Part 7
Wen hätte er fragen sollen? Wen hätte er nur fragen sollen? Er sah in der Ferne ein Schiff mit Seeleuten drinnen. Da begann er zu pfeifen und mit den Händen Zeichen zu machen. Als die Seeleute diese Bewegungen sahen, kamen sie, weil sie nicht wußten, was es gebe, mit dem Schiffe zum Ufer. »Was willst du?« sagten sie zu ihm, und Hiohà sagte zu ihnen: »Sind diese Kutteln gut gewaschen oder nicht?«
»Der Teufel soll dich holen!« begannen die Seeleute; »der und jener soll dich holen! Und wegen so etwas hast du uns gerufen? Der Teufel soll dich holen!« Und damit gaben sie ihm eine Tracht Prügel, wirklich eine ordentliche Tracht.
Nun begann Hiohà zu weinen und sagte: »Was habe ich euch getan, daß ihr mich schlagt? Wie hätte ich denn sagen sollen, als ich das Schiff gesehn habe?«
»Du hättest sagen sollen,« sagten die Seeleute zu ihm: »Guten Wind! Guten Wind!«
Und so machte sich Hiohà davon.
436.
Eines Tages sagte Juvadi zur Mutter: »Geh du aufs Feld arbeiten; ich bleibe zu Hause.« Und die Mutter antwortete: »Verrichte du alles; ich gehe aufs Feld. Laß die Katze nicht zu den Speisen, bring das Bett in Ordnung, gib acht auf die Gluckhenne und geh zum Flusse und besorge die Wäsche.« Juvadi antwortete: »Ja, ja, Mutter.«
Und so ging sie aufs Feld. Aber anstatt das Bett in Ordnung zu bringen, riß es Juvadi auseinander, nahm Polster und Strohsäcke und warf sie mitten ins Haus; und er füllte eine Schwinge mit Mist und beutelte ihn im Hause aus. Dann sagte er: »Ich bin hungrig.« Und er nahm und aß alle Speisen; hierauf nahm er einen Kessel und sott die Gluckhenne samt den Küchlein und aß sie. Dann tat er die Wäsche in einen Tragkorb und ging damit zum Flusse; er warf sie ins Wasser und ging.
Wie er so dahinging, traf er einen Esel, und den packte er beim Schwanz; der Esel schlug aus und verletzte ihn am Bein. Unter bitterlichen Tränen ging Juvadi nach Hause; er verschloß die Tür und setzte sich auf den Herd.
Am Abende kam die Mutter heim und rief an der Tür: »Juva’, mach mir auf.« Er antwortete: »Nein.« »Ist dir etwas geschehn?« »Ja.« »Und was ist dir denn geschehn?« »Die Katze hat die Speisen gefressen.« »Das macht weiter nichts; wir kaufen andere. Mach mir auf, Juva’.« »Nein.« »Warum denn? ist dir noch etwas geschehn?« »Ja.« »Und was denn?« »Die Gluckhenne und die Küchlein sind weg.« »Das macht weiter nichts; mach mir nur auf.« »Nein.« »Und warum denn nicht? ist dir noch etwas geschehn?« »Ja.« »Und was ist dir denn geschehn?« »Ich bin zum Flusse waschen gegangen, und das Wasser hat die Wäsche weggeschwemmt.« »Ach das macht weiter nichts; öffne mir.« »Nein.« »Was ist dir denn geschehn?« »Ein Esel hat mich am Beine verletzt.«
Nun erbrach die Mutter die Tür, und da fand sie das ganze Haus verwüstet. Sie wäre bald vor Schreck gestorben; aber dann nahm sie einen Stock, prügelte Juvadi tüchtig durch und jagte ihn aus dem Hause.
437.
