Part 14
Bei Buadem scheint aber der Text doppelt verdorben zu sein (eine Ungereimtheit ist schon stillschweigend korrigiert worden); die Geschichte soll wohl ähnlich lauten wie folgende persische bei Kuka, S. 212:
A Kazwini’s[23] son fell into a well. The Kazwini went to the well and said to the son: »Don’t go away till i return with a rope and take you out!«
522.
Zu der Nr. 25 (Serbisch, S. 59 ff.; Kroatisch, S. 36), wo Buadem einen Topf, der angeblich Gift, in Wirklichkeit aber Honig enthält, ausißt, vgl. meine Nachweise zu Morlinis 49. Novelle, S. 99 ff. und davon hauptsächlich Boltes Angaben bei Frey, S. 214, ferner Clouston, _Noodles_, S. 122.
523.
Die No. 27 (Serbisch, S. 60 ff.; Kroatisch, S. 37) erzählt: Als Buadem vom Sultan entweder mit einem Goldstücke oder mit einem Esel oder mit einigen Schafen oder mit einem Weingarten beschenkt werden soll, antwortet er, er wolle das Goldstück einstecken, auf den Esel steigen, die Schafe vor sich her treiben, in den Weingarten gehn und dort für den Sultan beten. Dazu vgl. man eine Erzählung von Abu Dulama, die bei Lidzbarski, S. 162, in asch Schirwanis _Nafhat al jaman_‚ (Ph. Wolff, _Das Buch des Weisen_, 2. Aufl., Stuttgart, 1839, II, S. 252 ff.) und bei Kuka, S. 181, Nr. 81 steht.
524.
In Nr. 32 (Serbisch, S. 62; Kroatisch, S. 38) rät Buadem seiner Frau, die in der Nacht von einem Insekte in den Fuß gebissen worden ist, künftighin in den Schuhen zu schlafen; ähnlich erzählt Philogelos, Nr. 15:
Σχολαστικὸς καθ’ ὕπνους ἧλον πεπατηκέναι δόξας, τὸν πόδα περιέδησεν. ἑταῖρος δὲ αὐτοῦ πυθόμενος τὴν αἰτίαν καὶ γνούς, δικαίως, ἔφη, μωροὶ καλούμεθα. διὰ τί γὰρ ἀνυπόδητος κοιμᾶσαι;
Auf Hierokles beruht wohl Lehmann, _Exilium melancholiae_, T, Nr. 55, S. 244 und schließlich auch Merkens, I, S. 180 ff., Nr. 210.
525.
In Nr. 40 (Serbisch, S. 64; Kroatisch. S. 39; _Nawadir_, S. 43) antwortet Buadem, der behauptet hat, er kenne das Verborgene, dem ungläubigen Richter, der ihn gefragt hat, was er in diesem Augenblicke denke: »Du hältst mich für einen Betrüger.« Ausführlicher erzählt Abdirabbihi im _Kitab al ikd al farid_‚ (Basset in der _RTP_, XIX, S. 311):
Man führte einen Menschen, der sich für einen Propheten ausgab, vor al Mamun[24], und der Chalif sagte: »Hast du ein Zeichen?« »Ja; ich weiß, was du denkst.« »Und was denke ich?« »Daß ich ein Lügner bin.« »Du hast recht,« sagte Mamun und ließ ihn ins Gefängnis werfen.
Nach einigen Tagen ließ er ihn holen und sagte zu ihm: »Hast du eine Offenbarung?« »Nein.« »Warum nicht?« »Ins Gefängnis kommen die Engel nicht.« Der Chalif begann zu lachen und ließ ihn frei.
Ebenso steht die Geschichte auch in Abschihis _Mustatraf_‚ (Basset in der _RTP_, XIII, S. 232); eine der unsern entsprechende Version hat Roda Roda, S. 73. Eine sehr hübsche persische Variante bringt Kuka, S. 174:
A person claimed to be a prophet. He was asked by some persons to give some sign of prophetship. He said, »Let every one of you think upon something, and I shall be able to tell you your thoughts.« They said, »we have each thought of something. Now tell us our thoughts.« He replied, »Well, all of you are thinking that I am a fool, and that I am telling you a falsehood.« They acknowledged that for once he was right in his conjecture.
