Der Nibelunge liet

Part 15

Chapter 153,788 wordsPublic domain

‚Und saget ouch Gêrnôte, dem edelen bruoder mîn, 1357 daß im zer werlde niemen holder müge sîn. bitet, daß er mir bringe her in ditze lant unser besten vriunde, deiß uns zen êren sî gewant.

‚Sô saget ouch Gîselhere, daß er gedenke dran, A.1358 daß ich von sînen schulden nie leides niht gewan: des sæhen in vil gerne hie diu ougen mîn des wolde ich immer mêre hinz im dienende sîn.

‚Saget ouch mîner muoter die êre, die ich hân, A.1359 und ob von Troneje Hagene welle dort bestân, wer si danne wîsen solde durch diu lant: dem sint die wege von kinde her zen Hiunen wol bekant.‘

Die boten niene wessen, wâ von daß was getân, A.1360 daß si von Troneje Hagenen niht ensolden lân belîben bî dem Rîne. eß wart in sider leit: mit im was manegem degene zem grimmen tôde widerseit.

Brieve unde botschaft was in nu gegeben. 1361 si vuoren guotes rîche und mohten schône leben. urloup gap in Etzel und ouch sîn schœne wîp; in was von guoter wæte vil wol gezieret der lîp.

Âventiure

wie Werbel unde Swemel die botschaft wurben.

Dô Etzel sîne boten zuo dem Rîne sande, A.1362 dô vlugen disiu mære von lande ze lande: mit boten harte snellen er bat und ouch gebôt zuo sîner hôhgezîte; des holte maneger dâ den tôt.

Die boten dannen vuoren ûßer Hiunen lant A.1363 zuo den Burgunden: dar wâren si gesant nâch drin edelen künegen und ouch nâch ir man: si solten komen Etzelen; des man dô gâhen began.

Hin ze Bechlâren kômen si geriten: 1364 dâ diende man in gerne, daßn wart dâ niht vermiten. Rüedgêr sînen dienest enbôt und Gotelint bî in hin ze Rîne und ouch des marcgrâven kint.

Sine ließens âne gâbe von in niht scheiden dan, A.1365 daß deste baß gevüeren die Etzelen man. Uoten und ir kinden enbôt dô Rüedegêr, sine heten in sô wægen deheinen marcgrâven mêr.

Si enbuten ouch Prünhilde dienest unde guot, A.1366 stætelîche triuwe und willigen muot. dô si die rede vernâmen, die boten wolden varn: si bat diu marcgrâvinne Got von himele bewarn.

Ê daß die boten kœmen vol durch Beier lant, A.1367 Werbel der vil snelle den guoten bischof vant. waß der dô sînen vriunden hin ze Rîne enbôt, daß ist mir niht gewißßen: niuwan sîn golt alsô rôt

Gab er den boten ze minnen. rîten er si lie. A.1368 dô sprach der bischof Pilgerîn: ‚und solde ichs sehen hie, mir wære wol ze muote, die swester süne mîn: ich mac leider selten zuozin komen an den Rîn.‘

Welhe wege si vüeren ze Rîne durch diu lant, 1369 des kan ich niht bescheiden. ir silber und gewant des ennam in nieman: man vorhte ir hêrren zorn: jâ was vil gewaltec der edele künic wol geborn.

Inre tagen zwelfen kômens an den Rîn, 1370 ze Wormeß zuo dem lande, Werbel und Swemelîn. A. dô sagte man diu mære den künegen und ir man, dâ kœmen boten vremede: Gunther dô vrâgen began.

Dô sprach der vogt von Rîne: ‚wer tuot uns daß bekant, A.1371 von wannen dise vremeden riten in daß lant?‘ daß enwesse nieman, unze daß si sach Hagene von Troneje dô ze Gunthere sprach:

‚Uns koment niuwe mære, des wil ich iu verjehen: A.1372 die Etzelen videlære die hân ich hie gesehen; si hât iuwer swester gesendet an den Rîn: si suln uns durch ir hêrren grôße willekomen sîn.‘

Si riten al bereite vür den palas dan: A.1373 eß gevuoren hêrlîcher nie vürsten spileman. A. des küneges ingesinde enphie si sâ zehant: man gab in herberge und hieß behalten ir gewant.

Ir reiskleider wâren rîch und sô wolgetân, A.1374 jâ mohten si mit êren vür den künic gân; sine wolden ir niht mêre dâ ze hove tragen. ob ir ieman geruohte, die boten hießen daß sagen.

