Part 11
Diu vrouwe bat sich wîsen, dâ si den helt vant. 952 si huop sîn schœne houbet mit ir vil wîßen hant. A. swie rôt er was von bluote, si hete in schiere erkant. dô lac vil jæmerlîche der helt von Nibelunge lant.
Dô rief trûreclîchen diu küneginne milt: 953 ‚wê mir dises leides: nu ist dir doch dîn schilt mit swerten niht verhouwen: du lîst ermorderôt. wesse ich, wer eß het getân, ich riete im immer sînen tôt.‘
Alleß ir gesinde klagete unde schrê 954 mit ir lieben vrouwen, wande in was vil wê umb ir edelen hêrren, der dâ was verlorn. gerochen hete Hagene vil übele Prünhilde zorn.
Dô sprach diu jâmerhafte: ‚ir sult hine gân 955 und wecket harte balde die Sîvrides man. ir sult ouch Sigmunde mînen jâmer sagen, ob er mir helfen welle den küenen Sîvriden klagen.‘
Dô lief ein bote balde, dâ er ligen vant 956 Sîvrides helde von Niblunge lant. mit den vil leiden mæren ir vreude er in benam; si woldenß niht gelouben, ê man daß weinen vernam.
Der bote kom ouch schiere, dâ der künic lac. A.957 Sigmunt der hêrre des slâfes niene phlac: ich wæn, sîn herze im seite, daß im was geschehen, daz er sînen lieben sun nimmer solde mêr gesehen.
‚Wachet, hêrre Sigmunt! mich bat nâch iu gân 958 Kriemhilt mîn vrouwe: der ist ein leit getân, daß ir vor allen leiden an ir herze gât: daß sult ir klagen helfen, wan eß sêre iuch bestât.‘
Ûf rihte sich dô Sigemunt, er sprach: ‚waß sint diu leit 959 der schœnen Kriemhilde, sô du hâst geseit?‘ der bote sprach mit weinen: ‚si muoß von schulden klagen: jâ ist von Niderlanden der küene Sîvrit erslagen.‘
Dô sprach der künic Sigemunt: ‚lât daß schimpfen sîn 960 und alsô bœsiu mære von dem sune mîn, daß ir saget ieman, daß er sî erslagen, wan ich enkunde in nimmer unz an mîn ende verklagen.‘
‚Und welt irß niht gelouben, daß ir mich hœret sagen, 961 sô vernemet selbe Kriemhilde klagen und alleß ir gesinde den Sîvrides tôt.‘ vil sêre schrac dô Sigmunt: des gie im wærlîchen nôt.
Mit hundert sîner manne er von dem bette spranc. 962 si zucten zuo den handen diu scharphen wâfen lanc: si liefen zuo dem wuofe jâmerlîchen dan. dô kômen tûsent recken, des küenen Sîvrides man.
Dô si sô jâmerlîche die vrouwen hôrten klagen, A.963 dô wânden sumelîche, si solden kleider tragen. jane mohten si der sinne vor leide niht gehaben: in was michel swære in ir herze begraben.
Dô kom der künic Sigemunt, da er Kriemhilde vant. 964 er sprach: ‚ouwê der reise her in ditze lant. wer hât mich mînes kindes und iuch des iuwern man bî alsô guoten vriunden sus mortlîch âne getân?‘
‚Solde ich den bekennen,‘ sprach daß vil edel wîp, 965 ‚holt wurde im nimmer mîn herze noch mîn lîp: ich riete im alse leides, daß al die vriunde sîn mit jâmer müesen weinen, daß wißßet, von den schulden mîn.‘
Sigemunt mit armen den vürsten umbeslôß. 966 dô wart von sînen vriunden der jâmer alsô grôß, daß von dem starken wuofe palas unde sal und diu stat ze Wormße von ir weinen erschal.
Done kunde nieman trœsten Sîvrides wîp. 967 man zôch ûß den kleidern sînen schœnen lîp und wuosch im sîne wunde, man leite in ûf den rê. dô was sînen liuten von starkem jâmer vil wê.
Eß sprâchen sîne recken ûß Niblunge lant: 968 ‚in sol immer rechen mit willen unser hant. er ist in disem hûse, der eß hât getân.‘ dô ilten sich wâfenen alle Sîvrides man.
Die ûß erwelten degene mit schilden kômen dar, 969 einlif hundert recken: die hete an sîner schar Sigmunt der rîche. sînes sunes tôt wolde er gerne rechen, als im sîn triuwe daß gebôt.
