Der Nibelunge liet

Part 12

Chapter 123,732 wordsPublic domain

‚Ich wil den künic grüeßen.‘ dô si im des verjach, A.1053 mit sînen besten vriunden man in vor ir sach. dô getorste Hagene vür si niht gegân: wol weste er sîne schulde: er hete ir leide getân.

Dô si verkiesen wolde ûf Gunther den haß, A.1054 ob er si küssen solde, eß zæme im deste baß. wær ir von sîme râte leide niht getân, sô möhte er vrevellîche dicke sîn zuo ir gegân.

Eß enwart nie suone mit sô vil trehen mê 1055 gevüeget under vriunden. ir tet ir schade vil wê; si verkôs ûf si alle wan ûf den einen man: in hete erslagen niemen, het eß Hagene niht getân.

Dar nâch vil unlange dô truogen si daß an, 1056 daß diu vrouwe Kriemhilt den grôßen hort gewan von Niblunges lande und vuorte in an den Rîn: eß was ir morgengâbe, er solde ir billîchen sîn.

Dar nâch vuor dô Gîselher und ouch Gêrnôt. A.1057 ahtzec hundert mannen Kriemhilt dô gebôt, daß si in holen solden, dâ er verborgen lac, dâ sîn der degen Alberîch mit sînen besten vriunden phlac.

Dô man die von Rîne nâch dem schatze komen sach, 1058 Albrîch der vil küene zuo sînen vriunden sprach: ‚wir turren ir des hortes vor gehaben niht, sît sîn ze morgengâbe diu edel küneginne giht.

‚Doch enwurdeß nimmer,‘ sprach Alberîch, ‚getân, 1059 niuwan daß wir übele dâ verlorn hân mit samet Sîvride die guoten tarnhût: wan die truoc alle zîte der schœnen Kriemhilde trût.

‚Nu ist eß Sîvride leider übel komen, 1060 daß uns die tarnkappen der helt hete benomen und daß im muose dienen alleß ditze lant.‘ dô gie der kamerære, dâ er die slüßßele vant.

Eß stuonden vor dem berge Kriemhilde man 1061 und ouch ein teil ir mâge: den schaz sie truogen dan zuo dem sêwe an diu schiffelîn. den vuorte man ûf ünden unz ze berge an den Rîn.

Ir muget von dem horte wunder hœren sagen: A.1062 swaß zwelf kanzwegene meist mohten tragen in vier tagen und nahten von dem berge dan; ouch muos ir ieslîcher des tages drîstunde gân.

Eß was ouch niht anders wan gestein unde golt. A.1063 und ob man al die welte hête versolt, sîn wære minner niht einer marke wert. jâne hetes Hagene âne schulde niht gegert.

Der wunsch lac dar under, von golde ein rüetelîn. A.1064 der daß hete erkunnet, der möhte meister sîn wol in al der werlde über ieslîchen man. der Albrîches mâge kom vil mit Gêrnôte dan.

Dô sich der hêrre Gêrnôt und Gîselher daß kint C. des hortes underwunden, do underwunden si sich sint des landes und der burge und maneges recken balt: die muosen im sît dienen bêdiu durch vorhte und ouch gewalt.

Dô si den hort behielten in Guntheres lant, 1065 und sich diu küneginne des alles underwant, kamere unde türne die wurden vol getragen; man gehôrte nie daß wunder von guote mêre gesagen.

Unde wær sîn tûsent stunt noch alse vil gewesen, 1066 unde solde Sîvrit gesunder sîn genesen, bî im wære Kriemhilt hemdeblôß bestân. getriuwer wîbes künne ein helt nie mêre gewan.

Dô si den hort nu hête, dô brâhtes in daß lant, A.1067 vil unkunder recken; jâ gap der vrouwen hant, daß man sô grôßer milte mêre nie gesach. si phlac vil grôßer tugende; des man der küneginne jach.

Den armen und den rîchen begunde si nu geben, 1068 daß dô reite Hagene, obe si solde leben noch deheine wîle, daß si sô manegen man in ir dienst gewünne, daß eß in leide müeste ergân.