In der selben mâße man ouch liute vant, A.1375 die eß vil gerne nâmen: den wart eß gesant. dô leiten an die geste verre rîcher wât, als eß boten küneges ze tragene hêrlîche stât.

Dô gie mit urloube, dâ der künic saß, A.1376 daß Etzelen gesinde: gerne sach man daß. Hagene von dem sedele gein den boten spranc und enphie si minneclîche: des sagten im die knappen danc.

Durch diu kunden mære vrâgen er began, A.1377 wie sich Etzele gehabete und die sîne man. dô sprach der videlære: ‚daß lant gestuont nie baß, noch sô vrô die liute: nu wißßet endelîche daß.‘

Er brâhtes zuo dem wirte; der palas der was vol: 1378 do enphie man die geste, sô man boten sol güetlîchen grüeßen in ander künege lant. Werbel vil der recken dâ bî Gunthere vant.

Der künec gezogenlîche grüeßen si began: 1379 ‚sît willekomen beide, ir Etzelen spileman, und iuwer hergesellen. wes hât iuch her gesant Etzele der rîche zuo der Burgunden lant?‘

Si nigen dô dem künege. dô sprach Werbelîn: 1380 ‚iu enbiutet sînen dienest der liebe hêrre mîn und Kriemhilt iuwer swester her in ditze lant: si habent uns iu recken ûf guote triuwe her gesant.‘

Dô sprach der vürste rîche: ‚der mære bin ich vrô. A.1381 wie gehabt sich Etzele,‘ vrâgte der degen dô, ‚und Kriemhilt mîn swester ûßer Hiunen lant?‘ dô sprach der videlære: ‚diu mære tuon ich iu bekant.

‚Sich gehabten künege, ir sult wol wißßen daß, A.1382 in deheinem lande vrœlîcher noch baß, und alleß daß gedigene, die mâge und ouch ir man, si vreuten sich der verte, dô wir schieden von dan.‘

‚Genâde sîner dienste, die er mir enboten hât, A.1383 unde mîner swester, sît eß alsô stât, daß si lebent mit vreuden, der künec und sîne man, wande ich doch der mære gevrâget sorgende hân.‘

Die zwêne jungen künege die wâren ouch nu komen: A.1384 si heten disiu mære alrêste dô vernomen. durch sîner swester liebe die boten gerne sach Gîselher der junge zuo zin dô minneclîchen sprach:

‚Ir boten sult uns grôße willekomen sîn; 1385 ob ir dicker woldet her rîten an den Rîn, ir vündet hie die vriunde, die ir gerne möhtet sehen. iu solte hie ze lande vil wênec leides geschehen.‘

‚Wir triuwen iu aller êren,‘ sprach dô Swemlîn; 1386 ‚ine kunde iu niht bediuten mit den sinnen mîn, wie rehte minneclîche iu Etzel enboten hât und iuwer edele swester, der dinc in hôhen êren stât.

‚Genâde unde triuwen mant iuch des küneges wîp, 1387 und daß ir ie was wæge iur herze und iuwer lîp. und ze vordrest dem künege sî wir her gesant, daß ir geruochet rîten zuo zin in Etzelen lant.

‚Eß sol ouch mit iu rîten der hêrre Gêrnôt. A.1388 Etzel der rîche iu allen daß enbôt, ob ir iuch iuwer swester niht sehen woldet lân, sô wolde er gerne wißßen, waß er iu hête getân,

‚Daß ir in alsô vremdet und ouch sîniu lant. A.1389 ob iu diu küneginne wær nie mêr bekant, sô möhte er doch verdienen, daß ir in geruochet sehen: swenne daß ergienge, sô wær im liebe geschehen.‘

Dô sprach der künic Gunther: ‚über dise siben naht 1390 sô künde ich iu diu mære, wes ich mich hân bedâht mit den mînen vriunden: die wîle sult ir gân in iuwer herberge und sult vil guote ruowe hân.‘

Dô sprach aber Werbelîn: ‚und möhte daß geschehen, A.1391 daß wir mîne vrouwen kunden ê gesehen, Uoten die vil rîchen, ê wir schüefen uns gemach?‘ Gîselher der edele vil harte zühteclîchen sprach:

‚Daß ensol iu niemen wenden; und welt ir vür si gân, A.1392 ir habet mîner muoter willen gar getân; wan si siht iuch gerne durch die swester mîn, vroun Kriemhilde: ir sult ir willekomen sîn.‘

Gîselher si brâhte, dâ er die vrouwen vant. A.1393 die boten sach si gerne ûß der Hiunen lant: si gruoßtes minneclîche durch tugenthaften muot. dô sagten ir diu mære die boten hövisch unde guot.

