Der Nibelunge liet

Part 18

Chapter 183,753 wordsPublic domain

Âventiure

wie Kriemhilt Hagene enphie.

Dô die Burgunden kômen ûf daß velt, b. ûf sluoc man drî künegen sô hêrlîch gezelt. si stießen ûf ir vanen, die wârn von golde rôt. dô wessen niht die hêrren, daß in sô nâhent was der tôt.

Dô gienc diu vrouwe Kriemhilt an ein zinnen stân, b. dô sach si ûf dem velde rîten manegen man. des vreut sich tougenlîchen daß wunderschœne wîp: ‚alrêrst sô wirt gerochen des küenen Sîvrides lîp,

‚Der mir sô mortlîchen ze tôde wart erslagen; b. unz an mîn ende kan ich in nimmer mê verklagen. ouwê der grôßen êre, die ich verloren hân; eß gelac an vrouwen arme nie sô tugenthafter man.

‚Sîn vil grôße tugende macht mir herzeleit: b. swenne ich dar an gedenke, als er von mir reit mit sô gar gesundem lîp, sô mêrt sich mîn klage: mir darf niemen wîßen, swaß ich grôßes leides trage.

‚Got het mir in zeinem man ûß aller welt erkorn. b. wær tûsent manne tugende an einem man geborn, dannoch was ir mêre, die Sîvrit eine truoc.‘ diu vrouwe klagt vil sêre, zuo dem herzen si sich sluoc.

Schier wurden dem Bernære diu mære kunt getân. b. dô sach man in vil drâte über den hof gân, mit im Hilpranden nâch rîterlîchen siten: ‚vil edeliu küneginne, daß sult ir lâßen vermiten,

‚Daß man iuch siht weinen zuo dirre hôhgezît. b. und habt her besendet ûß vremden landen wît vil manegen werden recken und manegen biderben man: daß man iuch siht weinen, daß stêt iu vil übel an.‘

‚Ich mane dich dîner triuwe,‘ sprach si, ‚hêr Hildebrant, b. ob du ie gâbe enphienge von mîner gebenden hant, sô rich mich an Hagene: jâ gib ich dir mîn golt und bin mit guoten triuwen unz an mîn ende dir holt.‘

Dô sprach der Bernære: ‚ir sît ein übel wîp, b. daß ir iuwern mâgen râtent an den lîp und habt sô manegen boten ze Rîne nâch in gesant: sô sint si iu komen ze hûse mit vil werlîcher hant.

‚Neinâ, hêrre Hildebrant, sô liep ich iu sî, b. nu enphâch mir von dem Rîne die künege alle drî und heiß si ligen ze velde, unz sô eß werde tac, sô warne ich si mit triuwe des aller besten, sô ich mac.‘

Hart gezogenlîchen reit meister Hildebrant, b. dâ er die drî künege von dem Rîne vant: er enbeißt vil rîterlîchen und lie sich ûf diu knie, daß er die drî künege von dem Rîne dâ enphie;

‚Bis willekomen hêr Gunther, künic von dem Rîn: b. sam sî hêr Gêrnôt, der liebe bruoder dîn, und Gîselher der junge und Hagen ein starker man und manec sneller recke, der ich aller niht genennen kan.

‚Iu enpiut der Bernære, der liebe hêrre mîn, b. vriuntschaft und hulde und ganzen dienest sîn und heißt iuch ligen ze velde, unz eß werde tac: sô warnt er iuch mit triuwen des aller besten, sô er mac.

‚Got müeße iuch behüeten vor aller slahte nôt: b. vor vierthalbem jâre was iu bereit der tôt. eß hat iur swester Kriemhilt gesworn vil manegen eit, daß si an iu wil rechen ir vil grôßiu herzeleit.

‚Er enpiut iu, daß ir mîdet, als lieb iu sî daß leben, b. daß niuwe hûs bî der Tuonouwe ist iu herberge geben: daß sult ir mir gelouben, und kœme iur dar ein her, ir müestent al ersterben und kœm iur keiner ze wer.

