Der Bucheinband: Seine Technik und seine Geschichte

Part 7

Chapter 73,543 wordsPublic domain

Rasch, noch ehe die Hautbildung der Oberfläche eintreten kann, wird mit der zweiten Farbe aufgespritzt, so daß die Tropfen mitten auf und zwischen die vorhergehenden fallen und alle noch gebliebenen Zwischenräume ausfüllen. Nun wird der Schnitt vorerst mit Papier abgehoben: ein Stück desselben, in der Größe des Beckens, wird, von einer Ecke beginnend, quer nach der gegenüberliegenden zu auf den Grund gelegt, unter Vermeidung von Luftblasen. In derselben Weise wird das Blatt abgehoben und muß nun die Farben völlig sauber, ohne daß sie verlaufen, aufweisen. Weiße Adern sollen, wenigstens in der Mitte, nicht sichtbar sein, sondern nur die Farben, welche man aufsprengte. Die Tropfen, welche den Grund bilden, welche also zuletzt aufgebracht wurden -- in diesem Falle Blau -- sollen annähernd gleichgroß und gleichmäßig verteilt sein, wie auch von den Adern dasselbe gilt. Ist dies alles erreicht und laufen die Farben nicht ab, so können die Bücherschnitte eingetaucht werden. Vorderschnitte werden zwischen »Spalten«, Ober- und Unterschnitte zwischen Brettern getaucht.

Erstere werden, soviel man deren bequem fassen kann, zwischen Spalten geradegestoßen und sofort getaucht. Das Geradestoßen erfolgt auf einem anderen Tische, auf einem Steine oder einer Eisenplatte. Das Eintauchen erfolgt, wie beim Papier, von einer Ecke nach der schräg gegenüberliegenden zu, damit keine Luftblasen entstehen. Besonders fest satinierte Papiere nehmen nicht gern Feuchtigkeit an; es empfiehlt sich deshalb in solchem Falle, die Schnitte mit Essig oder Alaunwasser zu überfahren, worauf sie die Farbe willig annehmen.

Sowie der Farbenteppich abgehoben ist, werden die Spalten von den Bänden entfernt und diese verschränkt übereinander gesetzt, damit der anhaftende Grund bequem ablaufen kann. In vielen Werkstätten werden sofort nach dem Abheben der Farbe die Schnitte in ein Becken mit klarem Wasser getaucht, um den Grundüberschuß abzuschwemmen; wieder andere Meister lassen die Schnitte abblasen oder mit einem großen Schwamme abtupfen.

Diese Art Marmor nennt man +Großmarmor+, da die Tropfen verhältnismäßig groß bleiben, oder auch türkischen Marmor. Als türkischen Marmor bezeichnet man jeden großaderigen Marmor, der nur aufgesprengt, nicht aber mittelst eines Kammes, eines Stiftes oder dergleichen gezogen wurde. In der That finden sich an orientalischen Bänden aus dem 17. Jahrhundert Vorsätze von derartigem Großmarmor.

Wie die zweifarbigen, werden auch die mehrfarbigen Schnitte behandelt, nur muß dabei das Abstimmen der Farben untereinander mit viel Sorgfalt geschehen; auch ist es notwendig, auf die Zusammenstellung der Farben zu achten, die wieder von der Farbe des Leders, Überzugs und Vorsatzes bedingt sein kann.

Wenn die Farben vor dem Abheben mit einem Hölzchen nach folgendem Schema quer, nachher mit einem Kamme, dessen Herstellung weiter unten angegeben ist, der Länge nach durchzogen werden, so entsteht der sogenannte +Kammmarmor+. Nur die Spitze des Hölzchens darf dabei die Oberfläche des Grundes berühren; die Farben ziehen dem Stifte nach und folgen seiner Spur, und es entsteht die eigentümliche, federähnliche Verschiebung der Farben (Federschnitt). Zu diesem Zwecke müssen die Farben recht vorsichtig aufgesprengt werden, denn wenn statt zwei Farben ihrer fünf die Oberfläche decken sollen, darf jede einzelne nur ein Fünftel des Raumes für sich beanspruchen. Die Farben werden stets über die Mitte gesprengt; doch soll vor Aufsprengen der letzten Farbe nach den Rändern zu immer noch so viel Raum vorhanden sein, daß die getriebenen Farben sich noch ausbreiten können. Ist dies nicht der Fall, so laufen sie ab, da sie nicht mehr nebeneinander Platz finden, schieben sich übereinander und vermischen sich.

