Part 4
Er neig ir minneclîchen, genâde er ir bôt. 292 si twanc gên ein ander der seneden minne nôt; mit lieben ougen blicken ein ander sâhen an der hêrre und ouch diu vrouwe: daß wart vil tougen getân.
Wart dâ vriuntlîche getriutet (ir vil) wîßiu hant 293 von herzen lieber minne, daß ist mir niht bekant. doch wil ich niht gelouben, daß eß wurde lân: zwei minne gerndiu herze heten anders missetân.
Bî der sumerzîte und gên des meijen tagen 294 dorft er niht mêre in sîme herze tragen sô vil hôher vreude, sô er dâ gewan, dô im diu gie an hende, die er ze trûte gerte hân.
Dô dâhte manec recke: ‚hei, wær mir sam geschehen, 295 daß ich ir gienge nebene, als ich in hân gesehen, oder bî ze ligene! daß ließe ich âne haß!‘ eß gediende noch nie recke nâch einer küneginne baß.
Von swelher künege lande die geste kômen dar, 296 die nâmen al gelîche niuwan ir zweier war. ir wart erloubet küssen den wætlîchen man: im wart ze dirre werlde nie sô liebe getân.
Der künec von Tenemarke sprach dô sâ zestunt: 297 ‚des vil hôhen gruoßes lît vil maneger wunt, des ich dâ wol enphinde, von Sîvrides hant: Got lâße in nimmer mêre ze Tenemarke in daß lant!‘
Man hieß dô allenthalben wîchen von den wegen 298 der schœnen Kriemhilde; manegen küenen degen sach man zühteclîche ze kirche mit ir gân. sît wart von ir gescheiden der vil wætlîche man.
Dô gie si zuo dem münster, ir volgete manec wîp. 299 dâ was ouch wol gezieret der küneginne lîp, daß dô hôher wünsche maneger wart verlorn. si was ze ougen weide manegem recken erkorn.
Vil kûme erbeite Sîvrit, daß man dâ gesanc. 300 er mohte sînen sælden immer sagen danc, daß im diu was sô wæge, die er in herzen truoc: ouch was er der schœnen holt von schulden genuoc.
Dô si kom ûz dem münster, als er hete ê getân, 301 man sach in vriuntlîche zuo Kriemhilde gân. alrêst begunde im danken diu minneclîche meit, daß er vor den recken sô rehte wîclîchen streit.
‚Nu lôn iu Got, er Sîvrit,‘ sprach daß schœne kint, 302 ‚daß ir daß habt verdienet, daß iu die recken sint sô holt in guoten triuwen, sô ich si hœre jehen.‘ do begunde er minneclîche an vroun Kriemhilde sehen.
‚Ich sol in immer dienen‘, sprach Sîvrit der degen, 303 ‚und enwil mîn houbet nimmer ê gelegen, ich enwerbe nâch ir willen, sol ich mîn leben hân. daß muoß iu sîn ze dienste, mîn vrou Kriemhilt, getân.‘
Inre tage zwelven, der tage al ieslîch, 304 sach man bî dem degene die maget lobelîch, sô si ze hove solde vor ir vriunden gân. der dienst wart dem recken durch grôße liebe getân.
Vreude unde wünne und michelen schal 305 sach man tegelîche vor Guntheres sal, dar ûße und ouch dar inne von manegem küenen man. Ortwîn und Hagene vil grôßer wunder began.
Swes iemen phlegen solde, des wâren si bereit 306 mit volleclîcher mâße, die helde vil gemeit. des wurden von den gesten die recken wol bekant; dâ von sô was gezieret alleß Guntheres lant.
Die ê dâ wunde lâgen, die sach man vüre gân: 307 si wolden kurzewîle mit dem gesinde hân, schirmen mit den schilden und schießen manegen schaft. des hulfen in genuoge; si heten michele kraft.
In der hôhzîte der wirt hieß ir phlegen 308 mit der besten spîse. er hete sich bewegen aller slahte schande, die ie künec gewan. man sach in vriuntlîche zuo den sînen gesten gân.