‚Dâ ligent in drî rôre, diu sint innân hol, b. diu sint geworht schône mit swebel und mit kol: diu sol man anzünden, sô die dische sint bereit. dâ vor solt ir iuch hüeten, ir stolzen helde vil gemeint.‘

Des erschrac der künic sêre, diu rede was im leit. b. ‚nu lôn dir Got, Hildebrant, daß du uns hâst geseit, daß du hâst gewarnet uns ellende man: ich sich, wir hie zen Hiunen lützel triuwe vunden hân.‘

Des erlachten die jungen und hielten eß vür spot. b. dô sprâchen die wîsen: ‚dâ vor behüete uns Got. wir sîn durch grôße triuwe geriten in daß lant; si hât vil manegen boten hin nâch uns ze Rîne gesant.‘

Nu sprach gezogenlîche der hêrre Gêrnôt: b. ‚uns hât mîn swester Kriemhilt geladen in den tôt. wir sîn durch grôße triuwe geriten zuo der stat, wan uns mîn schœne swester von dem Rîn ze hûse bat.‘

Dô sprach der videlære, der küene Volkêr: b. ‚ich bin von dem Rîne durch gâbe geriten her. des wil ich mich verßîhen,‘ sô sprach der spilman; ‚ich videle mit dem swerte daß allerbeste, daß ich kan.

‚Ich erzeige in mîne dœne, si müeßen ûf hôher stân: b. und welnt si niht erwinden, eß mac in sô ergân, ich slahe in eteslîchem einen swinden gîgenslac, und hât er liebe mâge, daß er eß wol klagen mac.‘

Dô Hildebrant der alte wolte dannen gân, b. Gîselher der junge bat in stille stân: er gab im einen mantel, den er im zêren truoc: vür drîßec marc goldes hete er phandes genuoc.

Dô zim genam den mantel meister Hildebrant, b. er reit gezogenlîchen, da er den von Berne vant: ‚seht den rîchen mantel, den ich an mir hân, den gap mir Gîselher der junge, dâ ich von im wolde gân.‘

Dô die Burgunden kômen in daß lant, XVb.1656 do gevriesch eß von Berne der alte Hildebrant. er seite eß sîme hêrren; eß was im harte leit: er bat in wol enphâhen die rîter küene und gemeit.

Wolfhart der snelle hieß bringen diu marc. 1657 dô reit mit Dietrîche vil manec degen starc, dâ er si grüeßen wolde, zuo in an daß velt. dâ hetens ûf gebunden vil manec hêrlîch gezelt.

Dô si von Tronje Hagene verrist rîten sach, 1658 zuo den sînen hêrren gezogenlîch er sprach: ‚nu sult ir snelle recken von dem sedele stân und gêt in hin enkegene, die iuch hie wellent enphân.

‚Dort kumt ein hergesinde, daß ist mir wol bekant. 1659 eß sint vil snelle degene von Amelunge lant. si vüeret der von Berne: si sint vil hôch gemuot. nu lât iu niht versmâhen, swaß man iu dienest getuot.‘

Dô stuonden von den rossen, daß was michel reht, 1660 neben Dietrîche manc rîter unde kneht. si giengen zuo den gesten, dâ man die helde vant: si gruoßten minneclîche die von Burgunden lant.

Dô si der hêrre Dietrîch gên im komen sach, 1661 lieb unde leide im dar an geschach. er weste wol diu mære, ir reise was im leit; er wânde, eß weste Rüedegêr, daß erß in hête geseit.

‚Sît willekomen, ir hêrren, Gunther und Gîselher, 1662 Gêrnôt unde Hagene; sam sî hêr Volkêr und Dancwart der snelle. ist iu daß niht bekant? Kriemhilt noch sêre weinet den helt von Niblunge lant.‘

‚Si mac vil lange weinen,‘ sprach dô Hagene: 1663 ‚er lît vor manegem jâre ze tôde erslagene. den künic von den Hiunen sol si nu holden haben: Sîvrit kumt niht widere, er ist nu lange begraben.‘

‚Die Sîvrides wunden lâßen wir nu stên: 1664 sol leben mîn vrou Kriemhilt, sô mac schade ergên.‘ sô redete von Berne der hêrre Dietrich. ‚trôst der Niblunge, dâ vor behüete du dich.‘

‚Wie sol ich mich behüeten?‘ sprach der künic hêr. 1665 ‚Etzel uns boten sande, waß sold ich vrâgen mêr? daß wir zuo im solden rîten in daß lant: ouch hât uns manec mære mîn swester Kriemhilt gesant.‘

‚Sô wil ich iu gerâten,‘ sprach aber Hagene, 1666 ‚bitet iu diu mære baß ze sagene den hêrren Dietrîchen und sîne helde guot, daß si iuch lâßen wißßen der vrouwen Kriemhilde muot.‘

