Der Nibelunge liet

Part 24

Chapter 243,051 wordsPublic domain

‚Und ob mich mîne mâge nâch tôde wellen klagen, 2239 den næhsten und den besten den sult ir von mir sagen, daß si nâch mir iht weinen, daß sî âne nôt: von eines küneges handen lig ich hie hêrlîchen tôt.

‚Ich hân ouch hier inne sô vergolten mînen lîp, 2240 daß eß wol mugen beweinen der guoten rîter wîp. ob iuch des iemen vrâge, sô mugt ir balde sagen: vor mîn eines handen lît wol hundert erslagen.‘

Dô gedâht ouch Hagene an den spilman, 2241 dem der alte Hildebrant sîn leben an gewan: dô sprach er zuo dem degene: ‚ir geltet mîniu leit. ir habt uns hinne erbunnen vil maneges recken gemeit.‘

Er sluog ûf Hildebrande, daß man wol vernam 2242 Palmunge dießen, den Sîvride nam Hagene der vil küene, dâ er den helt sluoc. dô werte sich der alte: er was ouch küene genuoc.

Der Wolfhartes œheim sluog ein wâfen breit 2243 ûf Hagenen von Troneje, daß ouch vil sêre sneit. done kunder niht verwunden den Guntheres man. dô sluog aber in Hagene durch eine brünne wol getân.

Alsô meister Hildebrant der wunden reht enphant, 2244 dô vorhte er schaden mêre von der Hagenen hant. den schilt warf über rucke der Dietrîches man: mit der starken wunden der helt dô Hagenen entran.

Dâ was nu nieman lebender al der degene, 2245 niuwan die zwêne aleine, Gunther und Hagene. mit bluote gie berunnen der alte Hildebrant: er brâhte leidiu mære, dâ er Dietrîchen vant.

Dô sach er trûreclîchen sitzen hie den man: 2246 der leide michels mêre der vürste dô gewan. er sach ouch Hilprande in sîner brünne rôt: dô vrâgter in der mære, als im diu sorge gebôt.

‚Nu sagt mir, meister Hildebrant, wie sît ir sô naß 2247 von dem verchbluote? oder wer tet iu daß? ich wæne, ir mit den gesten zem hûse habt gestriten: ich verbôt eß iu sô sêre: dô het irß billîch vermiten.‘

Dô sagte er sînem hêrren: ‚eß tet Hagene: 2248 der sluoc mir dise wunden in dem gademe, dô ich von dem recken wolde wenden dan. mit mînem lebene dem tiuvel kûme ich entran.‘

Dô sprach der Bernære: ‚vil reht ist iu geschehen, 2249 dô ir mich vriuntschefte den recken hôrtet jehen, daß ir den vride dâ brâchent, den ich in hete gegeben: het ichs niht immer schande, ir soldet vliesen daß leben.‘

‚Nu erzürnet niht sô sêre, mîn hêr Dietrîch: 2250 an mir und mînen vriunden der schade ist alze rîch. wir wolden Rüedegêren hân getragen dan: des enwolden uns niht gunnen des künic Guntheres man.‘

‚Sô wê mir dirre leide! ist Rüedegêr doch tôt? 2251 daß muoß mir sîn ein jâmer vor aller mîner nôt. Gotelint diu edele ist mîner basen kint: ach wê der armen weisen, die dâ ze Bechlâren sint!‘

Riuwen unde leides mant in dô sîn tôt. 2252 er begunde weinen: des gie dem helde nôt. ‚ouwê getriuwer helfe, die ich verlorn hân: jane überwinde ich nimmer mê des künic Etzelen man.

‚Megt ir mir, meister Hildebrant, diu rehten mære sagen, 2253 wer der recke wære, der in dâ hât erslagen?‘ er sprach: ‚daß tet mit kreften der starke Gêrnôt: von Rüedegêres handen ist ouch der helt gelegen tôt.‘

Er sprach zuo Hildebrande: ‚nu sagt mînen man, 2254 daß si sich balde wâfenen, wan ich wil dar gân, und heißet mir gewinnen mîn liehteß wîcgewant: ich wil selbe vrâgen die helde ûß Burgunde lant.‘

Dô sprach meister Hildeprant: ‚wer sol zuo iu gên? 2255 swaß ir habt der lebenden, die seht ir bî iu stên: daß bin ich alters eine: die andern die sint tôt.‘ do erschricte er dirre mære: des gie im wærlîchen nôt,

Wan er leit sô grôßeß zer werlde nie gewan. 2256 er sprach: ‚und sint erstorben alle mîne man, sô hât mîn Got vergeßßen, ich armer Dietrîch! ich was ein künec gewaltec, vile hêr unde rîch.‘

‚Wie kunde eß sich gevüegen,‘ sprach aber hêr Dietrîch, 2257 ‚daß si alle sint erstorben, die helde lobelîch, von den strîtmüeden, die doch heten nôt? wan durch mîn ungelücke, in wær noch vremde der tôt!

