Part 14
Dô sach diu vrouwe Kriemhilt die markgrâvinne stên 1251 mit dem ir gesinde: si lie niht nâher gên: daß phert mit dem zoume zucken si began und bat sich snelleclîchen von dem satele heben dan.
Den bischof sach man wîsen sîner swester kint, A.1252 in und Eckewarten, zuo Gotelinde sint. dâ wart vil michel wîchen an der selben stunt. dô kuste diu ellende an der marcgrâvinne munt.
Dô sprach vil minneclîchen daß Rüedegêres wîp: 1253 ‚nu wol mich, liebe vrouwe, deich iuwern schœnen lîp hân in disme lande mit ougen mîn gesehen: mir enkunde an disen zîten nimmer lieber geschehen.‘
‚Nu lôn iu Got,‘ sprach Kriemhilt, ‚vil edele Gotelint. 1254 sol ich gesunt belîben mit Botlunges kint, eß mac iu komen ze liebe, daß ir mich habt gesehen.‘ in beiden was unkunde, daß sider muose geschehen.
Mit zühten zuo ein ander gie vil manec meit. 1255 dô wâren in die recken mit dienste vil bereit. si sâßen nâch dem gruoße nider ûf den klê. si gewannen maneger künde, die in vil vremde wâren ê.
Man hieß den vrouwen schenken. eß was wol mitter tac; 1256 daß edel ingesinde dâ niht lenger lac. si riten, dâ si vunden manege hütten breit: dâ was den edelen gesten vil michel dienest bereit.
Die naht si heten ruowe unz an den morgen vruo. 1257 die von Bechelâren bereiten sich dar zuo, wie si behalten solden vil manegen werden gast. wol hete gehandelt Rüedegêr, daß in dâ wênec iht gebrast.
Diu venster an den mûren sach man offen stân; 1258 diu burc ze Bechelâren diu was ûf getân. dô riten dar in die geste, die man vil gerne sach. den hieß der wirt vil edele schaffen guoten gemach.
Diu Rüedegêres tohter mit ir gesinde gie, 1259 dâ si die küneginne vil minneclîch enphie. dâ was ouch ir muoter, des marcgrâven wîp; mit liebe wart gegrüeßet vil maneger juncvrouwen lîp.
Si viengen sich behanden unde giengen dan 1260 in einen palas wîten: der was vil wol getân, dâ diu Tuonouwe under hine vlôß. si sâßen gên dem lufte und heten kurzwîle grôß.
Wes si dâ mêre phlâgen, desn kan ich niht gesagen. A.1261 daß in sô übel zogete, daß hôrte man dô klagen die Kriemhilde recken: wand eß was in leit. hei, waß dô guoter recken mit in von Bechlâren reit!
Vil minneclîchen dienest Rüedegêr in bôt. 1262 dô gap diu küneginne zwelf armbouge rôt der Gotlinde tohter und alsô guot gewant, daß si niht beßßers brâhte in daß Etzelen lant.
Swie ir genomen wære der Niblunge golt, 1263 alle, die si gesâhen, die mahte si ir holt noch mit dem kleinen guote, daß si dâ mohte hân. des wirtes ingesinde dem wart grôßiu gâbe getân.
Dâ wider bôt dô êre diu vrouwe Gotlint 1264 den gesten von dem Rîne sô güetlîche sint, daß man der vremden harte wênec vant, sine trüegen ir gesteine oder ir hêrlîch gewant.
Dô si enbißßen wâren und daß si solden dan, 1265 von der hûsvrouwen wart geboten an getriuwelîcher dienest daß Etzelen wîp. dô wart ouch vil getriutet der schœnen juncvrouwen lîp.
Si sprach zer küneginne: ‚swenne iuch nu dunket guot, 1266 ich weiß wol, daß eß gerne mîn lieber vater tuot, daß er mich zuo ziu sendet in der Hiunen lant.‘ daßs ir getriuwe wære, wie wol daß Kriemhilt ervant!
Diu ros bereitet wâren vür Bechlâren komen: 1267 dô het diu edel künegin urloup nu genomen von Rüedegêres wîbe und der tohter sîn; dô schiet ouch sich mit gruoße vil manec schœne magedîn.
Ein ander si vil selten gesâhen nâch den tagen. 1268 ûßer Medelicke ûf handen wart getragen manec goltvaß rîche, dar inne brâht man wîn den gesten zuo der strâße: si muosen willekomen sîn.
