Der Nibelunge liet

Part 6

Chapter 63,731 wordsPublic domain

Lûte rief der küene: ‚nu lâßet mich genesen. A.467 und möhte ich iemens eigen ân einen recken wesen (dem swuor ich des eide, ich wær im undertân), ich diente iu, ê ich sturbe,‘ sprach der listige man.

Er bant ouch Albrîchen sam den risen ê: A.468 die Sîvrides krefte tâten im vil wê. daß twerc begunde vrâgen: ‚wie sît ir genant?‘ er sprach: ‚ich heiße Sîvrit: ich wânde, ich wære iu wol bekant.‘

‚Sô wol mich dirre mære,‘ sprach Albrîch daß getwerc. A.469 ‚nu hân ich wol ervunden diu hêrlîchen werc, daß ir von wâren schulden muget landes hêrre wesen, ich tuon, swaß ir gebietet, daß ir lât mich genesen.‘

Dô sprach der hêrre Sîvrit: ‚ir sult vil balde gân A.470 und bringet mir der besten recken, die wir hân, tûsent Niblunge, daß mich die hie gesehen: sô wil ich iu leides lâßen hie niht geschehen.‘

Dem risen und Albrîche lôste er dô diu bant. A.471 dô lief Albrîch balde, dâ er die recken vant: sorgende wacter der Niblunge man. er sprach: ‚wol ûf, ir helde, ir sult ze Sîvride gân.

Si sprungen von den betten und wâren vil bereit. A.472 tûsent rîter snelle die wurden wol gekleit. si giengen, dâ si vunden Sîvriden stân. dô wart ein schœne grüeßen, ein teil mit werken getân.

Vil kerzen was enzündet, man schancte im lûtertranc. A.473 daß si kômen schiere, er seit ins allen danc. er sprach: ‚ir sult hinnen mit samt mir über vluot.‘ des vant er vil bereite die helde küene unde guot.

Wol drîßec tûsent recken wâren schiere komen: A.474 ûß den wurden tûsent der besten dô genomen. den brâhte man ir helme und ander ir gewant, wan er si vüeren wolde in daß Prünhilde lant.

Er sprach: ‚ir guoten rîter, daß wil ich iu sagen, A.475 ir sult vil rîchiu kleider dâ ze hove tragen, wan uns dâ sehen müeßen vil minneclîchiu wîp. dar umbe solt ir zieren mit guoter wæte den lîp.‘

Nu sprichet lîhte ein tumber: ‚eß mac wol lüge wesen: C. wie möhte sô vil rîter bî ein ander sîn genesen? wâ nâmen si die spîse, wâ nâmen si gewant? sine kundenß niht verenden, und ob in dienten drîßec lant.‘

Sîvrit was sô rîche, als ir wol habt gehôrt. C. im diente daß künecrîche und Nibelunge hort: des gaber sînen degenen vil volleclîch genuoc, wan sîn wart doch niht minre, swie vil man von dem schatze truoc.

An einem morgen vrüeje huoben si sich dan: A.476 waß sneller geverten Sîvrit dô gewan! si vuorten ros diu guoten und hêrlîch gewant: si kômen weigerlîchen in daß Prünhilde lant.

Dô stuonden in den zinnen diu minneclîchen kint. A.477 dô sprach diu küneginne: ‚weiß iemen, wer die sint, die ich dort sihe vließen sô verre ûf dem sê? si vüerent segel rîche, diu sint noch wîßer danne snê.‘

Dô sprach der vogt von Rîne: ‚eß sint mîne man; A.478 die hete ich an der verte hie nâhen bî verlân. die hân ich besendet: die sint nu, vrouwe, komen.‘ der hêrlîchen geste wart mit zühten war genomen.

Dô sach man Sîvriden vor ime schiffe stân A.479 in hêrlîcher wæte und ander manegen man. dô sprach diu küneginne: ‚her künec, ir sult mir sagen, sol ich die geste grüeßen oder sol ich grüeßen si verdagen?‘

Er sprach: ‚ir sult enkegen in vür daß palas gên, A.480 ob ir si sehet gerne, daß si daß wol verstên.‘ dô tete diu küneginne, als ir der künic riet; Sîvriden mit dem gruoße si von den anderen schiet.

Man schuof in herberge und behielt in ir gewant. A.481 dô was sô vil geste komen in daß lant, daß si sich allenthalben drungen mit ir scharn. dâ wolden die vil küenen heim zen Burgunden varn.

