Der Nibelunge liet

Part 17

Chapter 173,755 wordsPublic domain

Do begunde er Dancwarten vil vaste ruofen an: A.1553 ‚hilfâ, lieber bruoder. jâ hât mich bestân ein helt zuo sînen handen: der enlât mich niht genesen.‘ dô sprach der küene Dancwart: ‚des sol ich scheidære wesen.‘

Der helt dô spranc dar nâher und sluoc im einen slac, A.1554 dâ von der hêrre Gelphrât vor im tôt gelac. Else wolde gerne rechen dô den man: er und sîn gesinde si schieden schedelîchen dan.

Im was erslagen der bruoder, selbe wart er wunt. A.1555 wol ahzec sîner degene beliben dâ zestunt mit dem grimmen tôde: der hêrre muose dan vlühteclîchen wenden von den Guntheres man.

Dô die von Beier lande wichen ûß dem wege, A.1556 dô hôrt man nâch hellen die vreislîchen slege: dô jagten die von Troneje ir vîenden nâch; die es niht enkelten wânden, den was allen ze gâch.

Dô sprach an ir vlühte Dancwart der degen: A.1557 ‚wir suln wider wenden balde ûf disen wegen, und lâße wir si rîten: si sint von bluote naß. gâhen wir zen vriunden: in triuwen rât ich iu daß.‘

Dô si hin wider kômen, da der schade was geschehen, A.1558 dô sprach von Tronje Hagene: ‚helde, ir sult besehen, wes uns hie gebreste oder wen wir hân verlorn hie in disme strîte durch den Gelphrâtes zorn.‘

Si heten vlorn viere; die muosen si verklagen, A.1559 si wâren wol vergolten; dâ wider was erslagen der von Beier lande hundert oder baß. des wâren den von Troneje ir schilde trüebe und bluotes naß.

Ein teil schein ûß wolken des liehten mânen brehen. A.1560 dô sprach aber Hagene: ‚niemen sol verjehen den mînen lieben hêrren, waß wir hie haben getân: lât si unz morgen âne sorge bestân.‘

Dô si nu nâch in kômen, die dort striten ê, A.1561 dô tete dem ingesinde diu müede harte wê. ‚wie lange sul wir rîten?‘ des vrâget manec man. dô sprach der küene Dancwart: ‚wir mugen niht herbergen hân.

‚Ir müeßet alle rîten, unz eß werde tac.‘ A.1562 Volkêr der snelle, der des gesindes phlac, bat den marschalc vrâgen: ‚wâ sul wir hînte sîn, da gerasten unser mære und ouch die lieben hêrren mîn?‘

Dô sprach der küene Dancwart: ‚ich enkans iu niht gesagen: A.1563 wir mugen niht geruowen, endß beginne tagen; swâ wirß danne vinden, dâ legen uns an ein gras.‘ dô si diu mære hôrten, wie leit in sümelîchen was!

Si beliben unvermeldet des heißen bluotes rôt, A.1564 unz daß diu sunne ir liehteß schînen bôt dem morgen über berge, daß eß der künec gesach, daß si gestriten hêten; der helt vil zorneclîchen sprach:

‚Wie nu, vriunt Hagene? iu wæne versmâhet daß, A.1565 daß ich iu bî wære, dâ iu die ringe naß sus wurden von dem bluote. wer hât iu daß getân?‘ er sprach: ‚daß tet Else: der hete uns nehten bestân.

‚Durch sînen vergen wir wurden an gerant. A.1566 dô sluoc Gelphrâten mînes bruoder hant. sît entran uns Else: des twanc in michel nôt: in hundert und uns viere beliben dâ in strîte tôt.‘

Wir kunnen niht bescheiden, wâ si sich leiten nider. A.1567 al die lantliute die gevrieschen sider, daß ze hove vüeren der edelen Uoten kint. si wurden wol enphangen dâ ze Paßßouwe sint.

Der edelen künege œheim, der bischof Pilgrîn, A.1568 dem wart vil wol ze muote, dô die neven sîn mit alsô vil recken kômen in daß lant. daß er in willec wære, daß wart in schiere bekant.

Si wurden wol enphangen von vriunden ûf den wegen. A.1569 dâ ze Paßßouwe man kunder niht gephlegen; si muosen über waßßer, dâ si vunden velt: dâ sluogen ûf die knehte hütten unde rîch gezelt.