‚Sît daß es mîn unsælde niht langer wolde entwesen, 2258 sô sagt mir, ist der geste noch iemen dâ genesen?‘ dô sprach meister Hildebrant: ‚daß weiß Got, nieman mêr niuwan Hagene aleine und Gunther der künic hêr.‘

‚Ouwê, lieber Wolfhart, sol ich dich hân verlorn, 2259 sô mac mich balde riuwen, daß ich ie wart geborn; Sigstab unde Wolfwîn und ouch Wolfbrant: wer sol mir denne helfen in der Amelunge lant?

‚Helfrîch der vil küene, und ist mir der erslagen, 2260 Gêrbart unde Wîchart, wie solde ich die verklagen? daß ist an mînen vreuden mir der leste tac. ouwê, daß vor leide nieman wol sterben mac.‘

Âventiure

wie Gunther unde Hagene unde Kriemhilt wurden erslagen.

Dô nam der hêrre Dietrîch selbe sîn gewant; 2261 im half, daß er sich wâfente, der alte Hildebrant. dô klagte alsô sêre der kreftige man, daß daß hûs erdießen von sîner stimme began.

Do gewan er aber widere rehten heldes muot. 2262 in grimme wart gewâfenet dô der degen guot. einen schilt vil vesten den nam er an die hant: si giengen balde danne, er unde meister Hildebrant.

Dô sprach von Tronje Hagene: ‚ich sihe dort her gân 2263 den hêrren Dietrîche: der wil uns bestân nâch sînem starken leide, daß im ist hie geschehen. man sol daß hiute kiesen, wem man des besten müge jehen.

‚Jane dunket sich von Berne der hêrre Dietrîch 2264 nie sô stark des lîbes und sô gremlîch, und wil erß an uns rechen, daß im ist getân,‘ alsô redete Hagene, ‚ich getar in harte wol bestân.‘

Dise rede hôrte Dietrîch und Hildebrant. 2265 er kom, dâ er die recken beide stênde vant ûßen vor dem hûse geleinet an den sal. sînen schilt den guoten satzt hêr Dietrîch ze tal.

In leitlîchen sorgen sprach hêr Dietrîch: 2266 ‚wie habt ir sô geworben, Gunther, künic rîch, wider mich ellenden? waß het ich iu getân? alles mînes trôstes des bin ich eine bestân.

‚Iuch endûhte niht der volle an der grôßen nôt, 2267 dô ir uns Rüedegêre den helet sluoget tôt: nu habt ir mir erbunnen aller mîner man. jane het ich iu helden solher leide niht getân.

‚Gedenket an iuch selben und an iuwer leit, 2268 tôt der iuwer vriunde und ouch diu arbeit, ob eß iu guoten recken beswârt iht den muot. ouwê, wie rehte unsanfte mir tôt der Rüedegêres tuot!

‚Eß geschach ze dirre werlde nie manne leider mêr. 2269 ir gedâhtet übele an mîn und iuwer sêr. swaß ich vreuden hête, diu liget von iu erslagen: ja enkan ich nimmer mêre die mîne mâge verklagen.‘

‚Jane sî wir niht sô schuldec,‘ sprach dô Hagene. 2270 ‚eß giengen ze dem hûse die iuwer degene gewâfent wol ze vlîße mit einer schar sô breit. mich dunket, daß diu mære iu niht rehte sint geseit.‘

‚Waß sol ich mêr gelouben? mir sagt Hildebrant: 2271 dô mîne recken gerten von Amelunge lant, daß ir in Rüedegêre gæbet ûß dem sal, dô bütet ir niuwan spotten den mînen recken her ze tal.‘

Dô sprach der vogt von Rîne: ‚si jâhen, wolden tragen 2272 Rüedegêr von hinne: den hieß ich in versagen Etzeln ze leide und niht den dînen man, unz daß dô Wolfhart dar umbe schelten began.‘

Dô sprach der helt von Berne: ‚eß muose et alsô sîn. 2273 Gunther, künic edele, durch die zühte dîn ergetze mich der leide, die mir sint getân, und süene eß, rîter küene, sô wil ich gar die schulde lân.

