Der Nibelunge liet

Part 13

Chapter 133,755 wordsPublic domain

‚Daß ich daß wol bekenne, daß tuon ich iu kunt. A.1150 und sol si nemen Etzele, und gelebt si an die stunt, si getuot uns vil leide, swie siß getraget an. jâ wirt ir dâ dienende vil manec wætlîcher man.‘

Des antwurte Hagenen der küene Gêrnôt: A.1151 ‚eß mac alsô belîben unz an ir beider tôt, daß wir komen nimmer in Etzelen lant. wir suln ir sîn getriuwe: deist uns zen êren gewant.‘

Dô sprach aber Hagene: ‚mir mac daß nieman gesagen; A.1152 und sol diu edel Kriemhilt Helchen krône tragen, si getuot uns leide, swie si gevüege daß. ir sult eß lân belîben: daß zimt iu recken michel baß.‘

Mit zorne sprach dô Gîselher, der schœnen Uote sun: 1153 ‚wir suln doch niht alle meinlîchen tuon. swaß liebes ir geschæhe, vrô solden wir des sîn. swaß ir geredet, Hagene, ich diene ir durch die triuwe mîn.‘

Dô daß gehôrte Hagene, dô wart er ungemuot. 1154 Gêrnôt und Gîselher, die stolzen rîter guot, und Gunther der rîche ze jungist reiten daß, ob eß lobete Kriemhilt, si woltenß lâßen âne haß.

Dô sprach der vürste Gêre: ‚ich wilß der vrouwen sagen, 1155 daß si ir den künic Etzel lâße wol behagen. dem ist sô manec recke mit vorhten undertân: er mac si noch ergetzen, swaß si leides ie gewan.

Dô gie der snelle recke, da er Kriemhilde sach. 1156 si enphie in güetlîche: wie balde er dô sprach: ‚ir muget mich gerne grüeßen und geben botenbrôt. iuch wil gelücke scheiden ûß aller iuwerre nôt.

‚Eß hât durch iuwer minne, vrouwe, her gesant 1157 ein der aller beste, der ie küneges lant gewan mit vollen êren oder krône solde tragen: eß werbent rîter edele: daß hieß iu iuwer bruoder sagen.‘

Dô sprach diu jâmers rîche: ‚iu sol verbieten Got 1158 und allen mînen vriunden, daß si deheinen spot an mir armer üeben: waß sold ich einem man, der ie herzeliebe von guotem wîbe gewan?‘

Si widerreit eß sêre. dô kômen aber sint A.1159 Gêrnôt ir bruoder und Gîselher daß kint. si bâten minneclîche trœsten si den muot: ob si den künec genæme, daß wær ir wærlîchen guot.

Ueberwinden kunde nieman dô daß edele wîp, 1160 daß si minnen wolde deheines mannes lîp. dô bâten si die degene: ‚nu lâßet doch geschehen, ob ir anders niht entuot, daß ir den boten ruochet sehen.‘

‚Daß wil ich niht versprechen,‘ sô sprach daß edele wîp, 1161 ‚ich ensehe gerne den Rüedegêres lîp durch sîne manege tugende; wær er her niht gesant, swerß ander boten wære, dem wær ich immer unbekant.‘

Si sprach: ‚ir sulten morgen heißen her gân 1162 zuo mîner kemenâten: ich wil in hœren lân, wes ich mich habe berâten, wil ich im denne sagen.‘ ir wart eriteniuwet daß ir vil grœßlîcheß klagen.

Dô gert ouch niht anders der edele Rüedegêr, 1163 wan daß er gesæhe die küneginne hêr: er weste sich sô wîsen, ob eß immer kunde ergân, daß si sich den recken überreden müese lân.

Des anderen morgens vrüeje, dô man die messe sanc, 1164 die edelen boten kâmen. dô wart dâ grôß gedranc. die mit Rüedegêre ze hove solden gân, der sach man dâ gekleidet vil manegen hêrlîchen man.

Kriemhilt diu vil arme, diu trûrec gemuot, 1165 si warte Rüedegêre, dem edelen boten guot. der vant si in der wæte, die si alle tage truoc; dâ bî het ir gesinde rîcher kleider genuoc.

Si gie im engegene zuo der türe stân 1166 und enphienc vil güetlîche den Etzelen man. niuwan selbe zwelfter er dar in zuo ir gie. man bot im grôßen dienest: ir kômen hôher boten nie.