‚Mîn vrou iu her enbiutet,‘ sô sprach Swemelîn, A.1394 ‚ir dienst in grôßen triuwen, und möhte daß gesîn, daß si iuch dicke sæhe, ir sult gelouben daß, sô wær ir in der werlte mit deheinen vreuden baß.‘

Dô sprach diu küneginne: ‚des mac nu niht gesîn. A.1395 swie gerne ich dicke sæhe die lieben tohter mîn, so ist leider mir ze verre des edelen küneges wîp. nu sî immer sælec ir und Etzelen lîp.

‚Ir sult mich lâßen wißßen, ê irß gerûmet hie, A.1396 swenne ir wider wendet: ine gesach sô gerne nie boten in langen zîten, danne ich iuch hân gesehen.‘ die knappen ir dô lobeten, daß si daß ließen geschehen.

Zen herbergen vuoren die von Hiunen lant. 1397 dô hete der künic rîche nâch vriunden sîn gesant. Gunther der edele vrâgte sîne man, wie in diu rede geviele? vil maneger sprechen dô began,

Daß er wol möhte rîten in Etzelen lant. 1398 daß rieten im die besten, die er dar under vant, niuwan Hagen eine: dem was eß grimme leit. er sprach zem künege tougen: ‚ir habt iu selben widerseit.

‚Nu ist iu doch gewißßen, waß wir haben getân: 1399 wir mugen immer sorge zuo Kriemhilde hân, wan ich sluoc ze tode ir man mit mîner hant: wie getorsten wir gerîten in daß Etzelen lant?‘

Dô sprach der künic rîche: ‚mîn swester lie den zorn. 1400 mit kusse minneclîche si hât ûf uns verkorn, daß wir ir ie getâten, ê daß si hinnen reit, eß ensî et, Hagene, iu eime von ir widerseit.‘

‚Nu lât iuch niht betriegen,‘ sprach Hagene, ‚swes si jehen, 1401 die boten von den Hiunen. welt ir Kriemhilde sehen, ir mugt wol dâ verliesen die êre und ouch den lîp: eß ist vil lancræche des küneges Etzelen wîp.‘

Dô sprach zuo dem râte der vürste Gêrnôt: 1402 ‚sît ir von schulden vürhtet dâ den tôt in Hiunischen rîchen; solt wirß dar umbe lân, wirn sæhen unser swester, daß wær vil übele getân.‘

Dô sprach der hêrre Gîselher zuo dem degene: A.1403 ‚sît ir iuch schuldec wißßet, vriunt Hagene, sô sult ir hie belîben und iuch vil wol bewarn und lâßet die getürstigen mit uns zuo den Hiunen varn.‘

Dô begunde zürnen von Tronje der degen: A.1404 ‚ich wil niht, daß ir vüeret iemen ûf den wegen, der getürre rîten mit iu ze hove baß. sît ir niht welt erwinden, ich sol iu wol erzeigen daß.‘

Dô sprach der kuchenmeister Rûmolt der degen: 1405 ‚der vremden und der kunden mugt ir wol heißen phlegen nâch iuwer selbes willen, wand ir habt vollen rât. ich wæne niht, daß Hagene iuch noch vergîselet hât.

‚Welt ir niht volgen Hagenen, iu rætet Rûmolt, 1406 wand ich iu bin mit triuwen dienstlîchen holt, daß ir hie sult belîben durch den willen mîn, und lât den künic Etzelen dort bî Kriemhilde sîn.

‚Wie kund iu in der werlte immer samfter wesen? 1407 ir muget vor iuwern vînden hie heime wol genesen. ir sult mit guoten kleidern zieren wol den lîp, trinket wîn, den besten, und minnet wætlîchiu wîp.

‚Dar zuo gît man iu spîse, die besten, die ie hât A.1408 in der werlte künec deheiner. iur lant vil schône stât: ir mugt iuch Etzelen hôhgezît mit êren wol bewegen und mugt mit iuwern vriunden vil guoter kurzwîle phlegen.

‚Ob ir niht anders hêtet, daß ir möht geleben, C. ich wolde iu einer spîse den vollen immer geben, sniten in öl gebrouwen. deist Rûmoldes rât, sît eß sô angestlîchen, ir hêrren, dâ zen Hiunen stât.