‚Ergip dich mir ze gîsel, du und dîn man: 2274 sô wil ich iuch behüeten, so ich aller beste kan, daß dir hie zen Hiunen niemen niht entuot. du solt an mir niht vinden niuwan triuwe und alleß guot.‘

‚Daß enwelle Got von himele,‘ sprach dô Hagene, 2275 ‚daß sich dir ergæben zwêne degene, die du sô werlîche noch sihest gewâfent stân. daß hieße ein michel schande und wær ouch übele getân.‘

‚Irn sult eß niht versprechen,‘ sprach aber Dietrich. 2276 ‚Gunther unde Hagene, jâ habt ir beide mich sô sêre beswæret, daß herze und ouch den muot, und welt ir michs ergetzen, daß irß vil billîchen tuot.

‚Ich gibs iu mîne triuwe und sicherlîche hant, 2277 daß ich mit iu wider heim rîte in iuwer lant. ich geleite iuch nâch den êren oder ich gelige tôt und wil durch iuch vergeßßen der mînen grœßlîchen nôt.‘

‚Nu enmuotet sîn niht mêre,‘ sprach aber Hagene. 2278 ‚von uns enzimt daß mære niht wol ze sagene, daß sich iu ergæben zwên alsô küene man. nu siht man bî iu niemen wan eine Hildebrande stân.‘

Des antwurte Hildebrant: ‚iuch möhte wol gezemen 2279 den vride mînes hêrren ob ir den ruochtet nemen: eß kumt noch an die stunde vil lîhte in kurzer zît, daß ir in gerne næmet und in iu danne niemen gît.‘

‚Jâ næme ich ê die suone,‘ sprach ab Hagene, 2280 ‚ê ich sô lesterlîche von eime degene vlühe, meister Hildebrant, als ir hie habt getân: ich wânde ûf mîne triuwe, ir kundet baß gein vînden stân.‘

Dô sprach meister Hildebrant: ‚zwiu verwîßet ir mir daß? 2281 nu wer was, der ûfme schilde vor dem Wasgensteine saß, dô im von Spâne Walther sô vil der mâge sluoc? ouch habt ir noch ze zeigen an iu selben genuoc.‘

Dô sprach der hêrre Dieterîch: ‚daß enzimt niht helde lîp, 2282 daß si suln schelden sam diu alten wîp. ich verbiute iu, meister Hildebrant, daß ir iht sprechet mêr. mich ellenden recken twinget grœßlîchiu sêr.

‚Lât hœren, vriunt Hagene,‘ sprach dô Dietrîch, 2283 ‚waß ir ê redetet, ir recken lobelîch, dô ir mich gewâfent zuo iu sâhet gân? ir jâhet, daß ir eine mit strîte woldet mich bestân.‘

‚Jane lougent iu des niemen,‘ sprach Hagene der degen, 2284 ‚ich enwelleß hie versuochen mit den starken slegen, eß ensî, daß mir zebreste daß Niblunges swert. mir ist zorn, daß unser beider hie ze gîsel ist gegert.‘

Dô Dietrîch gehôrte den grimmen Hagnen muot, 2285 den schilt vil balde zucte der snelle degen guot. wie balde gein im Hagene von der stiegen spranc! Niblunges swert daß guote vil lûte ûf Dietrîch erklanc.

Dô wesse wol hêr Dieterîch, daß der küene man 2286 vil grimmes muotes wære: schirmen im began der hêrre von Berne vor angestlîchen slegen. vil wol erkander Hagenen: er was ein ûßerwelter degen.

Ouch vorht er Balmunge, ein wâfen starc genuoc. 2287 under wîlen Dietrîch mit listen wider sluoc, unz daß er Hagenen mit strîte doch betwanc. er sluog im eine wunden, diu was tief unde lanc.

Do gedâht der hêrre Dieterîch: ‚du bist in nôt erwigen; 2288 ich hâns lützel êre, soltu nu tôt geligen. ich wil eß sus versuochen, ob ich entwingen kan dich mir zeinem gîsel.‘ daß wart mit sorgen getân.

