Der Nibelunge liet

Part 3

Chapter 33,686 wordsPublic domain

Ouch sluog im hêr Liudegast vil manegen grimmen slac; 186 ir ieweders ellen ûf schilden vaste lac. dô heten dar gehüetet wol drîßec sîner man: ê im der helfe kœme, den sic doch Sîvrit gewan

Mit drin starken wunden, die er dem künege sluoc A.187 durch eine wîße brünne, diu was guot genuoc. daß swert an sînen ecken brâht ûß wunden bluot. des gewan der künic Liudegast einen trûregen muot.

Er bat sich leben lâßen und bôt im sîniu lant 188 und sagte im, daß er wære Liudegast genant. dô kômen sîne recken: die heten wol gesehen, waß dâ von in beiden ûf der warte was geschehen.

Er wolt in vüeren dannen: dô wart er an gerant A.189 von drîßec sînen mannen: dô werte des heldes hant sînen rîchen gîsel mit ungevüegen slegen. sît tet schaden mêre der vil zierlîche degen.

Die drîßec er ze tôde werlîche sluoc. 190 er ließ ir leben einen: balde er reit genuoc und sagte hin diu mære, waß hie was geschehen; ouch mohte mans die wârheit an sîme rôten helmen sehen.

Den von Tenemarke was vil grimme leit, 191 ir hêrre was gevangen, dô in daß was geseit. man sagte eß sînem bruoder: toben er began von ungevüegem zorne, wan im was leide getân.

Liudegast der rîche was gevüeret dan A.192 von Sîvrides gewalte zuo Guntheres man. er bevalch in Hagenen: der küene recke guot, dô er vernam diu mære, dô wart er vrœlîch gemuot.

Man hieß den Burgunden ir vanen binden an. 193 ‚wol ûf,‘ sprach Sîvrit, ‚hie wirt noch mê getân, ê sich der tac verende, sol ich haben den lîp: daß gemüet in Sahsen lande vil manec wætlîcheß wîp.

‚Ir helde von dem Rîne, ir sult mîn nemen war: 194 ich kan iuch wol geleiten in Liudgêres schar. sô sehet ir helme houwen von guoter helde hant. ê daß wir wider wenden, in wirdet sorge bekant.‘

Zen rossen gâhte Gêrnôt und die sîne man. A.195 den vanen zucte balde der küene spilman, Volkêr der hêrre: dô reit er vor der schar. dô was ouch daß gesinde ze strîte êrlîchen gar.

Si vuorten doch niht mêre niuwan tûsent man, 196 dar über zwelf recken. stieben dô began diu molte von den strâßen: si riten über lant. dô sach man von in schînen vil manegen hêrlîchen rant.

Dô wâren ouch die Sahsen mit ir scharn komen, A.197 mit swerten wole wahsen, daß hân ich sît vernomen. diu swert diu sniten sêre den helden an der hant: dô wolten si den gesten weren bürge unde lant.

Der hêrren scharmeister daß volc dô vuorten dan. 198 dô was ouch komen Sîvrit mit den zwelef man, die er mit im brâhte ûßer Niderlant. des tages wart in sturme vil manec bluotegiu hant.

Sindolt und Hûnolt und ouch Gêrnôt A.199 die vrumten in dem strîte vil manegen helt tôt, ê si rehte ervunden, wie küene was ir lîp: daß muose sît beweinen vil manec wætlîcheß wîp.

Volkêr und Hagene und ouch Ortwîn A.200 laschten in dem strîte vil maneges helmes schîn mit vlißendem bluote, die sturmküene man. dô wart von Dancwarten vil michel wunder getân.

Die von Tenemarke versuohten wol ir hant; 201 dô hôrte man von hurte erdießen manegen rant und ouch von scharphen swerten, der man dâ vil gesluoc. die strîtküenen Sahsen tâten schaden ouch genuoc.

Dô die von Burgunden drungen in den strît, 202 von in wart erhouwen vil manec wunde wît: dô sach man über satele vließen daß bluot; sus wurben nâch den êren die rîter küene unde guot.

Man hôrt dâ lût erhellen den helden an der hant 203 diu vil scharphen wâsen, dô die von Niderlant drungen nâch ir hêrren in die herten schar; si kômen degenlîche mit samt Sîvride dar.