Juvadi sagte zur Mutter: »Ich gehe auf den Markt.« Die Mutter antwortete: »Kaufe einen Farren.« Sie gab ihm das Geld und Juvadi ging auf den Markt. Er kaufte einen schönen Farren und ging mit ihm nach Hause. Er kam bei den Mönchen vorbei und traf sie auf der Straße; kaum hatten sie ihn gesehn, so sagten sie: »Juva’, wo bist du gewesen?« Und Juvadi antwortete: »Ich bin auf dem Markte gewesen und habe einen Farren gekauft.« Die Mönche antworteten einer nach dem andern: »Ist es ein Farre oder ein Bock?« »Es ist ein Farre.« Es kam ein anderer Mönch dazu: »Juva’, was ist das?« »Es ist ein Farre.« »Ist es ein Farre oder ein Bock?« »Es ist ein Farre und kein Bock; ich habe ihn mit zwanzig Dukaten bezahlt.« Der Guardian sagte: »Willst du ihn mir verkaufen? ich gebe dir zehn Dukaten.« »Wenn es ein Bock ist, so nehmt ihn.« So gab ihm der Guardian zehn Dukaten und er ging nach Hause. Die Mutter sagte: »Was hast du gemacht?« »Ich habe das gemacht: Ich habe einen schönen Farren gekauft, bin bei den Mönchen vorbeigekommen und sie haben mir gesagt, es sei ein Bock; sie haben mir ihn abgekauft und mir zehn Dukaten gegeben.« Die Mutter nahm einen Stock, prügelte Juvadi durch und sagte: »Der Teufel soll dich holen! du hast dich also von den Mönchen beschwatzen lassen?«
Nun verkleidete sich Juvadi als Frau, mit einem Rosenkranze in der Hand, und ging in die Kapuzinerkirche und blieb dort. Als es Nacht geworden war, kam der Sakristan und sagte: »Geh jetzt; ich muß die Kirche schließen.« Er antwortete: »Laß mich aus Barmherzigkeit da schlafen.« »Ich gehe es dem Guardian sagen.« Er ging und der Guardian sagte: »Ja, ja, laß sie da schlafen.« Als es Mitternacht geworden war, ging er sachte, sachte in die Zelle des Guardians, stellte sich vor das Bett, zog einen Knüttel, den er unter dem Kleide verborgen hatte, hervor und begann den Guardian zu verprügeln, indem er sagte: »Ist es ein Farre oder ein Bock? ha? ist es ein Farre oder ein Bock? ha?« Und dabei schlug er tüchtig zu, bis der Guardian halbtot dalag; dann ging er. Am Morgen kamen die Mönche und da fanden sie den Guardian totelend. Alsbald liefen sie um Ärzte, um zu sehn, was es sei.
Juvadi ging nach Hause, kleidete sich als Arzt und ging weg, um vor den Kapuzinern herumzuschlendern. Ein Laienbruder kam heraus und sagte zu ihm: »Wer ist Euere Herrlichkeit?« Juvadi antwortete: »Ich bin ein fremder Arzt; ist hier jemand krank?« Der Mönch ging augenblicklich hinein, es seinen Brüdern sagen, und die ließen ihn hereinkommen. Als er drinnen war und seinen Kranken betrachtet hatte, sagte er: »Der hat Schläge bekommen.«
Nun schickte er alle Mönche, die dort waren, hinaus; der eine ging Kaffee machen, der andere Heilmittel holen. Als Juvadi ganz allein war, zog er den Knüttel unter dem Oberkleide hervor und begann den Guardian zu prügeln und sagte: »Ist es ein Farre oder ein Bock? ha? ist es ein Farre oder ein Bock? ha?« Und er ließ nicht eher von dem Guardian ab, als bis der schier tot war. Dann entwich er. Als die Mönche zurückkehrten und den Guardian in diesem Zustande sahen, begannen sie zu jammern und fragten ihn: »Wer hat dich geschlagen?« Der Guardian antwortete: »Der, der hier war.« Die Mönche sagten: »Wir wollen ihn suchen gehn.«
Und so setzten sie den Guardian auf einen Sessel und machten sich an die Verfolgung Juvadis. Der sah sie von weitem; da sagte er zu einem Manne, der mit dem Karste arbeitete: »Guter Mann, schau wie viel Leute dich prügeln kommen.« Der erschrak, warf den Karst weg und entfloh; nun nahm Juvadi den Karst und begann zu ackern. Die Mönche holten den andern ein und prügelten ihn weidlich durch; und der arme Teufel schrie: »Warum schlagt ihr mich? ich habe euch doch nichts getan.« Juvadi lachte von weitem, warf den Karst weg und ging nach Hause und sagte: »Nun habe ich mich für meinen Farren bezahlt gemacht.«
438.