Er sprach: ‚ir guoten recken, ê daß ir scheidet hin, 309 sô nemet ir mîne gâbe: alsô stêt mîn sin, daß ichß immer diene; versmâhe iu niht mîn guot: daß wil ich mit iu teilen: des hân ich willigen muot.‘
Die von Tenemarken sprâchen sâ zehant: 310 ‚ê daß wir wider rîten heim in unser lant, wir gern stæter suone: des ist uns recken nôt: wir hân von iuwern degenen manegen lieben vriunt tôt.‘
Liudegast geheilet sîner wunden was: 311 der vogt von den Sahsen nâch strîte wol genas. etelîche tôten si ließen dâ ze lant. dô gie der künic Gunther, dâ er Sîvriden vant.
Er sprach zuo dem recken: ‚nu rât, wie ich tuo. 312 unser geste wellent rîten morgen vruo und gerent stæter suone an mich und mîne man: nu râtâ, degen küene, waß dich des dünke guot getân.
‚Waß mir die hêrren bieten, daß wil ich dir sagen: 313 swaß vünf hundert mære goldes mügen tragen, daß gebent si mir gerne, wil ich si ledic lân.‘ dô sprach Sîvrit: ‚daß wær übele getân.
‚Ir sult si ledeclîchen hinnen lâßen varn: 314 und daß die recken edele vürbaß bewarn vîentlîcheß rîten her in iuwer lant, des lât iu sicherheit geben beider hêrren hant.‘
‚Des râtes wil ich volgen.‘ dâ mite si giengen dan. 315 den sînen widerwinnen wart daß kunt getân, ir goldes gerte niemen, daß si dâ büten ê. dâ heime ir lieben vriunden was nâch den hermüeden wê.
Manegen schilt vollen man dar schatzes truoc; 316 er teilt es âne wâge den vriunden genuoc, bî vünf hundert marken und eteslîchen baß. Gêrnôt der vil küene der riet Gunthere daß.
Urloup si dô nâmen, alsô si wolden dan. 317 dô sach man die geste vür Kriemhilde gân und ouch, dâ vrou Uote diu küneginne saß. eß enwart nie degenen mêre geurloubet baß.
Herberge wurden lære, dô si dannen riten. 318 doch bestuont dâ heime mit hêrlîchen siten der künic mit den sînen und manec edel man: die sach man tegelîche vür vroun Kriemhilde gân.
Urloup nemen wolde ouch Sîvrit ein helt guot: 319 er wânde niht erwerben, des er hete muot. der künic sagen hôrte, daß er wolde dan: Gîselher der junge in von der reise gewan.
‚War woldet ir nu rîten, edel Sîvrit? 320 belîbet bî den recken, tuot, des ich iuch bit, bî Gunther dem künege und bî sînen man. hie sint vil schœne vrouwen, die man iuch sol sehen lân.‘
Dô sprach der starke Sîvrit: ‚sô lât diu ros stân. 321 ich wolde hinne rîten; des wil ich abe gân; und traget hin die schilde. jâ wolde ich in mîn lant: des hât mich her Gîselher mit grôßen triuwen erwant.‘
Sus beleip der küene durch vriunde liebe dâ. 322 jâ wær er in den landen niender anderswâ gewesen alse sanfte: dâ von daß geschach, daß er nu tegelîche die schœnen Kriemhilde sach.
Durch ir unmâßen schœne der hêrre dâ beleip. A.323 mit maneger kurzwîle man nu die zît vertreip; wan daß in twanc ir minne: diu gab im dicke nôt; dar umbe sît der küene lac vil jæmerlîchen tôt.
Âventiure
wie Gunther gên Isenlande nâch Prünhilt vuor.
Iteniuwiu mære sich huoben über Rîn: A.324 man seite, daß dâ wære manec magedîn. der dâhte im eine werben des künic Gunthers muot. daß dûhte sîne recken und die hêrren alle guot.
Eß was ein küneginne geseßßen über sê, IV.325 ir gelîche was deheiniu mê. si was unmâßen schœne, vil michel was ir kraft; si schôß mit snellen degenen umbe minne den schaft.
Den stein warf si verre, dar nâch si wîten spranc. 326 swer ir minne gerte, der muose âne wank driu spil an gewinnen der vrouwen wol geborn: gebrast im an eime, er het daß houbet verlorn.
Des het diu juncvrouwe unmâßen vil getân, A.327 do gevriesch eß bî dem Rîne ein rîter wol getân. der wande sîne sinne an daß schœne wîp; des muosen vil helde sît verliesen den lîp.
Dô si eines tages sâßen, der künec und sîne man, C. manegen ende si eß mâßen beidiu wider unde dan, welhe ir hêrre möhte zeinem wîbe nemen, diu im ze vrouwen töhte und ouch dem lande möhte zemen.
