vil wîßen hant, unz er ir vor den ougen sine wesse wenne verswant.

Dô si mit im spilte und si sîn niht ensach, 610 zuo sîme ingesinde diu küneginne sprach: ‚mich hât des michel wunder: war ist der künic komen? wer hât die sînen hende ûß den mînen genomen?‘

Die rede si lie belîben. dô was er hin gegân, 611 dâ er die kamerære vant mit liehten stân: diu begunde er leschen den kinden an der hant: daß eß wære Sîvrit, daß was dô Gunther bekant.

Wol wesser, waß er wolde: dô hieß er dannen gân 612 meide unde vrouwen. dô daß was getân, der edel künic dô selbe vil wol beslôß die tür: starker rigele zwêne warf er balde dervür.

Diu lieht verbarg er schiere under die bettewât. 613 eines spils begunde, des enwas niht rât, Sîvrit der starke und ouch diu schœne meit: daß was dem künege Gunther beide lieb unde leît.

Sîvrit sich dô leite der küneginne bî. A.614 si sprach: ‚nu lâtß, er Gunther, als liep iu daß sî, daß ir iht arbeite lîdet alsam ê, oder iu geschihet hie von mînen handen wider wê.‘

Dô hal er sîne stimme, daß er niht ensprach. A.615 Gunther wol hôrte, swie er si niht ensach, daß dâ heimlîche von in niht geschach; si heten an dem bette harte kleinen gemach.

Er gebârte, sam eß wære Gunther der künic rîch; 616 er umbeslôß mit armen die maget lobelîch. si warf in ûß dem bette dâ bî ûf eine banc, daß sîn houbet lûte an eime schamel im erklanc.

Wider ûf mit kreften spranc der küene man: 617 er woldeß baß versuochen: dô er des began, daß er si wolde twingen, dar umbe wart im wê. solich wer an vrouwen ich wæne nimmer ergê.

Dô er niht wolde erwinden, diu maget ûf spranc: A.618 ‚iu zimet niht zefüeren mîn hemde sô blanc. ir sît ungevüege: daß sol iu werden leit. des bringe ich iuch wol innen,‘ sprach diu wætlîche meit.

Si beslôß mit armen den tiuwerlîchen degen 619 und wold in gebunden alsam den künic legen, daß si an dem bette hete guot gemach. daß er ir wât zervuorte, diu vrouwe eß grœßlîchen rach.

Waß half dô sîn sterke und ouch sîn kraft? 620 wan si im erzeigte ir lîbes meisterschaft. si truoc in mit gewalte, daß muos et alsô sîn, und dructe in ungevuoge bî dem bette an einen schrîn.

‚Ouwê,‘ gedâht der recke, ‚sol ich nu mînen lîp 621 von einer meit verliesen, sô mugen elliu wîp dar nâch immer mêre tragen gelphen muot gegen ir manne, diu sus eß nimmer getuot.‘

Der künic eß wol hôrte; er angstete umbe den man. 622 Sîvrit sich schamte, zürnen er began. mit ungevüeger krefte satzter ir sich wider; versuochende angestlîchen an vroun Prünhilde sider.

Swie vaste si ûf im læge, sîn zorn in dô twanc C. und ouch sîn starkeß ellen, daß er âne ir danc sich wider ûf gerihte; sîn angest diu was grôß. si tâten in dem gademe her und dar vil manegen stôß.

Ouch was der künic Gunther niht âne angest gar: C. er muose dicke wenken vor in her und dar. si rungen alsô starke, daß eß grôß wunder was, daß ir ieslîcheß vor dem andern ie genas.

Den künic muote sêre beidenthalp diu nôt; C. doch vorhte er michels mêre den Sîvrides tôt. wand si het dem degene den lîp nâch benomen: wan daß er niht getorste, er wær ze helfe im gerne komen.

Jâ werte harte lange under in der strît; C. doch brâhte er die vrouwen wider an daß bette sît: swie vaste si sich werte, ir wer wart (ze iungest) kranc. der künec in sînen sorgen hete manegen gedanc.

In dûhte harte lange, unz er si betwanc. A.623 si druhte sîne hende, daß ûß den nagelen spranc daß bluot von ir krefte: daß was dem helde leit. dâ brâhte er an ein lougen die vil hêrlîchen meit

Ir ungevüeges willen, des si ê dâ jach. A.624 der künic eß alleß hôrte, swie er niht ensprach. er dructes an daß bette, daß si es vil lûte erschrê; ir tâten sîne krefte harte grœßlîchen wê.

Dô greif si zuo der sîten, dâ si den porten vant, 625 und wolde in hân gebunden: dô werteß sô sîn hant, daß ir diu lit erkrachten, dar zuo al der lîp. des wart der kriec gescheiden: dô wart si Guntheres wîp.

Si sprach: ‚künic edele, du solt mich leben lân: 626 eß wirt wol versüenet, swaß ich dir hân getân. ich were mich nimmer mêre der edelen minne dîn: ich hân wol ervunden, daß du kanst vrouwen meister sîn.‘

Sîvrit der stuont dannen, ligen lie er die meit, 627 sam ober von im ziehen wolde sîniu kleit. er zôch ir ab der hende ein guldîn vingerlîn, daß es dâ nie wart innen diu vil edel künegîn.

