Part 2
Waß sîn der künic wolde, des vrâgte Hagene. 84 ‚eß sint in mîme hûse unkunde degene, die niemen hie bekennet: ob ir si ê gesehen habt in vremden landen, des sult ir, Hagene, mir verjehen.‘
‚Daß tuon ich,‘ sprach Hagene: zeim venster er dô gie, 85 sîn ougen er dâ wenken zuo den gesten lie. wol behagete im ir geverte und ouch ir gewant: si wâren im vil vremde in der Burgunden lant.
Er sprach, von swannen kœmen die recken an den Rîn, 86 eß möhten selbe vürsten oder vürsten boten sîn. ‚ir ros diu sint schœne, ir kleider harte guot; swannen si joch rîten, si sint vil hôhe gemuot.‘
Alsô sprach dô Hagene: ‚als ich mich kan verstân, 87 swie ich Sîvriden noch nie gesehen hân, sô wil ich wol gelouben, swie eß dar umbe stât, daß eß sî der recke, der dort sô hêrlîchen gât.
‚Er bringet niuwiu mære her in ditze lant. A.88 die küenen Niblunge sluoc des heldes hant, Schilbunc und Niblungen, des rîchen küneges kint. er vrumte starkiu wunder mit sîner grôßen krefte sint.
‚Dô der helt aleine ân alle helfe reit, A.89 er vant vor einem berge, als mir ist geseit, bî Niblunges horde vil manegen küenen man: die wârn im ê vil vremde, unz er ir künde dâ gewan.
‚Hort der Niblunges der was gar getragen A.90 ûß eime holn berge. nu hœret wunder sagen, wie in wolden teilen der Niblunge man. daß sach der degen Sîvrit: den helt es wundern began.
‚Er kom zuozin sô nâhen, daß er die helde sach A.91 und ouch in die degene. ir einer drunder sprach: ‚hie kumet der starke Sîvrit, der helt von Niderlant.‘ vil seltsæniu mære er an den Niblungen vant.
‚Den recken wol enphiengen Schilbunc und Nibelunc. A.92 mit gemeinem râte die edelen vürsten junc den schaz in bâten teilen den wætlîchen man und gerten des mit vlîße, unz erß in loben dô began.
‚Er sach sô vil gesteines, sô wir hœren sagen, A.93 hundert kanzwagene eß heten niht getragen; noch mê des rôten goldes von Niblunge lant; daß solt in alleß teilen des küenen Sîvrides hant.
‚Dô gâben si im ze miete daß Niblunges swert. A.94 si wâren mit dem dienste vil übele gewert, den in dâ leisten solde Sîvrit der helt guot: ern kunde eß niht verenden: si wâren zornec gemuot.
‚Den schaz er ungeteilet belîben muose lân. C. do begunden mit ihm strîten der zweier künege man: mit ir vater swerte, daß Balmunc was genant, erstreit ab in der küene den hort und Nibelunge lant.
Si heten dâ ir vriunde zwelf küener man, A.95 daß starke risen wâren: waß kundeß si vervân? die sluoc sît mit zorne diu Sîvrides hant, und recken siben hundert twang er von Nibelunge lant
‚Mit dem guoten swerte, daß hieß Balmunc. A.96 durch die starken vorhte vil manec recke junc, die si ze dem swerte hêten und an den küenen man, daß lant zuo den bürgen si im tâten undertân;
‚Dar zuo die rîchen künege die sluog er beide tôt. A.97 er kom von Albrîche sît in grôße nôt. der wânde sîne hêrren rechen dâ zehant, unz er die grôßen sterke sît an Sîvride vant.
‚Done kunde im niht gestrîten daß starke getwerc. A.98 alsam die leuwen wilde si liefen an den berc, dâ er die tarnkappe sît Albrîche an gewan. dô was des hordes hêrre Sîvrit der vreislîche man.
‚Die dâ torsten vehten, die lâgen alle erslagen. A.99 den schaz den hieß er balde vüeren unde tragen, dâ in dâ vor nâmen die Niblunges man. Albrîch der vil starke dô die kameren gewan.
‚Er muos im sweren eide, er diende im sô sîn kneht: A.100 aller hande dinge was er im gereht.‘ sô sprach von Tronje Hagene: ‚daß hât er getân; alsô grôßer krefte nie mêr recke gewan.