Man achte bei der Zusammenstellung auf hübsche Kontraste, sprenge auch zuletzt einige Tropfen einer Mischung von Galle und Wasser auf, um weiße Adern zu erzielen.

Wenn beim Durchziehen mit dem Stifte eine oder die andere Farbe nicht folgen will (Gelb z. B. schiebt sich gern in unregelmäßigen, krausen Linien zwischen die anderen hinein), so setze man sie hinter den folgsameren zurück. Ist sie aber schon die letzte, so wird sie mit etwas Wasser wenig verdünnt, erhält auch nötigenfalls einen Tropfen Galle.

Wenn der Grund zu kräftig ist, so folgen die Farben dem Stifte nicht genügend; fährt man zu tief in den Grund hinein, so werden durch die Bewegung des Grundes die Linien unruhig und schwankend, deshalb soll nur die äußerste Spitze die Farben führen. Ganz ebenso handhabt man den +Marmorierkamm+, über dessen Herstellung folgendes zu bemerken ist.

Zwei Pappstreifen, jeder 5 cm breit und so lang, wie das Becken breit ist, werden zugeschnitten. Der eine wird mit kräftigem Leim angeschmiert und auf demselben eine Anzahl langer Stecknadeln so geordnet, daß deren Köpfe etwa einen cm weit auf der Pappe kleben, die Spitzen aber über den Rand hervorsehen. Die Nadeln selbst werden genau in gleicher Entfernung aufgeklebt, und zwar so, daß auf je 10 cm Kammlänge etwa 35 Nadeln kommen. Man kann indes, je nachdem man die Musterung breit oder schmal halten will, die Nadelweite geringer oder größer machen. Die Köpfe werden sämtlich genau in eine Linie gerichtet, so daß auch die Spitzen in gleicher Länge hervorsehen. Der zweite Streifen wird ebenfalls angeschmiert, auf den ersten aufgeklebt und der so hergestellte Kamm fest eingepreßt; später kann er dann noch mit festem Papier oder mit Leinwand überzogen werden.

Um die erste Farbe, welche aufgesprengt wurde, recht gleichmäßig in den ganzen Schnitt zu verteilen, durchzieht man diese vor dem Aufsprengen der weiteren Farben mit dem Stifte, wie dies vorhin gesagt wurde, jedoch nicht quer, sondern der Länge nach. Hat man die Farben für einander passend zugerichtet, so halte man auch stets dieselbe Reihenfolge genau ein; hat man eine Anzahl von Schnitten gemacht, so versäume man nicht, den ganzen Grund wieder umzurühren. Viele Marmorierer sprengen die Farben nicht nach der Mitte zu auf, sondern die erste auf die Mitte, die zweite längs den beiden Rändern, die dritte zwischen diese Farbenreihen; es hat dies allerdings einige Vorzüge, weil man die Farben kräftiger zur Wirkung bringt, dagegen den Nachteil, daß dieselben nicht so gleichmäßig verteilt sind, was besonders bei breiten Schnitten sich bemerkbar macht.

Eine beliebte Art der Marmors ergibt sich, wenn man die erste Farbe, Rot oder Blau, als Grundfarbe behandelt, der Länge nach durchzieht, und dann nur noch eine oder zwei dunklere Farben, die nicht allzukräftig treiben, einsprengt.

Der Kammmarmor läßt sich noch mit einigen Abänderungen ausführen, die eine besondere Kunstfertigkeit nicht voraussetzen.

Erstlich kann ein Kamm verwendet werden, dessen Nadeln nicht gleichmäßig stehen, sondern so, daß nach je einem oder zwei engen Zwischenräumen ein breiterer kommt.