Ein wirt was dâ geseßßen, Astolt genant: 1269 der wîsete si die strâße in daß Ôsterlant gegen Mûtâren die Tuonouwe nider. dâ wart vil wol gedienet der rîchen küneginne sider.
Der bischof vriuntlîche von sîner nifteln schiet. A.1270 daß si sich wol gehabete, wie vaste er ir daß riet, und daß si ir êre koufte, als Helche het getân. hei, waß si grôßer êren sît dâ zen Hiunen gewan!
Zuo der Treisem brâhte man die geste dan. 1271 ir phlâgen vlîßeclîchen die Rüedegêres man, unz daß die Hiunen riten über lant! dô wart der küneginne vil michel êre bekant.
Bî der Treisem hête der künec ûß Hiunen lant A.1272 eine burc wîte, diu was wol bekant, geheißen Treisenmûre: vrou Helke saß dâ ê und phlac sô grôßer tugende, daß wætlîch nimmer mêr ergê,
Eßen tæte danne Kriemhilt, diu alsô kunde geben. A.1273 si mohte nâch ir leide daß liep wol geleben, daß ir ouch jâhen êre die Etzelen man, der si sît grôßen vollen bî den helden gewan.
Etzelen hêrschaft was wîten erkant, XII.1274 daß man ze allen zîten in sîme hove vant die küenesten recken, von den ie wart vernomen under kristen unde heiden: die wâren mit im alle komen.
Bî im was alle zîte, daß wætlîch mêr ergê, 1275 kristenlîcher orden und ouch der heiden ê. in swie getânem lebene sich ieslîcher truoc, daß schuof des küneges milte, daß man in allen gap genuoc.
Âventiure
wie si zen Hiunen wart enphangen.
Si was ze Treisenmûre unz an den vierden tac. 1276 diu molte ûf der strâße die wîle nie gelac, si enstübe, sam eß brünne, allenthalben dan. dâ riten durch Ôsterrîche des künic Etzelen man.
Dô was ouch dem künege vil rehte nu geseit, 1277 des im von gedanken swunden sîniu leit, wie hêrlîchen Kriemhilt kœme durch diu lant. der künec begunde gâhen, dâ er die minneclîchen vant.
Von vil maneger sprâche sach man ûf den wegen 1278 vor Etzelen rîten manegen küenen degen, von kristen und von heiden manege wîte schar. dâ si die vrouwen vunden, si kômen hêrlîchen dar.
Von Riußen und von Kriechen reit dâ manec man; 1279 den Pœlân unde Vlâchen sach man swinde gân ros diu vil guoten si mit kreften riten. swaß si site hêten, der wart vil wênec vermiten.
Von dem lant ze Kiewen reit dâ manec degen 1280 und die wilden Pesnære; dâ wart vil gephlegen mit dem bogen schießen zuo vogelen, dâ si vlugen; die phîle si sêre mit kraft unz an die wende zugen.
Ein stat bî Tuonouwe lît in Ôsterlant, A.1281 diu ist geheißen Tulnâ: dâ wart ir bekant vil manec site vremde, den si ê nie gesach. si enphiengen dâ genuoge, den sît vil leit von ir geschach.
Vor Etzelen dem künege ein ingesinde reit, 1282 vrô und vil rîche, hübsch und gemeit, wol vier und zweinzec vürsten rîch unde hêr. daß si ir vrouwen sâhen, dâ von engerten si niht mêr.
Der herzoge Râmunc ûßer Vlâchen lant 1283 mit siben hundert mannen kom er vür si gerant. sam vliegende vogele sach man si alle varn. dô kom der vürste Gibeke mit vil hêrlîchen scharn.
Hornboge der snelle wol mit tûsent man 1284 kêrte von dem künege gein sîner vrouwen dan. vil lûte wart geschallet nâch des landes siten. von der Hiunen mâgen wart ouch dâ sêre geriten.
Dô kom von Tenemarke der küene Hâwart 1285 und Irinc der vil snelle, vor valsche wol bewart, Irnvrit von Dürengen, ein wætlîcher man: si enphiengen Kriemhilde, daß sis êre muose hân,
Mit zwelf hundert mannen: die vuortens in ir schar. A.1286 dô kom der hêrre Blœdel mit drin tûsent dar, der Etzelen bruoder ûßer Hiunen lant: der kom vil hêrlîche, dâ er die küneginne vant.