Dô sprach künic Gunther: ‚ir ist lîp unde guot: 1069 zwiu sol ich daß wenden, daß si dâ mite tuot? ja erwarb ich daß vil kûme, daß si mir wart holt; nu enruochen, war si teile ir steine unde ir rôteß golt.‘

Hagene sprach zem künege: ‚eß sold ein vrumer man 1070 deheineme wîbe niht des hortes lân. si bringet eß mit gâbe noch unz ûf den tac, deiß vil wol geriuwen die küenen Burgunden mac.‘

Dô sprach künic Gunther: ‚ich swuor ir einen eit, 1071 daß ich ir getæte nimmer mêre leit, und wils vürbaß hüeten: si ist diu swester mîn.‘ dô sprach aber Hagene: ‚lât mich den schuldigen sîn.‘

Ir sumelîcher eide wâren unbehuot. 1072 dô nâmen si der witewen daß kreftige guot. Hagene sich der slüßßele aller underwant. daß zurnde ir bruoder Gêrnôt, dô er daß rehte bevant.

Dô sprach der hêrre Gîselher: ‚Hagene hât getân 1073 vil leides mîner swester; ich soldeß understân: wær er niht mîn mâc, eß gienge im an den lîp. iteniuweß weinen tete dô Sîvrides wîp.

Dô sprach der hêrre Gêrnôt: ‚ê wir immer sîn A.1074 gemüet mit dem golde, wir soldenß in den Rîn alleß heißen senken, deiß wurde nieman.‘ si gie vil klegelîche vür Gîselher ir bruoder stân.

Si sprach: ‚lieber bruoder, du solt gedenken mîn, 1075 lîbes unde guotes soltu mîn voget sîn.‘ dô sprach er zuo der vrouwen: ‚daß sol sîn getân, als wir komen widere: wir haben rîtennes wân.‘

Der künec und sîne mâgen die rûmten daß lant, 1076 die aller besten drunder, die man iender vant; niuwan eine Hagene beleip durch den haß, den er truoc Kriemhilde, und tet vil schedelîchen daß.

Ê der rîche künic wider wære komen, 1077 die wîle hete Hagene den schatz vil gar genomen: er sancte in dâ ze Lôche allen in den Rîn. er wânde, er sold in nießen: des enkunde dô niht gesîn.

Ê daß von Troneje Hagene den schatz alsô verbarc, 1078 dô heten siß gevestent mit eiden alsô starc, daß er verholen wære, unz ir einer möhte leben: so enkunden sis in selben noch ander niemen gegeben.

Die vürsten kômen widere, mit in vil manec man. 1079 Kriemhilt ir schaden grôßen klagen dô began mit vrouwen und mit meiden; in was harte leit. do gebârten die degene, sam si im hêten widerseit.

Dô sprâchen si gemeine: ‚er hât übele getân.‘ 1080 er entweich der vürsten zorne alsô lange dan, unz er gewan ir hulde: si ließen in genesen; doch enkunde im Kriemhilt nimmer vînder sîn gewesen.

Mit iteniuwen leiden beswæret was ir muot 1081 umb ir mannes ende und dô si ir daß guot Alsô gar benâmen. dô gestuont ir klage des lîbes nimmer mêre unz an ir jungisten tage.

Nâch Sîvrides tôde, daß ist al wâr, A.1082 si wonde in manegem sêre driuzehen jâr, daß si des recken tôdes vergeßßen kunde niht. si was im ie getriuwe; des ir diu meiste menege giht.

Ein rîche vürsten abtei stifte vrou Uote C. nâch Dankrâtes tôde von ir guote mit starken rîchen urborn, als eß noch hiute hât, daß klôster dâ ze Lôrse, des dinc vil hôhe an êren stât.

Dar zuo gab ouch Kriemhilt sît ein michel teil C. durch Sîvrides sêle und umb aller sêlen heil, golt und edel steine, mit williger hant; getriuwer wîp deheine ist uns selten ê bekant.

Sît daß diu vrouwe Kriemhilt ûf Gunther verkôs C. und doch von sînen schulden den grôßen hort verlôs, dô wart ir herzenleide tûsent stunde mêr: dô wære gerne dannen diu vrouwe edel unde hêr.

Dô was der vrouwen Uoten ein sedelhof bereit C. ze Lôrse bî ir klôster mit grôßer rîcheit: dar zôch sich diu witewe von ir kinden sît, dâ noch diu vrouwe hêre begraben in eime sarke lît.