Dô sprach diu küneginne: ‚ich wolde im wesen holt, A.482 der geteilen kunde mîn silber und mîn golt mîn und des küneges gesten, des ich sô vil hân.‘ dô antwurte Dankwart, des küenen Gîselhêres man:

‚Vil edel küneginne, lât mich der slüßßel phlegen. A.483 ich trûweß sô geteilen,‘ sprach der küene degen, ‚swaß ich erwerbe schande, die lât mîn eines sîn.‘ daß er milte wære, daß tete er grœßlîchen schîn.

Dô sich Hagenen bruoder der slüßßele underwant, A.484 sô manege rîche gâbe bôt des heldes hant: der einer mark gerte, dem wart sô vil gegeben, daß die armen alle muosen vrœlîchen leben.

Wol bî hundert phunden gab er âne zal. A.485 genuoge in rîcher wæte giengen vor den sal, die nie dâ vor getruogen sô hêrlîchiu cleit. daß gevriesch diu künegîn: eß was ir swære unde leit.

Dô sprach diu küneginne: ‚hêr künic, ich het des rât, A.486 daß iuwer kamerære mir wil mîner wât lâßen niht belîben: er swendet gar mîn golt. derß noch understüende, dem wolde ich immer wesen holt.‘

‚Er gît sô rîche gâbe, jâ wænet des der degen, B. ich habe gesant nâch tôde: ich wils noch lenger phlegen. ouch trûwe ichß wol verswenden, daß mir mîn vater lie.‘ sô milten kamerære gewan noch küneginne nie.

Dô sprach von Troneje Hagene: ‚vrouwe, iu sî geseit, A.487 eß hât der künic von Rîne golt unde kleit alsô vil ze gebene, daß wir des haben rât, daß wir von hinnen vüeren iht der Prünhilde wât.‘

‚Nein, durch mîne liebe,‘ sprach diu künegîn, A.488 ‚nu lât mir ervüllen zweinzec leitschrîn von golde und ouch sîden, daß geben sol mîn hant, sô wir über komen heim in der Burgunden lant.‘

Mit edelem gesteine ladet man ir diu schrîn. A.489 ir selber kamerære dâ mite muosen sîn: sine wolde es niht getrouwen dem Gîselhêres man. Gunther und Hagene dar umbe lachen began.

Dô sprach diu küneginne: ‚wem lâße ich mîniu lant? A.490 diu sol ê hie bestiften mîn und iuwer hant.‘ dô sprach der künic edele: ‚nu heißet her gân, der iu dar zuo gevalle, den sul wir voget wesen lân.‘

Ein ir hôhsten mâge diu vrouwe bî ir sach, A.491 er was ir muoter bruoder, zuo dem diu maget sprach: ‚nu lât iu sîn bevolhen mîn bürge und ouch daß lant, unze daß hie rihte des künic Guntheres hant.‘

Dô welt si ir gesindes zweinzec hundert man, C. die mit ir ze Rîne solden varn dan, zuo jenen tûsent recken ûß Nibelunge lant. si rihten sich zer verte: man sach si rîten ûf den sant.

Si vuorte mit ir dannen sehs und ahzec wîp, A.492 dar zuo hundert meide: vil schœne was der lîp. sin sûmten sich niht langer, si wolden gâhen dan. die si dâ heime ließen, hei, waß der weinen began!

In tugentlîchen zühten diu vrouwe rûmte ir lant: A.493 si kuste ir næhsten vriunde, die si bî ir vant. mit guotem urloube si kômen ûf den sê; zuo ir vater lande kom diu vrouwe nimmer mê.

Man hôrte ûf ir verte maneger hande spil; A.494 aller kurzwîle der hêten si vil. ouch kom in zuo ir reise ein rehter waßßerwint. si vuoren von dem lande: daß beweinde maneger muoter kint.

Doch wolde si den hêrren niht minnen ûf der vart: A.495 eß wart ir kurzwîle unz in ir hûs gespart ze Wormeß zuo der bürge an eine hôhzît, dar si vil vreuden rîche kômen mit ir helden sît.

Âventiure

wie Sîvrit ze Wormeß gesant wart.