Dô kom der künic Etzel und ouch hêr Dietrîch 1287 mit allen sînen degenen. dâ was vil lobelîch manec rîter edele, biderbe unde guot. des wart vroun Kriemhilde ein teil gehœhet ir muot.
Dô sprach zer küneginne der hêrre Rüedegêr: A.1288 ‚vrouwe, iu wil enphâhen hie der künic hêr. swen ich iuch heiße küssen, daß sol sîn getân: jane mugt ir niht gelîche grüeßen al die Etzeln man.‘
Dô huop man von dem mœre die küneginne hêr. 1289 Etzel der vil rîche enbeite dô niht mêr, er stuont von sîme rosse mit manegem küenen man. man sach in vrœlîche gegen Kriemhilde gân.
Zwêne vürsten rîche, als uns daß ist geseit, 1290 bî der vrouwen giengen und habten ir diu kleit, dô ir der künic Etzele hin engegen gie, dâ si den vürsten edele mit küssen güetlîch enphie.
Ûf ructes ir gebende: ir varwe wol getân A.1291 diu lûhte ir ûß dem golde. dâ was vil manec man, si jâhen, daß vrou Helche niht schœner kunde gesîn. dâ bî sô stuont vil nâhen des küneges bruoder Blœdelîn.
Den hieß si küssen Rüedegêr, der marcgrâve rîch, A.1292 und den künic Gibeken. dô stuont ouch Dieterîch; der recken kuste zwelfe daß Etzelen wîp. do enphie si sus mit gruoße vil manges rîtæres lîp.
Al die wîle und Etzel bî Kriemhilde stuont, 1293 dô tâten die tumben, als noch die liute tuont: vil manegen puneiß rîchen sach man dâ geriten; daß tâten kristen helde und ouch die heiden nâch ir siten.
Wie rehte rîterlîchen die Dietrîches man A.1294 die schefte ließen vliegen mit trunzûnen dan hôch über schilde von guoter rîter hant! vor den tiuschen gesten wart dürkel maneges schiltes rant.
Dâ wart von schefte brechen vil michel dôß vernomen. 1295 dô wâren von dem lande die recken alle komen und ouch des küneges geste, vil manec edel man: dô gie der künic rîche mit der küneginne dan.
Si sâhen bî in stênde ein hêrlîch gezelt. 1296 von hütten was ervüllet alumbe daß velt, dâ si solden ruowen nâch ir arebeit. von helden wart gewîset dar under manec schœniu meit
Mit der küneginne, dâ si sît gesaß A.1297 ûf rîche stuolgewæte; der marcgrâve daß hete wol geschaffet, daß man eß vant vil guot. dô stuont dem künege Etzelen harte hôhe der muot.
Waß si zesamne redeten, daß ist mir unbekant; A.1298 in der sînen zeswen lac ir wîßiu hant. si gesâßen minneclîche, dâ Rüedegêr der degen den künec niht wolde lâßen Kriemhilde heimlîche phlegen.
Dô hieß man lân belîben den buhurt über al; 1299 mit êren wart verendet dâ der grôße schal. dô giengen zuo den hütten die Etzelen man; man gab in herberge vil wîten allenthalben dan.
Den abent zuo der nahte si heten guot gemach, 1300 unz man den liehten morgen aber schînen sach. dô was zuo den rossen komen manec man: hei, waß man kurzewîle dem künege zêren began!
Der künec eß nâch den êren die Hiunen schaffen bat. 1301 dô riten si von Tulne ze Wiene zuo der stat. dâ vunden si gezieret vil maneger vrouwen lîp: si enphiengen wol mit êren des künic Etzelen wîp.
Mit harte grôßem vollen sô wart in bereit, 1302 swaß si haben solden. vil manec helt gemeit sich vreute gên dem schalle. herbergen man began. des küneges hôhgezîte huop sich vil vrœlîchen an.
Sine mohten niht alle geherbergen in der stat. A.1303 die niht geste wâren, Rüedegêr die bat, daß si herberge næmen in daß lant. ich wæn, man alle zîte den künec bî Kriemhilde vant.
Dietrîch der hêrre und ander manec degen A.1304 die heten sich der ruowe mit arbeit bewegen, durch daß si den gesten trôsten wol den muot. Rüedgêr und sîne vriunde heten kurzwîle guot.