Si muosen dâ belîben allen einen tac A.1570 und ouch die naht mit vollen. wie schône man ir phlac! dar nâch si muosen rîten in Rüedegêres lant: dem kâmen ouch diu mære, daß was im liebe bekant.

Dô die wegemüeden ruowe genâmen 1571 unde si dem lande nu nâher quâmen, dô vundens ûf der marke slâfende einen man, dem von Tronje Hagene ein starkeß wâfen an gewan.

Jâ was geheißen Eckewart der selbe rîter guot. A.1572 er gewan dar umbe vil trûrigen muot, daß er verlôs daß wâfen von der helde vart. die Rüedegêres marke vundens übele bewart.

‚Ouwê mir dirre schande,‘ sprach dô Eckewart. 1573 ‚jâ riuwet mich vil sêre der Burgunden vart. sît ich verlôs Sîvriden, sît was mîn vreude ergân; ouwê, hêrre Rüedegêr, wie hân ich wider dich getân.‘

Wol hôrte Hagene des edelen recken nôt: 1574 er gab im wider sîn wâfen und sehs bouge rôt. ‚die habe dir, helt, ze minnen, daß du mîn vriunt sîst; du bist ein degen küene, wie eine du hie gelîst.‘

‚Got lône iu iuwer bouge,‘ sprach dô Eckewart; 1575 ‚doch riuwet mich vil sêre zen Hiunen iuwer vart. ir sluoget Sîvriden; man ist iu hie gehaß: daß ir iuch wol hüetet, in triuwen rât ich iu daß.‘

‚Nu müeße uns Got behüeten,‘ sprach dô Hagene. 1576 ‚jan hânt niht mêre sorge dise degene, wan umb die herberge, die künege und ir man, wâ wir in disme lande noch hînte nahtselde hân.

‚Diu ros sint uns vermüedet ûf den verren wegen 1577 und spîse zerunnen,‘ sprach Hagene der degen: ‚wir vindenß ninder veile: uns wære wirtes nôt, der uns hînte gæbe durch sîne milte daß brôt.‘

Dô sprach aber Eckewart: ‚ich zeige iu einen wirt, 1578 daß ir zuo hûse selten baß komen birt, in deheime lande, als iu hie mac geschehen, ob ir snelle degene wellet Rüedegêren sehen.

‚Der sitzet bî der strâße und ist der beste wirt, 1579 der ie kom ze hûse. sîn herze tugende birt alsam der liehte meie daß gras mit bluomen tuot. sô er sol helden dienen, sô ist er vrœlîch gemuot.‘

Dô sprach der künic Gunther: ‚welt ir mîn bote sîn, 1580 ob uns welle behalten durch den willen mîn mîn lieber vriunt Rüedegêr, mîn mâge und unser man? daß wil ich immer dienen, sô ich aller beste kan.‘

‚Der bote bin ich gerne,‘ sprach dô Eckewart. 1581 mit vil guotem willen houb er sich an die vart und seite Rüedegêre, als er hete vernomen. im was in langen zîten niht sô lieber mære komen.

Man sach ze Bechlâren îlen einen degen. XVa.1582 selbe erkant in Rüedegêr; er sprach: ‚ûf disen wegen dort her gâhet Eckewart, ein Kriemhilde man.‘ er wânde, daß die vînde im heten leide getân.

Dô gie er vür die porte, dâ er den boten vant. 1583 daß swert er abe gurte und leite eß von der hant. er sprach zuo dem degene: ‚waß habt ir vernomen, daß ir alsô gâhet? hât uns ieman iht genomen?‘

‚Uns hat geschadet niemen,‘ sprach Eckewart zehant; 1584 ‚mich habent drî künege her zuoziu gesant: Gunther von Burgunden, Gîselher und Gêrnôt: der recken ieslîcher iu sînen dienest her enbôt.

‚Daß selbe hât ouch Hagene, dar zuo Volkêr 1585 mit triuwen vlîßeclîchen; noch sage ich iu mêr, daß iu des küneges marschalc Dancwart daß enbôt, daß den guoten knehten wær iuwer herberge nôt.‘

Mit lachendem munde sprach dô Rüedegêr: 1586 ‚nu wol mich dirre mære, daß die künege hêr geruochent mîner dienste; der wirt in niht verseit. koment si mir ze hûse, des bin ich vrœlîch gemeit.‘

‚Dancwart der marschalc hieß iuch wißßen lân, 1587 wen ir ze hûse mit in soldet hân: sehzec sneller recken und tûsent rîter guot und niun tûsent knehte.‘ dô wart er vrœlîch gemuot.