Volgen der von Rîne niemen man im sach. 204 man mohte kiesen vließen den bluotegen bach durch die liehten helme von Sîvrides hant, end er Liudgêren vor sînen hergesellen vant.

Drî widerkêre het er nu genomen A.205 durch daß her anß ende. nu was ouch Hagene komen: der half im wol ervollen in sturme sînen muot. des muose dâ ersterben vor in vil manec rîter guot.

Dô der starke Liudegêr Sîvriden vant, 206 und daß er alse hôhe truoc an sîner hant den guoten Balmungen und ir sô manegen sluoc, dar umbe wart der küene vor leide zornec genuoc.

Dô wart michel dringen und grôßer swerte klanc, 207 dâ ir ingesinde zuo ein ander dranc. do versuohten sich die recken beide deste baß. die schar begunden wîchen; sich huob dâ grœßlîcher haß.

Dem vogte von den Sahsen was daß wol geseit, A.208 sîn bruoder was gevangen: daß was im harte leit; niht wesser, daß eß tæte daß Siglinde kint. man zêch es Gêrnôten: wol ervant er eß sint.

Die slege Liudgêres die wâren alsô starc, 209 daß Sîvride under satele strûhte daß marc; doch sich daß ros erholte: der küene Sîvrit der gewan in dem sturme einen vreislîchen sit.

Des half im Hagene und ouch Gêrnôt, A.210 Dancwart und Volkêr: des lac ir vil dâ tôt. Sindolt und Hûnolt und Ortwîn der degen die kunden in dem strîte zem tôde manegen nider legen.

In sturme ungescheiden wârn die vürsten hêr. A.211 dô sach man über helme vliegen manegen gêr durch die liehten schilde von der helde hant; man sach dâ var nâch bluote vil manegen hêrlîchen rant.

In dem starken sturme erbeißte manec man A.212 nider von den rossen. ein ander liefens an Sîvrit der küene und ouch Liudgêr; man sach dâ schefte vliegen und vil manegen scharphen gêr.

Dô vlouc daß schiltgespenge von Sîvrides hant. A.213 den sic gedâhte erwerben der helt von Niderlant an den küenen Sahsen; die dolten ungemach. hei, waß dâ liehter ringe der küene Dancwart zebrach!

Dô het der hêrre Liudegêr ûf eime schilte erkant 214 gemâlet eine krône vor Sîvrides hant: wol wesser, daß eß wære der kreftige man. der helt zuo sînen vriunden lûte ruofen began:

‚Geloubet iuch des strîtes, alle mîne man. 215 sun den Sigmundes ich hie gesehen hân, Sîvriden den starken hân ich hie bekant. in hât der übel tiuvel ze den Sahsen gesant.‘

Die vanen hieß er lâßen in dem sturme nider. 216 vrides er dô gerte; des werte man in sider; doch muos er werden gîsel in Guntheres lant: daß hete an im ertwungen diu küene Sîvrides hant.

Mit gemeinem râte sô ließen si den strît. 217 dürkel vil der helme und der schilte wît si leiten von den handen: swaß sô man der vant, die truogen bluotes varwe von der Burgunden hant.

Si viengen, swen si wolden: des heten si gewalt. A.218 Gêrnôt und Hagene, die recken vil balt, die wunden hießen bâren: si vuorten mit in dan gevangen zuo dem Rîne fünf hundert wætlîcher man.

Die siglôsen recken ze Tenemarken riten. 219 done heten ouch die Sahsen sô hôhe niht gestriten, daß man in lobes jæhe: daß was den helden leit. dô wurden ouch die veigen von vriunden sêre gekleit.

Si hießen ir gewæfen soumen an den Rîn. 220 eß hete wol geworben mit den helden sîn Sîvrit der starke der hete eß guot getân, des im jehen muosen alle Guntheres man.

Gegen Wormeß sande der hêrre Gêrnôt: A.221 heim ze sînem lande den vriunden er enbôt, wie gelungen wære im und sînen man: eß heten die vil küenen wol nâch êren getân.