Noch weiß ich an im mêre, daß mir ist bekant: A.101 einen lintrachen sluoc des heldes hant; er badete in dem bluote: sîn hût wart hurnîn. des snîdet in kein wâfen: daß ist dicke worden schîn.
‚Wir suln den jungen hêrren enphâhen dester baß, 102 daß wir iht verdienen des snellen recken haß. sîn lîp der ist sô küene, man sol in holden hân; er hât mit sîner krefte sô manegiu wunder getân.‘
Dô sprach der künic rîche: ‚du maht wol haben wâr: B. nu sich, wie degenlîche er stêt gein strîtes vâr, er und die sînen degene, der vil küene man. wir suln im engegene hin nider zuo dem recken gân.‘
‚Daß mugt ir,‘ sprach dô Hagene, ‚wol mit êren tuon. B. er ist von edelem künne, eins rîchen küneges sun. er stêt in der gebære, mich dunket, wißße Krist, eß ensîn niht kleiniu mære, dar umber her geriten ist.‘
Dô sprach der künec des landes: ‚nu sî uns willekomen. 103 er ist edel und küene: daß hân ich wol vernomen. des sol ouch er genießen in Burgunden lant.‘ dô gie der hêrre Gunther, dâ er Sîvriden vant.
Der wirt und sîne recken enphiengen sô den gast, 104 daß in an ir zühten vil lützel iht gebrast. des begunde in nîgen der wætlîche man. man sach in zühteclîche mit den sînen recken stân.
‚Mich wundert dirre mære,‘ sprach der wirt zehant, 105 ‚von wanne ir, edel Sîvrit, sît komen in ditze lant, oder waß ir wellet werben ze Wormeß an den Rîn.‘ dô sprach der gast ze dem künege: ‚daß sol iuch unverdaget sîn.
‚Mir wart gesaget mære in mînes vater lant, 106 daß hie bî iu wæren, daß hete ich gerne erkant, die küenesten recken, des hân ich vil vernomen, die ie künec gewünne: dar umbe bin ich her bekomen.
‚Ouch hœre ich iu selben der degenheite jehen, 107 daß man künec deheinen küener hab gesehen. des redent vil die liute über elliu disiu lant: nune wil ich niht erwinden, unz eß mir werde bekant.
‚Ich bin ouch ein recke und solde krône tragen. 108 ich wil daß gerne vüegen, daß si von mir sagen, daß ich habe von rehte liute unde lant; dar umbe sol mîn êre und ouch mîn houbet wesen phant.
‚Nu ir sît sô küene, als mir ist geseit, 109 nune ruoche ich, ist eß ieman lieb oder leit: ich wil an iu ertwingen, swaß ir muget hân, lant unde bürge, daß sol mir werden undertân.‘
Den künic hete wunder und sîne man alsam A.110 umbe solhiu mære, als er hie vernam, daß er des hete willen, er næme im sîniu lant. daß hôrten sîne degene: dô wart in zürnen bekant.
‚Wie hete ich daß verdienet,‘ sprach Gunther der degen, A.111 ‚des mîn vater lange mit êren hât gephlegen, daß wir daß solden vliesen von iemannes kraft? wir ließen übele schînen, daß wir ouch phlegen rîterschaft.‘
‚Ich enwil es niht erwinden,‘ sprach der küene man. A.112 ‚eß enmüge von dînen ellen dîn lant den vride hân, ich wil es alles walten; und ouch diu erbe mîn, erwirbest dus mit sterke, diu suln dir undertænec sîn.
‚Dîn erbe und ouch daß mîne suln gelîche ligen: A.113 sweder unser einer ame anderen mac gesigen, dem soll eß alleß dienen, die liute und ouch diu lant.‘ daß widerredet Hagne dâ unde Gêrnôt zehant.
‚Wir hân des niht gedingen,‘ sprach dô Gêrnôt, A.114 ‚daß wir iht lande ertwingen, daß iemen drumbe tôt gelige vor heldes handen. wir haben rîchiu lant: diu dienent uns ze rehte, ze niemen sint si baß bewant.‘
Mit grimmegem muote dâ stuonden vriunde sîn. A.115 dô was ouch dar under von Metzen Ortwîn: der sprach: ‚disiu suone ist mir harte leit; iu hât der starke Sîvrit unverdienet widerseit.
