Der Bucheinband: Seine Technik und seine Geschichte

Part 4

Chapter 43,652 wordsPublic domain

Der Gebrauch der Heftlade ist, wie es scheint, im Orient nicht bekannt gewesen. Denn die orientalischen Bücher sind ohne Bünde geheftet. Der Faden zieht sich in sehr einfacher Weise durch das Buch, indem er etwa im Drittel der Buchhöhe eingestochen, am zweiten Drittel wieder ausgeführt und in den nächsten Bogen eingestochen wird. In dieser Weise windet sich der Faden im Zickzack durch das ganze Buch durch. Später, wenn das Buch beschnitten ist, werden am oberen und unteren Ende die Stiche gemacht, welche dazu dienen, dem Buche einen festeren Halt zu geben. Von dieser Sicherung des Zusammenhalts an den beiden Enden des Rückens wird später bei Erwähnung des +Kapitals+, wie die obere und untere Ziernaht genannt wird, die Rede sein.

Nicht sehr verschieden davon ist die älteste Heftung im Abendlande, bei welcher man das Kapital gleich mitanstach. Auch hierzu bediente man sich wohl noch keiner Heftvorrichtung. Wann der Gebrauch der Heftlade aufgekommen ist, läßt sich nicht feststellen. Zur Zeit, als man begann, die Buchbinderei im Abendlande handwerksmäßig zu betreiben, hat man die Heftung wahrscheinlich auch aus freier Hand bewirkt, und die Führung des Fadens ist ähnlich der im Orient gebräuchlichen gewesen. Das Kapital wurde dabei gleichzeitig mitangeheftet. Man führte den Faden (kräftigen Hanfzwirn) an einem Ende der untersten Lage ein, stach ihn am ersten Bunde wieder heraus, führte ihn um diesen herum wieder nach innen, von dort bis zum zweiten Bunde, wo er wieder umstochen wurde, dann zum dritten und so fort, bis er am anderen Lagenende wieder herauskam. Der Faden wurde dann am Ende des Rückens zweimal um ein Streifchen Leder oder rund gedrehtes Pergament herumgeschlungen und in den nächsten Bogen eingeführt, so also, daß an beiden Enden ein kleiner umwickelter Wulst quer über dem Schnitt lag. Dieser Wulst, aus dem später das Kapital hervorging, hinderte das Einreißen des Zwirns und diente den Bogen beim Heften als Richtschnur.

Nachstehende Figur zeigt bei a den oberen und unteren Wulst, bei b die um die Bünde herumgeführte Heftung.

Als man später eine größere Anzahl Bünde einführte, konnte das Heften nur noch mittelst der schon erwähnten +Heftlade+ ausgeführt werden, die anfänglich wohl noch keine bewegliche, durch Schraubenmuttern verstellbare Querleiste hatte und an einem kleinen Tische befestigt war. Die Art der Heftung wurde mit dem Aufkommen dieser Neuerung eine andere, was mit dem Umstande zusammenhängt, daß man anfing, den Buchkörper zu beschneiden.

Schon vor dem Jahre 1450 finden wir +beschnittene+ Bücher, und schon lange vor dieser Zeit kam man davon zurück, das Kapital mit anzuheften; an der Stelle, wo man vorher den Faden aus dem Bogen führte, that man dies auch später, doch nahm er seinen Weg nicht über das Bogenende und um das Kapitaleinlage-Streifchen herum, sondern wurde sofort in den nächsten Bogen eingestochen. In dieser Weise entstand der sogenannte _Fitzbund_.

Mit Einführung der Doppelbünde (s. oben S. 32) wurde die Arbeit des Heftens noch umständlicher. Die Nadel wurde mit dem Faden, wie gewöhnlich, am Fitzbunde eingeführt zwischen den beiden Teilen des nächsten Doppelbundes heraus, um den ganzen Bund herum und wieder mitten durch den Bund in den Bogen und zum nächsten Bunde, der in derselben Weise wie alle übrigen umstochen wurde, so daß das Schema für die einzelne Lage das folgende ist:

Die Befestigung der Schnüre auf der Heftlade erfolgt durch Anhängen an die sog. +Hefthaken+, welche durch die obere verstellbare Leiste durchgesteckt sind; die Haken selbst lassen sich verschieben und mittelst eines Gewindes höher und tiefer stellen.