Zweitens kann, indem man den Schnitt mit dem Kamme ein zweitesmal, aber in der entgegengesetzten Richtung durchzieht, der sogenannte zurückgezogene Kammmarmor hergestellt werden.

Drittens kann der Kammschnitt nochmals in bestimmten Formen gezogen werden, indem mit einem zweiten Kamme, ähnlich dem ersten, Figuren, Windungen oder Schnecken beschrieben werden. Der zu diesem Zwecke dienende Kamm wird nicht aus Nadeln, sondern aus hölzernen Stiften gebildet, die gleichweit, je 3 bis 6 cm, von einander stehen, weil der erste Marmor den Nadeln nicht genügend folgen würde. Der Kamm muß in diesem Falle schmaler sein als das Becken der freien Bewegung wegen, die man mit ihm auszuführen hat.

Der verwendbarste Marmor dieser Art ist der sogenannte +Pfauenmarmor+; er erfordert jedoch eine besondere Art Doppelkamm zum Durchziehen, der folgendermaßen angefertigt wird.

Ein kleines Brettchen, etwas kürzer als das Becken breit ist, wird mit zwei Reihen kleiner Bohrlöcher versehen, deren eins vom anderen etwa 2 bis 2½ cm entfernt ist; die Löcher der zweiten Reihe stehen jedesmal genau mitten zwischen denen der ersten. In jedes Bohrloch wird ein dünner, unten leicht zugespitzter Holzstift eingeleimt.

Mit dieser Vorrichtung wird der gewöhnliche Kammmarmor der Länge nach durchzogen, indem man jedoch zugleich eine Querbewegung nach Art einer Zickzacklinie macht, etwa so:

Stellt man sich in derselben Weise einen Kamm her, dessen Stifte nur halb so weit voneinander entfernt sind, und durchzieht man mit diesem den nur quer mit dem Stift, aber nicht mit dem gewöhnlichen Kamme gezogenen Farbenteppich, so erhält man den sogenannten +Augenmarmor+.

Der zum Durchziehen zu benutzende Stift besteht am besten aus einem etwa 4 bis 5 mm breiten und 2 mm dicken Stäbchen. Alle Werkzeuge, Pinsel, Kämme und Stifte müssen stets durchaus sauber gehalten und nach jedesmaligem Gebrauch gereinigt werden.

Die während des Marmorierens verwendeten Spalten und Bretter müssen nach jedesmaligem Tauchen sofort gut abgetrocknet werden; kommen sie nur noch etwas feucht bei einer neuen Partie mit dem Grunde in Berührung, so stoßen sie sofort die Farben beiseite und der Schnitt ist verdorben. Es empfiehlt sich deshalb, eine Reihe von Spalten und Brettern nacheinander zu benutzen; die Spalten werden dann wieder völlig trocken sein, wenn die Bretter ihren Dienst geleistet haben.

Ein etwas anderes Verfahren, als das für den Kammmarmor geeignete, erfordert der sogenannte +Schmaladerschnitt+, auch wohl +französischer Marmor+ genannt, weil er meist die französischen Landesfarben, Blau, Rot und Weiß, zeigt.

Der Grund, wie er für Kammmarmor paßt, wird mit etwa dem vierten Teile Wasser verdünnt; desgleichen müssen auch die Farben durch Zusatz von Wasser verdünnt werden, so daß die Flüssigkeit um etwa ein Drittel vermehrt wird. Nötigenfalls werden auch einige Tropfen Galle zugegeben.