Man hieß den hêrren sitzen unt die sîne man. 1167 die zwêne marcgrâven sach man vor ir stân, Eckewart und Gêre, die edelen rîter guot. durch die hûsvrouwen si sâhen nieman wol gemuot.

Si sâhen vor ir sitzen vil manec schœne wîp. A.1168 dô phlac niuwan jâmers der Kriemhilde lîp. ir wât was vor den brüsten von heißen trehen naß. daß sach der marcgrâve; der helt niht langer dô dâ saß.

Er sprach in grôßen zühten: ‚vil edel küneges kint, 1169 mir und den geverten, die mit mir komen sint, sult ir, vrouwe, erlouben, daß wir vor iu stân und iu sagen diu mære, war nâch wir her geriten hân.‘

‚Nu sî iu erloubet,‘ sprach diu künegin, 1170 ‚swaß ir reden wellet. alsô stât mîn sin, daß ich eß gerne hœre: ir sît ein bote guot.‘ die andern dô wol hôrten ir ungewilligen muot.

Dô sprach von Bechelâren der vürste Rüedegêr: 1171 ‚mit triuwen grôße liebe Etzel ein künic hêr hât iu enboten, vrouwe, her in ditze lant. er hât nâch iuwer minne vil guote recken gesant.

‚Er enbiut iu minneclîche lieb âne leit. 1172 stæter vriuntschefte sî er iu bereit, als er ê tet vroun Helchen, diu im ze herzen lac: ir sult nu tragen krône, der mîn vrouwe wîlen phlac.‘

Dô sprach diu küneginne: ‚marcgrâve Rüedegêr, 1173 wær ieman, der bekande mînen scharphen sêr, der riete mir niht triuten noch deheinen man: wan ich vlôs ein der besten, den ie vrouwe mêr gewan.‘

‚Waß mac ergetzen leides,‘ sprach der vil küene man, 1174 ‚wan vriuntlîche liebe? swer die kan begân, und der dan einen kiuset, der im ze herze kumt, vür herzenlîche swære niht sô grœßlîche vrumt.

‚Und geruochet ir ze minnen den edelen hêrren mîn, 1175 zwelf rîcher krône sult ir gewaltec sîn. dar zuo gît iu mîn hêrre wol drîßec vürsten lant, diu elliu hât betwungen sîn vil ellenthaftiu hant.

‚Ir sult ouch werden vrouwe über manegen werden man, 1176 die mîner vrouwen Helchen wâren undertân, und vil der schœnen megede, der si hete gewalt, von hôher vürsten künne,‘ sprach der küene degen balt.

‚Dar zuo gît iu mîn hêrre, heißet er iu sagen 1177 ob ir geruochet krône bî dem künege tragen, gewalt den aller hœhisten, den Helche ie gewan: den sult ir gwalteclîchen haben vor Etzelen man.‘

Dô sprach diu küneginne: ‚wie möhte mînen lîp 1178 immer des gelüsten, deich wurde heldes wîp? mir hât der tôt an eineme sô rehte leit getân, des ich unz an mîn ende muoß unvrœlîche stân.‘

Dô sprâchen ab die Hiunen: ‚küneginne rîch, 1179 iur leben wirt bî Etzele sô rehte lobelîch, daß iuch immer wünnet, ist, daß eß ergât, wan der künic rîche vil manegen zieren degen hât.

‚Helchen juncvrouwen und iuriu magedîn, 1180 solten die bî ein ander ein gesinde sîn, dâ bî möhten recken werden wol gemuot. lât eß iu, vrouwe, râten: eß wirt iu wærlîchen guot.‘

Si sprach in ir zühten: ‚nu lât die rede stân 1181 unz morgen vrüeje: sô sult ir her gân: sô wil ich iu antworten, des ir dâ habet muot.‘ des muosen dô gevolgen die recken küene unde guot.

Dô si zen herbergen alle kômen dan, A.1182 dô hieß diu edele vrouwe nâch Gîselhere gân und ouch nâch ir muoter: den bêden sagt si daß, daß si gezæme weinens unde niht anders baß.