Den schilt ließ er vallen: sîn sterke diu was grôß; 2289 Hagnen von Troneje mit armen er beslôß. des wart dô betwungen von im der küene man. Gunther der edele dar umbe trûren began.

Hagene bant dô Dieterîch und vuorte in, dâ er vant 2290 die edelen küneginne, und gab ir bî der hant den küenisten recken, der ie swert getruoc. nâch ir vil starkem leide dô wart si vrœlîch genuoc.

Vor liebe neic dem degene daß Etzelen wîp: 2291 ‚immer sî dir sælec dîn herze und ouch dîn lîp. du hâst mich wol ergetzet aller mîner nôt: daß sol ich immer dienen, mich ensûme der tôt.‘

Dô sprach der hêrre Dieterîch: ‚ir sult in lân genesen, 2292 vil edeliu küneginne. eß mac vil wol noch wesen, daß iuch sîn dienst ergetzet, daß er iu hât getân: er sol des niht enkelten, daß irn gebunden sehet stân.‘

Dô hieß si vüeren Hagenen an sînen ungemach, 2293 dâ er lac besloßßen und dâ in niemen sach. Gunther der künic edele rüefen dô began. ‚war kom der helt von Berne? der hât mir leide getân.‘

Dô gie im hin engegene der hêrre Dietrîch. 2294 Guntheres ellen daß was vil lobelîch; do enbeit ouch er niht mere, er lief her vür den sal. von ir beiden swerten huob sich ein grœßlîcher schal.

Swie vil der hêrre Dieterîch lange was gelobt, 2295 Gunther was sô sêre erzürnet und ertobt: wan er nâch starkem leide dô sîn vîent was. man sagt eß noch ze wunder, daß dô hêr Dietrîch genas.

Ir ellen und ir sterke beide wâren grôß. 2296 palas und türne von ir slegen dôß, dô si mit swerten hiuwen ûf die helme guot. eß hete der künic Gunther einen hêrlîchen muot.

Sît twanc in der von Berne, als Hagnen ê geschach. 2297 daß bluot man durch die ringe dem helde vließen sach von einem starken swerte, daß truoc hêr Dietrîch. doch het gewert hêr Gunther nâch müede loblîchen sich.

Der hêrre wart gebunden von Dietrîches hant, 2298 swie künege niene solden lîden solhiu bant. er dâht, ob er si ließe, den künec und sînen man, alle, die si vünden, die müesen tôt vor in bestân.

Dietrîch von Berne der nam in bî der hant: 2299 dô vuorte er in gebunden, da er Kriemhilde vant. dô was mit sîme leide ir sorge ein teil benomen. si sprach: ‚künic Gunther, sît mir grôße willekomen.‘

Er sprach: ‚ich sold iu nîgen, vil edel swester mîn, 2300 ob iuwer grüeßen mehte genædeclîcher sîn. ich weiß iuch, küneginne, sô zornec gemuot, daß ir mich und Hagenen vil swacheß grüeßen getuot.‘

Dô sprach der helt von Berne: ‚vil edel küneges wîp, 2301 eß enwart nie gîsel mêre sô guoter rîter lîp, als ich iu, vrouwe hêre, an in gegeben hân. nu solt ir die ellenden mîn vil wol genießen lân.‘

Si jach, si tæte eß gerne. dô gie hêr Dietrîch 2302 mit weinenden ougen von den helden lobelîch. sît rach sich grimmeclîche daß Etzelen wîp: den ûß erwelten degenen nam si beiden den lîp.

Si lie si ligen sunder durch ir ungemach, 2303 daß ir sît dewedere den andern nie gesach. unz si ir bruder houbet hin vür Hagenen truoc. der Kriemhilde râche wart an in beiden genuoc.

Dô gie diu küneginne, dâ si Hagnen sach; 2304 wie rehte vîntlîche si zuo dem recken sprach: ‚welt ir mir geben widere, daß ir mir habt genomen, sô megt ir noch wol lebende heim zuo den Burgunden komen.‘

Dô sprach der grimme Hagene: ‚diu rede ist gar verlorn, 2305 vil edeliu küneginne. jâ hân ich des gesworn, daß ich den hort iht zeige: die wîle daß si leben, deheiner mîner hêrren, so enwirt er nieman gegeben.‘

‚Ich bringeß an ein ende,‘ sô sprach daß edel wîp. 2306 dô hieß si ir bruoder nemen dâ den lîp. man sluoc im ab daß houbet: bî hâre si eß truoc vür den helt von Troneje: dô wart im leide genuoc.