Die Arbeit wird wieder mit einer Probe eingeleitet, indem man einen Tropfen auf den Grund fallen läßt. Derselbe muß sich sofort bis zur Breite des Beckens ausdehnen, anderenfalls erhält er einen Gallenzusatz. Zieht er sich wieder stark zusammen, so ist der Grund zu dick und muß verdünnt werden. Erst wenn die Farbe ganz genau abgepaßt ist und mehrere aufgesprengte Tropfen das Becken fast bedecken, kann zum Treiben der Adern übergegangen werden. Man bedient sich dazu neuerdings des Seifenspiritus, der in jeder Kräuterhandlung zu haben ist, an Stelle der früher üblichen verdünnten Galle. Mit dem dicken Pinsel (Schlagpinsel), dessen Anfertigung oben (S. 64) beschrieben wurde, spritzt man lauter feine Tropfen auf den Grund, die auf diesem Augen bilden und alsbald die erste auf dem Grunde schwimmende Farbe zu mehr oder weniger feinen Adern zusammentreiben. Der Pinsel wird dabei lebhaft über eine Leiste geschlagen und das Augenmerk darauf gerichtet, daß die Tropfen gleichzeitig die ganze Breite des Grundes besprengen, damit nicht, wie es beim Aufsprengen mit dem kleinen Pinsel der Fall ist, die Farbe von der Mitte nach den Rändern zu treibt. Anderenfalls würde die sehr verdünnte Farbe nicht genügend zusammengetrieben werden. Um einen ganz feinen Marmor zu erzielen, bedient man sich statt des Schlagpinsels besser eines Sprenggitters nebst Bürste, mit deren Hilfe eine gleichmäßigere Äderung erreicht wird.

Ebenso kann man den Grund farbig machen, wenn man der letzten Farbe einige Tropfen Seifenspiritus zusetzt, wie auch bei weißem Grunde dem reinen Wasser; auf 1/10 Liter genügen etwa 20 Tropfen Seifenspiritus. Zu viel Seifenspiritus giebt keinen Schmaladerschnitt; die Farben können dann nicht dem kräftigen Triebe standhalten, haben aber auch nicht den Raum zum Ausweichen; sie werden deshalb von dem Grunde überlaufen und schwimmen vom eingetauchten Schnitte ab. Außerdem aber vereinigen sich die Spiritusteilchen mit dem Grunde und dieser läßt die Farben überhaupt nicht mehr zum Treiben kommen.

Gelingt der einfarbige Schnitt zur Genüge, so versucht man es mit einer zweiten Farbe, welche auf die erste recht gleichmäßig verteilt wird; die erste Farbe muß in gleichmäßigen Adern zwischen den Augen der zweiten verteilt sein. Im übrigen ist das Verfahren genau dasselbe. Mehr als zwei Farben für die Adern wendet man selten an; indes kann man durch besondere Kunstgriffe mancherlei eigentümliche Farbenwirkungen erzielen.

Gibt man z. B. als Grund eine dunkle Farbe, aber mit Galle ohne Anwendung von Seifenspiritus, und setzt einen bis zwei Tropfen gewöhnliches Terpentin zu, so erhalten die Augen ein eigentümliches, porphyrartiges Aussehen. +Kremser Marmor+, welcher rote und schwarze Adern mit graublauen Augen (verdünntes Schwarz mit wenig Blau) hat, wird in dieser Weise hergestellt.

Eine besondere Art der Schnitte, aber bei uns wenig in Anwendung, sind die sogenannten +griechischen Schnitte+; der Grund erscheint bei diesen in breiteren oder schmäleren Streifen abschattiert.

Ein +türkischer Schnitt+ mit kräftigem, dunklen Grunde wird auf die Art hergestellt, daß der Schnitt während des Eintauchens, das ja von einer Ecke aus beginnt, absatzweise auf den Grund gebracht wird; dadurch kommt dieser in eine wogende Bewegung, und diese teilt sich dem Schnitte mit.

Wir haben hiermit die Kunst des Marmorierens in allen ihren Zweigen vorgeführt, ohne freilich das Kapitel erschöpft zu haben. Nur mit dem Pinsel in der Hand und den Farben vor sich kann man es zu einem geschickten Marmorierer bringen. Immerhin wird man dabei gewisse Erfahrungssätze verwerten können, die wir hier kurz zusammenfassen.

+Mangelhaftes Treiben+ wird bewirkt durch zu geringen Zusatz von Galle, durch zu dicken Grund, zu dicke Farbe und durch zu niedrigen Wärmegrad (unter 13° Reaumur).