Dô sprach ir bruoder Gîselher: ‚swester, mirst geseit 1183 und wilß ouch wol gelouben, daß elliu dîniu leit der künic Etzel wende; und nimes dun zeinem man, swaß ander ieman râte, sô dunket eß mich guot getân.‘

‚Er mac dich wol ergetzen,‘ sprach aber Gîselher. 1184 ‚vome Roten zuo dem Rîne, von der Elbe unz an daß mer, sô ist künec deheiner sô gewaltec niht. du maht dich vreuwen balde, sô er dîn ze konen giht.‘

Si sprach: ‚lieber bruoder, zwiu râtestu mir daß? 1185 klagen unde weinen mir immer zæme baß. wie sold ich vor recken dâ ze hove gân? wart mîn lîp ie schœne, des bin ich âne getân.‘

Dô sprach diu vrouwe Uote ir lieben tohter zuo: 1186 ‚swaß dîne bruoder râten, liebeß kint, daß tuo. volge dînen vriunden: sô mac dir wol geschehen. ich hân dich doch sô lange mit grôßem jâmer gesehen.‘

Dô bat si Got den rîchen vüegen ir den rât: 1187 ob si ze geben hête golt, silber unde wât sam ê bî ir manne, dô er noch was gesunt, si gelebte doch niht mêre sît sô vrœlîche stunt.

Si gedâhte in ir sinne: ‚und sol ich mînen lîp 1188 geben eime heidenen? ich bin ein kristen wîp: des müese ich zer werlte immer schande hân; gît er mir elliu rîche, eß ist immer ungetân.‘

Dâ mit siß lie belîben. die naht unz an den tac 1189 diu vrouwe an ir bette mit vil gedanken lac. diu ir vil liehten ougen getruckenten nie, unz si aber den morgen hin ze mettîne gie.

Ze rehter messezîte die künege wâren komen. 1190 si heten aber ir swester under hende genomen: jâ rietens ir ze minnen den künec ûß Hiunen lant. die vrouwen ir deheiner ein lützel vrœlîcher vant.

Dô hieß man dar gewinnen die Etzelen man, 1191 die nu mit urloube gerne wæren dan, geworben oder gescheiden, A.swie eß dô möhte sîn. ze hove kom dô Rüedegêr: die helde reiten wider in,

Daß man rehte ervüere des edelen vürsten muot, 1192 und tæten daß bî zîte: daß diuhtes alle guot; ir wege wæren verre A.wider in ir lant. man brâhte Rüedegêren, dâ man Kriemhilde vant.

Vil minneclîchen bitten der recke dô began 1193 die edelen küneginne, si solde in hœren lân, waß si enbieten wolde in Etzelen lant. er wæn an ir niht anders niuwan lougen envant,

Daß si nimmer minnen wolde mêr deheinen man. A.1194 dô sprach der marcgrâve: ‚daß wære missetân. zwiu woldet ir verderben alsô schœnen lîp? ir muget noch mit êren werden guotes mannes wîp.‘

Niht half, daß si gebâten, unz daß Rüedegêr 1195 gesprach heinlîche die küneginne hêr, er wolde si ergetzen, swaß ir ie geschach. ein teil begunde ir senften dô ir grôßer ungemach.

Er sprach zer küneginne: ‚lât iuwer weinen sîn. 1196 ob ir zen Hiunen hêtet nieman danne mîn, getriuwer mîner mâge und ouch der mînen man, er mües es sêre engelten, und het iu ieman iht getân.‘

Dâ von wart dô geringet wol der vrouwen muot. 1197 si sprach: ‚sô swert mir eide, swaß mir iemen tuot, daß ir sît der næhste, der büeße mîniu leit.‘ dô sprach der marcgrâve: ‚des bin ich, vrouwe, vil bereit.‘

Mit allen sînen mannen swuor ir dô Rüedegêr 1198 mit triuwen immer dienen, und daß die recken hêr ir nimmer niht versageten in Etzelen lant, des si êre haben solte: des sichert ir Rüedegêres hant.

Do gedâhte diu getriuwe: ‚sît ich vriunde kan 1199 alsô vil gewinnen, sô sol ich reden lân die liute, swaß si wellen, ich jâmerhafteß wîp: waß, ob noch wirt errochen mîns vil lieben mannes lîp?‘

Si gedâhte: ‚sît daß Etzel der recken hât sô vil, 1200 sol ich den gebieten, sô tuon ich, swaß ich wil. er ist ouch wol sô rîche, daß ich ze gebene hân; mich hât der leidege Hagen mînes guotes âne getân.‘

Si sprach ze Rüedegêre: ‚het ich daß vernomen, 1201 daß er niht wære ein heiden, sô wolde ich gerne komen, swar er hete willen, und næme in zeinem man.‘ dô sprach der marcgrâve: ‚die rede solt ir, vrouwe, lân.