Dô giengen sunder sprâchen die drî künege rîch, 1667 Gunther unde Gêrnôt und ouch hêr Dietrîch. ‚nu sag uns, von Berne vil edel rîter guot, wie dir sî gewißßen umb der küneginne muot.‘

Dô sprach der vogt von Berne: ‚waß sol ich iu sagen? 1668 wan daß ich alle morgen weinen hœr unt klagen mit jæmerlîchen sinnen daß Etzelen wîp dem rîchen Got von himele des starken Sîvrides lîp.‘

‚Eß ist et unerwendet,‘ sprach der küene man, 1669 Volkêr der videlære, ‚daß wir vernomen hân. wir suln ze hove rîten und suln daß besehen, waß uns snellen degenen müge zen Hiunen geschehen.‘

Die küenen Burgunden hin ze hove riten: XVIb.1670 si kômen hêrlîchen nâch ir landes siten. dô wundert dâ zen Hiunen vil manegen küenen man umb Hagnen von Troneje, wie der wære getân.

Durch daß man seite mære, des was im genuoc, 1671 daß er von Niderlanden Sîvriden sluoc, sterkest aller recken, vroun Kriemhilde man: des wart michel vrâgen ze hove nâch Hagenen getân.

Der helt was wol gewahsen, daß ist alwâr, 1672 grôß was er zen brüsten, gemischet was sîn hâr mit einer grîsen varwe, diu bein wârn im lanc, eislîch sîn gesiune, er hete hêrlîchen ganc.

Dô hieß man herbergen die Burgunden man. 1673 Gunthers gesinde wart gesundert dan. daß riet diu küneginne, diu im vil haßßes truoc: dâ von man sît die knehte an der herberge sluoc.

Dancwart, Hagenen bruoder, der was marschalch; 1674 der künec im sîn gesinde vlîßeclîch bevalch, daß er ir volleclîche mit spîse solde phlegen. daß tet dô willeclîche mit triuwe der vil küene degen.

Kriemhilt diu schœne mit ir gesinde gie, XVIIa.1675 dâ si die Niblunge mit valschem muote enphie. si kuste Gîselheren und nam in bî der hant. daß sach von Tronje Hagene: den helm er vester gebant.

‚Nâch sus getânem gruoße,‘ sô sprach Hagene, 1676 ‚mugen sich verdenken snelle degene; man grüeßet sunderlîchen die künege und ir man: wir haben niht guoter reise zuo dirre hôhzît getân.‘

Si sprach: ‚nu sît willekomen, swem iuch gerne siht: 1677 durch iuwer selbes vriuntschaft grüeße ich iuch niht. saget, waß ir mir bringet von Wormeß über Rîn, dar umbe ir mir sô grôße soldet willekomen sîn?‘

‚Waß sint disiu mære,‘ sprach dô Hagene, 1678 ‚daß iu gâbe solden bringen degene? ich wære wol sô rîche, het ich mich baß verdâht, daß ich iu mîne gâbe her zen Hiunen hete brâht.‘

‚Nu sult ir mich der mære mêre wißßen lân, 1679 hort der Niblunge, war habt ir den getân? der was doch mîn eigen: daß ist iu wol bekant: den soldet ir mir bringen in daß Etzelen lant.‘

‚Entriuwen, mîn vrou Kriemhilt, des ist manec tac, 1680 daß ich der Niblunge hortes nie gephlac. den hießen mîne hêrren senken in den Rîn: dâ muoß er wærlîche unz an daß jungiste sîn.‘

Dô sprach diu küneginne: ‚ich hâns ouch wol gedâht. A.1681 ir habt mirs noch vil kleine her ze lande brâht, swie er mîn eigen wære und ich sîn wîlent phlac; nach im und sîme hêrren hân ich manegen leiden tac.‘

‚Ich bringe iu den tiuvel,‘ sprach aber Hagene, 1682 ‚ich hân an mîme schilde sô vil ze tragene und an mîner brünne: mîn helme der ist lieht, daß swert an mîner hende: des enbringe ich iu niht.‘

‚Jane rede ichß niht dar umbe, deich mêre goldes welle gern. C. ich hâns sô vil ze gebene, deich iuwer gâbe mac enbern. ein mort und zwêne roube die mir sint genomen, des möhte ich vil arme noch ze liebem gelte komen.‘

Dô sprach diu küneginne zen recken über al: 1683 ‚man sol deheiniu wâfen tragen in den sal; ir helde, ir sult mirs ûf geben: ich wils behalten lân.‘ ‚entriuwen,‘ sprach dô Hagene, ‚daß wirdet nimmer getân.