Diu hôhzît was gevallen an einen phingestac, 1305 dâ der künic Etzel bî Kriemhilde lac in der stat ze Wiene. si wæn sô manegen man bî ir êrsten manne nie ze dienste gewan.
Si kunte sich mit gâbe dem, der si nie gesach. 1306 vil maneger dar under zuo den gesten sprach: ‚wir wânden, daß vrou Kriemhilt guotes niht möhte hân: nu ist hie mit ir gâbe vil manec wunder getân.‘
Diu hôhzît diu werte sibenzehen tage. 1307 ich wæn, man von deheinem künege mêre sage, des hôhzît grœßer wære: daß ist uns gar verdeit. alle, die dâ wâren, truogen iteniuwe kleit.
Si wæn in Niderlande dâ vor nie gesaß 1308 mit sô manegem recken: dâ bî geloube ich daß, was Sîvrit rîch des guotes, daß er doch nie gewan sô manegen recken edele, sô si sach vor Etzeln stân.
Ouch gap nie künec neheiner zuo sîn selbes hôhgezît 1309 sô manegen rîchen mantel tief unde wît, noch sô guoter kleider, der si vil mohten hân, die Kriemhilde willen wurden alle vertân.
Ir vriunde und ouch ir geste heten einen muot, 1310 daß si dâ niht ensparten deheiner slahte guot. swes ieman an si gerte, des wâren si bereit. des gestuont dô vil der degene von milte blôß und âne kleit.
Wie si ze Rîne sæße, gedâhte si ane daß, 1311 bî ir edelem manne, ir ougen wurden naß. si hetes vaste hæle, daß eß ieman kunde sehen. ir was nâch manegem leide sô vil der êren geschehen.
Swaß ieman tet mit milte, daß was gar ein wint A.1312 unz an Dietrîche: swaß Botlunges kint im gegeben hête, daß was nu gar verswant. ouch begie dâ michel wunder des milten Rüedegêres hant.
Ûßer Ungerlande der vürste Blœdelîn A.1313 der hieß dâ lære machen vil manec leitschrîn von silber und von golde dâ wart hin gegeben. man sach des küneges helde sô rehte vrœlîche leben.
Werbel unde Swemelîn, des küneges spilman, A.1314 ich wæn, ir ieglîcher zer hôhzît gewan wol ze tûsent marke oder dannoch baß, dâ diu schœne Kriemhilt bî Etzele under krône saß.
An dem ahtzehenden morgen von Wiene si dô riten. 1315 dô wart in rîterscheften schilde vil versniten von speren, die dâ vuorten die recken an der hant. sus kom der künic Etzel mit vreuden in der Hiunen lant.
Ze Heimburg der alten si wâren über naht. 1316 done kunde niemen wißßen wol des volkes aht, mit wie getâner krefte si riten über lant. hei, waß man schœner vrouwen in sîme heimuote vant.
Ze Misenburc der rîchen dâ schiften si sich an. 1317 daß waßßer wart verdecket von ros und ouch von man, alsam eß erde wære, swaß man sîn vließen sach. die wegemüeden vrouwen die heten semfte und ouch gemach.
Ze samne was gefloßßen manec schef vil guot, 1318 daß in niht enschadete die ünde noch diu vluot; dar über was gespannen manec guot gezelt, sam ob si noch hêten beide lant unde velt.
Dô kômen disiu mære ze Etzelenburc von dan, 1319 dô vreuten sich dar inne wîp unde man. Etzelen ingesinde, des ê vrou Helche phlac, gelebte bî Kriemhilde sît manegen vrœlîchen tac.
Dô stuont dâ wartende vil manec edel meit, 1320 Die nâch Helchen tôde heten manegiu leit. siben künege tohter Kriemhilt noch dâ vant: von den was gezieret wol alleß Etzelen lant.
Diu juncvrouwe Herrât noch des gesindes phlac, 1321 diu Helchen swester tohter, an der vil tugende lac, diu gemahele Dietrîches, eins edelen küneges kint, diu tohter Nentwînes: diu hete vil der êren sint.
Gegen der geste kümfte vreute sich ir muot; 1322 ouch was dar zuo bereitet vil kreftigeß guot. wer kunde iu daß bescheiden, wie sît der künec gesaß? si gelebten dâ zen Hiunen nie mit küneginne baß.