‚Nu wol mich dirre geste,‘ sprach dô Rüedegêr, 1588 ‚daß mir koment ze hûse dise recken hêr, den ich noch vil selten iht gedienet hân. nu rîtet in enkegene, beide mâge unde man.‘

Dô îlten zuo den rossen rîter unde kneht: 1589 swaß in gebôt ir hêrre, daß dûhtes alle reht. dô ließens in der dienste zogen deste baß. eß wesse niht vrou Gotelint, diu in ir kemenâten saß.

Âventiure

wie si ze Bechelâren kômen.

Dô gie der marcgrâve, dâ er die vrouwen vant, 1590 sîn wîp und sîne tohter, und seite in zehant diu lieben mære, diu er hete vernomen, daß in ir vrouwen bruoder dar ze hûse solden komen.

‚Vil liebe triutinne,‘ sprach dô Rüedegêr, 1591 ‚ir sult vil wol enphâhen die edelen künege hêr, sô si mit ir gesinde her ze hove gân. ir sult ouch schône grüeßen Hagenen Guntheres man.

‚Mit in kumt ouch einer, der heißet Dancwart; 1592 der ander heißet Volkêr, an zühten wol bewart. die sehse sult ir küssen und diu tohter mîn und sult ouch bî den recken in zühten güetlîchen sîn.‘

Daß lobten dô die vrouwen und wâren sîn bereit: 1593 si suohten ûß den kisten diu hêrlîchen kleit, dar inne si begegene den recken wolden gân. dâ wart vil michel vlîßen von schœnen wîben getân.

Gevelschet vrouwen varwe vil lützel man dâ vant. 1594 si truogen ûf ir houbten von golde liehtiu bant, daß wâren schapel rîche, daß in ir schœne hâr zervuorten niht die winde; si wâren hübsch unde clâr.

In solhen unmuoßen sul wir die vrouwen lân. 1595 hie wart vil michel gâhen über velt getân von Rüedegêres vriunden, dâ man die vürsten vant. si wurden wol enphangen in des marcgrâven lant.

Dô si der marcgrâve zuo im komen sach, 1596 ze sînen lieben gesten vrœlîch er dô sprach: ‚sît willekomen, ir hêrren und al iuwer man. hie in mîme lande vil gerne ich iuch gesehen hân.‘

Dô nigen im die recken mit triuwen âne haß. 1597 daß er in willec wære, wol erzeigte er daß. besunder gruoßter Hagenen: den het er ê bekant; sam tet er Volkêren ûßer Burgunden lant.

Er enphie ouch Dancwarten. dô sprach der küene degen: 1598 ‚sît ir uns welt beruochen, wer sol danne phlegen unseres ingesindes von Wormeß über Rîn?‘ dô sprach der marcgrâve: ‚die angest sult ir lâßen sîn.

‚Eß wirdet wol behalten, swaß ir in daß lant B. habt mit iu gevüeret, ros, silber und gewant, dem shaffe ich solhe huote, daß sîn niht wirt verlorn, daß iu ze schaden bringe gegen einem halben sporn.

‚Spannet ûf, ir knehte, die hütten an daß velt; 1599 swaß ir hie verlieset, des wil ich wesen gelt: ziehet ab die zoume, diu ros lâßet gân.‘ daß het in wirt deheiner dâ vor vil selten getân.

Des vreuten sich die geste. dô daß geschaffet was, 1600 die hêrren riten dannen. sich leiten in daß gras über al die knehte: si heten guot gemach. ich wæn, in an der verte nie sô samfte geschach.

Diu edel marcgrâvinne vür die burc was gegân 1601 mit ir schœnen tohter. dô sach man bî ir stân minneclîche vrouwen und manec schœne meit: die truogen vil der bouge unde hêrlîchiu kleit.

Daß edele gesteine lûhte verre dan 1602 ûß ir vil rîchen wæte: si wâren wol getân. dô kômen ouch die geste und erbeißten sâ zehant. hei, waß man grôßer zühte an den von Burgunden vant!

Sehs und drîßec meide und ander manec wîp, 1603 den was wol ze wunsche geschaffen der lîp: die giengen in enkegene mit manegem küenen man. dô wart schône grüeßen von edelen wîben getân.

Diu marcgrâvinne kuste die künege alle drî: 1604 alsam tet ir tohter. dô stuont Hagene bî. ir vater hieß in küssen: dô blicte si in an: er dûhte si sô vorhtlîch, daß siß vil gerne hete lân.