Dô sprach der vogt von Rîne: ‚ich wil an den sê 328 hin zuo Prünhilde, swie eß mir ergê. ich wil umbe ir minne wâgen den lîp: den wil ich verliesen, sine werde mîn wîp.‘
‚Daß wil ich widerrâten,‘ sprach dô Sîvrit. A.329 ‚jâ hât diu küneginne sô vreislîchen sit, swer ir minne wirbet, daß eß im hôhe stât. des muget ir der reise haben wærlîchen rât.‘
Dô sprach der künic Gunther: ‚nie geborn wart ein wîp C. sô stark und ouch sô küene, ine wolde wol ir lîp in strîte betwingen mit mîn selbes hant.‘ ‚swîget,‘ sprach dô Sîvrit, ‚iu ist ir ellen unbekant.
‚Und wæren iuwer viere, dine kunden niht genesen C. von ir vil grimmen zorne: ir lât den willen wesen, daß rât ich iu mit triuwen; welt ir niht ligen tôt, sone lât iuch nâch ir minne niht ze sêre wesen nôt.‘
‚Nu sî swie stark si welle, ine lâße der reise niht C. hin ze Prünhilde, swaß halt mir geschiht. durch ir unmâßen schœne muoß eß gewâget sîn: waß, ob mir Got gevüeget, daß si mir volget an den Rîn?‘
‚Sô wil ich iu daß râten,‘ sprach dô Hagene, A.330 ‚ir bitet Sîvride mit iu ze tragene die vil starken sorge: daß ist nu mîn rât, sît im daß ist sô kündec, wieß umbe Prünhilde stât.‘
Er sprach: ‚wiltu mir helfen, vil edel Sîvrit, 331 die minneclîchen werben? tuo, des ich dich bit. und wirt mir ze trûte daß hêrlîche wîp, ich wil durch dînen willen wâgen êre unde lîp.‘
Des antwurte Sîvrit, Sigmundes sun: 332 ‚gîstu mir dîn swester, sô wil ich eß tuon, die schœnen Kriemhilde, ein küneginne hêr: sô gere ich niht lônes nâch mînen arbeiten mêr.‘
‚Daß lobe ich,‘ sprach Gunther, ‚Sîvrit, an dîne hant. 333 und kumet diu schœne Prünhilt her in ditze lant, sô wil ich dir ze wîbe mîne swester geben: sô mahtu mit ir immer vrœlîchen leben.‘
Des swuoren si dô eide, die recken vil hêr. 334 des wart ir arbeite verre dester mêr, ê si die wolgetânen brâhten an den Rîn: des muosen die küenen sît in grôßen nœten sîn.
Von wilden getwergen hân ich gehœret sagen, C. si sîn in holen bergen und (daß si) ze scherme tragen eineß, heißet tarnkappen, von wunderlîcher art: swerß hât an sîme lîbe, der sol vil gar wol sîn bewart
Vor slegen und vor stichen; in müge ouch niemen sehen, C. swenne er sî dar inne; beide hœren unde spehen mag er nâch sînem willen, daß in doch niemen siht; er sî ouch verre sterker, als uns diu âventiure giht.
Sîvrit muose vüeren die kappen mit im dan, 335 die der helt küene mit sorge gewan ab eime getwerge, daß hieß Albrîch. sich garten zuo der verte die recken küene unde rîch.
Alsô der starke Sîvrit die tarnkappen truoc, A.336 sô hete er dar inne krefte genuoc, zwelf manne sterke, als uns ist geseit. er gewan mit grôßen listen die vil hêrlîchen meit.
Ouch was diu tarnhût alsô getân, A.337 daß dar inne worhte ein ieslîcher man, swaß er selbe wolde, daß in niemen sach. dâ mit gewan er Prünhilt; dâ von im leide geschach.
‚Du solt mir sagen, Sîvrit, ê unser vart ergê, A.338 wie wir mit vollen êren komen an den sê? suln wir rîter vüeren in Prünhilde lant? drîßec tûsent degene, die werdent schiere besant.‘
‚Swie vil wir volkes vüeren,‘ sprach aber Sîvrit, B. ‚eß phligt diu küneginne sô vreislîcher sit, die müesen doch ersterben von ir übermuot. ich wil iuch baß bewîsen, degen küene unde guot.