+Zu kräftiges Treiben+ rührt von zu dünnem oder zu altem Grunde, oder fehlender Galle her.

+Ablaufen der Farbe+ kommt von zu dicker Farbe her oder von ungenügendem Zusatz an Galle.

+Blasse Farbe+ enthält zu viel Wasser oder Galle oder beides, oder der Grund ist zu dünn.

+Untersinken der Farbe+ ist eine Folge zu dicker Farbe, auch eines ungenügenden Gallenzusatzes oder eines zu alten Grundes.

Daß Marmorschnitte ebenso wie andere farbige Schnitte geglättet werden müssen, bedarf kaum der Erwähnung.

Bei der Wahl der Farben zum Marmorschnitt richtet man sich am besten nach der Farbenzusammenstellung, die das zu verwendende Vorsatzpapier zeigt. Eine völlige Übereinstimmung braucht dabei nicht erzielt zu werden, aber wohl ist darauf zu halten, daß die Farben von Vorsatz und Schnitt harmonisch zusammenpassen.

5. +Der Goldschnitt.+ Die Herstellung des Goldschnittes galt in früheren Zeiten für eine ganz besonders schwierige Arbeit, für eine Art Geheimnis. Heutzutage werden indes mit einfacheren Mitteln weit vollkommenere Goldschnitte hergestellt als in alten Zeiten, wo man nach einem Rezepte verfuhr, das viel überflüssige, ja selbst ungeeignete Zuthaten enthielt. Das Gelingen ist abhängig von der Beobachtung der größten Sauberkeit und von der Sorge für einen möglichst staubfreien Arbeitsraum. Sodann muß darauf gesehen werden, daß das Bindemittel für das Gold nicht zu dick ist. Beim Glätten muß man einen möglichst hohen Glanz zu erreichen suchen.

Der Vorderschnitt läßt sich sowohl in geradem wie in gerundetem Zustande vergolden. In ersterem Falle, der auch für Ober- und Unterschnitt gilt, wird der Schnitt zuvörderst geschabt. Man bringt zu dem Ende das Buch nicht mit seiner ganzen Fläche, sondern nur mit dem dem Schnitte zunächstliegenden Teile in die Presse unter Vorlage der schon erwähnten keilförmigen Bretter (Spalten). Um das Bearbeiten des Schnittes zu erleichtern, legt man auf jeder Seite eine zweite Spalte vor. Während die am Buche liegenden Spalten mit diesem genau abgleichen, werden die Vorlegespalten um 3 mm zurückgesetzt. Dadurch wird erreicht, daß der Schnitt in der Presse etwas zurückgesetzt und dadurch schärfer gepreßt werden kann. (Fig. 40a.) Mehr, als angegeben, dürfen jedoch die Spalten nicht abstehen, da sonst der scharfe Druck verloren geht. Genau in derselben Weise wird auch der später zu behandelnde Hohlschnitt eingesetzt.

Vor dem Einpressen muß man sich überzeugen, daß die Spalten genau Linie halten, anderenfalls stößt man sie mit einem Tischlerhobel etwas ab, da dies in der Presse weniger gut möglich ist. Jetzt wird der ganze Schnitt mit einer guten, etwas biegsamen Ziehklinge geschabt. Die Klinge muß auf Vorder- und Rückseite einen Grat haben, der mit einem Stahle daran gestrichen wird. Sehr brauchbar zum Schaben sind abgebrochene Sägeblätter, die man bei Tischlern leicht erhalten kann. Klingen derart werden am Rande auf einem Drehsteine geradegeschliffen. Die Klinge wird dabei in der Richtung des drehenden Steines, niemals quer gehalten. Nicht jedes Mal, wenn die Klinge stumpf geworden, wird sie neu geschliffen, vielmehr hilft hier der Stahl nach, indem die Klinge an die Tischkante gelegt und der Grat nach dem Rande zu heruntergestrichen wird. Ist dies an beiden Seiten der Fall, so wird die Klinge auf die hohe Kante gestellt und der Grat nach rechts und links zurückgelegt.