Do der künec mit sîme wîbe von dem stade reit, A.1323 wer ieglîche vuorte, daß wart dô wol geseit der edelen Kriemhilde: si gruoßtes deste baß. hei, wie gewalteclîchen si sît an Helchen stat gesaß!
Getriulîches dienstes wart ir vil bekant. A.1324 dô teilte diu küneginne golt und ouch gewant, silber und gesteine: swaß si des über Rîn mit ir zen Hiunen brâhte, daß muose gar zergeben sîn.
Ouch wurden ir mit dienste sider undertân 1325 al des küneges mâge und alle sîne man, daß diu vrouwe Helche nie so gewalteclîch gebôt, sô si ir muosen dienen unz an den Kriemhilde tôt.
Dô stuont mit solhen êren der hof und ouch daß lant, 1326 daß man dâ zallen zîten die kurzwîle vant, swar nâch ieglîchem daß herze truoc den muot, durch des küneges liebe und der küneginne guot.
Âventiure
wie Kriemhilt ir leit gedâht ze rechen.
In alsô hôhen êren, daß ist alwâr, A.1327 wontens mit ein ander unz an daß sibende jâr. die zît diu küneginne eins suns was genesen: des kunde der künic Etzel nimmer vrœlîcher wesen.
Sine wolde niht erwinden, sine wurbe sint, A.1328 daß getoufet wurde daß Etzelen kint nâch kristenlîchem rehte: Ortliep wart eß genant. des wart vil michel vreude über al deß Etzelen lant.
Swaß ie guoter tugende an vroun Helchen lac, XIII.1329 der vleiß sich vrou Kriemhilt dar nâch vil manegen tac. A. die site si lêrte Herrât, diu ellende meit. diu hete tougenlîche nâch Helchen grœßlîchiu leit.
Den vremden und den kunden was si vil wol bekant; A.1330 die jâhen, daß nie vrouwe besæße küneges lant beßßer unde milter: daß heten si vür wâr. daß lop si truoc zen Hiunen unz an daß driuzehende jâr.
Nu het si wol erkunnet, daß ir niemen widerstuont, A.1331 alsô noch vürsten wîbe küneges recken tuont, und daß si alle zîte zwelf künege vor ir sach. si gedâht ouch maneger leide, der ir dâ heime geschach.
Si dâhte ouch maneger êren von Niblunge lant, A.1332 der si was gewaltec und die ir Hagenen hant mit Sîvrides tôde hete gar benomen, und ob im daß ouch immer noch ze leide möhte komen.
‚Daß geschæhe, ob ich in bringen möhte in ditze lant.‘ A.1333 ir troumde, daß ir gienge vil dicke an der hant Gîselher ir bruoder: si kusten zaller stunt vil ofte in semftem slâfe. sît wart in arbeite kunt.
Ich wæn, der übel vâlant Kriemhilde daß geriet, A.1334 daß si mit vriuntschefte von Gunthere schiet, den si durch suone kuste in Burgunden lant. do begunde ir aber salwen von heißen trehen ir gewant.
Eß lac ir an dem herzen spât unde vruo, A.1335 wie man si âne schulde bræhte dar zuo, daß si muose minnen einen heidenischen man: die nôt die hete ir Hagene unde Gunther getân.
Daß si daß rechen möhte, des wunschtes alle tage. A.1336 si gedâht: ‚ich bin sô rîche unt hân sô grôße habe, daß ich mînen vînden gevüege noch ein leit: des wær et ich von Troneje Hagnen gerne bereit.
‚Nâch den getriuwen jâmert dicke eß herze mîn: A.1337 die mir dâ leide tâten, möhte ich bî den sîn, sô wurde wol errochen mînes vriundes lîp. des ich kûme erbeite,‘ sprach daß jâmerhafte wîp.
Ze liebe si dô hêten alle sküneges man, A.1338 die Kriemhilde recken: daß was vil wol getân. A. der kameren phlac Eckewart, dâ von er vriunt gewan. Kriemhilde willen kunde nieman understân.
Si dâhte zallen zîten: ‚ich will den künic biten,‘ 1339 daß er ir des gunde mit güetlîchen siten, daß man ir vriunde bræhte in der Hiunen lant. den argen willen niemen an der küneginne vant.