Dô sprach diu küneginne: ‚vil liebiu tohter mîn, C. sît du hie niht maht belîben, sô soltu bî mir sîn ze Lôrse in mîme hûse und solt dîn weinen lân.‘ Des antwurt ir Kriemhilt: ‚wem ließe ich danne mînen man?‘

‚Den lâß et hie belîben,‘ sprach vrou Uote. C. ‚nune welle Got von himele,‘ sprach ab diu guote. ‚mîn vil liebiu muoter, daß sol ich wol bewarn, wand er muoß von hinnen mit mir wærlîche varn.‘

Dô schuof diu jâmers rîche, daß er wart ûf erhaben; C. sîn edeleß gebeine wart anderstunt begraben ze Lôrse bî dem münster vil werdeclîchen sît, dâ der helt vil küene in einem langen sarke lît.

In den selben zîten, dâ Kriemhilt solde C. varn mit ir muoter, dar si doch wolde, dô muoste si belîben, als eß solde sîn. daß unterstuonden mære, vil verre komen über Rîn.

Âventiure

wie künic Etzel ze Burgunden nâch Kriemhilde sande.

Daß was in enen zîten, dô vrou Helche erstarp XI.1083 und der künic Etzel umb ander vrouwen warp, dô rieten sîne vriunde in Burgunden lant zuo einer stolzen witwen, diu was vrou Kriemhilt genant.

Sît daß erstorben wære der schœnen Helchen lîp, A.1084 si sprâchen: ‚welt ir immer gewinnen edel wîp, die hôhsten und die besten, die künic ie gewan, sô nemt die selben vrouwen; der starke Sîvrit was ir man.‘

Dô sprach der künic rîche: ‚wie möhte daß ergân, A.1085 sît ich bin heiden und des toufes niht enhân? sô ist diu vrouwe kristen: des enlobt siß niht. eß müese sîn ein wunder, ob eß immer geschiht.‘

Dô sprâchen die snellen: ‚waß, ob siß lîhte tuot A.1086 durch iuwern namen hôhen und iuwer michel guot. sô sol manß doch versuochen an daß vil edel wîp. ir mugt vil gerne minnen ir vil wünneclîchen lîp.‘

Dô sprach der künic edele: ‚wem ist nu bekant 1087 under iu bî Rîne die liute und ouch daß lant?‘ dô sprach von Bechlâren der guote Rüedegêr: ‚ich hân erkant von kinde die vil edele künege hêr.

‚Gunther unde Gêrnôt, die edelen rîter guot: A.1088 der dritte heißet Gîselher, ir ieslîcher tuot, swaß er bester êren und tugende mac begân: ouch habent ir alte mâge noch daß selbe her getân.‘

Dô sprach aber Etzel: ‚vriunt, du solt mir sagen, 1089 ob si in mîme lande krône solde tragen. und ist ir lîp sô schœne, sô mir ist geseit, mînen besten vriunden sol eß nimmer werden leit.‘

‚Si gelîchet sich mit schœne wol der vrouwen mîn, 1090 Helchen der vil rîchen. jane kunde niht gesîn in diser werlde schœner deheines küneges wîp: den si lopt ze vriunde, der mac wol trœsten sînen lîp!‘

Er sprach: ‚Sô wirb eß, Rüedegêr, als liep ich dir sî. 1091 und sol ich Kriemhilde geligen immer bî, des wil ich dir lônen, sô ich beste kan, und hâst ouch mînen willen mit grôßen triuwen getân.

‚Ûßer mîner kamere sô heiß ich dir geben, 1092 daß du und dîne gesellen vrœlîchen mügen leben, von rossen und von kleidern alleß, daß du wil; des heiße ich iu bereiten zuo der boteschefte vil.‘

Des antwurte Rüedegêr, der markgrâve rîch: 1093 ‚gerte ich dînes guotes, daß wære unlobelîch. ich wil dîn bote gerne wesen an den Rîn mit mîn selbes guote, daß ich hân von den henden dîn.‘

Dô sprach der künic rîche: ‚nu wenne welt ir varn A.1094 nâch der minneclîchen? Got sol iuch bewarn der reise an allen êren und ouch die vrouwen mîn. des helfe mir gelücke, daß si uns genædec müeße sîn.‘

Dô sprach aber Rüedegêr: ‚ê wir rûmen daß lant, A.1095 wir müeßen ê bereiten wâfen und gewant, Alsô daß wirs êre vor vürsten mügen hân: ich wil ze Rîne vüeren vünf hundert wætlîcher man.

Swâ man ze Burgunden mich und die mîne sehe, A.1096 daß ir ieslîcher danne wol des jehe, daß nie künec deheiner alsô manegen man sô verre baß gesande, dan du ze Rîne habst getân.