Ähnlich kehrt Frage und Antwort in dem größten Teile der Erzählungen von den ~drei Fragen~ wieder, deren bekanntestes Beispiel Bürgers _Kaiser und Abt_‚ ist; vgl. dazu die oben zu Nr. 70 angegebene Literatur.
526.
Buadem, Nr. 50 (Serbisch, S. 67; Kroatisch, S. 40 und 41), wo der Einfaltspinsel, nachdem er gesehn hat, wie die Früchte von einem Maulbeerbaume geschüttelt wurden, auch Vögel von einem Baume schütteln will, beruht wohl wieder in letzter Instanz auf einer Facetie des _Philogelos_, auf der 19., die folgendermaßen lautet:
Σχολαστικὸς ἰδὼν πολλοὺς στρουθοὺς ἐπὶ δένδρου ἑστῶτας, ἁπλώσας τὸν κόλπον ἔσειε τὸ δένδρον, ὡς ὑποδεξόμενος τοὺς στρουθούς.
Dasselbe erzählt _Der edle Fincken-Ritter_, S. 57, Nr. 308.
527.
Die Nr. 72 bei Buadem (Serbisch, S. 76; Kroatisch, S. 48) wird in Gladwins _Persian Moonshee_, II, S. 15, Nr. 31 folgendermaßen erzählt:
One day a King and his son went a hunting. The weather being hot, they put their fur cloaks on the back of a jester. The King smiled and said to the buffoon, »you have an ass’s load upon you.« He answered, »yes; or rather the burdens of two asses.«
528.
In der folgenden Geschichte, Nr. 73 (Serbisch, S. 76; Kroatisch, S. 48) sagt Buadem seiner Mutter, es sei ein Bettler unten, der um Brot bitte; sie antwortet, er solle sagen, sie sei nicht zu Hause. Darauf entgegnet Buadem: »Er will nicht dich, er will Brot.« Dasselbe erzählt Gladwin, II, S. 20, Nr. 53; die Quelle dürfte Dschamis _Bäharistan_‚ (zit. Ausg. S. 83) sein, woraus auch Galland (S. 43 ff.) schöpft.
529.
Buadem, Nr. 75 (Serbisch, S. 77; Kroatisch, S. 48) hat im wesentlichen denselben Inhalt wie die folgende Schnurre des _Nuzhat al udaba_‚ (Basset in der _RTP_, XV, S. 355):
Man erzählt, daß ein unwissender, dummer Arzt einem Kranken einen tötlichen Trank gegeben hat, so daß der Kranke daran gestorben ist. Nach zwei Tagen ging er wieder nach ihm sehn und fand, daß er tot war und daß man ihn begraben hatte. Der Vater des Toten trat dem Arzte entgegen, und der sagte: »Was für eine Kraft war in dem Tranke! wäre dein Sohn am Leben geblieben, so hätte er ein ganzes Jahr keine Arznei gebraucht!«
530.
Die Nr. 91 (Serbisch, S. 83; Kroatisch, S. 57), in der Buadem einem Freunde rät, er solle das Haus, wo seine vier Frauen gestorben sind, nur einem Freunde verkaufen, erinnert an die bekannte Anekdote aus Cicero, _De oratore_, II, 69, 278, zu der meine Ausgabe von Castigliones _Hofmann_, I, S. 323 zu vergleichen ist.
531.
Zu der Nr. 103 (Serbisch, S. 88; Kroatisch, S. 58), des Inhalts, daß man sich, wenn Käse da ist, an einen den Käse lobenden Spruch halten soll, wenn aber keiner da ist, an einen ihn verwerfenden, vgl. Hammer, _Rosenöl_, II, S. 72, Nr. 40; von Nasreddin wird die Geschichte erzählt bei Roda Roda, S. 121, und bei Kuka, S. 214 ff. steht sie, ohne daß der Sprecher der Sentenzen genannt würde, mitten unter den Erzählungen, deren Held Nasreddin ist.
532.
In Nr. 106 (Serbisch, S. 89; Kroatisch, S. 59) wird erzählt: Buadem, der auf »Salz und Brot« eingeladen worden ist, findet, daß sein Gastgeber nicht vielleicht aus Bescheidenheit so gesprochen hat: es gibt tatsächlich nichts andres; als nun der Gastgeber einem zudringlichen Bettler droht, er werde ihm den Schädel einschlagen, rät Buadem diesem, sich zu packen, weil der Mann nie lüge. Diese Geschichte steht schon bei Abdirabbihi (Basset in der _RTP_, XVIII, S. 217) und bei Kuka, S. 172, Nr. 53.