Die garzûne liefen, von den wart eß geseit. 222 dâ vreuten sich von liebe, die ê heten leit, dirre lieben mære, diu in dâ wâren komen. dâ wart von edelen vrouwen michel vrâgen vernomen,

Wie gelungen wære des rîchen küneges man. A.223 man hieß der boten einen vür Kriemhilde gân. daß geschach vil tougen, jan torstes überlût: wan si hete dar under ein vil liebeß herzen trût.

Dô si den boten komende zir kemenâte sach, 224 Kriemhilt diu schœne vil güetlîchen sprach: ‚nu sag an liebiu mære: jâ gib ich dir mîn golt; tuostuß âne triegen, ich wil dir immer wesen holt.

‚Wie schiet ûß dem strîte mîn bruoder Gêrnôt A.225 und ander mîne vriunde? ist uns iht maneger tôt? oder wer tet daß beste? daß soltu mir sagen.‘ dô sprach der bote biderbe: ‚wir heten ninder einen zagen.

‚Ze vorderst in dem strîte reit niemen alsô wol, 226 vil edeliu küneginne, sît ich iuß sagen sol, sô der gast vil edele ûßer Niderlant: dâ worhte michel wunder des küenen Sîvrides hant.

‚Swaß die recken alle in strîte hân getân, A.227 Dancwart und Hagene und ander sküneges man, swaß iemen streit nâch êren, daß was gar ein wint wan aleine Sîvrit, des künic Sigmundes kint.

‚Si vrumten in dem sturme der helde vil derslagen: A.228 doch möhte iu ditze wunder niemen vol gesagen, was dâ worhte Sîvrit, swenne er ze strîte reit. den vrouwen an ir mâgen tet er diu grœßlîchen leit.

‚Ouch muoste dâ belîben vil maneger vrouwen trût. 229 sîne slege man hôrte ûf helmen alsô lût, daß si von wunden brâhten daß vließende bluot: er ist an allen tugenden ein rîter küene unde guot.

‚Dô hêt ouch vil begangen von Metzen Ortwîn: A.230 swaß er ir mohte erlangen mit dem swerte sîn, die muosen wunt belîben oder meistec tôt. dâ tet iuwer bruoder die aller grœßisten nôt,

‚Diu immer in den stürmen kunde sîn geschehen: A.231 man muoß der wârheite dem ûß derwelten jehen. die stolzen Burgunden habent sô gevarn, daß si vor allen schanden ir êre kunden bewarn.

‚Man sach dâ von ir handen vil manegen satel blôß, A.232 dâ von liehten swerten daß velt sô lûte erdôß. die recken von dem Rîne die habent sô geriten, daß eß ir vîenden wære beßßer vermiten.

‚Die küenen Tronejære die vrumten grôßiu leit, A.233 dô mit volkes kreften daß her ze samne reit. dâ vrumte manegen tôten des küenen Hagnen hant, des vil ze sagene wære her in Burgunden lant.

‚Sindolt und Hûnolt, die Gêrnôtes man, A.234 und Rûmolt der küene die hânt sô vil getân, daß eß Liudgêre mag immer wesen leit, daß er den mînen hêrren het ze Rîne widerseit.

‚Strît den aller hœhsten, der inder dâ geschach 235 ze jungest und zem êrsten, den iemen dâ gesach, den tet vil degenlîchen diu Sîvrides hant. er bringet rîche gîsele her in Guntheres lant.

‚Die twanc mit sînen ellen der wætlîche man; 236 des ouch der künic Liudegast muoß den schaden hân und ouch von Sahsen landen sîn bruoder Liudgêr. nu hœret mîniu mære, edel küneginne hêr.

‚Si hât gevangen beide diu Sîvrides hant. 237 nie sô manegen gîsel man brâhte in ditze lant, sô von sînen schulden nu kumt an den Rîn.‘ ir enkunden disiu mære nimmer lieber gesîn.

‚Man bringet der gesunden fünf hundert oder baß A.238 und der verchwunden, wißßet, vrouwe, daß, wol ahzec rôte bâre her in unser lant, die meistec hat verhouwen des küenen Sîvrides hant.

‚Die durch übermüete widerseiten an den Rîn, A.239 die müeßen nu gevangen die Guntheres sîn. die bringet man mit vreuden her in ditze lant.‘ do erblüete ir liehte varwe, dô si diu mære rehte ervant.