Am unteren Teile der Heftlade befindet sich eine bewegliche Leiste, welche, um das Dazwischenlegen der Bünde zu ermöglichen, herausgenommen werden kann. Damit diese aber nicht wieder herausrutschen, werden unten mit einer einfachen Umschlingung die sog. Heftstifte befestigt, die damit quer unter der Leiste und dem Lagerbrett zu liegen kommen.

Unsere deutschen Heftstifte werden durch eine Schlinge einfach vorgesteckt und haben die folgende althergebrachte Form, während die englischen Arbeiter sich eines anderen kleinen Werkzeuges, der +Heftklammer+, bedienen. Die oben angehängte Kordel wird glatt nach unten angespannt, die Heftklammer wird daran geschoben, und das unten hervorragende Ende der Kordel einmal darumgeschlungen, so daß der Bund fest angezogen bleibt, nachdem die Vorderleiste der Heftlade angesetzt ist.

Beim Heften liegt das Buch links von der Heftlade, der Titel nach unten; Bogen um Bogen wird mit der linken Hand abgenommen, geöffnet und so herumgelegt, daß der Kopf des Bogens nach links, das untere Ende nach rechts liegt. Der linke Arm liegt dabei völlig auf der Heftlade und übernimmt alle Thätigkeit hinter den Schnüren und im Inneren des Bogens. Die Rechte bleibt vor den Schnüren und behandelt den Bogen von außen.

Die Bünde müssen, bevor man zu heften anfängt, genau gerichtet werden, damit sie auf dem Buchrücken später auch da liegen, wo sie liegen sollen; sie müssen gleiche Abstände haben, und vor allem gerade, d. h. rechtwinkelig mit dem Rücken über demselben liegen. Früher machte man dies in der Weise, daß von der Rückenlänge oben und unten so viel abgerechnet und mit einem farbigen Stifte vorgemerkt wurde, wie für das Beschneiden nötig erachtet wurde. Der übrige Raum wurde, je nach Zahl der Bünde, mit dem Zirkel in gleiche Teile geteilt und an jedem Teil mit Winkel und Rotstift ein Strich quer über den Rücken gezogen, der die Richtung für den Bund angab; etwa 1 bis 1½ cm von dem vorgemerkten Schnitt entfernt, wurde der Stich für den Fitzbund in derselben Weise vorgemerkt. Anfangs wurde der obere und untere Teil des Buches -- Kopf und Schwanz -- genau gleich lang gemacht; im 17. Jahrhundert begann man aber des besseren Aussehens wegen dem Schwanz eine größere Länge zu geben.

Ist die Arbeit des Heftens so weit fortgeschritten, daß der letzte (d. h. im fertigen Buche der +erste+ Bogen) an die Reihe kommt, so wird das sogenannte +Vorsatz+ (Vorsatzpapier) angeheftet. Dies besteht aus mehreren weißen oder auch farbigen Blättern, die einerseits mit dem Körper des Buches zusammenhängen, anderseits dessen Verbindung mit der Decke bewerkstelligen helfen.