533.
Auf dem _Bäharistan_‚ (S. 83 der genannten Ausg.; Galland, S. 44) beruht wieder die Nr. 119 (Serbisch, S. 94; Kroatisch, S. 61; etwas anders _Nawadir_, S. 41): Buadems Frau (im _Nawadir_‚ Dschohas Sohn) ist schwer erkrankt, und Buadem läßt die Leichenwäscherin holen; als man ihm vorhält, daß doch die Kranke noch nicht tot sei, meint er, das tue nichts: wenn die Waschung beendigt sei, werde es auch mit ihr zu Ende sein, und so habe man wenigstens Zeit erspart. Vgl. auch eine Erzählung des _Nuzhat al udaba_‚ (Basset, _Keleti szemle_, I, S. 223, Nr. 25), wo Dschoha, der um einen Arzt für seinen Vater geschickt worden ist, gleich den Leichenwäscher mitbringt, weil usw. usw.
534.
Ebenso geht auf das _Bäharistan_‚ (S. 75 ff.; Galland, S. 36) die Nr. 120 (Kroatisch, S. 61) zurück: Buadem kommt zu einem Lehrer, dem er etwas aufzubewahren gegeben hat, und bittet, ihm das auszufolgen; er wird ersucht, bis zum Ende des Unterrichts zu warten. Da nun der Lehrer beim Unterrichte fortwährend mit dem Barte wackelt, sagt ihm Buadem, er solle nur um das Depot gehn; das Bartwackeln werde inzwischen er für ihn besorgen[25]. In der Fassung des _Nawadir_‚ (S. 41) ist der Lehrer durch einen Kadi ersetzt.
535.
Eine ziemliche Verbreitung hat die 121. Geschichte von Buadem (Serbisch, S. 94; Kroatisch, S. 61; Nouri S. 117; _Nawadir_, S. 41): Auf die Frage, wie viel Dumme es in seiner Heimat gebe, antwortet Buadem, das wisse er nicht, die Gescheiten aber könne er sofort herzählen. Schon Bar-Hebraeus erzählt sie mit der Lokalisierung in Emesa oder Homs, einem der vielen Schilda des Orients (Budge, S. 158, Nr. 630; ins Deutsche übersetzt von L. Morales in der _Zeitschr. d. D. Morgenl. Ges._, XL, S. 419). Bahlul ist ihr Held im _Bäharistan_‚ (S. 74; Galland, S. 34); ebenso steht sie bei Cardonne, II, S. 119 (deutsche Ausg. S. 242) und Herbelot, I, S. 524; nach Herbelot erzählen Flögel, S. 172, Nick, I, S. 141 und Doran, S. 68. Vgl. weiter Chauvin, VII, S. 126[26].
Von den 29 Stücken, die _Murad Efendi_‚ in Reime gebracht hat, ist uns die Mehrzahl schon bei den nach andern Fassungen gebrachten Schwänken begegnet; hier mögen noch die Inhaltsangaben der Gedichte, zu denen ich Parallelen nachweisen kann, samt diesen folgen.
536.
Murad, Nr. 2: Nasreddin, der sich mit einem Nachbar, einem Geizhalse, nach einem Zwiste versöhnt hat, übernimmt die Beistellung des Friedensmahles, und auf dieses bereitete sich der Geizige durch ein längeres Fasten vor. Als er sich dann dazu einfindet, muß er Nasreddin erst zu den Einkäufen auf den Markt begleiten. Nasreddin fragt zuerst um gutes Weißbrot; da der Händler sein Brot, um es anzupreisen, mit Butter vergleicht, meint Nasreddin, es sei besser, sich gleich an die Butter zu halten. Die Butter wird nun als süß wie Öl gepriesen, und Nasreddin verzichtet auf sie zugunsten des Öls. Da weiter der Händler von seinem Öle sagt, es sei klar wie Wasser, sieht Nasreddin von jedem Einkaufe ab und bewirtet seinen Gast mit Wasser.