‚Wir suln in recken wîse varn ze tal den Rîn. B. die wil ich iu nennen, die daß sulen sîn: zuo uns zwein noch zwêne unde niemen mê; so erwerben wir die vrouwen, swie eß uns dar nâch ergê.
‚Der gesellen bin ich einer, der ander soltu wesen, A.339 der drite daß sî Hagene: wir suln wol genesen; der vierte daß sî Dancwart, der vil küene man. uns geturren ander tûsent mit strîte nimmer bestân.‘
‚Diu mære wesse ich gerne,‘ sprach der künic dô, A.340 ‚ê wir hinnen vüeren, des wære ich harte vrô, waß wir kleider solden vor Prünhilde tragen, diu uns dâ wol zæmen: Sîvrit, daß soltu mir sagen.‘
‚Wât die aller beste, die man ie bevant, A.341 treit man zallen zîten in Prünhilde lant: des suln wir rîche kleider vor der vrouwen tragen, daß wirs iht haben schande, sô man diu mære hœre sagen.‘
Dô sprach der degen guoter: ‚sô wil ich selbe gân B. ze mîner lieben muoter, ob ich erwerben kan, daß uns ir schœnen meide helfen brüeven kleit, diu wir tragen mit êren vür die hêrlîchen meit.‘
Dô sprach von Troneje Hagene mit hêrlîchen siten: B. ‚zwiu welt ir iuwer muoter sölher dienste biten? lât iuwer swester hœren, wes ir habet muot: si ist sô kunstrîche, daß diu kleider werdent guot.‘
Do enbôt er sîner swester, daß er se wolde sehen A.342 und ouch der degen Sîvrit. ê daß was geschehen, dô hete sich diu schœne ze lobe wol gekleit. daß die hêrren kômen, daß was ir mæßlîchen leit.
Nu was ouch ir gesinde geziert, als im gezam. A.343 die vürsten kômen beide: dô si daß vernam, dô stuont si von dem sedele: mit zühten si dô gie, dâ si den gast vil edele und ouch ir bruoder enphie.
‚Sî willekomen, mîn bruoder und der geselle sîn. A.344 diu mære ich weste gerne,‘ sprach daß meidîn, ‚waß ir hêrren woldet, sît ir ze hove gât. lât ir mich hœren, wieß iu edelen recken stât.‘
Dô sprach der künic Gunther: ‚vrouwe, ich wilß iu sagen. A.345 wir müeßen michel sorge bî hôhme muote tragen; wir wellen hübschen rîten verre in vremdiu lant: wir solden zuo der reise haben zierlîch gewant.‘
‚Nu sitzet, lieber bruoder,‘ sprach daß küneges kint. A.346 ‚lât mich rehte hœren, wer die vrouwen sint, der ir gert ze minne in ander künege lant.‘ die ûßerwelten beide nam diu vrouwe bî der hant.
Si gie mit den degenen, dâ si ê dâ saß A.347 ûf matraze rîche, ich wil wißßen daß, geworht mit guoten bilden, mit golde wol erhaben. si mohten bî der vrouwen guote kurzwîle haben.
Vriuntlîche blicke und güetlîchen sehen, A.348 daß mohte von in beiden harte vil geschehen. er truoc si in dem herzen, si was im sô der lîp. er erwarp mit starkem dienste, daß si sider wart sîn wîp.
Dô sprach der künic rîche: ‚vil liebiu swester mîn, B. âne dîne helfe kunde eß niht gesîn. wir wellen kurzwîlen in Prünhilde lant: da bedorften wir ze tragene vor vrouwen hêrlîch gewant.‘
Dô sprach diu küneginne: ‚vil lieber bruoder mîn, B. swaß der mînen helfe dar an kan gesîn, des bringe ich iuch wol innen, daß ich iu bin bereit. versagt iu ander iemen, daß wære Kriemhilde leit.
‚Ir sult mich, rîter edele, niht sorgende biten, B. ir sult mir gebieten mit hêrlîchen siten: swaß iu von mir gevalle, des bin ich iu bereit und tuon eß willeclîche,‘ sprach diu wünneclîchiu meit.