Sine wessen, wen si solden mit strîte dô bestân, 970 si entæten Guntheren und ouch sîne man, mit den der hêrre Sîvrit an daß gejeide reit. Kriemhilt sach si gewâfent; daß was ir grœßlîche leit.
Swie michel wær ir jâmer und wie starc ir nôt, 971 doch vorhte si sô harte der Niblunge tôt von ir bruoder mannen, daß si eß understuont. si warnt si güetlîche, sô vriunde liebe vriunde tuont.
Dô sprach diu jâmers rîche: ‚mîn hêr Sigmunt, 972 wes welt ir beginnen? iu ist niht rehte kunt. jâ hât künic Gunther sô manegen küenen man: ir welt iuch alle vliesen, welt ir die recken bestân.‘
Mit ûf erburten schilden was in ze strîte nôt. 973 diu edel küneginne si bat und ouch gebôt, daß eß mîden solden die recken vil gemeit. daß wolden si niht lâßen, daß was ir wærlîche leit.
Si sprach: ‚mîn hêr Sigmunt, ir sult eß lâßen stân, 974 unz eß sich baß vüege: sô wil ich mînen man immer mit iu rechen. der mir in hât benomen, wird ich des bewîset, eß muoß im schedlîchen komen.
‚Eß ist der übermüeten hie bî Rîne vil, 975 dâ von ich iu des strîtes râten niht enwil. si habent wider einen ie wol drîßec man; Got lâß in gelingen, als si umb uns gedienet hân.
‚Ir sult hie belîben und dolt mit mir diu leit, 976 unz eß tagen beginne, ir helde vil gemeit: sô helfet mir beserken mînen lieben man.‘ dô sprâchen die degene: ‚vrouwe liep, daß sî getân.‘
Iu enkunde nieman daß wunder volsagen 977 von rîtern und von vrouwen, wie man die hôrte klagen, sô daß man des wuofes wart in der stat gewar. die edelen burgære kômen gâhende dar.
Si klagten mit den gesten, wan in was harte leit. 978 Sîvrides schulde in wâren niht geseit, durch waß der edel recke verlôs dâ sînen lîp. dô weinden mit den vrouwen der guoten burgære wîp.
Smide hieß man gâhen wurken einen sarc 979 von silber und von golde, michel unde starc, und hieß in vaste spengen mit stahel, der was guot. dô was al den liuten harte trûrec der muot.
Diu naht was ergangen: man seite, eß wolde tagen. 980 dô hieß diu edel vrouwe zuo dem münster tragen den vil edelen tôten, ir vil lieben man. swaß er dâ vriunde hête, die sach man weinende gân.
Dô si in zem münster brâhten, wie vil dâ glocken klanc! A.981 man hôrte allenthalben maneges phaphen sanc. dô kom der künic Gunther dar mit sînen man und ouch der grimme Hagene; daß wære beßßer verlân.
Er sprach: ‚liebiu swester, wê der leide dîn. A.982 daß wir niht mohten âne sô grôßes schaden sîn. wir müeßen klagen immer Sîvrides lîp.‘ ‚daß tuot ir âne schulde,‘ sprach daß jâmerhafte wîp.
‚Wær iu dar umbe leide, sone wær es niht geschehen. A.983 ir hetet mîn vergeßßen, des mag ich wol jehen, dâ ich dâ wart gescheiden von mîme lieben man. daß wolde Got von himele, wær eß mir selber getân.‘
Si buten vaste ir lougenen; Kriemhilt begunde jehen: A.984 ‚swelher sî unschuldec, der lâße daß besehen. der sol zuo der bâre vor den liuten gân: dâ mac man die wârheit harte schiere bî verstân.‘
Daß ist ein michel wunder: dicke eß noch geschiht, A.985 swâ man den mortmeilen bî dem tôten siht, sô bluotent im die wunden; sam ouch dâ geschach; dâ von man die schulde dâ ze Hagenen gesach.
Die wunden vlußßen sêre, alsam si tâten ê. A.986 die ê dâ sêre klageten, des wart nu michel mê. dô sprach künic Gunther: ‚ich wilß iuch wißßen lân. in sluogen schâchære: Hagene hât es niht getân.‘
‚Mir sint die schâchære,‘ sprach si, ‚vil wol bekant. A.987 nu lâße eß Got errechen noch sîner vriunde hant. Gunther und Hagene, jâ habet irß getân.‘ die Sîvrides degene hêten dô zuo strîte wân.
