Der Nibelunge liet

Part 5

Chapter 53,730 wordsPublic domain

‚Dir hât erwelt vil rehte dîner ougen schîn: A.381 eß ist diu edel Prünhilt, daß schœne magedîn, nâch der dîn herze ringet, dîn sin und ouch dîn muot.‘ elliu ir gebærde dûhte Gunthere guot.

Dô hieß diu küneginne ûz den venstern gân A.382 ir minneclîchen meide; sine solden dâ niht stân den vremden an ze sehene: des wâren si bereit. waß dô die vrouwen tâten, daß ist uns sider ouch geseit.

Gên den unkunden strichen si ir lîp, A.383 des ie site hêten wætlîchiu wîp. an diu engen venster kômen si gegân, dâ si die helde sâhen: daß was durch schouwen getân.

Ir wâren niuwan viere, die kômen in daß lant. B. Sîvrit der küene ein ros zôch ûf den sant. daß sâhen durch diu venster diu wætlîchen wîp: des dûhte sich getiuret des künic Guntheres lîp.

Er habte im dâ bî zoume daß zierlîche marc, B. guot unde schœne, michel unde starc, unz der künic Gunther in den satel gesaß. alsô diente im Sîvrit, des er doch sider gar vergaß.

Dô zôch er ouch daß sîne von dem schiffe dan: B. er het solhen dienest vil selten ê getân, daß er bî stegereife gestüende helde mêr. daß sâhen durch diu venster die vrouwen schœn unde hêr.

Rehte in einer mâße den helden vil gemeit A.384 von snêblanker varwe ir ros und ouch ir kleit wâren vil gelîche, ir schilde wol getân: die lûhten von den handen den vil wætlîchen man.

Ir setele wol gesteinet, ir vürbüege smal: A.385 si riten hêrlîche vür Prünhilde sal; dar an sô hiengen schellen von liehtem golde rôt. si kômen zuo dem lande, als eß ir ellen in gebôt,

Mit spern niuwe sliffen, mit swerten wol getân, B. diu ûf die sporen giengen den wætlîchen man. diu vuorten die vil küenen scharph unde breit. daß sach alleß Prünhilt, diu vil hêrlîche meit.

Mit in kom dô Dancwart und ouch Hagene: A.386 wir hœren sagen mære, wie die degene von rabenswarzer varwe truogen rîchiu kleit. ir schilde wâren niuwe, michel, guot unde breit.

Von Indîâ dem lande sach man si steine tragen, 387 die kôs man an ir wæte vil hêrlîchen wagen. si ließen âne huote daß schiffel bî der vluot: sus riten zuo der bürge die helde küene unde guot.

Sehs und ahzec türne si sâhen drinne stân, 388 drî palas wîte und einen sal wol getân von edelem marmelsteine grüene alsam ein gras, dar inne diu küneginne mit ir ingesinde was.

Diu burc was entsloßßen, vil wîte ûf getân. 389 dô liefen in enkegene die Prünhilde man und enphiengen die geste in ir vrouwen lant. ir ros man hieß behalden und ir schilde vor der hant.

Dô sprach ein kamerære: ‚gebet uns diu swert A.390 und die liehten brünne.‘ ‚des sît ir ungewert,‘ sprach von Troneje Hagene, ‚wir wellens selbe tragen.‘ dô begunde Sîvrit im den hovesite sagen.

‚In dirre burc phliget man, daß wil ich iu sagen, A.391 daß neheine geste sulen wâfen tragen: lât si tragen hinnen, daß ist wol getân.‘ des volgte ungerne Hagne Guntheres man.

Man hieß den gesten schenken und schaffen guot gemach. A.392 manegen snellen recken man ze hove sach in vürstlîcher wæte allenthalben gân; doch wart michel schouwen an die küenen getân.

Dô wart vroun Prünhilde gesaget mit mæren, B. daß unkunde recken dâ komen wæren in hêrlîcher wæte gevloßßen ûf der vluot. dâ von begonde vrâgen diu maget schœne unde guot:

‚Ir sult mich lâßen hœren,‘ sprach diu künegîn, A.393 ‚wer die unkunden recken mügen sîn, die ich sô hêrlîche dort sihe stân, und durch wes liebe die helde her gevarn hân.‘

Dô sprach ein ir gesinde: ‚vrouwe, ich mac wol jehen, A.394 daß ich ir deheinen mêre habe gesehen, wan Sîvride gelîche einer drunder stât: den sult ir wol enphâhen: daß ist mit triuwen mîn rât.‘

Der ander der gesellen der ist sô lobelîch: B. ‚ob er gewalt des hæte, wol wær er künic rîch ob wîten vürsten landen und mohte er diu hân. man siht in bî den andern sô rehte hêrlîche stân.