‚Und ob duß, künic edele, dar umbe niht wil lân, A.1097 si was dem besten manne, Sîvride undertân, dem Sigmundes kinde; den hâstu hie gesehen: man mohte im grôßer êren wol mit wârheite jehen.‘

Dô sprach künic Etzel: ‚was si des recken wîp, A.1098 sô was wol alsô tiuwer des edelen vürsten lîp, daß ich niht versmæhen die küneginne sol. durch ir vil grôße schœne sô gevellet si mir wol.‘

Dô sprach der marcgrâve: ‚sô wil ich iu daß sagen, A.1099 daß wir uns heben hinnen in vier und zweinzec tagen. ich enbiuteß Gotelinde, der lieben vrouwen mîn, daß ich nâch Kriemhilde selbe bote welle sîn.‘

Hin ze Bechelâren dô sande Rüedegêr 1100 boten sînem wîbe, der marcgrâvinne hêr. er enbôt ir, daß er solde dem künege werben wîp. si gedâhte vriuntlîche an der guoten Helchen lîp.

Dô diu marcgrâvinne die botschaft vernam, 1101 ein teil was eß ir leide, weinens si gezam, ob si gewinnen solde vrouwen alsô ê. sô si dâhte an Helchen, daß tet ir inneclîchen wê.

Rüedegêr von Ungern in siben tagen reit: A.1102 des was künic Etzel vrô und ouch gemeit. dâ ze der stat ze Wiene bereite man im die wât. dâ mohte er niht langer sîner reise haben rât.

Dâ ze Bechlâren warte im Gotelint, 1103 und diu junge marcgrâvîn, Rüedegêres kint, sach ir vater gerne und die sîne man: dô wart ein liebeß bîten von schœnen vrouwen getân.

Ê der edel Rüedegêr ze Bechlâren reit 1104 ûß der stat ze Wiene, dô wâren im diu kleit rehte volleclîchen ûf den soumen komen. si vuoren in der mâße, daß in wart wênic iht genomen.

Dô si ze Bechlâren kômen in die stat, 1105 die sînen reisegesellen herbergen bat der wirt vil minneclîche und schuof in guot gemach. A. Gotlint diu rîche den wirt si gerne komen sach.

Als tet sîn liebiu tohter, diu junge marcgrâvîn: 1106 derne kunde nimmer sîn komen lieber sîn. die helde ûß Hiunen lande wie gerne si si sach! A. mit lachendem muote diu edle juncvrouwe sprach:

‚Sî uns grôße willekomen mîn vater und sîne man.‘ 1107 dô wart ein schœne danken mit vlîße dâ getân der jungen marcgrâvinne von manegem rîter guot. wol weste Gotlint des hêrren Rüedegêres muot.

Dô si des nahtes bî Rüedegêre lac, 1108 wie güetlîche vrâgen diu marcgrâvinne phlac, war in gesendet hête der künec von Hiunen lant? er sprach: ‚mîn vrou Gotelint, ich tuonß iu gerne bekant.

‚Dâ sol ich mîme hêrren werben ein wîp, 1109 sît diu ist derstorben der schönen Helchen lîp. ich wil nâch Kriemhilde rîten an den Rîn: diu sol hie zen Hiunen vrouwe vil gewaltec sîn.‘

‚Daß wolde Got,‘ sprach Gotelint, ‚möhte daß geschehen! 1110 sît wir ir sô maneger êren hœren jehen. si ergezt uns mîner vrouwen lîhte in alten tagen: wir möhten si zen Hiunen gerne lâßen krône tragen.‘

Dô sprach der marcgrâve: ‚triutinne mîn, A.1111 die mit mir suln rîten hinnen an den Rîn, den sult ir minneclîche bieten iuwer guot: sô helde varnt rîche, sô sint si hôhe gemuot.‘

Si sprach: ‚eß ist neheiner, derß gerne von mir nimt, A.1112 ich engebe ieslîchem, daß im wol gezimt, ê ir hinnen scheidet und ouch iuwer man.‘ dô sprach der marcgrâve: ‚daß ist mir liebe getân.‘

Hei, waß man rîcher phelle von ir kameren truoc! A.1113 der wart den edelen recken ze teile dô genuoc, ervüllet vlîßeclîchen von halse unz ûf die sporn. die im dar ab gevielen, die het im Rüedegêr erkorn.

An dem siebenden morgen von Bechlâren reit 1114 der wirt mit sînen degenen: wâfen unde kleit vuorten si den vollen durch der Beire lant. si wurden ûf der strâße durch rouben selten an gerant.