Dieselbe Geschichte, aber von einem Geizigen aus Basra und einem aus Kufa, bringt Hammer aus dem, wie er sagt, ursprünglich persischen, aber schon unter Murad II. ins Türkische übertragenen »Dschamiol Hikajat ve Lamiol-rivajat« im _Rosenöl_, II, S. 267 ff.; ebenso steht sie bei A. Certeux, _Kebir-Chahà_‚ in der _RTP_, III, S. 496^b ff. Die anscheinend älteste Version, wo in der obigen Reihe Brot und Butter fehlen, steht bei Bar-Hebraeus (Budge, S. 113 ff., Nr. 439; Morales in der _Zeitschr. d. D. Morgenl. Ges._, XL, S. 416 ff.).
537.
Die Nr. 8 bei Murad erzählt: Als der Hodscha mit dem Aga auf die Jagd reiten muß, nimmt er sich drei Datteln mit; sooft er aber eine in den Mund steckt, richtet der Aga eine Frage an ihn, so daß ihm, weil er die Dattel samt dem Kerne nicht verschlucken kann, nichts übrig bleibt, als sie auszuspucken. Am Abende will der Aga mit einer Zofe seiner Gattin scherzen; aber nun rächt sich Nasreddin an ihm und stört ihn dreimal hintereinander just im entscheidenden Momente, indem er an die Tür pocht und immer eine seiner bei der Jagd gegebenen Antworten richtig stellt.
Von Harun al Raschid und seinem Sklaven Ibad erzählt dasselbe Hammer im _Rosenöl_, II, S. 232 ff. nach dem »Mehedschon-nufus«; an die Stelle Ibads tritt Abu Nuwas bei Meißner, _Neuarabische Geschichten aus dem Iraq_, S. 72 und 73, Nr. 40. Vgl. auch Basset in der _RTP_, XXII, S. 215 ff.
538.
In der 10. Erzählung Murads, die bei Buadem, Nr. 61 (Serbisch, S. 72; Kroatisch, S. 44) der Schlüpfrigkeit, damit aber auch des Witzes entkleidet ist, schleichen sich Strolche in den Stall Nasreddins; er und seine Frau hören ihr Gespräch, wonach sie beabsichtigen, die Kuh zu stehlen, den Hausherrn umzubringen und an der Frau ihre Lust zu büßen. Begreiflicherweise ist Nasreddin sehr entrüstet, als seine Frau zuzuwarten rät.
Dieses Exempel weiblicher Begehrlichkeit steht bei Hammer, _Rosenöl_, II, S. 293 nach dem »Nozhatol-ebsar«, das wohl mit dem von Basset in den _Contes populaires berbères_, S. 201 zu seiner dasselbe erzählenden 50. Geschichte (_Le vieillard, la femme et les voleurs_‚) als Parallele zitierten _Kitab nozhat el absar_‚ identisch ist.
539.
Bei Murad, Nr. 19 zeigt sich Nasreddin von dem Vortrage eines stumpfsinnigen Dichters sehr gerührt; als ihn dieser voll Stolz fragt, was denn auf ihn einen besondern Eindruck gemacht habe, erhält er zur Antwort, daß sich Nasreddin beim Anblicke seines wackelnden Bartes[27] wehmütig eines alten Ziegenbockes im Vaterhause erinnert habe.
Dieser Schwank ist wohl zusammenzustellen mit dem ~vom Prediger mit der Eselsstimme~, den ich im _Mönchslatein_, S. 8 mitgeteilt habe; in einer an unsere Version gemahnenden Form (Bart, nicht Stimme, ist das erinnernde Merkmal) steht er im _Nuzhat al udaba_‚ (Basset, _RTP_, XV, S. 353), bei Gladwin, II, S. 15, Nr. 33 (dazu Clouston, _Flowers_, S. 71 ff.), bei Swynnerton, S. 157 und in einer bulgarischen Erzählung aus Altserbien in der _Anthropophyteia_, II, S. 387 ff.
Zu meinen Nachweisungen im _Mönchslatein_, S. 197 ff. sind noch nachzutragen: A. Lecoy de la Marche, _L’esprit de nos aïeux_, S. 20 ff., Nr. 13 (nach J. de Vitry) und Paul Sébillot, _Contes de prêtres et de moines, recueillis en Haute-Bretagne_, Nr. 12 im _Archivio_, XIII, S. 567.
540.