‚Der drite der gesellen der ist sô gremlîch B. und doch mit schœnem lîbe, küneginne rîch, von swinden sînen blicken, der er sô vil getuot. er ist in sînen sinnen ich wæne grimme gemuot.

‚Der jungeste dar under der ist sô lobelîch: B. magtlîcher zühte sihe ich den degen rîch mit guotem gelæße sô minneclîche stân. wir möhtenß alle vürhten, hete im hie iemen iht getân.

‚Swie blîde er phlege der zühte und swie schœne sî sîn lîp, B. er möhte wol erweinen vil wætlîchiu wîp, swenne er begonde zürnen. sîn lîp ist sô gestalt, er ist in allen tugenden ein degen küene unde balt.‘

Dô sprach diu küneginne: ‚Nu brinc mir mîn gewant: A.395 und ist der starke Sîvrit komen in mîn lant durch willen mîner minne, eß gât im an den lîp. ich vürhte in niht sô sêre, daß ich werde sîn wîp.‘

Prünhilt diu schœne wart schiere wol gekleit. A.396 dô gie mit ir dannen manegiu schœniu meit, wol hundert oder mêre; gezieret was ir lîp. die geste wolden schouwen diu vil wætlîchen wîp.

Dâ mite giengen degene ûß Isenlant, A.397 Prünhilde recken: die truogen swert enhant, vünf hundert oder mêre. daß was den gesten leit: dô stuonden von dem sedele die küenen helde gemeit.

Dô diu küneginne Sîvriden sach, 398 zuo deme gaste si zühteclîchen sprach: ‚sît willekomen, hêr Sîvrit, her in ditze lant! waß meinet iuwer reise? daß hete ich gerne bekant.‘

‚Vil michel genâde, vrou Prünhilt, A.399 daß ir mich ruochet grüeßen, vürsten tohter milt, vor disem edelen recken, der hie vor mir stât: wan der ist mîn hêrre; der êren hete ich gerne rât.

‚Er ist künec ze Rîne: waß sol ich sagen mêr? A.400 durch dîne liebe sîn wir gevarn her. er wil dich gerne minnen, swaß im dâ von geschiht. bedenke dichs bezîte: er enlât dich sîn niht.

‚Er ist geheißen Gunther, ein künec rîch unde hêr. 401 erwurb er dîne minne, sone gerte er niht mêr. durch dich mit im ich her gevarn hân; wærer niht mîn hêrre, ich heteß nimmer getân.‘

Si sprach: ‚ist er dîn hêrre unde du sîn man, 402 wil er mîn geteiltiu spil alsô bestân, behabe er die meisterschaft, sô wird ich sîn wîp: gewinne aber ich ir eineß, eß gêt iu allen an den lîp.‘

Dô sprach von Troneje Hagene: ‚vrouwe, lât uns sehen A.403 iuwer spil geteiltiu. end iu müeste jehen Gunther mîn hêrre, dâ mües eß herte sîn. er trouwet wol erwerben ein alse schœne magedîn.‘

‚Den stein sol er werfen und springen dar nâch, 404 den gêr mit mir schießen. lât iu niht sîn ze gâch. ir muget hie wol verliesen die êre und ouch den lîp: des sult ir iuch bedenken,‘ sprach daß minneclîche wîp.

Sîvrit der snelle zuo dem künege trat, 405 allen sînen willen er in reden bat gên der küneginne: er solde ân angest sîn: ‚ich sol dich wol behüeten vor ir mit den listen mîn.‘

Dô sprach der künic Gunther: ‚küneginne hêr, 406 nu teilt, swaß ir gebietet. und wæres dannoch mêr, ich bestüende eß alleß durch iuwern schœnen lîp. mîn houbet ich verliuse, ir enwerdet mîn wîp.‘

Dô diu küneginne sîne rede vernam, 407 der spile bat si gâhen, als ir daß gezam. si hieß ir ze strîte bringen ir gewant, ein brünne von golde und einen guoten schildes rant.