Inre tagen zwelfen si riten an den Rîn. 1115 done kunden disiu mære niht verholen sîn. A. man seite eß dem künege und den sînen man, dâ kœmen vremde geste. der wirt dô vrâgen began,

Ob ieman si bekande, daß manß im solde sagen. 1116 man sach ir soumære harte swære tragen: A. daß si vil rîche wâren, daß wart dâ wol bekant. man schuof in herberge in der wîten stat zehant.

Dô die vil unkunden wâren in bekomen, 1117 dô wart ir geverte vaste war genomen. si wundert, wannen vüeren die recken an den Rîn. der wirt Hagenen vrâgte, wer die hêrren möhten sîn?

Dô sprach der helt von Troneje: ‚ich hân ir niht gesehen, A.1118 als wir si nu geschouwen, ich kan iu wol verjehen, von swannen si rîten her in ditze lant. si suln sîn vil vremde, ine habe si schiere bekant.‘

Den gesten herberge wâren nu genomen. A.1119 in vil rîchiu kleider was der bote komen und sîne hergesellen: ze hove si dô riten. si vuorten guotiu kleider, vil harte spæhe gesniten.

Dô sprach der snelle Hagene: ‚als ich mich kan verstân, 1120 wand ich den hêrren lange niht gesehen hân, si varnt wol dem gelîche, sam eß si Rüedegêr, von Hiunischen landen der degen küene unde hêr.‘

‚Wie sol ich daß gelouben,‘ sprach der künec zehant, 1121 ‚daß der von Bechelâren kœme in ditze lant?‘ als der künic Gunther die rede volsprach, Hagene der küene den guoten Rüedegêren sach.

Er und sîne vriunde si liefen alle dan. 1122 dô sach man von den rossen fünf hundert rîter stân. dô wurden wol enphangen die von Hiunen lant. boten nie getruogen alsô hêrlîch gewant.

Dô sprach harte lûte von Tronje Hagene: 1123 ‚nu sîn Gote willekomen dise degene, der vogt von Bechelâren und alle sîne man.‘ der antphanc wart mit êren den snellen Hiunen getân.

Des küneges næhsten mâge dringen dar man sach. A.1124 Ortwîn von Metze zuo Rüedegêre sprach: ‚wir haben in aller wîle mêre nie gesehen geste hie sô gerne: des wil ich wærlîche jehen.‘

Des gruoßes si dô dankten den recken über al. 1125 mit den hergesinden si giengen in den sal, dâ si den künic vunden bî manegem küenen man. der hêrre stuont von sedele: daß was durch grôße zuht getân.

Wie rehte vriuntlîche er zuo den boten gie! A.1126 Gunther unde Gêrnôt vil vlîßeclîch enphie den gast mit sînen mannen, als im wol gezam. den guoten Rüedegêre er bî der hende genam.

Er brâhte in zuo dem sedele, dâ er selbe saß: 1127 den gesten hieß er schenken, vil gerne tet man daß, mete den vil guoten und den besten wîn, den man kunde vinden in dem lande al umben Rîn.

Gîselher und Gêre die wâren beide komen, A.1128 Dancwart und Volkêr, die heten schiere vernomen von den werden gesten: si wâren vrô gemuot, si enphiengen vor dem künege die rîter edele unde guot.

Dô sprach zuo sîme hêrren von Troneje Hagene: A.1129 ‚eß solden immer dienen dise degene, daß uns der marcgrâve zuo liebe hât getân: des solte lôn enphâhen der schœnen Gotelinde man.‘

Dô sprach der künic Gunther: ‚ine kan daß niht verdagen: 1130 wie sich gehaben beide, daß sult ir mir sagen, Etzel unde Helche ûß der Hiunen lant.‘ dô sprach der marcgrâve: ‚ich tuonß iu gerne bekant.‘

Dô stuont er von dem sedele mit allen sînen man. 1131 er sprach zuo dem künege: ‚lât mich urloup hân ze sagene solhiu mære, dar umbe ich bin gesant von dem künic Etzele her zuo der Burgunden lant.‘

Er sprach: ‚swaß man uns mære bî iu enboten hât, 1132 diu erloube ich iu ze sagene âne vriunde rât. ir sult si lâßen hœren mich und mîne man, wan ich iu aller êren hie ze werbenne gan.‘

Dô sprach der bote biderbe: ‚iu enbiutet an den Rîn 1133 getriuwelîchen dienest der grôße voget mîn, dar zuo allen vriunden, die ir muget hân; ouch ist disiu botschaft mit grôßen triuwen getân.