Dô sprach aber Kriemhilt: ‚nu dolt mit mir die nôt.‘ A.988 dô kômen dise beide, dâ si in vunden tôt, Gêrnôt ir bruoder und Gîselher daß kint. mit triuwen si in klageten; ir ougen wurden naßßes blint.
Si weinden inneclîche Kriemhilde man. A.989 man wolde messe singen: zuo dem münster dan giengen allenthalben man unde wîp. die sîn doch lîhte enbâren, die weinden Sîvrides lîp.
Gêrnôt unde Gîselher sprâchen: ‚swester mîn, A.990 nu trœste dich nâch tôde, als eß iedoch muoß sîn. wir wellen dichs ergetzen, die wîle wir leben.‘ dône kunde ir nieman trôst neheinen gegeben.
Sîn sarc was bereitet wol umbe mitten tac; A.991 man huob in von der bâre, dâ er ûfe lac. in wolde noch diu vrouwe lâßen niht begraben: des muosen al die liute michel arbeite haben.
In einen rîchen phelle man den tôten want. A.992 ich wæne, man dâ ieman âne weinen vant. dô klagte herzenlîche Uote, ein edel wîp, und al ir ingesinde Sîvrides wætlîchen lîp.
Dô man gehôrte, daß man zem münster sanc 993 und in besarket hête, dâ huop sich grôß gedranc: durch willen sîner sêle waß man ophers truoc! er hete bî den vînden doch guoter vriunde genuoc.
Kriemhilt diu arme zir kameræren sprach: 994 ‚ir sult durch mîne liebe lîden ungemach: die im guotes günnen und mir wesen holt, durch Sîvrides sêle sol man in teilen sîn golt.‘
Dehein kint was sô kleine, daß witze mohte haben, 995 eß muose gên zem opher, ê er wurde begraben. wol hundert messe man des tages sanc. von Sîvrides vriunden wart dô grôßer gedranc.
Dô man het gesungen, daß volc sich huop von dan. 996 dô sprach vrou Kriemhilt: ‚irn sult niht eine lân hînte mich bewachen den ûß erwelten degen. eß ist an sîme lîbe al mîn vreude gelegen.
‚Drî tac und drî nahte wil ich in lâßen stân, A.997 unz ich mich geniete mîns vil lieben man. waß, ob Got gebiutet, daß mich ouch nimt der tôt? sô wære wol verendet mîn armer Kriemhilde nôt.‘
Ze herbergen giengen die liute von der stat. 998 phaffen unde müniche si belîben bat und alleß sîn gesinde, daß des heldes phlac. si heten naht vil arge und vil müelîchen tac.
Ân eßßen und ân trinken beleib dâ manec man. A.999 die eß nemen wolden, den wart daß kunt getân, man gæbes in den vollen: daß schuof er Sigmunt. dô was den Niblungen vil michel arbeite kunt.
Die drîe tagezîte, sô wir hœren sagen, B. die dâ kunden singen, daß si muosen tragen vil der arbeite: waß man in ophers truoc! die dâ arme wâren, die wurden rîche genuoc.
Swaß man vant der armen, die es niht mohten hân, 1000 die hieß man doch zem opher mit dem golde gân ûß sîn selbes kamere: dô er niht solde leben, umbe sîne sêle wart manec tûsent marc gegeben.
Urbor ûf der erden teiltes in diu lant, 1001 swâ sô man klôster und guote liute vant. silber gap man unde wât den armen dâ genuoc. si tet dem wol gelîche, daß sim holden willen truoc.
An dem dritten morgen ze rehter messezît 1002 sô was bî dem münster der kirchhof alsô wît von den lantliuten weinennes alsô vol: si dienden im nâch tôde, als man lieben vriunden sol.
In den tagen vieren, man hât gesaget daß, A.1003 ze drîßec tûsent marken oder dannoch baß wart durch sîne sêle den armen dâ gegeben. dô was gelegen ringe sîn grôßiu schœne und ouch sîn leben.
Dô Gote wart gedienet und man vol gesanc, 1004 mit ungevüegem leide vil des volkes ranc. man hieß in ûß dem münster zuo dem grabe tragen. man vant dâ niht anders wan ein weinen unde klagen.
Lûte schrîende daß liut gie mit im dan: 1005 vrô enwas dô niemen weder wîp noch man. ê man in begrüebe, man sanc unde las: hei, waß guoter phaffen bî sîner bevilde was!