‚Ob ir und iuwer bruoder hetet niht die wer, A.116 und ob er danne hête ein ganzeß küneges her, ich trûte wol erstrîten, daß der küene man dise starke übermüete von wâren schulden müese lân.‘
Daß zurnde harte sêre der helt von Niderlant: A.117 er sprach: ‚sich sol vermeßßen niht wider mich dîn hant: ich bin ein künic rîche, sô bistu küneges man: jan dorften mich dîn zweleve mit strîte nimmer bestân.‘
Nâch swerten rief dô sêre von Metzen Ortwîn: 118 er mohte Hagnen swestersun von Tronje vil wol sîn. daß der sô lange dagete, daß was dem künege leit. dô understuont eß Gêrnôt, ein rîter küene und gemeit.
Er sprach zuo Ortwîne: ‚lât iuwer zürnen stân. 119 uns hât der hêrre Sîvrit solhes niht getân. wir mügenß noch wol scheiden mit zühten, dêst mîn rât, und haben in ze vriunde; daß uns noch lobelîcher stât.‘
Dô sprach der starke Hagene: ‚uns mac wol wesen leit, 120 allen iuwern degenen, daß er ie gereit durch strîten her ze Rîne. er soldeß haben lân: im heten mîne hêrren solher leide niht getân.‘
Dô sprach aber Sîvrit, der kreftige man: 121 ‚müet iuch daß, hêr Hagene, daß ich gesprochen hân, sô sol ich lâßen kiesen, daß die hende mîn wellent vil gewaltec hie zen Burgunden sîn.‘
‚Daß sol ich eine wenden,‘ sprach dô Gêrnôt. A.122 allen sînen degenen reden er verbôt iht mit übermüete, des im wære leit. dô gedâhte ouch Sîvrit an die vil hêrlîchen meit.
‚Wie zæme uns mit iu strîten?‘ sprach aber Gêrnôt. 123 ‚swaß helde nu dar under müesen ligen tôt, wir hetens lützel êren und ir vil kleinen vrun.‘ des antwurte im dô Sîvrit, des küneges Sigmundes sun:
‚War umbe bîtet Hagene und ouch Ortwîn, 124 daß er niht gâhet strîten mit den vriunden sîn, der er hie sô manegen ze den Burgunden hât?‘ si muosen rede vermîden: daß was Gêrnôtes rât.
‚Ir sult uns wesen willekomen‘, sô sprach daß Uoten kint, A.125 ‚und iuwer hergesellen, die hie mit iu sint. wir suln iu gerne dienen, ich und die mâge mîn.‘ dô hieß man den gesten schenken Guntheres wîn.
Dô sprach der wirt des landes: ‚alleß, daß wir hân, 126 geruochet irs nâch êren, daß sî iu undertân und sî mit iu geteilet lîp unde guot!‘ dô wart der hêrre Sîvrit ein lützel sanfter gemuot.
Dô hieß man in behalten alleß ir gewant. 127 die besten herberge man suohte, die man vant, Sîvrides knehten: man schuof in guot gemach. den gast man sît vil gerne dâ zen Burgunden sach.
Man bôt im michel êre dâ nâch ze manegen tagen, A.128 tûsent stunden mêre, danne ich iu kan gesagen. daß hete versolt sîn ellen, ir sult gelouben daß; in sach vil lützel iemen, der im wære gehaß.
Sich vlißßen kurzwîle die künege und ouch ir man, 129 sô was er ie der beste, swes man dâ began: des enkunde im volgen niemen, sô michel was sîn kraft, sô si den stein wurfen oder schußßen den schaft.
Swâ si bî den vrouwen durch ir höfscheit A.130 kurzwîle phlâgen, die rîter vil gemeit, dâ sach man ie vil gerne den helt von Niderlant. er hete ûf hôhe minne sîne sinne gewant.
Ze hove die schœnen vrouwen vrâgèten mærè, C. wer der stolze vremde recke wære? ‚sîn lîp der ist sô schœne, vil rîch ist sîn gewant!‘ dô sprâchen ir genuoge; ‚eß ist der künec von Niderlant.‘
Swes man ie begunde, des was sîn lîp bereit. A.131 er truog in sîme sinne ein minneclîche meit und ouch in ein diu vrouwe, die er noch nie gesach, diu im in heimlîche vil dicke güetlîchen sprach.
Swenn ûfem hove wolden spilen dâ diu kint, A.132 rîter unde knehte, daß sach vil dicke sint Kriemhilt durch diu venster, diu küneginne hêr; deheiner kurzwîle bedorfte si in den zîten mêr.