‚Ern ist niht gar ein heiden, des sult ir sicher sîn, C. jâ was vil wol bekêret der liebe hêrre mîn, wan daß er sich widere vernoijieret hât. welt ir in, vrouwe, minnen, sô mac sîn noch werden rât.

‚Er hât sô vil der recken in kristenlîcher ê, 1202 aß iu bî dem künege nimmer wirdet wê. ir muget ouch lîhte erwerben, daß der vürste guot wider ze Gote wendet beide sêle unde muot.‘

Dô sprâchen aber ir bruoder: ‚nu lobetß, swester mîn, 1203 iuwer ungemüete daß sult ir lâßen sîn.‘ si bâtens alsô lange, unz doch ir trûrec lîp lobete vor den helden, si wurde Etzelen wîp.

Si sprach: ‚ich wil iu volgen, ich armiu künegîn! 1204 daß ich var zen Hiunen, sô daß nu mac gesîn, swenne ich hân die vriunde, die mich vüeren in sîn lant.‘ des bôt dô vor den helden diu schœne Kriemhielt die hant.

Dô sprach der marcgrâve: ‚habet ir zwêne man, 1205 dar zuo hân ich ir mêre: eß wirdet wol getân, daß wir iuch nâch êren bringen über Rîn. ine lâße iuch nu niht langer hie zen Burgunden sîn.

‚Ich hân fünf hundert manne und ouch der mâge mîn: 1206 die suln iu hie dienen und ouch dâ heime sîn, swie ir in gebietet; ich tuon iu selbe alsam, swenn ir mich mant der mære, daß ich michs nimmer gescham.

‚Nu heißet iu bereiten iuwer phertkleit, 1207 die Rüedegêres ræte iu nimmer werdent leit, und saget eß iuwern mageden, die ir dâ vüeren welt: jâ kumet uns ûf der strâße vil maneger ûß erwelter helt.‘

Si heten noch gesmîde, daß man dâ vor reit 1208 bî Sîvrides zîten, daß si vil manege meit mit êren mohte vüeren, sô si wolde dan. hei, waß man guoter setele den schœnen vrouwen gewan!

Ob si ie getrüegen deheiniu rîchiu kleit, 1209 der wart zuo zir verte vil manegeß nu bereit, wan in von dem künege sô vil gesaget wart; si slußßen ûf die kisten, die ê stuonden wol bespart.

Si wâren vil unmüeßec wol vünftehalben tac, A.1210 si suochten ûß der valden, des vil dar inne lac. Kriemhilt ir kameren ensließen began, si wolde machen rîche al die Rüedegêres man.

Si hete noch des goldes von Niblunge lant: A.1211 si wânde, eß zen Hiunen teilen solde ir hant. eß enkunden hundert miule dannen niht getragen. diu mære hôrte Hagene dô von Kriemhilde sagen.

Er sprach: ‚Sît mir vrou Kriemhilt nimmer wirdet holt, A.1212 sô muoß ouch hie belîben daß Sîvrides golt. zwiu solde ich mînen vînden lân sô michel guot? ich weiß vil wol, waß Kriemhilt mit disme schatze getuot.

‚Ob si in bræhte hinnen, ich wil gelouben daß, 1213 er wurde doch zerteilet niuwan ûf mînen haß. sin habent ouch niht der rosse, diu in solden tragen: in wil behalten Hagene, daß sol man Kriemhilde sagen.‘

Dô si gehôrt diu mære, daß was ir grimme leit. 1214 eß wart ouch den künegen allen drin geseit: si woldenß gerne wenden. dô des niht geschach, Rüedegêr der edele harte vrœlîchen sprach:

‚Rîchiu küneginne, zwiu klaget ir daß golt? 1215 iu ist der künic Etzel sô grœßlîchen holt: gesehent iuch sîniu ougen, er gît iu alsô vil, daß irß verswendet nimmer; des ich iuch, vrouwe, weren wil.‘

Dô sprach diu küneginne: ‚vil edel Rüedegêr, 1216 eß gewan nie küneges tohter rîcheite mêr, danne der mich Hagene âne hât getân.‘ dô kom ir bruoder Gêrnôt hin zer kameren gegân.

Mit gewalt des küngs en slüßßel stieß er an die tür. 1217 golt daß Kriemhilde reichte man dervür, ze drîßec tûsent marken oder dannoch baß. er hieß eß nemen die geste: liep was Gunthere daß.