Das Vorsatzpapier kommt selbstverständlich bei den Handschriften des Mittelalters nicht vor, weil die leeren Blätter geheftet wurden, ehe der Schreiber seine Arbeit begann, dieser also in der Lage war, eine beliebige Zahl von Blättern vorweg unbeschrieben zu lassen. Bei den ältesten gedruckten Büchern finden wir vorn und hinten je 2 Doppelblätter angeheftet, und zwar anfangs Pergament-, später Papierblätter. In letzterem Falle wurde jedoch ein etwa drei Finger breiter Streifen Pergament, mit einem schmalen Fälzchen um die Papierlage herumgeschlagen, als äußerstes Blatt nach außen mitgeheftet. Dieser stellte dann die eigentliche Verbindung zwischen Buch und Decke her. Im 17. Jahrhundert begann man in Italien, dann in Frankreich und Deutschland farbige Papiere zum Vorsatz zu verwenden, so daß die inneren Flächen des Deckels und die ihnen gegenüberstehenden Seiten farbig waren. Bei der Herstellung dieses Buntpapiers bediente man sich in Italien meist einer in Holz geschnittenen Druckform. In England und Frankreich wandte man marmoriertes Papier an, während in Deutschland der vom Buchbinder selbst gefertigte sogenannte Kleister- oder Wolkenmarmor allgemeine Verwendung fand, was im übrigen nicht ausschließt, daß die eine oder andere Sorte auch einmal außer Landes benutzt wurde. Später finden wir statt 4 nur noch 2 Vorsatzblätter als Regel, die in Frankreich und England nicht mehr besonders geheftet, sondern dem ersten Bogen vorgeklebt werden, während Italien immer noch vorheftet, aber, wie auch in Deutschland, in der Weise, daß das ganze Vorsatz mit einem schmalen Fälzchen um die erste Lage herumgelegt und mit dieser zusammengeheftet wird. Noch heute wird in fast allen Buchbindereien Deutschlands das Vorsatz in dieser Weise behandelt; nur bei ganz gewöhnlichen Einbänden, namentlich bei den in Massen angefertigten, begnügt man sich mit +einem+ Vorsatzblatte.

Das gewöhnliche Papiervorsatz wird in der Weise hergestellt, daß man, je nachdem das verwendete Papier es zweckmäßig erscheinen läßt, entweder ein Blatt in doppelter Breite zusammenbricht und einen etwa 3-4 Finger breiten Papierfalz ganz schmal daran klebt oder daß man, wenn das Papier sich in dieser Weise nicht günstig einteilen läßt, die beiden Blätter einzeln gemäß der Größe des Buches schneidet, an dem einen einen entsprechend breiten Flügel als Falz stehen läßt, diesen herumbricht und das andere Blatt hereinsteckt. Auf jeden Fall wird dann ein Fälzchen nicht breiter als 3 mm darangebrochen, und zwar nach der inneren Seite des Vorsatzes, während der Flügelfalz auf die äußere Seite zu liegen kommt. Das Blatt legt man, mit der Innenseite nach oben, quer vor sich auf den Tisch, biegt die Kante des Rückens etwa 3 mm mit beiden Daumen und den Zeigefingern etwas nach oben und läßt so das sich bildende Fälzchen zwischen den Fingern durchgleiten, indem man mit den beiden Händen nach rechts und links am Rücken entlang streicht.

Soll ein solches Vorsatz Leinwandfalz haben, so wird dieser vor das mittlere, sogenannte fliegende Blatt eingeklebt, ehe das Fälzchen angebrochen wird. Ist buntes Vorsatz beabsichtigt, so muß dieses vorher eingeklebt und auf das erste fliegende Blatt aufgepappt werden, da das Einkleben nachher niemals so sauber zu bewerkstelligen ist wie vorher; auch kann man es nicht so dicht in den Falz kleben, daß nicht noch ein schmales, weißes Rändchen zu sehen wäre.