Ê ze dem grâbe kœme Sîvrides wîp, 1006 dô ranc mit solhem jâmer ir getriuwer lîp, daß man si mit dem brunnen dicke dâ begôß. eß was ir ungemüete vil harte unmæßlîchen grôß.
Eß was michel wunder, daß si ie genas. 1007 mit klage ir helfende dâ manec vrouwe was. dô sprach diu küneginne: ‚ir Sîvrides man, ir sult durch iuwer triuwe an mir genâde begân.
‚Lât mir nâch mîme leide ein kleine liep geschehen, 1008 daß ich sîn schœne houbet noch eins müeße sehen.‘ dô bat sis alsô lange mit jâmers sinnen starc, daß man zebrechen muose den vil hêrlîchen sarc.
Dô brâhte man die vrouwen, dâ si in ligen vant. 1009 si huop sîn schœneß houbet mit ir vil wîßen hant und kuste in alsô tôten, den edelen rîter guot: ir vil liehten ougen von leide weinden dô bluot.
Ein jæmerlîcheß scheiden wart dô dâ getân. 1010 dô truoc man si von dannen: sine kunde niht gegân. dô vant man sinnelôse daß hêrlîche wîp. von leide möht ersterben ir vil wünneclîcher lîp.
Dô man den edelen hêrren hete nu begraben, 1011 leit âne mâße sach man die alle haben, die mit im komen wâren von Niblunge lant. vil selten vrœlîchen man dô Sigmunden vant.
Dô was etelîcher, der drîer tage lanc 1012 vor dem grôßen leide niht aß noch entranc. dô mohten si dem lîbe sô geswîchen niht: si nerten sich nâch sorgen, sô noch genuogen geschiht.
Kriemhilt unversunnen in unkreften lac C. den tac und den âbent unz an den andern tac. swaß iemen sprechen kunde, daß was ir gar unkunt. in den selben nœten lag ouch der künic Sigemunt.
Vil kûme wart der hêrre wider ze sinnen brâht. C. von dem starken leide kranc was gar sîn maht: daß enwas niht wunder. dô sprâchen sîne man: ‚hêrre, ir sult ze lande: wir mugen niht langer hie bestân.‘
Âventiure
wie Sigmunt wider ze lande vuor.
Der sweher Kriemhilde gie, dâ er si vant. X.1013 er sprach ze der küneginne: ‚wir suln in unser lant. wir wæne unmære geste bî dem Rîne sîn. Kriemhilt, vil liebiu vrouwe, nu vart ir zuo dem lande mîn.
‚Sît daß uns untriuwe âne hât getân A.1014 hie in disen landen des iuwern edelen man: des sult ir niht enkelten: ich tuon iu triuwen schîn durch iuwers mannes liebe unde des edelen kindes sîn.
‚Ir sult ouch haben, vrouwe, allen den gewalt, 1015 den iu tet ê Sîvrit kunt, der degen balt. daß lant und ouch diu krône sî iu undertân. iu suln gerne dienen alle Sîvrides man.‘
Dô seite man den knehten, si solden rîten dan: 1016 dô wart michel gâhen nâch rossen getân. bî ir starken vînden was in daß leben leit. vrouwen unde meiden hieß man suochen diu kleit.
Dô der künic Sigemunt wolde sîn geriten, 1017 dô begunde ir muoter Kriemhilde biten, daß si bî ir mâgen solde dâ bestân. dô sprach diu vreuden arme: ‚daß kunde müelîch ergân.
‚Wie möht ich den immer mit ougen an gesehen, 1018 von dem mir armen wîbe sô leide ist geschehen?‘ dô sprach der junge Gîselher: ‚liebiu swester mîn, du solt durch dîne triuwe hie bî dîner muoter sîn.
‚Die dir hânt beswæret und betrüebet dînen muot, 1019 der bedarftu niht ze dienste, du zere mîn eines guot.‘ si sprach zuo dem recken: ‚jane mag es niht geschehen. von leide müese ich sterben, swenne ich Hagene solde sehen.‘
‚Des tuon ich dir ze râte, vil liebiu swester mîn. 1020 du solt bî dînem bruoder Gîselhere sîn. jâ wil ich dich ergetzen dînes mannes tôt.‘ dô sprach diu Gotes arme: ‚des wære Kriemhilde nôt.‘
Dô eß ir der junge sô güetlîch erbôt, A.1021 dô begunde ouch vlêgen Uote und Gêrnôt und ir getriuwe mâge, si bâtens dâ bestân, si hete lützel künnes under Sîvrides man.