Dô si eines nahtes bî dem künege lac, A.1340 mit armen umbevangen het er si, als er phlac die edelen vrouwen triuten, si was im sô sîn lîp: dô gedâhte ir vînde daß vil hêrlîche wîp.
Si sprach zuo dem künege: ‚vil lieber hêrre mîn, 1341 ich wolde iuch biten gerne, möhteß mit hulden sîn, daß ir mich sehen ließet, ob ich daß het versolt, daß ir den mînen vriunden wæret inneclîchen holt.‘
Dô sprach der künic rîche, getriuwe was sîn muot: A.1342 ‚ich bringe iuch des wol innen, swâ liep unde guot den helden widervüere, des müese ich vreude hân, wand ich von wîbes minne nie beßßer vriunde gewan.‘
Dô sprach diu küneginne: ‚iu ist daß wol geseit, 1343 ich hân vil hôhe mâge: dar umbe ist mir sô leit, daß mich die sô selten ruochent hie gesehen: ich hœre, mîn die liute niuwan vür ellende jehen.‘
Dô sprach der künic Etzel: ‚vil liebiu vrouwe mîn, A.1344 diuht eß si niht ze verre, sô lüede ich über Rîn, swelhe ir dâ gerne sæhet, her in mîniu lant.‘ des vreute sich diu vrouwe, dô si den willen sîn ervant.
(Si sprach:) ‚welt ir mir triuwe leisten, hêrre mîn, 1345 sô sult ir boten senden ze Wormeß über Rîn. so enbiute ich mînen vriunden, des ich dâ habe muot: sô kumt uns her ze lande vil manec edel rîter guot.‘
Er sprach: ‚swenne ir gebietet, sô lâß et eß geschehen. A.1346 irn kundet iuwer vriunde sô gerne niht gesehen, als ich si gesæhe, der edelen Uoten kint. mich müet daß harte sêre, daß si uns sô lange vremde sint.
‚Ob eß dir wol gevalle, vil liebiu vrouwe mîn, 1347 wolde ich ze boten senden nâch den vriunden dîn die mînen videlære in Burgunden lant.‘ die guoten videlære hieß er bringen sâ zehant.
Si îlten harte balde, dâ der künic saß 1348 bî der küneginne. er saget in beiden daß, si solden boten werden in Burgunden lant. dô hieß er in bereiten harte hêrlîch gewant.
Vier und zweinzec recken bereite man dô kleit. A.1349 ouch wart in von dem künege diu botschaft geseit, wie si dar laden solden Gunther und sîne man. Kriemhilt diu vrouwe si sunder sprechen began.
Dô sprach der künic rîche: ‚ich sag iu, wie ir tuot: 1350 ich enbiute mînen vriunden lieb und alleß guot, daß si geruochen rîten her in mîniu lant. ich hân sô lieber geste harte wênec noch bekant.
‚Und ob si mînes willen wellen iht begân, 1351 die Kriemhilde mâge, daß si des niht enlân, sine komen mir ze liebe zuo mîner hôhgezît, wan vil der mînen wünne an mînen konemâgen lît.‘
Dô sprach der videlære, der stolze Swemelîn: 1352 ‚wenne sol iuwer hôhzît in disen landen sîn? daß wir iuwern vriunden daß künnen dort gesagen.‘ dô sprach der künic Etzel: ‚zen næhsten sunwenden tagen.‘
‚Wir tuon, swaß ir gebietet,‘ sprach dô Werbelîn. 1353 in ir kemenâten bat diu künegîn bringen tougenlîchen die boten si gesprach; dâ von vil manegem degene sît wênec liebes geschach.
Si sprach zen boten beiden: ‚nu dienet michel guot, 1354 daß ir mînen willen vil güetlîchen tuot, und sagt, swaß ich enbiete heim in unser lant: ich mache iuch guotes rîche und gib iu hêrlîch gewant.
‚Swaß ir der mîner vriunde immer muget gesehen 1355 ze Wormeß bî dem Rîne, den sult ir niht verjehen, daß ir noch ie gesæhet betrüebet mînen muot; und saget mînen dienest den helden küene unde guot.
‚Bitet, daß si leisten, swaß in der künec enbôt, 1356 und mich dâ mite scheiden von aller mîner nôt. die Hiunen wellent wænen, deich âne vriunde sî. ob ich ein rîter hieße, ich kœme in etwenne bî.