‚Jane ger ich niht der êren, vürsten tohter milt, 1684 daß ir zen herbergen traget mînen schilt und ander mîn gewæfen. ir sît ein künegîn. daß enlêrte mich mîn vater niht: ich wil selbe kamerære sîn.‘

‚Ouwê mîner leide,‘ sprach vrou Kriemhilt: 1685 ‚war umbe wil mîn bruoder und Hagne sînen schilt niht lâßen behalten? si sint gewarnôt. und wesse ich, wer daß tæte, ich riete im immer sînen tôt.‘

Des antwurte ir mit zorne der hêrre Dietrîch: 1686 ‚ich binß, der hât gewarnet die edelen vürsten rîch und Hagnen den küenen, den Burgunden man. nu zuo, vâlandinne, du solt michs niht genießen lân.‘

Des schamte sich vil sêre daß Etzelen wîp: 1687 si vorhte bitterlîchen Dietrîches lîp. si gie von im balde, daß si niht ensprach, wan daß si swinde blicke an ir vîende sach.

Bî henden sich dô viengen zwêne degene: XVIc.1688 daß eine was hêr Dietrîch, daß ander Hagene. dô sprach gezogenlîchen der recke vil gemeit: ‚iur komen ze den Hiunen ist mir wærlîchen leit,

‚Durch daß diu küneginne alsô gesprochen hât.‘ A.1689 dô sprach von Troneje Hagen: ‚des wirt wol alles rât.‘ sus reiten mit ein ander die zwêne küene man. daß sach der künic Etzel; dar umbe er vrâgen began:

‚Diu mære ich weste gerne,‘ sprach der künic rîch, 1690 ‚wer jener recke wære, den dort hêr Dietrîch sô vriuntlîch enphâhet. er treit vil hôhen muot: swer sîn vater wære, er mac wol sîn ein recke guot.‘

Des antwurte dem künege ein Kriemhilde man: 1691 ‚er ist geborn von Troneje, sîn vater hieß Aldrîân. swie blîde er hie gebâre, er ist ein grimmec man: ich lâß iuch daß beschouwen, daß ich gelogen niene hân.‘

‚Wie sol ich daß erkennen, daß er sô grimmec ist?‘ 1692 dannoch er niht weste sô manegen argen list, den sît diu küneginne an ir mâgen begie, daß si ir nie deheinen von den Hiunen komen lie.

‚Wol erkande ich Hagenen: wan er was mîn man. 1693 lop und michel êre er hie bî mir gewan. ich machte in ze rîter und gab im mîn golt. durch daß er getriuwe was, des muose ich im wesen holt.

‚Dâ von ich wol erkenne alleß Hagnen sint. 1694 eß wâren mîne gîsel zwei wætlîchiu kint, er und von Spâne Walther: die wuohsen hie ze man. Hagne sand ich wider heim; Walther mit Hiltegunde entran.‘

Er gedâhte lieber mære, diu wâren ê geschehen. 1695 sînen vriunt von Troneje hete er reht ersehen, der im in sîner jugende vil starkiu dienest bôt; sît vrumt er im in alter vil manegen lieben vriunt tôt.

Âventiure

wie Hagene und Volkêr vor Kriemhilde sal sâßen.

Dô schieden sich die zwêne recken lobelîch, 1696 Hagene von Troneje und ouch hêr Dietrîch. dô blikte über ahsel der Guntheres man nâch eime hergesellen, den er vil schiere gewan.

Dô sach er Volkêren bî Gîselhere stên, 1697 den spæhen videlære: er bat in mit im gên, wan er vil wol erkande sînen grimmen muot. er was an allen tugenden ein rîter küene unde guot.

Noch ließen si die hêrren ûf dem hove stân. 1698 niuwan si zwêne aleine sach man dannen gân über den hof vil verre vür einen palas wît. die ûß erwelten degene vorhten niemannes nît.

Si gesâßen vor dem hûse gein eime sal, 1699 der was Kriemhilde, ûf eine banc ze tal. dô lûhte in vor dem lîbe ir hêrlîch gewant. genuoge, die daß sâhen, hetens gerne bekant.

Alsam tier diu wilden gekaphet wurden an 1700 die übermüeten helde von den Hiunen man. si ersach durch ein venster daß Etzelen wîp: des wart aber betrüebet der schœnen Kriemhilde lîp.