Ir schœneß antlütze daß wart rôsenrôt, A.240 dô mit lîbe was gescheiden ûß sô grôßer nôt Sîvrit der junge, der wætlîche man. si vreute ouch sich ir vriunde: daß was von schulden getân.

Dô sprach diu minneclîche: ‚du hâst mir wol geseit. 241 du solt hân dar umbe ze miete rîchiu kleit, und zehen marc von golde die heiß ich dir tragen.‘ des mac man solhiu mære rîchen vrouwen gerne sagen.

Man gab im sîne miete, daß golt und ouch diu kleit. 242 dô gie an diu venster vil manec schœniu meit: si warten ûf die strâße: rîten man dô vant vil der hôch gemuoten in der Burgunden lant.

Dâ kômen die gesunden, die wunden tâten sam; 243 si mohten grüeßen hœren von vriunden âne scham. der wirt gên sînen gesten vil vrœlîchen reit: mit vreuden was verendet sîn vil grœßlîcheß leit.

Do enphie er wol die sîne, die vremden tet er sam, 244 wan dem rîchen künege anders niht enzam wan danken güetlîche den, die im wâren komen, daß si den sic nâch êren in sturme hêten genomen.

Gunther bat im mære von sînen vriunden sagen, 245 wer im an der reise ze tôde wær erslagen: dô het er vlorn niemen niuwan sehzec man. verklagen man die muose, sô sît vil helde sint getân.

Die gesunden brâhten zerhouwen manegen rant 246 und helme vil verschrôten in Guntheres lant. daß volk erbeißte nidere vür des küneges sal; ze liebem antphange man hôrte vrœlîchen schal.

Dô hieß man herbergen die recken in die stat. 247 der künic sîner geste vil schône phlegen bat; er hieß der wunden hüeten und schaffen guot gemach. wol man sîne tugende an sînen vîenden sach.

Er sprach zuo Liudegêre: ‚nu sît mir willekomen! 248 ich hân von iuwern schulden schaden vil genomen: der wirt mir nu gebüeßet, ob ich gelücke hân. Got lône mînen vriunden: si hânt mir liebe getân.‘

‚Ir muget in gerne danken,‘ sprach dô Liudgêr, 249 alsô hôher gîsel gewan nie künic mêr. umbe schœne huote wir bieten michel guot, daß ir genædeclîche an mir und mînen vriunden tuot.‘

‚Ich wil iuch beide lâßen,‘ sprach er, ‚ledec gên; 250 daß mîne vîende hie bî mir bestên, des wil ich haben bürgen, daß si mîniu lant iht rûmen âne hulde.‘ des sichert dô ir beider hant.

Man brâhte si ze ruowe und schuof in ir gemach. A.251 den wunden man gebettet vil güetlîchen sach; man schancte den gesunden met und guoten wîn: dô kunde daß gesinde nimmer vrœlîcher sîn.

Ir zerhouwen schilde man behalten truoc. A.252 vil bluoteger setele, der was dâ genuoc: die hieß man verbergen, daß weinten niht diu wîp. dâ kom vil hermüede maneges guoten rîters lîp.

Der künec phlac sîner geste vil grœßlîche wol. A.253 der vremden und der kunden diu lant wâren vol. er bat der sêre wunden vil güetlîchen phlegen. dô was ir übermüeten vil harte ringe gelegen.

Die erzenîe kunden, den bôt man rîchen solt, A.254 silber âne wâge, dar zuo daß liehte golt, daß si die helde nerten nâch des strîtes nôt; dar zuo der künec den gesten gâbe grœßlîchen bôt.

Die wider heim ze hûse heten reise muot, A.255 die bat man noch belîben, sô man vriunden tuot. der künic gie ze râte, wie er lônde sînen man: si heten sînen willen nâch grôßen êren getân.

Dô sprach der hêrre Gêrnôt: ‚man sol si rîten lân: A.256 über sehs wochen sî in daß kunt getân, daß si kumen widere zeiner hôhgezît; so ist maneger geheilet, der nu vil sêre wunder lît.‘

Dô gerte ouch urloubes Sîvrit von Niderlant. 257 dô der künic Gunther den willen sîn ervant, er bat in minneclîchen noch bî im bestân. niuwan durch sîn swester, sône wæreß niht getân.