Doch muoste si dâ leisten, daß ir der wirt gebôt. 1605 gemischet wart ir varwe, bleich unde rôt. si kuste ouch Dancwarten, dar nâch den spilman: durch sînes lîbes ellen wart im daß grüeßen getân.

Diu junge marcgrâvinne nam bî der hant 1606 Gîselher den jungen von Burgunden lant: alsam tet ir muoter Gunther den küenen man. si giengen mit den helden vil harte vrœlîchen dan.

Der wirt gie bî Gêrnôte in einen wîten sal. 1607 rîter unde vrouwen gesâßen dâ ze tal. dô hieß man balde schenken den gesten guoten wîn. jâ endorften nimmer helde baß gehandelt sîn.

Mit lieben ougen blicken wart gesehen an 1608 Rüedegêres tohter: diu was sô wol getân. jâ trûtes in den sinnen vil manec rîter guot; daß kunde ouch si verdienen: si was vil hôhe gemuot.

Si gedâhten, swes si wolden; des enmoht ab niht geschehen. A.1609 hin und her widere wart dâ vil gesehen an meide und an vrouwen: der saß dâ genuoc. der edele videlære dem wirte holden willen truoc.

Nâch gewonheite sô schieden si sich dâ: 1610 rîter unde vrouwen die giengen anderswâ. dô rihte man die tische in dem sale wît; den unkunden gesten man diende willeclîche sît.

Durch der geste liebe hin ze tische gie 1611 diu edele marcgrâvinne; ir tohter si dô lie belîben bî den kinden, dâ si von rehte saß. die geste ir niht ensâhen: si muote wærlîchen daß.

Dô si getrunken hêten und geßßen über al, 1612 dô wîsete man die schœnen wider in den sal. gemelîcher sprüche wart dâ niht verdeit: der reite vil dô Volkêr, ein degen küene und gemeit.

Dô sprach offenlîchen der selbe spilman: 1613 ‚vil rîcher marcgrâve, Got hât an iu getân vil genædeclîchen, wan er iu hât gegeben ein wîp sô rehte schœne, dar zuo ein wünneclîcheß leben.

‚Ob ich ein vürste wære,‘ sprach der spilman, 1614 ‚und solde tragen krône, ze wîbe wolde ich hân iuwer schœne tohter: des wünschete mir der muot. diu ist minneclîch ze sehene, dar zuo edel unde guot.‘

Dô sprach der marcgrâve: ‚wie möhte daß gesîn, B. daß immer künic gerte der lieben tohter mîn? wir sîn hie ellende beide, ich und mîn wîp, und haben niht ze gebene: waß hilfet danne ir schœner lîp?‘

Des antwurte Gêrnôt, der wol gezogene man: A.1615 ‚und solde ich triutinne nâch mîme willen hân, sô wolde ich solhen wîbes immer werden vrô.‘ des antwurte Hagene harte zühteclîchen dô:

‚Nu sol mîn hêrre Gîselher nemen doch ein wîp: 1616 eß ist sô hôher mâge der marcgrâvinne lîp, daß wir ir gerne dienden, ich und sîne man, und soldes under krône dâ zen Burgunden gân.‘

Diu rede Rüedegêren dûhte harte guot 1617 und ouch Gotelinde: jâ vreute si in den muot. sît truogen an die helede, daß si ze wîbe nam Gîselher der edele, als eß künege wol gezam.

Swaß sich sol gevüegen, wer mac daß understên? A.1618 man bat die juncvrouwen hin ze hove gên: dô swuor man im ze gebene daß wünneclîche wîp: dâ lobte ouch er ze minnen ir vil minneclîchen lîp.

Man beschiet der juncvrouwen bürge unde lant. A.1619 des sichert dâ mit eiden des edelen küneges hant und der hêrre Gêrnôt, daß wurde daß getân. dô sprach der marcgrâve: ‚sît ich der bürge niht enhân,

‚Sô sol ich iu mit triuwen immer wesen holt. A.1620 ich gibe zuo mîner tohter silber unde golt, sô hundert soumære meist mügen tragen, daß eß iu helden nâch êren müge wol behagen.‘

Dô hieß man si beide stên an einen rinc 1621 nâch gewonheite. vil manec jungelinc in vrœlîchem muote ir zegagene stuont: si gedâhten in ir sinnen, sô noch die tumben gerne tuont.