Eß mande si ir leide, weinen si began. 1701 des hete michel wunder die Etzelen man, waß ir sô rehte swære verrihtet hete ir muot. si sprach: ‚daß hât Hagene, ir helde küene unde guot.

Si sprâchen zuo der vrouwen: ‚wie ist daß geschehen? 1702 wan wir iuch niulîche haben vrô gesehen. nie niemen wart sô küene, derß iu hât getân, heißet irß uns rechen, eß sol im an sîn leben gân.‘

‚Daß wolde ich immer dienen, swer ræche mîniu leit: 1703 alles, deß er gerte, des wær ich im bereit. ich biut mich iu ze vüeßen,‘ sprach des küneges wîp: ‚rechet mich an Hagenen, daß er verliese den lîp.‘

Dô garten sich vil balde sehzec küener man: 1704 durch Kriemhilde willen si wolden hin gân und wolden slahen Hagenen, den vil küenen man, und ouch den videlære. daß wart mit râte getân.

Dô diu küneginne ir schar sô kleine sach, A.1705 in einem grimmen muote si ze den helden sprach: ‚des ir dâ habet gedinge, des sult ir abe gân: ja endurfet ir sô ringe Hagenen nimmer bestân.

‚Swie stark und swie küene von Troneje Hagne sî, A.1706 noch ist verre sterker, der im dâ sitzet bî, Volkêr der videlære: der ist ein übel man. ja ensult ir die helde niht sô lîhte bestân.‘

Dô si daß gehôrten, dô garte sich ir mêr, A.1707 vier hundert recken. diu küneginne hêr was des vil genœte, daß si in tæte leit. dâ von wart sît den degenen michel sorge bereit.

Dô si wol gewâfent ir gesinde sach, 1708 zuo den snellen recken diu küneginne sprach: ‚nu bîtet eine wîle: jâ sult ir stille stân. ich wil under krône ze mînen vîenden gân.

‚Und hœret itewîße, waß mir hât getân 1709 Hagene von Troneje, Guntheres man: ich weiß in sô gemuoten, daß er mir lougent niht; sô ist ouch mir unmære, swaß im dar umbe geschiht.‘

Dô sach der videlære, ein küene spilman, 1710 die edelen küneginne ab einer stiegen gân nider abeme hûse. dô er daß ersach, Volkêr der küene zuo sîme hergesellen sprach:

‚Nu schouwet, vriunt Hagene, wâ si dort here gât, 1711 diu uns âne triuwe inß lant geladet hât. in gesach mit küneges wîbe nie sô manegen man, die swert enhende trüegen, alsô strîtlîchen gân.

‚Wißßet ir, vriunt Hagene, ob si iu sîn gehaß? 1712 sô wil ich iu daß râten, ir hüetet deste baß des lîbes und der êren; jâ dunket eß mich guot. als ich mich versinne, si sint vil zornec gemuot,

‚Und sint ouch sumelîche zen brusten alsô wît, 1713 swer sîn selbes hüeten wil, der tuo daß enzît. ich wæn, si under sîden die vesten prünne tragen. waß si dâ mite meinen, daß enhœr ich niemen sagen.‘

Dô sprach in zornes muote Hagne der küene man: 1714 ‚ich weiß wol, daß eß alleß ist ûf mich getân, daß si diu liehten wâfen tragent an der hant; vor den möht ich gerîten noch in der Burgunden lant.

‚Nu saget mir, vriunt Volkêr, welt ir mir gestân, 1715 ob mit mir wellent strîten Kriemhilde man? daß lâßet ir mich hœren, als liep als ich iu sî. ich won iu immer mêre mit triuwen dienstlîchen bî.‘

‚Ich hilfe iu sicherlîchen,‘ sô sprach der spilman. 1716 ‚ob ich uns hie engegene sæhe den künic gân mit allen sînen recken, die wîle ich leben muoß, so entwîche ich iu durch vorhte ûß helfe nimmer einen vuoß.‘

‚Nu lôn iu Got von himele, vil edel Volkêr. 1717 ob si mit mir strîten, wes bedarf ich danne mêr? sît ir mir helfen wellet, als ich hân vernomen, sô suln dise recken vil gewerlîchen komen.‘

‚Nu stê wir von dem sedele,‘ sprach der spilman: 1718 ‚si ist ein küneginne: und lât si vür gân. bieten ir die êre: si ist ein edel wîp. dâ mite ist ouch getiuwert unser ietweders lîp.‘

‚Nein, durch mîne liebe,‘ sprach dô Hagene. 1719 ‚sô wolden sich versinnen dise degene, daß ichß durch vorhte tæte, und solde ich hin gên. ine wil durch ir deheinen nimmer von dem sedel stên.