Dar zuo was er ze rîche, daß er iht næme solt; 258 er heteß wol verdienet. der künic was im holt; sam wâren sîne mâgen, die heten daß gesehen, waß von sînen handen in dem strîte was geschehen.

Durch der schœnen willen gedâhte er noch bestân, 259 ob er si sehen möhte. sît wart eß getân: wol nâch sînem willen wart im diu maget bekant. sît reit er vrœlîche heim in sînes vater lant.

Der wirt hieß zallen zîten rîterschefte phlegen: A.260 daß tet vil willeclîchen dô manec junger degen. die wîle hieß er sidelen vor Wormeß an den sant den, die im komen solden in der Burgunden lant.

In den selben zîten, dô si nu solden komen, A.261 dô hete diu schœne Kriemhilt diu mære wol vernomen, er wolde hôhgezîte durch liebe vriunde hân. dô wart vil michel vlîßen von schœnen vrouwen getân

Mit wæte und mit gebende, daß si dâ solten tragen. A.262 Uote diu vil rîche diu mære hôrte sagen von den stolzen recken, die dâ solden komen: dô wart ûß der valde vil rîcher kleider genomen.

Durch ir kinde liebe hieß si bereiten kleit; A.263 dâ mite wart gezieret vil vroun und manec meit und vil der jungen recken ûß Burgunden lant. si hieß ouch vil der vremden brüeven hêrlîch gewant.

Âventiure

wie Sîvrit Kriemhilt êrste gesach.

Man sach si tegelîchen nu rîten an den Rîn, III.264 die zer hôhgezîte gerne wolden sîn. die durch der künege liebe kômen in daß lant, den bôt man sumelîchen beidiu ros und gewant.

In was ir gesidele allen wol bereit, 265 den hôhsten und den besten, als uns daß ist geseit, zwein und drîßec vürsten, dâ zer hôhgezît: dâ zierten sich engegene alle vrouwen wider strît.

Eß was dâ vil unmüeßec Gîselher daß kint. 266 die geste mit den kunden vil güetlîchen sint die enphieng er und Gêrnôt und ouch ir beider man: jâ gruoßten si die degene, als eß nâch êren was getân.

Vil goltrôter setele si vuorten in daß lant, 267 zierlîche schilde und êrlîch gewant brâhten si ze Rîne zuo der hôhgezît. manegen ungesunden sach man vrœlîchen sît.

Die in den betten lâgen und heten wunden nôt, 268 die muosen des vergeßßen, wie herte was der tôt. die siechen ungesunden muosen si verklagen: si vreuten sich der mære gên der hôhgezîte tagen,

Wie si leben wolden dâ ze der wirtschaft. A.269 wünne âne mâße, mit vreuden überkraft heten al die liute, swaß man ir dâ vant: des huop sich michel wünne über al daß Guntheres lant.

An einem phingestmorgen sach man vür gân 270 gekleidet wünneclîche vil manegen küenen man, fünf tûsent oder mêre, dâ zer hôhgezît. sich huob diu kurzewîle an manegen enden wider strît.

Der wirt der hete die sinne, im was daß wol erkant, 271 wie rehte herzenlîche der helt von Niderlant sîne swester trûte, die er noch nie gesach, der man sô grôßer schœne vor allen juncvrouwen jach.

Er sprach: ‚nu râtet alle, mâge und mîne man, C. wie wir die hôhgezîte sô lobelîche hân, daß man uns drumbe iht schelte her nâch dirre zît; ein ieslîch lop vil stæte ze jungest an den werken lît.‘

Dô sprach zuo dem künege der degen Ortwîn: 272 ‚welt ir mit vollen êren ze der hôhzîte sîn, sô sult ir lâßen schouwen diu wünneclîchen kint, die mit sô grôßen êren hie zen Burgunden sint.

‚Waß wære mannes wünne, wes vreute sich sîn lîp, 273 eß entæten schœne meide und hêrlîchiu wîp? lâßet iuwer swester vür iuwer geste gân!‘ der rât was ze liebe manegem helde getân.