‚Ich weiß, daß mîn vrou Kriemhilt iu nimmer wirdet holt; C. ouch habt ir unde Hagene zir anders niht versolt. des sult ir belîben, eß mac iu werden leit: ir kumet es an ein ende, daß ich iu niht hân misseseit.

‚Des rât ich iu belîben. rîch sint iuwer lant: 1409 man mac iu baß erlœsen hie heime diu phant danne dâ zen Hiunen: wer weiß, wie eß dâ stât? ir sult belîben, hêrren: daß ist der Rûmoldes rât.

‚Wir wellen niht belîben,‘ sprach dô Gêrnôt. 1410 ‚sît daß uns mîn swester sô vriuntlîche enbôt und Etzele der rîche, zwiu solde wir daß lân? der dar niht gerne welle, der mac hie heime bestân.‘

‚Entriuwen,‘ sprach dô Rûmolt, ‚ich solß der eine sîn, C. der durch Etzelen hôhgezît kumt nimmer über Rîn. zwiu solde ich daß wâgen, daß ich wæger hân? die wîle ich mag immer, wil ich mich selbe leben lân.‘

‚Des selben wil ich volgen,‘ sprach Ortwîn der degen: C. ‚ich wil des geschäftes hie heime mit iu phlegen.‘ dô sprâchen ir genuoge, si woldenß ouch bewarn: ‚Got lâße iuch, liebe hêrren, dâ zen Hiunen wol gevarn.‘

Der künec begunde zürnen, dô er daß gesach, C. daß si dâ heime wolden schaffen ir gemach: ‚dar umbe wirß niht lâßen, wir müeßen an die vart: eß waldet guoter sinne, der sich alle zît bewart.‘

Des antwurte Hagene: ‚lât iuch unbilden niht 1411 mîne rede dar umbe; swie halt iu geschiht, ich rât iu an den triuwen, welt ir iuch wol bewarn, sô sult ir zuo den Hiunen vile werlîchen varn.

‚Sît ir niht welt erwinden, so besendet iuwer man, A.1412 die besten, die ir vindet oder inder muget hân, sô wel ich ûß in allen tûsent rîter guot: sone mag iu niht gewerren der argen Kriemhilde muot.‘

‚Des wil ich gerne volgen,‘ sprach der künec zehant. 1413 dô hieß er boten rîten wîte in sîn lant: dô brâhte man der helde driu tûsent oder mêr. sin wânden niht erwerben alsô gremlîchiu sêr.

Si riten vrœlîche in Guntheres lant. A.1414 man hieß in geben allen ros und ouch gewant, die dâ varen solden zuo den Hiunen dan. der künec mit guotem willen der vil manegen gewan.

Dô hieß von Tronje Hagene Dancwart den bruoder sîn 1415 ir beider recken ahzec vüeren an den Rîn. die kômen rîterlîche: harnas und gewant vuorten die vil snellen in daß Guntheres lant.

Dô kom der küene Volkêr, ein edel spilman, 1416 zuo der hovereise mit drîßec sîner man: die heten sölch gewæte, eß möhte ein künic tragen. daß er zen Hiunen wolde, daß ließ er Gunthere sagen.

Wer der Volkêr wære, daß wilch iuch wißßen lân. 1417 er was ein edel hêrre: im was ouch undertân vil der guoten recken in Burgunden lant. durch daß er videlen kunde, was er spilman genant.

Hagne welte tûsent: die het er wol bekant; A.1418 waß in starken stürmen hete gevrumet ir hant, oder swaß si ie begiengen, des het er vil gesehen: in kunde ouch anders nieman niuwan vrümekeite jehen.

Die boten Kriemhilde vil sêre dâ verdrôß: 1419 wan ir vorht zir hêrren diu was harte grôß: si gerten tegelîche urloubes von dan. des engunde in niht Hagene: daß was durch liste getân.

Er sprach zuo sîme hêrren: ‚wir suln daß wol bewarn, 1420 daß wir si lâßen rîten, ê daß wir selbe varn dar nâch in siben nahten in Etzelen lant. treit uns iemen argen muot, daß wirt uns dester baß erkant.

‚Sone mac ouch sich vrou Kriemhilt bereiten niht dar zuo, 1421 daß uns durch ir ræte ieman schaden tuo. hât aber si den willen, eß mag ir leide ergân: wir vüern mit uns zen Hiunen sô manegen ûß erwelten man.‘

Schilde unde setele und alleß ir gewant, 1422 daß si vüeren wolden in Etzelen lant, daß was nu gar bereitet vil manegem küenen man. die boten Kriemhilde hieß man vür Guntheren gân.