Eine andere Art, das Vorsatz anzubringen, die vornehmlich in England üblich ist und den Vorzug hat, daß dabei Buch, Vorsatz und Decke unlösbar miteinander verbunden werden, besteht darin, daß man an den ersten und letzten Bogen je 2 Blatt weißes Papier anklebt und auf jedes der äußeren Blätter das farbige Vorsatzpapier aufpappt. Nachdem noch ein Leinwandfalz vorgeklebt ist, wird die ganze Lage so knapp wie möglich (höchstens 2 mm breit) umstochen. Man bedient sich hierzu einer dünnen Nähnadel und eines weißen, dünnen, aber sehr festen Zwirns. Dieses Umstechen geschieht mittelst der sog. Überwendlingsnaht. Die Stiche sollen dabei nicht weiter als 8-10 mm, je nach Größe des Buches, voneinander entfernt sein. Oben und unten werden die Fäden in einfacher Weise doppelt umschlungen. Sind die ersten und letzten Bogen sehr dick, so werden sie geteilt und vorn und hinten je zwei Lagen daraus gebildet und beide umstochen; auch sonst empfiehlt es sich, den zweiten Bogen ebenfalls zu umstechen. Es sei noch bemerkt, daß man in derselben Weise Kupfer mit dem zugehörigen Bogen verbindet, auch ganze Werke, die aus einzelnen, nicht zu starken Tafeln bestehen, in dieser Weise zu Lagen verbindet.

Die so vorbereiteten Endlagen werden in der gewöhnlichen Weise geheftet, wie wir weiterhin sehen werden.

In Deutschland scheint die Ansicht allgemein zu sein, daß man ohne Leinwand- oder Lederfälze im Rücken nicht auskommen könne. Die englischen und französischen Bände jedoch belehren uns eines besseren; diese zeigen am fertigen Buche Papiervorsätze ohne Stoff- oder Lederfälze so sauber und genau, wie dies bei unseren Leinenfälzen kaum besser sein kann. Dabei findet man verhältnismäßig selten einen Band, bei dem das Papier im Bruche geborsten ist.

Besonders lobenswert ist an den englischen Arbeiten die umstochene erste Lage. Soll nun Papiervorsatz ohne Stoffeinlage verwendet werden, so werden dieser ersten Lage zunächst zwei Blatt Vorsatz vorgeklebt, und hierauf das eine von zwei Blättern farbigen Papieres aufgepappt. Dies geschieht in der Weise, daß ein farbiges Doppelblatt, mit der farbigen Seite nach innen, zusammengebrochen wird. Das Äußere der beiden weißen Blätter wird angeschmiert, das farbige mit 3 mm weitem Abstand vom Rücken daraufgelegt, dieses gut angerieben und das Ganze kurze Zeit eingepreßt. Man kann diese Art des Vorsatzes auch dem bereits gehefteten Buche vorkleben.

Eine weitere Art von Vorsätzen, solche mit eingeklebten Fälzen, behandeln wir weiter unten und kehren nach dieser Unterbrechung zu der Beschreibung des Heftens zurück.

Der Hauptunterschied zwischen älterer und neuerer Heftweise liegt darin, daß bei ersterer die Bünde außen auf dem Rücken erhaben liegen, bei letzterer aber in +Sägeschnitten+ eingelassen sind. Die Folge dieses Umstandes ist, daß die Bünde aus wesentlich schwächeren Schnüren bestehen, weil sonst der Rücken zu tief eingesägt werden müßte. Ein fernerer Unterschied besteht darin, daß früher der Bund umstochen wurde, neuerdings aber der Faden im Buche gerade durchgeführt wird, wobei er den Bund jedesmal faßt und hinter demselben her läuft.

Im übrigen stimmt die ältere und neuere Heftweise überein. Das Verschlingen am Ende eines jeden Bogens geschieht, indem man unter dem vorhergehenden die Nadel durchführt, ehe man zum nächsten fortschreitet. Die beiden ersten Bogen werden jedoch mit einem Knoten aneinander befestigt. Außerdem ist zu bemerken, daß das Heften mit dem letzten Bogen beginnt und nach vorn zu fortschreitet; in England herrscht jedoch das umgekehrte Verfahren. Ferner gilt die Regel, bei dem ersten Bogen auf der rechten Seite zu beginnen; da, wo wir links am ersten Bogen herauskommen, stechen wir in den zweiten wieder ein, um dann rechts zu endigen und an das aus dem ersten Bogen hervorragende Fadenende anzuknüpfen. Dieses Anknüpfen geschieht in sehr einfacher Weise, indem man mit dem Faden eine Schlinge bildet, durch diese hindurch das erste Fadenende mit Daumen und Zeigefinger der Linken ergreift, dabei mit der Rechten die Schlinge fest anzieht. Derselbe Handgriff wird dann noch einmal gemacht, man erhält so den festen Schluß, wie er beistehend abgebildet ist (Fig. 11).