Dô si gevarn wâren volle niun tage, 496 dô sprach von Troneje Hagene: ‚nu hœret, waß ich sage. wir sûmen uns mit den mæren ze Wormeß an den Rîn: iuwer boten solden nu ze Burgunden sîn.‘

Dô sprach künic Gunther: ‚ir habet wâr geseit. 497 uns wære ze der verte niemen sô bereit als ir, vriunt Hagene: nu rîtet in mîn lant. unser hovereise tuot in nieman baß bekant.‘

‚Nu wißßet, lieber hêrre, ich bin niht bote guot: B. lât mich phlegen der kamere, belîben ûf der vluot. jâ wil ich bî den vrouwen behüeten ir gewant, unz wir si bringen in der Burgunde lant.‘

‚Nu bitet Sîvriden vüern die botschaft: 498 der kan si wol gewerben mit ellenhafter kraft. verseit er iu die reise, ir sult mit guoten siten durch iuwer swester liebe der verte in vriuntlîchen biten.‘

Er sande nâch dem recken: der kom, dô man in vant. 499 er sprach: ‚sît wir nâhen heim in mîniu lant, sô solde ich boten senden der lieben swester mîn und ouch mîner muoter, daß wir nâhen an den Rîn.

‚Des ger ich an iu, Sîvrit, daß ir die reise tuot, B. daß ich eß immer diene,‘ sprach der degen guot. dô widerredetß Sîvrit, der vil küene man, unz daß in künic Gunther sêre vlêgen began.

Er sprach: ‚ir sult rîten durch den willen mîn 500 und ouch durch Kriemhilde, daß schœne magedîn, daß eß mit mir verdiene diu hêrlîche meit.‘ dô daß erhôrte Sîvrit, dô was der recke vil bereit.

‚Enbietet, swaß ir wellet: des wirt niht verdaget. 501 ich wil eß werben gerne durch die schœne maget. zwiu solde ich die verzîhen, die ich in herzen hân? durch si, swaß ir gebietet, daß ist alleß getân.‘

‚Sô saget Uoten, der rîchen künegîn, 502 daß wir an dirre verte hôhes muotes sîn. lât wißßen mîne bruoder, wie wir geworben hân; ir sult ouch unser vriunde disiu mære hœren lân.

‚Mîne schœne swester sult ir niht verdagen, 503 ir sult ir Prünhilde und mînen dienest sagen und ouch dem gesinde und allen mînen man. dar nâch ie ranc mîn herze, wol ich daß verendet hân.

‚Und saget Ortwîne, dem lieben neven mîn, 504 daß er heiße rihten sidel an dem Rîn, und ander mîne mâge die sol man wißßen lân, ich wil mit Prünhilde grôße hôhgezîte hân.

‚Und saget mîner swester, sô si habe vernomen, 505 daß ich mit mînen gesten sî ze lande komen, daß si wol enphâhe die triutinne mîn: daß wil ich immer diende umbe Kriemhilde sîn.‘

Sîvrit der hêrre balde urloup nam 506 vrouwen Prünhilde, als im daß wol gezam, und zallem ir gesinde: dô reit er an den Rîn. eß enkunde in dirre werlde ein bote beßßer niht gesîn.

Mit vier und zweinzec recken ze Wormeß er dô reit; 507 des küneges kom er âne: dô daß wart geseit, alleß daß gedigene muote jâmers nôt: si vorhten, daß ir hêrre dort belîben wære tôt.

Si erbeißten von den rossen, hôhe stuont ir muot; 508 schiere kom in Gîselhêr, der junge künic guot, und Gêrnôt sîn bruoder: wie balde er dô sprach, dô er den künic Gunther niht bî Sîvride sach:

Sît willekomen, hêr Sîvrit; ir sult mich wißßen lân, 509 war ir mînen bruoder, den künic, habet getân? Prünhilde sterke in wæn uns habe benomen: ‚sô wære ir hôhiu minne uns ze grôßen schaden komen.‘

Die angest lât belîben: iu und den mâgen sîn 510 enbiutet sînen dienest der hergeselle mîn. den lie ich wol gesunden: er hât mich iu gesant, daß ich sîn bote wære mit mæren her in iuwer lant.