Dô die boten kômen, dô sprach Gêrnôt: 1423 ‚der künic wil des volgen, daß uns Etzel her enbôt. wir wellen komen gerne zuo sîner hôhgezît und sehen unser swester; daß ir des âne zwîvel sît.‘

Dô sprach der künic Gunther: ‚kunnet ir uns gesagen, 1424 wenne sî diu hôhgezît, oder in welhen tagen wir dar komen solden?‘ dô sprach Swemelîn: ‚zen næhsten sunewenden sol si vil wærlîchen sîn.‘

Der künic in erloubte, des was noch niht geschehen, A.1425 ob si wolden gerne vroun Prünhilde sehen, daß si vür si solten mit sînem willen gân. daß understuont dô Volkêr: daß was ir liebe getân.

‚Jane ist mîn vrouwe Prünhilt nu niht sô wol gemuot, A.1426 daß ir si muget schouwen,‘ sprach der rîter guot. bîtet unz morgen: sô lât man si iuch sehen.‘ dô si wânden schouwen, dône kundes niht geschehen.

Dô ließ der vürste rîche, er was den boten holt, 1427 durch sîn selbes tugende tragen dar sîn golt ûf den breiten schilten: des mohter vil gehân. ouch wart in rîchiu gâbe von sînen vriunden getân.

Gîselher und Gêrnôt, Gêre und Ortwîn, A.1428 daß si ouch milte wâren, daß tâten si wol schîn. alsô rîche gâbe si die boten buten an, daß sis vor ir hêrren niht getorsten enphân.

Dô sprach zuo dem künege der bote Werbelîn: A.1429 ‚her künec, lât iuwer gâbe hie ze lande sîn. wir mugen ir doch niht vüeren, mîn hêrre eß uns verbôt, daß wir iht gâbe næmen: ouch ist es harte lützel nôt.‘

Dô wart der vogt von Rîne dâ von vil ungemuot, A.1430 daß si versprechen wolden sô rîches küneges guot: dô muosen si enphâhen sîn golt und sîn gewant, daß si mit in vuorten sît in Etzelen lant.

Si wolden sehen Uoten, ê daß si schieden dan. A.1431 Gîselher der junge brâht die spileman vür sîne muoter Uoten; diu vrouwe enbôt dô dan, swaß si êren hête, daß wære ir liebe getân.

Dô hieß diu küneginne ir borten und ir golt A.1432 geben durch Kriemhilde, wan der was si holt, und durch den künic Etzelen den selben spilman. si mohtenß gerne enphâhen: eß was mit triuwen getân.

Urloup genomen hêten die boten nu von dan 1433 von mannen und von wîben; mit vreuden si dô dan vuoren unz in Swâben: dar hieß si Gêrnôt beleiten sîne helde, daß eß in niemen missebôt.

Dô sich die von in schieden, die ir dâ solden phlegen, 1434 diu Etzelen hêrschaft si vridete ûf den wegen: des ennam in nieman ros noch ir gewant. si begunden vaste gâhen wider in der Hiunen lant.

Swâ si vriunde westen, daß tâten si den kunt, A.1435 daß die von Burgunden in vil kurzer stunt kœmen her von Rîne in der Hiunen lant. dem Bischof Piligrîne wart ouch daß mære bekant.

Dô si vür Bechlâren die strâße nider riten, 1436 man seit eß Rüedegêre, desn wart niht vermiten, und vroun Gotelinde, des marcgrâven wîp. daß si si sehen solden, des wart vil vrœlîch ir lîp.

Gâhen mit den mœren sach man die spilman. 1437 Etzelen si vunden in sîner stat ze Gran. dienst über dienste, der man im vil enbôt, seiten si dem künege: vor liebe wart er vreuden rôt.

Dô diu küneginne diu mære rehte ervant, 1438 daß ir bruoder solden komen in daß lant, dô was ir wol ze muote. si lônde den spilman mit vil grôßer gâbe: daß was ir êre getân.

Si sprach: ‚nu saget beide, Werbel und Swemlîn, A.1439 welhe mîne vriunde zer hôhzît wellen sîn, der besten, die wir ladeten her in ditze lant. nu saget, waß redet Hagene, dô er diu mære bevant?‘

‚Er kom zuo der sprâche an einem morgen vruo: A.1440 lützel guoter sprüche redet er der zuo, dô si die reise lobeten her in Hiunen lant: daß was dem grimmen Hagene gar zem tôde genant.