Es war Fastnacht. Juvadis Mutter schlachtete einen Hahn und kochte ihn mit Makkaroni; als Juvadi kam, aßen sie ihn. Nach dem Essen sagte Juvadi zur Mutter: »Mutter, wie heißt das, was wir gegessen haben?« Die Mutter antwortete: »Das war ein Morgensänger.«
Nun hörte Juvadi einen Mann, der auf der Straße sang; er ging hin, tötete ihn und brachte ihn der Mutter. Die Mutter begann zu schreien: »Du Tölpel, das war ein Mensch und kein Morgensänger.« Juvadi sagte: »Macht nichts, Mutter; ich stecke ihn in einen Sack und gehe ihn in eine Schlucht werfen.«
Auf dem Wege begegnete er einem Manne, der auch einen Sack trug, und zu dem sagte er: »Freund, was trägst du da in dem Sacke?« Der antwortete: »Ein Schwein.« Juvadi sagte: »Wollen wir tauschen?« Der Unglückselige sagte: »Ja«, und sie tauschten. Juvadi ging zu seiner Mutter nach Hause und sagte zu ihr: »Mutter, bring einen Kessel, damit wir das Schwein abbrühen. Schließ die Tür; ich muß einen Botengang machen.« Und er ging zu dem, dem er den Sack mit dem Toten gegeben hatte, und sagte zu ihm: »Was hast du getan? jetzt gehe ich zum Richter und zeige dich an.« Der andere sagte unter Tränen: »Sag nichts; ich gebe dir fünfzig Dukaten.« So nahm Juvadi den Toten und die fünfzig Dukaten. Dann ging er zu der Tür der Mönche, stellte den Toten auf die Füße und läutete an; der Sakristan öffnete die Tür von innen und der Tote fiel nieder. Der Sakristan sagte: »Steh auf! steh auf! was ist dir geschehn?« Juvadi kam hervor und sagte: »So also werden die Leute umgebracht?« Der Sakristan sagte: »Sag nichts; ich gebe dir fünfzig Dukaten.« Und Juvadi: »Wenn du willst, daß ich nichts sage, mußt du mir fünfzig Dukaten, eine Mönchskutte und den Toten geben.« Juvadi nahm den Toten, zog ihm die Kutte an, steckte ihm eine Pfeife in den Mund, setzte ihn auf den Abtritt der Mönche und kauerte sich nieder. Es kam der Guardian, um ein Bedürfnis zu verrichten; da fand er den, der dort saß, und er sagte: »Steh auf; ich muß ein Bedürfnis verrichten.« Dann packte er ihn und stieß ihn, und der fiel nieder. Der arme Guardian sagte: »Auf! auf! was habe ich dir denn getan?« Juvadi kam hervor und sagte: »So also werden die Leute umgebracht? jetzt gehe ich zum Richter und sag ihms.« Erschrocken sagte der Guardian: »Sei barmherzig und sag nichts; ich gebe dir hundert Dukaten, und wir begraben ihn.« Juvadi nahm die hundert Dukaten und sie legten den Toten ins Grab. Dann ging Juvadi voll Fröhlichkeit mit den zweihundert Dukaten nach Hause und sagte zur Mutter: »Mutter, wie viel hat mir der Morgensänger eingebracht! Jetzt bin ich reich geworden!«
439.