‚Wir wellen, liebiu swester, tragen guot gewant. B. daß sol helfen brüeven iuwer wîßiu hant; des vlîßen sich iur megede, daß eß uns rehte stât, wande wir der verte hân deheiner slahte rât.‘
Dô sprach diu juncvrouwe: ‚nu merket, waß ich sage. A.349 wir hân selbe sîden; nu schaffet, daß man trage gestein uns ûf den schilden, sô würken wir diu kleit, daß ir si tragt mit êren vür die hêrlîchen meit.‘
‚Wer sint die gesellen,‘ sprach diu künegîn, A.350 ‚die mit iu gekleidet ze hove sulen sîn?‘ er sprach: ‚ich selbe vierde. zwêne mîne man, Dancwart und Hagene, ze hove sulen mit mir gân.
‚Nu merket, liebiu swester, rehte, waß wir sagen: A.351 daß wir vier gesellen ze vier tagen tragen ie drîer hande kleider und alsô guot gewant, daß wir âne schande rûmen Prünhilde lant!‘
Daß lobte si den recken; die hêrren schieden dan. A.352 dô hieß ir juncvrouwen drîßec meide gân ûß ir kemenâten Kriemhilt diu künegîn, die zuo solhem werke heten grœßlîchen sin.
Die Arâbischen sîden wîß alsô der snê A.353 unde von Zazamanc der grüenen sô der klê, dar în si leiten steine: des wurden guotiu kleit; selbe sneit si Kriemhilt, diu vil hêrlîche meit.
Von vremder vische hiuten bezoc wolgetân, A.354 ze sehene vremd den liuten, swaß man der gewan, die dacten si mit sîden; golt dar în getragen: man mohte michel wunder von der liehten wæte sagen.
Von Marroch dem lande und ouch von Libîân A.355 die aller besten sîden, die ie mêr gewan deheines küneges künne, der heten si genuoc. wol lie daß schînen Kriemhilt, daß si in holden willen truoc.
Sît sis zer hovereise heten sô gegert, 356 hermîne vedere dûhten si unwert; phelle dar ûfe lâgen swarz alsam ein kol, daß noch snellen degenen stüende in hôhzîten wol.
Ûß Arâbischem golde vil gesteines schein; A.357 der vrouwen unmuoße was niht ze klein. inre siben wochen bereiten si diu cleit; dô was ouch gewæfen den guoten recken bereit.
Dô si bereit wâren, dô was in ûf dem Rîn A.358 gemachet vlîßeclîchen ein starkeß schiflîn, daß si tragen solde nider an den sê. den edelen juncvrouwen was von arbeiten wê.
Dô sagte man den recken, in wæren nu bereit, B. diu si dâ vüeren solden, ir zierlîchen kleit. alsô si dâ gerten, daß was nu getân: done wolden si niht langer bî dem Rîne bestân.
Nâch den hergesellen wart bote sâ gesant, A.359 ob si wolden schouwen niuweß ir gewant, ob eß den helden wære ze kurz oder ze lanc. eß was in rehter mâße: des seiten si den vrouwen danc.
Vür alle die si kômen, die muosen in des jehen, B. daß si zer werlde hêten beßßers niht gesehen. des möhten si se gerne dâ ze hove tragen: von beßßerr recken wæte kunde niemen niht gesagen.
Vil michel danken wart dâ niht verdeit. A.360 dô gerten urloubes die recken vil gemeit; in rîterlîchen zühten die hêrren tâten daß. des wurden liehtiu ougen von weinen trüebe unde naß.
Si sprach: ‚vil lieber bruoder, ir möhtet noch bestân A.361 und wurbet ander vrouwen: daß hieße ich wol getân; und dâ iu niht enstünde en wâge sô der lîp. ir muget hie nâhen vinden ein als hôch geboren wîp.‘
Ich wæne, in sagt daß herze, daß in dâ von geschach. A.362 si weinten al gelîche, swaß ieman gesprach. ir golt in vor den brüsten wart vor trähen sal: die vielen in genôte von den ougen ze tal.
Si sprach: ‚hêrre Sîvrit, lât iu bevolhen sîn A.363 ûf triuwe und ûf genâde den lieben bruoder mîn, daß im iht werre in Prünhilde lant.‘ daß lobte ir der küene mit guotem willen an die hant.
Dô sprach der degen rîche: ‚ob mir mîn lîp bestât, A.364 sô sult ir aller sorge, vrouwe, haben rât: ich bringen iu gesunden her wider an den Rîn. daß habt ûf mîme lîbe.‘ im neic daß schœne magedîn.