Beim Schaben ist darauf zu achten, daß weder das Kapital noch das Ende am Vorderschnitte heruntergeschabt werde. Am Kapital, besonders wenn es sehr auseinandergetrieben ist, kann man mit einer Schlichtfeile etwas nachhelfen.

Während der Arbeit liegt die Presse flach, mit dem einen Ende des Balkens auf dem Tische, mit dem anderen auf dem Preßknecht. Damit die Presse ihre Lage nicht ändern kann, zieht man eine Schieblade etwas aus dem Tische heraus und legt die Presse darauf, so daß sie gegen die Tischkante fest anliegt.

Schnitt und Spalten müssen nach dem Schaben eine völlig ebene Fläche ohne Vertiefungen oder Scharten bilden. Man dreht deshalb die Presse, wenn das eine Ende geschabt ist, herum, um das andere Ende bequemer vollenden zu können. Ein gut geschabter Schnitt soll gleichmäßig blank sein, auch keine Spuren vom Beschneiden zeigen.

Das Schaben glättet einmal den Schnitt, hat aber den ferneren Zweck, die Poren des Papieres möglichst zu schließen. Um das Zudrücken derselben noch zu verstärken, wird der Schnitt mit Wasser, unter das ein wenig Kleister gerührt wurde, überfahren und mit einem Pack Papierspäne so lange fest abgerieben, bis die Fläche in hohem Glanze erscheint. Auf diesen ersten »+Grund+« kommt ein zweiter aus Bolus. Dieser ist durch Abschlämmen und vielfaches Reiben aus armenischem Bolus gewonnen und erscheint gebrauchsfertig im Handel. Ein wenig davon wird mit einem Messer in ein Gefäß geschabt und mit Schnitteiweiß -- wir werden dessen Herstellung alsbald kennen lernen -- angerührt, so daß eine gut streichende Farbe entsteht, die durchaus frei von Körnern oder Unreinigkeiten sein muß. Mit einem Haarpinsel wird diese Grundfarbe gleichmäßig aufgestrichen. Dieser Bolusgrund hat den Zweck, dem Golde mehr Feuer und Glanz zu erteilen.

Die Schnitte des vorigen Jahrhunderts sind meist ohne farbigen Untergrund hergestellt, dagegen rieb man sie mit einer Meerzwiebel statt des Kleisters ab; später, im Anfange unseres Jahrhunderts, wurden dem Kleisterwasser einige Tropfen Scheidewasser beigemengt.

Nach dem Abtrocknen des Bolusgrundes wird das Gold auf den letzten Grund -- stark verdünntes Eiweiß -- aufgetragen. Dazu muß das Gold genügend zurechtgeschnitten vor dem Arbeiter auf dem Kissen liegen. Das zum Vergolden dienende legierte Gold kommt als +Blattgold+ in den Handel und bildet ein so ungemein feines Häutchen, daß der geringste Zugwind es fortführt. Deshalb muß der Vergolder darauf sehen, daß der Arbeitsraum ganz zugfrei ist. Selbst ein lebhafter Atemzug ist genügend, das Blättchen fortzutreiben. Damit von dem leichten, kostbaren Stoffe nichts verloren gehe, darf man ihn auch nicht mit den Fingern anfassen. Man bedient sich deshalb des sogenannten +Goldmessers+, das eine etwa 20 cm lange, zweischneidige, aber stumpfe Klinge hat, die mit dem Stahle etwas angeschärft wird, jedoch nur so weit, daß sie ein Blättchen zerschneidet, ohne das Kissen zu verletzen. Mit dem Goldmesser werden die Blättchen, die zwischen getalktem Seidenpapier in Büchelchen liegen, auf das Kissen gebracht. Man fährt dabei mit dem abgerundeten Ende des Messers vorsichtig mitten unter das Goldblatt, hebt es in die Höhe, daß die beiden Enden rechts und links frei herunterhängen, und legt es auf das Kissen. Dabei dreht man das Messer ein wenig nach einer Seite, was zur Folge hat, daß das eine Ende des Goldes etwas tiefer herabhängt und das Kissen berührt; eine Drehung des Messers um sich selbst läßt das Goldblatt völlig eben auf das Kissen gleiten. Die Arbeit ist leicht, will aber einige Male geübt sein. Liegt das Blatt nicht ganz glatt auf, so hilft man dem Übelstande dadurch ab, daß man mit dem Messer auf das Kissen klopft oder leicht mitten auf das Blatt haucht. Das +Goldkissen+ besteht aus einem mit nur ganz wenig unterpolstertem Kalbleder fest überspannten Brettchen. Das Leder zeigt dabei die rauhe Seite, die man, um das Anhängen des Goldes zu verhüten, mit Kreide oder Thonerde einreibt.