Ein wâfenhemde sîdîn leite an diu meit, A.408 daß in deheime strîte wâfen nie versneit, von phelle ûßer Libîâ; eß was wol getân: von borten lieht gewürhte sach man schînen dar an.

Die zît wart den recken in gelfe vil gedreut. A.409 Dancwart und Hagene wâren ungevreut. wie eß dem künege ergienge, des sorget in der muot. si dâhten: ‚unser reise ist uns gesten niht ze guot.‘

Die wîle was ouch Sîvrit, der listige man, 410 end eß iemen wesse, zuo dem schiffe gegân, dâ er die tarnkappe verborgen ligen vant. dar în slouf er schiere: dô was er niemen bekant.

Er îlte hin widere: dô vant er recken vil, 411 dâ diu küneginne teilte ir hôhiu spil. dâ gie er tougenlîchen, daß in dâ niemen sach aller, die dâ wâren, vone listen daß geschach.

Der rinc was bezeiget, dô soldeß spil geschehen A.412 vor manegem küenen recken, die daß solden sehen. wol siben hundert sach man wâfen tragen: swer daß spil gewünne, daß si die wârheit solden sagen.

Dô was ouch komen Prünhilt: gewâfent man die vant, A.413 sam ob si wolde strîten umbe elliu küneges lant. jâ truoc si ob den sîden manegen goldes zein, dar under minneclîchen ir vil liehtiu varwe schein.

Dô kom ir gesinde und truogen dar zehant A.414 von alrôtem golde einen schildes rant mit stahelherten spangen, michel unde breit, dar under spilen wolde diu vil minneclîche meit.

Der meide schiltveßßel ein edel borte was, A.415 dar ûfe lâgen steine grüene alsam ein gras: der lûhte maneger leije mit schîne widerß golt. er müeste wesen küene, dem diu vrouwe wurde holt.

Der schilt was under buckeln, als uns daß ist geseit, A.416 drîer spannen dicke, den tragen solt diu meit: von stâle und ouch von golde rîch er was genuoc, den ir kamerære selp vierde kûme getruoc.

Alsô der starke Hagene den schilt dar tragen sach, A.417 in grôßem unmuote der helt von Troneje sprach: ‚wâ nu, künic Gunther, wie vliese wir den lîp? der ir dâ gert ze minnen, diu ist des tiuveles wîp.‘

Vernemt noch von ihr wæte: der hæte si genuoc. B. von Azagouc der sîden einen wâfenroc si truoc, edel unde rîche, ab des varwe schein von der küneginne vil manec hêrlîcher stein.

Dô truoc man der vrouwen swære unde grôß 418 einen vil scharfen gêr, dens zallen zîten schôß, stark und ungevüege, michel unde breit, der ze sînen ecken vile vreislîchen sneit.

Von des gêres swære hœret wunder sagen. A.419 vierdehalp messe was dar zuo geslagen. den truogen kûme drîe Prünhilde man. Gunther der edele dar umbe sorge gewan.

Er dâhte in sînem muote: ‚waß sol ditze wesen? B. der tiuvel ûß der helle (wie) kunde er dâ vor genesen? wære ich ze Burgunden mit dem lebene mîn, si müeste hie vil lange vrî vor mîner minne sîn.‘

Im was in sînen sorgen, daß wißßet, leit genuoc. C. alleß sîn gewæfen man im einen truoc. dâ wart der künic rîche wol gewâfent in. vor leide hete Hagene vil nâch verwandelt den sin.

Dô sprach Hagnen bruoder, der küene Dankwart: A.420 ‚mich riuwet inneclîchen disiu hovevart. nu hießen wir ie recken! wie vliese wir den lîp! suln uns in disem lande nu verderben diu wîp?

‚Mich müet harte sêre, daß ich kom in daß lant. A.421 hete mîn bruoder Hagene sîn wâfen an der hant und ouch ich daß mîne, sô möhten samfte gân mit ir übermüete alle Prünhilde man.