Ir goltvarwen schilde man truoc in ûf den sant 365 und brâht in zuo dem schiffe alleß ir gewant. ir ros hieß man in ziehen: si wolden varn dan. dô wart von schœnen vrouwen vil michel weinen getân.
Dô stuonden in diu venster diu minneclîchen kint. 366 ir schif mit dem segele ruorte ein hôher wint. die stolzen hergesellen sâßen ûf den Rîn; dô sprach der künic Gunther: ‚wer sol nu schifmeister sîn?‘
‚Daß wil ich,‘ sprach Sîvrit: ‚ich kan iuch ûf der vluot A.367 hinnen wol gevüeren, daß wißßet, helde guot; die rehten waßßerstrâße sint mir wol bekant.‘ mit vreuden si dô schieden ûß der Burgunden lant.
Sîvrit dô balde ein schalten gewan, 368 von stade er schieben vaste began. Gunther der küene ein ruoder selbe nam. dô huoben sich von lande die snellen rîter lobesam.
Si vuorten rîche spîse, dar zuo guoten wîn, 369 den besten, den man kunde vinden umben Rîn. ir ros stuonden ebene, si heten guot gemach. ir schif gienc ouch ebene: lützel leides in geschach.
Ir (vil) starken segelseil wurden in gestraht: A.370 si vuoren zweinzec mîle, end eß wurde naht, mit eime guoten winde nider gein dem sê; ir starkes arbeiten tet sît schœnen vrouwen wê.
An dem zwelften morgen, sô wir hœren sagen, 371 heten si die winde verre dan getragen gegen Isensteine in Prünhilde lant; daß was niemen mêre wane Sîvride bekant.
Dô der künic Gunther sô vil der bürge sach A.372 und ouch der wîten marke, wie balde er dô sprach: ‚saget mir, vriunt, hêr Sîvrit, ist iu daß bekant? wes sint dise bürge und ouch daß hêrlîche lant?
‚Ine hân bî mînen zîten, ine wolde lüge jehen, C. sô wol erbouwen bürge mêre nie gesehen in deheinem einlande, als ir hie vor uns stât: er mac wol wesen rîche, der si hie gebouwen hât.‘
Des antwurte Sîvrit: ‚eß ist mir wol bekant: A.373 eß ist Prünhilde, bürge unde lant und Isenstein diu veste, als ir mich hœret jehen. dâ muget ir noch hiute vil schœner vrouwen gesehen.
‚Ich wil iu helden râten, ir habet einen muot, A.374 ir jehet al gelîche: jâ dunket eß mich guot. swenne wir noch hiute vür Prünhilde gân, sô müeßen wir mit sorgen vor der küneginne stân.
‚Sô wir die minneclîchen bî ir gesinde sehen, A.375 sô sult ir helde mære wan einer rede jehen: Gunther sî mîn hêrre unde ich sîn man; des er hât gedingen, daß wirt alleß getân.‘
Des wâren si bereite, des er si loben hieß: A.376 durch ir übermüete deheiner eß niht ließ. si jâhen, swes er wolde; dâ von in wol geschach, dô der künic Gunther die schönen Prünhilde sach.
‚Jane lobe ichß niht sô verre durch die liebe dîn, B. sô durch dîne swester, daß schœne magedîn. diu ist mir sam mîn sêle und sô mîn selbes lîp; ich wil daß gerne dienen, daß si werde mîn wîp.‘
Âventiure
wie Gunther Prünhilde gewan.
In der selben zîte dô was ir schif gegân A.377 der burc alsô nâhen: dô sach der künic stân oben in den venstern manec schœne meit. daß er si niht erkande, daß was im wærlîche leit.
Er vrâgte Sîvriden, den gesellen sîn: A.378 ‚ist iu iht daß künde umb disiu magedîn, die dort nider schouwent gên uns ûf die vluot? swie ir hêrre geheiße, si sint vil hôhe gemuot.‘
Dô sprach der küene Sîvrit: ‚nu sult ir tougen spehen A.379 under den juncvrouwen und sult mir danne jehen, welhe ir nemen woldet, hetet irs gewalt.‘ ‚daß tuon ich,‘ sprach Gunther, ein rîter küene unde balt.
‚Sô sihe ich ir eine in jenem venster stân A.380 in snêwîßer wæte: diu ist sô wol getân: die welent mîniu ougen durch ir schœnen lîp: ob ich gewalt des hête, si müese werden mîn wîp.‘