Dô man begunde vrâgen die minneclîchen meit, 1622 ob si den recken wolde, ein teil was eß ir leit; doch dâhte si ze nemene den wætlîchen man. si schamte sich der vrâge, sô manec meit hât getân.

Ir riet ir vater Rüedegêr, daß si spræche jâ 1623 und daß si in gerne næme: vil schiere dô was dâ mit sînen wîßen handen, der si umbeslôß, Gîselher der junge; swie lützel si sîn doch genôß.

Dô sprach der marcgrâve: ‚ir edelen künege rîch, 1624 als ir nu wider rîtet, daß ist gewonlîch, heim zuo ziuren landen, sô gib ich iu mîn kint, daß ir si mit iu vüeret,‘ daß gelobten si sint.

Swaß man dâ schalles hôrte, den muosen si doch lân. 1625 man hieß die juncvrouwen ze kemenâten gân und ouch die geste slâfen mit ruowe an den tac. do bereite man die spîse; der wirt ir güetlîche phlac.

Dô si enbißßen wâren, si wolden dannen varn 1626 gên der Hiunen lande, ‚daß hieß ich wol bewarn,‘ sprach der wirt edele, ‚ir sult noch hie bestân, wan ich sô lieber geste selten iht gewunnen hân.‘

Des antwurte Dancwart: ‚des mac niht gesîn: 1627 wâ næmet ir die spîse, daß brôt und ouch den wîn, daß ir sô manegen recken noch hînte müeßet hân?‘ dô daß der wirt erhôrte, er sprach: ‚ir sult die rede lân.

‚Mîne vil lieben hêrren, ir sult mir niht versagen; 1628 jâ gib ich iu die spîse ze vierzehen tagen mit allem dem gesinde, daß mit iu her ist komen. mir hât der künic Etzel noch vil wênic iht genomen.‘

Swie sêre si sich werten, si muosen dâ bestân 1629 unz an den vierden morgen. dô wart dâ getân von des wirtes milte, daß verre wart geseit: er gap sînen gesten beidiu ros unde kleit.

Eß kunde langer niht gewern, si muosen dannen varn. 1630 Rüedegêr der kunde wênic iht gesparn von sîner milte: swes iemen gerte nemen, daß verseiter niemen: eß muose in allen wol gezemen.

Ir edel ingesinde brâhte vür daß tor 1631 gesatelt vil der mœre. dô kom zuo in dâ vor vil vremder recken: die truogen schilt enhant, wan si wolten rîten in daß Etzelen lant.

Der wirt dô sîne gâbe bôt über al, 1632 ê die edelen geste kœmen vür den sal. er kunde miltlîche mit grôßen êren leben: sîne tohter schœne het er Gîselher gegeben.

Dô gab er Gêrnôte ein wâfen guot genuoc, 1633 daß er sît in stürmen vil hêrlîchen truoc. der gâbe im wol gunde des marcgrâven wîp; dâ von der guote Rüedegêr sît muose vliesen den lîp.

Dô gab er Guntheren, dem helde lobelîch, A.1634 daß wol truoc mit êren der edel künic rîch, swie er selten gâbe enphienge, ein wâfenlîch gewant. dar nâch neic Gunther des edelen Rüedegêres hant.

Gotelint bôt Hagenen, als ir wol gezam, A.1635 ir minneclîche gâbe, sît si der künic nam, daß er âne ir stiure zuo der hôhgezît von ir niht varn solde: doch widerreite er eß sît.

‚Alles, des ich ie gesach,‘ sprach dô Hagene, 1636 ‚so engerte ich hinnen mêre niht zuo tragene niuwan jenes schildes dort an der want: den wolde ich gerne vüeren in Etzelen lant.‘

Dô diu marcgrâvinne Hagenen rede vernam, 1637 eß mande si ir leide: weinens si gezam. dô dâhte si vil tiure an Nuodunges tôt, den hete erslagen Witege: dâ von het si jâmers nôt.

Si sprach zuo dem degene: ‚den schilt wil ich iu geben. 1638 daß wolde Got von himele, daß er noch solde leben, der in dâ truoc enhende! der lac in sturme tôt. den muoß ich immer weinen: des gât mir armen wîbe nôt.‘

Diu edel marcgrâvinne von dem sedele gie, 1639 mit ir vil wîßen handen si den schilt gevie: diu vrouwe truoc in Hagenen; er nam in an die hant. diu gâbe was mit êren an den recken gewant.