Wester, daß si in sæhe, die er in herzen truoc, A.133 dâ het er kurzwîle immer von genuoc. sæhen si sîn ougen, ich wil wol wißßen daß, daß im in dirre werlde nimmer kunde werden baß.
Swenne er bî den helden ûf dem hove stuont, A.134 alsô noch die liute durch kurzewîle tuont, sô stuont sô minneclîche daß Siglinde kint, daß in von herzeliebe trûte manec vrouwe sint.
Er gedâht ouch manege zîte: ‚wie sol daß geschehen, A.135 daß ich die maget edele mit ougen müge sehen, die ich von herze minne und lange hân getân? diu ist mir noch vil vremede: des muoß ich trûrec gestân.‘
Sô ie die künege rîche riten in ir lant, A.136 sô muosen ouch die recken mit in al zehant. dâ mite muoste ouch Sîvrit: daß was der vrouwen leit; er leit ouch von ir minne dicke michel arbeit.
Sus wonde er bî den hêrren, daß ist alwâr, A.137 in Guntheres lande volleclîch ein jâr, daß er die minneclîchen die zît nie gesach, dâ von im sît vil liebe und ouch vil leide geschach.
Âventiure
wie Sîvrit mit den Sahsen streit.
Dô kômen vremdiu mære in Guntheres lant II.138 von boten, die in verre wurden dar gesant von unkunden recken, die in truogen haß. dô si die rede vernâmen, leit was in inneclîche daß.
Die wil ich iu nennen: eß was Liudgêr 139 ûßer Sahsen lande, ein rîcher vürste hêr, und ouch von Tenemarke der künic Liudgast. die brâhten in ir reise vil manegen hêrlîchen gast.
Ir boten komen wâren in Guntheres lant, 140 die sîne vîende heten dar gesant. dô vrâgte man der mære die unkunden man. man hieß die boten balde ze hove vür den künic gân.
Der künec si gruoßte schône, er sprach: ‚sît willekomen! 141 wer iuch her habe gesendet, desn hân ich niht vernomen: daß sult ir lâßen hœren‘, sprach der künic guot. Dô vorhten si vil sêre den grimmen Guntheres muot.
‚Welt ir, künec, erlouben daß wir iu mære sagen, 142 diu wir iu dâ bringen, sone suln wir niht verdagen. wir nennen iu die hêrren, die uns her hânt gesant: Liudgast und Liudgêr, die welnt iuch suochen inß lant.
‚Ir habet ir zorn verdienet: jâ hôrten wir wol daß, 143 daß iu die hêrren beide tragent grôßen haß. si wellent herverten ze Wormeß an den Rîn; in hilfet vil der degene: des sult ir gewarnet sîn.
‚Inre zwelf wochen diu reise muoß geschehen; 144 habt ir iht guoter vriunde, daß lâßet balde sehen, die iu vriden helfen die bürge und iuriu lant: hie wirt von in verhouwen vil manec helme unde rant.
‚Oder welt ir mit in dingen, so enbietet eß in dar; 145 sone rîtent iu sô nâhen niht die manegen schar der iuwer starken vînde ûf herzenlîchiu leit, dâ von verderben müeßen vil guote rîter gemeit.‘
‚Nu bîtet eine wîle (ich kündiu mînen muot), 146 unz ich mich baß versinne,‘ sprach der künic guot. ‚hân ich guoter iemen, die sol ich niht verdagen, disiu starken mære sol ich mînen vriunden klagen.‘
Gunther dem rîchen leide wart genuoc; A.147 die rede er tougenlîchen in sîme herze truoc. er hieß gewinnen Hagenen und ander sîne man und bat ouch harte balde ze hove nâch Gêrnôten gân.
Dô kômen dar die besten, swaß man der dâ vant. A.148 er sprach: ‚man wil uns suochen her in unser lant mit starken herverten; daß lât iu wesen leit. eß ist gar âne schulde, daß si uns habent widerseit.‘
‚Daß wer ot wir mit swerten,‘ sô sprach Gêrnôt. A.149 dâ sterbent wan die veigen: die lâßen ligen tôt. dar umbe ich niht vergeßßen mac der êren mîn: die unser vîende suln uns willekomen sîn.‘
Dô sprach von Troneje Hagene: ‚daß endunket mich niht guot. A.150 Liudegast und Liudegêr die tragent übermuot. wir mugen uns niht besenden in sô kurzen tagen,‘ sô sprach der küene recke: ‚ir sult eß Sîvride sagen.‘
Die boten herbergen hieß man in die stat. 151 swie vîent man in wære, vil schône ir phlegen bat Gunther der rîche, daß was wol getân, unz er ervant an vriunden, wer im dâ wolde gestân.