Dar zuo nam er ir gürtel: daß was ein borte guot. 628 ich enweiß, ob er daß tæte durch sînen hôhen muot. er gab in sînem wîbe: daß wart im sider leit. dô lâgen bî ein ander der künic und diu schœne meit.

Er phlac ir minneclîchen, als im daß gezam: B. dâ muose si verkiesen ir zorn und ouch ir sham. von sîner heimlîche si wart ein lützel bleich. Hei, waß ir von der minne ir vil grôßen krefte entweich!

Done was ouch si niht sterker danne ein ander wîp. 629 er trûte minneclîchen ir vil schœnen lîp; ob siß versuochte mêre, waß kunde eß si vervân? daß het ir alleß Gunther mit sînen minnen getân.

Wie rehte minneclîche er bî der vrouwen lac A.630 mit vriuntlîcher liebe biß an den liehten tac! nu was der hêrre Sîvrit wider ûß gegân, dâ er wart wol enphangen von einer vrouwen wol getân.

Er understuont ir vrâge, der si hete gedâht; A.631 er hal si sît vil lange, daß er ir hete brâht. diz kleinœt er dâ heime ir doch ze jungest gap: daß vrumte vil der degene mit samt im selben in daß grap.

Der wirt wart an dem morgen verre baß gemuot, A.632 danner vore wære: des wart diu vreude guot in allen den landen von manegem edelen man. die er ze hûse ladete, den wart vil dienste getân.

Diu hôhzît diu werte den vierzehenden tac, A.633 daß in al der wîle der schal nie gelac von aller hande vreuden, der iemen solde phlegen. dâ wart des küneges koste vil harte hôhe gewegen.

Des edelen wirtes mâge, als eß der künic gebôt, A.634 gâben durch sîn êre kleider und golt rôt, ros und dar zuo silber manegem vremden man. die gâbe nemen wolden, die schieden vrœlîchen dan.

Ouch der hêrre Sîvrit ûßer Niderlant A.635 mit tûsent sînen mannen, alleß daß gewant, daß si ze Rîne brâhten, daß wart gar hin gegeben, schœniu ros mit setelen: si kunden hêrlîchen leben.

Ê man die rîchen gâbe alle dâ verswanc, A.636 die wider ze lande wolden, die dûhte des ze lanc. eß enwart nie gesindes mêre baß gephlegen. sô endete sich diu hôhgezît: eß schiet von dannen manec degen.

Âventiure

wie Sîvrit ze lande mit sînem wîbe kom.

Dô die geste wâren alle dan gevarn, A.637 dô sprach zuo sîm gesinde Sigmundes barn: ‚wir suln ouch uns bereiten heim in unser lant.‘ liep was eß sînem wîbe, dô eß diu mære rehte ervant.

Si sprach zuozir manne: ‚wenne sul wir varn? B. daß ich sô harte gâhe, daß heiße ich wol bewarn: mir suln ê mîne bruoder teilen mit diu lant.‘ leit was eß Sîvride, dô erß an Kriemhilt ervant.

Die vürsten zuozim giengen und sprâchen alle drî: A.638 ‚nu wißßet daß, hêr Sîvrit, daß iu immer sî mit triuwen unser dienest bereit unz in den tôt.‘ dô neiger den hêrren, dô man imß sô wol erbôt.

‚Wir suln ouch mit iu teilen,‘ sprach Gîselher daß kint, A.639 ‚lant unde bürge, die unser eigen sint: swaß der wîten rîche uns ist undertân, der sult ir teil vil guoten mit samt Kriemhilde hân.‘

Sun der Sigmundes zuo den vürsten sprach, A.640 dô er den guoten willen an den hêrren sach: ‚Got lâße iu iuwer erbe immer sælec sîn und ouch die liute drinne; ja getuot diu liebe wine mîn

‚Des teiles wol ze râte, den ir ir woldet geben: B. dâ si sol tragen krône, und sul wir daß geleben, si muoß werden rîcher, dan iemen lebender sî. swaß ir sus gebietet, des bin ich iu dienstlîchen bî.‘

Dô sprach diu vrouwe Kriemhilt: ‚habet ir der erbe rât, A.641 umb Burgunden degene eß niht sô lîhte stât, si müge ein künic gerne vüeren in sîn lant: jâ sol si mit mir teilen mîner lieben bruoder hant.‘

Dô sprach der hêrre Gêrnôt: ‚nim dir, swen du wil. A.642 die gerne mit dir rîten, der vindestu hie vil. ûß drîßec hundert recken nim dir tûsent man: die sîn dîn heimgesinde.‘ Kriemhilt senden began

Nâch Hagenen von Troneje und nâch Ortwîn, A.643 ob die und ir mâge Kriemhilde wolden sîn. do gewan dar umbe Hagene ein zornlîcheß leben: er sprach: ‚jâ mag uns Gunther zer werlde niemen gegeben.

‚Ander ingesinde lât iu volgen mite, A.644 wan ir wol bekennet der Tronejære site: wir müeßen bî den künegen hie ze hove bestân. wir suln in langer dienen, den wir her gevolget hân.‘

Daß ließen si belîben und bereiten sich dan. A.645 ir edel ingesinde vrou Kriemhilt zir gewan, zwô und drîßec meide und fünf hundert man; Eckewart der grâve volgete Kriemhilde dan.