Daß wißßet sicherlîchen, si soldenß wol bewarn. B. und hete ich tûsent eide zeinem vride geswarn, ê daß ich sterben sæhe den lieben hêrren mîn, jâ müesen lîp verliesen daß vil schœne magedîn.‘

‚Wir solden ungevangen wol rûmen ditze lant,‘ A.422 sprach sîn bruoder Hagene, ‚hete wir daß gewant, des wir ze nôt bedurfen, und diu swert vil guot, sô wurde wol gesenftet der schœnen vrouwen übermuot.‘

Wol hôrt diu maget edele, waß der degen sprach. A.423 mit smielendem munde si über ahsel sach: ‚nu er dunket sich sô küene, sô traget in ir gewant, ir vil scharfen wâfen gebet den helden an die hant.

‚Mir ist alse mære, daß si gewâfent sîn, C. als ob si blôße stüenden,‘ sô sprach diu künegîn. ‚ich envürhte niemens sterke, den ich noch habe bekant: ich getrouwe wol gedingen in strîte vor sîn eines hant.‘

Dô si diu swert gewunnen, sô diu meit gebôt, A.424 der vil küene Dancwart wart von vreuden rôt: ‚nu spilen, swes si wellen,‘ sprach der küene man. ‚Gunther ist unbetwungen, sît wir unser wâfen hân.‘

Prünhilde sterke grœßlîchen schein. 425 man truog ir zuo dem ringe einen swæren stein, grôß und ungevüege, michel unde wel: in truogen kûme zweleve der küenen helde unde snel.

Den warf si zallen zîten, sô si den gêr verschôß. A.426 der Burgunden sorge was vil harte grôß. ‚wâfen!‘ sprach Hagene, ‚waß hât der künec ze trût! jâ sol si in der helle sîn des übelen tiuvels brût.‘

An ir vil wîße arme si die ermel want, 427 si begunde vaßßen den schilt an der hant, den gêr si hôhe zucte: dô gie eß an den strît. die ellenden geste vorhten Prünhilde nît.

Unde wære im Sîvrit niht dâ ze helfe komen, 428 sô hete si Gunther sînen lîp benomen. er gie dar tougenlîche und ruort im sîne hant. Gunther sîne liste harte sorclîch ervant.

‚Waß hât mich gerüeret?‘ dâht der küene man. B. dô sach er allenthalben: er vant dâ niemen stân. er sprach: ‚ich pinß, Sîvrit, der liebe vriunt dîn. vor der küneginne soltu gar âne angest sîn.‘

(Er sprach): ‚gip mir von handen den schilt lâ mich tragen, 429 unde merke rehte, waß du mich hœrest sagen. nu habe du die gebærde, diu werk wil ich begân.‘ dô er in bekande, eß was im liebe getân.

‚Nu hil du mîne liste, daß ist uns beiden guot: B. sone mac diu küneginne ir starke übermuot an dir iht verenden, des si doch willen hât: nu sihtu, wie diu vrouwe vor dir unsorclîchen stât.‘

Dô schôß vil krefteclîchen diu hêrlîche meit 430 ûf einen schilt niuwen, michel unde breit; den truoc an sîner hende daß Siglinde kint. daß viur spranc von stahele, sam eß wâte der wint.

Des starken gêres snîde al durch den schilt gebrach, 431 daß man daß viuwer lougen ûß den ringen sach. des schußßes beide strûchten die kreftige man: wan diu tarnkappe, si wæren tôt dâ bestân.

Sîvride dem küenen von munde brast daß bluot. 432 vil balde spranc er widere: dô nam der helt guot den gêr, den si geschoßßen im hete durch den rant: den schôß ir dô hin widere des starken Sîvrides hant.

Er dâhte: ‚ich wil niht schießen daß schœne magedîn.‘ B. er kêrte des gêres snîde hindern rücke sîn; mit der gêrstangen er shôß ûf ir gewant, daß eß erklanc vil lûte von sîner ellenthaften hant.

Daß fiuwer stoub ûß ringen, als ob eß tribe der wint. 433 den gêr schôß mit ellen daß Sigmundes kint: sine mohte mit ir kreften des schußßes niht gestân; eß enhete der künic Gunther in triuwen nimmer getân.

Prünhilt diu schœne balde ûf spranc: 434 ‚edel rîter Gunther, des schußßes habe danc.‘ si wânde, daß erß hête mit sîner kraft getân; nein, si hete gevellet ein verre kreftiger man.