‚Des wil ich gerne volgen,‘ sprach der künic dô. 274 alle, dieß ervunden, wârens harte vrô. ernbôt eß vroun Uoten und ir tohter wolgetân, daß si mit ir megeden hin ze hove solde gân.

Dô wart ûß den schrînen gesuochet guot gewant, 275 swaß man in der valde der guoten wæte vant, die bouge mit den borten; des was in vil bereit. sich zierte minneclîche vil manec wætlîchiu meit.

Vil manec recke tumber des tages hete muot, 276 daß er an ze sehene den vrouwen wære guot, daß er dâ vür niht næme eins rîchen küneges lant. si sâhen die vil gerne, die si heten nie bekant.

Dô hieß der künic rîche mit sîner swester gân, 277 die ir dienen solden, hundert sîner man, ir und sîner muoter: die truogen swert enhant. daß was daß hofgesinde in der Burgunden lant.

Uoten die vil rîchen sach man mit ir komen. 278 diu hete schœner vrouwen geselleclîch genomen hundert oder mêre: die truogen rîchiu kleit. ouch gie dâ nâch ir tohter vil manec wætlîchiu meit.

Von einer kemenâten sach man si alle gân: 279 dô wart vil michel dringen von helden dar getân, die des gedinge hêten, ob kunde daß geschehen, daß si die maget edele solden vrœlîche sehen.

Nu gie diu minneclîche, alsô der morgen rôt 280 tuot ûß trüeben wolken. dô schiet von maneger nôt, der si da truoc in herzen und lange hete getân. er sach die minneclîchen nu vil hêrlîchen stân.

Jâ lûhte ir von ir wæte vil manec edel stein: 281 ir rôsenrôtiu varwe vil minneclîchen schein. ob ieman wünschen solde, der kunde niht gejehen, daß er ze dirre werlde hete iht schœners gesehen.

Sam der liehte mâne vor den sternen stât, 282 des schîn sô lûterlîche ab den wolken gât, dem stuont si nu gelîche vor andern vrouwen guot. des wart dâ wol gehœhet den zieren helden der muot.

Die rîchen kamerære sach man vor ir gân. 283 die hôch gemuoten degene wolden des niht lân, sin drungen, dâ si sâhen die minneclîchen meit. Sîvride dem hêrren wart beide lieb unde leit.

Er dâhte in sînem muote: ‚wie kunde daß ergân, 284 daß ich dich minnen solde? daß ist ein tumber wân; sol aber ich dich vremden, sô wære ich samfter tôt.‘ er wart von gedanken dicke bleich unde rôt.

Dô stuont sô minneclîche daß Siglinde kint, 285 sam er entworfen wære an ein permint von guotes meisters listen, sô man im verjach, daß man helt neheinen nie sô schœnen gesach.

Die mit der vrouwen giengen, die hießen von den wegen 286 wîchen allenthalben: daß leiste manec degen. diu hôch tragenden herzen vreuten manegen lîp; man sach in grôßen zühten vil manec hêrlîcheß wîp.

Dô sprach von Burgunden der hêrre Gêrnôt: 287 ‚der iu sînen dienest sô güetlîchen bôt, Gunther, lieber bruoder, dem sult ir tuon alsam vor allen disen recken: des râts ich nimmer mich gescham.

‚Ir heißet Sîvriden zuo mîner swester kumen, 288 daß in diu maget grüeße; des habe wir immer vrumen: diu nie gegruoßte recken, diu sol in grüeßen phlegen; dâ mite wir hân gewunnen den vil zierlîchen degen.‘

Dô giengen swirtes mâgen, dâ man den helt vant. 289 si sprâchen zuo dem recken ûßer Niderlant: ‚iu hât der künec erloubet, ir sult ze hove gân, sîn swester sol iuch grüeßen: daß ist iu zêren getân.‘

Der hêrre in sînem muote was des vil gemeit. 290 dô truoc er in dem herzen lieb âne leit, daß er sehen solde der schœnen Uoten kint. mit minneclîchen tugenden si gruoßte Sîvriden sint.

Dô si den hôch gemuoten vor ir stênde sach, 291 do erzunde sich ir varwe; diu schœne meit sprach: ‚sît willekomen, er Sîvrit, ein edel rîter guot.‘ dô wart im von dem gruoße wol gehœhet der muot.