‚Ir sult daß ahten schiere, swie sô daß geschehe, 511 daß ich die küneginne und iuwer swester sehe. die sol ich lâßen hœren, waß iu enboten hât Gunther und Prünhilt: ir dinc in beiden hôhe stât.‘

Dô sprach der junge Gîselher: ‚dâ sult ir zuo ir gân; 512 dâ habet ir mîner swester liebe an getân. si treit michel sorge umbe den bruoder mîn: diu meit sihet iuch gerne: des wil ich iuwer bürge sîn.‘

Dô sprach der hêrre Sîvrit: ‚swâ ich ir dienen kan, 513 daß sol willeclîchen mit triuwen sîn getân. wer seit nu den vrouwen, daß ich wil dar gân?‘ des wart dô bote Gîselher, der vil wætlîche man.

Gîselher der junge zuo sîner muoter sprach 514 und ouch zuo sîner swester, dâ er si beide sach: uns ist komen Sîvrit, der helt ûß Niderlant: in hât mîn bruoder Gunther her ze Rîne gesant.

‚Er bringet uns diu mære, wieß umbe den künic stê; 515 nu sult ir im erlouben, daß er ze hove gê: er seit diu rehten mære her von Isenlant.‘ noch was den edelen vrouwen michel sorgen bekant.

Si sprungen nâch ir wæte und leiten sich an. 516 si bâten Sîvriden hin ze hove gân: daß tete er willeclîchen, wande er si gerne sach. Kriemhilt diu edele zuo im vil güetlîchen sprach:

‚Sît willekomen, hêr Sîvrit, rîter lobelîch. 517 wâ ist mîn bruoder Gunther, der edel künic rîch? von Prünhilde sterke den wæn wir hân verlorn. ouwê mir armer meide, daß ich zer werlde ie wart geborn.‘

Dô sprach der rîter küene: ‚gebet mir boten brôt: 518 ir vil schœnen vrouwen weinet âne nôt. ich lie in wol gesunden: daß tuon ich iu bekant: er hât mich iu beiden mitten mæren her gesant.

‚Mit vriuntlîcher liebe, vil edel künegîn, 519 enbiutet iu ir dienest er und diu wine sîn. nu lât iuwer weinen: si wellent schiere komen.‘ si hete in manegen zîten sô lieber mære niht vernomen.

Mit snêwîßen gêren ir ougen wol getân B. wischte si nâch trehenen. danken si began dem boten dirre mære, diu ir dâ wâren komen. dô was ir michel trûren unde weinen benomen.

Si bat den boten sitzen: des was er vil bereit. 520 dô sprach diu minneclîche: ‚mir wære niht ze leit, ob ich ze boten miete iu solte geben mîn golt: dar zuo sît ir ze rîche: ich wil iu sust wesen holt.‘

‚Ob ich nu eine hête,‘ sprach er, ‚drîßec lant, 521 so enphienge ich doch gerne gâbe ûß iuwer hant.‘ dô sprach diu tugentrîche: ‚sô sol eß sîn getân.‘ si hieß ir kamerære nâch der boten miete gân.

Vier und zweinzec bouge mit gesteine guot 522 gap si im ze miete. sô stuont des heldes muot, er woldeß niht behalten, er gab eß sâ zehant ir vil schœnen meiden, die er ze kemenâten vant.

‚Ir muoter bôt ir dienest im güetlîchen an. 523 ‚ich sol iu sagen mêre,‘ sprach der küene man, ‚wes iuch der künic bittet, so er kumet an den Rîn: ob ir daß, vrouwe, leistet, er welle iuch immer wæge sîn.

‚Sîne rîche geste, hôrte ich in gern, 524 daß ir die wol enphâhet, und sult in des gewern, daß ir gên im rîtet vür Wormeß ûf den sant. des sît ir von dem künege mit guoten triuwen gemant.‘

Dô sprach diu minneclîche: ‚des bin ich bereit. 525 swaß ich im kan dienen, daß ist im unverseit: mit vriuntlîchen triuwen sô sol eß sîn getân.‘ dô mêrte sich ir varwe, die si vor liebe gewan.

Eß enwart nie bote enphangen deheines vürsten baß: 526 getorste si in hân küsset, daß hete si âne haß; anders minneclîchen er von der vrouwen schiet. dô tâten die Burgunden, als in Sîvrit geriet.

Sindolt und Hûnolt und Rûmolt der degen B. vil grôßer unmuoße muosen si dô phlegen, rihten daß gesidele vor Wormeß ûf den sant; des küneges schaffære man mit arbeiten vant.