Dô sprach von Bechlâren der Gotelinde man: 1218 ‚ob eß mîn vrouwe Kriemhilt alleß möhte hân, swaß sîn ie wart gevüeret von Niblunge lant, sîn solde lützel rüeren mîn oder der küneginne hant.

Nu heißet eß behalten, wand ich sîn niht enwil. 1219 jâ vuort ich von lande des mînen alsô vil, daß wirs ûf der strâßen haben guoten rât und unser koste hinnen harte hêrlîche stât.‘

Dâ vor in allen wîlen gefüllet zwelf schrîn 1220 des aller besten goldes, daß iender mohte sîn, heten die ir magede: daß vuorten si von dan und gezierde vil der vrouwen, daß si zer verte solten hân.

Gewalt des grimmen Hagene dûhte si ze starc. A.1221 si het des ophergoldes wol noch tûsent marc: si teilteß sîner sêle, ir vil lieben man. daß dûhte Rüedegêren mit grôßen triuwen getân.

Dô sprach diu klagende künegin: ‚wâ nu vriunde mîn, 1222 die durch mîne liebe welnt ellende sîn? die suln mit mir rîten in der Hiunen lant: die nemen schatz mînen und koufen ros und gewant.

Des antwurte ir schiere der marcgrâve Eckewart: 1223 ‚sît daß ich aller êrste iuwer gesinde wart, sô hân ich iuch mit triuwen gedienet,‘ sprach der degen, ‚und wil unz an mîn ende des selben immer bî iu phlegen.

‚Ich wil ouch mit mir vüeren vünf hundert mîner man, 1224 der ich iu ze dienste mit rehten triuwen gan. wir sîn vil ungescheiden, eß entuo der tôt.‘ der rede neic im Kriemhilt, daß irß der helt sô wol erbôt.

Dô zôch man dar die mœre: si wolden varn dan. 1225 dâ wart vil michel weinen von vriunden getân. A. Uote diu vil rîche und manec schœne meit die zeigten, daß in wære nâch vrouwen Kriemhilde leit.

Hundert rîcher megede vuort si mit ir dan: A.1226 die wurden sô gekleidet, als in daß wol gezam. A. dô vielen in die trehene von liehten ougen nider; si gelebten vil der vreuden ouch bî Etzelen sider.

Dô kom der hêrre Gîselher und ouch Gêrnôt A.1227 mit ir ingesinde, als in ir zuht gebôt. dô wolden si beleiten ir lieben swester dan: dô vuorten si ir recken wol tûsent wætlîcher man.

Dô kom der snelle Gêre und ouch Ortwîn: A.1228 Rûmolt der kuchenmeister dâ mite muose sîn. si schuofen die nahtselde C. der vrouwen ûf den wegen; Volkêr was ir marschalc, der solde ir herberge phlegen.

Nâch küssen michel weinen wart dâ vil vernomen, C. ê daß si von der bürge ze velde wæren komen. ûß riten unde giengen, die sis nie gebat. C. dô reit der künic Gunther wan ein lützel vür die stat.

Ê si von Rîne vuoren, si heten vür gesant A.1229 ir boten harte snelle in der Hiunen lant, die dem künege sageten, daß im Rüedegêr ze wîbe hete erworben die edelen küneginne hêr.

Die boten strichen sêre: in was der reise nôt C. durch die grôßen êre und durch rîchiu botenbrôt. dô si ze lande wâren mit den mæren komen, dô het der künic Etzel nie sô liebes niht vernomen.

Durch disiu lieben mære hieß der künic geben C. den boten solhe gâbe, daß si wol mohten leben mit vreuden immer mêre dar nâch unz an ir tôt: mit liebe was verschwunden des küneges kumber unde nôt.

Âventiure

wie Kriemhilt gein den Hiunen vuor.

Die boten lâßen rîten: wir suln iu tuon bekant, A.1230 wie diu küneginne gevuor durch diu lant oder wâ von ir schieden Gîselher und Gêrnôt. sie heten ir gedienet, als in ir triuwe daß gebôt.

Unz an die Tuonouwe ze Vergen si dô riten. A.1231 si begunden urloubes die küneginne biten, wan si wider wolden rîten an den Rîn. done mohteß âne weinen von guoten vriunden niht gesîn.