Ein hulft von liehtem phelle ob sîner varwe lac. 1640 beßßern schilt deheinen belûhte nie der tac. von edelem gesteine, der sîn hete begert ze koufen, an der koste was er wol tûsent marke wert.

Den schilt hieß dô Hagene von im tragen dan. A.1641 dô begunde Dancwart hin ze hove gân. dem gab vil rîchiu kleider des marcgrâven kint, diu er dâ zen Hiunen truoc vil vrœlîchen sint.

Alleß, daß der gâbe von in wart genomen, 1642 in ir deheines hende wær ir niht bekomen wan durch des wirtes liebe, derß in sô schône bôt. sît wurden si im sô vîent, daß si in slahen muosen tôt.

Volkêr der vil snelle mit sîner videlen dan 1643 gie gezogenlîchen vür Gotelinde stân. er videlte süeße dœne und sanc ir sîniu liet: dâ mit nam er urloup, dô er von Bechlâren schiet.

Ir hieß diu marcgrâvinne eine lade tragen, 1644 von vriuntlîcher gâbe muget ir hœren sagen: dar ûß nam si zwelf bouge und spien ims an die hant: ‚die sult ir hinnen vüeren in daß Etzelen lant

‚Und sult durch mînen willen si ze hove tragen: 1645 swenne ir wider wendet, daß man mir müge sagen, wie ir mir habet gedienet dâ ze der hôhzît.‘ des diu vrouwe gerte, vil wol leistete er daß sît.

Dô sprach der wirt zen gesten: ‚ir sult dest samfter varn: 1646 ich wil iuch selbe leiten und heißen wol bewarn, daß iu ûf der straße niemen müge schaden.‘ dô wurden sîne soume harte schiere geladen.

Der wirt wart wol bereitet mit vünf hundert man, 1647 mit rossen und mit kleidern: die vuorte er mit im dan vil harte vrœlîchen zuo der hôhgezît; der einer mit dem lîbe kom nie ze Bechlâren sît.

Mit kusse minneclîchen der wirt dô dannen schiet: 1648 alsô tet ouch Gîselher, als im diu liebe riet. mit umbesloßßen armen si trûten schœniu wîp; daß muose sît beweinen vil maneger juncvrouwen lîp.

Dô wurden allenthalben diu venster ûf getân. 1649 der wirt mit sînen mannen ze rossen wolde gân. ich wæn, ir herze in seite diu krefteclîchen leit: dâ weinde manec vrouwe und manec wætlîchiu meit.

Nâch ir lieben vriunden genuoge heten sêr, 1650 die si ze Bechelâren gesâhen nimmer mêr. doch riten si mit vreuden nider über sant ze tal bî Tuonouwe in daß Hiunische lant.

Dô sprach zen Burgunden der rîter vil gemeit, 1651 Rüedegêr der edele: ‚jâ suln niht verdeit wesen unser mære, daß wir zen Hiunen komen. im hât der künic Etzel nie so liebes niht vernomen.‘

Ze tal durch Ôsterrîche vil manec bote reit: 1652 den liuten allenthalben wart daß wol geseit, daß die helde kœmen von Wormeß über Rîn. des küneges ingesinde kunde eß niht lieber gesîn.

Die boten vür strichen mit den mæren, XVIa.1653 daß die Niblungen zuo den Hiunen wæren: ‚du solt si wol enphâhen, Kriemhilt, vrouwe mîn: dir koment nâch grôßen êren die vil lieben bruoder dîn.‘

Dô diu küneginne vernam diu mære, C.1654 ir begunde entwîchen ein teil ir swære: von ir vater lande kom ir vil manec man, dâ von der künic Etzel vil manegen jâmer sît gewan.

‚Nu wol mich mîner vreuden,‘ sô sprach Kriemhilt. 1655 ‚hie bringent mîne mâge vil manegen niuwen schilt und halsperge wîße: swer nemen welle golt, der denke mîner leide: ich wil im immer wesen holt.‘

Si gedâhte tougenlîche: ‚noch möhte es werden rât. C. der mich an mînen vreuden alsô gephendet hât, mag ich daß gevüegen, eß sol im leide ergân ze dirre hôhgezîte, des ich vil guoten willen hân.

‚Ich solß alsô schaffen, daß mîn râche ergê C. in dirre hôhgezîte, swieß dar nâch gestê, an sînem argen lîbe, der mir hât genomen vil der mînen wünne: des sol ich nu ze gelte komen.‘