Die 23. Erzählung Murads bringt die bekannte Geschichte vom ~Traumbrod~, wozu man Chauvin, IX, S. 28[28] vergleiche, und zwar in einer Fassung, die der des _Nuzhat al udaba_‚ (Hammer, _Rosenöl_, II, S. 303 ff.; Basset in der _RTP_, XV, S. 668 ff.), aber auch der im _Mesnewi_‚ von Dschelaleddin Rumi außerordentlich nahe steht; nicht um Brot, sondern wie in der von Clouston in den _Popular Tales and Fictions_, II, S. 89 aus der _Historia Jeschuae_‚
_Nazareni_‚ ...., illustrata a Joh. Jac. Huldrico, Leyden, 1705, d. i. Huldreichs Ausgabe der _Tholedoth Jesu_‚ mitgeteilten Version um eine Gans handelt es sich in der serbischen Ausgabe, S. 155 ff. (Nasreddin foppt zwei Derwische).
541.
Die ~kroatische~ Ausgabe enthält zwei außerordentlich verbreitete Erzählungsstoffe; der eine (S. 91 ff.; Nouri, S. 57 ff.) stellt die unter dem Namen ~Asinus vulgi~ bekannte Geschichte dar, zu der man die bei Chauvin, II, S. 148, III, S. 70 und 145 und VIII, S. 140 angegebene Literatur, ferner Waas, _Die Quellen der Beispiele Boners_, S. 48, Köhler, II, S. 571, Meißner, _Neuarabische Geschichten aus dem Iraq_, S. 54 und 55, Nr. 30 und S. 111 vergleiche. Zwei Versionen sind bis jetzt unbeachtet geblieben: die eine steht im _Antonius dialogus_‚ von Jo. Jov. Pontanus (_Opera_, Basilae, 1538, II, S. 163); die andere, die die Fabel damals schon als Altweibermärchen charakterisiert, findet sich in einem Briefe Petrarcas (_Epistolae de rebus familiaribus et variae_, ed. Fracasetti, Florenz, 1859 ff., II, S. 404):
Unam tibi e fabellis referam vulgo notis, et quibus anus ante focum hibernas noctes fallere solitae. Senex cum adolescente filio agebat iter. Erat his unus parvus asellus ambobus, quo vicissim laborem viae levabant. Hoc dum genitor veheretur, sequente pedibus suis nato, irridere obvii. En, aiebant, ut moribundus inutilisque seniculus dum sibi obsequitur, formosum perdit adolescentem. Desiluit senex, et invitum natum in suum locum sustulit. Murmurare praetereuntium turba; en ut segnis et praevalidus adolescens, dum propriae blanditur ignaviae, decrepitum patrem mactat. Pudore ille victus, patrem coegit ascendere. Ita uno quadrupede simul vecti murmur occurrentium indignatioque crebrescere, quod una brevis duabus magnis belluis premeretur. Quid te moror? His moti pariter ambo descendunt, et vacuo asello pedibus incedunt propriis. Enimvero tunc illusio acrior risusque protervior, duos asinos uni ut parcant, sibi non parcere. Hic genitor: cernis, inquit, fili, ut nil quod probetur ab omnibus fieri potest; repetamus pristinum morem nostrum; hi suum loquendi carpendique omnia morem servent. Nil amplius dicam, nec necesse est: rudis fabella, sed efficax.
542.
Weiter hat eine Geschichte in der kroatischen Ausgabe, S. 95 ff. (Nouri, S. 41 ff.) folgenden Inhalt: Der Hodscha erzählt seiner schwatzhaften Frau, er habe ein Ei gelegt. Sie erzählt das unter dem Siegel der Verschwiegenheit ihrer Nachbarin Ajscha, diese wieder ihrer Freundin Fatima; binnen kurzem verbreitet sich die Sache in stets gesteigerter Form in der ganzen Stadt und endlich erfährt sie auch der Sultan, dem schon von 699 Eiern berichtet wird. Auch er tut so wie die andern und fragt Nasreddin, ob es wahr sei, daß er 700 Eier gelegt habe.
Dies ist die Fabel La Fontaines _Les femmes et le secret_‚; vgl. Boltes Nachweisungen bei Montanus, S. 592 ff. und Chauvin, VIII, S. 168 und 197.
543.