‚Eß kument iuwer bruoder die künege alle drî A.1441 in hêrlîchem muote. swer mêr dar mite sî, der mære ich endelîchen wißßen niene kan. eß lobte mit in rîten Volkêr der küene spilman.‘

‚Des enbær ich harte lîhte,‘ sprach des küneges wîp, 1442 ‚daß ich immer hie gesæhe den Volkêres lîp: Hagnen bin ich wæge, der ist ein helt guot: daß wirn hie sehen müeßen, des stât mir hôhe der muot.‘

Dô gie diu küneginne, dâ si den künic sach. 1443 wie rehte minneclîche vrou Kriemhilt dô sprach: ‚wie gevallent iu diu mære, vil lieber hêrre mîn? des ie mîn wille gerte, daß sol nu gar verendet sîn.‘

‚Dîn wille derst mîn vreude,‘ sprach der künic dô. 1444 ‚ine wart mîn selbes mâge nie sô rehte vrô, ob si immer komen solden her in mîniu lant. durch liebe dîner vriunde sô ist mîn sorge verswant.‘

Des küneges amptliute die hießen über al 1445 mit gesidelen rihten palas unde sal gên den lieben gesten, die in dâ solden komen. sît wart von in dem künege vil michel wünne benomen.

Âventiure

wie die künege zuo den Hiunen vuoren.

Nu lâßen daß belîben, wie si gebâren hie. A.1446 hôch gemuoter recken die gevuoren nie sô rehte hêrlîchen in deheines küneges lant. si heten, swaß si wolden, beide wâfen und gewant.

Der vogt von dem Rîne kleidete sîne man XIV.1447 sehzec unde tûsent, als ich vernomen hân, und niun tûsent knehte gên der hôhzît. die si dâ heime ließen, die beweinden eß sît.

Dô truoc man daß gereite ze Wormeß über den hof. 1448 dô sprach dâ von Spîre ein alter bischof zuo der schœnen Uoten: ‚unser vriunde wellent varn gên der hôhzîte: Got müeße si dâ bewarn.‘

Dô sprach zuozir kinden diu edele Uote: 1449 ‚ir soldet hie belîben, helde guote. mir ist getroumet hînte von engestlîcher nôt, wie alleß daß gevügele in disme lande wære tôt.‘

‚Swer sich an troume wendet,‘ sprach dô Hagene, 1450 ‚der enweiß der rehten mære niht ze sagene, wenne eß im zen êren volleclîchen stê. ich wil, daß mîn hêrre ze hove nâch urloube gê.

‚Wir suln vil gerne rîten in Etzelen lant: 1451 dâ mac wol dienen künege guoter helde hant, dâ wir dâ schouwen müeßen Kriemhilde hôhzît.‘ Hagne riet die reise; iedoch gerouw eß in sît.

Er heteß widerrâten, wan daß Gêrnôt 1452 mit ungevüege im alsô missebôt. er mant in Sîvrides, vroun Kriemhilde man: er sprach: ‚dâ von wil Hagene die grôßen hovereise lân.‘

Dô sprach von Troneje Hagene: ‚durch vorhte ich niht entuo. 1453 swenne ir gebietet, helde, sô sult ir grîfen zuo: jâ rîte ich mit iu gerne in Etzelen lant.‘ sît wart von im verhouwen manec helm unde rant.

Diu schif bereitet wâren den künegen und ir man; A.1454 swaß si kleider hêten, diu truoc man dar an. si wâren vil unmüeßec vor âbendes zît; si huoben sich von hûse vil harte vrœlîche sît.

Gezelt unde hütten spien man an daß gras A.1455 anderhalp des Rînes, dâ daß gesæße was. den künec bat noch belîben sîn vil schœneß wîp: si trûte noch des nahtes den sînen wætlîchen lîp.

Pusûnen, vloitieren houp sich des morgens vruo, 1456 daß si varn solden: dô griffen si dô zuo. swer liep hete an arme, der trûte vriundes lîp; des schiet sît vil mit leide des küneges Etzelen wîp.

Diu kint der schœnen Uoten die heten einen man 1457 küenen und getriuwen: dô si dô wolten dan, dô sagete er dem künege tougen sînen muot. er sprach: ‚des muoß ich trûren, daß ir die hovereise tuot.‘