Eines Tages ging Juvadi um Reisig, und da fand er einen Eichenast mit Eicheln dran; den nahm er auf die Arme und trug ihn mit viel Achtsamkeit weg. Als er nahe beim Orte war, setzte er sich darauf wie auf ein Pferd und zog ihn so weiter. An einem Fenster des Königs stand die kleine Prinzessin, und die begann aus vollem Halse zu lachen. Juvadi sah sie an und sagte: »Du sollst schwanger sein von mir.« Alsbald wurde sie schwanger, und nach neun Monaten gebar sie ein Mädchen. Der König war darüber so aufgebracht, daß er den Rat zusammenrief und sagte: »Ratet mir, was ich mit der machen soll, von der diese Schande kommt; ich kann es gar nicht glauben, was sie sagen.« Der Rat antwortete: »Lassen wir alle Männer des Reiches kommen, und da werden wir sehn, wen es Babba ruft.« Da befahl der König, daß sich alle Männer in seinem Hause einfänden. So kamen seine Barone, Fürsten, Ritter, Bürger und Bauern; aber das Kind rief niemand Babba. Nur Juvadi, der nicht kommen wollte, war übrig geblieben; aber der König zwang ihn, zu kommen. Kaum hatte ihn das Kind gesehn, als es sich auch schon in seine Arme warf und ihn Babba nannte. Nun rief der König den Rat von neuem zusammen und sagte: »Was für eine Strafe soll die erhalten, von der diese Schande kommt?« Sie antworteten: »Schließen wir sie in ein Faß und rollen wir es einen Abhang hinunter.« So ließen sie ein Faß machen und die Königin legte einen Sack mit Feigen und Rosinen hinein; und sie schlossen die Prinzessin, ihre Tochter und Juvadi hinein und gingen es von einem Abhange hinunterstürzen. Als es rollte, sagte Juvadi: »Laß mich heraus, laß mich heraus; ich gebe dir Feigen und Rosinen.« Und er warf Händevoll Feigen und Rosinen aus dem Fasse. Das blieb in einer Ebene stehn; Juvadi zerbrach es und sie gingen heraus.
In der Nähe war eine Hexe, die lachte so heftig, daß ihr eine Halsgeschwulst, die sie hatte, verging. Darüber ganz glücklich, sagte sie zu Juvadi: »Was willst du? ich kann alles und tue dir gutes.« Juvadi antwortete: »Schaff mir ein Haus; denn wir haben keine Wohnung.« Die Hexe nahm eine Gerte, machte einen Kreis rundum und sagte: »Hier soll ein Palast werden mit aller Bequemlichkeit der Welt.« So wurde dort ein schöner Palast und Juvadi ging ganz vergnügt mit der Prinzessin und der Tochter hinein. Und die Prinzessin sagte zu Juvadi: »Du mußt noch behext werden, damit dir deine Dummheit ausgetrieben wird.«
440.
Eines Morgens hatte die Prinzessin Juvadi verloren; sie schrie in allen Gemächern und fand ihn endlich an einem Fenster. Dort pustete er mit dem Munde und machte Bu, bu ... bu, bu ... bu. Sie schrie: »Was machst du da?« Juvadi antwortete: »Ich puste auf die Fliegen und Wespen da, damit sie nicht hereinkommen; sie könnten uns beißen und wir müßten sterben.«
441.
Juvadi war wieder einmal verloren und die Prinzessin konnte ihn nicht finden. Am Tage darauf fand sie ihn, wie er mit einem Kuhschwanze in der Hand in die Luft starrte und Bu, bu ... bu, bu ... bu, bu pustete. Sie sagte: »Juva’, was machst du da?« Und Juvadi lachte aus vollem Halse: »Ich habe ein Wildschwein getötet, und dann ist ein Wind gekommen und hat mich in die Höhe gehoben; ich habe mich aber so kräftig gewehrt, daß mir beim Hinundherreißen der Schwanz in der Hand geblieben ist.«
442.
Ein andermal sagte Juvadi: »Ich gehe in den Hühnerstall, Eier holen.« Er ging, nahm ein Messer, tötete alle Hühner und hängte sie ringsum an die Wände. Sie gingen ihn suchen, fanden den Schaden und schrien: »Warum hast du das getan?« Und Juvadi: »Ich bin ein Metzger geworden. Was wollt ihr?«
Die Prinzessin nahm einen Stock und prügelte Juvadi weidlich durch; dann jagte sie ihn wegen all dieser dummen Streiche aus dem Hause.
443.