Am letzten Bogen verwahrt man das Ende des Fadens, indem man unter dem vorhergehenden Bogen statt einemmal zweimal anschlingt. Muß der Faden angeknüpft werden, so darf der Knoten nicht auf der Innenseite eines Bogens zu liegen kommen, sondern muß womöglich am Fitzbunde sich finden. Jedesmal, nachdem der Bund umstochen worden ist, wird der Faden kräftig angezogen und dabei darauf geachtet, daß die Bünde selbst nicht verzogen sind.

Es ist natürlich, daß durch die Fäden im Inneren der Bogen der Rücken stärker aufträgt als das übrige. Das Buch +steigt+, wie der Kunstausdruck lautet. Dies ist an sich kein Fehler, wenn nur die Bogen fest aufeinander sitzen, gut »niedergehalten« werden. Zu diesem Zwecke streicht man jeden soeben gehefteten Bogen mit der Nadel kräftig nieder. Sind die Bogen sehr dünn, so müssen sie kräftiger niedergehalten werden, zu welchem Zwecke eine Schere oder ein Zirkel dienlich ist, indem man mit diesem die Bogen niederklopft. Übrigens muß man sich hüten, hierin des Guten zu viel zu thun.

Zum Zweck des Einsägens werden die zu einem Bande gehörigen Bogen zunächst gerade gestoßen, wobei insbesondere darauf zu achten ist, daß die Bogen sowohl am Rücken als am Oberschnitt im rechten Winkel stehen. Das Buch wird dann zwischen zwei Bretter so in die Presse gesetzt, daß der Rücken etwa ½ cm hervorsteht. Meistens legt man den ersten und letzten Bogen vorher beiseite, jedenfalls aber, wenn man Vorsätze mit angebrochenem Fälzchen verwendet. Sollen aber die ersten Bogen mit dem Vorsatz umstochen werden, so können sie auch mit eingesägt sein. Oktavbände erhalten auf etwa alle 3, größere auf etwa alle 4 cm Rückenlänge einen Bund. Nachdem man für die spätere Verzierung an Kopf und Schwanz (oberem und unterem Ende) des Rückens 1, bezw. 2 cm in Abrechnung gebracht hat, wird je nach Anzahl der einzusägenden Bünde der Rücken in gleiche Teile geteilt, an jedem Teil quer über den Rücken und genau rechtwinkelig Bleistiftstriche gezogen, denen gemäß nun die Sägeschnitte gemacht werden. Zu diesem Zweck muß die Presse flach liegen, der Rücken des Buches nach oben. Die beste Lage erhält die Presse vermittelst des sog. +Preßknechtes+. Dies ist ein Brett, etwas länger, als die Tischhöhe beträgt, das oben mit einem angeschraubten Ansatz versehen ist, auf welchem die Presse ruht, wenn man diesen Preßknecht etwas schräg als Stütze unter die Presse bringt (Fig. 12). Die Spindeln liegen dabei auf der vorderen Tischkante.

Als Säge dient am zweckmäßigsten ein sogenannter Fuchsschwanz, nur dürfen dessen Zähne nicht geschränkt sein.

Die Sägeschnitte für die Bünde sind so tief zu machen, daß diese noch gerade knapp darin Platz finden. Die Schnitte für die Fitzbünde, die lediglich den Zweck haben, den Faden aus dem einen Bogen in den anderen übergehen zu lassen und den austretenden Faden mit den vorhergehenden Lagen zu verbinden, sind weniger tief zu machen, da sie nur dazu dienen, für leichteres Durchstechen der Nadel eine kleine Öffnung zu schaffen.