Gîselher der snelle sprach zer swester sîn: 1232 ‚swenne daß du, vrouwe, bedürfen welles mîn, ob dir iht gewerre, daß tuo mir bekant: sô rîte ich dir ze dieneste in daß Etzelen lant.‘

Die ir mâge wâren, kustes an den munt. A.1233 vil minneclîchen scheiden sach man an der stunt die snellen Burgunden von Rüedegêres man. dô vuort diu küneginne vil manege meit wol getân,

Hundert und viere: die truogen rîchiu kleit A.1234 von gemâlt rîchen phellen. vil der schilte breit vuort man bî der vrouwen nâhen ûf den wegen. dô nam ouch urloup Volkêr, der vil zierlîche degen.

Dô si über Tuonouwe kômen in Beier lant, A.1235 dô sagte man diu mære, dâ wæren vür gerant vil unkunder geste. dâ noch ein klôster stât und dâ daß In mit vlußße in die Tuonouwe gât,

In der stat ze Paßßouwe saß ein bischof. A.1236 herberge wurden lære und ouch des vürsten hof: si îlten gein den gesten ûf in Beier lant, dâ der bischof Pilgerîn die schœnen Kriemhilde vant.

Den recken von dem lande was dô niht ze leit, A.1237 dô si ir volgen sâhen sô manege schœne meit. dâ trûte man mit ougen der edelen rîter kint. guote herberge gab man den gesten allen sint.

Dâ ze Pledelinge schuof man in gemach. C. daß volc man allenthalben zuozin rîten sach. man gap in willeclîche, des si bedorften dâ: si nâmenß wol mit êren; als tet man sider anderswâ.

Der bischof mit der niftel ze Paßßouwe reit. A.1238 dô daß den burgæren von der stat wart geseit, daß dô kœme Kriemhilt, des vürsten swester kint: diu wart wol enphangen von den koufliuten sint.

Daß si belîben solden, der bischof het des wân. A.1239 dô sprach der hêrre Eckewart: ‚daß ist ungetân. wir müeßen varn nidere in Rüedegêres lant: uns wartent vil der degene: eß ist in allen wol bekant.‘

Diu mære nu wol wesse diu schœne Gotelint: A.1240 si bereite sich mit vlîße und ir vil edel kint. ir het enboten Rüedegêr, daß in daß dûhte guot, daß si der küneginne dâ mit trôste den muot,

Daß si ir rite engegene und alle sîne man A.1241 ûf zuo der Ense. dô daß wart getân, dô sach man allenthalben die wege unmüeßec stên: si begunden gegen den gesten beide rîten unde gên.

Nu was diu küneginne ze Everdingen komen. 1242 gnuoge ûß Beier lande solden hân genomen den roub ûf der strâßen nâch ir gewoneheit: sô heten si den gesten dâ getân vil lîhte leit.

Daß hete wol understanden der edel Rüedegêr: 1243 er vuorte tûsent rîter unde dannoch mêr. dô was ouch komen Gotelint, Rüedegêres wîp: mit ir kom hêrlîche vil maneges küenen recken lîp.

Dô si über die Trûne kômen bî Ense ûf daß velt, 1244 dô sach man ûf gespannen hütten und gezelt, dâ die geste solden die nahtselde hân. diu kost diu was den recken dâ von Rüedegêr getân.

Gotelint diu schœne die herberge lie 1245 hinder ir belîben. ûf den wegen gie mit klingenden zoumen manec pfert wol getân. der antphanc wart vil schœne: liep was eß Rüedegêr getân.

Die in ze beiden sîten kômen ûf den wegen, 1246 die riten lobelîche: der was vil manec degen. si phlâgen rîterschefte: daß sach vil manec meit. eß was den schœnen vrouwen der rîter dienest niht leit.

Dô zuo den gesten kômen die Rüedegêres man, 1247 vil der trunzûne sach man ze berge gân von der recken hende mit rîterlîchen siten. dô wart wol ze prîse vor den vrouwen geriten.

Daß ließen si belîben. dô gruoßte manec man 1248 vil güetlîche ein ander. dô vuorten si von dan die schœnen Gotelinde, dâ si Kriemhilt sach. die vrouwen dienen kunden, die heten kleinen gemach.

Der vogt von Bechelâren ze sîme wîbe reit. 1249 der edelen marcgrâvinne was daß niht ze leit, daß er sô wol gesunder von Rîne was komen. ir was ein teil ir swære mit grôßen vreuden benomen.

Dô sin hete enphangen, er ließ si ûf daß gras 1250 erbeißen mit den vrouwen, swaß ir dâ mit ir was. dâ wart vil unmüeßec manec edel man: den vrouwen wart dô dienest mit grôßem vlîße getân.