Juvadi hatte ein Gärtchen, und dort war ein einzelner Kirschbaum. Er pflegte ihn mit aller Sorgfalt, aber der Baum trug nicht eine einzige Kirsche. Eines Tages verlor Juvadi die Geduld und sagte: »Jetzt will ich diesen vermaledeiten Baum fällen, der nichts trägt.« Er fällte den Kirschbaum und machte ein Kreuz daraus; das pflanzte er in das Gärtchen. Er glaubte, wenn er zu Jesus Christus beten werde, werde ihm der alle Gnaden erweisen; aber er mochte heute beten oder morgen oder übermorgen, eine Gnade sah er niemals. Da packte er erbost das Kreuz, warf es zur Erde, daß es in tausend Stücke zersprang, und sagte: »Dich kenne ich schon, wie du noch ein Kirschbaum warst.«
444.
Man erzählt, daß Juvadi eines schönen Tages einen Gevatter besuchen gegangen ist. Der Gevatter, dessen Weib gerade Brot bereitete, sagte zu ihm: »Willkommen, Juva’; bleib bei uns und hilf uns das Brot bereiten.« Während die Frau in der Küche war, um das Essen zu kochen, ging Juvadi nachsehn, ob der Teig aufgegangen sei; er kam in eine Kammer, deren Wände überall Ritzen hatten, durch die der Wind einundausging, und sagte: »Da machen sie Brot und das Haus ist voller Löcher; aber ich will das in Ordnung bringen.« Er nahm den Teig und besserte alle Wände aus, indem er alle Löcher verschmierte. Als die Gevatterin diesen Schaden sah, begann sie zu schreien: »Um Gotteswillen, um Gotteswillen! was tust du? wenn mein Mann kommt, bringt er mich um.« Juvadi sagte ganz entrüstet: »Statt mir zu danken, weil das Haus löchrig war, gibst du mir böse Worte.« Und er entwich.
445.
Einmal ging Juvadi eine Gevatterin besuchen. Als sie ihn sah, sagte sie vergnügt: »Willkommen, Gevatter; es wird mir eine Freude sein, wenn du heute Morgen bei mir bleibst. Gib mir acht auf das Kindchen, das ich niedergelegt habe, und ich verrichte indessen die häusliche Arbeit.« Juvadi nahm das Kind; da er sah, daß sein Kopf ganz weich war, nahm er eine Nadel und stach hinein, so daß das Gehirn heraustrat. Und er sagte: »Madonna mia! da hat das Kind ein Geschwür und niemand denkt daran.« Als die Mutter das Kind tot sah, war sie ganz weg vor Schmerz und schrie: »Mein ... Kind ... mein ... Kind, ich habe dich einem Tölpel anvertraut.« Juvadi sagte: »Für mein gutes Werk erhalte ich einen schlechten Lohn.« Und er ging.
446.
Eines Tages ging Juvadi hinaus, stieg auf einen Felsen, begann zu pissen und sagte zu den einzelnen Bächlein: »Du gehst dorthin, du dahin, du gehst rechts und du gehst links.« Eine Bande von Räubern, die unter dem Felsen waren und viel Silbergeld teilten, hörten ihn so reden; sie glaubten, die Häscher seien da, und entflohen. Juvadi stieg hinab, nahm alles Silber und kehrte, mit Geld beladen, heim.
447.
Eines Tages ging Juvadi mit seinem Esel um Holz. Er saß auf einer Eiche und schnitt gerade an einem Aste, als ein Mann vorbeikam und zu ihm sagte: »Juva’, paß auf, du fällst herunter, wenn der Ast bricht.« Juvadi antwortete: »Kümmere dich nicht darum; ich sterbe noch nicht.« Aber als er das sagte, fiel er auch schon herunter, und es fehlte wenig, so wäre er tot gewesen. Nun sagte er zu dem Manne: »Guter Mann, wann werde ich denn sterben?« »Wann dein Esel drei Fürze tut.« Juvadi glaubte es und vergaß es keineswegs. Er mußte eine Anhöhe ersteigen, und der Esel, der zu schwer beladen war, ließ einen Furz. »Oh, jetzt geht es böse,« sagte Juvadi, »nun muß ich bald sterben.« Er ging weiter und hörte wieder, wie der Esel einen Furz ließ, und er zitterte noch mehr vor Angst. Als er dann den letzten hörte, wurde er ohnmächtig und fiel wie ein Toter zu Boden; und er blieb auf dem Wege liegen. Der Esel, der den Weg, wer weiß, wie oft gemacht hatte, ging mit dem Holze, aber ohne Juvadi, nach Hause. Als die Mutter den Esel ohne den Sohn kommen sah, erschrak sie und ging weg, um zu sehn, was ihm geschehn sei; sie fand Juvadi mit dem Gesichte nach oben auf dem Wege liegen. Und sie holte den Geistlichen, einen Bruder mit dem Kreuze, den Sakristan mit dem Weihwasser und vier Männer mit der Bahre. Sie luden ihn auf; aber sie klagten, weil er sehr schwer war, und setzten ihn alle zehn Schritte nieder. Als sie an eine Stelle des Weges gekommen waren, hob Juvadi den Kopf und schrie: »Dorthin geht.« Die, die ihn trugen, warfen ihn vor Angst, weil sie ihn tot glaubten, zu Boden, und der arme Juvadi zerschlug sich den Kopf und starb nun wirklich.