‚Iu bat der künic edele klagen sîne nôt: 1134 sîn volc ist âne vreude, mîn vrouwe diu ist tôt, Helche diu vil rîche, mînes hêrren wîp: an der ist nu verweiset vil maneger juncvrouwen lîp,

‚Kint der edelen vürsten, diu si gezogen hât, A.1135 dâ von eß inme lande vil jæmerlîchen stât: diu enhânt nu leider niemen, der ir mit triuwen phlege. des wæn ouch sich vil seine des küneges sorge gelege.‘

‚Nu lône im Got,‘ sprach Gunther, ‚daß er den dienst sîn A.1136 sô willeclîch enbiutet mir und den vriunden mîn. den sînen gruoß ich gerne hie vernomen hân; daß suln gerne dienen beide mâge und mîne man.‘

Dô sprach von Burgunden der hêrre Gêrnôt: A.1137 ‚die welt mac immer riuwen der schœnen Helchen tôt durch ir vil manec tugende, der si kunde phlegen.‘ der rede gestuont im Hagene, dar zuo manec ander degen.

Dô sprach aber Rüedegêr, der edel bote hêr: 1138 ‚sît ir mir, künec, erloubet, ich sol iu sagen mêr, waß iu mîn lieber hêrre her enboten hât, sît im sîn dinc nâch Helchen sô rehte kumberlîchen stât.

‚Man sagete mînem hêrren, Kriemhilt sî âne man, 1139 hêr Sîvrit ist erstorben. und ist daß sô getân, welt ir ir des gunnen, sô sol si krône tragen vor Etzelen recken: daß hieß ir mîn hêrre sagen.‘

Dô sprach der künic rîche, wol gezogen was sîn muot: 1140 ‚si hœret mînen willen, ob si eß gerne tuot. daß wil ich iu künden in disen drîen tagen: ê ich eß an ir vunde, zwiu solde ich Etzeln versagen?‘

Die wîle man den gesten hieß schaffen guot gemach. A.1141 in wart dâ sô gedienet, daß Rüedegêr des jach, daß er dâ hete vriunde under Gunthers man. Hagene im diende gerne: er hete im ê alsam getân.

Alsus beleip dô Rüedegêr unz an den driten tac. 1142 der künec nâch râte sande, wie wîslîch er phlac, vrâgen sîne vriunde, ob si dûhte guot getân, daß Kriemhilt nemen solde den künic Etzelen ze man.

Si rietenß al gemeine niuwan Hagene, 1143 der sprach zuo Gunther, dem küenen degene: ‚habt ir rehte sinne, sô wirt eß wol behuot, und ob sis volgen wolte, daß irß doch nimmer getuot.‘

‚War umbe,‘ sprach dô Gunther, ‚solt ichs volgen niht? 1144 swaß der küneginne liebes noch geschiht, des sol ich ir wol gunnen: si ist diu swester mîn. wir soldenß selbe werben, ob eß ir êre möhte sîn.‘

Dô sprach aber Hagene: ‚nu lât die rede stân. 1145 het ir Etzelen künde, als ich sîn künde hân, sol si in danne minnen, als ich iu hœre jehen, sô ist iu alrêste von schulden sorgen geschehen.‘

‚War umbe?‘ sprach dô Gunther, ‚ich kan bewarn daß, 1146 daß ich im kom sô nâhe, daß ich deheinen haß von im dulden müese, und wurde si sîn wîp.‘ dô sprach aber Hagene: ‚daß gerætet nimmer mîn lîp.‘

Man hieß nâch Gêrnôte und Gîselhere gân, A.1147 ob die hêrren beide dûhte guot getân, daß Kriemhilt nemen solde den rîchen künic hêr. noch widerreiteß Hagene unde ouch ander niemen mêr.

Dô sprach von Burgunden Gîselher der degen: 1148 ‚nu muget ir, vriunt Hagene, noch der triuwen phlegen: ergetzet si der leide, und ir ir habet getân. an swiu ir wol gelunge, daß solt ir ungevêhet lân.‘

‚Jâ habet ir mîner swester getân sô menegiu leit,‘ A.1149 sô sprach aber Gîselher, der recke vil gemeit, ‚daß si des hete schulde, daß si iu wære gram. nie man deheiner vrouwen vreude mêre benam.‘