‚Si sint iu alle vremede,‘ sô sprach Gêrnôt. A.1022 ‚niemen lebt sô starker, ern müeße ligen tôt. daß bedenket, liebiu swester, und trœstet iuwern muot, belîbet bî den vriunden; eß wirt iu wærlîchen guot.‘
Si lobete Gîselhere, si wolde dâ bestân. 1023 diu ros gezogen wâren Sigmundes man, als si wolden rîten ze Niblunge lant; dô was ouch ûf gesoumet al der recken gewant.
Dô gie hêr Sigemunt vür Kriemhilde stân: 1024 er sprach zuo der vrouwen: ‚Sîvrides man wartent bî den rossen, nu suln wir rîten hin, wan ich vil ungerne hie bî den Burgunden bin.‘
Dô sprach vrou Kriemhilt: ‚mir râtent vriunde mîn, 1025 swaß der ist getriuwe, ich sul hie bî in sîn: ich habe niemen mâge in Niblunge lant.‘ leit was eß Sigmunde, dô erß an Kriemhilde vant.
Dô sprach künic Sigemunt: ‚lât iuß nieman sagen: 1026 vor allen mînen mâgen sult ir krône tragen vil gewalteclîchen, als ir habt ê getân: irn sult des niht enkelten, daß wir den helt verlorn hân.
‚Und vart mit uns widere durch iuwer kindelîn; 1027 daß ensult ir niht verweiset, vrouwe, lâßen sîn, swenn iuwer sun gewahset, der trœstet iu den muot. die wîle sol iu dienen manec küene degen guot.‘
Si sprach: ‚mîn hêr Sigemunt, jane mag ich rîten niht. 1028 ich muoß hie belîben, swaß halt mir geschiht, bî mînen mâgen, die mir helfen klagen.‘ do begunden disiu mære den guoten recken missehagen.
Si sprâchen al gelîche: ‚sô möhten wir wol jehen, 1029 daß uns êrste wære leide geschehen, woldet ir belîben bî unsern vînden hie: so geriten hovereise noch helde sorclîcher nie.‘
‚Ir sult âne sorge Got bevolhen varn: 1030 man gît iu guot geleite, ich heiß iuch wol bewarn zuo iuwerme lande; mîn liebeß kindelîn daß sol ûf genâde iu recken wol bevolhen sîn.‘
Dô si wol vernâmen, daß si niht wolde dan, A.1031 dô weinden al gelîche Sigmundes man. wie rehte jæmerlîche schiet dô Sigmunt von vrouwen Kriemhilde! dô was im ungemüete kunt.
‚Sô wê der hôhzîte,‘ sprach der künic hêr. 1032 ‚eß geschiht von kurzwîle vürbaß nimmer mêr künege noch sînen mâgen, daß uns ist geschehen. man sol uns nimmer mêre hie zen Burgunden sehen.‘
Dô sprâchen offenlîche Sîvrides man: 1033 ‚eß möhte noch diu reise in ditz lant ergân, sô wir den noch vunden, der uns den hêrren sluoc. si hânt von sînen mâgen starker vînde genuoc.‘
Er kuste Kriemhilde: jæmerlîch er sprach, 1034 dô si belîben wolde und er daß rehte ersach: ‚nu rîten vreuden âne heim in unser lant! alle mîne sorge sint mir êrste nu bekant.‘
Si riten ân geleite von Wormeß über Rîn: 1035 si mohten wol des muotes sicherlîchen sîn, ob si in vîentschefte wurden an gerant, daß sich weren wolde der küenen Niblunge hant.
Sine gerten urloubes dâ ze keinem man. A.1036 dô sach man Gêrnôten und Gîselheren gân zuo im minneclîchen: in was sîn schade leit: des brâhten in wol inne die helde küene unt gemeit.
Dô sprach gezogenlîche der fürste Gêrnôt: A.1037 ‚Got weiß wol von himele, an Sîvrides tôt gewan ich nie schulde: ich hôrte ouch nie gesagen, wer im hie vîent wære: ich soll in billîche klagen.‘
Dô gab im guot geleite Gîselher daß kint. A.1038 er brâhte sorgen âne, die noch bî leide sint, den künec bî sînen recken heim ze Niderlant. wie lützel man der mâge dar inne vrœlîche vant!