Zu Goldschnitten wird meist +Rotgold+, zu Handvergoldungen +Orangegold+ genommen. +Grüngold+ ist zwar billiger, sieht aber weniger fein aus.

Zum Zwecke des Vergoldens wird das Goldblättchen in Streifen zerlegt, die etwas breiter als der Schnitt selbst sind. Wie viele Streifen man für die ganze Länge des Schnittes haben muß, hat man im voraus zu berechnen, um während des Auftragens nicht erst neues Gold hervorholen zu müssen. Auch soll stets noch ein Streifchen im Vorrat liegen bleiben, damit man kleine Risse oder Fehler im Golde sofort mit einem Stückchen bedecken kann. Unmittelbar vor dem Auftragen wird der abgetrocknete Bolus mit einer scharfen Bürste gut abgebürstet, um Staub, Körnchen oder Pinselhaare zu entfernen.

Das +Schnitteiweiß+ bereitet man, indem man das Weiße von einem Ei in ein Halbliter-Glas mit klarem Wasser schlägt und das Ganze schaumig quirlt. Wenn die Flüssigkeit gleich gebraucht werden soll, muß sie filtriert werden; hat sie einen Tag gestanden, so genügt es, wenn die obere Schaumschicht abgehoben wird. Wie der Bolus wird auch das Eiweiß mit einem Haarpinsel aufgetragen, der nur diesem Zwecke dienen darf und nach jedesmaligem Gebrauche gründlich gereinigt werden muß.

Das Eiweiß wird recht dick, sozusagen schwimmend aufgetragen, damit bis zum Aufbringen des Goldes stets noch ein reichlicher Überschuß an Feuchtigkeit vorhanden ist.

Zum Auftragen des Goldes dienen verschiedene Vorrichtungen, deren einfachste und zweckmäßigste der +Anschießer+ ist. Unter diesem Namen ist in allen Farbenhandlungen ein handbreiter Pinsel von Dachshaaren zu haben, dessen Haare in ganz dünner Lage in gleicher Länge zwischen Karton gefaßt sind.

Mit einem solchen Anschießer wird einige Male durch das Haar gestrichen, damit dieses etwas von seinem Fettgehalt abgebe, und das Gold vom Kissen abgehoben, indem man es mit den Haaren des Anschießers aufnimmt. Das Gold wird dann auf das Eiweiß gebracht, auf welchem es sofort haftet. Wenn nach und nach der ganze Schnitt mit Gold belegt ist und etwaige Fehlstellen mit einem Flickchen versehen worden sind, so läßt man den Überschuß des Grundes ablaufen, indem die Presse aufgehoben und quer auf den Tisch gestellt wird, bis das noch reichlich vorhandene Eiweiß unter dem Golde hervorgequollen und abgetropft ist. Danach erst wird die Presse zum Trocknen beiseite gesetzt, doch so, daß der Oberschnitt nach unten gekehrt ist. Dies hat seinen Grund darin, daß die Feuchtigkeit, die sich natürlich nach unten zieht, am Oberschnitte nicht so leicht in den Band eindringen kann als an dem rauhen Unterschnitte, an welchem auch das Papier meist weniger fest ist.