VII.
Kroatische Überlieferungen
448.
Einmal war Nasreddin schwer krank und lag still und hilflos da. Seine Frau, die bei ihm saß, weinte, und das machte ihn unruhig. Da kam ihm ein Einfall, und er sagte zu ihr mit schwacher Stimme: »O weh, o weh! Hör auf zu weinen; zieh dich schön an, nimm deine besten Sachen und deinen ganzen Schmuck und mach dich so hübsch, wie du kannst.«
»Ach Effendi,« sagte sie und begann noch mehr zu weinen, »wie könnte ich das, wo du so krank bist?«
»Wenn du mich liebst,« bat der Hodscha, »dann tust du, was ich dir gesagt habe.«
Nun wurde in ihr die weibliche Neugier rege. »Nein,« sagte sie entschieden; »ich werde es nicht früher tun, als bis du mir gesagt hast, warum du es von mir verlangst.«
»Ich möchte es dir ja sagen, aber ich fürchte, du wirst dich dann über mich ärgern.«
»Nein, wahrhaftig nein.« Und zum Beweise schwor sie ihm, daß sie alles machen werde, wann sie den Grund gehört haben werde.
Und der Hodscha sagte: »Denkst du denn nicht auch, liebes Weib, daß Asrael, wenn er um meine Seele kommen und dich so schön gekleidet und geschmückt sehn wird, lieber dich mitnehmen wird als mich?«
In diesem Augenblicke hörte die Frau zu weinen auf.
449.
Der Hodscha saß vor seinem Hause und rauchte. Da kam sein nächster Nachbar und sagte nach dem gewöhnlichen Gruße: »Aber Hodscha, warum brällt denn dein Esel schon seit dem frühen Morgen?«
»Warum fragst du mich? frag ihn.«
450.
Einmal ging der Hodscha Nasreddin spazieren; ein junger Zigeuner lief ihm nach und bettelte, er solle ihm etwas schenken. Dem Hodscha, der die Zigeuner haßte, fiels nicht ein, sich umzudrehn, geschweige denn ihm etwas zu geben. Plötzlich schrie der Zigeuner aus vollem Halse: »Schenk mir etwas, Herr, sonst werde ich etwas tun, was ich noch nie getan habe!«
Nasreddin drehte sich um, warf ihm einen Para zu und fragte ihn, was er zu tun beabsichtigt hätte. Darauf antwortete der Zigeuner: »Ja, Herr, hättest du mir nichts geschenkt, so hätte ich arbeiten müssen, und das habe ich noch nie getan.«
451.
Einmal kam wieder sein nächster Nachbar zum Hodscha und fragte ihn, warum er seinen Hund habe die ganze Nacht bellen lassen, so daß er und die Seinigen im Schlafe gestört worden seien.
Nasreddin, der wohl zugehört hatte, lachte und antwortete: »Ich glaube, du wirst doch nicht von mir verlangen wollen, daß ich bellen soll.«
452.
Als Nasreddin einmal besonders gut aufgelegt war, erzählte er in einer Gesellschaft, daß er, als er in Stambul gewesen sei und in dem Garten des Sultans, dort Bienen gesehn habe, so groß wie Schafe.