Dô gie si hin balde, zornec was ir muot: 435 den stein huop vil hôhe diu edel maget guot. si swanc in krefteclîche verre von der hant: dô spranc si nâch dem wurfe, daß lûte erklang ir gewant.

Der stein was gevallen zwelf klâfter dan: 436 den wurf brach mit sprunge diu maget wol getân. dar gie der snelle Sîvrit, dâ der stein gelac: Gunther in wegete, der helende werfennes phlac.

Sîvrit was küene, kreftec unde lanc: 437 den stein warf er verrer, dar zuo er wîter spranc. von sînen schœnen listen het er kraft genuoc, daß er mit dem sprunge den künic Gunthere truoc.

Der sprunc was ergangen, der stein was gelegen: B. dô sach man ander niemen wan Gunther den degen. Prünhilt diu schœne wart in zorne rôt; Sîvrit hete geverret des künic Guntheres tôt.

Zuo ir ingesinde ein teil si lûte sprach, 438 dô si ze ende des ringes den helt gesunden sach: ‚balde komet her nâher, mâge und mîne man: ir sult dem künic Gunther alle werden undertân.‘

Dô leiten die vil küenen diu wâfen von der hant, 439 si buten sich ze vüeßen von Burgunden lant Gunther dem rîchen, vil manec küener man: si wânden, er hête mit sîner kraft diu spil getân.

Er gruoßtes minneclîche: jâ was er tugende rîch. 440 dô nam in bî der hende diu maget lobelîch: si erloubte im, daß er solde haben dâ gewalt. des vreute sich dô Hagene, der degen küene unde balt.

Si bat den rîter edele mit ir dannen gân A.441 in den palas wîten: dâ was vil manec man. durch vorhte manß dem degene deste baß erbôt. von Sîvrides ellen si wâren komen ûßer nôt.

Sîvrit der snelle, wîse er was genuoc, 442 sîne tarnkappen er ze behalten truoc. dô gie er hin widere, dâ manec vrouwe saß; er sprach zuo dem künege und tet vil kündeclîche daß:

‚Wes pîtet ir, mîn hêrre, wan beginnet ir der spil, B. der iu diu küneginne teilet alsô vil? und lât uns balde schouwen, wie diu sîn getân.‘ sam ers niht enweste, gebârt der listige man.

Dô sprach diu küneginne: ‚wie ist daß geschehen, B. daß ir habt, hêr Sîvrit, der spil niht gesehen, diu hie hât errungen diu Guntheres hant?‘ des antwurte ir Hagene ûßer Burgunden lant:

Er sprach: ‚dâ het ir, vrouwe, betrüebet uns den muot: B. dô was bî dem scheffe Sîvrit der helt guot, dô der vogt von Rîne diu spil iu an gewan: des ist eß im unkündec,‘ sprach der Guntheres man.

‚Sô wol mich dirre mære,‘ sprach Sîvrit der degen, 443 ‚daß iuwer hôchverten alsô ist gelegen, ‚daß iemen lebet, der iuwer meister müge sîn. nu sult ir, maget edele, uns hinnen volgen an den Rîn.‘

Dô sprach diu wol getâne: ‚des mac niht ergân. A.444 eß müeßen ê bevinden mâge und mîne man. jane mag ich alsô lîhte gerûmen niht mîn lant: die mîne hôhsten vriunde müeßen werden ê besant.‘

Dô hieß si boten rîten allenthalben dan: A.445 si besande ir vriunde, mâg unde man. die bat si ze Isensteine komen unerwant, und hieß in geben allen rîch und hêrlîch gewant.

Si riten tegelîche spâte unde vruo A.446 Prünhilde bürge scharhafte zuo. ‚jarîâ,‘ sprach Hagene, ‚waß habe wir getân! wir erbeiten hie übele der schœnen Prünhilde man.

‚Sô si nu mit ir krefte koment in daß lant, A.447 der küneginne wille ist uns unbekant: waß, ob si alsô zürnet, daß wir sîn verlorn? sô ist diu maget edel uns ze grôßen sorgen geborn.‘

Dô sprach der starke Sîvrit: ‚daß sol ich understên. A.448 des ir dâ habet sorge, des lâße ich niht ergên. ich sol iu helfe bringen her in ditze lant von ûß erwelten recken, die sint iu noch unbekant.