Unter den _~serbischen~_ Überlieferungen in den _Anthropophyteia_‚ ist eine (I, S. 465 ff.), die ebenso wie eine Erzählung im _Nawadir_‚ (S. 16) den Stoff des _Dit de perdriz_‚ (Montaiglon-Raynaud, I, S. 188 ff.) behandelt; die serbische Variante tut dies in einer Form, die sehr an die der _Tausend und einen Nacht_‚ (Chauvin, VI, S. 179 ff.) erinnert. Man vergleiche Legrand, _Fabliaux ou contes_, Paris, 1829, IV, S. 38 ff.; Bédier, S. 466; v. d. Hagen, _Gesammtabenteuer_, II, S. XV ff.; Pauli, S. 514, Nr. 364; H. Sachs, II, S. 169 und III, S. 149; A. L. Stiefel in den _Hans Sachs-Forschungen_, S. 158 ff.; Benfey, I, S. 146; Österley in der _Zeitschr. f. vgl. Littgesch_, I, S. 54; K. Reinhardstoettner ebendort, VII, S. 474; Cosquin, II, S. 348 ff.; _Fourberies_, S. 27 ff. Zu den an diesen Stellen genannten Nachweisungen kommen noch: _Der edle Fincken-Ritter_, S. 61, Nr. 353; Bladé, _Contes populaires de la Gascogne_, III, S. 289 ff.; Sébillot, _Littérature orale de la Haute-Bretagne_, S. 137 ff.; Stumme, _Tunis_, I, S. 73 und II, S. 122.
544.
Die Erzählung in der _Anthropophyteia_, II, S. 412 ff. ist äußerst obszön: Nasreddin rächt sich an einem Gläubiger, einem reichen Türken, der seine Tochter verführen will, indem er, als seine Tochter verkleidet, zuerst die drei Töchter und dann die Frau des Türken beschläft und schließlich noch ihn selber schändet. Der hier nur zum Schluß vorkommende Zug, daß die dankbaren Mädchen und ebenso ihre Mutter auf ihren Kuchenanteil zugunsten der falschen Zuleika verzichten, ist besser verarbeitet in Sercambis Novelle _De Malvagio famulo_‚ (ed. Renier, S. 335 ff.), zu der die 191. Facetie Poggios: _Facetia cuiusdam qui subagitabat omnes de domo_‚ samt den von Noël, II, S. 183 ff. beigebrachten Parallelen zu vergleichen ist.
545.
In Anton Panns _rumänischer_‚ Gedichtesammlung _Nazdravaniile lui Nastratin Hogea_‚ wird S. 331 erzählt, wie der Hodscha ob seiner Lustigkeit von einem Freunde gefragt wird, ob er denn seine Schulden bezahlt habe. Er antwortet verneinend; aber die Sorge überlasse er den Gläubigern.
Das ist eine Variante der oft bearbeiteten 204. Facetie Poggios: _Exploratio ad hominem tristem ob pecuniam debitam_‚ (dazu Noël, II, S. 193 ff.).
546.
Pann, S. 338 (Griechisch, Nr. 151): Als der Hodscha Nasreddin Knoblauch gegessen hat, weigert sich seine Frau, mit ihm zu schlafen, weil sie den Geruch nicht verträgt. Der Hodscha fragt einen Freund, wie er es anstellen müsse, um geruchlosen Knoblauch zu bekommen, und erhält den Rat, ihn (der Schale) entkleidet zu pflanzen. Der Knoblauch riecht aber wieder, und nun meint der Freund, der Hodscha müsse eben auch sich selber entkleiden. Der Erfolg bleibt wieder aus, und der Hodscha sagt zum Knoblauch: Dich habe ich ausgezogen, mich habe ich ausgezogen, aber dein Gestank ist geblieben.
547.
Sehr hübsch ist folgende Geschichte bei Pann, S. 340: Als der Hodscha einmal sein Hemd flickt, bildet der Zwirn zufällig einen Knoten, und er merkt, daß die Näharbeit dadurch leichter von statten geht. Voll Stolz erzählt er allen Leuten, was für eine Erfindung er gemacht hat, erntet aber nur Spott.
Vgl. _Eulenspiegel_, Hist. 50 (Neudruck, Halle, 1884, S. 78 ff.; _Dr. Thomas Murners Ulenspiegel_, hg. v. Lappenberg, Leipzig, 1854, S. 73 ff. und 257) und Aug. Wilh. Schlegels _Poetische Werke_, Heidelberg, 1811, II, S. 278 ff.: _Parabel vom Eulenspiegel und den Schneidern_‚.