Dem künege in sînen sorgen was iedoch vil leit. 152 dô sach in trûrende ein rîter vil gemeit, der niht wißßen kunde, waß im was geschehen: dô bat er im der mære den künic Gunther verjehen.
‚Mich nimt des michel wunder,‘ sprach dô Sîvrit, 153 ‚wie ir sô habet verkêret die vrœlîchen sit, der ir mit uns nu lange habt alher gephlegen.‘ des antwurte ime dô Gunther, der vil zierlîche degen:
‚Jane mac ich allen liuten die swære niht gesagen, 154 die ich muoß tougenlîche in mîme herzen tragen: man sol stæten vriunden klagen herzenôt.‘ diu Sîvrides varwe wart dô bleich unde rôt.
Er sprach zuo dem künege: ‚ich hân iu niht verseit. 155 ich sol iu helfen wenden elliu iuriu leit. welt ir vrîunt suochen, der sol ich einer sîn und trûwe eß wol volbringen mit êren an daß ende mîn.‘
‚Nu lône iu Got, hêr Sîvrit, diu rede mich dunket guot; 156 und ob mir nimmer helfe iur ellen getuot, ich vreu mich doch der mære, daß ir mir sît sô holt. lebe ich deheine wîle, eß wirt wol umb iuch versolt.
‚Ich wil iuch hœren lâßen, war umbe ich trûric stân. 157 von boten mîner vînde ich daß vernomen hân, daß si mich wellent suochen mit herverte hie; daß getâten uns noch degene her zuo disen landen nie.‘
‚Daß lât iuch ahten ringe,‘ sprach dô Sîvrit, 158 ‚senftet iur gemüete, tuot, des ich iuch bit: lât mich iu erwerben êre unde vrumen, ê daß iuwer vînde her ze disen landen kumen.
‚Swenne iuwer starke vînde ze helfe möhten hân A.159 drîßec tûsent degene, sô woldich si bestân, und het ich niht wan tûsent: des lât iuch an mich.‘ dô sprach der künic Gunther: ‚daß dienich immer umbe dich.‘
‚Sô heißet mir gewinnen tûsent iuwer man, 160 sît daß ich der mînen bî mir niht enhân niuwan zwelf recken: sô wer ich iuwer lant. iu sol mit triuwen dienen immer Sîvrides hant.
‚Des sol uns helfen Hagene und ouch Ortwîn, A.161 Dancwart und Sindolt, die lieben recken dîn. ouch sol dâ mit rîten Volkêr der küene man: der sol den vanen vüeren: baß ichs nieman engan.
‚Und lât die boten rîten heim in ir hêrren lant; 162 daß si uns dâ sehen schiere, daß tuo man in bekant, sô daß unser bürge müeßen vride hân.‘ dâ hieß der künec besenden beide mâge unde man.
Die boten Liudegêres ze hove giengen dô; 163 daß si ze lande solden, des wâren si vil vrô. dô bôt in rîche gâbe Gunther der künic guot und schuof in sîn geleite: des stuont in hôhe der muot.
‚Nu saget,‘ sprach dô Gunther, ‚den starken vînden mîn, 164 si mugent mit ir reise wol dâ heime sîn; weln aber si mich suochen her in mîniu lant, mirn zerinne mîner vriunde, in wirt arbeit bekant.‘
Den boten rîche gâbe man dô vür truoc: 165 der het in ze gebene Gunther genuoc. dine torsten niht versprechen die Liudgêres man. urloub si dô nâmen und vuoren vrœlîche dan.
Dô die boten wâren ze Tenemarke komen, 166 und der künic Liudegast hete daß vernomen, waß si ze Rîne redeten, als im daß wart geseit, ir starkeß übermüeten was im wærlîche leit.
Si sagten, daß si hêten vil manegen küenen man: 167 ‚dar under sach man einen vor Gunthere stân, der was geheißen Sîvrit, ein helt ûß Niderlant.‘ eß leidete Liudgaste, dô er daß mære bevant.