Außerdem kommt noch der als Leimbund bezeichnete Sägeschnitt, den man nur bei ganz geringwertiger Ware anwendet, in Frage. Es ist dies ein kräftig eingesägter Bund zwischen je zwei gehefteten, der einen ebensolchen dadurch ersetzen muß, daß der Leim in den Schnitt eindringt. Beim Heften selbst bleibt er unberücksichtigt.

Außer der festen Heftung, wie sie oben beschrieben wurde, kommt für geringere Ware das sog. »+Auf-+ und +Abheften+« zur Anwendung. Nachdem der Faden am Fitzbunde ein- und am nächsten ausgeführt wurde, wird der nächste Stich in den folgenden Bogen, der dritte wieder in den ersten, der vierte in den folgenden gemacht u. s. f. Demgemäß liegt jeder Faden wechselweise in zwei Bogen. Der Vollständigkeit halber sei noch die +Broschürenheftung+ hier angeführt. Jeder Bogen wird hierbei nur mit einem kurzen Stich in der Mitte gegriffen, in der Weise, daß der Faden im Zickzack sich durch alle Bogen hindurchwindet, wie dies in ähnlicher Weise beim orientalischen Einbande der Fall ist (s. oben S. 32).

Bei der alten Heftweise konnte, wie schon bemerkt, nur immer ein Band auf der Heftlade geheftet werden. Bei eingesägten Bänden heftet man deren so viele übereinander, als der Raum der Heftlade gestattet, da sich später die einzelnen Bände auf den Schnüren auseinander ziehen lassen. Ehe man die Bünde zum Heften aufspannt, berechnet man die Zahl der Bände, welche die Heftlade aufnehmen kann, und richtet danach die Länge der Heftschnüre ein.

Um die erste und letzte Lage beim Heften mit dem Vorsatze zu verbinden, werden beide Teile entweder »umstochen«, wie Seite 36 angegeben ist, oder es wird an das Vorsatzpapier ein Fälzchen angebrochen. In diesem Falle wird das Vorsatz den Endbogen so vorgelegt, daß das schmale, angebrochene Fälzchen nach innen zu um den Bogen herumgreift. Würde man nun bei dieser Art der Verbindung von Bogen und Vorsatz die Lage so anheften, daß man dicht am Bunde heraussticht und nach dem Umstechen des Bundes den Faden wieder in den Bogen eintreten läßt, so würden die Stichlöcher sehr groß und breit werden. Wir können an Bänden aus dem Anfange unseres Jahrhunderts diese unangenehme Eigenschaft beobachten, denn damals wurde, wie angegeben, verfahren. Man vermeidet den Übelstand jetzt, indem man in der Vorsatzlage den Faden etwa 3 mm vor und hinter dem Bunde ein- oder ausführt. Dabei sticht man den Bogen mit dem Vorsatz nicht genau in der Mitte des Bruches an, sondern ganz wenig nach dem Fälzchen zu seitlich, so daß man beim Öffnen des ersten Blattes den Stich selbst nicht mehr zu sehen bekommt; man nennt dies »Abstechen«.

Wenn die Heftlade ihre Dienste geleistet hat, werden die gehefteten Stöße herausgenommen und in die einzelnen Bände auseinander gezogen. Beim Auseinanderziehen legt man den Bücherstoß mit dem Rücken nach oben auf den Tisch und zieht die einzelnen Bände so weit von einander, daß für jeden entsprechend lange Bünde verbleiben; die Schere trennt dann die einzelnen Bände voneinander. Jeder Bund soll auf jeder Seite des Buches bei geringen Arbeiten nicht unter 3 cm, bei guten Halbfranz- oder Lederbänden nicht unter 8 cm vorstehen. Die Bünde werden nun aufgedreht, damit die Fäden lose werden. Lange Bünde dreht man mit den Fingern auf und hilft mit einem spitzen Gegenstande, etwa einer Ahle, nach; die nötige Breite erhalten die Bundenden zuletzt durch Aufschaben mit einem Messerrücken. Kürzere Bünde schabt man gleich mit dem Messer über ein sog. Aufschabebrettchen (von Holz oder Blech) möglichst fein auseinander. Die geschabten oder aufgedrehten Bünde werden thunlichst glatt auf die Seiten des Buches herübergelegt, damit sie keine Erhöhungen bilden.