Ortwîn und Gêre dine wolden daß niht lân, B. si sanden nâch den vriunden allenthalben dan und kunten in die hôhgezît, diu dâ solde sîn. dâ zierten sich engegene diu vil schœnen magedîn.

Der palas und die wende was alleß über al 527 gezieret gên den gesten: der Guntheres sal wart vil wol bezimbert durch manegen vremden man. disiu starke hôhgezît huop sich vil vrœlîchen an.

Dô riten allenthalben die wege durch daß lant 528 der drîer künege mâge hete man besant, daß si den solden warten, die in dâ solden komen. dô wart ûß der valde rîcher wæte vil genomen.

Dô seite man diu mære, daß man rîten sach 529 Prünhilde vriunde: dô huop sich ungemach von des volkes krefte in Burgunden lant. hei, waß man küener degene dâ ze beiden sîten vant!

Dô sprach diu schœne Kriemhilt: ‚ir, mîne magedîn, B. die an dem antphange mit mir wellen sîn, die suochen ûß den kisten diu aller besten kleit: sô wirt uns von den gesten lob und êre geseit.‘

Dô kômen ouch die recken und hießen tragen dar 530 hêrlîche setele von rôtem golde gar, die die vrouwen solden rîten ze Wormeß an den Rîn. beßßer phertgereite kunde nimmer gesîn.

Hei, waß dâ liehtes goldes von den mœren schein! 531 in lûhte von den zoumen vil manec edel stein; die guldînen schæmele ob liehtem phelle guot die brâhte man den vrouwen: si wâren vrœlîch gemuot.

Ûf dem hove wâren diu vrouwen phert bereit C. den edelen juncvrouwen, als ich iu hân geseit. diu smalen vürbüege sach man die mœre tragen von den besten sîden, dâ von iu iemen kunde sagen.

Sehs und ahzec vrouwen sach man vür gân, 532 die gebende truogen. zuo Kriemhilde dan kômen die vil schône und truogen rîchiu kleit; dar kom ouch wol gezieret vil manec wætlîchiu meit,

Funfzec unde viere von Burgunde lant: B. eß wâren ouch die besten, die man iender vant. die sach man valevahse under liehten porten gân. des ê der künic gerte, daß wart mit vlîße getân.

Si truogen rîche phelle, die besten, die man vant, 533 vor den vremden recken, sô manec guot gewant, daß ir schœnen varwe ze rehte wol gezam. er wære in swachem muote, der ir deheiner wære gram.

Von zobel und von harme vil kleider man dâ vant. 534 dâ wart vil wol gezieret manec arm unde hant mit pougen ob den sîden, die si solden tragen. iu enkunde ditze vlîßen ze ende niemen gesagen.

Vil manegen gürtel spæhe, rîch unde lanc, 535 über liehtiu kleider manec hant dô swanc ûf edel röcke ferrans von phelle ûß Arabîn, daß si in al der werlde niht beßßer kunden gesîn.

Eß wart in vürgespenge manec schœniu meit 536 genæt vil minneclîche. eß möhte ir wesen leit, der ir liehtiu varwe niht lûhte gên der wât. sô schœnes ingesindes nu niht küneges künne hât.

Dô die minneclîchen nu truogen ir gewant, 537 die si dâ vüeren solden, die kômen dar zehant, der hôch gemuoten recken ein vil michel kraft; man truoc ouch dar mit schilden manegen eschînen schaft.

Âventiure

wie Prünhilt ze Wormeß enphangen wart.

Anderthalp des Rînes sach man mit manegen scharn 538 den künec mit sînen gesten zuo dem stade varn. man sach ouch dâ bî zoume leiten manec meit. die si enphâhen solden, die wâren alle bereit.

Dô die von Isenlande zen schiffen kômen dan A.539 und ouch von Niblunge Sîvrides man, si gâhten zuo dem lande, unmüeßec was ir hant, dâ man des küneges vriunde anderthalp des stades vant.

Nu hœrt ouch disiu mære von der künegîn, 540 Uoten der vil rîchen, wie si diu meidîn gevrumte von der bürge, dar si dâ selbe reit. da gewan ein ander künde vil manec rîter unde meit.

Der marcgrâve Gêre Kriemhilt zoumte dan B. niuwan vür daß bürgetor: Sîvrit der küene man der muoste ir vürbaß dienen; si was ein schœne kint. des wart im wol gelônet von der juncvrouwen sint.