Dô die von Tenemarke ditze hôrten sagen, 168 dô îlten si der vriunde deste mê bejagen, unz daß er Liudegast sîner küenen man zweinzec tûsent degene ze sîner reise gewan.
Do besande ouch sich von Sahsen der künic Liudegêr, 169 unz si vierzec tûsent heten unde mêr, mit den si wolden rîten in Burgunden lant. dô hete ouch sich hie heime der künic Gunther besant
Mit den sînen mâgen und sîner bruoder man, A.170 die si wolden vüeren durch urliuge dan, und ouch die Hagenen recken: des gie den helden nôt. dar umbe muosen degene sider kiesen den tôt.
Si vlißßen sich der reise, dô si wolden dan. A.171 den vanen muose leiten Volkêr der küene man, alsô si wolten rîten von Wormeß über Rîn. Hagene von Troneje der muose scharmeister sîn.
Dâ mite reit ouch Sindolt und der küene Hûnolt, A.172 die wol gedienen kunden rîcher künege golt. Dancwart, Hagnen bruoder, und ouch Ortwîn die mohten wol mit êren in der herverte sîn.
‚Her künic, sît hie heime,‘ sprach dô Sîvrit. 173 ‚sît daß mir iuwer recken wellent volgen mit, belîbet bî den vrouwen und traget hôhen muot. ich trou iu wol behüeten beide êre unde guot.
‚Die iuch dâ wolden suochen ze Wormeß an den Rîn, 174 daß wil ich wol behüeten, daßs iu iht schade sîn. wir sulen in gerîten sô nâhen in ir lant, daß in ir übermüeten ze sorgen werde bewant.‘
Von Rîne si durch Hessen mit ir helden riten 175 gegen Sahsen lande: dâ wart sît gestriten. mit roube und mit brande wuosten si daß lant, daß eß den vürsten beiden wart mit arbeit bekant.
Si kômen ûf die marke: die knehte zogten dan. A.176 Sîvrit der vil starke vrâgen des began: ‚wer sol des gesindes uns nu hüeten hie?‘ jâne wart den Sahsen geriten schedlîcher nie.
Si sprâchen: ‚lât die tumben hüeten ûf den wegen A.177 den küenen Dancwarten, der ist ein sneller degen. wir vliesen deste minner von Liudgêres man; lât in und Ortwînen hie die nâchhuote hân.‘
‚Sô wil ich selbe rîten,‘ sprach Sîvrit der degen, 178 ‚unde wil der warte gein den vînden phlegen, unz ich rehte ervinde, wâ die recken sint.‘ dô wart gewâfent schiere der schœnen Siglinden kint.
Daß volc bevalher Hagenen, dô er wolde dan, 179 unde Gêrnôte, dem vil küenen man. dô reit er eine danne in der Sahsen lant, dâ er diu rehten mære wol mit êren sît ervant.
Dô sach er her daß grôße, daß ûf dem velde lac, 180 daß wider sîner helfe mit ungevüege wac: des was wol vierzec tûsent oder dannoch baß. Sîvrit in hôhem muote sach vil vrœlîchen daß.
Dô hete sich ouch ein recke von den vînden dar 181 erhaben ûf die warte, der was ze vlîße gar: den sach der hêrre Sîvrit und in der küene man; ieweder dô des andern mit nîde hüeten began.
Ich sagiu, wer der wære, der hie der warte pflac; 182 ein liehter schilt von golde im vor der hende lac. eß was der künic Liudegast: der huote sîner schar. dirre gast vil edele sprancte hêrlîchen dar.
Nu het ouch in hêr Liudegast vîentlîche erkorn: 183 diu ros si nâmen beide zen sîten mit den sporn; si neigten ûf die schilde die schefte mit ir kraft: des wart der künic hêre mit grôßen sorgen behaft.
Diu ros nâch stichen truogen diu rîchen küneges kint 184 beide vür ein ander, sam si wæte ein wint; mit zoumen wart gewendet vil rîterlîchen dan: mit swerten eß versuohten die zwêne grimmege man.
Dô sluoc der hêrre Sîvrit, daß al daß velt erdôß. 185 dô stoup ûß dem helme, sam von brenden grôß, die viuwerrôte vanken von des heldes hant. dô streit vil mehteclîchen der küene vogt ûß Niderlant.