‚Jâ zimet eß uns beiden zwâre lâßen baß. 1720 zwiu sold ich den êren, der mir ist gehaß? daß getuon ich nimmer, die wîl ich hân den lîp: jane ruoche ich, waß mich nîdet des künic Etzelen wîp.‘

Der übermüete Hagene leit über sîniu bein 1721 ein vil liehteß wâfen, ûß des knophe schein ein vil liehter jaspis grüener denne ein gras. wol erkande eß Kriemhilt, daß eß Sîvrides was.

Dô si daß swert erkande, dô gie ir trûrens nôt. 1722 daß gehilz was guldîn, diu scheide ein borte rôt, eß mande si ir leide: weinen si began; ich wæne, eß hete dar umbe der küene Hagne getân.

Volkêr der snelle zôch nâher ûf der banc 1723 einen videlbogen starken, michel unde lanc, gelîch eime swerte, scharph unde breit. dô sâßen unervorhten die zwêne recken gemeit.

Nu dûhten sich sô hêre die zwêne küene man, 1724 daß si niht enwolden von dem sedel stân durch niemannes vorhte. des gieng in an den vuoß diu edele küneginne und bôt in vîntlîchen gruoß.

Si sprach: ‚nu saget, hêr Hagene, wer hât nâch iu gesant, 1725 daß ir getorstet rîten her in ditze lant, und ir daß wol erkandet, waß ir mir habet getân? hetet ir guote sinne, ir soldetß billîchen lân.‘

‚Nâch mir ensande niemen,‘ sprach dô Hagene. 1726 ‚man ladete her ze lande drîe degene, die heißent mîne hêrren: sô bin ich ir man; deheiner hovereise bin ich hinder in gestân.‘

Si sprach: ‚nu saget mir mêre, zwiu tâtet ir daß, 1727 daß ir daß habt verdienet, daß ich iu bin gehaß? ir sluoget Sîvriden, mînen lieben man, des ich unz an mîn ende immer mêr ze weinne hân.‘

Er sprach: ‚waß sol des mêre? der rede ist nu genuoc. 1728 ich binß et aber Hagene, der Sîvriden sluoc, den helt ze sînen handen: wie sêre er des enkalt, daß diu vrouwe Kriemhilt die schœnen Prünhilde schalt!

‚Eß ist et âne lougen, küneginne rîch, 1729 ich hân des alles schulde, des schaden schedelîch. nu reche eß, swer sô welle, eß sî wîp oder man. ich enwolde iu danne liegen, ich hân iu leides vil getân.‘

Si sprach: ‚daß hœret, recken, wâ er mir lougent niht 1730 aller mîner leide. swaß im dâ von geschiht, daß ist mir vil unmære, ir Etzelen man.‘ die übermüeten degene sâhen alle ein ander an.

Swer den strît dâ hüebe, sô wære dâ geschehen, 1731 daß man den zwein gesellen der êren müeße jehen, wan siß in stürmen hêten vil dicke wol getân. des sich jene vermâßen, durch vorhte muosen si daß lân.

Dô sprach ein der recken: ‚wes seht ir mich an? 1732 daß ich ê dâ lobete, des wil ich abe gân, durch niemannes gâbe verliesen mînen lîp. jâ wil uns verleiten des künic Etzelen wîp.‘

Dô sprach dâ bî ein ander: ‚des selben hân ich muot. 1733 der mir gæbe türne von rôtem golde guot, disen videlære wolde ich niht bestân durch sîne swinde blicke, die ich an im gesehen hân.

‚Ouch erkenne ich Hagenen von sînen jungen tagen: 1734 des mac man von dem recken lîhte mir gesagen. in zwein und zweinzec stürmen hân ich in gesehen, dâ vil maneger vrouwen ist herzeleit von im geschehen.

‚Er und der von Spâne trâten manegen stîc, 1735 dô si hie bî Etzel vâhten manegen wîc ze êren dem künege: des ist vil geschehen: dar umbe sol man Hagenen der êren billîchen jehen.

‚Dannoch was der recke sîner jâre ein kint, 1736 daß dô die tumben wâren, wie grîse die nu sint. nu ist er komen ze witzen und ist ein grimmec man; ouch treit er Balmungen, daß er übele gewan.‘