Ortwîn der küene bî vroun Uoten reit B. und vil geselleclîchen manec rîter unde meit. ze solhem antphange, des mac man wol verjehen, wart nie sô vil der vrouwen bî ein ander gesehen.

Vil manegen buhurt rîchen sach man dâ getriben A.541 von helden lobelîchen (niht wol wær eß beliben) vor Kriemhilt der schœnen zuo den schiffen dan. dô huob man von den mœren manege vrouwen wol getân.

Der künec was komen übere und manec werder gast. 542 hei, waß starker schefte vor den vrouwen brast. man hôrt dâ hurtlîchen von schilden manegen stôß. hei, waß rîcher buckeln vor gedrange lûte erdôß!

Die vil minneclîchen stuonden an der habe; 543 Gunther mit sînen gesten gie von schiffen abe: er vuorte Prünhilde selbe an sîner hant. dâ lûhte wider ein ander vil liehte steine und gewant.

Mit vil grôßen zühten vrou Kriemhilt dô gie, 544 dâ si vroun Prünhilde und ir gesinde enphie. man sach dâ schapel rücken mit wîßen henden dan, dâ si sich kusten beide: daß wart durch liebe getân.

Dô sprach gezogenlîchen Kriemhilt daß meidîn: 545 ‚ir sult zuo disen landen uns willekomen sîn mir und mîner muoter und allen, die wir hân der getriuwen vriunde.‘ dô wart dâ nîgen getân.

Die vrouwen sich beviengen mit armen dicke hie. 546 sô minneclîch enphâhen gehôrte man noch nie, sô die vrouwen beide der briute tâten kunt, vrou Uote und ir tohter: si kusten dicke ir süeßen munt.

Dô Prünhilde vrouwen volkômen ûf den sant, 547 dâ wart minneclîchen genomen bî der hant von wætlîchen recken manec wîp wol getân. man sach die edelen meide vor vrou Prünhilde stân.

Ê daß ir gruoß ergienge, daß was ein lengiu stunt. 548 jâ wart dâ geküsset manec rôter munt. noch stuonden bî ein ander die künege tohtre rîch: daß liebet an ze sehene manegen recken lobelîch.

Dô spehten mit den ougen, die ê hôrten jehen, 549 daß si alsô schœnes heten niht gesehen sô die vrouwen beide: des sach man âne lüge. man kôs an ir lîbe dâ deheiner slahte trüge.

Die vrouwen spehen kunden und minneclîchen lîp, 550 die lobten durch ir schœne daß Guntheres wîp; doch sprâchen dâ die wîsen, die hetenß baß besehen, man möhte Kriemhilde für vroun Prünhilde jehen.

Wider ein ander giengen maget unde wîp; 551 man sach dâ wol gezieret vil manegen schœnen lîp. dâ stuonden sîden hütten und manec rîch gezelt: der was dâ gar ervüllet vor Wormeß alleß daß velt.

Von des küneges mâgen wart dringen niht verlân. B. man hieß die küneginne beide dannen gân und mit in al die vrouwen, dâ man schate vant; dar brâhten si die degene ûßer Burgunden lant.

Nu wâren ouch die geste ze rossen alle komen; 552 vil manec rîchiu tjoste durch schilde wart genomen. daß velt begunde stouben, sam ob al daß lant mit louge wære enbrunnen. dâ wurden helde wol bekant.

Des dâ die recken phlâgen, daß sach vil manec meit. A.553 mich dunket, daß er Sîvrit mit sînen degen reit vil manege widerkêre vür die hütten dan. er vuort der Nibelunge tûsent wætlîcher man.

Dô kom von Troneje Hagene, als im der wirt geriet: 554 den buhurt minneclîchen dô der helt geschiet, daßs ungestoubet ließen diu vil schœnen kint. des wart dô von den gesten gevolget güetlîchen sint.

Dô sprach der hêrre Gêrnôt: ‚diu ros lâßet stân, B. unz eß beginne kuolen, sô sul wir ane vân dienen schœnen wîben vür den palas wît; so der künic welle rîten, daß ir vil bereite sît.‘

Der buhurt was zergangen über al daß velt. 555 dô giengen kurzwîlen under manec hôch gezelt die rîter zuo den vrouwen ûf hôher vreuden wân. da vertriben si die stunde, unz man rîten wolde dan.