Alsô der ungemuote sîns hêrren houbet sach, 2307 widre Kriemhilde dô der recke sprach: ‚du hâst eß zeinem ende nâch dîme willen brâht, und ist ouch rehte ergangen, als ich mir hête gedâht.

‚Nu ist von Burgunde der edel künic tôt, 2308 Gîselher der junge und ouch Gêrnôt. den schatz weiß nu nieman wan Got unde mîn: der sol dich vâlentinne immer gar verholn sîn.‘

Si sprach: ‚sô habt ir übele geltes mich gewert; 2309 sô wil ich doch behalten daß Sîvrides swert. daß truoc mîn holder vriedel, dô ich in jungist sach, an dem mir herzen leide vor allem leide geschach.‘

Si zôch eß von der scheide: daß kunder niht erwern. 2310 dô dâhte si den recken des lebenes behern. si huob eß mit ir handen, daß houbet si im abe sluoc. daß sach der künic Etzele: dô was im leide genuoc.

‚Wâfen,‘ sprach der vürste, ‚wie ist nu tôt gelegen 2311 von eines wîbes handen der aller beste degen, der ie kom ze sturme oder ie schilt getruoc! swie vîent ich im wære, eß ist mir leide genuoc.‘

Dô sprach meister Hildebrant: ‚ja geniußet si es niht, 2312 daß si in slahen torste; swaß halt mir geschiht, swie er mich selben brâhte in angestlîche nôt, iedoch sô wil ich rechen des küenen Tronjæres tôt.‘

Hildebrand mit zorne ze Kriemhilde spranc: 2313 er sluoc der küneginne eines swertes swanc. jâ tet ir diu sorge von dem degene wê; waß maht si gehelfen, daß si vil grœßlîchen schrê?

Dô was gelegen über al dâ der veigen lîp: 2314 ze stucken lac gehouwen dô daß edel wîp. Etzel unde Dietrîch weinen dô began: si klageten jæmerlîche beide mâge unde man.

Diu vil mîchel êre was dâ gelegen tôt: 2315 die liute heten alle jâmer unde nôt. mit leide was verendet des küneges hôhgezît, als ie diu liebe leide an dem ende gerne gît.

Ine kan iu niht bescheiden, waß sider dâ geschach, 2316 C. wan kristen unde heiden weinen man dâ sach, wîb unde knehte und manege schœne meit: die heten nâch ir vriunden diu allergrœßisten leit.

Ine sage iu nu niht mêre von der grôßen nôt; C. die dâ erslagen wâren, die lâßen ligen tot -- wie ir dinc aneviengen sît der Hiunen diet, hie hât daß mære ein ende: daß ist ~der Nibelunge liet~.

* * * * *

Statt der letzten fünf Strophen hat b folgende sechs, die beiden letzten übereinstimmend mit A.

Hilprant mit zorne ze Kriemhilden spranc. er sluoc der küneginne einen swæren swertes swanc, enmitten dâ der borte ir den lîp het umbegeben. dô muose diu küneginne verliesen dâ ir werdeß leben.

Daß swert daß sneit sô drâte, daß si sîn niht enphant, daß si het gerüeret unsanft; si sprach zehant: ‚dîn wâfen ist verplawen: du solteß von dir legen; eß zimt niht wol ze tragene eim als zierlîchen degen.‘

Dô zôch er von dem vinger einen rinc rôt guldîn; er warf in ir vor die vüeße: ‚hebt ir daß vingerlîn ûf von der erden, sô habt ir wâr, edel wîp.‘ si neic sich nâch dem golde: dô viel entzwei ir werder lîp.

Nu ist ouch gelegen Kriemhilt, ouwê der nôt: wie rehte gar unmüeßec was dâ der tôt! Dietrîch und Etzel sêre weinen dô began: si klagten inneclîche beide wîp unde man.

Diu vil michel êre was dâ gelegen tôt. die liute heten alle jâmer unde nôt. mit leide was verendet des küneges hôchzît, als ie diu liebe leide ze aller jungiste gît.

Ich enkan iu niht bescheiden, waß sider dâ geschach, wan rîter unde knehte weinen man dâ sach, dar zuo die edeln knehte, ir lieben vriunde tôt. hie hât daß mær ein ende: ditze ist ~der Nibelunge nôt~.