‚Ir sult nâch mir niht vrâgen: ich wil hinnen varn. A.449 Got müeße iuwer êre die zît wol bewarn. ich kume schiere widere und bringiu tûsent man der aller besten degene, der iemen künde gewan.‘

‚Sone sît et niht ze lange,‘ sprach der künic dô. A.450 ‚wir sîn iuwer helfe billîchen vrô‘. er sprach: ‚ich kume widere in vil kurzen tagen. daß ir mich habet gesendet, sult ir der küneginne sagen.‘

Âventiure

wie Sîvrit nâch den Nibelungen vuor.

‚Dannen gie dô Sîvrit zer porten ûf den sant A.451 in sîner tarnkappen, dâ er ein schiffel vant. dar an sô stuont vil tougen daß Sigmundes kint: er vuorte eß balde dannen, als ob eß wæte der wint.

Den schifmeister niemen sach; daß schiffel sêre vlôß A.452 von Sîvrides kreften: die wâren alsô grôß. si wânden, daß eß vuorte ein sunder starker wint: nein, eß vuorte Sîvrit, der schœnen Siglinde kint.

Bî des tages zîte und bî der einen naht A.453 kom er zeime lande mit michelre maht, hundert langer raste und dannoch lîhte baß; daß hieß Niblunge, dâ er den grôßen hort besaß.

Der helt vuor aleine ûf einen wert breit: A.454 daß schif gebant vil balde der rîter vil gemeit. er gie zuo eime berge, dar ûfe ein burc stuont, und suohte herberge, sô die wegemüede tuont.

Dô kom er vür die porten: versloßßen im diu stuont: A.455 jâ huoten si ir êre, sô noch die liute tuont. anß tor begunde bôßen der unkunde man: daß was wol behüetet; dô vant er innerthalben stân

Einen ungevüegen, der der burc phlac, A.456 bî dem zallen zîten sîn gewæfen lac. der sprach: ‚wer ist der bôßet sô vaste an daß tor?‘ dô wandelte sîne stimme der küene Sîvrit dâ vor

Und sprach: ‚ich bin ein recke: nu sliuß ûf daß tor. A.457 ich erzürne eteslîchen noch hiute dâ vor, der gerne samphte læge und hete sîn gemach.‘ daß muote den portenære, dô daß Sîvrit gesprach.

Nu hete der rise küene sîn wæfen an getân, A.458 sîn helmen ûf sîn houbet: der vil starke man den schilt vil balde zucte, daß tor er ûf swief: wie rehte gremlîchen er dô an Sîvriden lief!

Wie er getorste wecken sô manegen küenen man? A.459 dô wurden slege swinde von sîner hant getân. dô begunde im schirmen der hêrlîche gast; doch schuof der portenære, daß sîn gespenge zebrast

Von einer îsenstangen: des gie dem helde nôt. A.460 ein teil begunde vürhten der helt den grimmen tôt, dô der portenære sô krefteclîchen sluoc. dar umbe was im wæge sîn hêrre Sîvrit genuoc.

Si striten alsô sêre, daß al diu burc erschal: A.461 dô hôrte man daß dießen in Niblunge sal. er twanc den portenære, daß er in sît gebant; diu mære wurden künde in al der Niblunge lant.

Dô hôrte daß strîten verre durch den berc A.462 Albrîch der küene, ein wildeß getwerc. Er wâfent sich balde und lief, dâ er dâ vant disen gast vil edele, dâ er den risen vaste gebant.

Albrîch was küene, dar zuo stark genuoc. A.463 helm unde ringe er an dem lîbe truoc und eine geisel swære von golde an sîner hant. dô lief er harte swinde, dâ er Sîvriden vant.

Siben knöphe swære hiengen vor dar an, A.464 dâ mit er umb die hende den schilt dem küenen man sluoc sô bitterlîchen, daß im des vil zebrast. des lîbes kom in sorge dô der wætlîche gast.

Den scherm er von der hende gar zebrochen swanc: A.465 dô stieß er in die scheide ein wâfen, daß was lanc. sînen kamerære wold er niht slahen tôt: er schônde sîner liute, als im tugent daß gebôt.

Mit starken sînen handen lief er Albrîchen an A.466 und vie bî dem barte den altgrîsen man: er zogte in ungevuoge, daß er vil lûte erschrê. zuht des jungen heldes diu tet Albrîche wê.