Da fragte ihn einer von den Zuhörern: »Wie groß waren denn dann die Bienenstöcke?«
Nasreddin antwortete: »Gerade so groß wie bei uns.«
»Wie konnten denn da die Bienen hinein und heraus?«
»Ich bin gerade dazu gekommen, als sie hinein wollten; als sie mich aber bemerkt haben, sind sie erschrocken und weggeflogen. Deshalb kann ich euch nicht recht sagen, wie sie es anstellen, um hineinzukommen.«
453.
Nasreddin ging einmal in den Garten, legte sich unter einen alten Birnbaum und schlief ein. Unterdessen kam ein Freund von ihm mit der Nachricht, daß seine Mutter gestorben sei. Nasreddins Sohn führte den Freund in den Garten, weckte den Vater und sagte zu ihm: »Vater, steh auf; Mujkan[10] Djehaić ist gekommen und hat die Nachricht gebracht, daß deine Mutter gestorben ist.«
»O, o,« sagte der Hodscha, »das ist ein bitterer Schmerz; und wie bitter wird er erst morgen sein, wenn ich aufwache!«
Damit drehte er sich auf die andere Seite und schlief weiter.
454.
Auf einem Spaziergange erzählten einander zwei Schüler Nasreddins merkwürdige Geschichten und suchten sich gegenseitig durch Lügen zu übertrumpfen. Unter anderm sagte der eine: »Als ich einmal in Stambul war, habe ich einen Kohlkopf gesehn, unter dem sich dreihundert Leute verstecken konnten.«
Darauf antwortete ihm der andere: »Aber Bruder, das ist gar nichts gegen das, was ich in Athen gesehn habe, als ich dort war. Dort habe ich nämlich einen großen Kessel gesehn, an dem schmiedeten dreihundert Leute, und die standen so weit von einander, daß einer den andern nicht hören konnte.«
Nun sagte der erste: »Wozu soll denn so ein großer Kessel dienen?«
»Aber Bruderherz, wie kannst du nur so dumm fragen? um den großen Kohlkopf zu kochen, den du gesehn hast.«
455.
Eines Abends zankten sich Nasreddin und seine Frau, und er sagte zu ihr: »Ich war wahrhaftig blind, als ich dich mit deiner Häßlichkeit genommen habe.« Deswegen schimpfte sie ihn zusammen, was sie nur konnte, und sagte schließlich zu ihm: »Die Eule hat auch an der Lerche etwas auszusetzen gehabt! Wie kannst du mir sagen, daß ich häßlich sei, wo du doch weit und breit der häßlichste Kerl bist!«
Das war für den stolzen Nasreddin zu viel, und er beschloß, ein Mittel zu suchen, um schöner zu werden. Nachdem er überall herumgefragt hatte, wandte er auch einige Salben und Pulver an, aber sein Ziel konnte er nicht erreichen.
Nun kamen eines Tages etliche Zigeunerinnen zu ihm, und die sagten ihm, sie würden ihn in ein paar Stunden so jung und schön machen, daß ihn jedermann bewundern werde. Voller Freude machte er die Sache mit ihnen ab.
Am nächsten Morgen stand er früh auf und schickte sein ganzes Gesinde aufs Feld und seine Frau zu ihrer Mutter; dann setzte er sich vors Haus, um die Zigeunerinnen zu erwarten. Um neun Uhr kamen sie. Sie gingen um ihn herum und besprachen ihn und redeten ihm ein, er werde noch an diesem Tage schön wie die Sonne werden, nur müsse er ihre Anordnungen befolgen. Er ließ sich täuschen und holte ein Faß, das sie ihm gezeigt hatten, und stellte es mitten ins Zimmer; sie befahlen ihm, unter dieses Faß zu kriechen, worauf sie ihn damit bedecken und dann herumgehn und ihn besprechen würden.
Als er ihnen gehorcht hatte und unter dem Fasse war, legten sie noch einige schwere Steine darauf; dann begannen sie, herumzugehn und dabei zu murmeln. Während aber einige um das Faß herumgingen und ihre Besprechungen vornahmen, machten die andern die Kisten und Kasten auf und nahmen alles, was sie wollten, im Zimmer sowohl, als auch in der Küche; und dann schlichen sie alle leise hinaus und liefen davon.