Um die schmalen Fälzchen an den Vorsätzen, welche um den Endbogen geheftet sind, einzukleben, legt man das Buch mit dem Rücken an die Tischkante, schlägt den ersten Bogen zurück, gibt dem nun freistehenden Fälzchen mit dem Finger von beiden Seiten Kleister, schlägt den Bogen wieder zu, richtet denselben am Rücken so, daß er ein wenig vorsteht, während der Bogen im Inneren mit den anderen gleich stehen muß, und streicht mit einem Falzbein das Ganze nieder. Würde man die Lage ohne den kleinen Spielraum ankleben, so würden sich die ersten Blätter des gebundenen Buches nicht gut aufschlagen. Anders ist es bei den Vorsätzen, welche mit dem Endbogen umstochen sind. Diese werden in derselben Weise zurückgeschlagen und auf dem Buche selbst ein Blatt Makulatur vorgelegt, so daß noch ein Rand von etwa 3 mm frei bleibt. Dieser Rand wird mit Kleister angeschmiert, der Bogen zugeschlagen, am Rücken genau geradegerichtet und mit dem Falzbein angerieben, wie vorhin.

Der Buchkörper, an dem alle Bünde scharf angezogen und über den Falz glatt herübergestrichen werden müssen, wird nun zum Leimen des Rückens platt auf ein hierzu bestimmtes Brett, das +Leimbrett+, gelegt, obenauf kommt ein schmäleres Brett, besser ein eisernes Lineal. Buch, Leimbrett und Leimlineal werden gleichgerichtet und der Rücken mit nicht sehr starkem, aber möglichst heißem Leim überstrichen. Damit der Leim ein wenig zwischen die einzelnen Bogen eindringt und auf dem Rücken keine merkliche Schicht bildet, wird er mit der Spitze eines Hammers eingerieben, und dann mit dem gut ausgestrichenen Pinsel möglichst viel von der außen auf dem Rücken sitzenden Masse wieder abgenommen.

Man kann in dieser Weise auch mehrere Bände zu gleicher Zeit leimen. Dieselben werden nach dem Leimen aber sofort wieder getrennt, wie denn überhaupt jeder Band nach dem Leimen mit dem Rücken freiliegend trocknen muß. Zu dem Ende legt man die Bände verschränkt übereinander, nachdem sie nochmals genau auf ihre gerade Richtung geprüft worden sind. Die Rücken werden dabei nach außen gewendet, so daß sie rechts und links nach außen über die vorhergehenden vorstehen. Wenn einzelne Bände beim Leimen verschoben werden, so entstehen Fehler, die nur schwer zu verbessern sind; fast immer wird ein solches Buch schief beschnitten sein.

Wie schon früher (S. 41) erwähnt, hat man in neuerer Zeit versucht, die Arbeit des Heftens durch Maschinen besorgen zu lassen. Die +Drahtheftmaschine+ ist jetzt allgemein im Gebrauch, aber nur für die Massenproduktion bei Broschüren und ganz geringen Einbänden anwendbar. Ihre Einrichtung zeigt Fig. 13. Die +Fadenheftmaschinen+, deren verschiedene in den Verkehr gebracht worden sind, haben sich nicht bewährt. Es gibt indes auch +Fadenheftvorrichtungen+, die sich für den Kleinbetrieb eignen. Eine solche, von dem Buchbinder +Schröder+ in Oppeln erfunden, bietet manche Vorteile, leidet aber an dem Übelstande, daß der Bund erst nachträglich eingezogen werden kann, die Sägeschnitte daher sehr weit sein müssen und infolgedessen mehr Leim, als gut ist, in den Buchrücken eindringt; eine andere Maschine derart ist erst ganz kürzlich von dem Buchbinder +Carl Grundig+ in Görlitz zum Patent angemeldet und der vorigen sehr ähnlich.