Wie si nu gevüeren, des kan ich niht gesagen. 1039 man hôrte zallen zîten hie Kriemhilde klagen, daß ir niemen trôste daß herze noch den muot, eß entæte Gîselher: der was getriuwe unde guot.
Prünhilt diu schœne mit übermüete saß. A.1040 swaß geweinde Kriemhilt, ummære was ir daß. sine wart ir guoter triuwen nimmer mê bereit; sît tet ouch ir vrou Kriemhilt diu vil herzenlîchen leit.
Âventiure
wie der Nibelunge hort ze Wormeß kam.
Dô diu edel Kriemhilt alsô verwitwet wart A.1041 bî ir inme lande der grâve Eckewart beleip mit sînen mannen: sîn triuwe im daß gebôt. er diende sîner vrouwen mit willen unz an sînen tôt.
Ze Wormeß bî dem münster ein gezimber man ir slôß, A.1042 wît und vil michel, rîch unde grôß, dâ si mit ir gesinde sît âne vreude saß. si was ze kirchen gerne und tet vil willeclîchen daß.
Dô man begruob ir vriedel, wie selten si daß lie! 1043 mit trûrigem muote si alle zît dar gie und bat Got den rîchen sîner sêle phlegen. vil dicke wart beweinet mit grôßen triuwen der degen.
Uote und ir gesinde trôstens alle stunt; A.1044 dô was ir daß herze sô grœßlîchen wunt, eß kunde niht vervâhen, swaß man ir trôstes bôt. si het nâch ir vriunde die aller grœßisten nôt,
Die nâch liebem manne ie mê wîp gewan. A.1045 man moht ir michel tugende kiesen wol dar an. si klagete unz an ir ende, die wîle werte ir lîp. sît rach sich wol mit ellen in grôßen triuwen daß wîp.
Sus saß si nâch ir leide, daß ist alwâr, 1046 nâch ir mannes tôde unz in daß vierde jâr, daß si ze Gunthere nie kein wort gesprach, und ouch ir vîent Hagenen in der zîte nie gesach.
Dô sprach von Tronje Hagene: ‚muget ir daß tragen an, A.1047 daß ir iuwer swester ze vriunt möhtet hân? sô kœm zuo disem lande der Niblunge golt: des möht ir vil gewinnen, wurde uns diu küneginne holt.‘
‚Daß suln wir versuochen,‘ sprach der künic sân. A.1048 ‚ich wil eß mîne bruoder hin zir werben lân, daß si mir daß vüegen, daß si daß gerne sehe.‘ ‚ine trouwes niht,‘ sprach Hagene, ‚daß eß immer geschehe.‘
Dô hieß er Ortwînen hin ze hove gân A.1049 und den marcgrâven Gêren. dô daß was getân, man brâhte ouch Gêrnôte und Gîselher daß kint. si versuohtens vriuntlîchen an vrouwen Kriemhilde sint.
Dô sprach von Burgunden der küene Gêrnôt: A.1050 ‚vrouwe, ir klaget ze lange den Sîvrides tôt. iu wil der künic rihten, daß ern niht hât erslagen. man hœrt iuch zallen zîten sô rehte grœßlîchen klagen.‘
Si sprach: ‚des zîht in nieman: in sluoc Hagnen hant, A.1051 wâ man in verhouwen solde, do er daß an mir ervant. wie moht ich des getrouwen, daß er im trüege haß? ich hete wol behüetet,‘ sprach diu küneginne, ‚daß,
‚Daß ich vermeldet hête sînen schœnen lîp. A.1052 sô ließe ich nu mîn weinen, ich vil armeß wîp. holt wird ich in nimmer, die eß dâ hânt getân.‘ do begunde vlêgen Gîselher, der vil wætlîche man.
Si sprach: ‚ich muoß in grüeßen, irn welts mich niht erlân: C. des habt ir grôße sünde. der künec hât mir getân sô vil der herzen swære gar âne mîne scholt: mîn munt im giht der suone, im wirt daß herze nimmer holt.‘
‚Dar nâch wirt eß beßßer,‘ sprâchen ir vriunde dô. C. ‚waß, ob er ir an verdienet, daß si noch wirdet vrô.‘ ‚er mac si wol ergetzen,‘ sprach Gêrnôt der helt. dô sprach diu jâmers rîche: ‚seht, nu tuon ich, swaß ir welt.