548.
Pann, S. 342 ff.: Im Kaffeehause bitten den Hodscha seine Freunde, eine Lüge zu sagen; er entgegnet aber mit trauriger Miene, sie hätten freilich leicht lustig sein, ihm sei aber sein Vater gestorben, und er habe kein Geld zum Begräbnis. Darauf gibt ihm jeder Geld und er geht mit einem hübschen Sümmchen fort. Bald darauf kommt der totgesagte Vater ins Kaffeehaus; auf die Vorwürfe seiner Freunde entgegnet Nasreddin, sie hätten ihn ja lügen heißen.
549.
Pann, S. 344 ff.: Ein Kaufmann gibt dem Hodscha irrtümlich Seife statt Käse. Als der Hodscha den vermeintlichen Käse ißt, stellt er fest, daß er anders als sonst schmecke; seine Frau, die ihm zusieht, sagt ihm, daß er eben Seife esse. Aber Nasreddin ißt ruhig weiter: der Kaufmann sei ein Ehrenmann, und was er bezahlt habe, werde er auch essen.
Ebenso essen im 24. Stücke der _Märchen der Schluh von Tazerwalt_‚ von Stumme, Leipzig, 1895 die Bewohner des Wad Draa Seife für Honig (Hartmann in der _ZVV_, VI, S. 269).
550.
Ein guter Schwank ist auch folgender (Pann, S. 346): Der Hodscha geht mit seiner Ziege auf den Markt, um dort ihre Milch zu verkaufen. Es kommt ein Kunde, und der Hodscha melkt die Ziege; da aber dem Kunden die Milch zu teuer ist, schüttet er sie der Ziege zurück in den Mund, damit sie wieder in die Euter fließe.
Vgl. dazu _Kathá Sarit Ságara_, II, S. 61: _Story of the king who replaced the flesh_‚ mit Tawneys Noten.
551.
Diese Ziege wird später (Pann, S. 346) von Wölfen gefressen; der Hodscha macht sich aber nichts daraus und sagt: Wo Gewinn ist, kann auch einmal ein Verlust sein.
552.
Altbekannte Motive behandelt die folgende Erzählung (Pann, S. 347 ff.): Der Hodscha sieht einmal, wie in einem Hofe ein Diener einem reich geschmückten Esel die Fliegen abwehrt, während der Eigentümer des Esels vergnügt zusieht; er geht hin, umarmt und küßt den Esel und sagt: »Schade, daß er nicht reden kann.« Auf die erstaunte Frage des Eigentümers antwortet er: »Freilich kann ich ihn reden lehren, noch dazu in vier fremden Sprachen.« Daraufhin bekommt er den Esel mit nach Hause und dazu ein schönes Stück Geld, damit er das verwöhnte Tier ordentlich pflege; in einem Jahre soll der Unterricht beendet sein. Nasreddins Frau ist mit dem Geschäfte nicht zufrieden, aber er tröstet sie, daß in dem Jahre entweder der Besitzer oder der Esel oder er selber sterben könne, und das Geld habe er ja schon. Am nächsten Tage beginnt er mit dem Unterrichte, indem er dem Esel mit Stockschlägen beibringt, auf einen Wink mit der Hand den Kopf zu heben oder zu senken. Als das Jahr um ist, bringt Nasreddin den Esel zu seinem Herrn, der eine Menge Gäste eingeladen hat. Auf die Frage Nasreddins, ob er wie die andern Esel brällen wolle, hebt der Esel den Kopf zum Zeichen der Verneinung, und so beantwortet er noch eine Reihe ähnlicher Fragen. Den Einwand des Besitzers, daß der Esel noch immer nicht spreche, beantwortet Nasreddin dahin, daß der Esel noch ein kleines Kind sei, das schon alles verstehe, aber zu reden erst noch lernen werde. Der Herr des Esels gibt mit Freuden wieder Geld her, aber nun ändert Nasreddin sein Verfahren; er gibt dem Esel, dem er das Essen abgewöhnen will, täglich weniger Futter, bis er endlich verendet. Als er dann dem Eigentümer des Esels dessen Tod meldet, veranstaltet ihm der voll Trauer ein schönes Begräbnis.